Nr. 16 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Donnerstag, 19. Januar 1959
Eichener Anzeiger
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Beharrt Daladier auf der Politik der Nichteinmischung? Oie spanische Frage im Brennpunkt des Interesses.
E. F. Paris, 18. Januar.
Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik fand am Mittwochmorgen im Elysee-Palast ein M i n i st e r r a t statt, in dem Außenminister Bon- net auf Grund der ihm zuteil gewordenen Unterrichtung durch den englischen Außenminister Lord Halifax einen ausführlichen Bericht über die Verhandlungen erstattete, die Chamberlain und Lord Halifax in Rom mit Mussolini und Graf Ciano geführt haben. Erneut wird in maßgebenden französischen Kreisen betont, daß Lord Halifax und Bonnet die vollständige Uebereinstimmung der Ansichten der englischen und der französischen Regierung festgestellt hätten. Diese Feststellungen dürften sich insbesondere auf das M i t t e l m e e r beziehen. Der Ministerrat halt einstimmig die Erklärungen des Außenministers gebilligt. Auch über die Haltung Frankreichs in der spanischen Frage hat Uebereinstimmung geherrscht. Sie ist in den Mitte l p u n k t der Erörterungen getreten.
Der frühere Ministerpräsident Blum hat bereits in einer kurzen Erklärung am Dienstagnachmittag die Forderung aufgestellt, daß Frankreich das Nichteinmischungsabkommen kündigen und die Pyrenäen grenze nach dem roten Spanien öffnen solle. Er wird diese Forderung in einer Rede während der außenpolitischen Aussprache in der Kammer noch einmal unterstreichen. Die französische Regierung kann sich auf ein solches Abenteuer, das ihre enge Freundschaft mit England gefährden würde, nicht einlassen. Das Aeußerste,' was die Regierung zulassen kann, ist, daß die Forderung nach einem wirksamen Schutz der französischen Interessen im M i t t e l m e e r auch im Falle des Endsieges General Francos in der Tagesordnung, mit der die außenpolitische Aussprache abgeschlossen wird, mit aller Schärfe vertreten werden wird. Dies entspricht auch der von der Radikal sozialistischen Partei am Sonntag angenommenen Entschließung. Es- wikd aller Voraussicht nach langwieriger Verhandlungen mit den Parteien bedürfen, um einen befriedigenden Text für eine solche Tagesordnung in der Kammer zu finden. Die Radikalsozialisten sind durch den Beschluß ihres Vollzugsausschusses vom letzten Sonntag für die Stimmabgabe zugunsten von Daladier festgelegt. Auch die Stimmen der Rechten werden in ihrer großen Mehrheit für die Regierung abgegeben werden. Die Soziali - st e n uni) Kommun i st e n dagegen werden a u f alle Fälle gegen die Regierung stimmen.
Die große Mehcheit der Blätter warnt vor jeglicher Einmischung Frankreichs in die spanischen Angelegenheiten und fordert die strikte Beibehaltung des Nichteinmischungsgrundsatzes. Fast alle Zeitungen berichten, daß sich sowohl der französische Mini- sterrat wie auch der englische Kabinettsrat am Mittwoch ganz entschieden für eine Fortsetzung der Nichteinmischungspolitik ausgesprochen hätten. Der Matin schreibt, man könne sicher- fein, daß Ministerpräsident Daladier nicht im ge- ringsten im Zweifel darüber sei, welche Haltung seine Regierung künftig Spanien gegenüber einzunehmen habe. Sollte er aber dennoch irgendwelche Zweifel hegen, so müßte die Haltung Blums genügen, um Daladier umzustimmen. Denn wenn Blum heute eine Intervention in Spanien verlange, so Müsse man gerade das Gegenteil tun. Im linksgerichteten Homme Libre heißt es u. a., die Intervention in Spanien fei gleichbedeutend mit Krieg. Auf jeden Fall aber würde eine Intervention keine Lösung dxs Problems sein. In der Liberte fordert Doriot, der Führer der Volkssozialisten, die Entsendung eines fran- zöftschen Botschafters nach Burgos und erklärt, wenn der sadistische intellektuelle Leon Blum Frankreich auf den Kriegspfad führen wolle, so sei das gerade Gründ genug für die währen Franzosen, ihm nicht Folge zu leisten.
Der Heeresausschuß der .Kammer bat mit zehn gegen fünf Stimmen bei zahlreichen Stimmenthaltungen einen von dem kommunistischen Abgeordneten Gitton eingebrachten Antrag ab gelehnt, in dem die französische Regierung aufgefordert wird, an Rotsvan ien Kriegsmaterial zu liefern. Die Abstimmung entspricht der Haltung der Regierung, die im Augenblick nicht die Absicht hat, von ihrer bisherigen Politik gegenüber Spanien abzugehen und das Nichteinmischungsabkommen 3u kündigen. Man erklärt jedoch gleichzeitig, daß die Regierung sich ihre zukünftige Haltung Vorbehalten und im Falle von Verletzungen der Nichteinmischungspolitik sich mit der englischen Regierung über ihre Haltung besprechen wolle. Frankreich werde auf jeden Fall in vollem Einvernehmen mit.England handeln. Außenminister Bonnet werde dies auch in feiner Kammerrede am Freitag zum Ausdruck bringen.
Oer Flüchtlingssirom aus Katalonien
Paris, 18. Jan. (Europapreß.) Von der fran- zöfisch-sowietfpanischen Grenze wird gemeldet, daß die Zahl der aus Katalonien in Frankreich ein treffenden Flüchtlinge mit jedem Tag größer wird. Am Mittwochvormittag sind mehrere Miliz s o l d a t e ii an der französischen Grenze eingetroffen; sie waren vollkommen erschöpft. Sie wurden verpflegt und gemäß ihrem Wunsche an die nationalspanische Grenze nach Irun weitergeleitet. Zahlreiche wohlhabende fatalo= Nische Familien sind im Kraftwagen mach
Frankreich geflohen und haben gegenwärtig in der Gegend von Perpignan Unterkunft gefunden. Sie haben die Hoffnung ausgesprochen, der Krieg möge bald beendet sein, damit sie wieder in ihre Heimat zurückkehren könnten.
Oie Stadt ponö
von nationalen Truppen beseht.
Salamanca, 19. Jan. (Europapreß.) Das nationale Hauptquartier teilt Mittwochabend mit: Trotz des schlechten Wetters haben die nationalen Truppen am Mittwoch erneuten feindlichen Widerstand gebrochen. Sie sind auf allen Kampfabschnitten der katalanischen Front durchschnittlich z e h n K i käme t e r t i e f vorgedrungen. Die als Knotenpunkt militärisch wichtige Stadt Pons wurde besetzt. Eine Reihe weiterer, strategisch wichtiger Stellungen wurden ebenfalls erobert. Insgesamt wurden am Mittwoch 2000 Gefangene gemacht sowie zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet. — An der Madrider Front herrscht vollkommene Ruhe. An der Südfront haben die nationalen Truppen Angriffe des Feindes abgewiesen und 300 Gefangene gemacht.
Oie Engländer Verlagen Madrid.
London, 19, Jan. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Madrid verlassen am heutigen Donnerstag 60 britische Untertanen Madrid, um sich n a ch Valencia zu begeben, von wo aus sie u n Bord des b r i t i s ch en Kreuzers Devonshire über Marseille in die Heimat zurück-
abs. London, 19. Januar.
In der regelmäßigen Mittwochsitzung des Kabinetts wurde dem Vernehmen nach die spanische Frage ausführlich besprochen. Chamberlain und Lord Halifax erstatteten dabei über ihren Rombesuch und insbesondere über die Haltung Mussolinis zum Spanienproblem Bericht. Die Arbeiterpartei, die Liberalen und die Kommunisten setzen die Regierung angesichts der für die spanischen Bolschewisten immer ungünstiger werdenden Lage unter schärfsten Druck, um in letzter Stunde noch eine Einmischung Englands zugunsten Sowjetspaniens herbeizuführeg. Der Leiter der Opposition im Unterhaus, A11lee, sandte Chamberlain einen Brief, in dem er die sofortige Einberufung des Parlaments und die Ermöglichung des Ankaufs von Nahrungsmitteln und Waffen durch die spanischen Sowjets fordert. Vor Beginn der Kabinettssitzung rotteten sich k o m m u n i st i s ch e Elemente in der Downing Street zusammen und empfingen die vor der Amtswohnung des Ministerpräsidenten vorfahrenden Minister mit Sprechchören wie „Waffen für Spanien". Die Polizei sah sich veranlaßt, Menschenansammlungen in der Downing Street zu verbieten und die Straße während der Ministerbesprechung zu räumen. Der Sekretär der Kommunistischen Partei, Harry Pollitt, erschien kurz nach elf Uhr an der Tür der Wohnung des Mini-
Berlin, 19. Jan. (DNB.) Im Goethesaal des Har- nack-Hauses in Dahlem fand die Eröffnungsfeier der Deutsch-Italienischen Studienstiftung statt. Der italienische Botschafter Attolico dankte Reichs- erziehungsminister R u st für seine großen Verdienste um den Abschluß des Kulturabkommens zwischen Italien und Deutschland. Die Studienstiftung gründe sich auf den großzügigen Beitrag deutscher Industrieller. Beiäe Länder setzten ihre ganzen Kräfte ein für die Selbstversorgung, die lediglich dahin strebe, dem Volke auch in den Stunden der Gefahr eine Existenz zu garantieren und das Vaterland zu schützen gegen internationale Bedrängungen, wie sie Italien in der Zeit der Sanktionen erfahren habe. Junge Wissenschaftler und Techniker beider Länder möchten durch die Deutsch-1 Italienische Studienstiftung den Wert praktischer Erfahrungen und einer herzlichen Zusammenarbeit aus eigener Anschauung erkennen.
Reichserziehungsminister R ü ft betonte, daß das deutsche und das italienische Volk für die Kultur der Menschheit unermeßliche Werte geschaffen habe. Deutschland und Italien haben heute ihre gemeinsame historische Mission erkannt auf dem Gebiete des politischen Wollens und auf dem des kulturellen Schaffens.
Der Präsident des Istituto Nazionale per le Re- lazioni Culturali con.l’Estero, Onorevole Alessandro Pavolini, der Präsident des neugegründeten Institutes für die kulturellen Beziehungen mit dem im Auslande in Rom und Präsident der Confede- razione Fascista dei Professionisti e Arfisti (Kammer der freien Berufe) in Rom ist, behandelte dann das Thema „Die Achse und die kulturellen Beziehungen". Die. Kulturverträge sind eine Neuheit
befördert werden sollen. Wie man hört, verlassen diese Engländer Madrid, weil die Lebensmittelversorgung derart schlecht geworden ist, daß selbst auf dem vielseitigen Kurierweg nicht mehr für genügend Nahrungsmittel für die britische Kolonie gesorgt werden kann.
Das französische Imperium.
Paris, 18. Ian. (Europapreß). Die Bestrebungen zahlreicher politischer Kreise, das französische Imperium feierlid) auszurufen und verfassungsmäßig die Titelführung sowie die amtliche Bezeichnung zu verankern, nehmen von Tag zu Tag zu. So hat der sozialistische Marseiller Abgeordnete Daher in der Kammer einen Antrag eingebracht, demzufolge der französische Staatspräsident künftighin den Titel „Präsident der französischen Republik und des französischen Imperiums" führen soll. Ferner haben eine Anzahl Abgeordneter aus den französischen Kolonialgebieten verlangt, daß das französische .Imperium zu einer unanta ft baren Einheit erklärt werden soll. Von der Kammer soll feierlich erklärt werden, daß ebenso wie das kontinentale Frankreich alle Teile des französischen Imperiums mit ihren Bevölkerungen unter den Schutz des französischen Mutterlandes gestellt werden sollen. Weiter soll festgelegt werden, daß die Souveränität Frankreichs unteilbar sei und eine Übertragung an andere Länder nicht stattfinden könne.
Vor einigen Tagen war bereits gemeldet worden, daß die französischen Besitzungen in Nordafrika und die Protektoratsgebiete zu einer Einheit zusammenqeschlossen und unter eine militärische Verwaltung gestellt werdqn sollen. Der derzeitige Generalresident von Marokko solle den Oberbefehl über die so zusammengeschlossenen französischen Gebiete in Nordafrika erhalten. Der Zweck dürfte der sein, die bisher nur lose miteinander zusammenhängenden Gebiete zusammenzuschweißen, um ihre Verteidigung zu erleichtern. Dies gilt besonders für Tunis.
sterpräsidenten und verlangte Chamberlain "3'u spreche n. Pollitt; der von einem Sekretär des Ministerpräsidenten abgewiesen wurde, wollte ein Schriftstück, in dem ein Eingreifen zugunsten Sow- jetspäniens verlangt wird, überreichen.
In seiner Antwort hat Ministerpräsident Chamberlain nicht nur die vorzeitige Einberufung des Parlaments, sondern auch eine Aenderung der englischen Politik gegenüber dem spanischen Bürgerkrieg im Sinne einer Aufhebung des Waffenausfuhrverbots nach Spanien als gefährlich abgelehnt. Der Ministerpräsident fügte hinzu, die Verhandlungen mit anderen Staaten, insbesondere mit den Vereinigten Staaten von Amerika, hätten gezeigt, daß eine internationale Aktion zur Abwendung. einer Hungersnot in Sowjetspanien sich als aussichtslos erwiesen habe. Aus diesem. Gebiet werde die englische Regierung wie bisher sortfah- ren, mit nichtamtlichen Organisationen zusammenzuarbeiten; im übrigen beobachte sie die Lage in Spanien weiterhin mit Aufmerksamkeit.
Der Entschluß des französischen Kabinetts, die Grenzsperre für Waffenlieferungen nach Sowjetspanien aufrechtzuerhalten, findet in der englischen Morgenpresse beträchtliche Beachtung. Vernon Bartlett, der diplomatische Mitarbeiter des „News Chronicle", vertritt die angeblich aus zuverlässiger Quelle stammende Auffassung, die englische Regierung habe Frankreich bei der in dieser
der modernen Diplomatie. Der reichhaltigste ist der zwischen den beiden Mächten der Achse. Er wendet sich an die beiden Völker in allen ihren Ständen von der Sprache bis zum Buch, vom Theater bis zum Rundfunk und vernachlässigt keine Ausdrucksmög- lichkeit sowie keine Mittel und Wege zur Verbreitung der Kultur. Je mehr eine Kultur ihrem eigenen geschichtlichen und natürlichen Genius treu bleibt, um so leichter kann sie mit anderen Kulturen, die ebenfalls rein sind, Zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde steht das Sichberufen auf die lebendige Kraft der eigenen Tradition nicht im Widersprach mit dem Bestreben der geistigen Annäherung zwischen den beiden Völkern, sondern ist vielmehr deren Voraussetzung und Grundlage.
Der Präsident der Deutsch-Italienischen (Studienstiftung, Dr. Ludwig von Winterfeld,
sprach dann über das Thema „Die europäische Bedeutung der neuen Wirtschaftsformen in Deutschland und Italien". Nach der Machtergreifung fanden sich Deutschland und Italien in der gleichen doppelten Frontstellung zusammen: In dem Anspruch auf Gleichberechtigung gegenüber den Westmächten und im Kampf gegen den Bolschewismus. Mit der Ausnutzung der wirtschaftlichen Machtstellung zu einem Werkzeug politischer Gegnerschaft wurde für Deutschland und Italien ein Wirtschaftssystem zur Notwendigkeit, das die eigenen Wirtschaftskräfte von Störungen durch das Ausland unabhängig macht. Der Staat gab in beiden Ländern den nationalen Wirtschaftskräften eine planvolle
Erprobte Freundschaft.
Ungarns Außenminister Graf Csaky hat die Reichshauptstadt wieder verlassen, nachdem er in den Tagen seines Besuches sowohl mit Außenminister von Ribbentrop wie auch Generalfeldmarschall Goring und dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, wiederholt verhandelt hatte. Der berühmte Schiedsspruch von Wien, der. für Europa Geschichte gemacht hat, hat auch insofern eine politische Neugestaltung vollzogen, als der Schwerpunkt der Geschehnisse und Entschlüsse in Mittel- und Südosteuropa nicht mehr in Genf oder bei den westlichen Demokratien liegt, sondern bei der Achse Berlin — Rom. Ungarn ist das Land, das von den ruchlosen Pariser Vorort-Verträgen besonders hart mitgenommen wurde, wobei offensichtlich die Absicht im Spiel war, Ungarn von innen auszuhöhlen, um es staatlich und wirtschaftlich in sich zusammenbrechen zu lassen.
Ungarn hat dieser Absicht widerstanden, in seinen schweren Stunden, in denen es oft um das Geschick von Staat und Volk ging, erhoben sich immer wieder Staatsmänner von Rang, um das Schlimmste abzuwenden. So war es mit Admiral Horthy, dem Reichsverweser, so war cs mit dem unvergeßlichen Staatsmann und Patrioten Göm- bös, so war es auch mit dem greifen Grafen Apponyi, der in Genf nicht müde wurde, für die nnverjährbaren Rechte des grausam verstümmelten Ungarn zu streiten. Ungarns Staatsmänner waren es auch, die rechtzeitig erkannten, daß das Heil des Landes nicht in Genf liegen konnte, daß es vielmehr darauf' ankam, mit den Mächten in Fühlung zu kommen, ohne die sich ein Mitteleuropa mit seiner Fortsetzung im Süden und Osten nicht denken läßt.
So entstand das Verhältnis Zu Deutschland und Italien, das sich besonders eng gestaltete, seitdem in Deutschland der Führer die Macht an sich genommen hatte, um nun für Deutschland und damit für Mitteleuropa einen Weg
Frage zu fällenden Entscheidung freie Hand gelassen. In Frankreich war in den letzten Tagen das Gerücht in Umlauf, Außenminister Lord Hali- f a x habe dem französischen Außenminister Bon - n c t eine Warnung gegen die Absicht einer Grenz- Öffnung zugeleitet. Ein solcher Schritt ist nach dem Eindruck englischer Beobachter in Paris und Londoner unterrichteter Kreise niemals erfolgt. Der Pariser Korrespondent des „Daily Telegraph" führt den Entschluß auf den Wunsch der französischen Regierung zurück, Italien zur Zeit nicht vor den Kopf zu stoßen.
Erhebliches Aufsehen erregt die Tatsache, daß der ehemalige Ministerpräsident Lord Baldwin um 13.30 Uhr vor der Amtswohnung des Ministerpräsidenten Chamberlain vorfuhr und bei Chamberlain zu einem Frühstück zu Gast war. Baldwin hak in der letzten Zeit vor allem auf innerpolitischem Gebiet hinter den Kulissen eine bedeutsame Rolle gespielt. Er soll sich wiederholt für die Bildung einer nationalen Regierung auf breite ft er Grundlage eingesetzt haben. Die Zusammenkunft, die er im Dezember zwischen König Georg und sieben oppositionellen Abgeordneten üermiltelt hatte, wird in politisch interessierten Kreisen als ein Zeichen dafür angesehen, daß Baldwin fein Ziel mit verstärkter Energie verfolgt.
Ordnung unter Einbau der Privatinitiative durch Zusammenarbeit von Wirtschaftsbehörden und Selbstverwaltungsorganen. Als Deutschland seine Arbeitslosigkeit überwand, seine Produktion von Jahr zu Jahr steigerte und durch energische Aufrüstung seine Souveränität wiedererrang und auf Großdeutschland erstreckte, als Italien den abessinischen Feldzug und die Sanktionen durchstand und sein Imperium begründete, bestaunte man die darin enthaltenen Wirtschaftserfolge wie ein Wunder. Deutschland und Italien haben die Donau ft aa» ten nicht nur vor den schlimmsten Auswirkungen des Bolschewismus und des internationalen Liberalismus durch feste Handelsbeziehungen bewahrt, sie haben ihnen auch das Beispiel dafür gegeben, wie man in einem kapitalarmen Lande die heimischen Wirtschaftskräfte bis zum Letzten ausnutzen kann. Sie haben Europa das Beispiel einer leistungsfähigen Volkswirtschaft gezeigt, die sich auf heimischen Boden und Fleiß gründet und nicht auf den Schultern fremder Völker in Ueberfee steht. Das Geheimnis dieser Erfolge ist ihre S y st c in a t i f, die einen lebendigen Kreislauf der Kräfte schafft, der nationale Erneuerungswille, der aus einem unerträglich gewordenen Notstand heraus alle Vorurteils durchbrach und Schritt für Schritt die Wirtschaftskräfte dem Ordnungssystem einglieberte. Diese neuen Wirtschaftsformen haben aegenüber den Ueberfee» Mächten eine selbständige Wirtschafts- und Staatspolitik Kontinentaleuropas ermöglicht und in ihrer europäischen Wesensverwurzelung und Leistungsfähigkeit den Bolschewismus auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu einem Zwittergebilde der europäischen Randzone deklassiert.
Chamberlain gibt dem Druck der Opposition nicht nach
Oie Deutsch-italienische Gtudienstiftung eröffnet.
Erfahrungsaustausch in freundschaftlicher Zusammenarbeit von Wissenschaft und Technik.


