feindlichen Flotten angegriffen worden, so von der russischen und der englischen Flotte, niemals aber, hat es um die Meerengen einen Streit zwischen Deutschland und der Türkei gegeben. Im Gegenteil glauben wir uns zu entsinnen, daß e s deutsche Truppen unddeutsche Kriegsschiffe waren, die in den Jahren 1914 bis 1918 den Schutz der Meerengen im Interesse der Türkei übernommen hatten. Daß nun gerade die Sowjetunion und England als die Freunde der Zukunft betrachtet werden, in deren Hände man die eigene Sicherheit legt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Wenn auch in Moskau das Regime gewechselt hat, so hat man dort doch nicht die alten historischen Ansprüche nach Beherrschung der Dardanellen aufgegeben, und in Ankara scheint man heute vergessen zu haben, daß die Zerstückelung der Türkei nach 1918 im wesentlichen das Werk der Engländer gewesen ist. Heute aber gefällt sich die türkische Presse darin, die „Vorherrschaftsgelüste" Deutschlands als Vorwand für die neue Politik zu gebrauchen und weil man sich offenbar in seiner neuen Haut doch nicht wohlfühlt, attackiert man Deutschland und schreibt von deutscher Engstirnigkeit. Wie die türkische Handlungsweise einzuschätzen sein wird, bleibt noch abzuwarten. Wäre die Türkei nicht aus ihrer Neutralität leichtfertig herausgetreten und hätte ihre alten Grundsätze über den Haufen geworfen, so brauchte sie sich heute nicht nach Sündenböcken umzusehen und hätte die Nerven behalten können.
Auf Kosten Syriens.
In Syrien findet Frankreich keine Regierung. Das Ministerium Nassau Boukhari ist als geschäftsführende Regierung nur mit Not und Mühe zu- standegekommen und protestiert jetzt gegen die der Türkei in Aussicht gestellte Abtretung des Kreises von Alexandrette, vielleicht aber auch der ganzen Provinz Aleppo durch Niederleaung -eines Amtes. Die schweren Mißhelligkeiten zwischen Syrien und Frankreich schreiben sich nicht von heute her. Im Jahre 1936 wurde ein Vertrag zwischen Frankreich und Syrien vorläufig unterzeichnet, nach dem das französische Mandat über Syrien im September 1939, also nach drei Jahren, aufgehoben werden soll und Syrien als selbständiger souveräner Staat dem „Völkerbund" beitreten sollte. Dieses Vertragswert scheiterte an dem Widerstand des französrschen Generalstabs. Und das, obwohl die in Aussicht gestellte Souveränität Syriens nur auf dem Papier stand: denn die syrische Regierung sollte auch weiterhin ausschließlich Franzosen als Berater Verwenden: auch war vorgesehen, daß eine französische Militärmission ständig in Syrien amtiere und daß die syrisch« Armee nach dem Muster der -ran^ösischenArmce ausaerüffet werden solle. Schließlich hatte sich Frankreich auch das Verbleiben französischer Truppen, wenn auch in etwas verminderter Anzahl, in Syrien ausbedungen. Aber alle diese weitgehenden tatsächlichen Einschränkungen der sogenannten syrischen Unabhängigkeit und Souveränität genügten dem französischen Generalstab nicht. Er Hintertrieb die endgültige Unterzeichnung des Vertrages. Jetzt aber, wo England und Frankreich Köder auswerfen, um Bundesgenossen zu fangen, will Frankreich sogar die Hilfe der Türkei auf Kosten Syriens bezahlen. England hat Idas Geschäft vermittelt und seinerseits auf Paris gedrückt. Man kann sich vorstellen, daß die Syrer durch diesen hinreißenden Beweis französischer Vertragstreue „wie vor den Kopf geschlagen" sind.
England läßt in Transjordanien die Zügel locker. Löndon, 16. Mai (Europapreß). In London wurde ein Abkommen zwischen der englischen Regierung und dem Emir Abdullah von Irans» jorbamen veröffentlicht. Transjordanien erhält das Recht zur Aufstellung eigener Trupen. Weiter wird der bisherige Derwaltungsrat in einen M i n i st e r r a t ugewandelt. Schließlich erhält die transjordanische Regierung das Recht, in bestimmten arabischen Staaten konsularische Vertreter zu unterhalten. Mit dem Abkommen yat die englische Regierung, offenbar unter dem Druck der Verhältnisse in Palästina, einen Teil der Forderungen erfüllt, die der transjordanische Minister lau fit Pascha während der Palästina-Konferenz zu Anfang des Jahres der englischen Regierung unterbreitet hatte.
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Transsordanien ist britisches Mandat und untersteht dem britischen Oberkommissar in Jerusalem. Das Land, das sich längs der Ostgrenze Palästinas hinstreckt, im Norden an Syrien und den Irak, im Osten an Saudiarabien grenzt, umfaßt 42 OOO Quadratkilometer mit 300 000 überwiegend arabischen Bewohnern. In der Hauptstadt Amman refi- diert seit 1920 der Emir Abdullah, der Bruder des 1925 von Ibn Saud aus Mekka vertriebenen ehemaligen Königs Hussein von Hedscha und Onkel des eben tödlich verunglückten König Ghazi von Irak.
3ogu in den Zußstapfen des Ex-Negus.
Genf, 16. Mai. (Europapreß.) Achmed Z o g u hat bei der Genfer Liga in einem anderthalb Seiten langen Schreiben Protest eingelegt gegen die Entwicklung in Albanien. Zogu glaubt, darin seinen „Rechtsstandpunkt" offenhalten zu müssen. Interessant an diesem „Protestschritt", der sich würdig den theatralischen Auftritten Halle Selassies anreiht und dem keinerlei praktische Bedeutung zukommt, ist, daß er gutem Vernehmen nach auf englische Anregung zurückgehen soll. Dies erscheint wie- derum aufschlußreich im Zusammenhang mit den in den letzten Tagen aufgetauchten Meldungen, nach denen man in London mit dem Gedanken spielt, Zogu die Krone eines neuzuschaffenden „Vereinigten Königsreichs P a l ä st i n a, Transjordanien, Syrien und Libanon" anzubieten.
Die Dienstpflicht in der Noten Flotte um ein Jahr verlängert.
Moskau, 16. Mai. (DNB.) Laut Verordnung der Sowjetregierung wird die Dienstpflicht für die Angehörigen der Roten Flotte auf fünf Jahre verlängert, für die Angehörigen der Küstenverteidigung auf vier Jahre. Durch diese Neuregelung, die mit einem kurzen Hinweis auf die Notwendigkeit der „Erhöhung der Kampfbereitschaft" der Roten Flotte und der Beherrschung der modernen Technik der Kriegsmarine begründet wird, wird im Verlaufe der nächsten Jahre die zahlenrnäfflge S t ä r k e der Sowjetflotte erheblichvermehrt werden, da bis jetzt in der sowjetrussischen Kriegsmarine nur, eine v-ierjährige Dienstpflicht bestand.
Der Kührerbesichligl die Befestigungen im Gaargemet
Eine Mauer aus Beton und Stahl schützt das deutsche Land der Saar.
Saarbrücken, 16. Mai. (DNB.) Der dritte Tag der Inspektionsreise des Führers galt den Westwallbauten im Bereich des Saargebietes. An jedem Ort, den der Führer passiert, wird er von der Bevölkerung auf das freudigste begrüßt. Ueberall wehen die Fahnen, flattern Spruchbänder im Winde, die den Dank der Saarländer in knappen Schlagworten ausdrücken. Die Dörfer haben sich in ein Kleid grüner Buchenzweige gehüllt, die die Bevölkerung noch in der Nacht eilends aus den nahen Wäldern geholt hat und die nun mannshoch zu beiden Seiten die Straße des Führers dicht umsäumen, lieber dem Grün der Zweige grüßen Kastanienblüten, Fliederhecken und Tulpen. Bilder des Führers sind goldbekränzt über den Hauseingängen befestigt, und Girlanden schwingen sich über die Straßen.
Die Fahrt des Führers führt abermals bis an d i e Grenze, wo der Führer an strategisch wichtigen Punkten das Gelände prüft, ob auch alle Möglichkeiten einer unbedingten Verteidigung erschöpft sind. Wo noch einzelne Verstärkungen des Westwalles möglich erscheinen, werden sie sogleich vom Führer angeordnet. Dem ungeübten Auge fallen solche Möglichkeiten überhaupt nicht mehr auf. Seit Stunden sind wir ununterbrochen an Festungswerken aller Art oorübergefahren. Große Panzerwerke wechseln ab mit grandiosen Sperranlagen, mächtigen Mannschaftsständeü, gewaltigen Betonklötzen von ungeheurer Kampf- und Widerstandskraft.
Zwischen die militärischen Inspektionen schieben sich Besichtigungen der Wasserbauten, Besprechungen über Straßenbauten und über die allgemeinen Verkehrsverhältnisse. Dem Führer ist es ausgefallen, daß im Saargebiet noch zahlreiche schienengleiche llebergänge vorhanden sind. Der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, erhält sogleich Auftrag, für die Beseitigung dieses Zustandes zu sorgen. Gerade in einem Industriegebiet, in dem täglich Hundert
tausende Straße und Bahn benutzen, muß ein Höchstmaß an S i ch e^r h e i t für den Verkehr Le schaffen werden. Daher wird nach dem Willen des Führers das Saargebiet bald nur noch kreuzungsfreie Eisenbahnstrecken aufweisen.
Don Orscholz aus blickt der Führer hinunter auf die berühmte Mettlacher Saarschleife^wo viele hundert Meter unter dem Beschauer der Fluß sich in einer riesigen Windung um einen hohen, waldbedeckten Bergrücken herum fast zu sich selbst wieder zurückwindet. Dann geht es wieder weiter, aufs neue an Festungen und Sperren, Panzerwerken und Höckerlinien vorüber. Auf engstem Raum massieren sich die Werke zu ganzen Bastionen. Ganze Berghänge sind oft wie übersät von solchen Werken. Man sieht sie fast unmittelbar nebeneinander, in viele Reihen gestaffelt, aufmarschiert, eine unzerreißbare Front aus Stahl und Beton.
Auf dem Hindenburgturm. bei Berus wird eine kurze Mittagsrast eingelegt. Dann geht die Fahrt weiter, mitten hinein in die Industriestädte. In Saarlautern, Völkingen, Saarbrücken sind die Straßen geschmückt. Ein Wald von Fahnen wogt im Winde. Diele Glieder tief stehen die Menschenmassen. Die Geschäfte sind geschlossen. Don ihren Arbeitsplätzen weg sind die Belegschaften der Fabriken auf die Straße geeilt, um den Führer zu grüßen. Langsam fährt der Führer durch die prächtig geschmückten Straßen und grüßt alle die Tausende, die ihm brausende Kundgebungen bereiten.
Des Führers Dank.
Empfang einer Abordnung der Arbeiter des Westwalls.
Alb Dienstagabend besuchte der Führer in Saarbrücken die Aufführung der Millöckerschen Operette „Die Dubarry" im Gautheater Saarpfalz. Bei die-,
fer Gelegenheit traf der Führer mit den Reichs« und Gauleitern der NSDAP, zusammen, die sich auf Einladung des Oberbefehlshabers des Heeres Generaloberst von Brauchitsch seit Montag ebenfalls auf einer Besichtigungsreise im Westen befinden. In der Pause begrüßte der Führer eine Abordnung von Arbeitern des W e st w a 11 e s , die der Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch nach Saarbrücken zur Dor- stellung im Gautheater eingeladen hatte. Der Führer dankte ihnen und durch sie allen ihr e n Kameraden durch eine kurze Ansprache für ihre treue Arbeit an diesem gewaltigen Werk.
In den Morgenstunden des Dienstag hatte von Saarbrücken aus die große Fahrt der Reichs« und Gauleiter der NSDAP, an den Grenzwall des Deutschen Reiches im Westen unter Führung des Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, zunächst in das südlich von Saarbrücken liegende Gelände begonnen, lieber Dölklingen und Mettlach ging die Fahrt weiter durch das Saartal. In allen festlich geschmückten Saarorten, durch die der Oberbefehlshaber des Heeres mit feinen Gästen kam, wurde ihnen von der Bevölkerung ein jubelnder Empfang zuteil. Mittags wurde Trier erreicht', wo der erste Teil der Besichtigungsfahrt abgeschlossen wurde.
Auf der Besichtigungsfahrt, die von Trier über die Höhenzüge des Hunsrück wieder zurück nach Saarbrücken führte, gaben Generale des Heeres dem Führerkorps der Partei an mehreren wichtigen Punkten durch Dorträge einen umfassenden Einblick in die Größe und die Gestaltung des riesigen Sicherheitswalles im deutschen Westen. Einen besonders finnfälligen Ausdruck sand die Derbunden- heit zwischen Partei und Wehrmacht am Abend in Saarbrücken gelegentlich der Festaufführung im neuen Gautheater in Anwesenheit des Führers.
England macht Moskau neue Vorschläge.
London bitter enttäuscht, daß potemkin nicht nach Genf kommt.
abs. London, 17. Mai.
Die Morgenblätter beftäti^en, daß dem Kabinetts- unterausschuß für Auswärtige Angelegenheiten am Dienstagabend in einer zweistündigen Sitzung der Entwurf für eine Antwort an Mos - tau Vorgelegen habe. Die Blätter wollen wissen, der Dorschlag sei in seinen einzelnen Punkten wie folgt festgelegt:
1. Englisch-sowjetrussische Erklärung über die Bereitschaft und den Willen zur gemeinsamen Bekämpfung eines Angreifers:
2. eine Sowjetgarantie an alle Nach - barstaaten mit Einschluß der baltischen Länder gegen unprooozierte Angriffe:
3. französisch-englische Beistandsverpflichtung für die Sowjetunion, falls diese bei der Ausübung ihrer Verpflichtungen in einen Krieg verstrickt wird.
4. Generalstabsbesprech ungen zur Festlegung der einzelnen militärischen Obliegenheiten.
Als wichtigster Bestandteil wird in London der Punkt 1 betrachtet, da mit ihm angeblich' eine sofortige Drei-Mächte-Erklärung verknüpft sein soll. Dem Vernehmen nach besteht die Möglichkeit, daß die englische Regierung eine Unterhaltung über die neuen Vorschläge von einer baldigen Z u - sammenkunft des Außenministers Lord Halifax mit dem stellvertretenden sowjetrussischen Außenkommissar P o t e m k i n abhängig macht.
Wie groß die Verlegenheit darüber ist, daß die Sowjets an Stelle des stellvertretenden Außenkommissars P o t e m k i n den Londoner Sowjetbotschafter M a i s k i nach Genf beordert haben, geht daraus hervor, daß eine Reihe von Ministern auf der Sitzung eine umgehende Fühlungnahme des englischen Botschafters in Moskau, Sir William S e e d s, mit M o l o t o w forderten, um die Sowjetunion hinsichtlich der Wahl ihres Genfer Vertreters umzustimmen. Unter mehreren Deutungsversuchen, die der Moskauer Korrespondent des „Daily Telegraph" dem Nichterscheinen Potemkins gibt, findet sich auch folgende bemerkenswerte Auslegung: Als Der Kreml das letztemal einen Vertreter zum Völkerbund entsandt habe, während der Septemberkrise 1938, habe sich der englische Außenminister Lord Halifax wegen Arbeitsüberlastung entschuldigen lassen. Mithin würden die Sowjets, die ohnehin sehr auf ihr Prestige bedacht seien, im Augenblick Gleiches mit Gleichem vergelten. Alle englischen Blätter weisen auf die Unge
duld und das Unbehagen hin, daß in Paris zu verzeichnen ist, von wo aus auch in letzter Stunde ein Kompromißplan nach London abgegangen war.
Der „Daily Herald" erklärt, die Bekanntgabe, daß Potemkin nicht nach Genf gehe, habe in offiziellen Kreisen Londons Enttäuschung und sogar etwas ähnliches wie einen Schock hervorgerufen. Man hoffe aber, daß es für Potemkin möglich fein werde, nach Genf zu kommen, denn man halte eine direkte Aussprache für das nützlichste. „News Chronicle" hält einen völligen Umfall der britischen Regierung für möglich. Eines der Hindernisse für ein Uebereinfommen könne noch das Vorurteil gegen den Austausch militärischer Informationen sein. „Daily Mail" will wissen, daß England jetzt zusammen mit Frankreich und der Sowjetunion den „Plan einer gegenseitigen Ver 1 eidi -
pariser Vorwürfe an
E.F. Paris, 17. Mai.
Die neue Krise in den Verhandlungen mit Sow- jetrußland wird von den Pariser Blättern eingehend besprochen. In den bürgerlichen Blättern werden gegen Moskau heftige Vorwürfe gerichtet. So schreibt der „Excelsior", die Sowjets suchten ganz offensichtlich einen doppelten P r e st i g e- u n b Sicherheitserfolg zu erringen. Die. englische und die französische Regierung, deren Einigkeit mehr denn je notwendig sei, müßten sich vor Manöoern hiittn, die daraus abzielten, sie zu entzweien. Sowjetrußland bleibe ein Mysterium und Stalin ein unlösbares Rätsel. Es liege im eigensten Interesse der Sowjets, mit offenen Karten zu spielen. Das „Journal" schreibt, daß die Moskauer Ankündigung, Potemkin nicht nach Genf zu schicken, eine Drohung darstelle. Moskau wolle damit die Tragweite der Krise in den englisch-sowjetrussischen Verl)andlungen unterstreichen. Auch das linksgerichtete „Oeuvre" spricht von einer Warnung, die Moskau der englischen und der französischen Regierung durch die Ankündigung der Abwesenheit Potemkins von Gdnf habe geben wollen. Lson Blum schreibt im „Populaire", er wolle erst gar nicht über die Vorschläge der drei Regierungen diskutieren. Das einzig Wichtige sei, daß man schnell z u einer endgültigen Einigung komme. Die kommunistische „Hüma-
g u n g" vorlegen wolle, vorausgesetzt, daß Sowjet« rußland Polen, Rumänien, der Türkei und den baltischen Staaten eine ©aranti: gegen einen Angriff gebe. In erster Linie aber wolle man die -Sowjetunion ersuchen, .sich sofort an einer Drei» Mächteerklärung zu beteiligen, die besage, daß Sowjetrußland mit England und Frankreich zusammen jedem Angriff Widerstand leisten wolle. Es sei noch nicht klar, wie weit diese Erklärung gehen werde. Aber es fei möglich, daß sie nicht nur Ost-, sondern auch W e st e u r o p a einschließe. Die britifdje Regierung wünsche, daß diese Erklärung ohne Verzug abgeschlossen und veröffentlicht werde. Man werde daher die Sowjetregierung ersuchen, Potemkin doch noch nach Genf zu schicken. Die „Daily Mail" drängt auf den baldigen Abschluß eines Abkommens, wobei sie hinzufügt, daß es für Lord Halifax kaum Zweck hätte, nach Genf zu fahren, wenn Potemkin nicht auch käme.
die Adresse Moskaus.
nite" stellt in schärferer Form die gleiche Forderung und gibt den französischen und englifd)en Ministern die Schuld an dem bisherigen Mißerfolg der Verhandlungen.
Der „Figaro" meint, die enalisch-sowjetrussischen Verhandlungen seien das typische Beispiel dafür, was man auf diplomatischem Gebiet nicht machen dürfe. Mit unglaublicher Leichtfertigkeit seien diese Verhandlungen sogleich an die große Glocke gehängt worden und jetzt höre man nur immer von neuen Schwierigkeiten sprechen, die sich den Unterhändlern in den Weg stellen. Die „Action Frangaise" warnt Frankreich, eine Vermittlerrolle zwischen England und der Sowjetunion zu spielen. Die Sowjetunion mache den Eindruck, als wolle sie öen anberen eine Falle [teilen. Auch die „Liberte" meint, England werde schon wissen, warum es sich mit der Sowjetunion nur unter Beachtung aller Vorsichtsmaßregeln in Verhandlungen eingelassen habe. Wenn Frankreich heute eine Vermittlung zwischen London und Moskau anstrebe, so begebe man sich a u f einen gefährlichen Weg, weil Frankreich damit die Verantwortung zufallen würde, jede Vorsicht außer acht gelassen zu haben. Im übrigen müsse man sich fragen, ob Has Verhalten der Sowjetdiplomatie nicht wieder einmal darauf abspiele, alles durcheinander zu bringen.
Oie Nebelfahrt der „Empreß of Australia"
Das wäre eine schöne Ueberraschung, wenn zwischen März und Juni und dann wieder zwischen August und November die Flüsse in der europäischen Breite von Mailand bis Köln Eisgang hätten und dicke Nebelschwaden über dem Lande brauten. Die Bauern in Baden, Württemberg und Bayern schimpfen in diesem Jahr sowieso genug über den Regen, der ihnen als allzureichlicher Segen direkt vom Himmel her herzhaft auf den Kopf kommt: würde es noch dicke Nebelschwaden und Eisgang geben, so blieben ihnen wohl — die Worte zum Schimpfen weg ...
Justament in derselben geographischen Breite aber liegt das südliche (!) Kanada und die große Insel Neufundland. Tausend ober zweitausend Seemeilen von diesen westlichsten Küsten des nordamerikanischen Kontinents hatte das Königsschiff „E m • preß o f A u st r a l i a", der frühere deutsche Dampfer „Tirpitz", seinen tagelangen Kampf gegen die drohenden Eisberge und die Gefahr der Nebelwände zu bestehen. Man hatte in England schon eine sanfte Ahnung und ließ das Schiff zwei Tage früher abfahren, als es nach seiner technischen Schnelligkeitsleistung gebraucht hätte: die Hemmungen der Schifffahrt waren aber so groß, daß die „Empreß of Australia" mit dem englischen Königspaar an Bord trotz dieser „Vorgabe" von zwei Tagen nur mit knappster Mühe einigermaßen rechtzeitig ankommen konnte.
Warum nun ist die Schiffahrt auf der amerikanischen Seite des Atlantischen Ozeans in einer geo
graphischen Breite gefährdet, in der in Europa die Spitzenweine des Rheins und der Mosel und südlich der Alpen sogar der Reis gedeiht?! Die Antwort liegt auf der Zunge: Es ist der Golfstrom, der in Europa dieses Wunder vollbringt, für das wir gar nicht dankbar genug fein können — jener Golfstrom, der feinen Namen l)at, weil er im Golf von Mexiko entspringt und dann, abgelenkt von der Halbinsel Florida, mit seinen warmen Wassern England umfließt und bis weit in den europäischen Norden hinauf das Klima ungemein linden. Bergen in Norwegen ist als Rosenstadt berühmt: an der anderen Seite des Ozeans sagen fich buchstäblich die Polarfüchse Gute Nacht.
Allein diese Erklärung mit dem Golfstrom ist, wie so oft in solchen Fällen, nur eine halbe Antwort. Denn die klimatische Lage Amerikas wird dadurch verschlechtert, daß eine falte Meeres st rö- m u n g, die sogenannte Labrador-Trift, aus dcm Polarmeer zwischen Ostgrönland und dem schon zum nördlichsten Kanada gehörigen Baffin- Land kalte Wassermengen herbeiführt, die in dieser Jahreszeit noch mit gewaltigen treibenden Eisschollen oder gar riesigen Eisbergen bedeckt sind. Trifft diese kalte Meeresströmung bei und südlich von Neufundland auf die wärmere Seeluft, so entsteht durch die Abkühlung der erwärmten Luft- massen ein ausgedehntes Nebel« und Niederschlagsgebiet. Wie katastrophal diese Klima- Gestaltung wirkt, läßt sich aus wenigen Angaben ablesen. Die Insel Neufundland ist größer als
Bayern, Württemberg und Baden zusammengenommen: aber in dem ganzen Gebiet gibt es nur 284 000 Menschen, also 2,6 auf den Quadratkilometer, während die drei süddeutschen Länder 13 Millionen Einwohner zählen. Die Fischerei freilich findet vor Neufundland genau so ergiebige Fang« gründe wie vor Island oder im „Weißen Meer.
Dr. Ho.
Das britische Königspaar in Kanada.
London, 17. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die „Empreß o f Australia" mit dem englischen Äönigspaar an Bord ging kurz nach 23.30 Uhr kanadischer Zeit, etwa 4.30 Uhr hiesiger Zeit, 14 Meilen östlich von Quebec vor Anker. Das Schiff wird hier liegen bleiben, um um 8 Uhr morgens kanadischer Zeit, 13 Uhr hiesiger Zeit, i n Quebec zu ankern. Beim Einlaufen der „Empreß of Australia" in den St. Lorenz-Strom wurde dem englischen Königspaar am Montagabend durch drei F 1 u g z e u g e der kanadischen Luftwaffe ein c r ft e r Gruß Kanadas entboten. Wenige Stunden später erschienen zwei kanadischeZerstörer, die die Begleitung des Dampfers übernahmen.
Die Konsuln von England, Frankreich und den Vereinigten Staaten haben den japanischen Behörden von Amoy einen gemeinsamen Einspruch gegen das Eindringen japanischer Streitkräfte in die Internationale Niederlassung von Ku- langsu überreicht. Die japanische Antwort steht noch aus. — Der Chef der englischen China-Streitkräfte, Sir Percy Noble, ist in Amoy eingetroffen und hatte eine Unterredung mit dem japanischen Generalkonsul.


