Denn ihr mir euere einmütige Geschlossenheit verweigert, was wollte ich tun? Ich bin ein einzelner Dann. 3d) kann den besten willen besitzen — er ist nicht mehr wert für euch als euer Wille wert ist für mich!
Wie klein sind demgegenüber all die sonstigen Differenzen des Lebens! Wie wichtig tun sich doch die einzelnen Menschen, meine Volksgenossen. Der eine bildet sich auf das etwas ein, der andere wieder auf etwas anderes. Der eine ist schon stolz, weil er vielleicht 10 Zentimeter größer ist als der andere. (Stürmische Heiterkeit.) Der andere wieder freut sich, weil sein Kopf, wie er glaubt, besser aussieht, weil schon seine Vorfahren einen besseren gehabt haben sollen. Es ist nicht erwiesen. Wieder ein anderer sieht einen Vorzug darin, daß momentan seine Geldbörse etwas voller ist — ich sage momentan, denn erfahrungsgemäß kommt so etwas und vergeht wieder. Wieder ein anderer sagt: „Ich habe ein paar Klassen mehr studiert als Sie. Haben Sie die Zeugnisse, die ich habe? Nein! Folglich bin ich mehr wert als Sie. Ich habe es durch Zeugnisse bestätigt!" usw. (Brausender Beifall.) So hat jeder ganz wichtige Unterlagen und Grundlagen für seine persönliche Ueberheblichkeit.
Aber wie lächerlich ist das doch alles gegenüber dem gemeinsamen Schicksal, das sich gebieterisch über uns erhebt, was bedeutet das alles gegenüber der Tatsache, daß wir entweder gemeinsam unseren Lebenskampf beginnen oder alle zufammen zugrunde gehen — auch der mit feiner fo- genannten größeren Geldbörse oder seinem alteren Namen oder seinen Vorfahren oder feiner vermeintlichen Bildung. (Wieder stürmische Zustimmung.) Wir sind aus Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen.
Und wenn es einer noch nicht begreifen sollte — ich weiß nicht wo er steckt — (erneute Heiterkeit), dann müßte er es erkennen an der Einstellung der übrigen Welt. Wie steht sie uns gegen- über? Was haben wir von ihr überhaupt zu er* warten? Sind nicht wieder die alten Einkrei- fungspolitiker tätig, zum Teil Leute, die schon im Jahre 1914 nur Haß kannten? (Die Massen brechen in stürmische Entrüstungsrufe aus.) Es ist dieselbe internationale Clique von Kriegshetzern, die schon damals ihr Unwesen getrieben hat. Was können wir von denen erwarten, meine Volksgenossen? Ich glaube, es ist notwendig, daß alle Deutschen diese lächerlichen Vorurteile, soweit sie noch vorhanden sein sollten, weit von sich wegwerfen und fe st aneinanderrücken in der Ueberzeugung, daß wir gemeinsam und geschlossen jeder Gesahx gewachsen sind, getrennt ihr ober erliegen werden. (Die Hunderttausende stimmen erneut dem Führer zu.) Und daher wollen wir auch nufer Volk indemSi n n e erziehen. Und wenn mich manchesmal vielleicht so ein alter bornierter Knopf zur Verzweiflung bringt, da brauche ich ja bloß seinen Jungen anzuschauen, und dann kriege ich schon wieder die Hoffnung. (Wieder stürmischer Beifall.) Das, was an diesen alten Stänkern nicht mehr zu reparieren ist, das hat die Jugend, Gott fei Lob und Dank, schon l ä n g st ü b e r w u n d e n. In ihr wächst ein neues Geschlecht heran, ein Geschlecht, so wie wir es uns einmal für die Zukunft vorstellen.
Wir tun alles, was man überhaupt tun kann, um diese Erziehung durchzufetzen. Manchmal gehen wir dabei allerdings über die sog. Freiheit des einzelnen hinweg. Ich kann mir vorftellen, daß es den einen oder anderen gibt, der sogt — oder sagen würde, denn er kann es jetzt nicht sagen —: ,Lch sehe nicht ein, warum mein Sohn jetzt zum Arbeitsdienst soll. Er ist doch zu etwas Besserem geboren. Warum soll er jetzt mit einem Spaten herum gehen? Könnte man ihn nicht irgendwie geistig beschäftigen, ihm geistige Arbeit geben?" — Was du, mein lieber Freund, schon unter Geist verstehst! (Wieder stürmische Heiterkeit.) Wenn dein Junge jetzt sechs Monate im Westen mit dem Spaten für Deutschland gearbeitet hat, dann hat er praktisch mehr geleistet a\s vielleicht dein ganzer Geist Zeit seines Lebens für Deutschland leisten könnte. (Brausender Beifall.) Und vor allem: er hat ja mitgeholfen, eine der schlimmsten geistigen Verirrungen zu beseitigen,
die es gibt, nämlich di e innere Zerrissen- heit eines Volkes. Wir können natürlich nicht sagen: „Wenn er nicht will, braucht er nicht zu arbeiten." Bildet man sich vielleicht ein, daß die Arbeit, sagen wir in einer chemischen Fabrik, mit einem ganz üblen Geruch in einer Demokratie so etwas Wunderbares sei, so etwas Herrliches? Man sage mir doch nicht: „Ja, das ist der 3auber der Arbeit, der hier duftet." (Wieder stürmische Heiterkeit.) Durchaus nicht! Das ist ein Gestank, meine verehrten Herrschaften! Aber es müssen hunderttausend Arbeiter das eben dann mitnehmen, und sie nehmen es auch mit. Folglich kann der andere auch den Spaten auf sich nehmen! Und er wird i h n auf s i ch nehmen.
Und damit komme ich zum Problem der Frei- heit überhaupt. Freiheit? Jawohl! Soweit das Interesse der Volksgemeinschaft dem einzelnen Freiheit gibt, ist sie ihm gegeben. Dort, wo seine Freiheit die Interessen der Volksgemeinschaft beeinträchtigt, hört die Frei- heit des einzelnen auf. Dann tritt die $ r e i - heit des Volkes an die Stelle der Freiheit des einzelnen. (Brausender Beifall). Im übrigen wjrd in keinem Staat die geistige Leistung mehr geschäht als bei uns. Ich glaube, das sieht man schon an der Führung. (Beifall und Heiterkeit). Wir bilden uns ein. daß in Deutfchalnd immerhin Leute an der Spitze des Staates stehen, die es geistig mit den Vertretern der anderen Staaten schon aufnehmen können. (Wieder brausende Heiterkeit). Ueber aller Freiheit des einzelnen steht aber die Freiheit unseres Volkes, steht die Freiheit unseres Reiches. Die Sicherung des deutschen Lebensraumes ist für uns das höchste Gebot.
Daß wir den Frieden lieben, brauche ich dabei nicht zu betonen. Ich weiß, daß eine gewisse internationale Journaille Tag für Tag lügt, uns ver- dächtigt und uns verleumdet. Mich wundert das nicht, denn ich kenne diese Kreaturen ja zum Teil noch von hier. Sie sind auch ein Exportartikel, aber nur als Ausschußware der deutschen Nation! (Stürmische Zustimmung). In der Amerikanischen Union hat man eine Boykotthetze gegen den deut- schen Export organisiert. Es wäre, glaube ich, vernünftiger gewesen, man hätte die deutschen Waren statt die minderwertigsten deutschen Subjekte importiert. Wir können allerdings froh sein, daß wir diese Ware los sind! Wie die anderen damit fertig werden, ist ihre Sache. Daß sie uns nicht gefährlich werden, dafür werden wir sorgen. Und dafür habe ich vorgesorgt! (Stürmische Heilrufe). Ich kenne ja doch meine politischen „Freunde" von der Zeit vor der Machtübernahme, die Leute, die damals immer aussprachen, daß sie kein Vaterland kennen. Das stimmt ja auch, weil sie ja Juden sind und daher mit uns nichts zu tun haben. Diese Leute bestätigen natürlich jetzt ihre Auffassung und ihr altes Bekenntnis, das heißt: Sie Hetzen gegen Deutschland mit allen Mitteln. Und ich — ich rüste mit allen Mitteln! (Begeisterte Ovationen der Massen).
Daß ich den Frieden liebe, geht vielleicht am meisten ans meiner Arbeit her- vor. In ihr legt der Unterschied zwischen mir und diesen Kriegshetzern. Das schasse ich, und was tun diese Elemente? Ich habe hier ein großes Volk und trage dafür die Verantwortung. Ich versuche, dieses Volk groß und glücklich zu machen, ungeheuere werke werden hier geschaffen, gewaltige Industrien entstehen, große Bauten für die Volksertüchti- gung werden ins Leben gerufen, gewaltige Dokumente unserer Kultur find im Bau begonnen worden — nicht nur hier in Berlin, sondern auch in einer großen Anzahl weiterer deutscher Städte. Das haben wir nicht alles in diesem Jahre geschaffen! Was ist in diesem Jahre alles begonnen worden! Und wie oirie dieser Werke brauchen zehn und zwanzig Jahre, bis sie fertig werden! Ich habe also Grund genug, den Frie-
Oie Sieger im Reichsberufswettkampf.
Die Verkündung der Deichssieger in der Kölner Messehalle.
Köln, 29. April. (DNB.) Mit der Verkündung der Reichssieger in der Osthalle der Kölner Messe fand der diesjährige Reichsberufswettkampf am samstagmittag seinen festlichen Ausklang. Der Reich? jugendführer sagte: Wenn wir heute totebtt stark geworden seien, so verdanken wir dies nicht den Waffen an sich, sondern dem Umstand, daß wir in Deutschland den Grundsatz der Leistung überall durchg^etzt haben. Der Mann, der als Führer der Nation vor uns stehe, führe das Volk, weil er in ihm d i e größte Leistung vollbracht habe. Alle Teilnehmer am Reichsentscheid des Reichsberufswettkampfes feien auch ein Gleichnis für den Durchbruch des Leistungsgedonkens. Wie sehr der Reichsberufswettkampf ein sozialistisches Gesicht habe, sei ihm besonders an diesem Tage wieder klar geworden, als er erfahren habe, daß jeder zweite Gausieger der Sohn eines Arbeiters und jeder achte der Sohn eines Hilfsarbeiters fei. 50 Prozent der Sieger hätten keine eigenen Mittel zur Berufsausbildung besessen, und ein Fünftel von ihnen habe ursprünglich einen anderen Beruf ergreifen wollen. Diese Tatsachen sollten uns Ansporn fein, die Fehler der Berufslenkung in der Vergangenheit zu überwinden und eine neue, bessere auszubauen, durch die wir jedem deutschen Jungen und Mädel die Gewähr bieten könnten, daß der Berus erlernt werden könnte, der feinen Fähigkeiten und Neigungen am meisten entspreche.
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley sagte dann: Der Weg, den Deutschland gehen müsse, sei schwer. Darum müsse jeder, wenn wir unser Ziel erreichen wollten, sich mühen und plagen. Er müsse Opfer bringen und Mut und Tapferkeit beweisen. Der Reichsberufswettkampf solle vor allem dazu dienen, die tüchtigsten Menschen herauszufinden, damit durch ihre Förderung eine Leistungssteigerung erreicht werde, die wiederum zur Sicherung unserer Freiheit beitragen werde. Wenn wir in diesem Bewußtsein alle Energie zusammennehmen, dann werde dem deutschen Volk der Sieg nicht versagt bleiben und sein Bestand für alle Ewigkeiten gesichert sein.
Zum Schluß nahmen Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichsjugendführer von Schirach die Verkündung der rund 600 Reichssieger vor, wobei sie jeden einzelnen zu seinem Erfolg beglückwünschten und ihnen das Reichsdiplom überreichten.
Unter den Reichssiegern im Berufswettkampf 1939, die dem Führer vorgestellt wurden, befinden sich u. a.: Josef Trippe, Frankfurt a. M., Chemiearbeiter; Else Schmidt, Rüdesheim, Kinderpflegerin; Otto Ruth, Langenselbold, Verkäufer; Kurt Hecker, Kassel, Kreditgenossen
schaften; Ludwig Engel, Frankfurt a. M., Telegr.-Baulehrling. Unter den Arbeitsgemeinschaften deutscher Hochschulen errangen im 4. Reichs- berusswettkampf der deutschen Studenten u. a. den Titel Reichssieger: In der Sparte „Erziehung": Studentenführung Universität Marburgs Thema: „Beiträge zum Aufbau neuer Jugendpsychologie"; in der Sparte „Studentinnen": Studentenführung Universität Heidelberg; Thema: „Mutterschaft und Frauenarbeit im Tabakgewerbe". Unter den Reichssiegern befinden sich ferner noch: Gertrude Breth, Worms a. Rh., Verkäuferin;
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Don diesem Standpunkt aus behaftet, gewinnt die ftonehtur von grauem Fjoot auch für den Nlpnn ein andere» öesicht. Denn
Beruf und auch im Leben leichter. Mit fileinol fjesha Simpler ist e» einfach, dem Fioar die Jorbe feiner Jugend jurüdrjugeben. Die Wirkung ist verblüffend — obfolut naturecht k
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Adam Kellner, Santa, Zigarrenmacher; Walter Fuhrmann, Frankfurt a. M., Stoffdrucker; Karl Bender, Berghausen H.-N., Handschuhmacher; Johann Schneider, Jssel/Trier, Modellschlosser; Gotthold Schönwandt, Kassel, Silberschmied; Hans Wagner, Offenbach a. M., Chromolirho- graph; Ludwig Graf, Frankfurt a. M., Positiv- Retuscheur ; Erika Raa sch, Ob e rsch m i 11 e n /H - N., Sortiererin; Paul Kurth, Dillenburg, Maschi- nensetzer; Karl Bederer, Frankfurt a. M., Kontobuchbinder; Irene Uickel, Wetzlar, Postangestellte; Heinrich Geiger, Frankfurt a. M., Uns.-Vers.; Johann Anstatt, Mainz-Weisenau, Zementarbeiter; Margrit Linz, Frankfurt a. M., Küchenmädchen; Karl Koch, Frankfurt a. M., Allg. Großhandel; Willi Berndt, Kassel, Hand- lungsgehilfe.
den zu wollen, aber diese Hetzer brauchen den Frieden ja nicht, weil sie für den Frieden nichts schassen und nicht für ihn arbeiten.
Ich brauche die einzelnen Figuren gar nicht zu nennen. Das sind die unbekannten internationalen Schreiberlinge. Sie sind so maßlos gescheit! Sie wissen überhaupt alles. Nur eines haben sie nicht gewußt, nämlich daß ich z u r Macht komme. (Wieder stürmische Heiterkeit.) Das haben sie noch nicht einmal gewußt im Januar 1933. Sie haben auch nicht gewußt, daß ich a n d e r Macht bleibe, das glaubten sie noch nicht einmal im Februar 1933. Sie haben nicht gewußt, daß ich Deutschland frei machen werde, das haben sie noch nicht einmal 1935 oder 1936 geglaubt. Sie haben auch nicht gewußt, daß ich die deutschen Volksgenossen befreien und in die Heimat zurückfuhren werde, das haben sie noch nicht einmal 1937 und 1938 gewußt. Daß ich auch den letzten Re st frei machen werde, haben sie noch nicht einmal im Februar des heurigen Jahres gewußt. Sie haben nicht gewußt, daß ich sieben Millionen Erwerbslose beseitige, noch vor drei Jahren wußten sie es nicht, noch vor zwei Jahren glaubten sie es nicht. Daß ich in Deutschland einen Dierjahresplan durchsetzen werde, haben sie auch nicht gewußt.
Gar nichts haben sie gewußt! Aber sonst wissen sie alles! (Stürmische Heiterkeit.)
Ich weiß nicht, die Leute sind ja immer Parasiten gewesen, aber manchesmal kommt es einem doch vor, als ob sie eine besondere Art von Gehirnparasiten wären. Was ich in der Rede z. B., die ich jetzt vor Ihnen halte, sage, das haben sie schon gestern genau gewußt. Auch wenn ich es selbst noch nicht gewußt haben würde — aber sie wußten es schon, diese Gesäße der Weisheit. (Erneute stürmische Heiterkeit.) Es gibt überhaupt nichts, das diese Art von Kreaturen nicht wissen. Wobei sie die eiserne Stirn haben, dann, wenn ihre Behauptungen Lügen gestraft werden, sofort neue Behauptungen aufzustellen. Ein alter Judentrick! Dadurch kommen die Menschen nicht zum Nachdenken. Wenn diese nämlich Nachdenken würden, was die alles schon prophezeit haben, und was dann ganz anders gekommen ist, bann würden sie für ihre Lügenmeldungen nicht einmal mehr einen blanken Sechser erhalten. Aber es ist gerade ihre Taktik und ihr Trick, daß sie, kaum daß eine Prophezeiung widerlegt ist, sofort drei weitere bringen. So lügen sie sich nach einem Schneeballensystem eben weiter — von heute auf morgen, von morgen auf übermorgen. Die augenblicklich letzte Lüge ist, daß die 20 000 Deutschen, die seinerzeit in Marokko hätten gelandet werden
Gießener Gtadttheater.
14. Morgenveranstaltung: Kammer-Orchester-Konzert.
Peter Tschaikowsky ist für viele die ver- bindende Brücke zur slawisch-russischen Musik geworden. Die vermittelnde Stellung, die er zwischen den ost- und westeuropäischen Musikempsinden und Musikerleben einnahm, hat namentlich bei uns für die urtümlich-russische Musik nachhaltig den Weg geebnet. Diese Sondermission Tschaikowskys war blutmäßig durch die einer französischen Refugis- samilie entstammende Mutter bedingt. Ein gewisser Sinn für Klarheit und Geschliffenheit der Form ließ russisches Volksgut in einer dem Westeuropäer naheliegenden Fassung unmittelbar werden.
Daß besonders Mozart von Jugend her für Tschaikowsky von bestimmendes Einfluß wurde, hat seiner Schreibweise ein besonderes Gesicht gegeben. Es ist beispielsweise für ihn bezeichnend, daß er von Mozart förmlich schwärmt, während er den Werken Beethovens mehr mit Ehrfurcht begegnet. In feinen Entwicklungsjahren ließ Schumann manches in ihm wach werden. Wenn wir die fast elegante Flüssigkeit seines Stiles betrachten, so möchte man annehmen, daß er auch von Johann Strauß, dem Walzerkönig, der u. a. bei einem Gastspiel in Petersburg (1865) eine frühe Orchesterkomposition Tschaikowskys der Oeffentlichkeit vermittelte, beeindruckt wurde.
Die im Winter 1880/81 entstandene Serenade für Streichorchester op. 48 läßt deutlich die westeuropäischen und vornehmlich deutsche Einflüsse erkennen. Bewußt folgt er in dem Kopfsatz Pezzo in forma di Sonatina der üblichen, traditionell festgelegten Sonatenform. Mit dem Walzer durchbricht er die in der deutschen Musik streng inne- gehaltene Scheidung zwischen sogenannter ernster und unterhaltender Kunst. Das leicht Schwingende dieses anmutigen Satzes bindet sich hier mit duftiger Klangsinnlichkeit. In der Elegie aber bricht die slawische Eigenart in ihrer versunkenen Verhaltenheit durch, während das Finale sowohl in der An- dante-Einleitung als auch im Hauptthema originales russisches Volksgut übermittelt. Wenn dann vor Eintritt der letzten Coda die Kopfeinleitung des ganzen Werkes wieder erklingt, so möchte man doch zwischen dieser und dem Finalthema eine mehr als äußerliche, ja eine organisch bedingte Verwandtschaft erkennen.
Es war geradezu überraschend, wie volltönend der immerhin nicht sehr stark besetzte Streichkörper
sich unter Joachim Popelkas Leitung entfaltete. Das Andante der Einleitung mit seiner wuchtigen Akzentschwere und der Uebergang zum Allegro mit seinen differenzierten dynamischen Abstufungen führten den Hauptsatz ein und ließen ihn sich in klanglicher Unmittelbarkeit und durchsichtigem Gefüge der lebhaften Figuration entwickeln; in seinem Hüpfenden, Graziösen steigerte sich das Seitenthema im Wechsellicht seiner feinen» Thematik stark auf. Der Walzer mit seiner galant gefühlvollen Linienführung, seinen in Terzen seufzenden Geigen und seinen prickelnden, spritzigen Figurationen wurde so seiner Wirkung sicher. Die innere Schwere des Klanges, gebunden durch ausdrucksstarke Zurückhaltung, ließ das Eingangsthema der Elegie zu zwingendem Eindruck werden. Die Verwobenheit des Gesangsthemas trat in den einzelnen Streichergruppen mit tiefem Empfinden und klanglicher Schönheit hervor; besonders aber in den Bratschen und Celli; das klangliche Entschwinden des Schlusses war äußerst sauber und schwebend in seinen Flageolettönen. Das Finale wurde zur beherrschten, impulsiv durchglühten realistischen Tanzszene.
Der zweite Teil der Dortragsfolge gab mit der „Musik für Klavier und Kammer- o r ch e st e r" einen interessanten Einblick in das Schaffen Joachim P o p e l k a s ; zu dem Streichkörper traten hier Trompete, Saxophon, Flöte, Oboe und Klarinette hinzu. In der Gegenüberstellung des Soloinstrumentes und in der Verknüpfung desselben mit den Einzelstimmen des Orchesters ergaben sich so mannigfaltige reizvolle Klangkombi- Nationen, die P o p e l k a mit feinsinnigem Klangempfinden und werkbewußtem Geschick zu nützen versteht und sie in ihrer bedingten Eigenheit als innere Triebkräfte in die Organik des Ganzen einbezieht. Das Werk ist von einem gesunden freudigen Musizierwillen getragen, der die Energiequelle für das Geschehen ab gibt. In feiner thematischen Erfindung geht Popelka eigene Wege; feine Einfälle zeugen stellenweise von vitaler musikalischer Kraft. Der Gesamtstruktur des Werkes nach zu urteilen, legt er hier mehr Gewicht auf das augenblickliche Musiziererlebnis als auf weit gespannte architektonische Verankerung; ein Zug, der übrigens sich allgemein in dem Schaffen unserer jüngeren Generation bemerkbar macht. Einzelne Klangepisoden sind von gewinnendem, ja bestehendem Reiz.
Den zweiten Satz gestaltet er als „Dumta" (böhmische Bauernballade), eine Form, der wir kürzlich gelegentlich des Es-dur-Quartetts von Dvorak begegneten; hier fängt er die Grundstimmung mit lyrischer Ausbreitung ein. Im Finale greift er den tschechischen Nationaltanz, den „Furiant" auf; ein
Tanzrhythmus, der Smetanas „Verkaufter Braut" charakteristisches Gepräg gibt.
Vom Flügel aus leitete der Komponist unter Einsatz beachtungsvollen pianistischen Könnens mit ausgeglichener Technik und farbiger Nachgiebigkeit der Anschlagsmodulation das Werk. Die Energiegebundenheit des Eingangssatzes wirkte sich ebenso mit Bannung aus wie das empfindungsvolle Verweilen der Dumka mit ihrem Verweben der Stimmen. Das Scherzo (Prestissimo) geisterte spukhaft (gestopfte Trompete) bei feinem Kontrast des Triosatzes in klanglicher Ausgesuchtheit. Jrn Finale wurde der rhythmische Akzent bestimmend in der Gegenüberstellung des Hauptgedankens (Streicher) und der Seitenepisoden im wechselnden Lichte der instrumentalen Träger. — Starker impulsiver Beifall war nicht nur Tschaikowsky gewiß, ebenso anerkennend zeigte sich das Haus dem Komponisten und feinen bereiten Mithelfern gegenüber.
Dr. Hermann Hering.
Gloria-Palast:
.Ein hoffnungsloser $611."
Der hoffnungslose Fall ist ein junges, sehr wohlsituiertes, sehr verwöhntes, anspruchsvolles, anmaßendes und eigensinniges Mädchen, das es sich in den Kopf gesetzt hat, Medizin zu studieren, und war aus reinem Trotz, um den Leuten, die ihm feine unsympathischen Eigenschaften vorhalten, zu beweisen, daß es gar nicht so hoffnungslos und unmöglich ist, wie es sich zuerst anstellt. Da am Ende aus dem hoffnungslosen ein immerhin vielversprechender Fall geworden ist, hatte der Film hier die Aufgabe, eine innere Wandlung ober Menschwerdung darzustellen: an sich ein dankbares, obwohl nicht ausgeprägt filmisches Thema; dbcr es ist einem beim Zusehen doch nicht immer ganz wohl, denn erstens ist dieses Geschöpf namens Jenny von Anfang an so angelegt, daß man den Endeffekt in seiner Wahrscheinlichkeit ein wenig bezweifeln muß; zweitens geht die Entwicklung, wie sie hier beschrieben wird, doch manchmal bis an die Grenze des Schwankes, manchmal sogar bis zu einer gewissen Peinlichkeit, obwohl man das Gefühl hat, daß der Spielleiter Erich Engel sich bemühte, die Dinge im Grunde sachlich und ernst zu nehmen; und drittens würde das Thema des Medizinstudiums wahrscheinlich ergiebiger auch für den Film gewesen fein, wenn man sich nicht einen hoffnungslosen, sondern einen normalen Fall ausgesucht hätte, um eines der mancherlei wissenschaftlichen, sozialen ober rein menschlichen Probleme anzupacken, die sich
in diesem Zusammenhänge ergeben können. Man denke beispielsweise an den „Spiegel des Lebens". Jochen Huth, der das Drehbuch lieferte, war übrigens in den „Vier Gesellen", die wir hier auf dem Theater und im Film gesehen haben, dem täglichen Leben, der Jugend unserer Zeit und ihren Sorgen um Zukunft und Existenz näher als hier, wo es sich um ein Lustspiel mit seriösen Hintergründen handeln sollte. Der Spielleiter Erich Engel bringt eine ganze Reihe heiterer Szenen und war auch merklich bemüht, eine sachliche akademische Atmosphäre zu erzeugen, aber darin stören einen bann wieder ein paar wirklich verschollene Studententypen, wie sie heute Gott sei Dank aus- gestorben sind, und die wohl als Kontrastfiguren gedacht waren, obwohl ja die unmögliche Jenny selber ausreichend Kontraste liefert. Jenny ist Jenny I u g o, und es ist keine leichte Aufgabe, die man ihr da zugedacht hat; das Mädchen, bas sie spielt, ist so beschaffen, baß man bauernd darauf wartet, ob sich nicht endlich jemand aufrafft und ihr die Hose stramm zieht; Jenny Jugo ihrerseits tat ihr Möglichstes, die Wandlung glaubhaft zu machen. Karl Ludwig Diehl ist ein eleganter und überaus verständnisvoller Professor, Hannes Stelzer, angenehm trocken und sachlich, sein Famulus, kurz vor dem Examen. Theodor Danegger und Jose- fine Dora liefern als Pedell und Studentenwirtin zwei volkstümliche Figuren; Leo Peukert ist der kraftlose Lustspiel-Papa der hoffnungslosen Jenny. — (Märkische - Panorama • Schneider - Südost.)
*
Im Beiprogramm: die Tobis-Wochenschau mit einem Bericht von der großen Parade in Berlin; als kleine Bühnenschau ein Steptänzer-Paar; und ein hübscher Kulturfilm von der Arbeit der Töpfer, Glasbläser, Drechsler und Kunstschlosser.
Hans Thyriot
Zeitschriften.
— Schon lange arbeitet man an einem wirksamen Gasschutzgerät für Säuglinge und Kleinkinder; denn es hat sich erwiesen, daß Gasmasken nicht geeignet sind. Wie der Schutzbehälter für Säuglinge aussieht, wie er arbeitet, wie man größere Kinder schützt, warum „Gasschutzkinderwagen" unpraktisch sind und viele andere wichtige Fragen beantwortet ein auf* schlußreicher Bilderartikel in der neuen „Siren e". Die illustrierte Luftschutz-Zeitschrift bringt noch andere interessante Bildberichte und Aufsätze, z. B. über Luftschutz für Tiere, Selbstschutz bei Stadtbränden, zivilen Luftschutz in Mandschukuo und vieles andere.


