Dienstag. 7. Mrz 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)
Nr. 56 Zweites Blatt
Sie Feier des Heldengedenktages in Gießen
Bühnenbilder
SPITZENLEISTUNG
OPEL
gleichzeitig als statt. Anfang
Gründgens als Spielleiter mußte sich, schon aus rein äußeren Gründen, auf den bei Fontane am ent- cheidenden Höhepunkt der Ereignisse sehr behutsam angedeuteten Kern des Handlungsablaufes beschränken, eben jenen „Schritt vom Wege", dem die blutjunge Frau Effi ihr Glück, ihre Jugend und ihr Leben zum Opfer bringen muß. Die starke Verkürzung war nicht zu umgehen; das eigentlich Romanhafte, der stetige Fluß innerer Entwicklung entzieht sich der filmischen Wiedergabe. Was die feinsinnig arbeitende Inszenierung vermochte, war vor allem dies: das Wort ins Bild aufzulösen und dabei dem Geist und Wesen des Originals möglichst nahezubleiben. Daß es sich hier (und wohl in allen derartigen Fällen) um Annäherungswerte handelt, ist einleuchtend. Aber Gründgens gibt eine ganze Reihe von sehr bildhaften, sehr plastisch empfundenen Szenen, in denen die Stimmung des Romans beschworen, der Geist jener Zeit eingefangen und wesentliche Stationen des Handlungsablaufes lebendig gemacht werden. Wir denken beispielsweise an die Eingangsszenen im Hohen-Cremmener Park, an das draußen, jenseits der Mauer, vorüberziehende Kürassier-Regiment, an die erste Begegnung Effis mit Jnstetten, an die glänzend erfaßte Konzert-Szene in Kessin, an die Küsten-Bilder und an das traurige letzte Zusammentreffen von Mutter und Kind, als es mit Effi schon spürbar dem Ende zugeht. Gründgens deutet auch, ohne Schärfe und Härte, die Hintergründe des Zusammenbruches an, die in der Zeit, in der Gesellschaftsform und den in Effis Lebenskreise herrschenden Anschauungen begründet sind.
Marianne Hoppe erscheint in der Titelrolle; sie ist sich der Schwierigkeiten dieser Aufgabe gewiß bewußt gewesen. Sie gibt rein äußerlich ein bezwingendes Bild, bemüht sich aber auch, in der durch den Film erzwungenen Verkürzung die innere Entwicklung nachzuzeichnen und faßbar zu machen, die hier durchlaufen wird. Sie hat zu Anfang das Heitere, Unbeschwerte und Impulsive eines noch kindlichen Geschöpfes, und wenn man sich des schwermütigen, fast melancholisch vergrübelten Ernstes und des halben, schwachen Lächelns im Gesicht der noch immer sehr jungen Frau gegen Ende erinnert, wird man sich der leisen Rührung kaum erwehren können.
Carl Ludwig Diehl gibt den Jnstetten ganz behutsam und kultiviert, weicher als er im Roman erscheint, indem er die Korrektheit seines Wesens und die „Prinzipienreiterei" seiner Anschauungen durch eine fast nachdenkliche Herzlichkeit mildert. Paul Hartmann umreißt die knappen Szenen des Herrn von Crampas mit sicherem Gefühl für dos Wesentliche dieser Erscheinung. Zwei liebevoll ausgeführte Cha-
Teil der Feier mit dem Gruß an den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht ausklingen.
Anschließend folgt vor der Volkshalle der Vorbeimarsch aller Truppenteile vor dem Standortältesten, und zwar wird die Truppe von der Endhaltestelle der Straßenbahn bei der Bleidorn- Kaserne in Richtung zur Stadt an der Volkshalle vorbeimarschieren. Mit dem Standortältesten werden die Kommandeure der verschiedenen Truppengattungen, Vertreter der alten Arme, der Kreisleiter, der Oberbürgermeister und der Landrat auf einem Podium vor der Volkshalle zur Abnahme des Vorbeimarsches Aufstellung nehmen. Dort werden auch die Ehrengäste, die 'Kriegsopfer und die Kriegerhinterbliebenen ihren Platz haben. Nach dem Vorbeimarsch der Truppe folgt der Vorbeimarsch der Gliederungen, der Verbände, und der sonstigen Abordnungen. Damit findet die militärische Feier ihren Abschluß.
Hierauf wird sich der Standortälteste, Generalleutnant v o n A p e l l, in Begleitung des Kommandeurs des J.-R. 116 etwa um 11.15 Uhr zum Ge fallenen-Den kmal der ehemaligen 116er auf dem Landgraf-Philipp-Platz begeben, um dort einen Kranz niederzulegen. Ab 12 Uhr findet für alle militärischen Dienststellen und Truppenteile des Standorts Gemeinschaftsempfang des feierlichen Staatsaktes in der Staatsoper in Berlin statt. Ferner wird bei allen Dienststellen und Truppenteilen des Standorts eine Sammlung für die Heldengedenkstätten im Ausland (zu Gunsten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge) stattfinden. Die Wehrmacht hat bekanntlich die Patenschaft über deutsche Heldengedenkstätten im Ausland übernommen, um dadurch' den Gedanken der Heldenehrung wachzuhalten und zu vertiefen. Es ist daher Ehrenpflicht jedes Wehrmachtsangehörigen, am Heldengedenktag durch die Tat diesem Gedanken Ausdruck zu geben.
Der Standortälteste der Wehrmacht in Gießen hat nunmehr durch Standortbefehl die Einzelheiten der Feier des H e l d e n g e d e n k t a g e s am 12. Märzdurchdie Truppen desStand- o r t s Gießen festgelegt. Aus den Anordnungen ist folgendes als wichtig für die Bevölkerung mit- zuteilen:
Die militärischen Dienstgebäude flaggen am 12. März von 7 bis 19 Uhr v o l l st o ck. Neben der Reichskriegsflagge ist die frühere schwarzweißrote Kriegsflagge mit dem Eisernen Kreuz vollstock zu etzen. Vor dem 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz werden vom Jnf.-Regt. 116 Ehrenwachen als Doppelposten von 8 bis 18 Uhr gestellt.
Die militärische Gedenkfeier findet auf dem vorderen Trieb zwischen der Volkshalle und der Bleidorn-Kaserne statt. Die Feier beginnt pünktlich um 10 Uhr. Alle Ehrengäste und die Abordnungen der Partei und der übrigen Verbände müssen bis 9.50 Uhr ihre Plätze eingenommen haben. Die Parade-Aufftellung der Infanterie, der Artillerie und der Fliegertruppe steht unter dem Kommando des Regimentskommandeurs Infanterie- Regiment 116, Oberst Herrlein. Um 10 Uhr wird .der Standortälteste, Generalleutnant von A p e l l, am rechten Flügel der Parade-Aufstellung bei der Fahnenkompanie eintreffen und dort die Meldung der Parade-Aufstellung entgegennehmen. Dann wird er in Begleitung des Kommodore des Kampfgeschwaders 155, Generalmajor S ü ß m ann, die Front der Parade-Aufstellung abschreiten, sodann die Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, die Ehrengäste, die Kriegsopfer und Kriegerhinterbliebenen sowie die übrigen Ehrenabordnungen begrüßen. Hierauf wird das Musikkorps des Infanterie-Regiments 116 das „Deutsche Volksgebet" von Dürcke spielen. Anschließend wird der Standortälteste, Generalleutnant v o n A p e l l, die Gedenkrede halten. Nach der Rede wird dieser
peller und die Einwirkung der Formgebung von Luftfahrzeugen auf den Luftwiderstand. Durch die Tragflügeltheorie Prandtls wurde die Grundlage für Entwurfsberechnungen von Flugzeugen geschaffen, der Einfluß der Spannweite auf die Flugsäbig-- keit ermittelt, ein rechnungsmäßiger Vergleich zwischen Ein- und Mehrdeckern sowie zwischen Schränkung und Staffelung von Tragdecks geschaffen.
Für die Durchführung seiner Arbeiten schuf Professor Prandtl schon 1908 in Göttingen eine kleine Modellversuchsanstalt, in der er Messungen an Luftschiffkörpern, an geivölbten Platten und an Luftschrauben vornahm. Der für diese Zwecke benutzte und im Laufe der Jahrzehnte zu einer hochwm'en- schaftlichen Forschungsanstalt entwickelte Göttinger Windkanal" ist in der ganzen Welt bei allen Flugwissenschaftlern bekannt und die Geburtsstätte der modernen Flugzeugtechnik geworden. Auch die Ent-. Wicklung des Segelflugzeuges ist ohne die Lei- stungen Prandtls nicht denkbar. Darüber hinaus verdankt ihm auch die Elastizitäts- und Festigkeits-- lehre wertvolle Arbeiten.
Prandtl beendigte seine Studien in München und wurde Assistent bei Geheimrat Föppl an der Technischen Hochschule München, dessen Lehrstuhl dm Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse verdankt. Mit einer Tochter Föppls lebt Prandtl seit neunundzwan-- zig Jahren in glücklicher Ehe. Bevor er 1904 nach Göttingen übersiedelte und dort den Lehrstuhl für angewandte Mechanik übernahm, arbeitete Prandtl kurze Zeit bei der MAN: er wurde schon mit sechsund- zwanzig Jahren Professor an der Technischen Hochschule Hannover. Das' 1908 von Prandtl geschaffene „Göttinger Windheim" entwickelte sich während des Krieges zur jetzigen Aerodynamischen Versuchsanstalt, einer Forschungsftätte des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts. Im Verlauf der Weiterentwicklung entstand daneben auch das Hydrodynamische Forschungsinstitut, wo im Verein mit anderen Forschungsanftalten über das Verhalten von Körpern in Flüssigkeiten geforscht wird. Für die Entwicklung der Binnen» und Seeschiffahrt hat dieses Institut erhöhte Bedeutung erhalten.
Durch Prandtls Wirken hat der Flugzeugbau Grenzen erreicht, die noch vor zwei Jahrzehnten für unerreichbar gehalten wurden. Jenseits dieser Grenzen liegt schon wieder ein neues Entwickelungsfeld frei, da Flugzeuggeschwindigkeiten verlangt werden, die der Schallgeschwindigkeit nahe kommen. Auch aus diesem Gebiete ist Prandtl Wegbereiter und Meister für die deutsche Luftfahrttechnik.
Joachim Boehmer,
liche Fortschritte zu verzeichnen gehabt. Vom „Hessischen F l u r n a m e n b u ch , dem bedeutsamen wissenschaftlichen Unternehmen, liegen nunmehr 14 Hefte im Druck vor. Von oberhessischen Flurnamenbearbeitungen sind in der Schritftreihe vertreten: Heft 1: Wilhelm Hotz, Die Flurnamen von S ch l i tz; Heft 2: Ludwig Fleck, Die Flurnamen von Kohden und Salzhausen: Heft 5: Otto Schulte, Die Flurnamen der Gemarkung Großen-Lin- d e n ; Heft 10: Burkhart Werner, Die alten Namen der Gemarkung Butzbach; Heft 12: Georg Wiesenthal, Die Namen der Gemarkung G l a u b e r g in Oberhessen. Als neueste Arbeiten sind jetzt erschienen: Heft 13: Kurt Jäger, Die Flurnamen der Gemarkung K l e e b e r g ; Heft 14: Heinrich Stech, Die Namen der Gemarkung Petterweil.
Wie Professor Dr. Götze mitteilen konnte, finden zur Zeit 15 weitere Flurnamensammlungen ihre wissenschaftliche Bearbeitung; davon erscheinen 10 als Gießener Dissertationen. An oberhessischen Gemarkungen werden Gießen, Büdingen und Nieder- und? Ober-Rosbach in der neuen Reihe vertreten sein.
Dieser kurze Ueberblick zeigt, daß die „Hessische Vereinigung für Volkskunde" in der Stille rüstig weitergearbeitet und wieder wertvolle Bausteine zilr Heimaterforschung geliefert hat. —d.
ProfefforÖr. Ludwig prandtl.
Seine Verdienste nm die deutsche Luftfahrtwissenschaft.
Dem Göttingen Professor Dr. Ludwig Prandtl ist soeben auf der Festsitzung der Deutschen Akademie für Luftfahrtforschung in Berlin in Anwesenheit des Diplomatischen Korps und der Spitzen von Wehrmacht, Staat und Partei die Hermann-Göring- Gedenkmünze verliehen worden. Die erstmalige Verleihung der höchsten Auszeichnung der deutschen Luftfahrtwissenschaft, an die besonders schwere Vorbedingungen geknüpft sind, ehrt Ludwig Prandtls „außerordentliche Verdienste um die wissenschaftlichen Grundlagen der Strömungsforschung", die „in allen luftfahrttreibenden Ländern der Erde neidlos anerkannt" werden.
Don der Universität Gießen.
Dem Dozenten in der Medizinischen Fakultät der Universität Gießen Dr. med. habil. Martin Behrens wurde für die Dauer feiner Tätigkeit als nichtbeamteter Lehrer an einer deutschen Hochschule die Dienstbezeichnung „nichtbeamteter außerordentlicher Professor" verliehen.
Dank der Wehrmacht.
N2G. Das Führerwort „Deutsches Volk hilf dir selbst" hat am 27. Februar, dem Tag des WHW- Wunschkonzertes der Wehrmacht im Wehrkreis IX, wieder eine glänzende Verwirklichung gefunden. Rund 36 000 Mark konnten an das Winterhilfswerk des deutschen Volkes abgeführt werden.
Mit diesem Betrag ist das Ergebnis des Vorjahres wieder weit übertroffen worden. Wehrmacht und Bevölkerung haben damit ein erneutes Zeugnis ihrer Opferfreudigkeit gegeben und gleichzeitig ihre enge Verbundenheit bekundet. Der Befehlshaber im Wehrkreis IX, General der Artillerie Doll- mann, erfüllt eine freudige Pflicht, wenn er allen Beteiligten, den Helfern und Spendern, den aller- herzlichsten Dank ausspricht.
Heute abend findet eine Wiederholung des Lustspiels „Minna von Barnhelm" von (9. (E.
statt. Spielleitung Hannes Razum. m Karl Löffler. Die Vorstellung findet 22. Vorstellung der Dienstag-Miete 20 Uhr, Ende nach 22.30 Uhr.
haus am Brand. — Deutscher Alpenverein, Zweig Gießen-Oberhessen: 20.15 Uhr in der Neuen Aula Vortrag Dr. Krasser (Gießen) „Schönheit dec Bergwelt".
Sladltheater Gießen.
vorlragsverlegung.
Der Goethe-Bund und Kaufmännische Äerein bitten uns, mitzuteilen: Der für den 9. März vorgesehene Lichtbildervortrag des Fliegerdichters Dr. Peter Supf muß wegen der umfangreichen Vor-
Heue Fortschritte der FluruameusorschiW
Don der Hessischen Vereinigung für Volkskunde.
bereitungcn zu der vom 19. bis 26. März aus Anlaß der 25-Jahr-Feier des Goethe-Bundes stattfindenden Gießener Goethe-Festwoche auf den kommenden Herbst verlegt werden. Es wird darauf hingewiesen, daß der Vortragsabend, an dem Dr. Supf diesen Vortrag zum ersten Male halten und der aus diesem Anlaß einen besonders festlichen Rahmen erhalten wird, im Vortragsprogramm 1939/40 zusätzlich get bracht werden wird.
BOM.-llntergau 116 Gießen.
Stelle für Leibeserziehung.
Betr. BDM.-Leistungsabzeichen. Heute abend beginnt um 20 Uhr in der Schillerschuls ein Kurz-Sanikurs. Er wird zweimal in der Woche gehalten und wird noch vor Ostern fertig.
TNädelring Gießen.
Am Dienstag, 7. März, treten alle Führerinnen um 20.15 Uhr an der Schillerschule zu einer wichtigen Besprechung an. Vertreterinnen sind nicht zu schicken.
Treudienst-Ehrenzeichen für Beamte.
Mit dem silbernen Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige Tätigkeit im Dienste des Landes bzw. der Landwirtschaft wurden folgende Beamte ansgezelch- net: der Landrat Dr. Hermann Braun in Friedberg (früher als Regierungsrat beim Kreisamt Gießen), der Leiter der Landwirtschaftlichen Schule in Gießen, Oberlandwirtschaftsrat Dr. Lung, der Lehrer an der gleichen Schule, Dr. Heßler (Gießen), der Verwaltungsobersekretär Karl P h i - l i p p IV. (Watzenborn-Steinberg) und die Zucht- verwalter Konrad Richtberg und Georg Bux» l e r vom jierzuchtamt Gießen.
Vier Eintöpfe
am letzten Eintopfsonntag.
Im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand hak die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe für den kommenden Eintopfsonntag wiederum vier Gerichte in den Gaststätten ausgewählt, von denen die ersten zwei.reichsemheitllch sind. An erster Stelle steht Reissuppe nut rstelsch- einiage. Das zweite Eintopfgericht bringt Hammelund Rindfleisch mit Kohlrüben. Fischgericht und Gemüseeintopf nach Wahl oder vegetarisch, dies sind wie immer die beiden Wahlgerichte. Der Gemuse- eintopf soll auch dieses Mal als lanbsmannichast- liches Gericht unter Verwendung der in den einzelnen Gauen besonders reichlichen und durch bie Landesbauernschaften bekanntgegebenen Erzeugnisse zubereitet werden. v
Fortsetzung der Fettverbiiliaung.
DNB. Auf Grund gemeinsamer Anordnung des Reichsarbeitsministers und des Reichsernährungsministers werden die von der Reichsregierung zur
„Oer Schritt vom Wege."
Gloria-Palast.
Die zeitlichen Abstände sind überraschend gering: 1894 ist „Effi Briest", das Meisterwerk des 75jährigen Fontane unb einer der besten deutschen Romane überhaupt, vollendet worden. Nur ein Jahr später erschien der spät berühmt gewordene Erfinder Max Skladanowsky mit seinem „Bioscop" im Berliner Wintergarten und führte dem staunenden Publikum den ersten Film vor. Diese ersten Filme, ganze zwanzig Meter lang vielleicht und total verregnet, waren schauerlich, wie man weiß, aber sie waren doch die Keimzelle, hier lag der Ausgangspunkt einer großartigen und manchmal etwas verwirrenden Entwicklung. Wenn man sich das klar macht und bedenkt, daß der alte Fontane die allerersten Anfänge des Films noch erlebt hat (obwohl man nicht nachweisen kann, daß er selber einen gesehen hat)... wenn man ferner weiß, wie temperamentvoll und aufgeschlossen er die Welt um sich herum betrachtete und an allem Neuen, an jedem Fortschritt seiner Zeit teilnahm, dann ist der Gedanke an eine Verfilmung der Briest" nicht mehr so ungeheuerlich, tote er im erpn Moment anmutet. Die Erinnerung an lene wahrhaft kümmerlichen ersten Anfänge mit dem „Bioscop und die stürmische Entwicklung vom Kintopp ber, Vorkriegszeit zum Film-Kunstwerk unserer Tage ist auch deswegen nützlich, weil sie mit Notwendigkeit zu der Ueberlegung führt, daß die technische Vollkommenheit der Kamera heute kaum noch zu steigern ist, daß ihr indessen vielfach der ebenbürtige Anlaß fehlt: damit sind wir beim eigentlichen Problem unserer künstlerischen Produktion angelangt, nämlich dem Mangel an wirklich filmischen Stoffen und selbständig für den Film geschriebenen Drehbüchern. Das Problem ist an dieser Stelle des öfteren erörtert worden; es taucht immer wieder auf, und es ergibt sich die Frage, ob man an eine Verfilmung der „Effi Briest' gedacht haben würde, wenn Stoffe und Drehbücher der angedeuteten Art ausreichend zur Verfügung stunden. Wir wollen auf das Problem nur eben Hinweisen und ihm nicht in Einzelheiten nachgehen; wichtig scheint uns die Feststellung, daß es sich hier um grundsätzliche Fragen der Verwandlung eines Stosses handelt, um die Transponierung in eine entscheidend neue künstlerische Form. Daß Fontanes Werk m der seinen vollkommen war, braucht nicht bargelegt zu werden. Daß der Film hier vor einer außerordentlichen. Aufgabe stand, die eminentes Taktgefühl und Einfuhlungs- verntögen erforderte, ist ohne weiteres emzusehen.
Das Buch schrieben, mit unbestreitbarem Geschick, Georg C. Klaren und Eckart von Naso. Gustaf
Aus der Stadl Gießen.
Erster Spaziergang.
Das ist in jedem Frühjahr so: kaum schwellen die ersten Knospen, kaum haben sich die Schneeglöckchen im Vorgarten gezeigt, so lockt es irgendwie hinaus. Vielleicht liegt es uns allen im Blut, daß wir diesem Gebot folgen müssen, vielleicht ist es auch nur die Wirkung, die auf das lange winterliche Eingespanntsein folgen muß. Jedenfalls streben wir aus den Häusern in die Weite der freien Landschaft^
Dieser erste Spaziergang vor die Tore der Stadt unterscheidet sich wesentlich von jenen Spaziergängen, die vornehmlich unternommen werden, damit die Lunge mal wieder frische Luft schöpft. Gewiß, die Lust hat es uns auch angetan, aber da sind doch noch andere Dinge, die einen unbeschreiblichen Reiz aus- üben. Man könnte sagen, es sei vor allem der Gang ins Grüne, der solchermaßen lockt, aber zeigt sich denn eigentlich schon etwas Grünes? Abgesehen von den immergrünen Gewächsen wohl kaum, indessen ist es gerade die Entdeckerlust, die die Neigung zum Spaziergang wachruft und die überall etwas sucht, ganz gleich, ob es in der Anlage, am Waldrand oder auch am Wiesenbach ist.
Um was es bei dieser Suche geht, steht außer Frage: wir suchen den Frühling. Der erste Spaziergang des Jahres erweist sich als eine hingebungsvolle Huldigung an den Lenz, der zwar noch nicht da ift, bem aber mit Begeisterung auf gelauert wird, als gelte es, die schönsten Schätze zu erobern, die es auf dem Erdenrund gibt. Und sind es in Wahrheit nicht auch Schätze, die sich entdecken lassen, wenngleich fie sich nicht in klingende Münze verwandeln? Welche Freude verursacht schon ein winziges Gänseblümchen, wenn es plötzlich am Wegrand aufgestöbert wird? Oder ganz und gar ein Veilchen, das tatsächlich im Verborgenen blüht? Auf Schritt und Tritt zeigen sich die Merkmale des beginnenden Frühlings, wenn man nur Ausschau nach ihnen hält. Der Anblick eines blühenden Haselstrauchs vermag ebenso zu entzücken wie die Silberpfötchen der Salweide, deren Buschwerk im feuchten Grund gedeiht. Unb wenn dann noch der Finkenschlag oder der Ruf der Lerche et» tönt — ist das nicht Belohnung genug für die Ent- deckermühen des ersten Spaziergangs?
Die Stadt hat ihren eigenen Lebensstil, das ist gewiß. Er unterscheidet sich ganz zweifellos von dem Lebensstil der Landbevölkerung. Aber gerade jetzt, wenn die ersten hoffnungsvollen Zeichen der erwachenden Natur sichtbar werden, läßt sich auch erkennen, daß uns Stadtbewohner ein gemeinsames Natur- gesühl mit den Werkleuten von der Scholle verbindet. Der Bauer geht am Sonntag auf seinen Acker, um Umschau zu halten, wir tun ein gleiches, nur daß wir auf unsere Weise durch Wald und Feld streifen. Und ob Stadt- ober Lanbbewohner: alle beseligt uns die frohe Gewißheit, daß mit dem Frühling auch wieder schönere Tage kommen werden. H. W. Sch.
Unter dem Vorsitz von Universitätsprofessor Dr. Götze, der stellvertretend seit längerer Zeit die Hessische Vereinigung für Volkskunde leitet, fand in der Universitätsbibliothek zu Gießen eine Vorstandsbesprechung statt. Wichtige Fragen der Organisation, die für die zukünftige Arbeit von größter Bedeutung sind, wurden eingehend erörtert. Die Mitglieder sollen darüber in einer Versammlung Ende April in Gießen unterrichtet werben. Professor Dr. Bernhard Martin (Marburg) wird bei dieser Gelegenheit einen Vortrag halten über „Das Laut- denkmal der deutschen Mundarten", das als herrliches Zeugnis deutscher Art und deutschen Volkstums einzig dafteht; bekanntlich ist dgs „Lautdenkmal" vom Reichsbund Deutscher Beamten dem Führer in Treue und Dankbarkeit als Geschenk überreicht worden.
Dem Bericht, den Professor Dr. Götze über die Tätigkeit der Vereinigung erstattete, ist zu entnehmen, daß die Mitglieder 1937 als Iahresgabe den 36. Band der „Hessischen Blätter für Volkskunde" erhalten haben, der von Professor Dr. Hepding (Gießen), dem langjährigen verdienten Herausgeber, wieder inhaltvolle Gestaltung gefunden hat. Im Jahre 1938 wurden die Mitglieder mit der wertvollen Buchgabe „Volkskundliche Ernte" erfreut, einer Sammlung ausgezeichneter volkskundlicher Beiträge, zumeist aus dem hessischen Raum, die Professor Dr. Hepding zu seinem 60. Geburtstage von seinen Freunden bargereicht worden ist. Band 37 der Hessischen Blätter kommt im Herbst 1939 heraus.
Dank der unermüdlichen Förderung durch Professor Dr. Götze und durch die „Vereinigung" hat bie hessische Flurnamenforsch u n g weitere beacht-
Dornotizen.
Tageskalenber für Dienstag.
Stabtthectter: 20 bis 22.30 Uhr „Minna von Barnhelm". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Schritt vom Wege". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Aufruhr in Damaskus". — Oberheffifcher Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turm- rafterftubicn zeigen Max Gülstorff als Gieshübler unb Paul Bildt als der Herr von Briest, ber in ber Maske sogar ein wenig von Fontanes Zügen bewahrt. Ausgezeichnet spielt die hochbegabte Elisabeth Flicken- schilbt bie Sängerin Tripelli, fein unb still Hans Leibelt den Ministerialrat von Wüllersborf.
Der Film wirb die schönste unb nachhaltigste Wirkung habqn, wenn es ihm, wie lüir hoffen wollen, gelingt, ben Kreis zu schließen unb ben Beschauer vom Bild wieder zum Urbilde zurückzuführen, zu Fontanes Roman, zu einem ber vollkommensten Kunstwerke bes letzten Jahrhunberts. — (Terra.)
Im Vorprogramm sieht man bie neue Wochenschau und einen Kulturfilm vom Krabbenfang im Wattenmeer. Hans Thyriot.
Professor Dr. Ludwig Prandtl wurde am 4 Februar 1875 geboren und hat durch seine wissenfchaft- lichen Arbeiten auf dem Gebiet ber Strömungslehre unb benachbarter Gebiete als Gelehrter Weltruf erlangt. Durch Prandtls Arbeiten hat die Deutsche Luftfahrtwissenschaft die Voraussetzungen für die Rekordleistungen deutscher Flugzeuge und Luftschiffe erhalten. Die ureigensten Schöpfungen Prandtls gipfeln in den flugwissenschaftlichen Schlagwörtern: Grenzschichttheorie unb Tragflügeltheorie. Durch diese Arbeiten gab er einen Einblick tn ben Ablauf der Luftströmungen an ben Tragflächen von Flugzeugen, bie Führung der Luftmassen durch Pro-1


