Nr 205 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger tGeneral-Anzetgsr für Mberheffen)
lb./i 7. Dezember 1959
3ur Kriegslage.
Uon Major a D von Seifer.
Blockadebestirnmungen auf die Ausfuhrwaren deutschen Ursprungs auf neutralen Schiffen, die nicht nur einen Bruch des Völkerrechts bedeutet, sondern auch die nichtkriegführenden Großmächte Italien,
Nicht anders steht es z u r S e e , wo sich die brutale britische Waffe des Hungerkrieges mehr und mehr gegen England selbst zu kehren beginnt. Die Nordsee und auch die übrigen Meeresteile rings um Großbritannien werden nicht mehr von englischen Seestreitkrästen beherrscht, wie die fortschreitende Vernichtung britischer Kriegsschiffe in ihren Häfen und auf hoher See durch deutsche See- und Luftstreitkräfte klar beweist. Und wie stark England die dauernd steigenden Verluste seiner Handelsschifffahrt durch Torpedoschüsse und Minenexplosionen empfindet, beweist u. a. die Ausdehnung seiner __-......... _..r h
öer ®ef‘fron h-rrscht weiterhin f a ft oolltae Waffen ruhe. Wer im Weltkriege ot lange Monate hindurch dem Feinde kampflos hat gegenuberltegen mu||cn, weih, welches Opfer die es Grabenleben, das heute in dem wohlausaebauten Westwall einen fast kafernenartigen Charakter am genommen hat, für ein tatenfreudiges Soldatentum bedeutet. Aber c,n großer Unterschied herrscht doch zwischen damals und heute. Im Weltkrieae begann der Stellungskrieg erst, nachdem unsere große, so hoffnungsvoll begonnen- Offensive in der Marnefchlacht gescheitert war, er bedeutete einen erzwungenen B-rzich, aus den Angriff, er war ein Ausdruck der Schwäche. Die immer weiter ausgedehnten Stellungsfronten in Wc t und Oft konnten nur mit größter Anstrengung einem weit überlegenen Feinde gegenüber ausreichend besetzt und armiert werden. Heute dagegen steht das deutsche Heer mit den auf den Schlachtfeldern Polens bewahrten Kampfmitteln auf verhältnismäßig kurzer Grenzlinie in und hinter der stärksten Befestigungslinie der Welt, bereit zur Abwehr.
Immer aber bleibt diese Westfront, diese lebendige Mauer von Millionen deutscher Soldaten der eiserne Kern unserer Kriegführung, der die Heimat unangreifbar macht und unter dessen Schutz sich überhaupt nur alle die Vorbereitungen vollziehen können, die den Kampf gegen unseren gefähr- lichsten Feind England zur See und in der Luft gelten. Und daß die Abwehr unserer tapferen Westwallverteidiger alles andere ist als ein Verkriechen in Betonklötzen und Höhlen und nichts gemein hat etwa mit dem angstvollen Versteckspiel der britischen Flotte in ihren Häfen, das beweisen die vielfachen Spähtruppunternehmungen, die immer erneut dem Feinde auf den Leib rücken und das Vorfeld unbedingt beherrschen. Wie sehr, das zeigt u. a. die vom Oberkommando der Wehrmacht berichtete Gefangennahme von einem französischen Offizier und 19 Mann durch einen einzilgen deutschen Unteroffizier. Uebrigens auch ein charakteristisches Merkmal für die begreifliche Unlust der französischen „Poilus" für diesen Krieg der „Tornmies", die sich in der Etappe gütlich tun, ihr Leben einzusetzen.
In der Luft zeigt sich immer von neuem die Ueberlegenheit der deutschen Flieger und Flaks über die feindlichen Flugzeuge. Freilich wollen wir keineswegs in den Fehler verfallen, unsere Gegner zu unterschätzen. Aber je höher wir die Leistungsfähigkeit der gegnerischen Luftwaffen, besonders der britischen, einschätzen, um so mehr spricht die Tatsache, daß die Verluste von feindlichen Flugzeugen ein Mehrfaches der deutschen Verluste betragen, sowohl durch Abschuß im Luftkampf wie von der Erde aus, für die Vortrefflichkeit unserer eigenen Luftwaffe. Dor allem aber ist der Beweis der deutschen Luftüberlegenheit darin zu erblicken, daß deutsche Flieger über ganz England und den britischen Gewässern sowie über ganz Frankreich mit sehr geringen eigenen Verlusten aus- klaren dürfen, während die feindlichen Flugzeuge sich kaum über den Westwall hinauswagen und, wo sie von See her kommen, fast immer schon im Küstengebiet von deutschen Jägern vertrieben werden. Ohne jede Uedcrtreibung kann daher gesagt werden, daß die Initiative der Luftkriegführung unbeschränkt in deutscher Hand liegt.
Rußland und Japan in scharfen Gegensatz zu Großbritannien bringt. Wenn England trotzdem diesen Schritt, geaen den sich sogar die Vereinigten Staa- ten gewandt haben, gewagt hat, so offenbar deshalb, weil es sich nickt mehr anders zu helfen weiß, als feine großen Einfuhroerlufte durch eine steigende Beschlagnahme neutraler Schiffe und Waren auszugleichen, und zwar in der stillen Hoffnung, dadurch schließlich die Neutralen an seine Seite zu zwingen. Jedenfalls scheinen die britischen Staatsmänner nachgerade begriffen zu haben, daß der Wirtschaftskrieg sich heute erheblich anders abspielt als 1914/18 und daß Englands wirtschaftliche Lage sich von Tag zu Tag verschlechtert, diejenige Deutschlands aber verbessert. Und wenn auch der gewaltige britische Schiffsraum eine aewisse Zeit hindurch starke Verluste aushalten kann, so bedeutet doch seine Verminderung um fast eine Million Tonnen in einer Zeit von drei Monaten eine schwere Belastung der britischen Wirtschaft. Dazu kommt dann
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3n Deffaretien.
Bitolj, Dezember 1939.
Deffaretien (vom griechischen Wort tessara — vier) ist ein Vierjeenland im innersten Herzen der Balkanhalbinsel. Am berühmtesten ist derOchrida- see. Er ist fast so groß wie der Bodensee, von hohen Gebirgen umgeben und sehr tief. Die Landschaft ist voll von Naturschönheiten und historischen Erinnerungen. Die Seen liegen im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und Albanien: bei ihnen schneiden sich heute die Grenzen Jugoslawiens, Griechenlands und Albaniens. 1912, nach dem Balkankriege, mußte die Türkei auf diese Gebiete verzichten. West-Mazedonien ging an Serbien und Griechenland verloren, Albanien wurde ein eigenes Fürstentum. Der Ochridasee ist zum größten Teil serbisch.
Es war ein alter Wunsch von mir, Ochrida zu besuchen. Früher wäre eine Reise hierher schwierig gewesen; jetzt kann man von Belgrad bis Skoplje oder Bitolj mit der Bahn fahren und hat dann die Wahl zwischen Schmalspurbahn oder schwieriger Fahrstraße von Skoplje und einer guten Straße von Bitolj aus, um Ochrida zu erreichen. Die Kleinbahn kommt für den Touristen nicht in Frage, da sie 18 Stunden fährt und unterwegs alle Dörfer bedient. Zunächst ist man angenehm Überrascht Über die Bequemlichkeit des Reisens und der Unterkünfte selbst in dieser entlegenen Ecke. Zwischen Bitolj unb Ochrida z. B. verkehrt zweimal täglich ein komfortabler Autobus. Die 70 Kilometer lange Straße führt über zwei Gebirgsrücken. Oben kam ich beide Male durch weißen Winter, in den Tälern dagegen stand das Laub an den Bäumen noch in voller Herbstpracht. In dem Städtchen Ochrida gibt es drei Hotels „Bellevue", „Turist" und „König von Serbien", in denen allen Deutsch verstanden wird, mit sauberen Zimmern und guten Betten.
Die Leute hier nennen si h Mazedonier und sprechen eine Mundart zwischen Serbisch und Bulgarisch. Es gibt aber auch Türken, wahrscheinlich islamisierte Slawen, die Türkisch als Sprache angenommen haben. Neben den Kirchen stehen überall noch die Moscheen. Das Land ist stark bevölkert. Die wannenförmigen Einfenkungen zwischen den Bergen haben fruchtbaren Boden, aber die Gebirgsdörfer sind arm. Daher aibt es eine starke Auswanderung, sogar bis nach Amerika. Mit Rückwanderern von dort, die sich von dem ersparten Geld ein Stückchen Land oder einen Kramladen gekauft haben, kann man ohne weiteres Englisch sprechen. Ein intereffanter Ort in den Bergen ist Gali t sch nik, ein echtes Gebirgsdorf. Die Männer verbringen den größten Teil des Jahres als Händler und Gewerbetreibende in der Fremde, aber zu einem bestimmten Tage im Mittsommer, den 12. Juli, kehren alle in den Heimatort zurück, und
noch der erhebliche Warenausfall infolge der nach England bestimmten versenkten oder explodierten neutralen Schiffe und die sehr begreifliche, fortschreitende Weigerung der neutralen Staaten, ihre Schiffe England zu Liebe der Vernichtung auszusetzen.
Es ist eben diesmal umgekehrt wie im Weltkriege: heute spricht die Zeit aegen England und für Deutschland, dessen wirtschaftliche Lage gewiß auch nicht leicht ist, das aber niemals ausgehungert werden kann, weil ihm außer dem eigenen Lebensraum der gesamte Norden, Osten und Süden Europas für feine Versorgung offen steht, während England ausschließlich auf seine überseeische Zufuhr angewiesen ist. Je mehr diese eingeschränkt wird — und dafür werden U-Boote und Minen sorgen — desto verderblicher wird sich Großbritanniens früher als Sicherheitsfaktor so hoch gepriesene Jnsettage auswirken.
f
l Rohrbach.
an diesem Datum werden alle fälligen Ehen geschlossen. Dies ist zugleich der Tag großer Festlichkeiten für den ganzen Ort, an denen alt und jung mit Gottesdienst, Reigentänzen, Böllerschüssen, ganzen Gewehrsalven und sehr viel Sli.ooitz teilnimmt. Im Frühjahr pflegen bann die Buben und Mädel von Galitschnik das Licht der Welt zu erblicken.
Als die Römer im 2. Jahrhundert v. Ehr. Mazedonien unterwarfen, bauten sie eine Heerstraße, die Via Etznatia, vom heutigen Durazzo am Adriati- scheu Meer bis nach Thessalonick. Diese Straße führte auch über Ochrida, im Altertum Lynidos; Spuren von ihr sind noch in der Nähe zu sehen. Im 9. Jahrhundert wanderten Slawen ein und Ochrida wurde eine Stadt des Großbulgarischen Reiches, bis zu dessen Zusammenbruch am Anfang des 11. Jahrhunderts. Die Trümmer einer altbulgarischen Königsburg sehen noch heute von einem steilen Hügel, mit wunderbarem Rundblick über den See und die Berge, auf die engen Gassen des Städtchens mit ihren im Oberstock fast zusammenstoßenden Häusern herab. Ochrida blieb auch zur Türkenzeit, bis 1767, der Sitz des bulgarischen Patriarchen, obwohl es nach dem Rückgang der bulgarischen Macht zum serbischen Zartum gehörte. Bei etwa
Karneval am
Die Republik (Seni
A. G. Gens, Dezember 1939.
Wenn man heute von der Stadt des Reformators Calvin spricht, denkt man auch an die Genfer Liga, auf die die Welt so viele Hoffnungen gesetzt und durch die sie wie noch nie enttäuscht worden ist. Gerade heute denkt man wieder gern an Genf als den Sitz des. Internationalen Roten Kreuzes, das leidlindernd von hier aus wieder seine weltumspannende Arbeit auf genommen hat, um Genf aufs neue seinen alten Glanz als Stadt „zwischen den Nationen" zu verleihen. Es wird aber allzu leicht vergessen, daß diese schönste Stadt am Lac Läman eine eigene Geschichte heroischer und großer Taten und Ereignisse ihr eigen nennt. Einmal im Jahr wird ein Stück der glorreichen Vergangenheit besonders lebendig, wenn in der ersten Hülste des Dezember in allen Vierteln der Stadt und vor allem in den schmalen und winkligen Gassen der Altstadt, die hügelauf und hügelab klettern, Masken und Vermummte auftauchen. Einmal jedes Jahr sehen die steinernen Türme auf einen tollen Faschingswirbel herab, der seinen Höhepunkt am 11. und 12. Dezember erreicht, wenn Genf die nunmehr 337. Wiederkehr seiner Befreiung aus der Gefahr der Knechtschaft und die Wiederkehr der Erhaltung seiner Unabhängigkeit feiert.
Das Wunder der Errettung von dem nahen Feind erlebte die Stadt in jener Winternacht des Jahves
10 000 Einwohnern hat Ochrida etwa zwanzig alte Kirchen, manche nur winzig klein, einige auch schon verfallen, aber sie sind fast alle für den Historiker interessant durch ihre eigentümliche Bauweise und ihre 3um Teil erhaltenen Fresken und Ikone aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Kunstgeschichtlich ist hier noch viel zu entdecken, und in Belgrad wird eifrig an der Bekanntgabe dieser und anderer Schätze aus altserbischen Kirchen und Klöstern ge* arbeitet.
Uratle Klöster spiegeln sich in den Wellen des Sees. Ueberall wird der fremde Besucher gastfrei empfangen. Erst wird das Heiligtum gezeigt, dann kommt der wunderbare türkische Kaffee. Der See ist eins der fischreichsten Gewässer der Welt, seine Aale gelten als die wohlschmeckendsten und feine Lachsforellen als die größten, die es gibt. Man ißt sie mit einet Zukost aus Reis, Tomaten, Paprika und einem mir unbekannten orientalischen Gemüse. Es schmeckt prachtvoll!
Ich weiß nicht, ob es wirklich nirgends größere Forellen gibt, aber ich habe sicher nie eine Platane von größerem Umfang gesehen, als in Ochrida. Füunfundzwanzig gemessene Schritte habe ich um den Stamm gezählt, und in seinem hohlen Innern ist eine kleine Slivovitz- und Kaffeestube. Im Sommer ist viel Badeleben am See. Es kommen Gäste bis von Belgrad her, für einen Pensionspreis von 60 Dinar gleich etwa 4 Mark. Nichtserben sind noch eine Seltenheit. Die Beschließerin im Hotel Bellevue redete mich aber gleich deutsch an. Auf meine Frage, woher sie Deutsch könne, erwiderte sie: „Mein Vater war ein Serbe und meine Mutter eine Deutsche, wie sott ich da nicht Deuffch sprechen!" Auch hier hat die Mutter die Sprache bestimmt.
Hinter der steinernen Hafenmole lag ein schmucker kleiner Kutter der jugoslawischen Marine, die auf dem See den Zoll- und Polizeidienst versieht. Von drüben schauen die Berge Albaniens herüber. In einem Kloster am See, das nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt liegt, erzählte man mir mit Betonung, der Grenzposten sei nicht mit Albanern, sondern mit Italienern besetzt. Auch im entlegenen Deffaretien wird über die europäische Politik debattiert. Meist kommt dann die Versicherung: „Wir bleiben heraus aus dem Krieg!" — und schließlich die Frage, die der Gast aus Deutschland so wenig beantworten kann, wie der türkische Kaffeewirt vonOchrida: Wie lange der Krieg noch dauern wird! Alles klagt über die zunehmende Teuerung, die vom besinnungslosen Aufkäufen der Engländer herrührt.
Genfer See.
feiert ihre Freiheit.
1602, als der Herzog von Savoyen, der Erzfeind der Caloinistischen Republik, tückisch den verbrieften Gottesfrieden brechend, Handstreich und Heb erfaß auf die Hochburg des Caloinismus plante. Der Ueberfall nahm ein klägliches Ende.
lieber Stadt und See lag in jener historischen Nacht ein dichter Nebel, als in seinem Schutz ein Söldnerhaufen des Savoyer Herzogs unbemerkt bis an die Mauern und Tore der Stadt vordringen konnte. Auf Leitern erstürmten die ersten Lands- knechte die Mauern und Bastionen, wo sie von den Genfer Wachen nicht sofort erkannt wurden. Erst als sie einen innerhalb des Bastionsringes wacht-
Kranke Zähne vergiften den Körper. Deshalb ist tägliche, gewissenhafte Zahnpflege ein Gebot der Gesundheit.
CHLORODONT
DemGirgUei'WeihüaWsreid'.
Von Eise Zung.
Die Kreszenz Achleitner ist eine stattliche Wittib, iirtb das ganze Dorf hat einen Pfundsrespekt vor ihr. Einmal darum, weil die Achleitnerin im Dorf etwas vorstellt: Ihr Sach', die größte Kramerei am Drt, hat sie gut beinand', da feit si nix. Ums andre Mal aber hat die Kreszenz das größte Mundwerk, itnb wenn das ins Reden kommt — no, i will nix z'sagt Ham.
Der Achleitner-Franzl selig, so erzählen die Leut', vird schon gewußt haben, warum er sich so zeitig druckt und die Kramerei samt der Kreszenz mit tinem besseren Jenseits vertauscht hat. „Ois zweg'n dem Mundwerk", sagen die Leit', und es wird schon «in wahres Wörtl dran sein.
Fragt nur den Achleitner-Girgl und die Müller- Steff, die können ein Liedl davon fingen. Die haben's au schmecken gekriegt, das Mundwerk der Kreszenz, öhre ganze junge Liebe hat es ihnen zerredet und arrpfiückt, daß schier nix mehr davon übrig geblieben wär, wenn nicht die Rest so treu an ihrem birg! festgehalten hätt'.
„Schau , hat der Girgl gesagt, „wos soll mit uns zwoa werd'n. D' Muatta leid's do net.' Die Ml hat geantwortet: „Macht nix, Girgl, fimmt Seit, fimmt Rat. Amal wird sie scho nachgeb'n."
Darüber ist Sommer geworden Und Herbst. Darüber ist der Krieg gekommen, und der Girgl hat einrüden müssen. Seitdem steht die Kreszenz Ach- liitner allein in ihrem Laden, und weil sie sich mit ten Karten für Lebensmittel, Zucker und Mehl, mit ten Bezugsscheinen für Stoffe, Strümpfe und bchuhe gar nicht auskennt, hat sich die Muller- Ml ihrer erbarmt und sich als Aushilfe angeboten.
„Wennst moanft, daß d' mit de Mark! firtl wirst, n»cha kost kemma", hat die Kreszenz gesagt, und richt grantig hat sie getan, als ob sie eine Gnad vergeben hätt'.
Die Rest hat sich nicht drum gekränkt, hat die Ar- biit und die Markln angepackt und ist mit allem fertig geworden. Auch mit der Achleitnerin schafft Re's, denn die Kreszenz is a bisserl stader 9 worden, feit ihr Einziger, der Girgl, im Feld drauß ist. D Hin, sie jammert nicht, und wenn die Dorfleut nach hem Girgl fragen, reckt sie sich auf und sagt: „Guat M's eahm, schreib'n tuat er a fleißig. Der wird s wie Engländer schon zoag'n."
Aber ganz heimlich — die Rest hat scharfe Ohren
— seufzt sie manchmal, und man sieht ihr's an, daß sie voller Sorgen an ihren Buam denkt. Die Rest sagt nix, und vom Giral redet sie auch nix. Noch kein einziges Mal hat sie nach ihm gefragt. Sie weiß auch so Bescheid, denn der Girgl jchreibt ihr fast noch fleißiger als der Mutter. „Guat if's, daß as a Feldpost gibt", denkt die Rest, und das Sach', das sie dem Girgl in kleinen Packerin schickt, kauft sie in einem Kramerladl, damit die Kreszenz nix spannt.
Die Achleitnerin ist zufrieden mit der Rest, aber sie zeigt es nicht. Das Madl ist anstellig und sauber. Diel weniger Arbeit hat sie, seitdem das Dirndl bei ihm schafft, und die Kundschaft ist auch größer geworden. Kennt sich halt keiner so schnell und so gut mit den Markt und Scheinen aus wie Resl, und hat auch keiner das Herz so auf dem rechten Fleck und ein paar tapfere Wörtl bei der Hand wie sie, wenn einmal dem einen ober andern die viele Sorg' das Herz abdruckt und er im Laden davon zu sprechen anfängt.
„Werd' scho ois recht werd'n, ßeutl’n", sagt die Rest, ober: „Unsere Solbaten berpack'n scho, und unsa Führer woaß, wo da Weg 'nausgeht."
„Freili, freili", sagen dann die Leut' und schämen sich ein bisserl ihres Kleinmutes. Die Kreszenz hat jo ihre Gedanken dabei, und manchmal sieht sie die Resl ganz eigen an, wenn die nicht graö' herschaut.
Langsam gehfs auf Weihnachten zu. Arbeit gibt's genug aber die Rest lacht nur, rennt umananö’ und nix wird ihr zu viel. Immer stader wird die Kreszenz. Weihnachten ohne ihren Buam, das geht ihr hart ein. Fast ift's unheimlich, daß sie so still ist und umhergeht, als mär’ einer gestorben. Da kommt eines Tages ein Brief vom Girgl, em ganz wehleidiger. „Woas Hot da Bua g'schrieb'n? Des ßeb’n g’freit’n ntmma, 's war' eahm scho recht, wann a Kugel kam' und eahm derschieaß'n tat?"
D mei, die Kreszenz ist ganz ausanand' über den Brief Sie weiß nur zu gut, warum ihren Einzigen das ßeben nimmer freue. Verstohlen sieht sie zur Rest hin, und da begreift sie sich eigentlich selber nicht mehr. Mit einem Male sitzt sie da und schluchzt, daß das Dirndl alles stehen und liegen läßt und fragt: „Ja, wos host denn, Frau, wos woanst denn gara so?"
Die Kreszenz schneuzt sich heftig, holt aus ber Schürzentasche den Brief vom Girgl und schiebt ihr das Blattl hin. . , r
Die Resl lieft, und im verborgensten Herzwmkel steckt ihr ein ßaeffen. Gut Hofs der Girgl gemacht, grab' so. wie fie's ihm geraten hat
,Meid' |o arg net sei mit m Lebensüberdruß.
Achleitnerin", tröstet sie. „Schickst eahm hall a schön's Weihnachtspackeri und schreibst eahm am liab's Briaferl dazua."
Die Kreszenz trocknet ihre Tränen. „Moanst?" fragt sie und ijt schon ein wenig ruhiger. Und weil's doch Weihnachten ist und der Girgl ihr Einziger, und weil die Resl so ganz anders ist als sie geglaubt hat, sagt sie noch etwas: „Moanst net, Rest, daß er si mehra frei’n tat, wann b u eahm a Brieferl schreibst — glei hell' — und wann ma eahm ’s Weihnachtspackerl mitananb* schick'n tat'n?"
Und da hat die Resl das Weinen angefangen, hat unter Tränen gelacht und gesagt: „A schönere Weihnachtsfreid' kost dem Girgl net macha ... und mir aa net ... Muatta!"
Der Weihnachiskuchen.
Von Eva Schauwecker.
Fritz und Frieder hatten schon manchen Schelmenstreich ausgeheckt. 2lber als sie den Weihnachtskuchen backten, da fielen sie selbst in die Grube, die sie gegraben hatten. Und das kam so:
Fritz und Frieder, die beiden Lausbuben, hatten eine gemeinsame Feindin, das alte Fräulein Mecht- hilda von Tant, eine im Grunde recht gutmütige alte Jungfer, aber ohne alles Verständnis für Jungen und ihre Streiche. Fritz und Frieder ärgerten die alle Dame, sie beschwerte sich über die beiden, es war ein Kleinkrieg, der kein Ende nahm.
Da stehen die beiden Jungen im Schuppen, rühren und kneten, haben klebrige Finger und sind voll Eifer dabei etwas zu fabrizieren, das sie dann schließlich in eine alte Napfkuchenform pressen, die sie in der Rumpelkammer gefunden haben. Sägemehl und Leim haben sie zusammengerührt, den Teig bann zum Kuchen geformt, nun malen sie ihn appetitlich braun an, bepudern ihn mit Kalkstaub anstatt mit Puderzucker, ja — und nun sieht das Ding wirklich aus wie der leckerste Weihnachtskuchen nur aussehen kann. Mit verschmitztem Lächeln stehen sie nun da und betrachten ihn eine Weile, packen ihn bann sorgsam in einen Bogen Seidenpapier und malen einen Zettel: „Mit den besten Weihnachtswünschen von unbekannter Hand! Und darauf tragen sie das Machwerk zu Fräulein von Tants Tür, klingeln und verstecken sich hinter dem Ireppenpfeiler.
Aks die Türe aufgeht, beobachten sie bas alte Dämchen, wie es sich erstaunt umblickt, dann bas
Paket gewahrt, es aufhebt, den Inhalt bewundert. „Nein, welch eine Liebenswürdigkeit! So ein schöner Kuchen ..." Dann fällt die Türe zu, die beiden Jungen laufen fort, froh über den gelungenen Spaß.
Der Kuchen aber hat ein seltsames Schicksal. Fräulein von Tant, nachdem sie ihre Freude an ber Güte bes unbekannten Spenbers und an dem appetitlichen Aussehen des Kuchens hatte, jagt sich: „Morgen ist Helligabend. Ich möchte der Haus- wartsfamilie gern eine kleine Freude bereiten, und für mich ist dieser Kuchen viel zu groß. Ich werbe ihn zu Glasers hinüberbringen!^ Das tut sie denn auch noch am gleichen Nachmittag. Und Glafers sind sehr gerührt, daß das alte Fräulein an sie denkt und ihnen sogar einen Kuchen gebacken hat, nehmen chr den Kuchen ab und stellen ihn in den Schrank. Dann aber sagt Frau Glaser am Abend zu ihrem Mann: „Weißt du, Erich, so sehr sind wir beide ja eigentlich nicht für was Süßes. Was meinst du wohl, wenn wir den Kuchen zu dem alten Herrn Geheimrat hinauftragen? Er gibt dir immer fünf Mark zu Neujahr; da können wir ja auch mal, nicht?"
Und so wird denn ber Kuchen eine Treppe hoch bei Herrn Geheimrat Stüber abgegeben. Der Herr Geheimrat ist sehr froh, denn dieser Kuchen hilft ihm aus einer großen Verlegenheit. Er nimmt ihn gleich heute am Weihnachtsabend zu seiner Nichte mit, die im Nebenhaus wohnt. Sie kann ihn gut gebrauchen, denn sie hat zwei Jungen, Zwillinge, die mit ihren dreizehn Jahren über einen ganz erheblichen Appetit verfügen und denen er früher immer je eine Stolle auf den Bunten Teller legte. In diesem Jahr hatte der Herr Geheimrat außer den Spielsachen keine Gabe für die Jungen. Aber da ist nun ber Kuchen, ben können sie sich teilen und in ben Festtagen verzehren.
Ja, und bann stehen Fritz und Frieder, nachdem sie sich über ihre verschiedenen Geschenke gefreut und sich dafür bedankt haben, äußerst kleinlaut vor dem Weihnachtskuchen eigenen Fabrikats, der wie ein fehlgegangener Bumerang nun zu ihnen zu- rückgekehrt ist, und sind sehr verlegen. Anfangs versuchen sie die Geschichte zu vertuschen, bann aber kommt doch alles heraus und sie haben zum Schaden noch den Spott.
Fräulein von Tant aber und Glasers haben ein durchaus befriedigendes Gefühl an diesem Weihnachtsabend, wenn sie an die empfangenen und gespendeten Freuden zurückdenken.


