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Lim den Adler-Preis des ReichssporWrers.

Berlin, Ostmark, Niederrhein und Sachsen in der Vorschlußrunde.

Wie sehr sich das Kräfte-Derhältnis der deutschen chindballgaue innerhalb eines Jahres verschoben hct, zeigten die Vorrundenspiele zum diesjährigen Wettbewerb um den Adlerpreis des Reichssport- fiijrcrs deutlich genug. Die Ergebnisse der Zwischen- jiidx nun sind dazu angetan, diese Erkenntnis noch zi verstärken. In der Reichshauptstadt kam Berlin- Pvck Brandenburg zu einem klaren 8:3-(3:0-)Sieg üler Westfalen, die Ostmark kämpfte in Graz den tzirjährigen Zweiten, Schlesien, 10:9 (5:5) nieder, in Kassel unterlagen die tapferen Hessen dem Rie- -irrhein nur knapp mit 3:4 (1:1) und Sachsen hauchte in Chemnitz Verlängerung, um über Baden 91 (7:7, 4:4) siegreich zu bleiben.

Hessen wehrte sich tapfer.

Hessens Handballmannschaft war auch im Zwi- süenrundenspiel um den Adlerpreis in Kassel vor 2630 Zuschauern gegen den starken Gau Niederrhein weder ein Gegner, der alle Achtung abzwang. Ge- gci die starke hessische Hintermannschaft mußten die R einländer mit allem Einsatz stürmen, um einen glücklichen, wenn auch verdienten 4:3-(l:l-)Sieg zu et'nmpfen. Bezeichnend für den kämpferischen Ehr- g^z der Hessen ist, daß sie bei dem fast hoffnungs- jjsn Rückstand von 1:4 noch einmal zu energischen Ägenstößen ansetzten und bis 3:4 aufholten.

die Hessen traten in der vorgesehenen Aufstellung Qi In der Niederrheinelf fehlte der wurfstarke Dippertaler Braselmann. Die Gäste fanden sich ttit dem schlechten Boden weitaus besser ab und

bedrängten die hessische Hintermannschaft sofort mit schnellen Angriffen. Hier waren aber die beiden Verteidiger Siebje und Brohm bestens auf dem Posten, und Torhüter Merget meisterte sicher einige scharfe Schüsse der niederrheinischen Stürmer. Bald fanden sich auch die Hessen zu zügigen Angrif­fen zusammen, bei denen besonders Mittelstürmer Eichhorn für Linie und Schwung sorgte. In der 16. Minute erkämpften sich die Hessen denn auch durch einen Straswurf, den Blatt scharf ins Netz schickte, die Führung. Die Folge waren verstärkte Angriffe der Rheinländer, die auch in der 26. Mi­nute durch den Halbrechten Daun (Strafwurs) zum Ausgleich kamen. e

Nach der Pause gingen die Niederrheinischen zu einem Generalangriff über, dem die hessische Vertei­digung trotz ihres unentwegten Einsatzes nicht ganz gewachsen war. Dr. Reker verwandelte in der siebten Minute einen Strafwurf zum 2:1, und der gleiche Spieler schloß drei Minuten später einen schneidigen Durchbruch mit einem dritten Treffer ab. Als bereits nach abermals zwei Minuten Daun für den Niederrhein auf 4:1 erhöhte, schienen die Hessen eine hohe Niederlage nicht mehr vermeiden zu können. Da aber erwachte noch einmal ihr Kampfeifer. Bald hatte Eichhorn durch einen Strafwurf einen Treffer aufgeholt, und gegen Schluß warf der rechte Läufer Lange noch ein drittes Tor und gestaltete damit die Niederlage für die tapferen Hessen recht ehrenvoll.

Handball im ASRL. - Kreis Gießen.

Turn-Lerein Holzheim Sieger der 1. Kreisklasse!

Der gestrige Sonntag hat insofern eine Entschei- th-ig gebracht, als es dem To. Holzheim gelang, feien bereits vorausgesagten Titel endlich sicher- ^itellen. Damit steht fest, daß die Mannschaft, die si: schon seit Jahren um den Aufstieg in die De- zicksklasse bemüht, endlich gelungen ist, ihren inter- eherten Zuschauernetwas anderes vorzusetzen". D r gratulieren dem alten Handball-Pionier zu jenem Erfolg und erwarten, daß er sich auch im kommenden Jahre entsprechend behauptet und dem gi en Ruf, der ihm vorausgeht, alle Ehre macht.

Auch in der B e z ir k s k l a s se gab es eine ge- w se Vorentscheidung. Der MSV.Barbara" hat fit durch einen sicheren Sieg über den führenden Mo. Gießen an die Spitze gesetzt und dürfte, wenn ni^ts Unvorhergesehenes mehr dazwischen kommt, bilden Platz behaupten.

Zwar konnten auch die Flieger wieder gewinnen, fit werden aber kaum noch etwas ausrichten kön- ttti. Auch der Mto. sollte durch diese Niederlage, di wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt, den Afschluß endgültig verloren haben.

-Luftwaffe Heuchelheim 12:2 (6:1).

Die Luftwaffe hatte, obwohl sie eine ersatzge­

schwächte Elf zur Stelle hatte, von Anfang an mehr vom Spiel und gewann wie sie wollte. Die Gäste spiellen ebenfalls mit Ersatz antretend, zusammen­hanglos und mußten die Ueberlegenheit der Flieger auch zahlenmäßig anerkennen.

Tu. Ahbach Io. Holzheim 8:9 (4:2).

Tv. Dutenhofen Tv. Dillenburg 10:4(5:1).

Das Spiel in Atzbach war abgesetzt worden, wurde aber bann noch im letzten Augenblick für Sonntag­vormittag neu anberäumt. Es war auch gut fo; denn nunmehr ist die seit langem fdjroebenbe Frage endlich beantwortet. Zwar fiel es den Gästen nicht leicht, die Oberhand zu behalten, es sah sogar zeit­weilig so aus, als ob die Platzbesitzer für eine Ueberraschung sorgen wollten. Im Feldspiel waren sich beide Gegner gleichwertig, im Torwurf aber oft unentschlossen. Was Holzheim gewinnen ließ, war die Ausnutzung der Strafwürfe und der entschlossene Einsatz eines jeden einzelnen Mannes.

Dutenhofen zeigte diesmal eine ausgezeichnete Leistung. Die Mannschaft war trotz Ersatz jederzeit auf der Höhe und gewann sicher und unangefochten. Mit diesem Siege sind die Aussichten, Tabellen- zweiter zu werden, weiter gestiegen.

mdbALokalkamps MSI. ,Iarbora'-MTS. 9:4 (6:2)

| Das Spiel auf dem Platz des MSB. entschied über Tabellenführung. Die Artilleristen konnten ihren Ei^geszug fortsetzen und mit diesem schönen Erfolg [Spitze in ihrer Staffel übernehmen. Sie führen

mit 17:3 Punkten vor dem Mtv., der ein Punkte- ältnis von 14:4 aufzuweisen hat.

ie gestrige Begegnung brachte nicht den erwarteten en Kampf, da die Männerturner leider mit Ersatz :eten mußten. Unter diesen Umständen hatten Schwarzweißen leichtes Spiel, sie zeigten aber i nicht die gute Form, die ihnen zu ihren letzten jen Erfolgen verhalf. Der MSV. nahm sofort das elgeschehen in die Hand, und schon nach kurzer : stand es 3:0. Dann gelang es den Männerturnem Tor aufzuholen und das Spiel ausgeglichen zu Uten. Die Angriffe der Gäste waren aber nicht M'chschlagskrästig genug und zu sehr auf die Mitte Zentriert. Dort rannten sie sich bann in der guten

Abwehr der Platzbesitzer fest. Dagegen waren die Angriffe der Artilleristen wuchtiger und schneller, und nur Pech verhinderte, daß die Halbzeitführung des MSV. deutlicher wurde.

Eine schöne Einzelleistung des Linksaußen brachte das 4:1. Durch Strafwurf erzielte der Mtv. seinen zweiten Erfolg, aber dann wurde Barbara wieder überlegen und zog bis zur Pause auf 6:2 davon. Nach der Pause überraschten die Männerturner mit zwei blitzschnellen Angriffen die schwarzweiße Ver­teidigung und verkürzten auf 6:4. Jetzt zogen aber die Artilleristen los. Der Gegner wurde in die Ver­teidigung zurückgedrängt. Mit aller Macht wehrten die Gäste ab und nur durch Weitschüsse kamen die Soldaten zu ihren letzten drei Toren. Allerdings hatten sie auch mit vielen Schüssen Pech. Die wenigen An­griffe der Turner, die mit schönen Schüssen abge­schlossen wurden, scheiterten an dem glänzenden Tor­

wart der Artillerie. Gegen Schluß wurde der Kamps wieder ausgeglichener, und so entsprach das Ergebnis auch vollauf den gezeigten Leistungen. Es ist schade, daß der Mtv. nicht mit kompletter Elf antreten konnte. Die eingestellten Ersatzleute bewährten sich nicht. Bei den Soldaten überragten der Torwart und der Mittel­läufer. Die übrigen Spieler waren sehr eifrig, aber trotzdem klappte es in der Elf nicht so wie sonst.

Kurze Sportnotizen.

Beim Tennisturnier in Monte Carlo gab es eine Reihe deutscher Niederlagen. Heinrich Henkel wurde von dem Franzosen Pierre Pellizza

mit 6:2, 6:2 geschlagen, und im Doppel verloreit Henkel-von Metaxa gegen die Franzosen P^tra- Lesueur mit 2:6, 6:4, 6:3, 3:6, 3:6.

Weltmeister Erich Metze kam bei den Schluß-Radrennen in der Stuttgarter Stadthalle am Samstagabend zu einem neuen Erfolg. Er ge­wann das Steherrennen um denPreis der Na« tionen" mit 7 Punkten vor dem Franzosen A, Wambst (6) und dem Belgier Meuleman (3). Im Berufsfahrer-Omnium siegte Weimer (Stuttgart) vor Plappert (Stuttgart).

Teutonia" Steinberg Aleisier 1938/39!

Die Entscheidung ist gefallen. Die Teutonen haben sich durch den Sieg über die Blau-Weißen wohl end­gültig in Besitz der Meisterschaft gesetzt. Daran können auch die beiden noch ausstehenden Spiele nichts mehr ändern, da ja selbst beim Verlust der­selben ein Torverhältnis vorhanden ist, das wohl schwerlich von einem der Verfolger noch aufgeholt werden kann.

Wir können deshalb schon heute -den Teutonen unsere Glückwünsche aussprechen über den Erfolg, der in einer Reihe von schweren Kämpfen errungen worden ist und seine Krönung in der Erfüllung des nunmehr weiteren Zieles, nämlich dem Aufstieg zur Gauliga finden soll.

Die Spiele der zweiten Zwischenrunde uttf den T schäm mer-Pokal hatten folgende Er? gebnisse:

HfB.-R. Ehringshausen 7:0

Wetzlar Naunheim 2:0 n. Verl.

Sinn Frohnhausen 2:3

Der VfB.-R. dokumentierte seine Ueberlegenheit durch einen hohen Sieg über Ehringshausen.

Der Kampf in Wetzlar zwischen dem Sportverein und Naunheim fand erst in der Verlängerung seine Entscheidung zugunsten der Domstädter.

Bei der Begegnung Sinn Frohnhausen setzte sich das bessere spielerische Können derDränier" durch.

ßatfer MisterschajNamps an der Neunmhle.

2:1 für Teutonia Watzenbarn-Steinberg.

Der Kampf um die Entscheidung in der Bezirks­klasse Gießen, der Kampf, der den tapferenTeuto­nen" endgültig die Meisterschaft bringen sollte, die Begegnung mit der Elf der Spielvereinigung 1900, fand nicht die günstigsten Umstände. Die Vorver­legung des Spieles auf die Mittagsstunde, wirkte sich sicherlich auf die Zuschauerzahl ungünstig aus, der anhaltend heftige Regen, der gerade um die Mittagszeit niederging, verbreitete nicht die beste Stimmung für den Kampf, der Schiedsrichter mar zum Zeitpunkt, da das Spiel beginnen sollte, noch nicht da und so begann das Spiel, zunächst von einem Ersatzschiedsrichter aus Garbenteich geleitet, schon mit einer halben Stunde Verspätung. Nach zwei Minuten traf dann der angefetzte Schiedsrich­ter ein und das Spiel wurde noch einmal begonnen. Trotz aller ungünstigen Umstände hatte man sich entschlossen, das Spiel als Entscheidungsspiel durch­zuführen. Bedingt durch all diese reichlich ungün­stigen Begleiterscheinungen nahm das Spiel aller­dings nicht ganz den Verlauf, der wünschenswert gewesen märe. Es rnurde reichlich hart gespielt.

Jedenfalls hätte bei dem Sonnenschein, mie er in der vergangenen Woche herrschte, alles ganz anders ausgefehen! Immerhin, die Teutonen sicherten sich die Meisterschaft, die sie sich in vielen harten Kämp­fen und durch ihren begeisterten Einsatz verdient hatten. Daß das Spiel gestern allerdings auch zu­gunsten der Spielvereinigung Ergebnis hätte lauten können, darüber war sich sicherlich jeder Zuschauer klar.

Dem Schiedsrichter Pfeiffer stellten sich die beiden Mannschaften in folgenden Aufstellungen: 1900: Herbst (3/116)

Pankok (2/116) Lippert (2/116) Rensing Quick Schäfer Löbsack Krämer Zeller Hormel Heuser

Buß Haus Schmandt Däublin Lang

' Naumann Hederich Schmidt

Fett Schmandt T e u t o n i a": Happel

1. Halbzeit fürTeutonia".

Es war nicht verwunderlich, daß das Spiel unter einiger Nervosität begann. Viele Bälle gingen (übrigens während des ganzen Spieles) ins Aus. Ungenau war die Ballabgaben. Dann fanden sich überraschend die Gäste und zeigten trotz des schwe­ren Bodens das bessere Zusammenspiel. Die Platz­besitzer kamen dagegen gar nicht auf Touren, wirk­ten längst nicht als Mannschaft und mußten es sich auch gefallen lassen, daß es nach den ersten bei­

den Ecken für 1900 auch das erste Tor für die Spieloereinigung gab. Heuser landet einen tadel­losen Schuß, der für Happel nicht ohne weiteres zu halten gewesen wäre. Für dieses Tor ließen sich die Teutonen einen Deckungsfehler zu schulden kom­men, indem die Verteidigung den Torschützen unbe­drängt gewähren ließ. Nach diesem Erfolg des Geg­ners besannen sich nun die Teutonen auf ihre Kraft. Sie legten nun mächtig los, und nachdem sie eine Ecke für die Spielvereinigung glücklich abgewehrt hatten, zogen sie elanvoll vor des Gegners Tor und setzten sich dort anhaltend fest. Dabei wurde aller-

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bings das Spiel immer wieder auf die Innenstür­mer konzentriert, so daß die Verteidigung der Blau­weißen unschwer zum Zug kam und immer wieder Erfolge, die um diese Zeit in der Luft lagen, ver­hindern konnte. Der vorzügliche Rechtsaußen Lang blieb dabei immer etwas zu wenig beschäftigt. Erst durch einen Strafstoß, von Fett aus 20 Meter Ent­fernung wundervoll placiert getreten, schafften den vielbejubelten Ausgleich. Für die Plahbesitzer gab es dann wenig später einen Anlaß zu großem Ju­bel. Schmidt, der rechte Läufer, stieß, als er das Leder vor die Füße bekam, mit größter Geschick­lichkeit vor, umspielte die Läufer und die Ver­teidiger, wie sie sich ihm in den Weg stellten und schoß dann noch aus dem Lauf ein. So hieß es also nun 2:1 für die Teutonen! Wohl noch niemand ahnte, daß dieses Tor die entscheidende Spielphase für die Meisterschaft sein sollte. Unter drückender Ueberlegenheit der Platzbesitzer ging die erste Halb­zeit zu Ende.

1900 dreht auf!

In der zweiten Spielhälfte sah alles ganz anders aus. Der Sieg derTeutonen" war ständig in Gefahr. Mühsam wurde von den Platzbesitzern der Vorsprung gehalten. Unaufhörlich rückten nun die Blauweißen mit überlegener Technik vor das Tor der Platzbesitzer; sie stießen dabei aber auf eine verzweifelt abwehrende Verteidigung, der die Läuferreihe aushelfen mußte. Nur wenige Durch­brüche gelangen den Teutonen noch, die aber von Pankok und Lippert sicher zurückgeschlagen wurden. Es gab im Verlaufe der zweiten Spielhälfte einige klare Chancen für die Blauweißen, aber das Glück

As Wöchm WO.

Nomon von Walther ßloepffer.

<hpytfgf)t by dar! Duncker Verlag,Berlin>VZ5

12 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Hs sie hinter ihrer Flasche Erlauer saßen, legte ii|fer los. Er berichtete von seinem Auftrag, mit iri argentinischen Herrn zu verhandeln, und von mi ungeahnten Erfolg dieser Stunden. Es war gar icit zu glauben, was eine Armee brauchte an Me- iLimenten, Ampullen und Verbandsstoffmetern, n wieviel davon den Hegemann-Werken zur Liefe- iirgg überlassen worden mar. Es hatte nur immer chtißen:Gut, notieren Sie ...", und dann folgten mindelerregende Zahlen. Tinser vergaß auch nicht, il) ein wenig herauszustreichen, und das durfte er lil Fug und Recht. Denn die Höhe des Auftrags ia: nicht zuletzt die Folge seiner Geistesgegenwart, tr-r Liebenswürdigkeit und seiner vollendeten Be- :r[d)ung der Sprache. Der beigegebene Herr aüs :r Derkaufsabtellung hatte ihn nur mit trockenen Weisen unterstützt. Tinser schloß:

3d) will Sie nicht mit englischen Pfunden und mrikanischen Dollars behelligen, lieber Herr Gte- th aber sagen Sie selbst: habe ich meine Aufgabe |il gemacht oder nicht? Glauben Sie, daß der Ches rii mir zufrieden ist?"

,Ra und ob", sagte Gieseke anerkennend.Aber ert übermütig werden, junger Herr, wenn ich stsen einen Rat geben darf. Immer feste so irrer."

Will ich ja", stimmte Tinser begeistert bei.Sie llr'en gar nicht, was mir die viele Arbeit für e >M Spaß macht. Ich habe bisher ein bißchen ge- siisnzt, müssen Sie wissen, aber damit ist jetzt end- g.l ig Schluß. Herr Gieseke, Sie sind so ein ehrlicher p* Mann, der nicht rechts und nicht links schaut p nur immerfort feine Pflicht tut; Ihnen habe in Hinein Herz ausschütten müssen. Prosit, Herr hteete!"

2xr ehrliche Mann, mitgerissen von Tinsers !än, stieß an, seufzte, trank einen wackeren Schluck Ut geriet ins Grübeln.

Sehense, Herr Baron, ich bin zu Hegemann ge­winnen, wie er noch ein kleiner Fretter war. Die Üwenbottiche haben wir damals noch mit der Hand Viserührt, und im sogenannten Maschinenhaus roen lediglich ein paar veraltete Vehikel mit tt-enfeuerung. Heute ist das ja anders. Der Hege- irn hat sich eben Ijerausgegrbeitet. Und warum?

Weil er bienenfleißig mar, weil er ein Köpfchen hatte und weil er einer von der Sorteanständiger Kaufmann" ist. Es geht nur mit Ausdauer und An­ständigkeit, alles andere ist Spiegelfechterei und hat keinen Zweck. Man muß streben, aber man soll kein Streber sein. Werden Sie auch so, Herr Baron, und es wird nicht fehlen. Man schätzt Sie hier im Werk, Herr Baron, das höre ich jeden zweiten Tag und das freut mich." Er nahm einen neuen Schluck und fuhr weiter:Weil Sie vorhinehrlich" sagten, muß ich etwas berichtigen. Das mit derTochter" stimmt nicht ganz. Ich hatte eine. Es war mir aber unan­genehm, daß Sie davon anfingen. Wir find feit zehn Jahren schon über Kreuz. Seitdem kenne tdj sie nicht mehr. Weiß auch nicht, wo sie sich gegen­wärtig herumtreibt." Er trank mit verfinsterter Miene sein Glas leer und Tinser schenkte es wieder voll.

Nach einer Weile sagte Gieseke roie zur Ent­schuldigung:

Sehense, ich bin gewiß fein Unmensch. Mit mir läßt sich reden. Aber was zu arg ist, ist zu arg. Solche Sachen nee, da gibt der Emil Gieseke seinen Segen nicht zu. Da bat man nun ein Kind, freut sich über das putzige Dingelchen, sieht es voll Stolz heranwachsen, läßt es Schulen durchmachen, Handelskurse, Schreibmaschine und so'n Zeug, damit es sich im Leben einmal anständig fortbringt und nicht aufs Heiraten angewiesen ist... Man schränkt sich ein wegen so einem Kind, raucht nur die billig­sten Stinkadores, läuft mit gewendeten Anzügen herum, damit das Mädel ja sein neues Kleid kriegt und flott daher kommt, und dann was ist das Ende und der Dank? Dann läßt sich die Person mit so einem Leichtfuß ein, der eine große Schnauze hat aber keine Stellung und sie sitzen läßt. Neun­zehn war sie damals, als sie Muttern vorheulte, es wäre etwas Kleines unterwegs. Pfui Deibel." Gie­seke stürzte ein halbes Glas hinunter und knackte die Zähne aufeinander.

Tinser schwieg. Was hätte er auch sagen sollen? Es war nicht ratsam, sich in so etwas einzumischen.

Verzeihen Sie, Herr Baron, wenn ich Ihnen da etwas vorquatsche. Aber manchmal überfällt cs einen eben fo, und bann ist es gut, wenn man an einen hinreden kann. Das ist wie vorhin bei Ihnen. Sehense, jedes Kind bedeutet für die Eltern eine Hoffnung. Man legt in so ein Kind alles hinein, was man selbst an unerfüllten Wünschen mit sich berumträgt. Und dann kommt so ein Gör mit einem Kerl an und schlägt einem alles kaputt. Schmeißt sich weg, weil so ein Bruder ihr ein bißchen Sums vormacht. Allez umsonst gewesen die .Erziehung, die

guten Worte, das Beispiel. Man muß das bloß, mal zu Ende denken. Und da hab' ich mir gesagt: aus und raus! Wenn meine Alte auch geflennt hat. In dem Punkt bin ich von Eisen; da beißt einer auf Granit bei mir."

Gieseke führte schon wieder das Glas zum Mund. Er war voll aufgewärmter Wut und neu erweckter Trauer, die er zu ertränken suchte. Er sprach sonst nie über diese Dinge, aber heute, er wußte selbst nicht warum, war ihm die Zunge gelöst. Vielleicht hing es damit zusammen, daß er den jungen Tinser gern leiden mochte.

Mir kommt es vor, als wären Sie ein bißchen zu schroff gewesen, Herr Gieseke", meinte Tinser versonnen.Kennen Sie denn jenen Herrn, mit dem Ihre Tochter damals solches Pech hatte?"

Nee, den kenne ich nicht; wird schon ein rechter Windhund gewesen sein."

Sie dürfen das nicht ohne weiteres behaupten, Herr Gieseke, nehmen Sie es mir nicht übel. Wer weiß, was den beiden alles dazwischengeraten ist. Gott, eine schwache Stunde kann jeder einmal haben", verteidigte Tinser.

Schöne schwache Stunde!" brauste Gieseke auf.

Na, lassen wir das. Es kommt nichts dabei her­aus und Sie regen sich nur auf", beschwichtigte Tin­ser und widmete sich seinem Wein.

Gieseke schwieg. Es war ein feindseliges verbohr­tes Schweigen, währenddessen der alte Mann der großen Tragödie seines kleinen Lebens nachhing. Das Weiße in seinen Augäpfeln schimmerte rötlich wie bei Leuten, denen ungewohnter Wein zu Kopfe steigt. Er grübelte verbissen vor sich hin. Kein Mensch konnte in diesen Minuten so einsam sein wie er. Er sinnierte sich in einen richtigen Haß hinein, auf feine Tochter, auf Gott und die Welt.

Tinser überlegte: Wenn der noch lange so sitzt und seinen Kummer wegsäuft, habe ich die schönste Wein­leiche. Ich will machen, daß wir wegkommen. Er zog stirnrunzelnd seine Uhr.^

Was! Schon halb vier. Donner und Doria, da darf ich mich aber auf die Strümpfe machen. Be­dienung! Zahlen! Sie entschuldigen mich, Herr Gieseke!"

Warten Sie, ich gehe mit", murmelte Gieseke und erhob sich schwankend.Ich habe, scheint's mir, zu rasch hineingetrunken. Na, so was?"

Ich fahre Sie natürlich zurück", erbot sich Tinser.

Als die beiden im Auto saßen, dessen Vorzüge Gieseke jetzt nur sehr unklar zu schätzen wußte, stotterte er:Ich glaube, ich bin wahrhaftig be­schwipst. So 'ne Schande. Man ist gar nichts mehk gewöhnt. Warum fohr§u .Sie denn sq schnell?"

Ich fahre nicht schneller als sonst. Das kommt Ihnen nur so vor. Na, da wären mir ja. Ich bringe Sie noch die Stiege hinauf." Er schob seinen Arm unter den des andern, bugsierte den alten Mann durch den Hausgang, die Treppen hoch half auf- schließen und geleitete seinen Schützling schließlich durch den Korridor in die Schlafkammer.

Gieseke riß die Augen auf.

Mensch, was da steht, ist doch mein Bett! Was tu ich jetzt mit dem Bett, ich habe doch Dienst", kam es weinerlich von seinen Lippen.

Sie müssen jetzt vor allem mal schlafen, lieber Gieseke. Das mit dem Dienst regle ich schon. Ich sage dem Pförtner, daß Ihnen nicht wohl ist. Dann kommt kein Mensch dahinter, daß wir ein wenig unsolid waren. Ich wiederhole: eine schwache Stunde hat jeder. Das sehen Sie nun an sich selber. Wie steht es denn mit Ihrer Frau? Soviel ich weiß, ist doch eine Ehegattin auch vorhanden?"

Abwesend, Mensch: ist mir zumute! Alles dreht sich-"

Setzen Sie sich mal hin, daß ich Ihnen die Stie­fel ausziehen kann. So, die hätten wir und nun die Kleider. Was haben Sie denn da für ein drolliges Ding? Ein Amulett? Ach so, einen Brustbeutel. Do- Haden Sie wohl Ihre Moneten drin? Ader den Druckknopf müssen Sie schließen, sonst verlieren Sie noch das Zeug", rief Tinser.

Giejeke voll des süßen Erlauers, aber immerhin noch nicht völlig blau, griff erschrocken nach dem kleinen Lederbeutel, der an einer Schnur an seinem Hals hing und aus dem offenstehenden Hemd her­vorlugte. Er zog einen flachen Schlüssel mit seltsam geformtem Bart daraus hervor, hielt ihn dicht vor die Augen und steckte ihn dann wieder in fein Be hältnis zurück. Sodann schloß er den Druckknopf des Brustbeutels, fingerte sein Hemd zu, sank mit einem tiefen Aechzen ins Bett und drehte sich auf die Schlafseite.

Na, der hat ja einen richtig ausgewachsenen Assen weg, dachte Tinser und deckte den alten Mann zu. Dann glitten seine Gedanken an den Schlüssel mit dem komischen Bart. Seit wann hebt man denn Schlüssel in einem Brustbeutel auf? So einen habe ich doch schon gesehen? Stimmt. Bei Hegemann.

Aber Hegemann trägt den Schlüssel an einer sil­bernen Schlüsselkette, an der der Zigarrenabschneider hängt. Daß es zwei so gleiche oder wenigstens ähn­liche Schlüssel gibt? Na, gleichgültig. Angenehme Ruhe, Herr Gieseke. Einen Durst bekommt man auf diesen Erlauer. Ich werde mir in der Küche vor der Abfahrt noch ein Glas Wasser genehmigen»..

(Fortsetzung folgtI).