M.1ZY vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
17./I8. Zuni My
Zeit der Heuernte.
Aufbruch zum Heuwenden. Mit dem geschulterten Rechen geht es hinaus.
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Jugenderinnerungen find unverlierbar, besonders dann, wenn sie sich verbinden mit sorglos verlebten Ferientagen bei Verwandten auf dem Lande, verbracht zwischen dem kindlichen Spiel der 8- bis 14- jährigen und dein Ernst so mancher Arbeit, die auf dem Lande für den Knaben und für das Mädchen anfällt. Da ritt man — wer wüßte es nicht mehr! — mit dem Onkel oder einem Knecht die Pferde in die Schwemme, führte die jungen Kühe vor dem Pflug, daß sie in der Furche blieben, saß neben dem Großvater beim Dengeln der ^Sensen und Sicheln, ging mit hinaus zum Selzen der Kartoffeln und kam sich durch gerne erfüllte Pflichten wichtig vor. Dann saß man mit am Wiesenrain beim Frühstück oder beim Vesper im Bewußtsein, es verdient zu haben. Und wenn dann die Zeit war, da das Gras, gemäht, das Heu gewendet oder zusammengerecht werden sollte, war man auch dabei, hatte den leichten Strohhyt auf, und es rannen Schweißtropfen über das erhitzte Gesicht. Noch sehe ich mich, .obwohl das schon lange her ist, mit Bauer und Bäuerin, mit Knecht und Magd in gestaffelter Reihe beim Heuwenden, den leichten Rechen in der Hand; rasch hatte ich gesehen, wie der Rechen gegriffen und wie er geschwungen wird.
Das alles erlebt die gegenwärtige Jugend auch, häufiger noch als Generationen vorher, weil Hunderttausende von Kindern durch die Kinderlandverschickung alljährlich zu Bauern kommen, weil sie durch den Landdienst der HI. herangc- führt werden an die bäuerliche Arbeit, die Jugend, reifer und wacheren Bewußtseins, beim Arbeitsdienst Erntehelfer wird, bäuerliche Arbeit kennen und schätzen lernt. Das alles bleibt unvergessen. Das Erlebnis der Bauernarbcit in der Jugend bleibt unverlierbarer innerer Reichtum.
So mancher junge Mensch sollte sich dabei ernsthaft vor die-Frage stellen,ob nichtdie-Bauern- arbeit die Aufgabe seines Lebens sein könnte, ob
er nicht auf dem Lande einen Pflichtenkreis fände, der ihn ganz ausfüllen könnte, ob er nicht in der Arbeit in Feld und Wald tiefere Befriedigung fände als aly Schreibtisch oder in der Werkstatt ^hinter immer dem gleichen Fenster?! Und manches "Mädchen könnte sich neben der Bäuerin gut ausnehmen, könnte hineinwachsen in diesen Lebenskreis, wichtig und bedeutsam werden und damit beitragen, daß die Arbeit der Bauersfrau auf mehrere Schultern verteilt Uni) dadurch erträglich wird. Und allen denen, die auf dem Lande groß, geworden sind, möchte man zurllfen: bleibt auf eurem Platz! In der Stadt gibt es auch nichts geschenkt! Vermehrt nicht das Heer der Landflüchtigen!
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Jetzt ist wieder die Zeit der Heuernte. Zu früher Morgenstunde schon geht es hinaus mit der Grasmähmaschine. Die Arbeit des Mähens wird vor allem in den Morgenstunden geleistet, denn das taufeuchte Gras schneidet sich besser, als das Gras, das unter den Strahlen der Sonne trocken und härter geworden ist. Meist läuft ein halbwüchsiger Junge hinter der Maschine her, und wenn sich das Gras vor dem Messer staut, das Messer rupft, statt zu schneiden, dann beginnt seine Pflicht: er muß mit dem Rechen das Messer freimachen. Dann geht es wieder weiter! Immer kleiner wird das Stück ungemähten Grases, das im Viereck umfahren wird. In regelmäßigen Abständen und Schichten liegen die Halme da, gleichmäßig wird das Gras auf die ganze Wiesenfläche verteilt. Und dann beginnt die Sonne ihr Werk. Wenn der Tag heiß genug ist und wenn genügend Hände da sind, dann kann schon morgen eingefahren werden.'Für den Bauern ist die Heuernte eine Zeit reicher, wenn auch nicht allzu schwerer Arbeit. Alle Hände, die dessen fähig sind, müssen helfen. Vor allem bleibt auch jetzt der Bauersfrau, der Jungbäuerin nichts erspart. Der Tag hat viele Stunden. Aber die
MM
Beim Grasmähen. Die beiden Buben sind ganz Aufmerksamkeit.
Beim Heuwcndcn im weiten Feld, (Aufnahmen |4|: Neuner, Gieß. Anz.)
Frauen sind gerne draußen. Die kleinsten Kinder werden im Kinderwagen mit hinausgenommen und in den Schatten von Büschen oder Bäumen gestellt, die zwei- bis sechsjährigen weiß man im Kindergarten gut aufgehoben, und die größeren Buben und Mädchen helfen — wenn sie nicht gerade in der Schule sind — schon eifrig mit.
Für den Bauern ist die Zeit der Heuernte auch eine schöne Zeit. Das Heu ist der erste Lohn- seiner Arbeit. Er kann diesen Lohn greifen, kann die Fuhren zählen, die eingebracht werden, er spürt, das Heu ist gut in diesem Jahre, duftig, es ist reichlich und nicht ein einziges Mal naß geworden, es lag nicht lange auf den Wiesen, hat nichts an Qualität
verloren, kam trocken in die Scheune (bisher unberufen toi, toi, toi!), und er braucht nicht zu fügten, daß sich das Heu im Stapel erhitzt, wie es doch manchmal der Fall ist, wenn cs eingebracht werden mußte, ohne daß es völlig trocken war. Und hoffentlich hält das gute Wetter noch so lange an, bis überall das Heu eingebracht ist! Dann gibt es auch keine Sorge um das Rauhfutter für das Vieh und — diese Tatsache ist wichtig — für ein ganzes Volk. Wir wissen es alle noch, wie' es aussah, als vor einigen Jahren nicht genug Futter für das Vieh da war, wie so manches Tier geschlachtet werden mußte, das schlachten zu lassen der Bauer nie erwogen hätte, wenn Futter dagewesen wäre. Mit der Heuernte 1939, wie sie sich bisher erwies, wird der Bauer nicht unzufrieden sein.
bei der Heuernte in unserer obcrhcssischcn Landschaft, die sich in diesen Junitagen in besonderer Festlichkeit zeigt. Die klare Luft läßt weit sehen, die dunklen Wälder stehen in lebhaftem Kontrast zum Hellen Himmel und den weißen Wolken, über die Kornfelder weht der Wind und macht sie zu wogenden und schimmernden Meeren. Die Wiesen, solange nicht die Mähmaschine über sie hinweggegangen ist, zeigen sich in der Pracht vieler Blumen. Hoch am Himmel wiegen sich Bussarde in der warmen Luft und zwischen Albach und Burkhardsfelden sahen wir am Mittwoch dieser Woche gar zwei rote Milane, seltene Raubvögel, majestätisch über den Feldern kreisen.
Es wird nicht mehr lange dauern, dann sind alle Wiesen gemäht, ist das Heu eingebracht. Das günstige
Heuernte — ein Bild des Friedens und des Bauernfleißes.
Von den Wiesen gleitet sein Blick hinüber zu den Kornfeldern — auch das Korn steht gut! Es ist wenig Unkraut dazwischen, denn die Saatgutreinigungsmaschine hat vorzügliche Arbeit geleistet.
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Nicht alle Jahre ist das äußere Bild der Heuernte so ideal, wie gerade in diesem Jahre. Man braucht nicht weit vor die Tore unserer Stadt zu gehen, uip die Heuernte in allen ihren Erscheinungen beobachten zu können. Im Buseckertal herrscht in den ausgedehnten Wiesengründen ein Leben und eine Arbeitsfreude, die reichen äußeren Ausdruck finden. Viele Frauen und Mädchen sind auf den Wiesen und ihre weißen Kopftücher leuchten weithin. Die Gesichter
sind tief gebräunt. Ueberall stehen die Heufuhren, schon mehr ober weniger hoch beladen, wie dunkelgrüne Blöcke vor dem hellen Grün der gemähten Wiesen. In langen Zeilen ist M und dort das Heu zu Haufen gerecht und soll aufgeladen werden, und beim Laden selbst ist es Ehrensache, daß sauber geladen wird, denn der Wagen begegnet manchem kritischen Auge. Wie schön wäre es, auch wieder einmal ganz oben aufsitzen zu dürfen, mitten i'm duftenden Heu, sich festzuhalten am Spannbalken, heimzufahren, mit abzuladen ...
So weit das Auge reicht, sieht man jetzt die Bauern
Wetter wird von allen verantwortungsbewußten Bauern ausgenützt. Und wenn das Heu eingebracht ist, dann wartet auf den Lnndmann andere Arbeit. Da und dort wird die Dickwurz gefetzt, und lange wird es nicht mehr dauern, dann reifen Gerste und Korn. Der Bauer darf überzeugt fein, daß sich im Geiste der Volksgemeinschaft auch in diesem Jahre wieder viele freiwillige Helfer aus der Stadt finden werden, wenn seine und seiner Angehörigen Hände nicht ausreichen sollten, die Ernte so rasch und rechtzeitig zu bergen, wie es für unser Volk eine Notwendigkeit ist. N.
kinMWllmlsOnSMöm
Roman von Konraö Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag, Berlin W35
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ich fahre heute nachmittag ab", fuhr er fort. „Ich habe hier genug Zeit vertrödelt. Und daß bei der Vernehmung des Nachtwächters nichts heraus- kommen würde,' habe ich mir van Anfang an gedacht. Der ist niedergeschlagen und zur Sicherheit chloroformiert worden. Dann hat ein anderer seine Uniform angezogen und für ihn pünktlich die Alarm- uhr gestochen. Das ist keine Kunst..." Er versank in tiefes Sinnen. „Die Alarmvorrichtung in der Stahlkammertür in der richtigen Sekunde abfangen, — das ist viel schwerer. Tja, da werde ich mich eben persönlich darum kümmern müssen, wo der Ehampagnerfritz steckt..
„Wer ist das?" fragte Ruhle.
„Der Dritte", gab Wafer zur Antwort. „Ich habe Ihnen doch gesagt, daß in diesem Land nur drei nach dieser Methode gearbeitet haben. Der erste sitzt, der zweite ist in Uebersee. Und der dritte ist der Ehampagnerfritz. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß ein Fremder uns zugereist ist. Aber, das dürften wir in Erfahrung bringen. Vielleicht ist es der lange Billy... Die Engländer sind sehr geschickt. Unsere Leute, die, die uns wirklich zu schaffen machen, haben ihr Werkzeug aus England."
„Werden Sie ihn finden, den Ehampagnerfritz?" erkundigte sich Ruhle.
„Aber ja. Das ist ein nobler Herr. Lebt gerne gut uild läßt andere mitleben. Den haben wir bald", beruhigte Doktor Wafer. Er litt unter der allgemeinmenschlichen Schwäche, anzunehmen, daß er alles besser machte als die anderen. Daß die Polizei in den abgelaufenen Tagen den Ehampagnerfritz noch nicht gefaßt hatte, war ausschließlich darauf zu- rückzufuhren, daß er sich in Neukirchen herumdrückte, statt selber nach dem Rechten zu sehen.
Die Kriminalpolizei horchte mit tausend Ohren an Bartischen, in Tanzlokalen, sie spähte durch Helle Säle, in dunkle Winkel. Wie ein Spinnennetz zog es sich über das Land: Ehampagnerfritz mußte sich darin fangen! Er mußte — obwohl er keinerlei Anstalten dazu traf ...
Ein heftiger Frühjahrssturm fegte durch die Straßen Berlins, fegte die Regenwolken vom Nachthimmel. Der patrouillierende Wachmann zählte die
Schritte. Bald kam die Ablösung, dann konnte er in das gemütliche Dienstzimmer zurück und weiter Skat klopfen. Er überdachte schmunzelnd das letzte Blatt Karten, das ihm die Glücksgöttin zugeschanzt hatte. Seins Schritte hallten durch die stille Häuserreihe. Es war gegen 2 Uhr morgens, und die Häuser waren dunkel. Nur hie und da ein Licht in einem Fenster.
Er ging an einem Bauzaun vorbei. Eine Planke war locker und schlug klappernd im Wind. Gemächlich machte sich der Schutzmann daran, das locker gewordene Brett zu verklemmen. Wenn ihn der Lärm störte, so störte er die Schläfer oder die Kranken, neben deren Betten Licht brannte, erst recht.
Er wollte sich das Gerüst überhaupt mal ein bißchen ansehen. So eine Sturmnacht hat schon viel Unheil angerichtet. Nur die eine Planke war locker, sie war aus dem Holz herausgebrochen. Der Schutzmann zog einen Span aus seinem Handballen. Sollte das der Wind gemacht haben?
Ein Neubau ist ein bequemer Schlupfwinkel für allerhand Leute, dachte er. Und schwang sich über die Planke ... Daß er nicht aufschrie, sprach für seine guten Nerven und das Berufstraining. Seine Füße hatten im Aufspringen nicht Erde und Stein betreten, sondern eine weiche, nachgiebige Masse... einen Körper. v
Der Schutzmann sprang blitzschnell zurück und horchte. Es war still. Nur'der Wind pfiff. Und die Planke klapperte gegen den Balken.
Eine dunkle Gestalt lag reglos vor seinen Füßen. Er zog die Taschenlampe und leuchtete, die Hand weit von sich abgestreckt, den Neubau ab. Er war allein mit dem Toten. Ein gut gekleideter Herr mittleren Alters. Kein Blut, soviel er in der Eile feststellen. konnte. Nur der Schädel gefiel ihm nicht. Die ganze Sache gefiel ihm überhaupt nicht ...
Eine schrille Trillerpfeife gellte durch die Nacht. Ein Kamerad mußte ihn hören und zu Hilfe kommen. Er wollte nicht allein in der Dunkelheit hier Herumwirtschaften und wichtige Spuren verwischen. Und er blieb lieber stehen und stand Wache neben dem Toten.
Wieder fiel der volle Lichtstrahl auf das blosse kalte Gesicht. Eine Erinnerung dämmerte in ihm. Des Gesicht kam ihm bekannt vor. Ja, natürlich. Das war ja der Geldschrankknacker, den sie wie eine Stecknadel suchten. Das war der Ehampagnerfritz! Und er war mausetot!
Eilige Schritte hallten. Der Schutzmann sprang rasch auf die Straße, schwenkte den Arm dem Kameraden entgegen.
„Ich hab' den Ehampagnerfritz", sagte er, „er ist
nur leider tot und wird keine Auskunft mehr geben."
Der Schutzmann lief zur nächsten Sprechzelle. Es folgte eine Stunde großer und fast geräuschloser Betriebsamkeit. Dann rollte ein Leichenwagen zur Morgue. Es geschah alles, um die Verfolgung des Mörders zu sichern, obwohl es um den Cham- pagnerfritz nicht weiter schade war, wie die Vertreter der Behörden meinten und auch verkündeten.
Die Brieftasche des Toten fehlte und die Uhr. In einer Hosentasche klimperte. Metallgeld. Sehr gründlich ausgeräumt hatten sie ihn nicht ... Sonst sand sich keine Spur.
„Doktor Waser wird fluchen", meinte ein Kriminalbeamter, zu einem Kollegen gewandt, als sie durch die Morgendämmerung heimwanderten. „Er glaubt, daß der Selige die Unionbank in dem kleinen Nest da unten irgendwo angesetzt hat ... Vierhunderttausend Mark Beute ... Jetzt ist Fritz mausetot, und wir haben einen unaufgeklärten Bankraub auf dem Hals. Wie soll ein Toter überführt werden und gestehen?"
„Auch der Lebende hat ungern gestanden", sagte abschließend der Kollege.
Schönere Leichenreden wurden Ehampagnerfritz nicht gehalten.
Doktor Waser war denn auch tatsächlich außer sich und schimpfte, daß es nur so hagelte. Er verlangte gebieterisch, daß man den Täter zur Stelle schaffe.
„Das ist nicht leicht", verteidigte sich der Kriminalist, der den Fall übernommen hatte. „Feinde und Neider hat ein Kerl vom Schlag des Verewigten zur Genüge. Geht da einer durch eine stille Straße, so gegen Mitternach, wenn sie schon menschenleer ist. Allein oder in Begleitung. Der Begleiter bleibt einen Schritt zurück, zwei Schritte, um ein Schuhband zu knoten. Oder ein Mann hinter ihm geht eben in rasendem Tempo, holt ihn ein. Jedenfalls wird hinter dem friedlich Schreitenden ein Gummiknüppel geschwungen ..."
„Oder ein Gummischlauch mit einem Bleikern", murmelte Doktor Waser.
„Sehr richtig", nickte der andere. „Und dieser stumpfe Gegenstand knallt mit aller Wucht auf den Schädel des Vordermannes. Dann mußte er den Abgesackten bloß über den Bauzaun schmeißen, nach- turnen, ihm die Taschen ausleeren und feiner Wege gehen."
„Recht einfach", brummte Waser.
„Natürlich. Ich wundere mich immer, warum soviel mit Revolver und Messern gearbeitet wird. ..."
„Ein Herr, von dem schwer eine Personenbeschrei- bung zu erlangen ist — so ein richtig durchschnittlich aussehender Mann, wurde nicht in der Nahe des
Tatortes gesehen — oder in der Nahe des Ehampagnerfritz" fragte Wafer nach einer kurzen Pause.
„Nein!" antwortete der andere erstaunt.
XIV.
Voigt Vater und Sohn saßen im Wohnzimmer des Ehepaares Jlke. Sie wollten mit Peter hie unerfreuliche Angelegenheit wegen Gottfried von Dilden durchsprechen. In aller Gründlichkeit. Der Vater machte ein sorgenvolles Gesicht, der Sohn war nur zornig. Peter hörte aufmerksam zu und bemühte sich, bie beiden zu.beschwichtigen.
Madeleine hockte in einem tiefen Lehnstuhl, in jener Ecke, bie den erregten Männern zunächst war, und tat, als stricke sie. Sie war viel zu bescheiden, sich in ernste Männergespräche einzumischen, aber das Nachdenken konnte ihr niemand verbieten, nicht wahr?
„Mir gefällt bie Sache wirklich nicht, Hans. Da steckt etwas dahinter... Es kann kein Zufall fein, daß der junge Dilden in London in der Nähe war, als der bei Sarto geraubt wurde. Und bei dem verfehlten Anschlag auf unseren Wagen auch. Schließlich ist er der Neffe eines enragierten Sammlers ..."
„Eine Eigenschaft, die bestimmt nicht vererblich ist", fiel Hans ein. „Ich bin völlig unbelastet in dieser Hinsicht. Außerdem wirst du doch nicht wirklich behaupten wollen, daß Gottfried die Leichen von Freunden sammelt! Und der Autoanschlag war ein Mordversuch!"
„Ja — aber doch..." Herr Voigt überlegte eine
„Ihr wißt eine Kleinigkeit nicht, die mir zu denken gibt. Als ich das letztemal in Berlin mar, wollte ich gemeinsam mit Rutby Heinrich Nase einen Besuch abstatten. Wir fanden, was bisher nie der Fall war, bie Tür zum Laben versperrt. Und kurze Zeit später bemerkten wir, daß Gottfried von Dilden in den Laden eingelassen wurde. Wir haben noch eine halbe Stunde gegenüber in der kleinen Konditorei gewartet. Dann sind wir neugierig geworden. Wir wollten wissen, was der junge Schnösel so lange bei Nase zu tun hatte. Außerdem wollten wir — bas war ja der Zweck unseres Besuches — wirklich sehen, ol> Nase uns etwas Neues zeigen konnte... Der Laden war wieder zu. Und als wir anklopften, sah Nase bei der Auslage heraus, er machte ein zorniges Gesicht und keifte uns an. Tat, als hätte er uns nie gesehen. Und dabei war es kaum eine Viertelstunde nach Geschäftsschluß."
Bevor Hans eine neue erregte Verteidigungsrede für Gottfried beginnen konnte, fiel Peter ein.
(Fortsetzung folgt.)


