Nr. 180 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
8reitag,4.Augustl93y
Aus der Stadt Gießen.
Meine kleine Gasse.
Ich habe sie entdeckt, als ich einmal einen Weg abkürzen mußte. Später habe ich mich in sie vergebt, daß ich jeden Tag durch sie hindurchging. Wer fuft bei mir war, den schleppte ich mit. Ein — im übrigen sehr nettes Mädchen — sagte enttäuscht: .Durch welche Gassen schleifen Sie mich eigentlich?" 3d) hatte etwas Unhöfliches auf der Zunge, denn, aerstehen Sie, ich liebe doch die kleine Gasse; nun, ch verschluckte die Grobheit und nahm mir nur heimlich vor, künftig allein durch „meine" Gasse zu zehen ...
Sie ist nicht schön. Heute würde man, mit Recht, >lche Gassen nicht mehr bauen. Aber es ist eine Jasse voller Kinder. Und das ist großartig. Jeden lag sieht man neue, die sich unter die laute, krach- lachende, schreiende Schar mischen. Die herrliche Zande klettert an Gerüsten herum, die Maler aus- beschlagen haben, um Hauswände zu tünchen. Sie knallen sich, Buben und Mädchen, Bälle auf imagi- j Höre Tore. Sie ziehen sich an den Fensterläden mnes „entschlafenen" Gebäudes hoch, und diese Llimmzüge bekommen ihren Muskeln. Sie knüpfen "ch Seile aus Mutters Waschküche an Bretter- Pfosten und schaukeln hin und her. Es sieht gefähr- : ch aus, aber es passiert nie etwas.
In der kleinen Gasse gibt es eine Schlosserei. Abgebrochene Zäune lehnen an dem eigenen Zaun, Öchneidewerkzeuge stehen mit leicht angerosteten Nacken im Hof, T» und O-Eisen liegen umher, das kreischen der Feilen kommt heraus auf die Gasse, md ein Lehrbubchen im blauen Kittel lädt dünne Stangen auf einen Handwagen. Aber mitten zwilchen dem Eisen stehen die Hortensien mit dicken SSlütenbällen.
Nein, die laute, kleine Gasse ist nicht ohne Glanz. He Häuser sind hoch, aber die Menschen haben sich f eranien an die Fensterbretter gestellt. Am Abend, tn heißen Abenden, sitzen sie auf den Treppenstufen md unterhalten sich. Es ist beinahe wie auf dem hrtb. In der Schmiede gauzt ein Hund. Aber das r nur sein Gute-NachttGruß an die Welt. r. k.
TSOAP., Ortsgruppe Gießen-Nord.
Bereitschaft 3 (G i e ß e n - N o r d - W i e • V- ck). Sonntag, 6. d. M., von 7 bis 10 Uhr, Schie- f n auf dem Schießstand der Schützengesellschaft. liS-GMillWst M kraft önnö Mute
K d F.- S ch w l m m sk un d e.
-Am Freitag, dem 2. August 1939, wird die thwimmslunde der tt$(5. „Kraft durch Freude" im Ivlksbad wieder ausgenommen. Die Sportstunden lieben wieder statt in der Zeit von 20.30 Uhr bis 1-30 Uhr und von 21.30 bis 22.30 Uhr. 5317V
Am 23. geht es zum Tannenbergdenkmal.
MSG. Zu dem Staatsakt, der am 27. August am Innenberg-Nationaldenkmal ftattfindet, verkehren a.15 allen Teilen des Reiches Sonderzüge. Die A fahrt des Sonderzuges aus Frankfurt a. M. ist jesst auf den Vormittag des 23. August festgelegt müden. Der Sonderzug, der in erster Linie die Tiünehmer an der Schlacht von Tannenberg, aber aich zahlreiche andere Volksgenossen befördert, kehrt ar 31. August wieder aus Ostpreußen zurück. Teil- nwmer an dem Sonderzug können sich noch bis zun 9. August melden.
Keine Handwerksund Innungsfahnen mehr.
Der Reichswirtschaftsminister hat im Einoerneh- nw mit dem Reichsinnenminister und dem Stell- Mtreter des Führers bestimmt, daß die Hand- v'rksflagge und Jnnungsfahnen nicht mehr geführt
Fordert das Werk
NSG. Anläßlich der 25. Wiederkehr der Tage, an denen das große Dölkerringen feinen Anfang nahm, führt der Volksbünd Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Werbung Zur Mitgliedschaft und Mitarbeit für sein einzigartiges Werk durch, das den Toten des Weltkrieges durch Betreuung und würdige Gestaltung ihrer Gräber in aller Welt den Dank des deutschen Volkes abstatten will.
Mit dem nachstehenden Appell ruft Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger die Bevolkeruna des Gaues Hessen-Nasiau auf, das Werk der Heldenehrung zu fördern.
Auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges stehen die Ehrenmale deutschen Heldentums; sie bergen das heiligste der Nation, unsere toten Helden. Ihr
Es bedeutet mehr als nur eine Erinnerung, in Esen Tagen, da sich der Ausbruch des Weltkrieges zum 25. Male jährt, in den Zeitungen aus jenen Wochen zu blättern, in denen das erschütternde Ereignis des Kriegsausbruches seinen Niederschlag gefunden hat. So wie wir schon am Mittwoch den Band des „Gießener Anzeigers" vom III. Quartal 1914 aus dem Archiv holten, um Eindrücke und Ereignisse der ersten Augusttage 1914 in unseren Lesern von 1939 wieder wachzurufen, so blättern wir heute einige Tage weiter.
Diele Organisationen und Behörden unserer Stadt wandten sich in eindringlichen Aufrufen an die Einwohnerschaft in Stadt und Land. Da erinnerte der Vorsitzende des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen die Bauern an ihre heilige Pflicht, alles aufzubieten, um die deutsche Armee mit Lebensrnitteln zu versorgen. Der Bürgerverein Gießen forderte seine Mitglieder auf, das Rote Kreuz bei der Verköstigung von durchziehenden Truppen zu unterstützen. Da der Kriegsausbruch in die Zeit der Ernte fiel und viele Bauern zu den Waffen griffen und den Frauen eine Fülle von Arbeit blieb, forderte der Bezirksvertrauensmann des damaligen Jungdeutschland-Bundes für Gießen-Stadt auf, daß sich alle noch nicht wehrfähigen Jünglinge für die Arbeit auf den Erntefeldern zur Verfügung stellen sollten. Zahlreiche amtliche Bekanntmachungen er- aingen. In einer dieser Bekanntmachungen lesen wir, daß der Kreisdirektor des Kreises Gießen die Krie- geroereine auffordert, Gewehre und Munition in 'ihrem Besitz zu melden und der Bahnbewachung zur Verfügung zu stellen. In einer anderen Bekanntmachung werden Männer über 45 Jahre aufgefor- bert, sich für den Bahnbewachungsdienst zu melden. Auch die Hassia-Militärvereine Gießen riefen ihre Mitglieder zu diesem Ehrendienst auf.
Die Ausgabe des „Gießener Anzeigers" vom Mittwoch, 5. August, steht unter der Üeberschrift: „Die Kriegserklärung Englands." Die Meldung der Kriegserklärung Englands ist in kräftiger Schrift
werden dürfen. Soweit bei Versammlungen oder sonstigen Anlassen eine Ausschmückung erfolgt, ist die Hakenkreuzflagge zu verwenden. Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat entsprechende Anweisungen für die Handwerkskammern und Reichsinnungsverbände erlassen.
Angleichung von Gefälligkeitsmieten.
Der Reichskommissar für die Preisbildung gibt eine Entscheidung zur Frage der Angleichung von Gefälligkeitsmieten bekannt. Wenn ein Mietzins aus Gründen ermäßigt worden war, die in der Person des bisherigen Mieters lagen, wie Verwandtschaft, Krankheit oder Erwerbslosigkeit, so ist eine nach Fortfall der Ermäßigung beantragte Wiedererhöhung nicht von dem Nachweis der Unwirtschaftlichkeit des Hauses abhängig. Bei An-
der Heldenehrung!
Opfer war die Saaf, aus der das neue Deukfch- land erwuchs. Ehrfurcht vor ihrem heroischen Ein- sah und ihrem Glauben an ein kommendes Reich ist höchste Pflicht des ganzen Volkes.
Wit der Errichtung würdiger Ehrenstätten hat sich dec Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein bleibendes Verdienst erworben. Große Aufgaben stehen ihm noch bevor. Mitzuarbeiten und mitzuopfern ist selbstverständliche pflicht.
Ich hoffe, daß jeder Volksgenosse dieses Werk der Heldenehrung im Sinne des Führers nach besten Kräften fördert.
Frankfurt a.M.» den 2. August 1939.
Sprenger.
und in lakonischer Kürze verzeichnet: .„Berlin, 5. August. Um 7 Uhr gestern abend gab der englische Botschafter Goschen im Auswärtigen Amt die Kriegserklärung Englands ab und forderte feine
In der Zeitung vom Freitag, 7. August, ergeht ein Aufruf an die deutschen Studenten, sich in den Ehrendienst der Verteidigung des Vaterlandes zu stellen. Der Aufruf fand auch an unserer Universität lebhaften Widerhall. Viele Studenten meldeten sich und zogen in den Kriegsdienst.
Die erste große Siegesnachricht brachte der „Gießener Anzeiger" in seiner Ausgabe vom Samstag, 8. August. Die Üeberschrift lautete: „Lüttich im Sturm genommen!" Am gleichen Tage erschienen auch bereits große Karten, die die Kriegsschauplätze im Westen und im Osten veranschaulichten.
Ein Aufruf des Oberbürgermeisters Keller forderte auf, den Vaterlandsoerteidigern für den Fall der Einquartierung ein gutes Heim zu bieten. In einer weiteren Bekanntmachung trat der Oberbürgermeister ungerechtfertigten Preissteigerungen entgegen und stellte die Festsetzung von Höchstpreisen in Aussicht. Der Leiter des Realgymnasiums, Dr. Baur, gab in einer Anzeige bekannt, daß für diejenigen Schüler, die in den Heeres- und in den Sanitätsdienst eintreten, Notprüfungen ab geh alten werden. Interessant ist die Tatsache, daß schon in den ersten Tagen des Krieges im Caft Ebel eine Notküche eingerichtet wutde, in der täglich mittags von 12 bis 2 Uhr an bedürftige Angehörige von Kriegsteilnehmern Essen zu haben war.
32 Kriegstrauungen.
Bei Kriegsausbruch ergab sich auch für das Standesamt der Stadt Gießen eine außerordentliche Fülle der Arbeit. In den Tagen vom 2. bis zum 6. August ließen sich nicht weniger als 32 Paare friegstrauen, während in den restlichen Tagen des Monats August 1914 nur noch eine Kriegstrauung zu verzeichnen war.
aleichung derartiger Mieten ist die Entscheidung lediglich auf den Nutzungswert der Wohnung ad- züstellen.
Das ganze Iahr Anmeldung zum Gesellenaustausch.
NSG. Der Gesellenaustausch soll dem handwerklichen Nachwuchs die Möglichkeit verschaffen, durch Arbeit in mehreren Betrieben in den verschiedensten Gegenden des Reiches ohne große Kosten und Zeitverlust feine beruflichen Kenntnisse zu erweitern und seinen Gesichtskreis zu vergrößern. Durch Erlernung der im Handwerk so vielseitigen Arbeitsmethoden wird Qualitätsarbeit Erreicht. Wie das Deutsche Handwerk in der DAF., Abteilung Gesel- lenwandern und Austausch, mitteilt, ist der Ge
sellenaustausch im Gegensatz zum Gesellenwandern an keinerlei Termin hinsichtlich der Jahreszeit usw. gebunden. Anträge zum Gesellenaustausch können daher jederzeit eingereicht werden.
Von der Einrichtung des Gesellenaustausches machen erfreulicherweise besonders die Söhne von Handwerksmeistern Gebrauch, die im väterlichen Betrieb beschäftigt sind und diesen in Zukunft weiterführen sollen. Durch den Gesellenaustausch weitet sich das Blickfeld, es mehren sich die fachlichen Fähig- und Fertigkeiten, und so wird aus dem Meistersohn ein selbstbewußter und selbständiger Handwerksmeister, wie ihn das deutsche Handwerk in Gegenwart und Zukunft braucht.
Zehrkosten für Schöffen und Geschworene.
Nach der Verordnung über die Entschädigung der Schöffen, Geschworenen und Vertrauenspersonen erhalten diese neben der Entschädigung für Verdienst- ausfall und der Fahrkosten und Wegstreckenentschä- digung Tagegeld und Uebernachtungsgeld nach den Sätzen, die ein Reichsbeamter der Reisekostenstufe V für eine Dienstreise erhält. Ob überhaupt und in welcher Höhe Tage- und Uebernachtungsgeld zu gewähren ist, bestimmt sich nach den gleichen Vorschriften wie bei Dienstreisen der Reichsbeamten. Voraussetzung ist jedenfalls das Vorliegen einer Dienst- reife. In den Fällen, in denen die Abwesenheit vom Wohnort sechs Stunden nicht übersteigt oder die Schöffen usw. an ihrem Wohnort oder einem Nachbarort zur Dienstleistung herangezogen werden, kommt, wie der Reichsjustizminister in einem Erlaß klarstellt, nur die Gewährung von Auslagenersatz in Frage. Dabei können außer den Auslagen für Beförderungsmittel auch andere unvermeidbare Auslagen erstattet werden, wie Zehrkosten. Es darf aber der Gesamtbetrag der Zehrkosten den für eine Dienstreise zu gewährenden nach der Abwesenheitsdauer ab gestuften Tagegelds atz nicht überschreiten.
Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Frau ohne Vergangenheit".
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** Von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft. Nach erfolgreich ab gelegter Prüfung konnte Willi Herrmann, Gießen, Wetzsteinstraße 16, von der Hauptgeschäftsstelle Berlin der Deutschen Lebensrettungs-Gemeinschaft die Urkunde für den Lehrschein mit goldener Nadel überreicht werden.
Rundfunkprogramm
Samstag, 5. August.
5 Uhr: Frühmusik. Es spielt der Gaumusikzug RAD. Gau 11. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenspruch. Nachrichten. Wetterbericht. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Es spielt die Kapelle Walter Noack. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Deutschland — Kinderland. Warum — Angst? Ein Zwiegespräch. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 10: Schulfunk: Vorbeugen ist besser als heilen. Ein Besuch in einer Kinderklinik. Hörszene. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Ausführung: Das Unterhaltungsorchester des Reichssenders Wien. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Frisch eingetroffen! Neu konservierte Musenkinder. (Jndustrie-Schallplatten.) 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Stimmen aus dem Alltag. 15.30: Jetzt müssen wir marschieren, ich und mein Kamerad ... Eine Sendung unserer Pimpfe. 16: Von der Rundfunkausstellung Berlin (vom Reichsfender Berlin): Sport und Mikrophon. Vorführungen im Turnen. 19: Der fröhliche Lautsprecher. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Bühne und Film im Rundfunk. 20: Nachrichten. 20.15: Aus Badenweiler:^ Ein Abend in Badenweiler. 21: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik.
Die ersten Angnsttage 1914 in Gießen.
neueren Dramen der Weltliteratur erscheinen
Stick in die neue Spielzeit.
«Das Gietzener Stadttheater 1939/40.
Dom Dramaturgischen Büro des Stadt- cheaters gehen uns die folgenden Ausführungen zu.
!»as Gießener S t a dt t h e a t e r rüstet sich tj: its für die kommende Winterfpielzeit. Abge- l’W von den technischen Vorbereitungen — Er - Neuerung des Bühnenbodens und Ein°- einer neuen Beleuchtungsanlage — vuide besonders auf die künstlerische Ausgestaltung k'L^aterwinters Wert gelegt. Im Hinblick auf drWunsche und Bedürfnisse der Gießener Theater- P'inöe wurde ein sorgfältig ausgewogener Spiel- pl: n aufgestellt, der noch stärker als in den vor- ftr gegangenen Jahren durch Reichhaltigkeit und ’ pnmgfaltigteit, durch Buntheit und Erlebnisreich- !|j durch leidenschaftliche Dramatik und Tiefe der Ginnten zur Fest- und Feiergestaltung des Win- 'A beitragen will. Der weit ins Reich gedrungene !»j| des Gießener Theaters soll durch neue künstle- nf- Leistungen bewahrt und gesteigert werden. .»f..r bürgen neben dem aus gewählten Mi.gramm und den bisherigen bewährten Mit- ciliürrn die neuverpflichteten Kräfte, U« Allen Gießenern neue künstlerische Erlebnisse
inhaltvolle Begegnungen versprechen. So ist f-d'as Schauen und Hören, für Humor und Ernst, 1 lünterhaltung und tiefere Besinnung gesorgt, und
M erwarten, daß der Gießener Theaterwinter \ Kunstfreunden ein Fest der Freude und Er- I Zitierung beschert.
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.. Spielzeit wird diesmal etwas früher als in.vorigen Jahre, am 15.September, mit Heb- geschichtlichem Trauerspiel „Agnes Bernauer" lNdir neuen Inszenierung van Oberspielleiter Dr.
ft1 ufrm eröffnet werden. Am 19. September folgt, II1 "^er der Spielleitung von Razum, die LUnssuhrung zweier neuen Übersetzungen von -m iere: „Der eingebildete Kranke" und ,/Die errungene Heirat". An klassischen Werken sind vorgesehen „Der Kaufmann von Venedig" n 8 i59 h " kespeare, den Intendant Schultze- s 5 V1 m.in Szene setzen wird; in dieser Auf- Hjrintg soll ein großer Teil der neuverpflichteten
pielkräfte vorgestellt werden. Ferner von । M „Maria Stuart" und von Lessing „'.Hma Galotti".
ferner als Uraufführung das ungarische Schauspiel „Csongor und Tünde" von Vörosmarty in der UVersetzung von Dr. F. Klein in Gießen, und „Der Revisor" von Gogol.
An zeitgenössischen Werken des Schauspiels sind im neuen Spielplan die folgenden vorgesehen: „Ariadne" von E schm an n (Uraufführung), „Die goldene Harfe" von Hauptmann , „Der verlorene Sohn" von W i e ch e r t, „Die Mutter" von S t a n i e tz, „Der Ministerpräsident" von Goetz — ein Bismarck-Stück mit Otto Ernst Fischer (Berlin) in der Titelrolle —, „Prinz von Preußen" von Schwarz, „Lombardische Nacht" von H o h l- b au m und „Jugend", von Halbe.
Im Lustspiel sind die folgenden Aufführungen geplant: „Also gut, lassen wir uns scheiden" von Sardou, „Kitty und die Weltkonferenz" von Donat, „Bengalische Zukunft" von Gesell- Martin, „Dr. med. Hiob Prätorius" von Götz, „Primanerin" von Graff, „Kinder auf Zeit" von Bortfeld, „Für die Katz" von Hinrichs, „Kyritz-Pyritz" von Wilken, „Heimliche Brautfahrt" von Lenz und „Familie Hannemann" von Reimann-Schwartz.
Die Oper wird „Don Juan" von Mozart, „Tannhäuser" von Wagner, „Die luftigen Weiber" von Nicolai, „La Traviata" von Verdi, „Cavalleria rusticana" von Mascagni, „Der Bajazzo" von Leoncavallo und „Tobias Wunderlich" von Haas bringen; für einen Einakter- Abend stehen ferner die folgenden drei Werke zur Wahl: „Der Mond" von Carl Orff, „Ein kurzes Leben" von de Falla und „Gianni Schicchi" von P u c c i n i.
Die Operette bringt den „Zigeunerbaron" von Strauß, „Die Dubarry" und „Gafparone" von Millöcker, „Frau Luna" von L i n ck e, „Bezauberndes Fräulein" von Benatzky und „Liebe in der Lerchengaffe" von V e t t e r l i n g.
Auch für die Morgenfeiern ist in der neuen Spielzeit ein reiches und sorgfältig ausgewähltes' Programm Ausammengestellt worden. Im Schauspiel wurden neu ausgenommen „Der gefesselte Prometheus" von A i s ch y l o s und „Der Ackermann und der Tod" von Johannes von Saaz. Als Uraufführung erscheinen auf dem Spielplan der Morgenfeiern „Preußische Komödie" von Hans R e h b e r g und „Die Kriegsfurie" von P e a t s, außerdem von Goethe „Palaeophron und Neo- terpe" und „Pater Brey", von Schiller „Spaziergang unter den Linden", von Hebbel „Der Moloch , von Paul Ernst „Heber alle Narrheit Liebe", von H e y j e l e r „Parzival" und von Hanns
Ioh st „Der Herr Monsieur". Auf dem Gebiete der Oper und des Singspiels bringen die Morgenfeiern „Polyphem" von Bononcini, „Der Vetter auf Besuch" von Busch, „Die Tante schläft" von Caspers. — Schließlich ist noch die Uraufführung des Balletts „Südfrüchte" von Bodart geplant — Gegebenenfalls wird der Spielplan durcb die Aufnahme wesentlicher Neuerscheinungen im Austausch mit einigen der hier angekündigten Werke ergänzt werden.
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Die künstlerische Arbeitsgemeinschaft des Stadttheaters wird wie bisher der Gesamtleitung des Intendanten Hermann Schultze- Griesheim unterstehen. Unter seiner Führung werden als Vorstände tätig sein Dr. Hannes Razum als Oberspielleiter des Schauspiels, Chefdramaturg und stellvertretender Intendant, Harry G r ü n e f e als Oberspielleiter der Operette (neuverpflichtet vom Stadttheater Münster), Gerhard Reuter als zweiter Dramaturg (Dortmund), Dr. Franz Schneider-Facius als Regie- und Dramaturgieassistent, Karl Löffler als Bühnenbildner, Paul Walter als erster Kapellmeister, Heinz M ar k w a rdt als Kapellmeister und Chordirektor, Richard B o e ck als Kapellmeister und Korrepetitor (Ingolstadt), Franz Kerzisnik als erster Konzertmeister, Thea Maaß als Ballettmeisterin und Jngeborg Stromb eck als Kostümbildnerin (Heidelberg).
Eine Zusammenstellung der für Oper und Schauspiel neuverpflichteten Kräfte und eine Ueberficht über die vom alten Ensemble bleibenden Darsteller haben wir bereits in einem Rückblick auf die abgelaufene Spielzeit veröffentlicht.
Sochschulnachrichten.
Es ist übertragen worden: dem nb. ao. Professor Dr. Heinz Janert in Leipzig unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Königsberg der Lehrstuhl für Kulturtechnik, dem ao. Professor Dr. med. habil. Johann Schriener unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Breslau der Lehrstuhl für Physiologie, dem nb. ao. Professor Dr. med. habil. Franz Wirz unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität München der Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten, dem Dozenten Dr. Fritz Reu unter Ernennung zum ao. Professor an der Universität Breslau der Lehrstuhl für Bürgerliches und Handelsrecht, Internationales, Privatrecht und. Rechtsvergleichung.
Scharfschießen mit römischen Katapulten.
Vom 21. bis 26. August tagt in Berlin unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Ruft der 6. Internationale Kongreß für Archäologie, an dem die führenden Forscher der Altertumskunde aus den meisten Ländern der Welt teilnehmen. Zum erstenmal findet dieser bedeutende wissenschaftliche Kongreß in Deutschland statt, ins- besondere weil die Forscher und Gelehrten einen Einblick in das römische Siedlungs- und Befestigungsgebiet am Rhein und Main gewinnen wollen. In nahezu 150 Vorträgen wird der heutige Stand der Archäologie in der Welt aufgezeigt werden. In der großen Schlußsitzung wird über die Ausgrabungen in Olympia und Car- nutum, die auf Initiative des Führers vorgenommen worden sind, berichtet.
Im Anschluß an den Kongreß werden die ausländischen Teilnehmer eine Rundreise durch das ehemals römische Siedlungsgebiet an Rhein und Main unternehmen, die alle Ausgrabungsstätten berührt und über Tanten, Köln, Trier, Mainz, Wiesbaden nach Frankfurt führt und hier chr Ende findet. Einen Höhepunkt dieser Reise bildet der Besuch der Saalburg. Wie Professor Dr. Schleiermacher vom Archäologischen Institut des Deutschen Reiches, Römische Abteilung, in Frankfurt mitteilt, wird die Archäologen auf der Saalburg eine besondere Ueberraschung erwarten. Es ist geplant, auf der Saalburg den Gelehrten ein Scharfschießen mit römischen Geschützen vorzuführen. Es handelt sich dabei um Rekonstruktionen römischer Geschütze, die in den Jahren 1908 bis 1910 von Generalleutnant Schramm auf Grund der Angaben in römischen Schriften angefertigt worden sind. Diese Rekonstruktionen der Saalburg fanden eine großartige Bestätigung durch den Fund eines römischen Geschützes bei Barcelona (1914). Auch von diesem bei Barcelona gefundenen Geschütz wurde eine Nachbildung geschaffen und auf der Saalburg aufgestellt.
Die antiken Geschütze, die man besser als Wurf- maschinen oder Katapulte bezeichnet, beruhen auf. der Kraft gedrehter Seile oder gespannter Sehnen, mit deren Hilfe die Geschosse den Angreifern ent» gegengefchleudert wurden. Die Schleudermaschinen sind eine Erfindung des Hellenismus aus der Zeit nach Alexander dem Großen. Sie wurden von den Römern übernommen und in allen Kriegen, insbesondere auch in den Kriegen der römischen Legionen in Germanien verwendet. Geschleudert wurden fowohi Steinkugeln wie auch Speere und Pfeils»


