Nr. 286 Erstes Blaff
189. Jahrgang
Mittwoch. 6. Dezember 1939
Pnnfc und Verlag: vrühlsche UniversitStsdruckerel «.Lange ht Sieben. Schristlettung «nd Seschäftrftell«: Schulftratze 7
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Besuch^bei den Spähern unserer Jagdflieger.
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Geld aus einem als Kolonie behandelten Indien erpressen könne. Aber die englische Politik könne das moralische Gewicht nur von einem freiheitsbewußten Indien erlangen.
In der „Times" wird behauptet, die Inder selbst seien sich noch gar nicht darüber einig, unter welcher Verfassung sie eigentlich leben wollten. Außerdem hätten die Führer der Kongreßpartei noch nicht offen erklärt, daß sie eine Verfassung wie die übrigen Dominien wünschten. Die höchste Politik dieser Partei ginge dahin, die völlige Unabhängigkeit für Indien zu erringen. Sie fordere, daß das indische Volk in einer Nationalversammlung seine Verfassung selbst bestimme. Eine solche Versamm- ülng werde nur die Uneinigkeit Indiens enthüllen. Die „Times" verlangt, die Führer der Kongreßpartei möchten sich doch damit einverstanden erklären, daß die Außenpolitik, die Landesverteidigung und noch einige wichtige Funktionen weiterhin allein den Engländern Vorbehalten blieben. Vielleicht ließe sich dann — unter Um-
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PK. Wenige Kilometer vor uns die Front. Dicker Nebel lag am Morgen noch über dem schluchtenreichen Land, kroch die Hänge hinaus, hüllte Freund und Feind ein. Nun ist es Nachmittag. Zaghaft ist die Sonne dürchgekommen, der Nebel ist gewichen. Deutlich heben sich die einzelnen Höhen ab, Dörfer und Weiler diesseits und jenseits der Grenze sind aufgewacht. Krieg! — Hart hämmert sich dieses Wort immer wieder in unsere Erinnerung, schlagartig bestätigt es der Franzmann, als er durch einige feiner 7,5-cm-Geschütze den üblichen „Nachmittagssegen" zu uns hinüberschicken läßt. Dumpf ist der Abschuß zu hören, hell folgt der Einschlag. In der Luft dröhnen Flugzeugmotoren. Vier deutsche Jäger fliegen fronteinwärts. Suchen den Feind über deutschem Gebiet. Verschwommen schimmern die metallenen Leiber im fahlen Schein der November- fanne. Krieg! — Jede Granate heult dieses Wort, jedes MG. hämmert es in die Landschaft, jeder Flugmotor schreit es in den Aether. —
Nur wenige Häuser besitzt dieses deutsche Dorf, das hoch droben auf einer Bergkuppe liegt. Wir suchen den Offizierspähtrupp. Auf der höchsten Stelle steht das Haus. Gute Sicht nach allen Seiten. Liebenswürdig empfängt uns Hauptmann R., der Führer dieses Spähtrupps, ein b e f a n n t e r 3 a g b f I i e = gerdes Weltkrieges. Funk- und Fernsprechgeräte füllen den Raum. An den Wänden hängen Wandtafeln mit den bekanntesten ausländischen Flug- zeugtypen. Hier ist eine wichtige Spähzentrale. Hauvtrnann R. erzählt:
„Neben den einzelnen F l u g w a ch e n , die im westlichen Kampfgebiet ihren Dienst tun, sind noch verschiedene Spähposten ausgestellt, die dauernd den Luftraum beobachten, auf jedes Motorengeräusch achten. Flugwachen und Spähposten melden mir nun durch den Draht ihre Beobachtungen.
„Drei Moräne von I nach Y in 2500 Meter Hohe gesichtet!" Kaum habe ich eine solche Meldung von einem Posten erhalten, muß ich sofort entscheiden, welchen taktischen Einsatz ich anfordern muß, was vom nächsten Feldflughafen eines Jagd-
London, 5. Dez. (Europapreß.) Der Vorkämpfer für die Freiheit Indiens, Mahatma Gandhi, hat der Zeitung „News Chronicle" eine neue Botschaft übersandt. Darin bezieht sich Gandhi auf die kürzliche Erklärung Chamberlains, daß Imperialismus, sofern darunter die Unterdrückung der politischen und wirtschaftlichen Freiheit zu verstehen sei, nicht zu den Eigenschaften der britischen Politik gehöre. Darauf antwortet Gandhi, das klinge zwar angenehm, stimme aber mit d e n Tatsachen nicht überein. Man müsse fragen, ob die britische Vorherrschaft über die indischen Fürsten vereinbar sei mit den einfachsten Grundsätzen der Demokratie. Er könne auch nicht einsehen, warum die britische Politik hinsichtlich Indiens abhängig sein solle von der Meinung der Mohammedaner, Hindus ober anderer. Die einzige Meinung, die zähle, sei Indiens Meinung, nicht einmal die Meinung des Kongresses. Indiens Meinung könne aber nur d u r ch eine freie Volksabstimmung festgestellt werden. Dies sei die einzig wahre und demokratische Methode, den Willen des Volkes festzustellen. Eine Klärung der britischen Politik hinsichtlich Indiens sei eine rein moralische Frage. Denn das freiheitsliebende Indien habe weder den Willen noch die Fähigkeit, zu einer bewaffneten Revolte Zuflucht zu nehmen. Nichtsdestoweniger habe Indien das Recht, Großbritanniens Absichten zu kennen. Er wisse wohl, daß England Menschen und
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ständen später einmal — über die Einführung einer Dominium-Verfassung reden. — Das sagt genug. Nachdem schon der Vizekönig von Indien, Lord Linlithgow, die Forderungen der Kongreßpartei brüsk abgelehnt hat, gibt nun auch die englische Regierung durch die offiziöse „Times" ganz klar ihren Willen zu erkennen, das indische Volk weiter zu knechten und für die Geldsäcke jüdisch-plutokratischen Sippschaft auszubeuten.
notroenttigen Maschinen herbei. Währenddessen werden die feindlichen Maschinen 'von unseren Wachen und Spähposten dauernd beobachtet. Unsere Jäger kommen. Sind da! Kopfhörer auf! Mit der Führermaschine nehme ich sofort Funksprechverkehr auf. „Hallo, — Hallo, — Seeadler, hier pffizier- spähtrupp X, die vier Moräne sind augenblicklich im Luftraum über P, Flugrichtung nach Z, Höhe 3000 Meter." Angriff! Ich erlebe ihn am Kopfhörer. Höre mit, wie der Führer seine Befehle an die einzelnen Maschinen weitergibt, wie Rabe 4 sein Angriffsziel zugewiesen bekommt. Freue mich als alter Jagdflieger, wie die jungen Kameraden in ihren „Kisten" ihre Feuertaufe bestehen. Aber nicht immer brauche ich den Einflug feindlicher Flugzeuge zum Flugplatz zu melden. Sehr oft sind die Jäger bereits in der Luft, so daß ich nur hinauf zu funken brauche, daß sich da und da feindliche Flieger befinden, — greifen Sie an!
„Achtung, — Greif! — über den Wolken im Luftraum über X Motorengeräusch, wahrscheinlich Feind! Luftkampf." Während mir die Kopfhörer ein ungefähres Bild der Kampfhandlungen geben, bringen mir die Meldungen der Spähposten aufschlußreiche Ergänzungen, lieber mir in etwa 3000 Meter Höhe zwei Potez 63. Sind aus den Wolken herausgestoßen. Vier Me 109 kommen. Stürzen sich auf den Gegner. MG.-Feuerstöße. Die Potez stürzt! — Fängt sich wietzxr — stürzt weiter, schlägt südwestlich der Straße vom Dorf X nach P krachend auf und verbrennt. Die Jäger kreisen über der Stelle. Die andere feindliche Maschine ist verschwunden.
Sofort melde ich über die Strippe der betreffenden Jagdgruppe den jüngsten Sieg, melde, daß der eingesetzte Schwarm erfolgreich zuruckkehren wird. Für mich aber als alten Kriegsflieger ist es dann die größte Freude, dem jungen Kameraden in der Luft geholfen zu haben, fein unermüdlicher Späher zu sein!" Friedrich Mittler.
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’ trauen des Soldaten in die Heimat und die Sichs- i rung des Kriegserfolges in der Heimat betreffen.
Wir haben in der letzten Zeit auch auf anderem i Gebiete als auf dem des Raubes ober des Diebstahls oder der Ausnutzung der Verdunkelung sehr klare Urteile erlebt. So wurde eine Schleich- ’ Händlerin zu zehn Jahren Zuchthaus und fünf ■ Jahren Ehrverlust verurteilt. Von der Todesstrafe wurde nur abgesehen, weil die Schleichhändlerin bisher unbestraft war. Auf dem Gebiete der Ordnungsstrafen haben wir erst dieser Tage Bestrafungen wegen erheblicher Preissteigerungen bei frischen Fischen, bei Räucheraalen und Kieler Sprotten erleben können. Im groben Durchschnitt ist mit jeweils 20 000 RM. — erstmalig — dazwischen gefunkt und ein merkliches Rufzeichen gesetzt worden.
Das Stichwort für die Begründung der scharfen gesetzlichen und richterlichen Maßnahmen ist kurz, bündig und gemeinverständlich Dieses Stichwort heißt „Kriegsartikel", gleichgültig ob nun die entsprechenden Gesetze unter diesem Namen ober etwa als Verorbnung gegen Volksschäblinge erschienen sind. Was die Kriegsartikel sind, weiß das ganze Volk aus einer Jahrhunderte alten Ueberlieferung, und mit dieser Bezeichnung verbindet es mindestens ein sehr deutliches Gefühl, wenn auch vielleicht nicht immer eine ganz präzise Anschauung
Und nun noch ein Gegenstück! Soeben ist eine neue Verordnung erschienen. In ihr heißt es: „Ist der Vermerk über eine Verurteilung im Straf« regifter getilgt worden, so darf der Verurteilte jede Auskunft über die Tat und über die Strafe verweigern. Er darf sich, soweit nicht eine andere noch nicht getilgte Verurteilung entgegen« steht, als, unbestraft bezeichnen". Damit ist von Menschen, deren Tat je nach der Schwere zehn ober gar zwanzig Jahre zurückliegt und bie sich gut geführt haben, der Zwang genommen, sich vielleicht in einer eidesstattlichen Erklärung als bestraft zu bezeichnen, auch wenn ihre Strafe im Strafregister schon getilgt ist. Der Bestrafte kann sich als unbestraft bezeichnen, sofern nicht bas Gericht ober der Staatsanwalt eine Ausnahme für besondere Fälle anordnet. Hier stehen sich gerechtfertigte Milde und Strenge gegenüber — und beide in der Kriegszeit? D»rWehrm^chtsbenck>i »cm Dienstag.
Berlin, 5. Dez. (DHB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der Westfront, abgesehen von etwas lebhafterem feindlichem Artilleriestörungsfeuer, im Grenzgebiet ostwärts der Mosel nur örtliche, geringe Gefechkstätigkeit.
Oer heutige De^rmochtsbericht.
Berlin. 6. Dez. (DftB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
keine besonder en Ereignisse.
Staatschef franco empfängt eine Abordnung der NSDAp.
Madrid, 5, Dez. (DNB.) Am Montggvormik- tag wurde in Madrid die Abordnung der NSDAP., die im Auftrage des Führers anläßlich der Beisetzungsfeierlichkeit für den Gründer der Falange Jof6 Antonio Primo de Rivera im Escorial einen Kranz niederlegte, vom Staatschef Franco im Königlichen Palais im Beifein des deutschen Botschafters von Stohrer empfangen. Eine Ehrenkompanie der Infanterie sowie die Stabswache des Generalissimus erwiesen Ehrens
Gandhi fordert die Volksabstimmung in Indien.
Eine Antwort Gandhis an Ehamberlain.
verbandes geschehen soll. Wenige Sekunden _ scheidung und schon rufe ich durch den Draht die
Regierungskrisis in Schweden preffestimmen treten für klare Realpolitik ein.
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verlautet, daß noch nicht genau gesagt werden farm, wer als Vertreter der schwedischen Regierung nach Oslo reisen wird.
Außenminister Koht erklärte dem Norsk-Tele- gramburo, der finnische Appell an die Genfer Liga sei der Hauptgrund zu dieser Zusammenkunft. Alle nordischen Regierungen verfolg- Z?oßer Besorgnis den Krieg, in den das finnische Volk gestürzt worden sei. Um ihrer selbst wie um Finnlands willen sei es nötig, baß ber Triebe sobald wie möglich wieder hergestellt werde. Infolgedessen müßten die anderen nordischen Länder nach Mitteln suchen, um den Krieg durch friedliche Verhandlungen zu ersetzen.
Oie Sowjetunion geht nicht nach Genf.
211 o s f a u, 5. Dez. (DNB.) Amtlich wird soeben die Antwort des Auhenkommissars Molotow auf die Mitteilung des Generalsekretärs des Bölker- bundsrates über die Einberufung des Völkerbundsrates verbreitet. Aus dieser Verlautbarung geht hervor, daß die Sowjetregierung die Berechtigung zur Einberufung des Rates und der Vollversammlung des Völkerbundes bestreitet und, falls diese doch
Unter den Kriegsartikeln.
Xton unterer Berliner Schrift!eitung.
In den Tropen ist die Erscheinung bekannt, daß ein Mensch in plötzlichen Irrsinn verfällt und er in einer buchstäblichen Tollwut jeden niedersticht oder niederschlägt, der ihm in den Weg tritt. Der Fachausdruck für dieses Irresein heißt „Amoklaufen" und kommt von dem malaiischen Ausdruck „amuk", was so viel wie Tollwut bedeutet. Wir erleben in unseren Tagen auch in unserem 80-Mil- lionen-Volk Fälle von einer Hemmungslosigkeit, die nicht mehr mit normalen Maßstäben gemessen werben kann. Da taucht ein Fahnenflüchtling auf; der in einem schon zurückliegenben Verfahren eben deshalb für wehr-unwürdig erklärt wurde. Er gibt sich für einen Stabsfeldwebel aus, besucht die Mutter eines Flieger-Oberleutnants, entlockt ihr die Paradeuniform ihres Sohnes und steckt auch noch 20 Mark ein, bie ihm die vertrauensselige alte Dame übergibt ... natürlich nicht für ihn selbst, sondern für ihren Sohn, der vor dem Feinde steht. Der Soldat steht unter einem sehr scharfen Gesetz; soll der betrügerische Zivilist, der doch Fahnenflüchtling ist, nach einem milderen Gesetz beurteilt werden? Das ist unmöglich.
Wir sind stolz darauf, daß unsere Strafrichter viel persönlicher, mit viel größerem seelischen Einfühlungsvermögen, unter viel genauerer Berücksichtigung aller Begleitumstände urteilen, als etwa französische oder englische Richter. Man lasse sich von gelegentlichen Berichten über sogenannte „Leidenschafts-Prozesse" vor französischen Schwurgerichten nicht täuschen! Im allgemeinen ist die französische (und auch englische) Praxis des Strafrechts ungemein scharf und Zuchthaus ober auch Deportationsstrafen (in Frankreich) werben nur fo hingeknallt, daß es eine Art hat. Um es volkstümlich zu sagen: der deutsche Soldat steht unter den „Kriegsartikeln" und es ist nicht einzusehen, warum der Verbrecher in der Heimat nicht unter dem Kriegsartikel stehen soll. Die Verordnung gegen die Volksschädlinge hält dabei weises Maß: sie überträgt bie scharfe Strafrechtspraxis nicht auf den Gesanft- umfang aller möglichen Vergehen ober Verbrechen, fonbern nur auf die Strafrechtsfälle, die das 23er«
jufammentrelen sollte, daran nicht lellneh- men werde.
Washingtonhaltdiedeziehnngen zu Moskau aufrecht.
Washington, 5. Dezember. (DNB.) Ganz eindeutig wurde feftgefteilt, daß die USA.^egierung trotz starkem Druck von vielen Gruppen nicht beabsichtigt, bie diplomatischen Beziehungen zu Moskau abzubrechen. Man würde dadurch die republikanische Opposition in Amerika vermehren, man würde den Bezug des für Amerikas Stahlerzeugung so wichtigen Manganerzen gefährden, man würde sich des letzten Beobachtungspostens in Rußland berauben und schließlich — und das war einer der Hauptgründe — möchte Roosevelt in der Lage sein, als Vermittler und Friedens- st i f t e r aufzutreten, und das kann er nur, wenn er mit allen kriegführenden Regierungen die Beziehungen aufrecht erhält.
lieber den Stand der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und den Bereinigten Staaten befragt, erklärte Roosevelt, daß diese unverändert seien, wenn er auch die Zukunft nicht voraussagen könne. Er glaube, daß er eine durchaus richtige Politik verfolge, wenn er die Beziehungen zu Rußland nicht abbreche, zumal noch nicht jede Hoffnung auf eine friedliche Erledigung des Streits verloren sei.
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X GJtf * 01 O 5-.Sed- (Europapreß.) Schweden durchlebt zur Zeit eine ernste Regierungskrise, und es gibt außer dem Regierungsorgan „Socialdemokraten" wohl kaum ein Blatt, das die derzeitige Regierung Hanfson-Sandler voll und ganz unterstützt. „Soenska Dagblabet" sagt entschuldigenb, daß Schwedens Politik im Ausland und im Inland nicht verstanden sei. — „Stockholms Tibningen" sagt, die derzeitige schwedische Regierung scheine zu glauben, daß man die frühere Politik des „sich-vor- w ä r t s - s ch l e p p e n" auch weiterhin anwenden könne. Dies sei nicht möglich. Das Blatt beklagt daß die schwedische Regierung die kostbare Zeit habe verstreichen lassen und soviel versäumt habe. Las die Nation jetzt verlange, sei eine Regierung, bie bas Vertrauen aller habe, die leistungsfähig sei auf allen Gebieten und die bas Vermögen besitze, die Politik und die Zukunft des Landes tuf längere Sicht zu sehen.
„Aftonbladet" spricht sich erneut dafür aus, daß Schweben unter Einsatz seiner gesamten diplomctti- Dlchen Stärke für die Eröffnung von V er Hand- ungsmöglichkeiten zwischen Finn- land und Rußland tätig sein solle. Die Entwicklung in der Ostsee sei ihren logischen Gang gelangen und habe Schweden in eine äußerst kom- Mzierte Lage versetzt. „Unser Verhältnis u Deutschland", so erklärt die Zeitung, muß sofort saniert und geregelt werden. Das ist ine Lebensbedingung für unser politisches )asein. Erst wenn wir das erreicht haben, können Dir aufatmen. Die Krise muß gelöst werden mit inem heilsamen Radikalismus, so daß unsere Neutralität mit reinem G e Wi ssen da- refyen kann. Nur auf diese Weise können wir eine Nöglichkeit wiedergewinnen, uns in der Ostseepolitik ■ur Geltung zu bringen. Und auf diese Weise könnte <ud) unsere Aufgabe in Moskau gerade jtzt mit Aussicht auf Erfolg erfüllt werden.
Auch der militärische Mitarbeiter des Blattes stricht sich dafür aus, daß Schweden realistisch handle. „Mehr als je", so schreibt «er, „sind wir gelingen, einzusehen, daß eine kleine Nation eine xeschmeibige Politik führen muß. Die Poli- lit, die mir geführt haben, war eine Politik der Crofemäuligfeit und abenteuerlichen Pressefreiheit, üiemanb, der auch nur den geringsten Sinn für le Machtoerhältnisse und für die militärischen ; Machtmittel hat, kann sich etwas anderes sagen, o!s baß das alles überschattende gefühlsmäßige Den- Im uns auf gefährliche Wege geführt hat. Kenn dieses alles überschattende Gefühl weiter b)minieren, wenn alles, was Realismus fei, unter« brütft wirb, so wird die Lage für Skandinavien äu B e r ft ernst werden.
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In politischen Kreisen Schwedens wird vermutet, d:ß sich die Notwenbigkeit einer Regierungsbildung auf breitester Basis durchsetzen, d ß aber dieser neuen Regierung der bisherige Außen- Anister, der Sozialdemokrat S a n d l e r, n i ch t a n- grhören wird. Sandler ist Repräsentant einer durchaus englandfreundlichen Richtung- und entfernt sih damit wesentlich von dem Vorbild des Grüners der schwedischen Sozialdemokratie Bran- In g, der im Weltkriege, mindestens nach außen
i, eine leidliche Neutralität wahrte. Sandler hat on in ber Danziger >Frage durch seine englisch- lnische Wahlverwandtschaft einiges Aufsehen erst, er war es auch, ber die finnische Regierung tpi Frühsommer mit Hilfe seiner sozialdemokra- •Men Freunbe veranlaßte, mit Deutschland keinen Nichtangriffspakt zu schließen. Auch noch in der litten Zeit haben die schwedischen Sozialdemokraten gegen eine Verständigung Finnlands mit Sowjet- tIrland intrigiert.
Dänemark unterstreicht seine Neutralität
Kopenhagen, 5. Dez. (Europapreß.) Zum •rUnmal seit Beginn des finnisch-russischen Konflikts ta sich die dänische Regierung zu den jüngsten Er- •igniffen im skandinavischen Raum geäußert. Mini- serpräsideut S t a u n i n g hielt im Folketing eine bnze Rebe, in der einleitend den großen Eindruck w:ersttich, den die .Ereignisse in Dänemark aus« .tröst hätten und dann sagte, das ZusanWttenge- !öügkeitsgefühl wird unverändert von den traurigen tti-igniffen weiter bestehen. Ich muß hinzufügen, in Dänemark volle Einigkeit darüber herrscht, unser Land während der Kriege, welche die )$gen unglücklichen Verhältnisse Europas mit sich •äugen, fortgesetzt an seiner Neutrali- J5: s p o H t i f festhalten muß, zu der alle Um- ftir be veranlassen. Daher ist es eine Selbstverständ- tiffeit, daß die in der königlichen Anordnung vom 31. Mai 1938 festgelegten Neutralitätsb eftimmun gen M bei den kriegerischen Ereignissen in Anwen- «lrg gebracht werden, die die Folge des zuletzt aus- 8E)7ochenen Konflikts sind.
Tagung der skandinavischen Außenminister in Oslo.
Kopenhagen, 5. Dez. (Europapreß.) Der i ^rwegische Außenminister Dr. Koht hat den dani- । fte« und den schwedischen Außenminister zu einer : «rserenz nach Oslo eingeladen. Die Konferenz wirb ldi Donnerstag stattfinden. Der bänifche Außen- < Lü fter Dr. Munch hat bie Einladung seines nor- । vnischen Kollegen angenommen und wird am i Ewoch Kopenhagen Verlässen. Aus Stockholm i
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