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Dienstag,l8.Zuli!YZY

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 165 Zweites Blatt

Der KdF.-Wagen in Gießen

KdF.-Wagen, von vielen interessierten Volksgenossen umringt. (Ausn.: Neuner, Gieß. Anz.)

und

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Albumblatt" von Wagner.

Fliegereskapaden" von Vrase.

Drei Frühlingstage", Suiete in drei Sätzen von Rust.

Hydropathen", Walzer von Gungl.

Volk im Lied", Potpourri von Robrecht.

Florentiner", Marsch von Fucik.

sonders Kam. 2). Eine Benachrichtigung durch die Kameradschaftsführer findet nicht statt.

Belr.: Stamm 1/116 Gießen.

Am Dienstag, 18. Juli, treten die Angehörigen sämtlicher Gießener Einheiten, einschließlich der Son­derformationen, um 20 Uhr in der Georg-Philipp- Gail-Straße an. Der Spielmannszug der Marine- Gef. 1/116 erscheint mit Instrumenten. Da zu einem Biwak marschiert wird, sind Fahrräder nicht mit­zubringen. Die Einheitsführer sorgen nochmals für Bekanntgabe dieses Befehls. Sämtliche Sozialwarte der Gießener Einheiten haben mitanzutreten.

digkeiten, die der starke Motor dem Wagen ver­leiht, von der Fahrsicherheit in den Kurven, der ausgezeichneten Straßenlage und schließlich von der einfachen Handhabung der Schaltung und der Steuerung. Der Gaubeauftragte gab in seinem nahezu einstüudigem Vortrag auch Aufschluß über die Form, in der das Sparen für den Volkswagen geschehen kann, wies nach, wie auch dem Manne mit dem bescheidenen Einkommen die Anschaffung und Haltung des KdF.-Wagens möglich fei, er schil­derte im einzelnen, wie die Versicherung für den Wagen geregelt ist und ließ wissen, wann voraus­sichtlich die ersten Lieferungen des Volkswagens zu erwarten sind. Einige besondere Erläuterungen widmete er der Frage der Reparaturen, der Hal­tung und der Wartung. Die Zuhörer folgten den Darlegungen mit sichtlichem Interesse und viele liebäugelten mit dem schmucken Wagen, der in allen Einzelheiten betrachtet werden konnte.

Auf einer Rundfahrt durch die Stadt konnten mir uns von den hervorragenden Fahreigenschaften des KdF.-Wagens überzeugen. Besonders bemerkens­wert erschien dabei die Sicherheit der Straßenlage selbst in scharf gefahrenen Kurven, die hohe An- Zugsgeschwindigkcit, das Tempo, das auch auf stark ansteigender Straße gehalten werden kann, und nicht zuletzt die angenehme Sitzmöglichkeit in dem Fahrzeug, dem ohne Zweifel für die deutsche Volks­gemeinschaft eine große Zukunft beoorsteht.

HL. Bann und ilntergau 116.

Einsatzbefehl

für die Erntehilfe der HI. und des DD7N.

L a n d e i n h e i t e n. Die Standortbeauftragten regeln im Einvernehmen mit der zuständigen BDM.- Führerin den Einsalz der Jg. und Jgn. nach Rück­sprache mit den'. Ortsbauernführer. Für den Einsatz kommen nur Schüler, Handwerks- oder sonstige ge­werbliche Lehrlinge in Frage.

Stadteinhe iten. Die Standortbeauftragten sind von mir dem Arbeitsamt namhaft gemacht wor-

Herrlich erfrischend

gründlich reinigend und dabei den Zahnschmelz schonend.

Srofie Tube 40 'Bl., kleine Tube 25 *Bl.

Für ältere Besucher werden wieder, wie am vorigen Mittwoch, Stühlein denGartenge- st e l'l t werden, damit diese Volksgenossen dem Kon­zert ohne körperliche Anstrengung beiwohnen können.

Nur Ersatzkarte des Arbeitsamts ersetzt Arbeitsbuch.

FWD. Nach einer neuen Entscheidung des Reichs- arbeitsgerichts (d. 4.1.39: 128/38) kann nur eine vom Arbeitsamt ausgestellte sogenannteErsatz­karte" an die Stelle des Arbeitsbuches treten und das Arbeitsbuch ersetzen. Es genügt also nicht, wenn der Unternehmer dem Gefolgschaftsmitglied lediglich eine Bescheinigung erteilt, daß das Arbeitsbuch sich in fernen Händen befinde und dem Gefolgschafts­mitglied schnellstens zugestellt werde. Eine solche Be­scheinigung genügt auch nicht dem neuen Unterneh­mer gegenüber einstweilen zum Nachweis des Be­sitzes des Arbeitsbuches. Entsteht dem Gefolgsmann durch die versäumte Aushändigung des Arbeits­buches ein Schaden, so ist dieser von dem säumigen Betriebsführer zu ersetzen. Dabei muß der Unter­nehmer seinerseits nachweisen, daß von seinem Be­trieb aus das Arbeitsbuch ordnungsgemäß zurück- gegeben ist. _________ __________

Wanderer im Unendlichen.

Von Bruno H. Bürgel.

Vor einiger Zeit sah ich einen höchst spaßigen Film, in dem die ganz Welt insofern auf dem Kops stand, als sich alles in umgekehrter Reihenfolge abwickelte. Es fing, wie es ja in kalten Maitagen leider nicht selten zu geschehen pflegt, an zu schneien, und die blühenden Sträucher einer Anlage beschlos­sen daher, ihre Pracht nicht zwecklos darzubieten und auf bessere Tage zu warten. Sie bildeten sich einfach zurück, die 'Blüten krochen wieder in die .Knospen, die Blätter wurden wieder kleiner, und schließlich standen leere und kahle Zweige da. Aber auch die beiden verliebten jungen Leute, die festlich und frühlingsmäßig angetan, unternehmungslustig ihr Haus verlassen hatten, schritten wieder rückwärts und verschwanden in ihrer Wohnhöhle, bei der Spuk ganz toll wurde, der Schnee von der Gasse nach aufwärts in den Himmel zurückflog und nun Blu­men, Blätter und Menschen wieder fröhlich zum Vorschein kamen.

Das erinnerte mich an die amüsante Geschichte, idie einmal der volkstümlichste Astronom Frankreichs, Camille Flammarion, in Paris veröffentlichte. Er .erfand die Figur des HerrnL u m e n", eines Menschen, der von einem Stern, auf dem alles viel fortgeschrittener ist als bei uns, zur Erde geflogen kommt, um sich einmal die Geschichte hier bei uns anzusehen. Er findet, daß die Bewohner der Erde mach in vielem weit zurück sind, und als er hört, Daß vor wenigen Jahren die Völker in einem gro­ßen Krieg aufeinanderplatzten, wiell er sich sofort aufmadjen, um dieses ihm unbekannte Schauspiel (auf seinem Stern kennt man derlei seit Jahrtau­senden nicht mehr) zu beobachten. Natürlich ist der irdische Astronom, dessen Gastfreundschaft er genießt, ganz erstaunt darüber, wie er das denn Anfängen wolle, da der Krieg ja seit Jahren zu Ende ist, aber Herr Lumen, der Mann des fremden Sternes, auf dem die Menschen in der Technik noch viel weiter sind als wir Erdbewohner, klärt ihn darüber auf, daß er hinter den Lichtstrahlen, die ja doch von einem jeden Ereignis ausgehen, sich mach allen Seiten ausbreiten, auch in den Himmels- Taum hinaus, herfliegen werde. Er werde diese Lichtstrahlen einholen und so also nachträglich Zeuge Des längst beendeten Krieges sein.

den. Diese erhalten nun je noch der Wetterlage vom Arbeitsamt oder von der Arbeitsamtsnebenstelle, vielleicht 24 Stunden vor dem Einsatz, Mitteilung, daß am Samstag um .... Uhr soviel Jg. zum Ein­satz sich an der befohlenen Stelle einzufinden haben. Der Standortbeauftragte benachrichtigt nun seine Verbindungsmänner und diese wieder die Jg. Der' Standortbeauftragte regelt bis zum Antreten mit dem Arbeitsamt die Beförderungsfrage. Er ist mir Ür die Ausführung dieses Befehls verantwortlich.

B D M. Dieser Befehl ist sinngemäß für den BDM. anzuwenden.

Nähere Einzelheiten sind in dem Gebictsbcsehl B. 14/39 vom 7. 7. 39 ersichtlich.

Heil Hitler!

Der Leiter der Sozialstelle im Bann und Jungbann 116 Wctterau und für die Sozialreferentin des Untergaues 116: Emrich, Oberscharführer.

Morgen wieder plahmusik in Steins Garten".

Am morgigen Mittwoch, um 17 Uhr, findet in Steins Garten" (Stadthaus, Bergstraße) dos zweite Platzkonzert bei freiem Eintritt statt. Das Konzert wird wiederum, wie das erste,' von dem Musikkorps der Fliegerhorstkommandantur Gießen unter Leitung von Musikmeister Pfarre ausge- fiihrt. Für das Konzert ist nachstehende Musikfolge vorgesehen:

1. Kampfgeschwader Jmmelmann", Marsch von Husadel.

2.Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien", Ouvertüre von Suppe.

Grundsatz w

Schönheit und Dauerhaftigkeit bestimmt ist. Die Zuschauer hatten Gelegenheit, sich selbst von dem wundervoll ruhigen Gang des Motors, seiner vor­teilhaften Unterbringung im Heck des Wagens, zweckmäßigen Luftkühlung und von der praktischen -'Warmhaltung zu Zeiten großer Kälte usw. zu über­zeugen. Eindrucksvoll wurde die Federung des Wagens vorgeführt: man konnte sich ferner von der Geräumigkeit des Wagens überzeugen, in dem be­quem fünf Personen normaler Körpermaße Platz finden können: man hörte auch von dem geringen Betriebsstoffverbrauch, von den hohen Geschwin­

* Lange. .M ÄW ® die Bilder Hans Thyri« ie: für Statt st Slumfdjein; Unzeigenleiter Aalt der Ar. 39: über W 'sitätsdruckere Wnatsbezugs. .Zustellgebühr "nzelverkauf-, mit der Uu, Preisliste 9h J lüg.

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Heute, Dienstag, 18. Juli, tritt die Schar 1

_ der Fliegergefolgschaft 1/116 in Sommeruniform -um 19.55 Uhr in der Georg-Philipp-Gail-Straße <in. Fahrräder sind nicht mitzubringen. Die Räder ler auswärtigen Jg. können bei der Wohnung des Geff. vorher abgestellt werden. Noch nicht gezahlte Monatsbeiträge sind unbedingt mitzubringen (be-

Eigentlich eine sehr einfach Sache! Wenn fern, über die Felder her, der Schall einer Kirchenglocke -auf unserem Sonntagsspaziergang zu uns dringt, Dann hören mir diese Glocke doch nur deshalb, weil unausgesetzt Boten von ihr zu uns fliegen, die uns Mitteilen, daß die Glocke tönt. Wir nennen diese Boten Schallwellen. Wenn irgendwo in der Ferne, sagen wir auf der Sonne, etwas geschieht, ......') eine riesige Flamme emporschießt, so

stellt, die bis in die kleinste Einzelheit von dem der Zweckmäßigkeit, Zuverlässigkeit,

Aus der Stadt Gießen.

Tag der Ernte.

Noch vor kurzem schwangen die Halme wie grüne Wogen auf und nieder, und nun steht die Ernte vor der Tür. Das Getreide steht so schön und gleich­mäßig, daß jedem Bauern das Herz im Leibe lacht. Schwer von Körnern sind die Aehren. Es gibt wieder einen guten Ernteertrag.

Die schwerste Arbeitszeit für den Bauern ist jetzt gekommen. Nun reiht sich ein Erntetag an den an­dern. Wohl ist manches Stück von der früheren Erntepoesie verschwunden. Maschinen rasseln, und Knechte und Mägde haben nur noch Garben aufzu­stellen. Aber doch schallt noch aus manchem Haus das Klopfen des Hammers. Sensen und Sicheln wer- aen gedengelt ...

Die Hoye des Jahres ist überschritten. Die Tage des Segens sind da. Wenn die glühende Mittags- fonne auf den Feldern liegt, zieht der Duft des neuen Brotes durch die Luft.

Es ist ein liebliches Bild, das sich nun in allen deutschen Gauen unserem Auge darbietet. In den fruchtbaren Ebenen, an Abhängen, auf Bergeshal­den, überall wogen goldne Fruchtfelder, und da­zwischen tummeln sich fleißige Schnitter und Schnit­terinnen, rattern die Maschinen und mähen das Ge­treide.

Zu keiner Zeit des Jahres empfindet der Bauer den Segen der Arbeit mehr als in diesen Tagen der Ernte. Dankbar und unverdrossen schafft er von früh bis spät: denn er weiß, daß es um das täg- i liehe Brot für das ganze deutsche Volk geht.

Wie der Landmann Jahr für Jahr den Samen Der Mutter Erde übergibt und dann vertrauensvoll i ^ur Ernte schreitet, so sollen auch mir aushalten, weiterarbeiten und helfen.

Es ist ein schönes Zeichen von Volksoerbunden- I lheit, wenn nun unsere Arbeitsmänner, viele tausend Studenten, Hitlerjungen, BDM., Frauen aus der Stadt und Soldaten'hinausziehen aufs Land und Lei der Erntearbeit mitwirken. Das wird dankbar Anerkannt. Wenn auch am Anfang noch ungeschickte Hände zugreisen/ so macht das nichts aus. Guter Wille hilft schon weiter, .und es kann nur von Vor­teil fein, wenn auch die Stadtkinder einmal am eignen Leibe spüren, welche Last eben auf den Schultern der Bauern liegt, wie mühsam es ist, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein zu schaffen. Aber es ruht Segen auf dieser gemein­samen Arbeit, und schon manche Freundschaft wurde itiabei geschlossen. Denn auch der Bauer kennt den «Städter nicht immer. Die freiwilligen Helfer aber werden noch oft an diese heißen Tage zurückdenken. !Jedes Stück Brot, das sie essen, wird sie an die «Erntetage erinnern und wird ihnen heilig sein.

So mögen diese Tage der Ernte, die Arbeit au len Feldern, wie ein Wegweiser fein, der alle beut- Ichen Volksgenossen mahnt, nun auch in ihrem Be­rufe ihren Mann zu stehen, auszuharren und nicht -mübe zu werden, wenn es gilt, für das deutsche Volk zu wirken und zu schaffen. h.

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Nächte in Neapel".

Hitler Lugend Bann 116.

Fliegergesolgschafl 1/116 Gießen. Eilbefehl.

Nachdem der KdF.-Wagen vor einiger Zeit schon einmal in unserer Stadt zur Schau gestellt, ferner beim RennenRund um Schotten" Zehntausenden von Zuschauern oorgeführt worden war, hatte man am gestrigen Montag in unserer Stadt an der Ecke Damrnstraße-Wölltorstraße die Möglichkeit, sich einmal eingehend über den KdF.-Wagen zu unterrichten. Kaurn daß der Wagen vorgefahren war, fand sich schon eine stattliche Anzahl von Volksgenossen ein, die ihr lebhaftes Interesse an dem modernen Fahrzeug bekundeten.

Der Gaubeauftragte für den KdF.-Wagen, Licht, erläuterte den Zuhörern die Eigenschaften des Volkswagens und ging dabei auf eine Fülle von technischen Einzelheiten ein, aus denen zu erkennen war, daß der KdF.-Wagen eine Konstruktion dar-

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nehmen es unsere Augen nur deshalb wahr, well abermals Boten von der Sonne zu uns eilen, Bo­ten, die wir Lichtstrahlen nennen. Jener Herr Lumen wollte also im Grunde nichts weiter tun, als hinter den Lichtboten hereilen, die die Kriegs- geschehnifse weitertrugen, Depeschenträger hinaus in den Himmelsraum. So sauste denn also Herr Lumen mit Ueber-Lichtgeschwindigkeit von der Erde hinweg, hinein in das Universum. Und richtig, endlich er­reichte er diese Lichtboten des großen Krieges, aber was er nun erlebte, das war eine höchst schnurrige Geschichte, so ernst und tragisch das Ereignis an sich war! Denn selbstverständlich mußte er die zuletzt von der Erde abgegangenen Lichtboten zuerst er­reichen, und so sah er den ganzen Krieg wie einen umgekehrt abrollenden Film. Er sah zum Beispiel, wie aus den herumfliegenden Trümmern eines Hau­ses eine Granate in den Himmel hineinflog, sich niedersenkte und in das Mündungsloch einer Ka­none hineinsauste: er sah, wie ein Soldat sich vom Boden erhob, wie aus seiner Brust eine Gewehr­kugel hervorschoß, die in das Gewehr seines Geg­ners drang, und bemerkte mit Erstaunen, daß die Regimenter, statt aufeinander loszumarschieren, rückwärts liefen und sich voneinander entfernten. Er sah erst den Friedensschluß und dann die Kriegs­erklärung, alles begann traurig und tragisch und endete fröhlich. Herr Lumen hat so eine völlig falsche und unzutreffende Anschauung von dem er­halten, was wir einen Krieg nennen.

Natürlich wußte der geistreiche und originelle Flammarion sehr wohl, daß es einen Herrn Lumen niemals geben kann, denn niemals kann irgendein Körper, ein Geschoß, Flugzeug usw. eine Geschwin­digkeit erreichen, die größer ist als die des Lichtes oder auch nur annähernd ihr nahekornrnt. Wah­rend der Schall nur 333 Meter in der Sekunde weitereilt, so daß wir bereits aus verhältnismäßig Geringer ' Entfernung wahrnehmen können, daß zwischen dem Aufblitzen einer Explosion, eines 'Schusses, und ihren Schallwirkungen eine gewiße Zeitspanne verfließt, breitet das Licht sich mit einer Geschwindigkeit aus, die man im allgemeinen mit 300 000 Kilometer in der Sekunde beziffert und die nach den neuesten, ungemein präzisen Mes,ungen 299 740 Kilometer beträgt. Man muß schon in die Sternenräume hinausgehen, um größere Zeitunter- Ichicde zwischen Geschehen und Wahrnehmung ,est- tcllen zu können. Eine Flamme di- m diesem Auaenblick am Sonnenrade aufschießt, sieht der irdische Beobachter erst SV.? Minute spater; ver­löschte aber in dieser Sekunde der nächste aller Fix­sterne, so sähen wir ihn noch 4,3 Jahre unvermin­dert leuchten, denn nach dieser Zeit er ft tra­fen die letzten Lichtboten bei uns em, Die von ihm ausgingen, ehe er in Dunkelheit versank. Im Grunde ehen wir im Sternenall alles so, wie es war, nicht m i e es im Augenblick! st. Zuweilen sind wir da Zeugen gewaltiger Katastrophen, die

ganze Sonnen zur Explosion bringen, vielleicht Erden", die jene Sonnen umkreisen, vernichten. Aber wenn wir es sehen, dann ist alles längst über­standen. Im Jahre 1885 flammte in einer fernen Sternenwolke eine besonders große Sonne dieser Art auf; dennoch fand das Ereignis nicht 1885 statt, sondern zu einer Zeit, als der Mensch der Frühe, der Urmensch auf Erden wandelte, vor rund 850 000 Jahren. Nun erst, im Zeitalter der Eisen­bahnen und des elektrischen Lichtes, kamen die Lichtboten mit ihrerneuesten Nachricht" bei uns an. ...

Im Grunde ist es eine sonderbare und für den an das Alltagsgeschehen gewähnten Menschen merk­würdige Vorstellung, daß Lichtboten von unzähligen Sternen Jahrhunderte und Jahrtausende durch das Weltall schwirren. Es ist geradezu phantastisch und dennoch wahr, daß der Astronom auf der Stern­warte an seinem Riesenfernrohr Himmelskörper in einem Licht sieht, das von diesen Objekten ausging, als es n o ch k e i n e M e n s ch e n und noch keine Fernrohre gab. Die entferntesten Ge­stirne, die man heute wahrnimmt, sind die sog. Spiralnebel, sie erscheinen als schimmernde Inseln im dunklen Meer des Raumes und sind m Wahrheit ungeheure Wolken fernster Sonnen. Der Abstand der letzten noch sichtbaren muß ungefähr 200 Millionen Lichtjahre betragen; wir sehen sie also heute in einem Licht, das vor 200 Millionen Jahren von ihnen ausging. Die Anthropologen be­rechnen für das Alter des Menschengeschlechts rund eine Million Jahre! Vor 200 Millionen Jahren be­fand sich die Erde im sog. Perm-Zeitalter; noch gibt es keine Meyschen, keine Säugetiere, die ersten Rep­tile treten auf, die ersten Nadelbäume, mächtige Koni­feren ragen zum Himmel, wir sind im Mittel­alter der Erdgeschichte. Heute erst erreichen uns die Lichtboten, die damals von jenen fernen Nebeln ausgingen, und im Grunde sehen wir also diese Inseln der Sonnen so, wie sie vor 200 Mil­lionen Jahren ausgesehen haben. Längst Vergange­nes wird also zur Gegenwart, und wir erkennen, daß die Zeit in den liefen des Universums den Sinn, den wir im Alltag damit verbinden, verliert.

Hochschuinachrichten.

Der ordentliche Professor für Handelswirtschafts­und Arbeitsrecht, Dr. Paul Giesecke, der der­zeitige Rektor der Universität Marburg, wurde an die Universität Berlin berufen. Giesecke ist 1888 in Magdeburg geboren, hat in Tübingen, Leipzig, Halle und Heidelberg studiert, war dann Hilfsarbeiter im Reichswirtschaftsministerium und habilitierte sich 1921 in Bonn für Handels- und Jndustrierecht. 1922 wurde er Ordinarius an der Universität Rostock, deren Rektor er 1929 war Im gleichen Jahre wurde er an die Handelshochschule Berlin berufen. Hier bekleidete er 1933'34 das Rektorat. 1934 wurde er Ordinarius in Marburg.

Aphorismen.

Von Marie von Ebner-Eschenbach.

Marie von Ebner-Eschenbach (18301916) darf man getrost zu den bedeutendsten deut­schen Erzählerinnen rechnen, deren Schriften zu Unrecht hinter flüchtigen Tagesgrößen zurückgetreten sind. Vielleicht gibt die Wie­dervereinigung ihrer mährischen Heimat mit dem Reich den Anstoß, sich wieder mehr nut ihrem Werk zu beschäftigen. In ihren Aphorismen spricht eine kluge, weit- und lebenskundige Frau zu uns, die Verstand und Herz hat. Die Aphorismen sind soeben in einem Bändchen der Insel-Bücherei neu er- schienen, auf das wir durch den Abdruck einer kleinen Auswahl nachdrücklich Hinweisen möchten.

Der Gescheitere gibt nach! Eine traurige Wahr- heil; sie begründet'die Weltherrschaft der Dummen.

Wenn ein Mensch uns zugleich Mitleid und Ehr­furcht einflößt, dann ist seine Macht über uns unbe­grenzt. *

Wer sich an seine eigene Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein schlechter Erzieher.

Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht einem" zukünftigen Baume Diel ähnlicher als die junge Eiche.

Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrach­tet, dann vermag man es immer zu ertragen.

So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven.*

Wenn ein edler Mensch sich bemüht, ein begange­nes Unrecht gutzumachen, kommt seine Herzensgüte am reinsten und schönsten*zutage.

Wer es versteht, den Leuten mit Anmut und Be­hagen Dinge auseinanderzusetzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am geschwindesten den Ruf eines gescheiten Menschen.

Was Menschen und Dinge wert sind, kann man erst beurteilen, wenn sie alt geworden.

Was andere uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns.

Wir unterschätzen bas, was wir haben, und über- schätzen das, was wir sind.

Edle Menschen sehen ihren geistigen wie ihren materiellen Reichtum als ein anvertrautes Gut an.

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