Das Ausland zum Umbruch im böhmisch-mährischen Raum
Englands Aufrüstung zur See
Umfangreiches Bauprogramm für die Flotte.
aus innerpolitischeu Gründen
entgegenstellen wür
den. Soweit bisher bekannt ist, sollen diesem Staats- rat sämtliche Mitglieder des Geheimen Staatsrates, die im Unter- oder Oberhaus sitzen, angehören. Don bekannteren englischen Politikern gehören dazu neben Eden vor allem Churchill, Dufs-Caoper, Lord Baldwin, Lloyd George, Attlee, Sir Archibald Sinclair und Lord Samuel. Ferner verlautet noch, daß Eden in seiner Besprechung piit Lord Halifax Einblick in alle Nachrichten erhielt, die dem Auswärtigen Amt über die außenpolitische Lage oorliegen.
Der „Star" gibt Gerüchte wieder, nach denen Ministerpräsident Chamberlain möglicherweise Eden sowie den im September letzten Jahres zurückgetretenen Marineminister Duff-Cooper in das Kabinett berufen soll. Die Rede, die Eden am Mittwoch im Unterhaus behalten hat, so schreibt das Blatt, habe in konservativen Kreisen ein gutes Echo, gefunden. Man halte es dort für wünschenswert, daß Eden nicht außerhalb des Kabinetts stünde.
Eine englische Anfrage in )tom.
London, 17. März. (Europapreß.) In politischen Kreisen herrscht Verwunderung darüber, daß die englische Regierung ihre römische Botschaft erneut angewiesen hat, eine Anfrage an die italienische Regierung wegen der Verstärkung der Garnisonen in Libyen zu richten. Auf Grund dieser Weisungen ist der englische Geschäftsträger in Rom, Sir Noel Charles, am Donnerstagabend beim italienischen Außenminister
London, 16. März. (Europapreß.) Im Unterhaus fand am Donnerstag die Aussprache über die Flottenvoranschläge statt. Der parlamentarische Unterstaatssekretär im Marineministerium Geoffrey Shakespeare erinnerte daran, daß die Flottenvoranschläge im vergangenen Jahr 12 5 Millionen Pfund (etwa eineinhalb Milliarden RM.) betragen hätten, denen die Voranschläge für dieses Jahr in Höhe von 14 9 Millionen Pfund gegenüber stünden. Im kommenden Jahr würden 2 0 0 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 870 000 Tonnen a u f Kiel gelegt, darunter neun Schlachtschiffe, sechs Flugzeugträger, 25 Kreuzer, 43 Zerstörer und 19 U-Boote. Im letzten Jahre seien 43 Kriegsschiffe in Dienst gestellt worden. 1939 sollten 60 Schiffe in Dienst gestellt werden. Shakespeare begründete hierauf besonders den Bau der zwei Schnell-Schlachtschiffe von 4 0 0 0 0 Tonnen mit 40,6- Zentimeter - Geschützen. Die Zahl der Großkampfschiffe werde Ende 1943 sich auf 21 stellen. Das Bauprogramm für 1939 sehe auch Schiffe zum Schutze des Handels vor, darunter zwanzig Begleitschiffe eines neuen Typs, die etwa Mai 1940 fertig fein würden. Die Nüstungsfähigkeit des Landes habe ungeheuer zugenommen. Dank ber Arbeiten der letzten drei Jahre habe sich die Produktion schwerer Geschütze verzwanzigfacht, die mittlerer Geschütze verfünffacht und die leichterer Geschütze verachtfacht. Die Panzerplattenproduktion habe sich verzehnfacht. Entsprechend sei auch die Produktion an Ausrüstungsgegenständen und Munition gestiegen.
Der Staatssekretär erklärte sodann besonders, daß die Flotte in der Lage sei, lebenswichtige Zufuhren nach England zu fid)ern. Es sei ein umfangreiches Convoy-und U-Boot- abwehrfyftem geschaffen worden. Auch seien genügend U-Boot-Abwehrgeschütze für Handelsschiffe eingelagert worden, und 2000 Mann' sind zum sofortigen Einsatz bereit, lieber 9000 Offiziere und Mannschaften der Handelsmarine seien insgesamt im Convoy-System oder im Funken ausgebildet worden. Das Personal der Marineluftwaffe sei von 3000 auf 6000 gebracht worden. Die Marineluftwaffe werde mit einer Reihe neuer Typen ausgerüstet werden. Hierfür seien insgesamt 11,8 Millionen Pfund gegenüber 5,7 Millionen Pfund im Vorjahre vorgesehen. „Wir glauben", so fuhr Shakespeare fort, „daß unsere Flotte heute so stark ist, daß sie zuversichtlich eine Herausforderung zur Schlacht für xj c b e Kombination von Feinden aufnehmen könnte."
und auch im Militardepartement stelle man fest, daß die Ereignisse im Osten Deutschlands keine un m i 11 c I b'a r e Einwirkung a u f die Schweiz haben. So lange die Westmächte nicht eingriffen — und daß sie es nicht tun, sei offenkundig —, würden die Geschehnisse die Schweiz nicht direkt berühren. Die geographische, politische und historische Situation der Schweiz lasse irgendwelche Analogien zum Schicksal des jetzt unter- gehenden Staates nicht zu. Diese Einsicht sei seit dem Anschluß Oesterreichs und der sudetendeutschen Gebiete in der Schweiz immer stärker geworden und trage dazu bei, daß auch die neuesten Ereignisse ruhiger aufgefaßt werden könnten als die früheren.
Weniger sachlich sind die Kommentare der Zeitungen, die in letzter Zeit wieder stark unter dem Eindruck der von den westlichen Demokratien erneut geweckten tschechischen Hoffnungen standen. Nach rührseligen Betrachtungen über das Schicksal des durch Eigene Schuld zugrunde gegangenen unnatürlichen Staatswesens fordern die Blätter allgemein eine Beibehaltung und Verstärkung der schweizerischen Neutralitätspolitik. Die „Neue Zürcher Zeitung" stellt fest, aus dem Konflikt zwischen der Prager Zentralgewalt und der slowa- kischen Regierung habe sich mit der reißenden Schnelligkeit einer Lawine eine neue territoriale Umwälzung in Mitteleuropa und Süd- Osteuropa entwickelt. Auch der „Berner Bun b" spricht von einem laroinenartiaen Niebergeh e n großer Ereignisse in Mitteleuropa.
Geschenk, das den Polen von fremden Mächten gemacht wurde, er sei in den Kämpfen der polnischen Legionen und in der siegreichen Abwehr der bolschewistischen Armee entstanden. Der Wille des polnischen Volkes zur Freiheit habe den polnischen Staat vom ersten Augenblick der Gründung seiner Unabhängigkeit an den Charakter eines selbständigen Subjektes der Geschichte gegeben. — ,Kurjer Poranny" schreibt, daß das polnische Volk durch die Weisungen und die Schule Marschall Pilsudskis zum Glück davor bewahrt worden sei, sich die Tschechen in politischer, wirtschaftlicher und verfassungsmäßiger Hinsicht zum Vorbild zu nehmen.
Das Scho in her Schweiz
Genf, 16. März. (DNB.) Der Zerfall der Tschecho-Slowakei ist in der Schweiz ruhiger aufgenommen worden als seiner Zeit der Anschluß Oesterreichs und die Befreiung der sudetendeutschen Gebiete. Man betrachtet die jüngste Entwicklung als eine unvermeidliche Folge des Münchener Abkommens und stellt mit Genugtuung fest, daß sie sich ohne Gefährdung des europäischen Friedens vollzogen hat. Die Zeitungen berichten, im Politischen Departement
Kein Verständnis in London.
London, 17. März. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter beschäftigen sich sämtlich eingehend mit ber durch die Schaffung des Reichsprotektorats in Böhmen und Mähren entstandenen Lage, wobei allerdings positive Gesichtspunkte und sachliche Argumente kaum zu verzeichnen sind. Aus den Kommentaren spricht die „moralische Entrüstung" darüber, daß der Einfluß und die „guten Ratschläge" der westlichen Demokratien nun für immer in einem Gebiete ausgeschaltet sind, das auf Grund seiner geographischen Latze und tausendjährigen geschichtlichen Verbundenheit nur im engsten Zusammenleben mit dem deutschen Volk und Reich blühen und gedeihen kann.
Daneben halten es die Blätter für notwendig, alle möglichen anderen Länder vor den angeblichen deutschen Absichten zu warnen und in diesem Zusammenhang die sinnlosesten und abenteuerlichsten Kombinationen zu erörtert. Daß das deutsche 80-Millionen-Volk einen berechtigten Anspruch auf den ihm aeschichtlich zu- stehenden Lebensraum hat, findet bei der Mentalität englischer Leitartikler keinerlei Derständ- nis, und auch die klare Tatsache, daß das deutsche Vorgehen dem durch die verbrecherischen Methoden von Versailles zerstückelten mitteleuropäischen Raum endlich Frieden und wirtschaftlichen Aufstieg bringen wird, geht über das Begriffsvermögen ber englischen Zeitungsschreiber.
Der französische Staatsbesuch in ber kommenben Woche wirb von ber Londoner Morgenpresse eingehenb erörtert. Die „Times" stellt fest, daß die „Bedeutung des Besuches durch das Ende der Tschecho-Slowakei erhöht werde". — „Daily Mail" hält es für wahrscheinlich, daß auch Daladier nach London kommt, da die Zeit für eine „umfassendere Überprüfung ber europäischen Lage" gekommen sei.
„Sine logischere Einteilung Mitteleuropas."
Amerikanische Blätter zur Auflösung der Tschecho-Slowakei.
Ne uy o rk, 17. März. (DNB. Funkspruch.) Die jüngsten Ereignisse in Mitteleuropa nehmen in der amerikanischen Presse einen breiten Raum ein. Trotz ber Tatsache, daß Amerika Taufpate der jetzt nicht mehr existierenden tschecho-slowakischen Republik war und die Blätter daher vielfach ihre gewohnte Sprache führen, würdigen doch verschiedene Zeitungen die geschichtliche Entwicklung. So stellt der „Christian Science Monitor" fest, die Auflösung der Tschecho-Slowakei entspringe geschichtlichen Vorgängen, die heute viele Länder bedauerten, nämlich dem ungerechten Versailler Diktat. Die mit über 2Va Millionen Tagesauflage größte Neuyorker Zeitung „New Daily News" schreibt: „Unter den Kommunisten und ihren Weggenossen in Amerika herrscht zwar großes Geschrei über das Schicksal der Tschecho-Slowakei, aber es besteht kein Grund, weshalb sich die Amerikaner darüber auf- regen sollten." Die Tschecho-Slowakei sei ein künstliches Gebilde gewesen, das aus egoistischen Motiven geschaffen wurde, um Deutschland fortdauernd bedrängen zu können. Wenn der Führer'jetzt diese künstlichen Grenzen abbreche, so stelle er damit eine viel lo g i s ch - r e Einteilung Mitteleuropas her. Für Amerika sei das nur ein interessantes Schauspiel, aber kein Anlaß, s i ch einzumisch en.
VolleWürdiaunginZugoslawien
Belgrad, 16. März. (DNB.) In politischen Kreisen der jugoslawischen Hauptstadt verfolgt man die Entwicklung im mitteleuropäischen Raum und die erfolgreiche, ungehinderte Durchsetzung ber deutschen Ordnung weiterhin mit größter Anteilnahme und Ruhe. Man gibt ber Hoffnung Ausbruck, daß sich bie deutsch-jugoslawische Freundschaft in Zukunft noch vertiefen möge. Da die frühere Tschecho-Slowakei hinter Deutschland an zweiter Stelle im jugo-
slawischen Außenhandel stand, erwartet man auf wirtschaftlichem Gebiet eine noch engere Zusammenarbeit als bisher. Die Blätter berichten seitenlang, vermeiden jedoch jede Sensationsmache. Die kroatischen Zeitungen beschränken sich auf eine sachliche Darstellung ber Vorgänge. „Obzor", das Blatt ber Agramer Intellektuellen, bemerkt, man müsse bie Feststellung machen, daß an diesen ganzen Ereignissen die übrigen Großmächte desinteressiert sind. — Die in Split erscheinende „Novo Doba" bemerkt, daß heute jeder Staat nur seine eigenen Interessen wahrnehme. Der Laibacher „Slovenec" macht darauf aufmerksam, daß das Deutsche Reich nunmehr mit einer Einwohnerzahl von annähernd 90 Millionen so viel Bewohner besitze, wie Frankreich und England zusammen. Außerdem sei Deutschland jetzt der größte Industriestaat der Welt, in dem 18,7 Millionen Menschen gegen 13,4 Millionen in USA. und 10,45 Millionen in England in der Industrie beschäftigt seien.
Rumänien lehnt Protektoratsersuchen
Woloschins ob.
B u f a r e , 17. März. (BHB.) Die rumänische Regierung hielt am Donnerstagabend einen INinisterrat ab, in dem, einer amtlichen Verlautbarung zufolge, INinisterpräsident C a l i n e s c u über die internationalen Ereignisse und die von Rumänien getroffenen Entschlüsse berichtete. Von unterrichteter Seite hört man hierzu, daß Woloschin die rumänische Regierung ersucht hatte, das Protektorat über die karpatho-Ukraine zu übernehmen. Dieses Ersuchen hat Rumänien a b - gelehnt.
Oie tschechischen Gesandtschaften in Budapest und Bukarest von den deutschen Gesandten übernommen.
Budapest, 16. März. (DNB.) Auf Grund der Proklamation des Führers vom 16. März, nach der das Deutsche Reich die Auswärtige Vertretung des Protektorats Böhmen und Mähren übernimmt, hat der deutsche Gesandte in Budapest, von Erdmannsdorff, am Donnerstag die hiesige tschechische Gesandtschaft übernommen. — In Bukarest übernahm der deutsche Gesandte Dr. F a b r i c i u s am Donnerstagnachmittag die Geschäfte der bisherigen tschechischen Gesandtschaft.
HealiWe Beurteilung in Polen
W-ar s ch au, 16. März. (Europapreß.) Die polnischen Blätter beschäftigen sich ausführlich mit den Ereignissen der letzten Tage. Das Regierungsblatt „Expreß Poranny" schreibt: „Vor unseren Augen rollen gesckstchtliche Ereignisse ab. Deutschland hat in zwei Jahren eine Schlüsselposition in Europa errungen, und sein Führer hat unter dem Schweigen ganz Europas Werke vollbracht, die den Charakter von Umwälzungen besitzen. Wir erwachten auf hen Trümmern der gestrigen Grenzen von Mitteleuropa." Als einen Hauptgrund der Kraft und Stärke des Erreichten sieht das Blatt die deutsche Wirtschaftspolitik an, welche die Kraft des ganzen Volkes und des ganzen Menschen zum Einsatz bringe. Das ebenfalls der Regierung nahestehende Blatt „Kurjer Poranny" meint, die Ereignisse des Lebens hätten sich als stärker erwiesen, als papierne Konzeptionen. Die Abendblätter betrachten die H e r st e l l u n g der gemeinsamen Grenze zwischen Polen und Ungarn als das für beide Staaten wichtigste Ergebnis. Der regierungsfreundliche „Kurjer Czervonny" spricht von einem Akt der geschichtlichen Gerechtigkeit. In diesem Sinne begrüße Polen seinen neuen Nachbarn herzlich.
„Gazeta Polska" erklärt, das ethnographische Prinzip erfordere auch die Berücksichtigung gewisser realer Faktoren, ohne die der nationale Grundsatz keine genügende Fundierung besitze. Das Blatt stellt fest, daß sich die Tschecho- Slowakei stets auf andere verlassen habe. Im. Gegensatz hierzu sei der polnische Staat nicht ein
Ein außenpolitischer Staatsrat in England.
Rückkehr Edens und Duff Coopers in das Kabinett'?
London, 16. März. (Europapreß.) Der frühere Außenminister Eden stattete am Donnerstag Lord Halifax einen Besuch ab, nachdem dieser vorher eine längere Unterredung mit Ministerpräsident Chamberlain gehabt hatte. Eden hatte bei der Aussprache im Unterhaus die Bildung einer Einheitsfront aller Parteien gefordert. Wie jetzt verlautet, will er die E r r i ch t u n g eines Staa tsrates zur Unterstützung der Re« aierung in außenpolitischen Fragen Vorschlägen. Dieser Plan dient der Umgehung der Schwierigkeiten, die sich in der Bildung einer Koalitionsregierung aus allen Parteien
NG.-Reichsknegerbund Kreiskriegerverband Gießen.
Befehl zum Tag der Wehrmacht.
Die von den Kriegerkameradschaftsführern des Standortes Gießen zum Sammeln am Tag der Wehrmacht bestimmten Kameraden melden sich zum Empfang der Sammelbüchsen und Abzeichen am Freitag, dem 17. März 1939, ab 20 Ubr ober am Samstag, dem 18. März, vormittags zwischen 9 bis 11 Ubr, auf dem Geschäftszimmer des Kreiskriegerverbandes Gießen, Hindenburgmall 7 vart.
Der KreiSkricgerfiihrer:Dr. Monnard.
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