Einzelbild herunterladen

XiMWWcheM°rktw°iber" hörk man dann einen leinperamentnollen Gesuhlsausbruch nach Maud l°rg!kilcher Musik E.nen Höhepunkt de- Abends steltte die Berfinnbildlichung der Walg-afchiffer dar di« idr Lied sangen und dabei ahnen ließen, was es 'mit d-r Arbeit dieser Schiffer auf sich°at. Nn gl^ch starker Eindruck ergab sich aus der Szene mit dem Letertastenrnann, jur die Musik von Tschaikowsky zu Grunde lag. Eine Parodie auf Kosakenchöre eine nette Lektion in russticher Sprache, die Dar" stellung einer Schweizer Spielzeugschachtel und die parodistische Ausführung vonSchnadahüpferln" (wie sich die Russen den bayerischen Tanz vorstellen) ein Katzenkonzert und ein Teeklatsch am Samowar, das alles zog kaleidoskopartig an den Augen der Be- sucher vordei und löste häukia lebhaften Beifall aus. Mit besonderer Freude folgte man den russi­schen Volksliedern, denen eine unverfälschte volks­tümliche Note zu eigen war. Die Künstlerinnen und Künstler zeigten sich zum Teil in schönen russischen Volkstrachten und boten so in vielen BiDern einen prächtigen Anblick. Daß das gesprochene und ae- jungene Wort nicht verstanden wurde, (alle Künst­ler sprachen russisch), beeinträchtigte den Gesanitein- druck keineswegs. Ein geschickter Ansager half 'wo es nötig war, dem Verständnis nach. 'n.

Ein hessischer Turnveteran.

Wilhelm Döpper (Gießen) 80 Jahre all und noch ausübender Turner.

Weit über die Grenzen unserer Vaterstadt hinaus bekannt ist in Turnerkreisen unser Mitbürger Wilhelm D a p p e r. Er hat sich durch geregelte Pflege der Leibesübung ein so hohes Maß von kör­perlicher und geistiger Frische und Leistungssähig- keit erhalten, daß man ihm sein hohes Alter nicht cntsieht.

Wilhelm Dapper vollendet am 8. Dezember sein 90. Lebensjahr. Im Jahre 1874 trat er als Zög- llna in den Turnverein 1846 Gießen ein, und seit dieser Zeit ist er über eine Spanne von 6 5 Iah- -en ununterbrochen ausübender Tur- ,er geblieben. Schon als junger Turner hat er irotz feines anstrengenden Dienstes als Postbamter er war Landbriefträger und als solcher allent- )alben beliebt die Turnsache sehr ernst genom­men. Nach des Tages Last und Mühe waren ihm Turnhalle und Turnplatz eine Stätte der Aus­spannung und Erholung, und das sind sie chm bis ruf die heutigen Tage geblieben. Als ein Vorbild iurnerifcher Pflichterfüllung findet er sich noch jetzt legelmäßig zu den Altersturnstunden ein als noch suter Turner und als ausgezeichneter Gesellschafter dem sich anschließenden kameradschaftlichen Bei- ämmeNsein.

Der vielseits verehrte Turner ist Zeit seines Lebens ein begeisterter Freund des Wettkampfes cewefen. Ungezählt sind die Siege, die er von Turn­festen und Bergtreffen für seine Ve reins gern eins chaft teimbrachte. Wir sahen mit welcher Begeisterung er in den letzten Jahren noch auf dsm Hoherods- dpf-Bergfest im Kampf um den schlichten Cichen- lranz dabei war. Ein besonderer Ehrentag war für hn im letzten Sommer das Gaualterstreffen in Heuchelheim, wo er als ältester Wettkämpfer in der sviege der über Siebzigjährigen noch mit bewun- ternswerter Frische seinen Mann stand und zu linem ehrenvollen Sieg kam.

Möge sich der rüstige Alte, dessen zahlreiche Turn- sieunde seiner am Ehrentage besonders gedenken reiben, noch recht lange der geliebten Äirnsache trfreueiu Er selbst sagt ja oft scherzend, er habe sch seine Mutter zum Vorbild genommen, die das ftten hohe Alter von über 100 Jahren erreicht hat.

Gießen-Klein-Linden.

Am heutigen Dienstag, 5. Dezember, kann Land- ttirt und Wagner i. R. Wilhelm Germer I I., wohnhaft Wetzlarer Straße 33, in körperlicher und K Frische seinen 8 0. Geburtstag feiern.

im August 1932 beging er mit seiner eben­es noch rüstigen Cheftau das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Germer war allzeit ein treuer Freund des deutschen Liedes und gehört bis heute fern MännergesanFvereinArion" als Ehrenmit- a-ied an. Wir beglückwünschen ihn herzlich zum Y-utigen Tage.

Der Geflügelzuchtverein Klein-Lin­den 1931 hielt am Samstagbend in der Wirt-

Roman vön Meta Brix

CARL DUNCKER VERLAG BERLIN

19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der schlanke Mann war aufgestanden und trat sii der Frau,, die sich nun auch erhob und zurück- vch. Sie war im ersten Augenblick wie gelähmt, str hob abwehrend die Hände ...nein".

Dann trat Luise zum Fenster. Sie dachte, wenn jetztJa" sage, bin ich nicht mehr so entsetzlich Wein ...

Sie hörte seine Schritte hinter sich, sie stand un­beweglich. Eine innere Stimme raunte ... und viel­leicht' würde man eine Che mit dem Chemiker Dok-

Mainz als so wohlgeordnet ansehen ... von Berichts wegen als so wohlgeordnet ansehen, daß it*m Johann-Christian zeitweise einen Besuch bei Muer Mutter erlaubte ...

.Doktor Mainz war dicht an ihrer Seite. Er be­erte sie nicht. Aber seine Stimme sprach: ,^om= ton Sie mit mir, Luise ...ich liebe Sie ... Sie Verden glücklich werden. Ich will Sie verwoh- Mil ..

. .Der Mann kannte sich selbst nicht mehr. Weshalb leerte er denn noch? Warum nahm er sie nicht h seine Arme? Er spürte doch ihre Unsicherheit ...

ftein! fühlte Luise. Nein, sie konnte es nicht tun sie wandte sich um. Sie reichte dem Manne die i hond:Ich danke Ihnen, Doktor, für Ihr Der- tauen und für Ihre Zuneigung. Aber ich ... ich ganz offen sein ..."

Sie zögerte. , *

Der Mann aber verstand sie sogelich. Er gab die Muenhand sofort frei.

Er fragte, und es klang sehr gepreßt:Ein Nein ch ...

Sie nickte. Sie sagte ehrlich:Ich liebe Sie nicht." . Er trat zurück. Stand mit beherrschtem Ausdruck * dem schmalen Gesicht. Er neigte sich vor der yKu, die so seltsam war, und die er jetzt, da sie lhn ablehnte, noch mehr liebte als zuvor.

Daldemar Heitfeld sah nach der Uhr, und dann dem breiten Fenster ... zu dem klaren Him- Al hin, der sich wie blaue Seide spannte.

Lhm gegenüber beugte Luise Domtat den kasta- nenbraunen Kops über die Arbeit. Obwohl es schon

Alt-Kleidersammlung für die ins Reich heimgekehrten Volksdeutschen. Sammeltage: Mittwoch und Donnerstag.

Durch das kriegswinlerhilfswerk wird für die ins Reich heimgekehrten Volksdeutschen aus dem ehemaligen Polen, die zum größten Teil ihr ge­samtes hab und Gut verloren haben, eine Alt­kleidersammlung durchgeführt. Mit der Sammlung wird im Stadtbezirk Gießen am 6. Dezember im Bereich der Ortsgruppen Giehen-Mitte und Gießen- Ost begonnen.

Am Donnerstag, 7. Dezember, werden die beiden restlichen Ortsgruppen, Giehen-Rord und Giehen- Süd, ersaht. Für die Durchführung dieser Aktion Hal die Wehrmacht in dankenswerter Weise Fahr­

zeuge und, soweit es im Bereiche der Möglichkeit liegt, auch Mannschaften zur Verfügung gestellt.

Die Gießener Bevölkerung wird dringend ge­beten, diese Sammlung in jeder Art und Weise zu unterstützen, damit der schon so oft bewiesene so­ziale Tatwillen auch hier in eindringlicher Weise wieder unter Beweis gestellt wird. Gesammelt wer­den alle Bekleidungsstücke und Schuhwaren, gleich­gültig in welchem Zustand sie sich befinden, da so­weit wie möglich die Ausbesserung zwecks weiterer Verwendung erfolgt.

Em Blick in die Schränke des Fundbüros.

Was alles verloren und nicht abgeholt wird.

In Gießen gibt es, wie in jeder anderen mitt» men unb größeren Stadt, auch ein Fundbüro. Es hat aber den Anschein, als fei diese Tatsache doch nicht genügend bekannt, und der Beamte des Fundbüros findet sich in Resignation könnte man fast sagen damit ab, daß allmonatlich viele Gegenstände und Wertsachen, die nicht abgeholt wurden, zur Versteigerung gegeben werden müssen, obwohl sie entsprechend der gesetzlichen Vorschrift ein ganzes Jahr lang aufbewahrt waren und auf ben Finder warteten. Oder aber, nach eben dieser Jahresfrist gehen die Dinge an den Finder zurück, der nun einen gesetzlichen Anspruch darauf hat, das Gefundene zu erhalten, wenn es der Finder nicht abgeholt hat.

Wie der Beamte uns erzählt, werden die un­möglichsten Dinge verloren. Da verliert jemand fein Gebiß und kommt nicht auf den Gedanken, daß es vielleicht im Fundbüro abgegeben sein könnte. Frauen verlieren Stoffe, die sie eben erst eingetauft haben, und diese Stoffe finden sich dann in den sauber vom Ladenfräulein eingepackten Paketen im Fundbüro ein. Frauen verlieren, das wäre statistisch aus den Akten des Fundbüros leicht nachzuweisen, mehr als Männer. Der größte Teil der Geldbörsen, die in den eifernen Schubfächern liegen, stammt aus. Damenhandtaschen. Frauen verlieren ihre Knirpse", die Handtaschen mit sämtlichem Inhalt, Armbanduhren, und sie denken häufig genug nicht baran, auf dem Fundbüro nachzufragen, ob sie dort inzwischen eingetroffen sein könnten.

Selbstverständlich gehören auch Männer zu den Verlierern! Brillen, Orden und Auszeichnungen, Stöcke, Schirme und Hüte, Rucksäcke mit allem möglichen Inhalt, Uhren und Bargeld, neugetaufte Schuhe und Bücher, Schlüssel und was dergleichen Dinge mehr find, finden sich in Kasten und Schrän­ken des Fundbüros und harren ihrer Eigentümer. Viele dieser Dinge tun es vergeblich.

In den letzten Tagen gab es im Fundbüro einige« male und hintereinander tiefbekümmerte Frauen­gesichter! S»bensmitteltarten verloren! Keine ein­fache Sache die Frauen sind hier für die Fami­

lien verantwortlich! Aber der Beamte muß mit­teilen, daß leider keine Lebensmittelkarten gefunden worden sind, d. h., gefunden wurden sie sicherlich aber ab geliefert ...!?

Im allgemeinen finden sich weniger Verlierer als Finder im Fundbüro ein. Auch dies ist exakt nach­zuweisen. So machten sich zum Beispiel im August 1939 nicht weniger als 27 Finder auf, um die ge­fundenen Dinge dem Fundbüro auf dem Polizei­amt am Landgraf-Philipp-Platz abzugeben. Von diesen 27 Fundsachen wurden nur ganze 7 (in Worten: sieben) ab geholt. Und alles andere bleibt Jahr und Tag liegen! Angesichts solcher Tatsachen möchte man vermuten, daß der größte Teil der Ver­lierer mit der Unehrlichkeit des Finders rechnet! Er glaubt nicht, daß der Geldbeutel, die Uhr, oder was es sonst sein mag, ab geliefert werden würde. Dieser Gedanke ist, wie sich erweist, in vielen Fällen falsch! Es wäre besser, der Verlierer würde mit dem Gewissen des Finders rechnen. Er darf dessen gewiß sein, daß dem Finder eine gefundene und nicht abgelieferte Uhr über Jahr und Tag auf der Seele brennt. Jeder Finder, der das Fund gut nicht abgibt, macht sich der Fundunterschlagung schuldig und kann im Fall der Entdeckung zu Gefängnis verurteilt werden.

Das wertvollste Stück, das bisher im Gießener Fundbüro abgegeben wurde, war ein Brillant­ring im Werte von 3000 bis 4000 RM. Er wurde vom Finder abgegeben und von der Verliererin abgehölt. Den Lohn für seine Ehrlichkeit dürfte der Finder mit erheblich größerer Befriedigung eingesteckt haben, als ihm je der Besitz des fremben Schmuckstückes Freude bereitet hätte.

Da^Fundbüro und die Vermittlungsarbeit, die durch Diese Einrichtung geleistet wird, ist Dienst an bey Volksgemeinschaft. Die Gegenwart fordert viel von jedem einzelnen es kann leicht ge­schehen, daß einmal etwas liegen bleibt, daß in der Hast etwas verloren geht. Und dann ist den ehrlichen Finder vorausgesetzt der Weg Mm Fundbüro oftmals nicht vergeblich. N.

fchaft von Georg Lutz eine Versammlung ab, die sich in der HauMache mit den von der Reichsfach­gruppe herausgegebenen Richtlinien über die Mer- jahresplanarbeiten befaßte. Bei der unter den 32 Mitgliedern durchgeführten Zählung der Tiere wur­den 504 Hühner, eine Pute und 50 Tauben festge­stellt. Einige Mitglieder haben sich bereit erklärt, ihren Tieren neben den vorgeschriebenen A-Ringen auch die von der Reichsfachbruppe empfohlenen Flügelmarken anzulegen. Die örtliche Geflügelschau soll als Werbe- und Lehrschau am 13. und 14. Januar 1940 abgehalten werden. Das Amt eines Preisrichters soll Herrn Otto' May (Lang-Göns) angeboten werden. Der Verein erwarb in den letzten Wochen durch Ankauf 72 neue Ausstellungskäftge

eine halbe ... nein, beinahe eine ganze Stunde über Betriebsschluß war.

Doktor Heitfeld zündete sich eine Zigarette an. Er schob sein Etui zu Luise hinüber:Bitte ..."

Sie sah auf, nahm eine Zigarette:Danke."

Waldemar Heitfeld stand auf und ging mit langen Schritten durch das geräumige Zimmer.

Luise sah zu ihm hin, ein bißchen ungeduldig und gestört. Was hatte er denn? Angenehm war das Herumlaufen nicht ...

Heitfeld drehte sich um, mit einem schnellen Ruck. Er setzte sich, wie das seine Gewohnheit war, auf die Ecke seines Schreibtisches und sah zu Luise hin. Schluß jetzt, Frau Domtat! Sehen Sie sich mal den Himmel draußen an! Herrliches Wetter!"

,Za ...", erwiderte Luise. Sie schichtete eine An­zahl Bogen übereinander und sagte:Sol Die Listen für die Ausstellung in Dresden wären fertig!" «

Der Blick des Mannes löste sich von der jungen Frau. Er sprang vom Schreibtisch, trat neben Luise und sagte unvermittelt: ,Hch möchte Sie jetzt mit» nehmen, Frau Domtat ..."

Luise fühlte ihr Herz schlagen. Natürlich! Das mußte ja kommen! Sie hatte es schon die ganzen Tage geahnt .. .

Ich möchte Sie bitten ...", fuhr Heitfeld fort.

Luise stand auf. Sie siel ihm ins Wort und sagte: Nein, bitten Sie nicht. Ich sage doch nein!"

Waldemar Heitfeld wurde ärgerlich. Er nahm Luise einfach bei den Schultern und schüttelte sie: Sie sind doch eine furchtbar eigensinnige Frau! Wollen Sie mich nicht erst einmal anhören?"

Bitte ...", sagte Luise und machte sich frei. Sie legte mit ruhig-eiligen Händen die Papiere auf ihrem Platz zusammen. , . r

Frau Domtat", sagte Doktor Heitfeld, und es klang sehr höflich und sehr korrekt.Ich fahre jetzt nach Haufe. Bitte kommen Sie mit mir. Wir holen die Jacht aus dem Schuppen. Sie würden mir eine große Freude machen, wenn Sie mit mir an die­sem herrlichen Tagesende eine Fahrt über die Ha- oelseen machen wollten. Eine solche Fahrt wird uns beiden gut tun, nach der Schufterei in den letzten Tagen."

Sie sind sehr fteundlich, Herr Doktor", entgeg­nete Luise auf diese lange Rede.Aber ich muß leider danken."

Das heißt: Sie wollen nicht!"

Verzeihen Sie ... aber ich will wirklich nicht." Der Doktor lachte plötzlich. Lachte hell unO über­mütig. Er schüttelte den Kopf und sah Luise an.

Luise erwiderte den Blick ärgerlich.Wieso finden Sje das eigentlich komisch?"

und tft jetzt hn Besitz von 101 Nummern, sodaß bei künftigen Ausstellungen feine Käfige mehr ge­liehen zu werden brauchen.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 5.Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, % kg 7 bis 10 Rpf., 50 kg 6 RM, Weißkraut, % kg 5 bis 7 Rpf., 50 kg 5 RM., Rotkraut, kg 8 bis 10 Rpf., 50 kg 7 RM, gelbe Rüben, kg 7 bis 9 Rpf., rote Rüben 9 bis 10, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 35, Feldsalat, 1/io 10 bis 12, Zwiebeln, Vi kg 10, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Aepfel 15 bis 20, Birnen

Komisch ... nicht gerade. Aber ich möchte wohl wissen, was Sie sich für eine Meinung von mir zurechtgelegt haben ... Ich kann Sie also nicht da­von überzeugen, daß es mir eine aufrichtige Freude wäre, Sie bei mir zu haben ... in guter Kamerad­schaft Auf fröhlicher Fahrt. Man läßt sich vom Wind so recht durchwehen. Wahrscheinlich wissen Sie gar nicht, wie herrlich das ist. Man hat den Alltag irgendwo verloren ..."

Er stand noch immer in ihrer Nähe. Jetzt trat er wieder dicht an sie heran und legte seine große, kräftige Hand auf ihren Arm. Groß und breit« schultrig stand er da. Und deshalb eigentlich mußte sie jetzt denken, daß er wie ein Beschützer neben ihr stand ...

,Luise Domtat, sehr geschätzte Mitarbeiterin der Männer Heitfeld, Vater würde Sie jetzt bestimmt auslachen! Also seien Sie keine Spielverderbe­rin! Kommen Sie mit in meinen Kahn. Und her­nach setzen wir uns noch irgendwohin. ...wo Sie wollen ..."

Sie erwähnten eben Ihren Herrn Vater", sagte Luise und hatte wieder ihr ernstes und strenges Gesicht.

Na ... und ...? Was denken Sie, was er sagen würde, wenn er hier wäre? Macht los, Herrschaf­ten, würde er sagen. Und wahrscheinlich mitkom­men."

Nun mußte auch Luise lachen. Seine heitere Laune war so mitteißend. Sie atmete tief. Es klang wie befreit. Sie reichte ihm die Hand:Also schön­sten Dank, Herr Doktor ... los also!"

Das weiße Schifi schoß über den See. Manchmal tarnen fremde Stimmen herüber, von anderen Boo­ten oder von einem der großen Dampfer.

Die Wolken waren jetzt um die Abendstunde sil- berzart und verweht. Ein leiser Wind strich über das Röhricht an den Ufern. Hinter den Schilfgürteln ragten hoch und dunkel die märkischen Kiefern.

Luise saß im bequemen Korbsessel. Sie hatte die Hände still in den Schoß gelegt. Es war doch sehr schön, so zu fahren. Es war ein wundervolles Aus­ruhen. Man vergaß alles.

Hier in dieser traumhaften Haoellandschaft, in dem wohligen Hingleiten gab es gar keine Sorgen und Nachdenklichkeiten. Hier war nur das leise, heitere Raunen des klaren Wassers und das Flü­stern des Windes. Diese ftiedvolle Luft auf dem Wasser machte auch die Menschen sttll und zufrie­den ... Und alles andere war nur noch ein dunkles Früher ...

Vielleicht war Waldemar Heitfeld in diejer Stunde.

15 bis 20, Salat, das Stück B, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Rpf.

Vie neuen Lebensmittelkarten.

Die neuen Lebensmittelkarten für die Zeit vom 18. Dezember 1939 bis 14. Januar 1940 werden von morgen, Mittwoch, ab bis einschließlich kommenden Samstag ausgegeben. Die Reichskleiderkarten ge­langen in der kommenden Woche zur Ausgabe.

Lache mit uns/'

Die Gefolgschaft 1/116 der HI. und die BDM.- Gruppe 1/116 im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Süd hatteck einen sehr guten Erfolg mit ihrem am Sonntag imSaalbau Liebigstraße" veranstal­teten Volksgemeinschaftsnachmittag. In dem bis auf den letzten Platz besetzten Haus, in dem auch viele Soldaten als Gäste waren, ging es lebtyaft 0U; denn die Buben und Mädels verstanden es, ihre Gäste aum Lachen zu bringen. Mit einem Har­monik amarfch wurde die Veranstaltung eingeleitet und die Gäste mit einem Lied und frischen Worten begrüßt. Zunächst traten dann die Jungen der Ge­folgschaft 1/116 hervor, die unter Begleitung ihres Ziehharmonika-Orchesters alte und neue Soldaten­lieder zum Vortrag brachten. Der SchwankDie polnische Infanterie" war die Ueberleitung zum frohen Treiben, bei dem die Junyen durch Schwänke und luftige Einlagen ihre Gäste in frohe Stimmung brachten. Nachher machten es die Mädels wie die Jungen und ließen die Gäste durch wiederholten gemeinsamen Gesang tüchtia an dem frohen Nach­mittag mitwirken. $ie Mädels der BDM-Gruppe 1/116 führten sich durch einen Volkstanz ein und sanden mit ihrem Lied nach eigener Weise und mit eigenen Worten gleichfalls starken Beifall. Nach einem Harrnonikarnarsch führten sie nochmals einen Volkstanz als Ueberleitung zu dem Märchenfpiel Dr. Allwissend" auf, das sie geschickt und schwung­voll vorführten. Sie stellten sich mit ihren dar­stellerischen Leistungen ausgezeichnet an die Seite der Jungen und erzielten einen guten Heiterkeits­erfolg. Zum Schluß der frohen Stunden fang die Volksgemeinschaft das Trutzlied gegen England, und unter Begleitung des Handharmonika-Orchefters fangen die Buden und Mädels das Schlußlied.

** Die Geschäftszeiten an den drei kommenden Verkaufssonntagen vor Weihnachten werden heute durch die Polizei­direktion bekanntgegeben.

** Der Volkshallenverein Gießen wird am Donnerstag nächster Woche, 14. Dezember, seine letzte Generalversammluna abhalten. Neben den Geschäftsberichten 1938 und 1939 sowie dem Rechnungsabschluß für 1938 wird die Versammlung über die Auflösung des Volkshallenvereins beschlie­ßen. Nachdem die Volkshalle in den Besitz der Stadt üb er gegangen ist und die noch im Besitz von Pri­vatpersonen befindlichen Anteile von der Stadt er­worben wurden bzw. noch werden, ist die Aufga'be des Vereins natürlich als beendet anzusehen.

Landkreis Gießen

5 Steinbach, 5. Dez. Am heutigen Diens­tag, 5. Dezember, kann Frau Marie Becker, geb Hahn, die Witwe des Sttaßenwartes Becker, bei guter Gesundheit ihren 7 9. Geburtstag feiern. Ebenfalls heute begeht unser Einwohner Jakob Horn II. seinen 71. Geburtstag. Leider muß er ihn in der Klinik verbringen, da sein Gesund- beitszustand M wünschen übrig läßt. Beiden Jubi* Laren unsere herzlichen Glückwünsche zum Ge­burtstag.

* Lang -G ön s, 5. Dez. Am morgigen Mitt­woch, 6. Dezember, tarnt unsere Einwohnerin, Frau Katharine Clisabethe Artz, geb. Metzger, Krieger» gaffe 56, in aller körperlichen und geistigen Frische ihren 7 6. Geburtstag feiern. Seit Jahrzehn­ten gehört die hochbetagte Frau zum treuen Leser­kreis des Gießener Anzeigers. Wir beglückwün­schen sie herzlich jum Geburtstag!

<£ Leihgestern, 4. Dez. Die hiesige Krie­ge r k a m e ra d s ch a f t hielt am Sonntagnachmit­tag einen Kameradfchaftsappell bei Kamerad Schrö­der ab. Nach der Begrüßung gedachte der Kamerad- fchaftsführer des vor kurzer Zeit verstorbenen Ka­meraden Winter, ferner der Opfer des Münchener Attentats, deren Andenken in üblicher Weife ge­ehrt wurde. Nach Erledigung des geschäftlichen

auch ganz glücklich. Er fragte es sich, und fand, es fehlte noch viel ... Er wußte hn Grunde nichts von dieser Frau, die in seinem Schiff saß, und die er liebte. Es half jetzt nichts mehr, sich etwas vorzumachen. Er liebte diese Frau.

Immer wieder ging sein Blick zu der ganz ruhig Sitzenden. Sie hatte den Hut ab genommen, der Wind spielte mit ihrem Haar. Manchmal hob fte die Haird und strich eine widersttebende Strähne zurück.

Luise fühlte die Blicke des Mannes und begeg­nete ihnen. Und immer war es, als begegne sie einer stummen Frage.

Langsam wandte sie chr Gesicht wieder ab.

Was wollte Heitfeld? Sie mußte doch ihren eige­nen Weg gehen. Und es war nicht nötig, daß ihr dieser Weg erschwert wurde.

Sie hatten bisher kaum gesprochen^ Es war aber vielleicht besser, wenn gesprochen wurde. Dies und das ... was man so redete. Ein paar Worte, die gerade einfielen ...

Als sie an der Pfaueninfel vorüberfuhren, kam Luise die Erinnerung an jenen Nachmittag, da sie sich in Sakrow von Moraoitzky getrennt und dann während der Dampferfahrt die Beaegnung mit diesem schnellen weißen Schrfi gehabt hatte, in dem sie heute saß.

Die Sonne war bereits gesunken, als sie wieder zum Griebnitzsee kamen.

Das war eine wundervolle Fahrt, Herr Doktor! Ich danke Ihnen! Sie hatten recht ... es war ein Ausruhenl Ist es lehr unbescheiden, wenn ich Sie jetzt bitte, mich noch nach Wannsee zu fahren?"

Heitfeld verlangsamte die Fahrt. Vor chnen lag jetzt schon der Heitfeldsche »Garten, leuchtete das weiße Gitter des Bootschuppens.

Das mochte ich nicht, Frau Domtat", sagte der Mann.Sagen Sie mir, was wäre Ihnen lieber wollen wir in Alsenbrück zu Abend essen oder Sie würden mir eine sehr große Freude machen! oder bei Heitfelds zu Hause? Unsere alten Haus­geister, der Diener und die Wirtschafterin, sind immer glücklich, wenn Vater oder ich einen Gast heim­bringen. Im allgemeinen ist nämlich unser Haus ein sehr stilles Haus"

Er sah Luise an, freundlich bittend und mit einer großen Aufrichtigkeit im hellen Blick.

Nur jetzt nicht kleinlich denken, befahl Luises Herz. Es wäre unfreundlich, die Einladung abzulehnen. Und nun ja, weshalb eigentlich sollte sie selbst sich einer glücklichen Stunde berauben?

Sie nickte ihm zu:Also bleiben wir bei den Heit­felds!"

LLkorfietzuna folgt)