Mehr als 1000 Betriebe neu im Leistungskamps.
NSG. Das Ergebnis der Anmeldungen zum diesjährigen Leistungskampf der Betriebe liegt nun für den Gau Hessen-Nassau vor. Es hat die erwartete gesunde Fortentwicklung gebracht. Während sich im letzten Fahre 3002 Betriebe beteiligten, sind es dies- mal bereits 4088, wozu noch einige Filialbetriebe kommen werden, die von der Zentrale ihres Betriebes bei dem Zentralbüro der DAF. gemeldet wurden. . ,
Die stärkste Steigerung der Teilnehmerzahl verzeichnet der Kreis Wiesbaden, der 629 Anmeldungen gegenüber 132 im Vorjahre erhielt. Gut verdoppelt hat sich Darmstadt mit 544 (gegenüber 250) teilnehmenden Betrieben. Ein etwa gleichwertiges Ergebnis erreichte Offenbach mit 326 (gegenüber 160) Betrieben im Leistungskampf. Die Gauhauptstadt hat ihre Teilnehmerzahl fast genau gehalten und metdet 720 Anmeldungen. Fn der W e t t e r a u erhöhte sich die Teilnehmerzahl von 140 auf 164 und im Kreis Alsfeld-Lauterbach von 102 auf 181.
In Wiesbaden haben alle Fachabteilungen eine außerordentlich starke Steigerung der Teilnehmerzahl zu verzeichnen. In Frankfurt sind es diesmal 64
Nahrungs- und Genuhbetriebe, gegenüber 35 im Vorjahre. In Offenbach sind es dreimal soviel Lederbetriebe, die teilnehmen; außerdem wurden aus 28 im Vorjahre teilnehmenden Eisen- und Metallbetrieben diesmal 42. Darmstadt verzeichnet die stärkste Zunahme bei Energie, Verkehr, Verwaltung, bei Druck und Papier und bei den freien Berufen. Der Bergbau beteiligt sich im Kreis Biedenkopf- Dillenburg mit 11 gegen 2, im Kreis Oberlahn- Usingen mit 4 gegen 0 und im Kreis Wetzlar mit 5 gegen 0 Betriebe stärker. Nahrung und Genuß zeigte auch im Kreis W e t t e r a u mit 47 gegen 24 Betrieben ein schönes Ansteigen des Interesses. Starke Steigerungen gab es beim Handel in Alsfeld- Lauterbach mit 20 gegen 4, in Bingen mit 20 gegen 10, in Darmstadt mit 164 gegen 74 und in Wiesbaden mit 138 gegen 29 Teilnehmer. Das Deutsche Handwerk verzeichnete in Alsfeld-Lauterbach 44 gegen 11, in Darmstadt 159 gegen 63, in Offenbach 80 gegen 24, in Wetzlar 14 gegen 2 und in Wiesbaden 137 gegen 32 teilnehmende Handwerksbetriebe.
Von der Ausstellung
ille und Tat".
Vom 25. August bis 10. September in Wiesbaden.
Oie Leinen-Industrie Oberheffens zeigt ihre Leistungsfähigkeit.
NSG. Die Erzeugnisse der oberhessischen Leinenwebereien sind weit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus bekannt und angesehen. Es kommen für die Flachs verarbeitenden Frümstrien vor allem die Städte Alsfeld, Lauterbach, Herbstein und Schlitz in Betracht. Der Hauptsitz der oberhessischen Leinenindustrie ist seit alters- her das uralte Städtchen Schlitz. Hier ist die Leinenindustrie besonders hoch entwickelt. Neben glatten Leinen und Halbleinen werden als besondere Spezialität vornehmlich prachtvolle Tischzeugs und Handtücher in geschmackvollen Dessins erzeugt. Auch auf dem Gebiete der Namen- und Wappeneinwebung leistet der Leinenplatz Schlitz Hervorragendes. In Alsfeld, Lauterbach und Herbstein werden in der Hauptsache Rohleinen, Sackleinen und Scheuertücher hergestellt. Geld- und Postsäcke" ohne Naht werden in Lauterbach hergestellt. Auf der Ausstellung „Wille und Tat" in Wiesbaden wird die gesamte Leinenindustrie Oberhessens einen beachtlichen Ausschnitt ihrer volkswirtschaftlich bedeutsamen Arbeit zur Schau stellen und so allen Besuchern Gelegenheit bieten, die Leinenerzeugnisse auf breitester Plattform kennenzulernen.
Das Handwerk zeigt Meisterleistungen.
In einer besonderen Halle und einer großen Gemeinschaftsschau der Kreishandwerkerschaften Groß- Wiesbaden und Untertaunus wird sich das schaffende Handwerk mit seinen Qualitätserzeugnissen vorstellen. Fast alle Handwerkszweige sind vertreten, die teils in Darstellungen, teils arbeitend, den Besuchern einen interessanten Einblick in das vielseitige Arbeitsgebiet des Handwerks geben werden. In besonderen Vitrinen wird der Besucher die Meisterleistungen des Goldschmiede-, Schuhmacher-, Putzmacher-, Friseur- und Buchbinderhandwerks bewundern können. Alles in allem gesehen eine Schau, die dank ihrer Lebendiakeit in allen Besucherkreisen besondere Aufmerksamkeit Hervorrufen wird.
Deutsches Krauenschaffen.
Im Rahmen der großen Ausstellung ist die NS.- Frauenschaft-Deutsches Frauenwerk im Gau Hessen- Nassau mit einer Sonderschau vertreten, die inhaltlich alle Fragen berührt, die heute der Frau gestellt werden. So zeigt die Abteilung Volkswirtschaft- Hauswirtschaft an Hand von zahlreichen Beispielen, welche Hilfsmittel es der Hausfrau ermöglichen, sich jederzeit auf die augenblicklichen Erfordernisse Der Volkswirtschaft einzustellen. Weiter werden prak- ttsche Anregungen zur Gestaltung des Siedlerhauses und des Sisdlergartens gegeben. Die Vorratshaltung der Hausfrau spielt eine besonders große Rolle. Praktisch wird ferner die Hausfrau als Lehrmeisterin des hauswirtschastlichen Nachwuchses, als Meisterhausfrau und als Verbraucherin gezeigt. Gerade als Verbraucherin bedarf sie der Beratung. In weiteren Abteilungen sieht der Besucher die große Arbeitsleistung des Mütterdienstes. Die Gaubräute- und Gaumütterschule wird auf der Ausstellung „Wille und Tat" erstmalig gezeigt. In der Abteilung Grenzland-Ausstellung sehen die Besucher ein vielfältiges Bild von der Arbeit der Heimat für die Brüder und Schwestern im Ausland. Eine Anzahl weiterer Abteilungen veranschaulicht die übrigen Gebiete des deutschen Frauenschaffens in jeder Beziehung.
Mit dem KdK.-Sonderzug
zur Ausstellung »Wille und Tat".
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Dienststelle Gießen, veranstaltet am Sonntag, dem 27. August, eine Sonderfahrt nach Wiesbaden. Durch diese Fahrt soll vielen Volksgenossen die Möglichkeit gegeben werden, die große Ausstellung „Wille und Tat" zu besuchen. Darüber hinaus läßt sich aber auch gute Gelegenheit finden, die Wiesbadener Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Auch eine Teilnahme am Mainzer Weinmarkt wird möglich sein.
sich die Gäste des Verkehrstages Rhein-Main in großem Umfang beteiligen.
Gut besuchtes Platzkonzert in Steins Garten.
Das herrliche sommerliche Wetter des gestrigen Nachmittags und der hervorragende künstlerische Ruf, den sich das Musikkorps der Fliegerhorst- Kommandantur seit seinem Bestehen in außerordentlich kurzer Zeit erringen konnte, hatten dem gestrigen Platzkonzert in Steins Garten so starken Besuch gebracht, wie er bei den bisherigen Konzerten noch nie zu verzeichnen war. Wieder waren alle Stühle besetzt, die von den älteren Zuhörern dankbar eingenommen wurden. Nach jeder musikalischen Darbietung gab es vielen herzlichen Bei- fall. Unter den Zuhörern waren auch viele Kinder, die kein Auge von den Musikern und ihren blitzenden Instrumenten wandten. Die Dortragsfolge des gestrigen Konzertes brachte sehr unterhaltsame Darbietungen, Walzer, Märsche und ausgezeichnete Konzert-Musik, die die Stunde in Steins Garten wiederum zu einem schönen seelischen Gewinn machte. Dem Musikkorps und seinem Leiter, Musik- meister Pfarre, gebührt für das ausgezeichnete Konzert Dank und Anerkennung.
Rücksendung der Weinflaschen.
Wie die Landesbauernschaft Rheinland mitteilt, mehren sich in Weinhandelskreisen die Klagen darüber, daß Privattunden und Wirte die leihweise zur Verfügung gestellten Kisten und Flaschen nutzt zurückschicken. Da in diesen Verpackungsmaterialien erhebliche Kapitalien angelegt sind und auch die Beschaffung neuer Flaschen infolge langer Lieferfristen auf Schwierigkeiten stößt, können die Wem- Handelsunternehmen auf die Rückgabe dieser Gegenstände nicht verzichten. Zwecks Einsparung von Material und reibungsloser Versorgung der anderen Verbraucher werden die Besitzer von Weinflaschen gebeten, für umgehende Rücksendung des Leergutes nach Gebrauch besorgt zu sein, ebenso wird gebeten, noch vorhandene Bestände alter Flaschen entweder zurückzuschicken, oder sie dem Althändler zur Verfügung zu stellen und damit einer erneuten Verwendung zurückzuführen. *
** Arbeitsjubiläum. Heute kann der bei der Möbelfabrik Karl Hahn, Gießen, Löber- ftraße 17, beschäftigte Schreinergehilfe Ludwig Bender aus Rodheim auf eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Der Arbeitsjubi- lar wurde im Kreise seiner Arbeitskameraden geehrt, erhielt von der Betriebsführung und feinen Arbeitskameraden schöne Geschenke und von der Deutschen Arbeitsfront ein Diplom für treu geleistete Dienste.
** Arbeitskameradschaftliche Verbundenheit. In echt kameradschaftlichem Geiste feierte die Belegschaft des Städtischen Schlachthofes Gießen das 25jährige Dienstjubiläum des Maschinisten Heinrich Rispel. Außer der üblichen Ehrung, über die von uns bereits berichtet wurde, hatte die Belegschaft chrem Arbeitskameraden einen prachtvollen Präsentkorb als Jubiläumsgeschenk überreicht. In dankbarer Anerkennung für das schöne und wertvolle Geschenk hatte der Jubilar seine Arbeitskameraden für den Abend in die Puloermühle eingeladen, wo er sie ausgiebig bewirtete. In humorvoller Geselligkeit und kameradschaftlicher Verbundenheit verbrachten die Arbeits- kameraden schöne Stunden.
** „Dor 60 Jahren in Steins Garten." Zu diesem Aufsatz im Gießener Anzeiger — so schreibt man uns — ist berichtigend zu bemerken, daß Professor Dietz, der Begründer der romanischen Philologie, nicht in Gießen, sondern in Bonn seine Dozententätigkeit ausübte. Die Gedenktafel in der Neuen Bäue bezeichnet sein Geburtshaus.
Gießener Wochenmarktpreife.
♦ Gießen, 17. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse A 12%, B 12, C 10%, Wirsing, % kg 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 10 bis 26, gelb 15 bis 26, Erbsen 15 bis 20, Tomaten, deutsche 20 bis 26, italienische 20 bis 22, Zwiebeln 5 bis 13, Rhabarber 8 bis 10» Pilze 35 bis 40, Kartoffeln, neue, % kg 5 bis 6 Rpf., 5 kg 50 bis 55 Rpf., 50 kg 4,25 bis 5 RM., Frühäpfel, % kg 15 bis
Oie Fahrt ins Allgäu.
Erzählung von Mar6 Stahl.
Als der Zug in Kempten hielt, drückte sich Ursula so tief in die Ecke, daß man sie keinesfalls von draußen erkennen konnte. Ihr Herz schlug aufgeregt, sie tat, als ob sie müde sei von der langen Fahrt, und schloß die Augen. Ihr Gegenüber sagte: „Der Zug hat hier einigen Aufenthalt, wollen wir nicht auf den Bahnsteig gehen?"
„Lieber nicht", antwortete sie, „ich bin so faul." Ein schwaches Lächeln spielte um ihre blaß gewordenen Lippen. Der junge Mann zögerte noch etwas, er verzichtete nicht gern auf ihre Gesellschaft, aber dann erhob er sich doch, um draußen eine Zigarette zu rauchen.
Ursula warf keinen Blick hinaus, aber sie lauschte atemlos auf die vielen Schritte, die über den Bahnsteig klapperten, und dachte: „Darunter sind auch Mamas und Axels Schritte! Sie atmete schwer in dem heißen Versteck, das sie zwischen Mantel und Fensterwand für ihre schmale Gestalt geschaffen hatte, und wünschte mit wachsender Nervosität, daß der Zug doch nur endlich abgehen möchte.
Jetzt hörte sie deutlich unter ihrem Fenster sprechen. „Sie ist nicht da", sagte Mamas traueroolle Stimme. „Es scheint so", bestätigte Axel mit gereiztem Tonfall. Seine Redeweise war wie immer beleidigt und kriegerisch. Sie zuckte mit den geschlossenen Lidern wie in Abwehr. Wenn der Zug doch nur endlich fahren würde!
Jemand sagte zu ihr: „Da fährt der Zug schon." Sie öffnete die Augen und sah, daß ihr Gegenüber sie anlächelte. Sie lächelte auch. „Gottseidank!", antwortete sie.
„Was haben Sie denn?" fragte Johannsen besorgt, „ist Ihnen nicht gut? Sie sehen so blaß aus?"
„Das macht das Gewitter", sagte Ursula und trat ans Fenster. Der Zug machte gerade eine Kurve, und sie konnte noch eben Mama in hellem Kostüm auf dem Bahnsteig sehen, flankiert von Axels langer Gestalt in tarierten Knickerbockern, die ihm etwas Komikerhaftes verliehen Ein paar Tränen traten ihr in die Augen. Arme Mama, daß sie sie so enttäuschen mußte. Aber warum war sie auch so versessen darauf, sie mit Axel zu verheiraten. Schließ-
35 Rpf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 32, Brombeeren 35 bis 40, Preiselbeeren 41, Birnen, 15 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pflaumen 15 bis 30, Zwetfchen 25 bis 27, Mirabellen 25 bis 38, Renekloden 20 bis 30, Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 6, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.
Amtsgericht Gießen.
Der R. P. in Lollar hatte durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 30 RM. erhalten. Er befuhr am
lich hatte sie Axel ihr ganzes Leben lang zu ertragen und nicht Mama.
„Darf ich um die Fahrscheine bitten", fragte die Stimme des Schaffners. Ursula erschrak, daran hatte sie gar nicht gedacht, sie reichte dem Beamten die Karte mit einem entsetzlich schlechten Gewissen. Er warf einen kopfschüttelnden Blick darauf und sagte: „Die geht nur bis Kempten, dort hätten Sie aussteigen müssen!"
„Ich habe es mir anders überlegt", stotterte Ursula.
„Ja, wohin wollen's denn?" fragte der Schaffner und warf einen beziehungsvollen Blick über seine Brille auf die verlegene junge Dame.
Ursula wußte einen Augenblick nicht aus noch ein. Johannsen hatte alles erstaunt und schweigend angehört.
„Ich löse nach", sagte Ursula, „ich möchte lieber in die Berge, ich weiß nur nicht recht, wohin —"
„Vielleicht nach Oberstdorf?" fragte Johannsen.
„Natürlich, nach Oberstdorf", sagte Ursula erleichtert.
„Also bis Jmmenstadt nachläsen und umsteigen", sagte der Schaffner und öffnete seinen blechernen Kasten mit den Fahrkarten.
„Ich danke", sagte Ursula und bezahlte mit etwas unsicheren Fingern den Fahrpreis. Der Schaffner entfernte sich, Ursula verstaute Fahrkarten und Geld in ihrer Handtasche und bemühte sich, den jungen Mann nicht anzusehen.
„Ich fahre nämlich auch nach Oberstdorf", sagte er fröhlich.
„Ach!" sagte sie und wühlte immer noch ratlos in ihrer Handtasche.
„Ich freue mich ganz unbändig, daß wir zusammenbleiben", rief er, „ich hoffe. Sie sind recht lange dort, ich habe mir vorgenommen, vier volle Wochen dort zu verbringen."
„So —", sagte sie und ordnete den Inhalt ihrer Handtasche neu, um ihn immer noch nicht ansehen zu müssen.
„Sie sind mir nämlich ungeheuer sympathisch", sagte Johannsen.
„Danke", antwortete sie und lachte. Endlich machte sie die Handtasche zu und legte sie neben sich-
Er betrachtete sie aufmerksam. „Hören Sie", fragte er, „warum sind Sie eigentlich in Kempten nicht ausgestiegen?"
21. Dezember v. I. gegen 15 Uhr mit seinem Fahrrad die Straße Gießen—Lollar in der Gemarkung Wieseck und hat dabei sein Verhalten nicht so eingerichtet, daß er den Verkehr nicht behinderte, indem er mit seinem Fahrrad nicht die äußerste rechte Seite der Fahrbahn einhielt, wodurch er mit einem ihn überholenden Personenkraftwagen zusammen- stieß. Hierbei entstand nur Sachschaden.
Gegen den Strafbefehl legte P. Einspruch ein. In der Hauptverhandlung wurde er überführt. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde er zu einer Geldstrase von 30 RM. ersatzweise 6 Tage Haft, verurteilt.
„Davon möchte ich nicht reden", sagte Ursula.
Er schwieg eine Weile, bann h- gann er wieder: „Sie sind etwas Unangenehmem urh Peinlichem aus dem Wege gegangen, nicht wahr?!"
„Ja", antwortete sie, einer Heirat!"
Er stieß einen leisen Pfiff aus. „O, Verzeihung", bat er erschrocken.
„Macht nichts!" saate sie und lachte.
Da fuhr der Zug schon in Jmmenstadt ein. Sie nahmen hastig ihr Gepäck und sprangen auf den Bahnsteig. Eine kleine, schnurrige Lokomotive keuchte schon in Erwartung der großen Anstrengungen, die ihr bevorstanden, vor zwei bis drei kleinen, gemütlich aussehenden Wagen. Sie sanden ein leeres Abteil und verstauten ihr Gepäck. Das Bähnchen setzte sich fauchend und spuckend in Be- roegung, es hatte schwer zu ziehen, es ging stark bergan.
Ursula war auf einmal ungeheuer vergnügt. Sie lief von einem Fenster zum andern und sah hinaus. Johannsen wurde von ihrer Fröhlichkeit angesteckt.
Es wurde langsam dunkel. Der Schaffner kam und drehte das Licht an. Er setzte ein verschmitztes Gesicht auf, als er die beiden vergnügten jungen Leute sah, und sagte: ,Leider muß i hell machen — leider!"
Ursula versuchte ernsthaft auszusehen. Aber Johannsen lachte. Der Schaffner verschwand, Johannsen sagte: „Ich bin ja so glücklich, daß Sie nach Oberstdorf mitkommen."
„Aber", wandte Ursula ein, „Sie kennen mich doch noch gar nicht."
„O", rief Johannsen, „ich weiß schon viel von Ihnen — ich weiß zum Beispiel, daß Sie eine Frau sind, die den Mut hat, das Steuer herumzuwerfen, wenn ihr der Kurs nicht paßt. Wer hot schon so viel Konsequenz?!"
„Vielleicht ist das nur Feigheit!" murmelte Ursula.
Johannsen schüttelte energisch den Kopf. „Unsinn", sagte er, „nur nicht Angst haben vor dem eigenen Mut. Ich bewundere Sie jedenfalls geradezu."
lieber den Bergen wetterleuchtete es, als sie in Oberstdorf ausstiegen. Die Lichter der Häuser ?Iä inten blank verstreut aus dem Dunkel, ein star- er Wind, der geradewegs von den Gletschern zu kommen schien, wehte ihnen entgegen.
Johannsen blickte über ihre Schulter, als sie sich ins Fremdenbuch eintrug. „Ursula —", sagte er, „was für ein schöner Ramel"
Aus der engeren Heimat.
Neue Aufgaben des Kreises Marburg.
Lpd. Marburg, 16. August. Der Voranschlag des Landkreises Marburg für das Rech- nungsjahr 1939 ist in Einnahme und Ausgabe im ordentlichen Haushalt mit 1399057 RM., im außer- ordentlichen Haushalt mit 133 200 RM. ausgeglichen. Der Schuldendienst des Kreises ist von 50 000 RM. im Rechnungsjahr 1938 auf 10 000 RM. in 1939 gesunken und wird 1940 noch 4 400 RM. betragen. Insgesamt wurden vom 1. 4. 1938 bis 30. 6. 1939 315 000 RM. Schulden ab gedeckt, darunter sämtliche Kreisbahnfchulden, so. wie die des Kreises bei der Kreissparkasse. Der Kreis hat jetzt noch rund 77 000 RM. niedrig verzinsliche Schulden. Nachdem die Lahnreguli e- Jung, für die noch 1938 über 130 000 RM. auf- gewendet wurde, in wenigen Wochen endgültig be- endet fein wird, muß sich der Kreis auf die beiden großen Aufgaben der Ohmre auHerung und der Verbesserung des Kreis straßen- netzes einstellen.
Zeder muß da arbeiten, wo sein Einsatz verlangt werden kann.
Lpd. F r a n k f u r t a. M., 16. Aug. Fünf minderjährige Arbeiter waren als „Aufbereiter" in einer Grube über Tage beschäftigt. Am 18. Januar wurden sie vom Betriebsführer anaewiesen, gelegentlich unter Tage zu arbeiten. Diese Arbeit lehnten sie ab und wurden daraufhin weaen beharrlicher Arbeits- Verweigerung fristlos entlassen. Bei der Entlassung wurde ihnen ein Teil des Lohnes als Strafe ein- behalten. Sie klagten daraufhin vor dem Arbeitsgericht auf Herausgabe des einbehaltenen Lohnes. Das Arbeitsgericht in Limburg verurteilte die Be- klagte zur Auszahlung der Beträge in Höhe von 28 bis 32 RM.
Das Landesarbeitsgericht Frankfurt a. M. hob dieses Urteil auf. In Der Urteilsbegründung wurde ausgeführt: Die Kläger seien im Alter von 15 bis 16 Jahren bei der Beklagten eingeftellt worden. Damals feien sie froh über ihre Einstellung gewesen. Eine ausdrückliche Vereinbarung, daß sie immer nur als „Aufbereiter" beschäftigt würden, ist nicht getroffen worden. Nachdem sie jetzt ein Alter erreicht hätten, in dem sie nicht mehr Aufbereiter sein könnten, wäre es nicht unbillig, von ihnen zu verlangen, daß sie vorübergehend unter Taa arbeiteten. Dieser Aufforderung hätten sie Folge leisten müssen. Von jungen Leuten könne man verlangen, daß sie dort arbeiteten, wo das Vaterland ihren Einsatz fordere. Ihre Weigerung, dem Verlangen der Betriebsführung nachzukommen, sei daher als beharrliche Arbeitsverweigerung aufzufassen. Die fristlose Entlassung sei zu Recht erfolgt.
Kür 40000 NM. Autoreifen gestohlen.
Lpd. F r a n k f u r t a. M., 16. August. Im vergangenen- Jahre bis zum Februar dieses Jahres waren in Frankfurt a. M., Worms, Koblenz, Mannheim, Mainz, Fulda, Hanau und Ludwigs- Hafen von parkenden Autos nachts die Ersatzreifen gestohlen worden. Die Reifen wurden an zwei Hehler nach Frankfurt geliefert, von denen sich der eine das Leben nahm, als er verhaftet werden sollte. Der Haupthehler schaffte die gestohlenen Reifen meist nach Süddeutschland, vorwiegend in die Schwarzwaldgegend, wo er Abnehmer fand. Ende Februar wurde die Diebes« bande verhaftet. Der Wert der gestohlenen Reisen beläuft sich auf 30 000 — 40 000 RM. Die vier Diebe und der Haupthehler hatten sich jetzt vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Das Gericht verurteilte den 34jährigen, aus Hanau stammenden Willi Lotz zu 3 Jahren Zuchthaus, den 19jährigen Karl W. und den 22jährigen Hans K. zu je 2 Jahren Gefängnis, den 19jährigen Karl S. zu 1 Jahr Gefängnis und den wegen Hehlerei angeklagten Josef Müller aus Frankfurt zu 3'/r Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht-
Todessturz in der Scheune.
Lpd. Dillenburg, 16. August. Als die 55 Jahre alte Frau eines Mauerermeisters im be- nachbarten Frohnhausen in der Scheune arbeitete, rutschte die Leiter, auf der sie stand, auf ber zementierten Tenne aus. Die Frau stürzte und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Bald nach ihrer Einlieferung ins Dillenburger Krankenhaus
Ehe Ursula in bas Hotelzimmer hinaufging, hielt Johannsen sie einen Augenblick zurück. „Und Sie werden nicht etwa Ihren Entschluß bereuen und heimlich nach Kempten zurückfahr-en?" fragte er ängstlich.
Sie schüttelte den Kopf, „O nein", antwortete sie, „ich bin froh, daß ich es geschafft habe, ein zweites Mal brachte ich das nicht fertig, davonzulaufen.
„Ursula?", fragte er, brach bann aber ab.
„Was?" fragte sie dagegen.
„Nichts!", antwortete er, „schlafen Sie wohl. Bis morgen —"
„Bis morgen —", sagte sie und ging die Treppe hinauf, die mit roten Läufern belegt war.
Er sah ihr nach, trat bann nochmals ins Freie hinaus, umkreiste das Hotel und betrachtete die erleuchteten Fenster. In einem von ihnen wurde für einen Moment Ursulas Gestalt sichtbar. Sie beugte sich hinaus, wandte ihr Gesicht dem Himmel und Den Bergen zu und ging wieder ins Zimmer zurück.
Johannsens Hand ftreifte über die Blätter der Hecke am Zaun, seine Finger trafen auf eine Blume.
Er brach sie ab, hielt sie gegen das Licht btt Laterne am Eingang des Hotels: Es war eine gan) ausgeblühte dunkelrote Rose. Mit einem leichten Schwung warf er sie in Ursulas Fenster.
Er horte, wie sie drinnen mit leisem Rascheln zu Boden fiel. Ursula erschien wieder im hellen Fensterausschnitt. Sie hielt die Rose in der Hand und spähte stumm in die wehende Nacht hinaus-
Sie sprach kein Wort, auch Johannsen sagte nichts, obwohl sie seine dunkle Gestalt deutlich unten sehen mußte. Er machte nur eine unbestimmbare Bewegung, als wolle er Erde, Himmel und Ursula umarmen, dann ging er schnell die Straße hinunter auf fein Gasthaus zu.
Sochschulnachrichlen.
Professor Dr. Georg Hohmann, Orbrnariu» für Orthopädische Chirurgie an ber Universität Frankfurt, wurde von der Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) in Halle zum Mitglied ernannt.
Die Entpflichtung des ordentlichen Professors für Tropenmedizin an der Universität Hamburg Dr. med. habil. Peter M ü h l e n s ist bis zum Ende des Sommersemesters 1940 hinausgeschoben worden.


