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Aus -er engeren Heimat.

Züchterabend

des Kleintierzüchtervereins Holzheim.

* Holzheim, 18. Jan. Der hiesige Klein- tierzüchterverein veranstaltete im Saale Sames wir berichteten gestern bereits kurz dar­über einen Züchterabend, der der weiteren Schu­lung der Vereinsmitglieder diente.

Vcreinsdiener Wilhelm Jung IX. hieß die Züch­ter willkommen und betonte, daß für jeden Züchter die Parolegesteigerte Leistung" oberstes Gesetz sei. Das Ziel der deutschen Geflügelzucht sei es, daß pro Huhn und Jahr 140 Eier zu verzeichnen sind. Diese Leistung könne praktisch durch die Ver­jüngung der Bestände und durch zweckmäßige Fütte­rung und Unterbringung erreicht werden. Für die Kaninchenzucht sei die Forderung unserer Zeit die Einstellung auf Wirtschaftsrassen.

Im weiteren Verlauf des Abends sprach Preis­richter May (Lang-Göns) über die volkswirtschaft­liche Bedeutung der deutschen Rasse-Geflügelzucht ".m Rahmen des Vierjahresplanes. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß in Holzheim die Rassegeflügelzucht stets stärkstes Interesse gefunden habe und verband damit den Wunsch, daß in Holz­heim die Tradition auf diesem Gebiete gewahrt bleiben möge. Anschließend nahm er die Beurtei­lung einer Anzahl der von den Züchtern mitgebrach­ten Tiere vor. Anhand des fachmännischen Urteils konnten die Züchter einen Ueberblick über den Stand ihrer bisherigen Bemühungen gewinnen.

Preisrichter Haas (Friedberg) nahm die Bewer­tung einiger Kaninchen vor und wies darauf hin, daß die VereinsrasseWeiße Wiener" jede Förde­rung verdiene und jedem zur Zucht zu empfehlen sei. Im Besitz der Mitglieder des Vereins befindet sich eine Reihe ganz hervorragender Tiere dieser Rasse. Der Verein wird bei den nächsten Kreis- schauen in Lollar und Daubringen mit seinem Ma­terial an die Oeffentlichkeit treten.

Nach der Erledigung des fachlichen Teil des Züch­terabends blieb man noch geraume Zeit bei guter Musik und manchem humorvollem Vortrag beisam­men. Zuchtberater Heinrich Mehl dankte allen, die sich für diesen Abend zur Verfügung gestellt hatten, und schloß mit dem Wunsche, daß der Verein bei seiner Jubiläumsschau aus Anlaß seines 20jähri- gen Bestehens mit einer eindrucksvollen Schau her­vortreten könne.

Landkreis Gießen.

ch Staufenberg, 18. Jan. Die hiesige Sah weineoersicherung hielt in derBurg" ihre Generalversammlung ob. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Heinrich Vogel IV., wurde der Kassenbericht erstattet, der einen günstigen Stand der Kasse auswies. Aus dem Vorstand schied Ph. Moos aus. Wilhelm Geißler wurde in den Vorstand berufen. Die übrigen Vorstandsmit­glieder blieben im Amt.

4= Daubringen, 18. Jan. Der hiesige Ge­sangvereinSängerlust" hielt bei Gast­wirt Schäfer seine Jahresschlußversammlung ab. Vereinsführer Opper erstattete den Jahresbericht. Der bisherige Vorstand bleibt im Amt, er wurde lediglich um einen Notenwart und den Jnventar- vermalter ergänzt. Vereinsrechner Karl O p p e r erstattete den Kassenbericht, der günstig lautete und in Ordnung befunden wurde. Am 4. Februar soll ein Konzert für das Winterhilfswerk stattfinden. Im März wird der Verein außerdem einen Konzert­abend veranstalten.

A Treis a. d. L d a., 18. Januar. Am gestrigen Dienstag konnte die Witwe Frau Anna Katharine Zecher, geb. Will, Hauptstraße, in geistiger und körperlicher Frische ihren 8 3. Geburtstag feiern.

5 Albach, 19. Jan. Am morgigen 20. Januar feiert Frau Helena Schäfer, geb. Neeb, Ehefrau von Christian Schäfer, ihren 71. Geburtstag. Frau Schäfer war ein Menschenalter lang hier Heb­amme und trat vor einem Jahre in den Ruhestand. Wir gratulieren.

5 Steinbach, 19. Jan. Frau Maria Louisa Haas, geb. Schäfer, die am 13. Dezember 1938 ihren 9 0. Geburtstag feiern konnte, ist am

Dienstagabend an Altersschwäche gestorben. Ihr Mann Jacob Haas I. starb schon 1905. Sie war die Zweitälteste Einwohnerin unseres Dorfes.

# Allendo rf a. d. Lahn, 18. Januar. Der Schweine - V'ersicherungsverein ver­einigte bei Gastwirt Richard Wagner seine Mitglie­der zur Jahreshauptversammlung. Der Vorsitzende Ludwig Wagner II. erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß im vergangenen Jahre 1400 Tiere mit einer Versicherungssumme von 164 000 Mark erfaßt wurden. Die Einnahmen be­trugen 1521*71 Mark, die Ausgaben 1070,60 Mark. Der Kassenbestand beläuft sich somit auf 451,11 Mk. Der Verein zählte am Jahresschluß 112 Mitglieder. Die Kasse wurde in Ordnung befunden. Der bis­herige Vorstand bleibt unverändert im Amt. Auch der Rindoiehversicherungsverein hielt (bei Mitglied Henkelmann) seine Generalversamm­lung ab. Vorsitzender Konrad Glock erstattete den Geschäftsbericht. 160 Stück Großvieh waren mit insgesamt 48 000 Mark versichert. Die Verluste waren im vergangenen Jahre gering. Künftig wird nur noch % v. H. Prämie erhoben' Das Vereins­vermögen beträgt 670 Mark. Zwei Neuaufnahmen konnten im Mitgliederstand verzeichnet werden. Zum Kassierer wurde Philipp Heep ernannt.

8. L a n g - G ö n s, 18. Jan. Im Rahmen der Arbeit der N2.-GemeinschaftKraft durch Freude" fand in der hiesigen Turnhalle ein Gastspiel des Darmstädter Volkstheaters statt. Am Nachmittag wurde in einer Kindervorstellung Schneewittchen" gegeben, die von fast allen Kin­dern und zum Teil auch von ihren Müttern sehr gut besucht war und außerordentlich gefallen hat. Am Abend fand das lustige StückSchwarzarbei­ter" eine sehr dankbare Zuhörerschaft. Der Besuch am Abend war ebenfalls sehr gut.

lH Laubach, 18. Jan. Die hiesige Freiwil­lige Feuerwehr veranstaltete im Saale des Schützenhof" eine gutbesuchte Zusammenkunft. Der

Vogelschutz ist Herzenssache, nicht eine Angelegen­heit kalter Berechnung von vermeintlichem Nutzen und Schaden der uns umgebenden Vogelwelt. Die recht irrige Auffassung, daß alle Insekten schädlich und somit alle Kerbtierfresser unter unseren Vögeln nützlich seien, ist auch heute noch nicht überwunden. Wer sich aber ernstlich bemüht, die Schädlichkeit oder Nützlichkeit einer Tierklasse zu ermitteln, gerät bald ins Uferlose. Wenn der Tierfreund im Winter Fut­ter streut, so soll er es tun aus ideellen Gründen. Die Hilfe, zu der es den Menschen treibt, weil er mit den.notleidenden Geschöpfen fühlt, ist sittlich viel höher zu bewerten, als die, die er gewährt," weil er für sich aus seiner kleinen Leistung Nutzen erwartet.

Die früher zur Winterfütterung fast ausschließlich verwendeten Oelsaaten (besonders Hanf) sind in un­seren Zeiten knapp und teuer. Wir sind daher ge­zwungen, uns nach geeigneten Ersatzstoffen umzu­sehen. Schon im Herbst können wir in diesem Sinne Vorräte sammeln, wenn wir die schwarzen Holunder­beeren und die schönen, roten Früchte der Ebereschen heimholen und trocknen. Das ist ohne viel Mühe möglich, wenn wir die sehr wasserhaltigen Holun­derbeeren, in Büscheln zusammengebunden, erst an einer Schnur an geschützter Stelle aufhängen und später in der Küche, etwa auf dem Schrank, nach­trocknen. Die Ebereschenbeeren sind noch leichter in luftigen Räumen, z. B. auf dem Speicher, haltbar zu machen. Die Beeren werden von A m - sein und Staren angenommen, auch wenn sie zuerst von den Tieren nicht sehr geschätzt werden. Wenn aber Schnee oder Rauhreif wirkliche Not bringen, werden sie schnell und resllos aufgezehrt.

Neuere Versuche haben gezeigt, daß wir daneben in grob gequetschtem Hafer, der als Futter - haferflocken billig zu kaufen ist, eine zweck­mäßige Wintergabc besitzen. Nicht nur dieFinken- vögel und die seltener am Futterplatz erscheinen­den B r a u n e l l e n fressen ihn, sondern auch M e i- sen, Stare, Amseln und selbst Rotkehl­chen.

Leiter der Wehr, Hauptbrandmeister Hrch. Kopp, konnte neben den Feuerwehrmännern und ihren Angehörigen auch den Kreisfeuerwehrführer Bouf­fier (Gießen) begrüßen. Den ersten Teil des wohl- aelungenen Abends bestritt das Streichorchester der Laubacher Feuerwehrkapelle mit schönen Konzert­stücken, die reichen Beifall fanden. Am Schluß des offiziellen Teiles sprach Bürgermeister Högy zur Wehr, indem er allen Feuerwehrkameraden für die seither gezeigte Einsatzbereitschaft dankte, und wies auf die besondere Stellung der Feuerwehren hin, die nunmehr mit polizeilichen Funktionen ausge­stattet sind. Die Veranstaltung verlief in kamerad­schaftlicher Weise.

<> Saasen, 18. Jan. Der hiesige Gesang­vereinE i n tr a ch t" hielt im GasthausZum Bahnhof" seine Jahreshauptversammlung ab. Ver- einssührer Hermann Wagner erstattete den Jah­resbericht, sprach von der Beteiligung beim Sänger- fest in Flensungen und rief auch das kameradschaft­liche Treffen mit dem Großen-Busecker Gesangverein Liederkranz" in die Erinnerung zurück. Am Him­melfahrtstag soll dem Großen-Busecker Verein ein Gegenbesuch abgestattet werden. Im weiteren Ver­lauf der Versammlung wurde der Vereinsführer in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt und ihm eine Ehrenurkunde überreicht. Der Vorstand bleibt unverändert im Amt. Für regel­mäßigen Singstundenbesuch wurden mehrere Sän­ger mit der silbernen Ehrennadel des Vereins aus­gezeichnet. Der Kassenbericht wurde in bester Ord­nung befunden. Dem Rechner H o r st wurde Ent­lastung erteilt. Dank und Anerkennung wurde fer­ner dem Dirigenten D o l ck (Großen-Buseck) für seine Verdienste um die Förderung des Dereins- chores zuteil.

Kreis Büdingen.

§ Steinberg, 18. Jan. Alle Einwohner unse­res Dorfes find bereits in Allgemeinausbildungs­lehrgängen im Luftschutz geschult. Nachdem auch der erste Fachausbildungskursus für die Hauswarte vorüber ist, beginnt jetzt ein. zweiter Lehrgang für die Hausfeuerwehr. 26 Frauen nehmen daran teil.

Ein weiteres, häufig aus Not gereichtes Futter­mittel, ist die Kartoffel, von der wir genügend Vorräte haben. Der Gedanke, sie zu verwenden, liegt nahe, weil sie auch sonst bei der Fütterung unserer Haustiere, z. B. der Hühner, eine Rolle spielt. Auf der anderen Seite wurde in der Dogelschutzliteratur vor der Verwendung der Kartoffel vielfach gewarnt. Sie sollte, besonders in gefrorenem Zustand, ge­fährlich sein. Schließlich fressen die Vögel aber auch im Freien zeitweise nur gefrorenes Futter. So ist denn der Nachweis der Schädlichkeit in der Tat nir­gends zu finden. Um die strittige Frage nach dem Werte und der Verwendbarkeit der Kartoffel zu klären, wurden jetzt von zuständiger Stelle Versuche gemacht.

Im letzten Heft des Jahrgangs 1938 derDeut­schen Vogelwelt" berichtet darüber Dr. Mans­feld, der Leiter der Vogelschutzwarte Seebach, Kreis Langensalza. Ueber das Ergebnis verdient die vogelfreundliche Bevölkerung in Stadt und Land unterrichtet zu werden:Anfang Dezember 1937 wurden 6 Kohlmeisen zu je zweien in Versuchskäfi­gen in ungeheizten Räumen eingewöhnt und mit bepi üblichen Weichfutter, dazu Sonnenblumenkerne, Hanf, Mehlwürmer und Fett (Schmeinenabel), ge­füttert. An Frosttagen wurde kein Wasser, sondern nur Schnee geboten und auch gefressen. Wasser ent­behren die Vögel also bei Schneefall nicht. Als um die vergangene Weihnachtszeit eine dichte weiße Decke unsere Fluren überzog, konnte der aufmerk­same Beobachter dieselbe Feststellung machen: Ueber- all pickten die Vögel eifrig am Schnee, um den Durst zu löschen. Vielfach ist noch zu lesen, daß man an Frosttagen am Futterplatz kein Wasser aufstellen dürfe, weil es die Tiere zum Baden verleite und dann das Gefieder zusammenfriere. Kältetod soll die unausbleibliche Folge sein. Für solche Behauptungen fehlen jedoch jegliche Beweise. Kein Vogel würde baden, wenn ihm diese Gefahr drohte. Sein Instinkt bewahrt ihn davor. In der Tat sehen wir, daß Vö­gel auch bei erheblichen Kältegraden fröhlich und

munter baden. Ein Gang die Wieseck oder den Klingelbach entlang, kann uns schnell davon über« Zeugen. Uns friert bei solchem Anblick. Aber was wissen wir von den Bedürfnissen eines Dogelkör- pers? Warum badet überhaupt der Vogel? Offenbar aus andren Gründen wie wir Menschen. Doch zu­rück zur Fütterung!

Vom 13. Dezember an erhielten die Meisen im Käfig I zusätzlich geriebene, ungesalzene, in der Schale gekochte Kartoffeln, soweit vermischt mit Haferschrot, daß eine ziemlich trockene und krümelige Masse entstand. Die Meisen nahmen die Mischung gut an. Die Vögel erhielten vom 14. bis 25. Dezem­ber nur noch Kartoffel-Hafcrschrot. bxi zwischen 1 und11 Grad Celsius schwankenden Temperatu­ren. Im Käfig II erhielten die Meisen seit 16. De­zember ebenfalls das Gemischs daneben konnten sie in beiden Käfigen vom Schweinenabel Fett aufneh­men. Alle 6 Vögel blieben lebhaft und glatt. Vom 26. Dezember an wurde in Käfig I reine Kartoffel geboten, dazu der Schweinenabel. Am 28. morgens waren beide Meisen tot. Dom 26. bis 28. herrschte Tauwetter. Die Kartofselfütterung führte also schon ohne Frost nach zwei Tagen zum Tode. Nachdem die Meisen im Käfig H 22 Tage ohne Nachteil mit der Kartoffel-Hafermischung gefüttert und damit doch offenbar schon besser an die Kartoffeln gewöhnt waren, erhielten sie ab 12. Januar nur noch Kar- tvffeln und waren ebenfalls nach zwei Tagen tot. Die beiden letzten Vergleichsvögel erhielten inzwi­schen seit 25. Dezember gleichfalls die Kartoffel- Hafer-Mischung, daneben aber noch das Eingewöh- nungsfutter. Sie erhalten nun am 14. Januar reine Kartoffeln und Schweinenabel, sträuben am 16. morgens stark die Federn und find matt, erholen sich aber ziemlich schnell bei Darbietung der Kartof- fel-Hafer-Mischung. Am 17. erhalten sie wieder reine Kartoffeln, worauf am 18. eine Meise tot ist. Die letzte erhält nun wieder das Gemisch und bleibt dabei munter bis zu ihrer Freilassung am 25. Fe- bruar 1938.

Die reine Kartoffel wirkte also selbst bei gleich­zeitiger Darbietung von Fett tödlich. Wir dürfen daraus schließen, daß an den seitherigen Warnun­gen vor der Kartoffelfütterung ein Kern Wahrheit steckt. Wenn auch das Gefrieren dabei offenbar keine Rolle spielt, so muß doch die Darbietung der reinen Kartoffel unterbleiben. Das Ge­misch mit grobgequetschtem Hafer ober Haferflocken darf hingegen als durchaus bekömmlicher Ersatz für fehlende Oelsaaten empfohlen werden.

Wer rrotzdem die Verwendung von Kartoffeln ver­meiden will, kann eine gleichfalls mit gutem Erfolg erprobte Mischung aus Haferflocken und Fett zu gleichen Teilen Herstellen. Den häufig gebrauchten Rindertalg können die Vögel bis zu etwa 0 Grad abpicken, bei tieferen. Temperaturen wird er aber zu hart und damit unbrauchbar. Ist die Kälte stärker, muß man ihn- (am besten auf einer Reibfläche) zerkleinern. Schweineschmalz wird an milden Tagen gern und schnell verzehrt. Bei 5 Grad bietet es dem Vogelschnabel aber schon so viel Widerstand, daß die Futterstellen nicht mehr ausgesucht werden. Auch die Mischung mit Rinder­talg ist dann nur in zerriebener Form für die Vögel genießbar. Sollen die mit Fettbestandteilen ausge­statteten Futterplätze auch bei stärkstem Frost nicht leer bleiben, so müssen mir, wie Versuche aus jüng­ster Zeit ergeben haben, zu Pferdeschmalz greifen. Es hat die Eigenart, daß es nur schwer erhärtet. Erst nach einem Zusatz von Rindertalg wird es bei 0 Grad fest. Ungemischt wird es in einer Schale bei großem Frost nach zwei Stunden genieß­bar. Es hat so die angenehme Eigenschaft, daß es bei15 Grad noch nicht versagt. Viel Pferde­schmalz mit wenig Rindertalg vermengt und unter Beigabe der gleichen Menge Haferflocken in etwas erkaltetem Zustand über Zweige, z. B. eines alten Christbaums gestrichen, wirkt auch bei tiefen Tem­peraturen auf die Vögel immer anziehend.

An solchen Kältetagen aber ist die Fütterung be­sonders wichtig. Bei gewöhnlichem Winterwetter hingegen sollten wir nur recht knapp füttern, damit die Vögel gezwungen sind, sich an die natürlichen Nahrungscsuellen in Garten, Feld und Wald zu halten. Ueberhaupt ist die Winternot unserer gefie­berten Freunbe bei weitem nicht so groß und bitter, wie die allzu vermenschlichende, landläufige Be­trachtung es wahrhaben möchte. Meisen z. B. sind nur an Tagen mit Rauhreif oder Glatteis ernstlich gefährdet.

Winterfütterung unserer heimischen Vögel

Von £. Gebhardt.

Von Ver Wildform zur Kulturpflanze.

Nützliche und künstliche Auslese. -

Die Schöpfung der Kulturpflanzen gehört zu den gewaltigsten Leistungen, die der menschliche Geist vollbracht hat. Die wirkliche Größe dieser Tat wird jedoch nur von den wenigsten in ihrer ganzen Be­deutung erkannt und gewürdigt. Dies kommt nicht zuletzt daher, daß wir gewöhnt sind, unsere hoch gezüchteten Kultursorten als gegeben hinzunehmen, und daß wir darum nur selten die Unterschiede be­denken, die zwischen ihnen und den Wildarten be­stehen, aus denen sie sich durch die unendlich lange und unendlich mühselige Züchtungsarbeit ent­wickelt haben.

Diese Unterschiebe zwischen ben Wildarten und den Kulturpflanzen erklären sich durch die äußerst un­gleichartigen Verhältnisse, unter denen Wildpflanze und Kulturpflanze leben und durch die verschiedenen Anforderungen, die an beide gestellt werden. Wild­pflanzen wie Kulturpflanzen sind mit allen ihren Eigenschaften und Fähigkeiten Ergebnisse der Aus­lese. Die Art der Auslese ist jedoch bei beiden verschieden. Die Wildpflanzen sind durch die Einwir­kung der natürlichen Auslese entstanden, die durch iben Kamps ums Dasein hervorgerufen wird. Die Kulturpflanzen dagegen sind aus ihnen hervorge- . gangen durch die künstliche Auslese durch den Men­schen. In der freien Natur bewirkt der Daseins- I kämpf, daß alles das ausgemerzt wird, was nicht «genügend lebenskräftig und widerstandsfähig ist. Demgemäß sind die Wildpflanzen in allen lebens- iwichtigen Eigenschaften an das Leben in der freien Matur mit allen seinen Ansprüchen und Gefahren Ausgezeichnet angepaßt. Sie werden den Anforde- irungen gerecht, die Boden und Klima an sie stellen, Issie sind durch die Eigenarten ihres Baues und ihrer (Entwicklung der Konkurrenz anderer Pflanzenarten gewachsen, sie sind häufig durch Dornen, Stacheln, starke Behaarung, Bitterstoffe und Gifte vor Tier- ifraß geschützt, und eine reiche Samenerzeugung und Zahlreiche Hilfsmittel zur Verbreitung dieser Samen sorgen für die Erhaltung des Lebens der Art über Das Leben des Individuums hinaus.

Das Beispiel

der jüngsten Kulturpflanze.

Ganz anders sind die Auskesebedingungen, die toitrd) die Menschen geschaffen werden. Hier ist die

pflanzen ändern ihren Charakter.

Brauchbarkeit der Pflanze oder bestimm­ter Teile der Pflanze für den Menschen der oberste Wertmahstab. Auch die Lebenskraft, das Angepaßt- sein an bestimmte Lebensverhältnisse hat hier nicht die Bedeutung wie bei den in freier Natur wachsen­den Wildpflanzen. Im Gegenteil, viele Eigenschaf­ten, die ben Bestand der Pflanze in der freien Na­tur auf das äußerste gefährden würden, machen sie erst für den menschlichen Genuß und für den An­bau durch den Menschen geeignet.

Sehr schön zeigt dies das Beispiel unserer jüngsten Kulturpflanzen, der ßupinenarten. Die weiße, die blaue und die gelbe Lupine find ja Zwar schon seit vielen Jahrzehnten in Deutschland angebaut worden. Die Pflanzen enthielten aber in den Blät­tern wie in den Samen eine so starke Menge gif­tiger Bitterstoffe, daß sie für die Verfütterung ober gar für die menschliche Ernährung unbrauchbar waren und nur für die Gründüngung. verwendet werden konnten. Um aus den Lupinenarten brauch­bare Kulturpflanzen zu gewinnen, mußte also zu-, erst diese unerwünschteste Eigenschaft, der hohe B i t> ter stoffgehalt, beseitigt werden. Nun besitzen auch bei anderen Hülsenfrüchtlern, die schon lange kultiviert werden, die Wildformen einen bitteren Geschmack, der sie für den Menschen unbrauchbar macht, die Kulturformen dagegen, die sich aus ihnen herleiten, sind wohlschmeckend und bitterstofffrei. Es müssen in diesem Falle also aus bitteren Ausgangs­pflanzen nicht bittere Formen entstanden und vom Menschen zufällig entdeckt und vermehrt worden sein. Auf Grund dieser Tatsachen konnte angenom­men werden, daß auch bei den Lupinen zuweilen Pflanzen austreten, die bitterstofffrei sind.

Hunderttausende von pflanzen wurden untersucht.

Um diese Formen zu finden, wurden mit Hilfe chemischer Methoden planmäßig viele Hundert- taufe n ö e von Pflanzen untersucht. Es gelang hierdurch in der Tat sowohl bei den gelben, wie bei den blauen und ben weihen Lupinen eine Reihe von Pflanzen zu finden, die nur noch so ge­ringe Spuren des Bitterstoffs enthielten, daß sie sowohl als Futtermittel wie für die menschliche Er­

nährung verwendbar waren. Mit der Auffindung ber bitterstofffreienSüßlupine n" war aber erst bie erste, wenn auch wichtigste Etappe bes We­ges, der von der Wildart zur Kulturpflanze führt, erreicht. Diese bitterstoffarmen Pflanzen besaßen noch eine Anzahl von Merkmalen, die wie der vor Tierfraß schützende Bitterstoffgehalt für ihre Erhaltung in der freien Natur sehr wesentlich, für ihre Nutzung durch den Menschen dagegen recht un­erwünscht waren. Dazu gehört z. B. die sogenannte Hartschaligkeitder Samen, die dazu führt, baß nur ein Teil der ausgesäten Samen sofort auf- geht, während der Rest erst nach und nach in den folgenden Jahren zur Keimung kommt. Bei einer Wildart ist diese Eigenschaft sehr wesentlich, da da­durch bie Erhaltung ber Art weitgehend gesichert wirb. Gehen nämlich im Jahre der Aussaat alle ober fast alle Keimlinge zugrunbe, so sorgen die erst in ben nächsten Jahren feimenben Pflanzen dafür, daß bas Leben ber Art dennoch erhalten bleibt. Für ben Menschen aber ist diese Eigenschaft wegen des Ausfalls von Saatgut und wegen der Verunkrau­tung bes Ackers in den folgenden Jahren wenig er­wünscht. Es mußten also aus dem vorhandenen Pflanzenmaterial Formen ausgelesen werden, die diese Hartschaligkeit nicht zeigten.

Hülfen mitPlatzverschluß".

Eine weitere, für eine Kulturpflanze äußerst un­erwünschte Eigenschaft war ferner bas Platzen ber reifen Hülsen, bas bie Lupinen zunächst Zeigten. Auch hier handelt es sich um eine Eigen­schaft, die für bie Erhaltung unb Verbreitung ber Pflanzen in ber freien Natur außerorbentlich wichtig ist. Die reifen Hülsen ber Lupinen besitzen einen Mechanismus, ber beim Austrocknen bewirkt, baß die Nähte zwischen ben herben Hülsenhälften plötz­lich aufgerissen werben. Durch biese plötzliche Bewe­gung werden die Samen aus den Hülsen heraus­geschleudert und fallen in größerer ober geringerer Entfernung zu Boden. Es' ist ohne weiteres ver- ftäiiblid), daß diese Eigenschaft für die Verbreitung der Pflanze in ber Natur wichtig unb notwendig ist. Für eine Kulturpflanze ist das Platzen der Hül­sen wegen der damit verbundenen hohen Verluste an Samen jedoch eine sehr unerwünschte Eigenschaft. Es war deshalb für den Züchter eine wichtige Auf­gabe, Pflanzen zu finden, die dieses Merkmal nicht besitzen. Auch diese Aufgabe konnte durch Unter­suchung einer sehr großen Zahl von Pflanzen gelöst werben. So werben durch bie Züchtung bie Eigen- schäften ber Pflanze verändert, die Pflanze wird

für den Menschen immer wertvoller u^ib brauch- barer, andererseits aber auch immer weniger an das Leben in der freien Natur angepaßt unb diesen Ansprüchen gewachsen.

Oie Leistung des Züchters.

An der Lupine können wir in der Gegenwart ver­folgen, wie sich eine Pflanze unter den Händen bes Züchters langsam von einer Wildart in eine Kul­turpflanze umwanbelt. Bei den meisten anderen Kulturpflanzen ist diese Entwicklung bereits abge­schlossen, unb wir können nur bie bereits fertig ent­wickelte Kulturform mit ber Wildart soweit diese überhaupt bekannt ist vergleichen. Dabei wirb bas beutlich, was sich schon bei ber Lupine zeigte, baß nämlich viele ber Merkmale, die den eigentlichen Wert der Kulturpflanze ausmachen, für bie Erhaltung ber Pflanze in der freien Natur durchaus nachteilig find. So werden die Pflanzen durch den Verlust der Dornen und Stacheln, Bitter- und Giftstoffe ben Angriffen ihrer tierischen Feinde schutzlos ausgesetzt: bie ben Menschen häufig er­wünschte unb durch die Züchtung erzielte Zartheit der Blätter unb Wurzeln macht diese auch den Tie­ren begehrter. Unsere Kulturpflanzen sind also zwei­fellos in ihrer heutigen, Form ohne die Hilfe des Menschen nicht lebensfähig, unb je mehr sie durch die Züchtung verbessert unb in ihren Leistungen ge­steigert werben, um so abhängiger werben sie vom Menschen, um so weniger vermögen sie sich selbst in ber freien Natur zu erhalten.

Die Züchtung hat in ben hinter uns hegenben Jahrhunberten unb Jahrtausenben Gewaltiges ge­leistet und ber Menschheit viele wertvolle Gaben geschenkt. Dieser Vorgang der Kulturpflanzenwer­bung ist, wie wir an dem Beispiel ber Lupinen sahen, auch heute noch nicht abgeschlossen, so daß man zweifellos in vielleicht nicht allzu ferner Zu- funft Kulturpflanzen kennen unb besitzen wirb, von benen wir heute noch nichts ahnen.

Schwan itz-Müncheberg.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Georg Dähm, Ordinarius für Strafrecht, Strafprozeßrecht und Kriminalpolitik an der Universität Kiel, hat einen Rus an die Uni­versität Leipzig erholten. Professor Dahm ist Mitglied der Akademie für Deutsches Recht und der amtlichen Strafrechts-Kommission.