Ir. 130 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Mittwoch,?. Juni 1939
Sachgemäße Vorbereitung der Verdunkelung
*
Eine Glocke hört man
Gießener Kriegerkameraden erleben den Reichskriegertag
Söhne, wer liebt sie nicht! Wer freut sich nicht inrer kraftvollen Schar, und wer ist nicht stolz, sie zum Schutze unseres Landes mit ihrem Blute bereit zu sehen!? Aber wer wollte über diesem tödlichen (ntzücken die Millionen Stunden vergessen, die Mütter mit wunden Augen am Bett ihrer Söhne nachten, um sie uns zu erhalten? Keiner sähe hier cm diesem Tische, keiner, dem eben noch der Wein 'schmeckte und das Fleisch, keiner, der sich vielleicht cdcu noch in seiner poltrigen Kraft über die stille-
Aus dem nunmehr vorliegenden Wortlaut der 8. Durchführungsverordnung zum Lilftschqtzgesctz, der „Dcrdunkelungsverordnung", wird ersichtlich, wie die Verdunkelung im Reichsgebiet vorzubcreitcn ist. Für die Verdunkelung nach der Verordnung ist jeweils, wie schon mitgcteilt worden war, der Eigentümer verantwortlich. Dazu ist noch zu bemerken, daß gegebenenfalls an Stelle des Eigentümers derjenige verantwortlich ist, der die tatsächliche Gewalt über eine Sache ausübt. Jede Störung der Verdunke- ung ist verboten. Die Verdunkelungsmoßnahmen ind so vorzubereitcn, daß sic jederzeit sofort durch- gcführt werden können. Vom Aufruf des Luftschutzes ab ist die Verdunkelung ohne besondere Bekanntgabe täglich vom Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden als Dauerzustand durchzuführen.
Erleichterungen von der Verdunkclungspflicht können in besonderen Ausnahmefällen für diejenigen Anlagen und Betriebe zugelassen werden, für die eine dauernde Verdunkelung aus technischen und wirtschaftlichen Gründen untragbar ist. Diese Anlagen und Betriebe müssen an den Luftschutzwarndienst angeschlossen sein und die notwendigen technischen Einrichtungen besitzen, um bei Warnmeldung „Luftgefahr" oder, falls die Meldung ausbleibt, bei „Fliegeralarm" schlagartig verdunkeln' zu können. Entsprechende Anträge sind schriftlich mit eingehender Begründung an den Ortspolizciverwalter zu richten, der hierüber die Entscheidung der zuständigen Wehrmachtdienststelle hcrbeiführt.
Im übrigen sind allgemein für die zur Aufrechterhaltung 'des wirtschaftlichen, öffentlichen und pri-
Der Rcichskriegertag in Kassel, den aus unserem Kreisgebiet über 150 Kameraden erleben durften, hat allen denen, die dabei sein konnten, eine Fülle reichster Erlebnisse gebracht. Pünktlich sanden sich die Kameraden am Bahnhof ein, alle waren, was den Anzug anbetraf, in bester Ordnung. In Lollar stiegen die Kameraden der alten Kriegerkameradschaft Lollar hinzu, und in den Abteilen des Zuges herrschte beste und erwartungsvolle Stimmung. Erwartungsvoll verliehen die Giehener Kameraden den Zug, wurden herzlich empfangen, traten an und wurden dann unter dem Vorantritt eines Musikzuges der SA. in ihr Quartier, nach Bettenhausen, geleitet. Etwa 40 Kameraden tarnen in Privatquartieren unter, 100 der Kameraden bezogen in Zelten Quartier. Da sich die Kasselaner außerordentlich gastfreundlich zeigten, kamen einzelne, die noch Setten frei hatten, noch zu spätabendlicher Stunde in das Zeltlager und boten noch manches Quartier an. Von den älteren Kameraden wurde von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch gemacht.
Nach gut verbrachter Nacht — man hatte sich in Anbetracht der zu erwartenden Anforderungen des Sonntags zeitig zur Ruhe begeben und sich auch ziemlich des Biergenusses enthalten — wurde am Sonntagmorgen um 7 Uhr angetreten. Die Kameraden aus Stadt und Kreis Gießen fanden sich auf
die Minute pünklich ein und bewiesen ihre soldatische Disziplin. In der Schanzenstraße wurde angetreten, und schon nach kurzer Zeit konnte der Abmarsch zur Karlswiese vor sich gehen. Die Kameraden unseres Kreisgebietes befanden sich in ausgezeichneter körperlicher Verfassung und konnten trotz der großen Hitze, die schon in den Morgenstunden herrschte, den Ereignissen des Tages mit aller Ruhe entgegensehen. Nach einiger Wartezeit folgten die Kameraden mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen des Reichskriegerführers und mit Begeisterung den Worten des Führers.
Zu einem weiteren großen Erlebnis gestaltete sich dann der Vorbeimarsch am F"h—
ren Frauen erhaben dünkte, wenn nicht eine Mutter einmal für ihn fast ihr Leben hingegeben hätte, ohne daß die Zeitungen groß davon schrieben und jeder davon gesprochen hätte. Mancher säße wohl auch nicht in Ehren unter uns, wenn nicht seine Mutter mit stetem Mahnen ihm den rechten Weg gewiesen hätte.
Was seid ihr doch für vergeßliche Menschen, ihr Männer! Ich miU glauben, ihr seid nur so vergeßlich, weil ihr end) sonst schämen müßtet, so viel empfangen zu haben und so wenig geben zu können. Ein Hundsfytt, sage ich, wer jetzt nicht auf-- pringt und sein Glas hebt auf das Glück aller Mädchen, und bei dem Trünke still seiner Mutter sick) erinnert, ohne deren Schmerzen jetzt seine Freude nicht wäre.
»ä ■'s 9an9«m
•oranb: r ^ungc
raten Lebens und des Verkehrs dringend notwendigen Lichtquellen Verdunkelungsmaßnahmen durchzuführen. Das gleidje gilt für Lichtquellen in Räumen, die vom Ortspolizciverwalter neid) den Weisungen des Neid)sministers der Luftfahrt und Ober befehlshabcrs der Luftwaffe besonders bezeichnet werden. Alle übrigen Lichtquellen sind außer Betrieb zu setzen. Die Beleuchtung von Straßen, Wegen, Plätzen, Bahn- und Hafcnanlagen, Wasserstraßen und Grundstücken aller Art ist, so weit die Verordnung nichts anderes bestimmt, außer Betrieb zu setzen. Zur Aufrechterhaltung des Verkehrs sind an wichtigen Straßenkreuzungen, Derkehrspunkten und Gefahrenstellen Richtleucht' ncvorzusehen, die ab- zublendcn sind.
Ausdrücklick; bestimmt die Verordnung, daß die Wirksamkeit der Verdunkclungsmaßnahmen in den Häusern usw. in dunklen Nächten von außen zu prüfen ist, indem fcstgestellt wird, ob das Ein- und Ausschaltcn der Jnnenbeleuchtung erkennbar ist. Die Prüfung wird zweckmäßig von höher gelegenen Fenstern gegenüberstehendcr Häuser aus vorgenommen. Bei Türen, die aus hell beleud)teten Innenräumen unmittelbar ins Freie führen, sind evtl. Lichtschleu- sen zu errichten. In gewerblichen Arbcitsräuinen ist die allgemeine Raumbeleuchtung in der Leuchtwirkung soweit herabzusetzen, wie cs für den Betrieb ohne Erhöhung der Unfallgefahr noch irgend möglich ist. Für alle Arbeitsplätze ist eine Einzel- be(eud)tung in der Weise einzurichten, daß Beeinträchtigungen der Arbeitsleistung auf ein Mindestmaß beschränkt werden.
Wir haben heute Gott gedankt für alles, was er uns dieses Jahr beschert hat, und haben ihm von f dem, was Baum und Felder boten, ein Quentchen ^gebracht. Und wir haben auch ein Kind dar- gxbracht, das uns geschenkt worden ist, und haben tr. dem, der es schenkte, gezeigt und gleichsam wie- r^rgeschenkt, damit er sick) auch daran vergnüge. Lusanne heißt das Mädchen nun. Es ist ein herbstlicher Name, scheint mir. Eine Glocke hört man t-irtn, dunkel und schwer. Als Kind werden alle sie $4ife rufen, denn das klingt flink und froh. Dann rirb eine Zeit sein, wo ein Mann sie Anne nennt, Dietl ihm das besser gefällt, bis endlich die Jahre fr streifen, wo sie das Anrecht auf ihren ungeteilten T-amen erworben haben wird, auf alles Dunkel und alles Reifen, das darin beschlossen ist, auf die tiefgeftimmte Glockenfreude dieses Namens, und sie e n ernstgewordener Mann plötzlich in einer Abendslunde Susanne ruft, langsam, als schmecke er das Geheimnis aus, das darin ruht.
Nicht jeder hier im Haufe hat sich gefreut, daß es e n Mädchen mar, das ihm das Schicksal bescherte. Die oft muß man doch hören, daß sich Väter nid)t r.it ganzem Herzen eines neugeborenen Mädchens } euen, ja, daß andere, deren Ehen Söhne geschenkt würben, sie sogar hänselten, als sei es ein Makel, later eines Mädchens zu werden. Liebe Leute! Es fnt schon mancher Dummkopf Söhne gezeugt und vt ancher kluge Mann nur Mädchen. Warum denkt i r nur immer daran, daß es ein Mädchen ist, das geboren wurde, ein Mädchen, das einmal in ein f emöes Haus zieht, nm einen fremden Namen zu r ehren, und bedenkt nicht, daß es eine Mutter ist, t e in dem Kind uns allen heranwächst, eine riutter, von der zu ihrer Zeit viele Söhne und Töchter ausgehen werden, eine Mutter, in der ein rjtes Teil unserer Zukunft beschlossen ist?!
sich Venus geschmückt hat und die der listige und verschlagene Cupido in artiger Weise dem ländlichen Mädchen in die Haare geflochten und in die Arme aelegt hat. Wenn die safrangelbe Rose „Melody" blüht, wenn die weiße „Manon Cochet" lächelt, wenn die rosafarbige „Annie Laurie" zärtlich duftet, wenn der stolze rote Knopf des „Generals Mack Arthur" sein loderndes Feuer verschwendet, wird der wunderbare Sommer mit l)eißem Kuß das Land versengen. Und wer wird sie pflücken? Immer wieder wird die Rose von. den Liebenden gepflückt und zum Ausdruck der innigen und leidenschaftlichen Gefühle gemad)t. Sommer kommt auch in der brennenden Glut der Päonien, die mit roter Feuergarbe sich der Gärten bemäd)tigen, Sinnbilder der hohen und heftigen (Bonnenglut, die mit .goldenen Pfeilen auf die 'Erde schießt. Rittersporn, Glockenblumen, Akelei, blauer Eisenhut und die starren Schwertlilien stehen am Tor zum Sommer und haben das feierliche und tiefe Blau des Himmels in sich gesogen: denn jetzt ist die Sonnenkraft fähig, stärkere Farben zu erschaffen und zu erzeugen — das blasse Rot der Frühjahrsblumen wird nun strahlend, grell und dunkelrot, Orange und Gelb triefen reich und betörend, das lichte Blau füllt sich mit Stahl und heftigem Metall, das Braun wird schwer und samtartig — die Sommerfarben herrschen überall.
Wenn der Sommer naht werden die Wasser ruhig: die fließenden vor allen, die Bäche und Flüsse. Seicht werden sie, die im stürmischen Frühlingsbeginn mit Schmelzwassern und Ueberschwem-, mimgen von den Bergen und aus den kalten Waldtälern strudelten ... Kiesbette kommen zum Vorschein und ragen wie weiße Tierbuckel über den Wasier- spiegel... An den tiefen Stellen haben die Flüsse etwas Träges, an den flachen etwas Geschupptes. Ausdünstung, eine fette, beklemmende und zugleich herrliche Duftbitterkeit, ist an diesen Stellen , zu spüren, ebenso an den halbverfaulten und tropfenden Holzwehren — das ist der Hauck; des Sommers, ausgesogen aus Pflanzenstengeln und Krautblättern, von der Hitze aus Rinden und Holz gebacken wie das Harz, das an Kiefer- und Fichtenstämmen in honigfarbenen Perlen hängt und den Wald mit bitterem und herbem Geruch würzt.
*
Man hat schon viele Sommer kommen gesehen ... Goldene und brütende Sommer mit einem stählernen und fahlen Himmelsgewölbe, so restlos war es von der Hitze ausgetrocknet. In diesen Sommern waren die Weindergsmauer/r das Heißeste, was es gab, und die Erlengebüsche am Fluß das Kühlste. —
in Heidel- Der Spiel' thtstraum“, ns „Schlick chenierM iSchwei' des romaiv lies große" letzten M bei Richard * wird von iene gesetzt ; „Räuber.
"i/chen freien ViinWs. dort zur untergk- rhalb der 'locks, in Barbier-
Begrüßungsrede für ein neugeborenes Mädchen Von Martin Gaschke.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. theol. Romano G u a r ö i n t, Ordinarius der Religionsphilosophie und katholische Weltanschauungslehre an der Universiät Breslau, wurde auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt.
schönen Parkanlagen der Stadt, besonders abey war die Wilhelmshöhe das Ziel auch vieler Gießener Festtcilnehmcr. Gegen 12 Uhr wurde dann der Marsch zum Bahnhof und die Rückreise art», getreten. Gegen 4 Uhr am gestrigen Dienstagmorgen trafen die Kameraden wieder in Ober- Hessen ein, etwas müde jetzt, aber erfüllt von bert reichen Erlebnissen der beiden Tage. In den Appellen der einzelnen Kameradschaften werden sie in den nächsten Tagen über ihre Eindrücke rnam chen begeisterten Bericht erstatten.
** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in! der Zeit vom 26. Mai dis l.Iuni ein: Gegen Kraftfahrzeugführer mit 14 Anzeigen und 4 gebühren; pflichtigen Verwarnungen: gegen sonstige Fahrzeugführer mit 3 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 3 Anzeigen und 40 gebühren; pflichtigen Verwarnungen.
♦* Sterbefällc in Gießen. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 15. bis 31. Mait 15. Mai: Helene Thun, geb. Köhnen, 57 Jahre, Bruchstraße 15; 19. Mai: Anna Schlitt, ohne Berus, 42 Jahre, Licher Straße 74; 21. Mai: Eugen Dürr, Holzhändler, 66 Jahre, Liebigstraße 57; 21. Mai: Auguste Hof, geb. Beil, 50 Jahre, Kaiser; aller 16; 21. Mai: Emma Sommer, geb. Veite, ohne Beruf, 54 Jahre, Bismarckstraße 26; 22. Mai^ Peter Diehl, Werkmeister i. R., 69 Jahre, Friedrichstraße 12; 22. Mai: Dr. Karl Emil Ruckeishausen, 49 Jahre, Goethestraßc 30; 23. Mai: Katharina Veite, ohne Beruf, 66 Jahre, eLihgesterner Weg 25; 26. Mai: Paul Hennig, ohne Beruf, 69 Jahre, Schloßgasse 16; 26. Mai: Katharina Kaiser, ohne Beruf, 48 Jahre, Bleichstraße 42; 27. Mai: Günter Roth, 11 Jahre, Kaiserallee 34; 27. Mai: Johanna Diezel, ohne Berus, 67 Jahre, An der Johannes- kirche 6; 30. Mai: Hulda Grahlmann, geb. Kissinig, 81 Jahre, Iheringstraße 6; 31. Mai: Christine Funk, geb. Wadenpfuhl, ohne Beruß 79 Jahre, s Licher Straße 74.
Große Strafkammer Gießen.
. Der G. W. in Bad-Nauheim war durch Urtöil des Bezirksschöffengerichts Gießen vom 4. April 1939 wegen Beleidigung und übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen verurteilt worden. Gegen das Urteil legte er Berufung ein. Im Dezember 1938 hatte der Angeklagte in einer Wirtschaft in Bad-Nauheim den Direktor D. in Mainz schwer beleidigt.
In der Berufungsverhandlung wurde der Angeklagte, der als übler Schwätzer geschildert wird, überführt.
Der Vertreter der Anklage ist der Ansicht, daß durch die im angefochtenen Urteil ausgesprochene Gefängnisstrafe die Tat nicht gesühnt sei und beantragte, die Strafe auf 6 Wochen Gefängnis zu erhöhen.
In Abänderung des angefochtenen Urteils wurde der Angeklagte zu einer Gefängnis st rafe von. drei Monaten verurteilt. Straferschwerend kamen die einschlägigen Vorstrafen und das Verhalten des Angeklagten während der Verhandlung in Betracht.
Unfälle auf dem Lande.
Bei seiner Arbeit an der Kreissäge geriet der 45jährige Zimmermann Philipp N u h l a n d t aus G a r b e n t c i d) mit der linken Hand in die Kreissäge und zog sich erhebliche Verletzungen zu. — Durch einen unglücklichen Sturz vom Fahrrad erlitt die etwa 40jährige Frau Luise des Landwirts Kraft von Krofdorf einen Bruch des rechten Fußgelenks. — Bei einem Sturz vom Gerüst zog fid) der 36jährige Maurerpolier Wilhelm Daum von B o r s d o r f einen Oberschenkelbruch zu. — Das dreijährige Söhnchen Gerhard des Maurers Roth aus Hohensolms, lief, als es mit anderen Kindern auf der Straße spielte, gegen ein Motorrad und erlitt dabei erhebliche Verletzungen an beiden Knien und an einem Ellenbogen. Sämtliche Verunglückte mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
„Tuba" ""Nach '^e eine ricmh in r Nug, sprach sichln nicht ge- L Er hat Mehren. d>e briti. btlid) ae« h'sses zu auf das ften soll. Nugkopi- L !°N Satzung
Jetzt kommt der Sommer. .
Von Anton Schnack.
Sommer — schon höre ich seine volle und dunkle Stimme hinter einer majestätisch aufsteigenden Wolkenwand rollen, die über den Hügeln sich zusammenballt. Stockwerkartig ist diese Wolke, die zusammen mit dem Hügelbau zu einem gewaltigen Gebirge verwächst. Das ist eine andere Wolke als das leichte, flatternde Frühlingsgewölk. In jener Jahreszeit waren die Wolken schneeweiße kleine Ballen, raschen Veränderungen preisgegeben und von frischem Wind über den blanken Schild des Frühlingshimmels gejagt. Nun aber mit dem Zu- nehmen der Hitze werden die Wolken fast dunkel, fahl und ungewiß. Von der feuergefüllten Küche des Sommers, aus den verdampfenden Wassern der Erde zusammengekocht und mit Schwüle geladen.
Oh wunderbare Zeit, irgendwo auf einer freien Hügelkuppe zu liegen, unter sich Wald, Felder und Wiesen, zu träumen und zu warten, bis aus einer im Westen aufsteigenden grauen Götterburg der erste Blitzstrahl zuckt. Lange danach grollt ein heißer und gebrochener Donner, die schwarze Baßstimme des Sommergottes.
*
Sommer will kommen — ein Blick in den Garten deutet die fürstliche und prunkende Jahreszeit an, plötzlich, über Nacht, brennen und leuchten sattere und vollere Farben auf den Blumenbeeten und an den Zäunen entlang. Die Rosenglut durchbricht das @rün — herrliche Edelsteine, in die goldene Krone des Sommerhaares gewebt. Rosenzeit ist Sommer, Rosenblüten sind Schmuck und Sinnbild seiner hitzigen Schönheit, er gebiert die Blüte, mit der
Wer jedoch mit seinem Gedankenzirkel nicht so nette Sogen auf dem Erdenrund schlagen will, dem ügen sich die reizvollen Orte der näheren und weiteren Umgebung in unzähligen Prospekten. Diese ».rospekte sind eine herrliche Einrichtung. Alle Kur- ^rroaltungcn und Verkehrsoerbände wetteifern im (Dien Semühen, nur die schönsten Landschaftsmotive n Bilde zu zeigen. Bei einer genügenden Anzahl Ivrospekte (und wer hätte noch keine geholt?) kann «an die großartigste Reise zu Hause im Wohn- tnmer veranstalten. Sie ist fabelhaft billig. Dank ?m Reisebüro. Indessen soll es auch Menschen pben, die sich nicht nur Reiserouten zusammenstellen nd Prospekte geben lassen, die vielmehr aud) Ernsl lachen und wirklid) Karten bestellen. Und wie man ■ort, ist die Hoffnung nicht unbegründet, daß die ; tal)I dieser Menschen allmählich größer wird. Zur l^reube des Reisebüros ... H. W. Sch.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast (Seltersweg): „Grenzfeuer". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Marguerite : 3".
BOM.-tlntergau 116 Gießen.
Dienstbefehl!
Für den Ring Gießen und für die BDM.-Werk- inheiten des Standortes Gießen wird für Mittwoch, 7. Juni, eine Wiederholung der Reichsfport- ’ettfämpfe für diejenigen angesetzt, die am Sonntag licht erscheinen konnten. Antreten um 20 Uhr au Lm Ludwigsplatz. Die Wettkämpfe sind auf dem . l500-Sportplatz. _____________________________
Ü Der. °en fünf "Ugzeu«-
Jn anderen Sommern war das Hämmern und Dengeln der Bauern zu hören, die ihre Sicheln und Sensen zu dem ersten Grasschnitt herrichteten. Auf den Flügeln der Abenddämmerung lag der feuchte und schwere Duft frischgemähten Grases, kam und verwehte und verstörte zugleich das Herz. Angemeldet hatte fid) der Sommer mit einem leichten: Todeshauch.
Du weißt es, daß aud) in diesem Jahr der Som. mer wieder einen prangenden Einzug hält... Und daß wir an der Gartenmauer lehnen und irgendeiner Melodie der Ferne lauschen, vielleicht dem Rauschen eines Wehres, vielleicht einem nächtlichen Eii'cnbahnzug, vielleicht einem schnell dahinziehenden lichterbesteckt'en Flugzeug oder dem tröstlichen Lied der Mädd)en, die die Sommernacht dem Kusse und den Umarmungen weihen wollen.
*
Sommer will kommen — bas bedeutet beglückende Wändermüdigkeit; das bedeutet Körbe voll wachs, gelber Kirschen; das bedeutet, daß ter Ruf des Kuckucks wunderbar in die Waldtäler hinunterschallt. Was werden wir noch tun, wenn der Sommer mit knisternden Sohlen durch die Mittagsstunden geht? Wir werden die Schatten aufsuchen, Schatten jeder Art, den runden Kranz eines großen Sonnenschirms, den frischen Baumschatten einer Allee, den breiten Schatten eines Häusergiebels.
Wenn die ersten Jungvögel mit weichgefaserten, gelben Schnäbeln auf den Aesten sitzen, wenn die Lindenwipfel zu großen Glocken summender Bienen und Insekten geworden sind, wenn du mit begehrlichen Augen den Fruchtansatz an den Säumen int Garten prüfst ober dich zu ben Heuwenbern gesellst, bie Seine braun und einen breitränbigen und versengten Strohhut auf dem Kopf, wenn dir das kalte Wasser aus dem laufenden Dorfbrunnen schmeckt, wenn du in Hemdsärmeln unter den Sauern im Wirtsgarten sitzt, wenn bie Nächte anfangen schwül zu werben unb ben satten Duft der Jasminsträucher ausatmen, wenn du dich auf das erste Klopfen Dort kühlenden Regentropfen freust, wenn du dein erglühtes Gesicht dem frischen Windzug auf den Hügeln hingibst, wenn du dich ins Gras zur Rast niederlegst, bann ist ber Sommer gekommen.
Aus der Stadt Gießen.
Das Misebüro.
Das Reisebüro hat unzweifelhaft etwas Anzic- endes. Vor allem jetzt, wo die Rcifepläne üppig ns Kraut schießen unb wo bie Phantasie wahre Rekordleistungen vollbringt. Was wäre da ohne Lcifebüro zu' machen? Wo würde es die I)übfd)en ebilbcrtcn Prospekte geben, wo die zuverlässigen Angaben über verzwickte Reiserouten? Wer könnte । "genau über die Uebernad)tungsfragcn unb Kur- ixen unterrichtet sein? Es wäre fraglos eine un- are Sache, und deshalb ist es ein Glück, daß es Reisebüros gibt.
Im Reisebüro erhält man von früh bis spät Aus- mft, unb was das Wichtigste ist, die Auskunft istet nichts. Du kannst zum Scispiel fragen, welche iluqperbinbung es nach Bagdad gibt, was ein )chiffsbillett nach Kapstadt kostet ober wie bie Fahr- Lit^fl der Brockenbahn sind. Auf alle diese Fragen ll'irst du eine zutreffende Antwort erhalten, ohne biß du verpflichtet wärst, den Geldbeutel zu zücken unb zur Kasse zu gehen. Mit gleid)bleibenbcr reundlichkeit wird dir vielmehr aud) noch mit- ’tcilt, daß die Glocknerstraße für jeden Kraftwagen affiirbar ist, daß es zweckmäßig erscheint, von Lettin nach Misdroy den Dampfer zu benutzen, jnb daß der Rennsteig in Thüringen eine Aus- s.'hnung von 168 Kilometer hat.
Es gibt Menschen, die diese Auskunftsfreudigkeit 75 Reisebüros (samt der Kostenlosigkeit) dazu be- utzen, die kühnsten Pläne zu ersinnen. Sie reisen her den Nordatlantik unb fliegen nach Japan hin- 6er. Ihren Rückweg wählen sic über Ostindien, eucrn durch den Suezkanal und tauchen in Genua fDcr Venedig wieder auf. Die Reise ist gang groß- [rtig, in Gedanken, versteht sich. Denn die Durch- ihrung stößt leider nod) auf einige finanzielle Schwierigkeiten. Aber das macht nicht, beim mit ’ilfc des Reisebüros erlebt män schon ben Genuß ?r Vorfreuben biefer Reise. Vor allem weiß man ?reits die Anfchlußzeitcn ber einzelnen Vcrkehrs- littel genau unb braucht sich aud) keine^Gebanken trüber zu machen, wo man etwa in San Fran- sko ober in Bangkok feig miibcs Haupt zum schlummer nieberlcgen soll. Denn dafür sorgt groß- igig das Reisebüro.
Kameraden war er deshalb der Höhepunkt des Tages, weil sie den Führer zum ersten Male sahen, weil sic ihm unmittelbar und aus nächster Nähe in die Augen sehen konnten.
Die Kameraden aus Stadt unb Kreis Gießen marschierten im Marschblock 24. Der Gauverdand Fulda-Werra stellte damit den ersten Gauverband dar, der an dem Führer vorbei marschierte, denn vorher marschierten Formationen der Partei. Alle innere Bereitschaft wurde aufgeboten, um mit äußerster Disziplin und bester Ausrichtung vorbeizukommen. Gaukriegerführer, Generalleutnant a. D. Fett mit feinem Stabe und den Kreisverbandsführern marschierte den Marschblöcken des Gaues voraus. Auch die Fahnenträger mit ihren Fahnen waren zu einem Block vereinigt, in dem der Kreisverband Gießen mit 40 Fahnen vertreten war. Der Ve-rband Gießen konnte während des Vorbei- marsches nicht zuletzt deshalb einen so ausgezeid)- neten Eindruck hinterlassen, weil als rechter Flügelmann der 2,04 Meter große Kamerad Erwin D ö - r j e aus Ruppertsburg marschierte, nach dem man sich gut ausrichten konnte. Mit großer Freude vernahmen nach dem Vorbeimarsch unsere Gießener Kameraden die Tatsache, daß von den sämtlichen Gauverbänden die Gaue Alpenland, Elbe und F n l d a - W e r r a den besten Eindruck machten.
9tad) dem Vorbeimarsch 'begaben sich die Gießener Kameraden wieder nad) ihrem Lager und erfrischten sich. Erfreulicherweise kehrten sie alle ins Lager zurück, ohne irgendeinen Ohnmachtsanfall ober irgendwelche sanitäre Hilfe verzeichnen zu müssen. Den Strapazen, die es in Anbetracht ber großen Hitze zu überwinden gab, zeigten sick; alle gewachsen. In froher Kameradschaftlichkeit vergingen die restlid)en Stunden des Sonntags.^ Eingehend wurde bann die Stadt besichtigt, bie fid) in einem gerabczu phantastisch schönen Festschmuck
in @recn' :en Stifter: über See- )r. PBpf besondere"
B. 65 tliriP« Dinge Z"
et m M item * is, de« N'
U Eine " mit S*
rf W * 47 mit en« > GesonE ie%i Ä S
l'ÄJ uh1^ §i"- ) ")re r>.
e.
in Wien ir ,König staatlichen ;en F e h'- >eares zu tarfteUunj hnenkunsl en5* Kö- begeifterte els, del htigte am zum Teil it werden lande dec lofenhU I über Mi ichten. fr i Si rM rchgeM
präsentierte.
________ avr„..... Der Montag war dann ganz für die Wunsche Führer.' Für viele der einzelnen Kameraden frei. Viele besudsten die


