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Nr. 57 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Mittwoch, 8. März 1939

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Brasilianische Realpolitik in Washington.

Von unserem H. B.-Korrespondenien

Oie Parlamentswahlen in Belgien.

Rio de Janeiro, Mörz 1939.

Nordamerikanische Zeitungen haben dem brasilia­nischen Außenminister A r a n h a etwas verärgert bescheinigt, er fasse die Aufgabe seiner Besprechun­gen ä u ß e r st praktisch" auf. Aranha betonte nämlich sofort nach seiner Ankunft, daß er haupt­sächlich beabsichtige, die für Brasilien ungünstige Entwicklung feiner Handelsbeziehun­gen zu Nordamerika zu verbessern. Er lehnte damit von vornherein die nordamerikanischen Versuche ab, seinen Besuch dazu auszunützen, um der Welt die Bildung einer politischen Achse RioWashington demonstrativ anzukündigen. Ob­wohl so das Thema seiner Besprechungen auf die Frage einer Verbesserung der wirtschaftlichen Zu­sammenarbeit zwischen Nordamerika und Brasilien beschränkt wurde, stellten sich auch hier einer Ver­ständigung große Hindernisse entgegen. Brasiliens handelspolitische Interessen zielen heute in erster Linie darauf hin, für seinen Wirtschaftsaufbau, für die Erschließung seiner Naturreichtümer und Ver­kehrswege die erforderliche ausländische Mit­arbeit zu möglichst günstigen Bedingungen zu erhalten und außerdem eine wesentliche Steigerung seiner Ausfuhr zu erzielen.

Was Nordamerika in den Besprechungen von Washington Brasilien zunächst anbot, war die Be­reitschaft, endlich wie dies andere mit Brasilien Handel treibende Länder schon längst tun für seine Ausfuhr nach Brasilien langfristige Finan zierungs Möglichkeiten bereitzu­stellen. Diese Bereitschaft stellt für Brasilien die Vor­bedingung dar, um überhaupt in Zukunft noch in erheblichem Umfang als Kunde Nordamerikas auf­treten zu können. In völligem Mißverstehen dieser Sachlage glaubte Nordamerika jedoch offensichtlich, für dieGewährung" eines langfristigen Kredits zur Förderung seiner Ausfuhr nach Brasilien erheb­liche Gegenleistungen fordern zu müssen. Es verlangte anscheinend, daß Brasilien sämtliche für die Durchführung seines Fünfjahresplanes er­forderlichen Bestellungen ausschließlich an Nord­amerika vergibt, wobei der nordamerikanischen Gesetzgebung entprechend die wichtigen Rüstungs­best e l l u n g c n sämtlich gegen sofortige Bezahlung in Devisen zu vergeben wären.

Nicht genug, damit sollte Brasilien sich außerdem durch eine gesonderte Wiederaufnahme des Dienstes auf die in nordamerikanischem Besitz befindlichen Titel seiner Auslandsschuld sozusagen erst einmal kreditfähig erweisen. Für eine Steigerung der brasilianischen Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten wurden gleichfalls erhebliche Gegenleistun­gen gefordert. Vom nordamerikanischen Landwirt- schaftsministerium wurde betont, daß Nordamerika wohl mehr Kaffee von Brasilien beziehen könne. Dazu müsse aber Brasilienin seinem eigenen Interesse" erst einmal wieder mehr Kaffee anbauen und seine seit einigen Jahren so gesteigerten Baumwollpflanzungen einschranken.

Ein Eingehen auf diese nordamerikanischen Vor­schläge hätte Brasilien unter die völlige wirtschaft­liche Vormundschaft der Vereinigten Staaten ge­bracht. Es hätte auf den Ausbau seiner Handels­beziehungen zu Europa verzichten müssen, da Nord­amerika ja sowohl die nichtmilitärischen Lieferungen für Brasiliens Fünfjahresplan wie die Rüstungs­bestellungen für sich reserviert haben wollte. Brasi­lien hätte weiter auf den Ausbau jeder von Nord­amerika als Konkurrenz empfundenen Erzeugung verzichten müssen. Der Uebergang zur Polykultur in Brasiliens Landwirtschaft, der die Ausfuhr Bra­siliens während der jetzigen Rohstoffkrise vor einem Zusammenbruch bewahrt hat, sollte wieder der Monokultur des Kaffees Platz machen. Brasilien wäre erneut von den erheblichen Konjunkturschwan­kungen des Kaffeemarktes ausschließlich abhängig geworden, im besonderen sogar abhängig von den Schwankungen des noramerikanischen Kaffeemarktes.

Der brasilianische Außenminister hat diesen nord­amerikanischen Ansprüchen eine Reihe von Tatsachen entgeqengestellt. Er hat einmal darauf verwiesen, daß die brasilianische Zahlungsbilanz mit den Vereinigten Staaten seit 1 9 2 9 p ass i v ist, da Brasilien den angeblich vorhandenen Aktiv­saldo aus seiner Handelsbilanz mit Nordamerika durch seine Zins- und Dividendenzahlungen nach Nordamerika aufgebraucht hat. Aranha betonte weiter, daß dieser von Nordamerika so betonte Ausfuhrüberschuß Brasiliens im USA. - (Majan gleichzeitig immer kleiner wurde, da Nord­amerika immer weniger von Brasilien kaufte, Bra­silien aber immer mehr von Nordamerika. Diese Entwicklung ist seit Abschluß des reziproken Handels­vertrags zwischen beiden Ländern besonders aus­geprägt. Drittens konnte er aber auch Nachweisen, daß der Ausfuhrüberschuß an sich stets recht prob(e= matisch war, weil Brasilien nordamenkanische Waren nicht nur aus Nordamerika f e 1 b ft em- fühxt, sondern in großem Umfange aus Kanada, noch stärker aber über die niederländischen Antillen, von denen aus fast das ganze nach Brasilien gehende Petroleum der nordamenkamschen Trusts verschifft wird. Nordamerika kann sich also nicht darauf stützen, daß es Brasilien einen großen Aus­fuhrüberschuß in Devisen verschafft, da dieser Ueber- fchuß allein schon im Handelsverkehr durch and^- weitige Einfuhrzahlungen an nordamerikanische Unternehmen aufgebraucht wird. Darüber hinaus wird Brasilien noch durch die nach Nordamerika fließenden Zahlungen für in Brasilien angelegtes nordamerikanisches Kapital belastet.

also nicht gewillt, für nordamerikanische Kredite den Preis üppiger Gegenleistungen zu zahlen, es hat

vielmehr von Nordamerika erweiterte Ausfuhrmög­lichkeiten für seine eigene Erzeugung zu fordern.

Als die Besprechungen in Washington auf diesem Punkt angelangt waren, kündete Aranha seine Abreise an. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde gleichzeitig bekanntgegeben, daß Präsident Roosevelt, der Aranha, den von ihm persönlich eingeladenen Gast der nordamerikanischen Regierung, bis dahin wegen Erkrankung nicht empfangen hatte, noch Mitte der Woche zu den nordamerikanischen Manö- vern vor der südamerikanischen Atlantikküste ab- reisen werde. In letzter Stunde hat Roosevelt nun doch noch Aranha empfangen. Aranha teilte mit, daß Roosevelt ihn gebeten habe, bis zu seiner Rück­kehr von den Manövern in zwei Wochen die Be­sprechungen weiterzuführen. Gleichzeitig teilte er aber auch mit, daß für den Ausbau der brasilia­nisch-nordamerikanischen HandelsbeziehungenKre­dite im üblichen Sinn" wohl nicht mehr in Frage kämen. Es ist jetzt ein neuer Vorschlag aufgetaucht, der sich bemüht, den brasilianischen Wünschen nach Förderung der Ausfuhr Brasiliens entgegenzukommen. Die Ausbeutung der brasilia­nischen Naturreichtümer, die nicht mit nordamerika­nischen Erzeugnissen konkurrieren, soll von nord­amerikanischer Seite finanziert werden. Man denkt dabei an Manganerzförderung, an die Er­zeugung von Spezialstahl, an den Anbau von Chinin, an verstärkte Gummigewinnung. Es ist sehr interessant, daß die beiden für Brasilien wich­tigsten Zweige der Ausbeutung seines Naturreich­tums, Eisenerz und Petroleum, nicht genannt sind, da ihre Ausdeutung eine Konkurrenz zur gleichartigen Erzeugung der Vereinigten Staa­ten bilden wurde.

Noch interessanter ist aber, daß die nordameri­kanische Finanzhilfe in einer Form gedacht ist, die für das brasilianische Streben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit eine ernste Gefahr darstellt. Sie soll nämlich nicht durch Warenlieferung oder Kredit­bereitstellung erfolgen, sondern durch die Gründung eines gemischten brasilianisch - nordamerikanischen Unternehmens mit rein nordamerikanischem Kapitaleinfluß. Dieses Unternehmen soll mit nord­amerikanischen Technikern und Sachverständigen die Ausbeutung der fraglichen Erzeugungszweige in Angriff nehmen. Es soll also mit anderen Wor­ten eine U eberfremd ung wichtiger brasilia­nischer Wirtschaftszweige erfolgen.

In der brasilianischen Presse wurde bereits darauf hingewiesen, daß das geplante Unternehmen m i t der brasilianischen Gesetzgebung in Konflikt geraten würde. Die nationalistische Wirt­schaftsgesetzgebung, die in Brasilien wie in den mei­sten andern südamerikanischen Ländern während der letzten Jahre eingeführt wurde, sucht nämlich jeden ausländischen Einfluß in den volkswirtschaft­lichen Schlüsselindustrien zu unterbinden. Brasilien hat deshalb sowohl einen Minenkodex wie einen Wasserkraftkodex erlassen, die eine Erschließung von Bodenschätzen ebenso wie die Ausnützung von Was­serkraft nur rein brasilianischen Unter­nehmen gestatten. Um auch verstärkten Aus- landseinsluß unmöglich zu machen, dari das Kapital dieser Unternehmen nur aus Namensaktien be­stehen, die sämtlich im Besitz geborener Brasilianer sein müssen. Nicht einmal die brasilianische Frau eines Ausländers ober eines naturalisierten Brasi­lianers darf solche Aktien besitzen. Diese Entwicklung zu einem straffen wirtschaftlichen Nationalismus hat in Südamerika bereits so tiefe Wurzeln geschlagen, daß Brasilien seine Gesetzgebung kaum ändern wird, um nordamerikanischen Üeberfremdungswünschen zu genügen. Wenn die Besprechungen Aranhas doch noch Erfolg haben sollen, werden daher noch andere Vorschläge auftauchen müssen. Die nordamerika­nischen Hoffnungen, wenigstens statt des miß­lungenen Versuchs der politischen Bevormundung Südamerikas die wirtschaftliche Bevormundung zu setzen, scheinen jedoch wenig aussichtsreich.

Seine Mizellen in Argentinien.

Argentinische Regierungskommission widerlegt antideutsche Hetze.

Buenos A i r e s . 7. März. (DNB.) Die Hetz­kampagne, mit der das Geschwätz von einer^ Be­drohung Südamerikas durch die autoritären Staa­ten aufgefrischt werden sollte, ist kläglich zusammen­gebrochen. Mehrere Blätter hatten vor einer Nazi-Infiltration in Patagonien" oder ähnlichen Ausdehnungsgelüsten desPan­germanismus" gewarnt. Angesehene deutsche und argentinische Firmen, die für die Erschließung des Südens Pionierarbeit geleistet haben, wurden mit gemeinsten Methoden einer unlauteren Konkur­renz verdächtigt. Gesellige Zusammenkünfte Reichsdeutscher wurden zu Verschwörerzirkel um- gefälscht und auf großschraffierten Landkarten die Gebiete vorgeftihrt, deren Annektion in den Berliner Amtsstuben bereits fest beschlossen war. Die Regie­rung setzte eine Kommission von Abgeordneten ein, die mit eingehenden Nachforschungen an D r t und Stelle beauftragt wurde. Nach einer Reise von 2300 Kilometer kreuz und quer durch Patagonien stellte dieser Ausschuß jetzt fest, daß an allen Verdächtigungen kein wah­res Wort sei und daß es vor allem keine faschistischen und nationalsozialistischen Zellen, die im Widerspruch zur Staatsverfassung ständen, im Lande gebe.

E. P. Brüssel, 8. August.

In Brüssel sind die Wahlvorbereitungen in vollem Gange. Die Parteioorstände tagen in Dauersitzungen. Nach nie ist eine Kammerwayl, die jetzt wegen des Osterfestes auf den 2. April fest­gesetzt wurde, innerhalb einer so kurzen Frist an- beraumt worden. Die Kandidatenlisten müs­sen im ganzen Lande schon bis zum nächsten Sonntag eingereicht sein. Dies hat zur Folge, daß die Versammlungen der Parteimitglieder, die Pols", die die Kandidatenlisten aufstellen, nur eine sehr geringe Beteiligung aufweisen werden. Es ist technisch unmöglich, in dieser kurzen Zeit eine größere Anzahl der eingeschriebenen Par­teimitglieder zusammenzubringen. DieLibre Bel- giquez/ schreibt, die politischen Parteien seien über den ungewöhnlich kurzen Termin geradezu er­schrocken.

König Leopold hat an den Minister Präsi­denten Pierlot einen Brief gerichtet, in dem er von der völligen Unmöglichkeit spricht, eine dauer­hafte Regierung zu bilden, und an gewissen poli­tischen Zeiterscheinungen scharfe Kritik übt. Er habe in einer der letzten Ministerratssitzungen zu seinem Bedauern feststellen müssen, daß die verfas­sungsmäßigen Grundsätze immer h ä u- f i g e r verkannt worden seien. Er habe manch­mal Entscheidungen billigen müssen, die o h n e i h n getroffen worden seien. Dazu werde er häufig mit einer moralischen Verantwortung be­lastet, die ihm nicht z u f a l l e. Zudem fei der König der einzige Bürger, dem die Mittel zur Ver­teidigung feiner* Ansichten und Handlungen versagt seien. Zum Schluß sagt der König:Bei der be= chlossenen Befragung des Landes bitte ich alle meine Volksgenossen,' ihre Gedanken und Wünsche auf die Lösung des für die Zukunft des Landes wesentlichen Problems zu richten: inneres Gleichgewicht, einträchtige Zusammen­arbeit in gegenseitigem Verständnis und gegen­seitiger Loyalität im Dienste der nationalen Einheit, des Zusammenhalts gegenüber den internationalen Problemen, die eine sehr nahe Zukunft aufwerfen kann. ...Die Geschicke Belgiens sind in den Händen der Belgier selbst. Mögen Sie einen Blick über* i e Grenzen werfen. Sie werden sich dann von der Notwendigkeit über­zeugen, daß dem Lande unverzüglich ein Parlament gegeben werden muß, das in einem großzügigen Geist der Gerechtigkeit und Billigkeit die natio­nale Einhei? verkörpert und auf das ich eine Regierung stützen kann, die fähig sein muß, ich Respekt zu verschaffen und das geistige Prestige Belgiens aufrechtzuerhalten. Das find, mein lieber Ministerpräsident, die Betrachtungen, die ich Ihnen mitteilen zu müssen glaubte, nachdem ich das Auf­

lösungsdekret unterzeichnet habe. Wenn Sie glauben, daß Sie das Wohl des Landes fördern können, ermächtige ich Sie, sie zu veröffentlichen."

Der Brief wird von der ganzen belgischen Presse in großer Aufmachung wiedergegeben. Man hebt hervor, der König habe einen yohen Grad von Pflichtbewußtsein gezeigt und den Leitgedan- kenzurWahl gegeben. Dieser Wahlkampf müsse dem Ernst der Lage entsprechen-. Jeder Belgier müffe sich bewußt sein, daß die Einheit der Nation heute mehr denn je notwendig sei. Man unterstreicht, daß der König nicht die politischen Einrichtungen als solche, sondern nur die Art und Weise verurteilt ha.be, in der sie gehandhabt würden. So sehr auch die Parlamentsauflösung als eine Befreiung von der Ungewißheit begrüßt wird, so sehr bedauert man, daß sie überhaupt notwendig war. Nur die flämischen Nationalisten vermerken mit Genugtuung, daß dies die erste Kammerauflösung sei, die ihren Grund in dem Gegensatz zwischen Flamen und Wal- Ionen habe.

Die liberaleIndependence Beige" for­dert die gefchäftsführende Regierung auf, sofort den Foll Martens zu lösen, damit dieser nicht im Mittelpunkt der Neuwahlen stehe. Es wäre unver­zeihlich, wenn der ganze Wahlkampf sich um diese eine Person drehen würde. Die wallonisch-katholische Gazette" meint hingegen, daß die Wähler sich für oder gegen Martens aus'sprechen müßten. Es handele sich um die Meinung für oder gegen einenVerräter". Der flämisch - katholische Courant" meint, Martens werde auf feinen Forderungen bestehen bleiben. Flandern müsse unter allen Umständen Kulturautonomie erhalten. Aehnlich äußert sich' der demokratisch - flämische Standaard", der darauf hinweist, daß die flämischen Parteien mit den Forderungen nach Kulturautonomie und Durchführung der Ein­sprachigkeit in Flandern vor die Wähler­schaft treten würden.Volk e n Staat" betont, daß zum ersten Male in der belgischen Geschichte ein Parlament auf Grund der Nationali­tätenfrage aufgelöst worden sei. Die Wahlen müßten die Abrechnung mit der zentralistischen Staatsidee und die Selbstregierung in Flandern bringen. Die konservativ - katholischeNation B e i g e " meint, daß die Wahlen keine Milderung des flämisch-wallonischen Gegensatzes, sondern im Gegenteil eine weitere Verschärfu ng brin­gen würden. Nur die ebenfalls konservativ-katho­lischeLibre Belgique" stellt ein poli­tisches Ziel der Wahlen in den Vordergrund: dem Drei-Parteiensystem ein Ende zu bereiten, in­dem die antimarxistischen Parteien genügend ver­stärkt würden, um ohne öie Mitarbeit der Sozialdemokraten regieren zu können.

Maja behauptet sich gegen die Kommunisten.

Burgos, 8. Mörz. (Europapreß.) Nach Mel­dungen aus Madrid, die sich mit den Aussagen der zahllosen Ueberläufer decken, haben die spanischen Kommunisten die Abschüttelung durch den neuen Miaja-Ausschuß nicht so ruhig hin­genommen, wie man zuerst glauben konnte. Eine Reihe kommunistischer Bataillone haben sich zusam- mengeschlossen und versuchten, in Madrid einzumar- schieren. Zwei bewaffnete kommunistische Abteilun­gen konnten sich verschanzen. Anhänger des Miajas versuchten, die kommunistischen Abteilungen aus ihren Schlupfwinkeln zu vertreiben. Die beiden kom­munistischen Abteilungen haben sich in den Abend­stunden ergeben müssen. Miaja hatte Geschütze gegen die Schlupfwinkel der Kommunisten in Stel­lung bringen müssen. Als die Kommunisten darauf­hin die Waffen streckten, versuchten die Einwohner von Madrid, die verhaßten Söldner der spanischen Tscheka zu lynchen. Die Soldaten Miajas mußten einschreiten, um die Kommunisten vor diesem Los zu bewahren.

Miaja, Casado und Besteiro hielten Ansprachen an die Bevölkerung von Madrid, in denen sie auf die Notwendigkeit hinwiesen, den kommunistischen Umtrieben einen eisernen Widerstand entgegenzu­setzen. 50 gefangeneOffiziere", die auf kommu­nistischer Seite gekämpft haben, wurden sofort e r - schossen. I m südlichen Stadtteil Ma­drids waren noch einige kommunistische Wi­derstandsnester. Es handelt sich um die sehr volkreichen und von jeher stark mit kommunistischen Elementen durchsetzten Stadtviertel, die sogenannten Vier Wege". Die Kommunisten hatten sich in meh­reren Gebäuden verschanzt. Die Junta-Milizen hat­ten an sie ein Ultimatum gerichtet, sich zu ergeben, andernfalls würden die Gebäude g e ft ü r m t wer­den. In den Abendstunden war in Madrid wieder Ruhe eingekehrt. DerVerteidigungsrat" durfte damit Herr der Lage geblieben fein.

Miaja hat an die Bevölkerung des noch unter roter Herrschaft stehenden Teiles Spaniens einen Aufruf gerichtet, in dem er ein baldiges Ende d e s K r i e g e s ankündigt. Der neue Verteidigungs- Ausschuß sei gebildet worden, so heißt es in dem Aufruf, umin gesetzlicher und ehrenhafter Weise" dem Kriege ein Ende zu bereiten. Das sei die einzige Aufgabe des Ausschusses. Der Aufruf fahrt dann wörtlich fort:Wir wollen kein unnützes Blutvergießen. Mein einziger Wunsch ist es, daß der Friede in Spanien wieder einkehre, und daß die Vernunft wieder zu ihrem Recht komme. Ich kann euch versichern, daß der Krieg bald zu Ende sein wird. Es gibt Leute, die glauben, daß sie für eine Regierung kämpfen, die nicht mehr besteht, nämlich für die Regierung Negrin. Wißt ihr, wo sie sich befindet? In Frankreich!

Burgos fordert bedingungslose Unterwerfung.

Burgos, 7. März. (Europapreß.) Das natio- nalspanische Außenministerium weist darauf hin, daß es für die nationalspanische Armee nicht notwendig sei, irgendeine Uebereinfunft einzugehen, um Ma drid in die Gewalt zu bekommen. Wenn sie es in der gegenwärtigen Stunde wollte, würde ihr dies ebenso leicht fallen, wie etwa eine Ennahme von Valencia oder Cartagena. Die Regierung sei nicht bereit, auf irgendwelche Bedingun­gen ihrer Gegner ein zu gehen. Wenn diese eine Beendigung der Feindseligkeiten wollten, sei eins die unbedingte Voraussetzung: die vo li­st ändiae und bedingungslose Unter­werfung. Darin, daß gewisse sowjetspanische militärische Befehlshaber und Politiker heute Negrin beschimpften, fei in Wirklichkeit nur eine Falle zu erblicken, in die aber die nationalspanische Regie­rung nicht gehen werde. Die Vorbereitung der mili­tärischen Operationen gehe ohne jede Rücksicht auf die Ereignisse in der sowjetsponischen Zone vor sich. Aus diesem Grunde seien sowohl die Erklärungen Miajas sowie die Ansprachen Besteiros und Casa- dos ungehört verhallt. Angesichts ihrer Hal- fung müsse man auch alle Vermittlungsbestrebungen in London und in Paris als zwecklos bezeichnen.

Der nationalspanische Sender Burgos stellt fest, daß die Angehörigen des neugegründeten Ma­drider rotenVerteidigungsrates" keineswegs besser als die übrigen roten Verbrecher sind. So sei D e « ft e i r o stellvertretender Leiter der erstenrepubli* konischen Regierung" gewesen und habe bei Aus« bruch des Krieges nicht hinter dem berüchttgten Largo Caballero in feiner Ablehnung Francos und der Aufpeitfchung zum Klassenhaß gestanden. In Miaja stelle sich der Schöpfer jenes verbreche­rischen Planes der Verteidigung der offenen Stadt Madrid vor.

Tausende von Lebensmitielwagen vor den Toren Madrids.

Burgos, 8. März. (Europapreß.) Der bereits ernannte nationalspanische Bürgermeister von Madrid, Alberto Alcocer, erklärte Pressevertretern, sämtliche Vorbereitungen seien soweit gediehen, daß bereits achtundvierzig Stunden nach dem Einmarsch der nationalen Truppen in Madrid alle öffentlichen Aemter funktionieren würden. Tausende mit Le­bensrnitteln beladene Lastwagen war­teten auf den Augenblick, um auf sämtlichen Zu­fahrtsstraßen nach Madrid zu fahren. In Merida