Nr. 182 Erstes Blaff
189. Jahrgang
Montag, r. August 1939
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Generaldirektor Koppenberg dankte dem Generalfeldmarschall im Namen Gefolgschaft und gab die Versicherung ab, daß
Dessau, 6. August. (DNB.) Am Samstag besuchte Generalfeldmarschall Göring überraschend das Hauptwerk des Junkers-Großkonzerns in Dessau und unterzog die ausgedehnten Anlagen dieser Werke einer mehrstündigen eingehenden Besichtigung. Der Jubel der 8000 Arbeiter und Arbeiterinnen um Hermann Göring war groß. Aus Anlaß der spontanen und eindrucksvollen Kundgebung sprach
sau findet in der Londoner Presse starke Beachtung. Die Blätter veröffentlichen mehr oder we- Niger lange Auszüge und bezeichnen die Ausführungen Görings als Warnung an England. Insbesondere wird hervorgehoben, daß Deutschland sich seine lebenswichtigen Rechte nicht streitig machen lasse und daß die Verantwortung für die Erhaltung des Friedens auf England ruhe.
Jede Drohung, Deutschland wieder zu blockieren und an den Hunger zu bringen, wird ein zweites Mal unmöglich gemacht werden. Dafür wird die deutsche Luftwaffe sorgen und nicht zum letzten auch der große Vorrat an Brotgetreide. den wir in Deutschland gestapelt haben. Zum Abschluß möchte ich sagen: Wir wollen nicht den Krieg, ich kenne ihn und weiß, daß er die gewaltigste Verantwortung bedeutet, die ein Staatsmann auf sich nehmen kann. Wenn wir trotzdem so fieberhaft rüsten, dann, um den Kampf, der uns aufgezwungen wird, siegreich zu bestehen. Wir werden uns in Zukunft kein Lebensrecht mehr streitig machen lassen. Ans imponieren weder Drohungen noch Liebesbriefe.
Ich wollte euch danken und euch bitten, weiter euren guten Mut zu bewahren und euer Herz mit Zuversicht zu erfüllen. Ich bin heilig überzeugt, gelingt uns das eine, die Volksgemeinschaft durch alles hindurchzuretten, so sind wir unüberwindlich. Da liegt unsere Stärke. Wenn wir Deutsche einig waren, waren wir immer siegreich, geschlagen wurden wir nur, wenn im eigenen Land die Zwietracht auftrat. Und daß wir uns zu dieser Geschlossenheit durchgerungen haben, das ist die größte Tat und unsere größte Machtposition. So wollen wir weiterhin im Vertrauen zueinander stehen. Ich habe zu euch ein blindes Vertrauen und bitte euch, dies Vertrauen auch zu mir zu haben.
Junkerswerke ihrem Namen jederzeit Ehre machen werden und dies durch die Tat beweisen wollen. Mit Sieg-Heil auf Führer und Feldmarschall und den Liedern der Nation wurde die Kundgebung geschlossen. Unter tosendem Jubel begleiteten die Arbeiter ihren Hermann Göring bis zum Werksausgang.
Generaldirektor Koppenberg begleitete anschließend den Generalfeldmarschall an Bord der „Karin II" zu einem längeren Vortrag über die Ju 88 und über andere neue Flugzeuge des Junkers- Großkonzerns.
Starke Veachtuna in London.
London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Rede des Generalfeldmarschalls Göring in Des-
her Feldmarschall:
ist nun schon einige Jahre her, seit ich das Mal zu euch sprechen konnte. Diese Jahre
„Oie Maginotlinie -er Wiegen."
Wird Frankreich eine Großmacht bleiben?
Von unserem Dr. W.-Miiarbeiter.
Strang kehrt zurück.
London sucht eine neue Formel.
London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Während die britisch-französische Militärmission sich auf dem Wege nach Leningrad befindet, wird in London eine „neue Formel" ausgearbeitet. Die „Times" schreibt, man hoffe, daß es mit dieser Formel endlich gelingen werde, eine Einigung unter den drei Mächten über die Definition des „indirekten Mgriffes" zu erzielen.
Nach einer Reuter-Meldung aus Moskau verläßt Strang am Montag im Flugzeug Moskau, um sich nach London zurückzubegeben. Strang habe Grund, auf die Ergebnisse seiner Tätigkeit stolz zu sein. (!?) „New Ehronicle" glaubt aus Moskau berichten zu können, daß Strangs Abreise vor dem Paktabschluß keinerlei Optimismus hervorgeru,<n habe.
Gernegroß will dabei sein.
Warschau, 7. Aug. (DNB. Funkspr.) Surfer Warszawski" berichtet aus Moskau, daß in ,^gutunterrichteten ausländischen Kreisen davon die Rede sei, daß auch eine polnische Militär- Mission an den militärischen Besprechungen Englands, Frankreichs und der Sowjetunion teilnehmen müsse, denn es sei unerläßlich, auch den Standpunkt der leitenden Persönlichkeiten der polnischen Armee kennenzulernen.
Einkreisung gegen Japan.
London, 7. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der „Time s" zufolge findet gegenwärtig ein Notenaustausch zwischen der britischen, der franzvst- schen und der 05^.-Regierung sowie den Regierungen der Dominien über die japanischen Forderungen statt. Frankreich habe von vornherein erklärt, daß es mit England durch dick und dünn gehen werde. Wenn man mit den anderen Regierungen einig sei, werde Botschafter Craigie neue Anweisungen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen erhalten.
England istfür Störung des Friedens verantwortlich
Eine Warnungsrede des Generalfeldmarschalls Göring.
Nach deutschem Vorbild
„Der Lebensstandard auf dem Lande, das die Grundlage der Volksernährung darstellt, ist mit allen Mitteln zu heben. Wir werden daher rücksichtslos die wirtschaftliche und so- ziale Reform der Landwirtschaft durchführen."
Dieser Programmpunkt der spanischen F a l a n g e steht nicht nur auf dem Papier, sondern wurde schon während des spanischen Bürgerkrieges in National- spanien durchgeführt, wo eine umfassende Getreidebewirtschaftung die Programmforderung nach einer wirtschaftlichen und sozialen Reform in der Landwirt- schäft zu erfüllen begann. Naturgemäß konnte es sich damals nur um den Anfang einer umfassenden Reform handeln, da nur ein Teilgebiet in den Händen Nationalspaniens war. In Fortsetzung der bereits begonnenen Arbeit geht nunmehr auf der bewährten Grundlage der Getreidebewirtschaftung die spanische Landwirtschaftspolitik zum Teil völlig neue Wege.
Da der Weizen das wichtigste Erzeugnis der spa- nischen Landwirtschaft ist, ist die Neuordnung auf dem Gebiete der Getreidebewirtschaftung am weike- sten fortgeschritten. Spekulation und Zwischenhandel, die den spanischen Bauer in den Händen hatten, sind völlig ausgeschaltet. Mit ihnen hat der Bauer nichts mehr zu tun. Er meldet jetzt seine Ernteerträge innerhalb einer bestimmten Frist an und verkauft seine Ernte nur an die dafür vorgesehenen Stellen zu einem garantierten Preis. Nach dem Vorbild der von D a r r € geschaffenen deutschen landwirtschaftlichen Marktordnung wird zu Beginn des Getreide- Wirtschaftsjahres, das ebenso wie bei uns vom 1. Juli bis 30. Juni läuft, der Erzeugerpreis für Getreide festgesetzt. Bemerkenswert ist hierbei die bisher wohl einzig dastehende Neuerung, daß die Preisfestsetzung nicht nur eine Staffelung nach Abnahmezeiten vorsieht, sondern außerdem auch nach Fruchtbarkeitsklassen und nach der Betriebsgröße des Erzeugers. Alle landwirtschaftlichen Betriebe Spaniens sind in drei Fruchtbarkeitsklassen eingeteilt. Die festgesetzten Grundpreise gelten für Betriebe mittlerer Fruchtbarkeit und werden für Betriebe hoher Fruchtbarkeit ermäßigt, für Betriebe geringer Fruchtbarkeit erhöht. Und schließlich berücksichtigt die dritte für die Preisgerechtigkeit eingeschaltete Staffelung die Größe der Betriebe. Große Betriebe mit geringeren Gestehungskosten erhalten einen niedrigeren Preis als Kleinbetriebe mit hohen Selbstkosten. Hier kommt der Grundpreis zur Anwendung bei allen Betrieben bis zu 30 ha, während in den Betriebsgrößen von 30 bis 60 ha, 60 bis 125 ha, 125 bis 150 ha und über 250 ha ein bis vier Peseten vom Grundpreis abgezogen werden. Damit hat das Nationalspanien zur Erhaltung einer Vielzahl von bäuerlichen Be-
Jahr der Ehe werden 2000 Franken, bei der des zweiten Kindes weitere 3600 Franken, bei der des dritten Kindes 4800, bei der des vierten 6500 Franken und bei der Geburt des fünften Kindes der Rest erlassen.
Die bei den Kinüerunterstützungen und den Ehestandsdarlehen aufzuwendenden Beträge werden zu 2/s unmittelbar der Staatskasse entnommen, zu Vs aber durch Sondersteuern aufgebracht. Die Junggesellen und kinderlosen Ehepaare werden es sich im kommenden Jahre ernsthaft überlegen, ob sie nicht heiraten oder sich ein Kind anschaffen wollen, denn im anderen Falle müssen sie je nach der Höhe ihres Einkommens eine Sondersteuer zahlen, die sich von 3 v. H. bis zu 20 v. H. rasch nach oben staffelt.
Da der starke Alkoholgenuß in Frankreich — nach den internationalen Statistiken der höchste auf den Kopf der Bevölkerung in der ganzen Welt — nach der Ansicht der französischen Aerzte die Geburtenhäufigkeit ebenfalls nachteilig beeinflußt, wird in Zukunft jeder Hektoltter Alkohol, der zu Likör und anderen Dingen verarbeitet wird, mit einer Sondersteuer von 300 Franken belegt werden, deren Ergebnisse wieder den staatlichen Maßnahmen zur Förderung der Familienbildung und der Geburtenhäufigkeit zufließen.
Um die Eheschließungen zu fördern, hat sich die französische Regierung 'zugleich entschlossen, einen groß angelegten Kampf gegen die Unmoral zu führen. Wer in diesen Tagen in der Pariser Innenstadt an einem der Guckkästen der zahlreichen Varietes und Nachtlokale vorbeikam, konnte bemerken, daß der Maler die Photographien der Nackttänzerinnen an den notwendigen Stellen mit zierlichen weißen Oeltüpschen bedeckt hatte. Der Verkauf pornographischer Literatur, obszöner Filme usw. soll ebenfalls eingeschränkt werden. Vor allen Dingen gedenkt aber der französische Ministerpräsident der Gilde der „Engelmacherinnen", zweifelhafter Kurpfuscher, wie gewissenloser Aerzte das Handwerk zu legen. Man könnte augenblicklich täglich eine Liste von Personen zusammenstellen, die wegen Abtreibung verhaftet oder verurteilt werden.
Werden aber alle diese Maßnahmen, die bei der geringen Entwicklung des sonstigen sozialen Für- lorgewesens einstweisen nur Stückwerk sind, von Erfolg begleitet sein? Nur die Zukunft vermag diese Frage zu beantworten. Zweifellos reicht es nicht aus, wenn man nur mit Herzklopfen und Reden feftstellt, daß der militärische Jahrgang 1930 noch aus 258 000, der Jahrgang 1935 aber nur noch aus 136 000 Rekruten bestand. Die müde Ironie der Pariser Witzblätter zeigt, daß der Hinweis der Regierung, daß Frankreich eine „Maginotlinie der Wiegen" errichten müsse, wenn es eine Großmacht bleiben wolle, heute noch weithin im Volke auf Unverständnis stößt.
die neuen Sätze für die F a m i l i e n Unterstützungen und die Maßnahmen zur V e r h i n d e - r un g der Landflucht. Bei einer näheren Beschäftigung mit dem „Code de Familie“ kann man als Deutscher mit Stolz feststellen, daß die Dekrete der französischen Regierung wohl das deutsche Vorbild nachzuahmen suchen, es aber keineswegs erreichen.
Im einzelnen enthält der „Code de Familie“ folgende Bestimmungen: Für jedes erstgeborene Kind zahlt vom 1. Januar 1940 ab der Staat dem französischen Familienvater eine Prämie in Höhe von 3000 Franken (etwa 200 RM.). Die französische Familienmutter erhält nach der Geburt des ersten Kindes eine monatliche Rente von 300 Franken (etwa 20 RM.), allerdings nur dann — was bei den jung= verheirateten Paaren der minderbemittelten Schichten in Frankreich nicht häufig ist —, wenn sie selbst nicht mehr weiterhin berufstätig ist. Erst bei dem zweiten Kind wird eine Kinderzulage gewährt, die auch in der Zukunft auf dem gegenwärtig gültigen Satze von monatlich 300 Franken bestehen bleiben wird. Mit jedem weiteren Kinde erhöht sich dann der monatliche Satz um 300 Franken, während bisher viel geringere Kinderbeihilfen und in der Privatindustrie häufig auch überhaupt keine gezahlt wurden. Diese monatlichen Kinderzulagen werden an jeden Franzosen in gleicher Höhe ausgezahlt, gleichgültig, ob er Fabrikdirektor oder Arbeitsloser ist. Vom 14. bis zum 17. Lebensjahre werden diese Unterstützungssätze nur dann weitergezahlt, wenn das Kind eine ordnungsgemäße Lehre oder eine sonstige berufliche Ausbildung erhält.
Die Ehestandsdarlehen, die die franzö- sische Regierung austeilen wird, kommen nicht allen Kreisen der Bevölkerung, sondern allein den Bauern zugute. Das ist aber in dem, trotz mancher völlig industrialisierten Distrikte, auch heute noch agrarischen Frankreich über die Hälfte her Bevölkerung. Diese Ehestandsdarlehen belaufen sich auf 5000 bis 20 000 Franken (335 bis 1335 RM.). Der jeweils gewährte Satz richtet sich nach der Be- dürstigkett der Antragsteller. Voraussetzung der Gewährung des Darlehens ist die Verpflichtung der Brautteute, die ersten zehn Jahre nach Eingehen der Ehe auf dem Lande wohnen zu bleiben. Ebenso wie dies in Deutschland der Fall ist, kann auch in Frankreich künftig das Ehestandsdarlehen durch die Geburt von Kindern „zurückbezahlt" werden. Bei der Geburt des ersten Kindes im ersten
waren voll gewaltiger, geschichtlicher Ereignisse, und zwar mit deshalb, weil Deutschland wieder über eine gewaltige Luftflotte verfügt. Denn wenn uns im vergangenen Jahre die Befreiung des Sudetenlandes gelang, fo war hierbei entscheidend, daß Deutschland — im Gegensatz zu anderen Ländern — eine moderne und schlagkräftige Luftwaffe hatte. Und so ist es auch heute. Wir haben heute die gleiche Musik von jenseits des Kanals. Wir hören fast dieselben Worte und Reden, die auch schon vor einem Jahre zur Einschüchterung des deutschen Volkes gehalten wurden. Vor allem ist es England, welches entschlossen ist, das Drama von 1914 zu wiederholen, um Deutschland einen Frieden, schlimmer als der Versailler, diktieren zu können. Nur eines hat sich grundlegend geändert. s
Ans alle erfüllt heute der brennende und einheitliche Wille, uns zu behaupten und e s niemals wieder zu einem Frieden von Versailles kommen zu laffen. Ls ist ein großer Unterschied, ob der Mensch kämpft, um feine Ehre und feine Lebensrechte zu wahren oder um sich ohne Grund in die Interessen anderer einzumischen. wir bedrohen England nicht. Wenn es aber glaubt, uns überall in den Weg treten zu können, muß es auch die Verantwortung für die Störung des Friedens übernehmen.
Ich weiß, was heute von jedem deutschen Arbeiter verlangt wird an Arbeit, Leistung und persönlichen Einschränkungen. Ich weiß aber auch, daß jeder Appell, den ich bis heute an euch gerichtet habe, von euch freudig befolgt worden ist. Und darum bin ich heute hier, um euch von Herzen zu danken, daß ihr mich in all diesen Jahren nicht im Stiche gelassen habt. Wenn ich euch und eure Leistungen sehe, wer will uns dann überwinden!
Paris, 5. August 1939.
Frankreich steht heute am Scheidewege. Es lebt noch ganz in den Ideen von 1789 und glaubt mit der Losung „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit" gegen die autoritären Staaten ins Feld ziehen zu können. In der harten Wirklichkeit der Tatsachen ist es aber auf vielen Gebieten gezwungen, dem vo »Deutschland und Italien gegebenen Vorbild zu folgen. Trotz allen inner- -lichen Sträubens muß Frankreich anerkennen, daß die von den autoritären Staaten gefundenen Antworten auf die Lebensfragen, die sich heute den Völkern stellen, echte Lösungen sind, die deshalb von Frankreich nachgeahmt werden müssen, wenn es sich in einer geänderten Welt behaupten will.
Dieser merkwürdige Gegensatz zwischen einer in den historischen Denkformeln der großen Revoku- cion erstarrten Geisteshaltung eines ganzen Volkes und den im Kern ihres Wesens diesen Formeln völlig entgegengesetzten Mitteln, deren sich das französische Volk zur Meisterung des täglichen Lebens 364)1 ent, zeigt den eigentlichen Bruch im Leben des heutigen Frankreichs. Deutlich wird dies bei dem Veoölkerungsproblem. Der liberalistische Freiheitsbegriff der großen französischen Revolution gibt dem einzelnen das Recht, völlig über sich selbst iiu verfügen, soweit dadurch nicht die Rechte eines ' Zweiten verletzt werden. Auf das Bevölkerungs- | Drob lern angewandt heißt das: „Seher soll selbst : darüber entscheiden, ob er Kinder haben will oder I »icht. Will er keine bekommen, dann hat niemand in Recht, ihm hieraus einen Vorwurf zu machen, 'der ihn in irgendeiner Weise zu benachteiligen." I Bn dieser Vorstellung lebt auch heute noch die Mehrzahl der Franzosen. Diese Einstellung muß zu- I gleich zur moralischen „Rechtfertigung" für die roße Zahl der Abtreibungen in Frankreich herhal- 5 2n, die von dem Professor Henri M o n d e r von >er medizinischen Fakultät der Sorbonne in einer kürzlich von ihm veröffentlichten Schrift „Les kvortements Mörtels" auf jährlich eine Million Zölle geschätzt wird.
In den Tagen internationaler Spannung, die die Welt gegenwärtig durchlebt, sind in Frankreich aller Lugen auf die Landesverteidigung gerichtet, und «Lrade die Notwendigkeiten der Landesver- ueidigung sind es, die die Franzossn erkennen iissen, daß die ererbten Rezepte für die.Staatsfüh- iiung und die Führung des persönlichen Lebens nicht nehr ausreichen. Das Bewußtsein, daß sich Fran k - mch seit Jahrzehnten mehr und mehr in ein Iltersheim verwandelt, wurde diesseits des Rheins zwar nicht gerade gern vermerkt, hatte aber m Grunde genommen bisher doch niemand gestört; ne Aussicht aber, daß eine weiter rückläufige Bevölkerungsentwicklung in ein paar Jahren dazu ühren muß, daß Frankreich seinen jungen und kinderreichen Nachbarn nicht mehr die genügende Zahl Soldaten zur Verteidigung seiner Grenzen ent- segenzustellen vermag, hat die Meinung aufkom- en lassen, daß der einzelne nicht mehr ausschließ- vch bestimmen darf, wieviele Kinder geboren voerben.
Obwohl die ganze Ideologie der Dritten Republik auf den Schutz und die Förderung der Einzelpersön- chkeit ausgerichtet ist, hat die französische Regierung Itzt, in erster Linie aus militärischen E r - : ägungen heraus, sich entschlossen, auf dem 28ege der Notverordnung ein umfangreiches iiesetzeswerk zum Schutz und zur Förderung der ijm derreichen Familie, den sogenannten ’-'Ode de Familie“, herauszugeben, der, wie aus den französischen Kritiken sichtbar wird, die äußeren pichen des Stückwerks deutlich an sich trägt, denn bä Förderung der Familie ist niemals allein durch gjsetzgeberische Zwangsmaßnahmen zu erreichen, die immer nur die Kennzeichen des Vorläufigen tragen tröffen, sondern nur durch die freudige Bejahung der Eye und des Kinderreichtums durch die überwiegende I.ehrheit des Volkes.
Vst dieser Gesinnungswandel aber in Frankreich Icion eingetreten? Die Gewerkschaften erklären auch Mte noch, daß die kinderreiche Familie den Lebens- ibmbarb des Arbeiters zu sehr herabdrücken würde, urib die Bauern sind in fast allen Gebieten — aus- yinommen einige sehr arme Landstriche — überzeugte Anhänger der Einkinderehe, da der in Fränkisch noch gültige Code Napoleon die Aufteilung des Nachlasses zu gleichen Teilen unter die Erben ver- ngt. Diese Bestimmung wurde von Napoleon derzeit getroffen, um den agrarischen Großgrund- leitz . langsam in ein gesundes, leistungsfähiges II: inbauerntum zu verwandeln. Sie hat aber heute in ihrer praktischen Auswirkung dazu geführt, daß as vor 200 Jahren noch menschenreichste Land Europas vor der Gefahr steht, in hundert Jahren tir Land mit der Bevölkerungsziffer Hollands zu ötrben.
4n Frankreich leben heute 42 Millionen Menschen, hei Millionen von ihnen sind naturalisierte Aus- lirfcer. Auf den Quadratkilometer kommen 76,5 Ein- vchner, während in dem viel weniger fruchtbaren ^kutschland 140 Personen auf dem Quadratkilometer >!l--n. Nach den von amtlicher Seite vorgenommenen Errechnungen können in Frankreich 70 Millionen huschen leicht ihren Lebensunterhalt finden. Der j-tz veröffentlichte „Code de Familie“ soll nicht nur ist; weiteren Abgleiten der Bevölkerungskurve Ein- (il: gebieten, sondern darüber hinaus Frankreich Hitäer zu einem der menschenreichsten Lander Euro- p: machen. Die wichtigsten Teile dieses Gesetzes- Mes, das am 1. Januar 1940 in Kraft tritt, sind


