Rr.52 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag. 2. März 1959
Aus der Stadl Gießen.
Der erste Frühlingsmonat.
Der März ist der erste Frühlingsmonat. Während bisher nur die schnell zunehmende Tageslänge und der steigende Sonnenstand aufzeigten, daß der Höhepunkt des Winters überschritten war, werden jetzt der allgemeine Wetterzustand, die Luftwärme und auch die Vegetation darauf hinweifen, daß es nunmehr Frühling wird. Die Temperatur steigt im Laufe des März in der gesamten westlichen Neichshälftc von 2 Grad Wärme auf 5 Grad Wärme Tagesdurchschnitt an, d. h. wir können in den Mittagsstunden immerhin schon mit 6 bis 10 Grad Wärme in der ersten Monatshälfte und bis zu 15 Grad in der zweiten Monatshälfte rechnen. Die Fröste beschränken sich im März für die westdeutschen Gaue im wesentlichen auf die Nächte. Die extremen Höchsttemperaturen, die der März bringen kann — sofern wir die Erfahrungen der letzten 25 Jahre zur Grundlage nehmen — bewegen sich zwischen 15 bis 20 Grad, in vereinzelten Fällen im Rheinland sogar bis zu 23 Grad Wärme. Diese vorsommerlichen Wärmegrade werden allerdings ausschließlich in der zweiten Monatshälfte erreicht und sind, wie gesagt, Ausnahmeerscheinungen, mit denen nur ganz selten zu rechnen ist, ebenso wie Märzgewitter viel seltener sind, als man durchweg glaubt.
Eine völlig andere Wetterform müssen wir für den größten Teil des März in der östlichen Reichshälfte einsetzen. Dieser Raum Deutschlands neigt wesentlich zum osteuropäischen Kontinentalklima. Das Kontinentalklima hat auch im März noch sehr scharfe Frostperioden. So errechnet man für Polen noch 15 Grad unter Null, für Jnnerrußland noch 25 Grad unter Null. Es ist daher verständlich, daß die im März verhältnismäßig häufig auftretenden südöstlichen und östlichen Winde nach dem Osten des Reiches noch ausgesprochene Frostluft tragen, die auch durch die stärker zunehmende Sonnenkraft nicht über Null Grad erwärmt wird. Dementsprechend sind für die östliche Reichshälfte Tage möglich, an denen die Temperaturen dauernd unter Null bleiben bzw. sich eine zusammenhängende Schneedecke bildet. Allerdings sind diese extremen Fälle größtenteils auf die erste Monatshälfte beschränkt. Die Grenze zwischen dem wesentlich milderen Märzklima West- und Norddeutschlands und dem kälteren Märzwetter Ostdeutschlands verläuft etwa von München über Dresden- Berlin nach Danzig.
Entsprechend dieser unterschiedlichen Gestaltung des Märzwetters in Deutschland sind auch die vegetationsmäßigen Entwicklungsvorgänge gegensätzlicher Art. Im Osten des Reiches ist im Laufe des März kaum ein nennenswerter Beginn der Knospenbildung und des „Grünwerdens" der Wiesen und Fluren zu erwarten. Die dort auftretenden schärferen Nachtfröste heben die erwärmenden Einflüsse der Mittagsstunden wieder auf, die Vegetation hält sich instinktiv zurück. Dagegen tritt im äußersten Westen des Reiches, insbesondere im Rheintal, im Rhein-Maingau und nicht zuletzt auch in der Niederrheinischen Bucht, im Münsterland und im Küstengebiet der Nordsee der Frühling schon mit schwellenden Knospen, mit den ersten Blümchen und zarten Blättchen in Erscheinung. Die niederdeutschen Wiesen sind im März allgemein schon sommerlich grün, wenn auch das Wachstum des Grases zunächst nur langsam einsetzt.
Wettermäßig bringt der März gern eine unruhige Gestaltung. Während seiner Herrschaft stoßen polare Kaltluftmassen, sonnenwarme Luftmassen Mitteleuropas und subtropische Luftfrontcn aus Süden manchmal zu schweren Sturmwirbeln zusammen. Man tut nicht unrecht, diese Orkanwirbel, die im März namentlich auf der See eine berüchtigte Rolle spielen, als ausgesprochene Frühlingsstürme zu bezeichnen, denn auch der schwerste Orkanwirbel, der Kaltluftmassen aus dem hohen Norden mit Schneeschauern südwärts vorbrechen läßt, ist nicht mehr in der Lage, diese Kaltluft zum restlosen Siege zu verhelfen. Sie wird sich höchstens in einigen Nachtfrösten auswirken, doch mittags siegt die Frühlingssonne, wie überhaupt der März trotz aller gelegentlichen Rauheiten der unverkennbare Frühlingsmonat ist, der sein wahres Gesicht nicht verstecken kann.
Der Tag der Luftwaffe in Gießen.
Platzkonzert vor dem Gtadttheater. — Kameradschastsabende.
Links: Geschwaderkommodore Generalmajor S ü ß m a n n (rechts) mit Kreisleiter Backhaus (links) beim Abschreiten der Front. — Rechts: Borbeimarsch der Fliegerttuppe vor dem Geschwaderkommodore Generalmajor Süßmann. — (Aufnahmen [2]: Photo-Halbroth, Gießen.)
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Nach dem militärischen Höhepunkt des gestrigen Tages der Luftwaffe in Gießen, dem Appell und Vorbeimarsch der Truppe vor dem Geschwaderkommodore Generalmajor Süßmann — worüber wir in unserer gestrigen Ausgabe bereits berichteten und heute in Bildern zwei Ausschnitte der Feier bringen —, fand am gestrigen Nachmittag auf dem Platze vor dem Stadttheater ein Konzert des Musikkorps unserer Fliegertruppe unter Leitung von Musikmeister Pfarre statt. Das Musikkorps, das sich bereits am Vormittag bei dem Marsch durch die Stadt in guter Weise der Oeffentlichkeit vor
gestellt hatte, konnte bei dem Nachmittagskonzert durch seine ausgezeichneten musikalischen Darbietungen den hervorragenden Eindruck noch vertiefen. Neben einigen Märschen brachte das Musikkorps auch beste Konzertmusik, und es sicherte sich durch seine Darbietungen den dankbaren Beifall der vielen Zuhörer, die sich zu dieser schönen Darbietung eingefunden hatten. Wie bereits am Vormittag bei dem Marsch durch die Stadt, so wurde auch bei dem Konzert am Nachmittag erneut bekundet, welch große Wertschätzung unsere Fliegertruppe bei unserer Bevölkerung genießt. Ferner konnte das Musikkorps
erkennen, welch dankbares Publikum die Gießener bei den Militärkonzerten sind. Man darf wohl der Hoffnung Ausdruck geben, unser Flieyer-Musikkorps bald wieder einmal konzertieren zu hören.
Der festliche Tag unserer Luftwaffe fand seinen Abschluß mit Kameradschaftsabenden in mehreren Sälen unserer Stadt, wobei unsere Flieger in Gemeinschaft mit vielen Besuchern aus der Bevölkerung bei froher Unterhaltung und Tanz schöne Stunden verleben konnten.
Gruppe Nährstand im Reichsberufsweiikamps.
Auslese der Besten wird fortgesetzt.
NSG. Am 2. März wird im Gau Hessen- Nassau, ebenso wie im ganzen Reich, der Kreiszwischenentscheid der Gruppe Nähr st and im Reichsberufswettkampf durchgeführt und damit die Auslese der Besten der jungen Generation im Landvolk fortgesetzt. Die hierbei ermittelten Kreissieger tragen dann in der Zeit vom 24. bis 28. März den Gauwettkampf aus.
Wir haben bei der Durchführung des Ortsentschei- des feststellen können, daß im Berufswettkampf der Landjugend, auch wenn er im vergangenen Jahre wegen der Maul- und Klauenseuche nicht durchgeführt werden konnte, unverkennbar ein Le i st u n gs- a n st i e g festzustellen ist. Nun zeigt es sich von Jahr zu Jahr mehr, wie die Einführung der L a n d - arbeitslehre Früchte bringt. Die Landarbeit ist ein gelernter Beruf, bei dem „gelernt" mit wirklichem Können gleichgesetzt werden kann. An dieser Berufserziehung unserer Landjugend muß auch, das wird immer deutlicher klar, bereits in der Vorbereitung die Landschule ihren Anteil haben.
Es soll damit nicht etwa gesagt werden, der deutsche Bauer habe früher nichts gekonnt. Denn er ist schon ein tüchtiger Fachmann gewesen und seine Arbeit hat überall Anerkennung gefunden. Heute aber geht es darum, daß wir die fachliche Leistung unserer Väter noch übertreffen. Wir müssen unser Volk aus der eigenen Scholle ernähren. Das ist nur möglich durch eine Steigerung der beruflichen Leistungsfähigkeit, der fachlichen Kenntnisse. Der Reichsberufswettkampf führt unsere Landjugend mit auf diesen Weg.
Die Aufgabenstellung für den Berufswettkampf der Gruppe Nährstand ist ganz auf dieses Ziel gerichtet. Sie erfolgt für den Orts- und Gauwettkampf, sowie für den Reichskampf durch die Reichswettkampfleistung. Für den Kreiszwischenentscheid wer- -den die Aufgaben durch die Gauwettkampfleitung gestellt. Am Kreiszwischenentscheid nehmen nur d i e Berufsgruppen teil, bei denen im Ortsentscheid vier und mehr Wettkampforte innerhalb eines Wettkampfkreises, der in diesem Jahr mit dem Gebiet einer Kreisbauernschaft übereinstimmte, vorhanden waren. Wenn dies nicht der Fall war, kommen die Sieger der betreffenden Berufsgruppe unmittelbar zum Gauentscheid. Es gibt auch in unserem Gebiet einige Berufsgruppen, die zu klein und deren Angehörigenzahlen zu gering waren, um am Ortsentscheid teilnehmen zu können. Diese beteiligen sich nun unmittelbar am Kreiszwischenentscheid.
Die Aufgaben umfassen im Orts-, Gau- und Reichswettkampf bei unseren Landjungen und Landmädel Berufspraxis, Berufstheorie, Hauswirtschaft und Weltanschauung. Die Prüfung im Kreiszwischen- entscheid beschränkt sich auf die Berufspraxis, wozu noch der Sport kommt. Auch die Leistungen in den Leibesübungen sind für unsere Landjugend im RBWK. besonders wichtig, denn sie soll ja besonders kräftig, gesund und auch körperlich leistungsstark sein. Wenn mir hierbei noch gegen die Folgen der Sünden des liberalistischen Systems am deutschen Landvolk anzukämpfen haben, so wird gerade dieser Sportkampf der Landjugend alljährlich zeigen, wie die Jugend unseres Bauerntums sich im natio
nalsozialistischen Staat wieder mehr und mehr vott den Schäden der Vergangenheit freimacht.
Die Teilnehmer der Gruppe Nährstand sind im ganzen Berufswettkampf in drei bzw. vier Leistungsklassen eingeteilt. Außerdem wird noch eine Unterscheidung hinsichtlich des Besuches oder Nichtbesuches der Landwirtschaftsschulen gemacht. Die Aufgabenstellung erfährt natürlich während der Wettkämpfe im Orts-, Kreis- und Gauentscheid und zuletzt auch im Reichskampf selbst eine gewisse Steigerung. An die Auslese, die sich in immer kleinerer Zahl herausbildet, können auch höhere An-
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foröerungen gestellt werden. Ebenso unterschiedlich ist auch die Schwierigkeit der Aufgaben in den verschiedenen Leistungsklassen. Greifen wir einige Beispiele heraus, die uns zugleich ein Bild geben, welche Anforderungen im diesjährigen Berufswettkampf an unsere Landjugend gestellt werden, wobei natürlich nur wenige Aufgaben aus der großen Zahl der 32 Berufsgruppen genannt werden können.
In der weltanschaulichen Prüfung für männliche und weibliche Teilnehmer im Ortswettkampf ist zum Beispiel in der Leistungsklasse 1 (Jahrgang 1924/23) nach dem Zweck der Ahnenforschung ge-
Dreimal Schabernack.
Bon 3- H. Rösler.
Wenn ein Engel durch das Zimmer fliegt, wenn die Gespräche fad werden wie eine abgestandene Limonade, wenn man leise gähnt und heimlich auf die Uhr schaut, dann, liebe Freunde, ist die Stunde der lustigen Wetten gekommen. Kommt her und vernehmet 'sie, geht hin und verbreitet sie:
„Ich zahle jedem zehn Mark", erklärte Hippe, „der sich unter den Tisch setzt, den Kopf oben an die Tischkante stemmt und es dort aushält, bis man dreimal mit der flachen Hand auf den Tisch geschlagen hat."
„Gilt das?"
„Es gilt!"
Ein Dicker kriecht unter den Tisch. Der Dicke zwängt sich durch die Tischbeine, stöhnt und ächzt. Endlich hat er den Kopf an der Platte.
„Fertig?"
„Fertig", stöhnt der Dicke. -
Hippe holt mächtig aus. Hippe läßt nut aller Kraft die Faust auf den Tisch prallen. Dem Dicken dröhnt der Schädel.
,L>as war der erste Schlag", ruft Hippe.
„Jetzt kommt der zweite Schlag!"
Hippe haut wieder zu. Er schlägt noch gewaltiger.
„Das war der zweite Schlag", ächzt her Mann unter dem Tisch.
,La, das war der zweite Schlag", bestätigt Hippe.
Dann sagt Hippe nichts mehr. Dann geht Hippe vom Tisch weg, erzählt Witze, spielt Karten. Dem Dicken unter dem Tisch wird es zu dumm.
„Hallo!" ruft er ärgerlich, „wann kommt denn endlich der dritte Schlag?"
Da wendet sich Hippe um und ruft vergnügt:
„Morgen früh, mein Lieber! Wenn Sie bis dahin unter dem Tisch sitzen bleiben, haben Sie die Wette gewonnen."
„Meine Damen und Herren!" erklärt Hippe mit gehobener Stimme bei einem Familienfest- „ich bin imstande, innerhalb einer Minute einem Herrn vom Anzug zehn Knöpfe abzuschneiden und wieder anzunähen. Wer hat Lust, die Wette zu halten?"
„5n einer Minute zehn Knöpfe?"
„Ja."
„Abzuschneiden und anzunähen?"
„Ja."
„Wie hoch gilt die Wette?"
„Zwanzig Pfennige! Ich will euch nicht aus- raubcn."
Es finden sich etliche, die die Wette halten wollen. Und Hippe wählt mit Bedacht einen korrekten Herrn im schwarzen Anzug, einen Herrn, der den ganzen Abend mit steifem Gesicht gelangweilt dagesessen ist, einen Herrn, der sich besonders vornehm dünkt, der nur im Keller lacht, wenn ihn keiner sieht — mit diesem Herrn schließt Hippe die Wette ab.
Der Herr im schwarzen Anzug setzt sich auf einen Stuhl. Hippe, mit eingefädelter Nadel, bekommt die Uhr und befiehlt:
„Jetzt los!"
Hippe säbelt mit der Schere dem Vornehmen die drei Rockknöpfe ab, Hippe schneidet ihm fünf Westenknöpfe herunter, Hippe fetzt noch die beiden Hosenknöpfe ab, die hinten die Hose am Hosenträger halten. Die Knöpfe springen weit und kullern im Zimmer herum. Dann ergreift Hippe Nadel und Zwirn und fingert aufgeregt nach dem ersten Knopf.
„Wie spät?" stöhnt Hippe verzweifelt.
Triumphierend verkündet der Vornehme:
„Noch dreißig Sekunden!"
„Da läßt Hippe entmutigt die Nadel sinken, wirft den Knopf weg, erhebt sich und sagt:
„In dreißig Sekunden werde ich niemals fertig! Schade, ich habe die Wette verloren. Hier sind Ihre zwanzig Pfennige. Das war mir der Spaß wert."
Der Herr mit dem steifen Gehaben rennt jetzt fuchswütend den ganzen Abend ohne Knöpfe herum. Man hat noch viel Spaß an ihm.
.Lieber Herr Otterbein", begann jetzt Hippe und wandte sich an einen verdutzt dreinschauenden, unverheirateten Mann, „wollen Sie den Namen Ihrer zukünftigen Frau wissen?"
„Da wäre ich wirklich neugierig!"
„Ihre Neugierde wird sofort befriedigt. In einer Minute sage ich Ihnen, wie Ihre Frau heißen wird. Sie müssen mir nur einige Daten nennen und ein wenig rechnen. Wollen Sie?"
Herr Dtterbein will.
Und Hippe beginnt:
„Wann sind Sie geboren?"
„Am siebten April 1899."
„Und Ihr Herr Vater?"
„Am 23. März 1863."
„Schön", sägt Hippe, „bann multiplizieren Sie erst Ihren Geburtstag mit dem Geburtsmonat und dann nochmals mit Ihrem Geburtsjahr, machen dasselbe mit den Geburtsdaten Ihres Vaters, zählen dann noch das Geburtsjahr Ihrer Frau Mutter dazu und teilen das Ganze durch die Zahl Sieb
zehn. Und wenn Sie mir die Zahl dann nennen, sage ich Ihnen den Namen Ihrer zukünftigen Frau."
Otterbein rechnet und rechnet. Ihm perlt der Schweiß von der Stirn. Ihm zittert die Hand vor Ansttengung. Aber endlich hat er es. Und stolz und außer Atem kündet er die gefundene Zahl 12,511 Komma 11. Hippe nickt zufrieden.
„Prächtig, prächtig."
„Und jetzt —"
„Was?" fragt Hippe. ,
„Jetzt können Sie mir sagen, wie meine Frau heißen wird?"
„Freilich."
„Wie?"
Hippe sagt freundlich:
„Ihre. Frau, Herr Otterbein, wird Frau Otterbein heißen."
„November-Ballade 1632" von Müiler-Scheld.
Das erst vor wenigen Wochen nach anderthalbjähriger Arbeit beendete jüngste Werk des Dramatikers Wilhelm Müller-Scheld erlebte seine erfolgreiche Uraufführung am Frankfurter Schauspielhaus. Das Stück bedient sich einer völlig unhistorischen Handlung. Es will die Sinnlosigkeit des Brudermordens deutlich werden lassen. Grauenhafte Wirklichkeit wurde zur Dichtung und Dichtung wieder zur Wahrheit. Das Einzelschicksal des Prinzen Karl aus dem Heere Wallensteins, das sich nach der Schlacht von Lützen 1632 zurückzieht, eine verwüstete Landschaft des 30jahrigen Krieges, Katjan, der Repräsentant des zertretenen Bauerntums, der Kaiser und sein Beichtvater Lamormain bilden das allgemeine Fundament dieser Ballade, die seelische und menschliche Erschütterungen reproduziert. Das Werk führt eine rauhe Sprache. Es will nur einen balladesken Bericht geben. Herbert Wählens Inszenierung ist bemüht, diesem Eindruck zu entsprechen. Gesten und Sprachen bilden ein Element zum Verständnis dieser „Vision des Grauens" Dem gedanklichen Element der Dichtung war in der Frage nach Sinn und Auftrag dieses Krieges fein stärkster Ausdruck gegeben. Wolfgang Büttner als Prinz Karl, S ch o mb e r g als Bauer Katjan, Noack als Kaiser Ferdinand II. und Mitulsky als Pater Lamormain boten überzeugende Leistungen. Die Uraufführung, der auch Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger beiwohnte, hinterließ einen guten Eindruck Autor und Darsteller konnten reichen Beifall entgegennehmen. Dr. Hans Will.
Zeitschriften.
— „Das Innere Reich" (Herausgebers Paul Alverdes. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München.) Die Februar-Nummer ist aus Anlaß des deutsch-französischen Abkommens im Dezember Frankreich gewidmet; sie sucht die politische Verständigung zu einer persönlichen und herzlichen dadurch zu verfestigen, daß sie die Möglichkeit bietet, einmal unvoreingenommen, ohne ideologische Stellungnahme französischen Geist, französische Seele, französisches Volk und französische Kultur kennen zu lernen, wie sich Geist, Seele, Volk und Kultur in Werken der Malerei und Dichtung in hervorragenden Vertretern Frankreichs ausnehmen. Charles Peguy, Jules Supervielle, Henry de Mont- herlant kommen im Gedicht zu Wort Paul Valöry vermittelt einen eigenartigen und höchst typischen Einblick in die Werkstatt eines geistig Schaffenden im heutigen Frankreich. Jules Romains beschreibt in „Frankreichs Schritt in die Geschichte (Juli 1914)" — einem Ausschnitt aus dem deutsch noch nicht erschienenen 14. Band des gewaltigen Romanmonuments „Die guten' Willens sind" — die Gesamtsituation Frankreichs in den Tagen vor Kriegsausbruch. Die Fülle und Bedeuttmg der Aufschlüsse, die wir hier über das französische Wesen erhalten, sind überwältigend. Friedrich Ernst Peters bringt uns mit dem „Blick auf die Sternenbahn feines Geistes" den großen Naturforscher und religiösen Denker Blaise Pascal nahe. Karl Epting berichtet über das „Werk Henry de Montherlants", des Soldaten unter den Dichtern des heutigen Frankreichs. Walter Bauer begreift das Schaffen Stendhals als „Heimweh nach der Jugend" und erzählt von den „Reisen Flauberts". Die weltanschaulichen Hintergründe der neueren französischen Malerei legt Hans Reetz dar: „Vom Ursprung des Impressionismus und des Expressionismus in Frankreich". Sechs Wiedergaben altfranzösischer Malerei führen uns in eine wenig bekannte aber reiche Zeit der altfranzösischen Kunst und schmücken das reichhaltige Heft, das Paul Alverdes mit einem Erlebnisbericht eingeleitet hat, aufs schönste.
— Einen vorzüglichen Eindruck von der Frühjahrsmode gewinnt man aus der neuen „M oben» w e l t" (Deutscher Verlag, Berlin), lieber 100 Beispiele darin zeigen, wie man sich nach der neuen Mode kleiden kann, wenn man blond, braun oder schwarz ist, zu den Vollschlanken zählt oder zu den allzu Ranken, wenn man Strickkleidung liebt ober Smockstickerei. Außerdem bringt das bunte Heft Kin, Verkleidung und für die felberschneidernde Frau vielschneidertechnische Winke.


