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Nr.177 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Sienstag.l. August (939

Aus der Stadt Gießen.

August! macht d' Bauern tust!."

Nun ja, wem Arbeit eine rechte Lust bedeutet, der kommt als Landmann im Monat August auf seine Rechnung! Der Erntemond ist Großkampfzeit für unsere Bauern. Drum heißt es zutreffend im Sprichwort:Der August vergeht, indes der Bauer mäht." Und anücrorts sagt man:Wer schläft im August, schläft zu eignem Verlust." Nun geht es aber dem Landmann so, daß seine Arbeit und noch mehr der Ertrag seiner Arbeit außerordentlich stark von der Witterung beeinflußt ist. Und daraus ergibt es sich ganz von selbst, daß die bedeutsame Erntezeit von Wetterwünschen und vorausschauen- den Prophezeiungen besonders stark bedacht wird. Also blickt man immer wieder zum Himmel, um zu sehen, ob er segenspendend oder ungnädig sei.

Erklärlicherweise kann die Hauptarbeit auf Feld und Wiese in dieser Reifezeit unter allzu ergiebigem Regen erheblich leiden; seltener schadet jetzt starke Hitze. Drum heißt es überall:Trockener August ist des Bauern Lust." Bedenklich allerdings erscheint es, wenn schon zum Monatsbeginn die Gewitter­neigung vorherrscht:Fängt der August mit Don­nern an, er's meist bis zum Ende nicht lassen kann!" Der Winzer stimmt dem Ackerbauer bei:Juli und August recht heiß, das lohnt des Weingärtners Fleiß." Natürlich kann ein gelegentlicher frischer Guß überaus segensreich sein. Drum sagen die Egerländer:Wenn der August ganz ohne Regen geht, das Pferd mager vor der Krippe steht." Das bezieht sich besonders auf den Wiesenwuchs, der vor dem zweiten oder gar dritten Schnitt noch etwas Himmelsnaß benötigt, wenn's ein gutes Oehmd oder Grummet geben soll.

Der 1. August trägt im Kalender den Namen ^.Petri Kettenfeier". Wie so viele Monatserste gilt rr als besonders schicksalhaft. Man soll keine wich­tigen Dinge unternehmen, besonders das Schicksal »richt herausfordern. Schon wer einen Baum be­steigt, ist in ernster Gefahr, herunterzufallen. Dieser Aberglaube mag damit Zusammenhängen, daß nach nlter Legende Luzifer, der gefallene Engel, an einem 1. August aus dem Himmel hinab zur Hölle gestotzen sei. Zwei Prophezeihungen aus Schleswig- Holstein erwünschen deutlich gutes Wetter für den Monatsbeginn:Regnet es Peterkett, so regnet's 4 Wochen lang", sagt das eine Bauernorakel; und das andere zieht daraus die schmerzliche Folgerung: .Regnet es an Peterkett, liggt de Arn (Ernte) im Dreck."

St. Laurentius ist der 10. August geweiht. ^Wenn's am Lorenztag regnet, gibt es schlechtes schaf- und Bienenfutter" heißt es. Auch der Win- «er freut sich, wenn er jetzt Sonne spürt:Laurenz yeiß guter Wein!" sagt er, und der österreichische Bauer reimt:Wie Laurenz und St. Bartelmei io dich auch zum Herbst gefreu!"

St. Bartholomäus am 24. August ist ebenfalls ein wichtiger Tag für den Londmann. Die Arbeit reißt gar nicht ab; letzte Korn- und Heuschnitte wollen gemacht sein; die Obsternte setzt ein; außerdem ist «hon wieder Saatzeit! Drum heißt's nun:

Barthlome, wer Korn hat, der'! Wer Gras hat, der mäh'! Wer Hafer hat, der rech'!

Wer Aepfel hat, der brech'!"

In Schwaben sagt man, weilBartelsregen" sehr anhaltend sein soll:Wenn's regnet an St. Barthels- Tig, dann regnet's jedem in feine Saat. Er mag nen früh oder spat!" Zn Ostpreußen hingegen ' nd etliche Breitengrade machen schon einen 'Unter- chied im Klima und seiner Auswirkung für die Landwirtschaft hält man sich an die dort be- Dährte Bauernregel:Wenn's Barteln regnet auf -»en Hut, geraten die Kartoffeln gut!" Jedoch, »»ei gegensätzliche Wetterwünsche für einen Tag: JÄan sieht, Petrus hat es durchaus nicht leicht.

W. L.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Entführt".

Mii Gießener Pimpfen auf -er Kahrt nach Eger.

Unterwegs auf schöner Landstraße.

Seit dem Mittwoch der vorigen Woche befinden sich 72 Pimpfe und Führer des Jungbannes 116 auf ihrer Egerfahrt, die sie mit Fahrrädern unter­nommen haben und die sie durch schönste deutsche Landschaft führt und führen wird. Die Fahrt wurde in Friedberg angetreten, wo im Burghof noch ein kurzer Appell stattfand. Die Abteilungsführer über­zeugten sich vom Ausrüstungsstand, sahen nach, ob die Räder in Ordnung waren, überprüften die Uni­formen und teilten die Fahrtgruppen ein. Die Fahrtgruppe 1 umfaßt die Teilnehmer der Spielschar und vom Fähnlein 3, die Fahrt­gruppe 2 setzte sich aus Pimpfen der Fähnlein 4, 5, 26 und 27 zusammen und in der Fahrt- gruppe 3 vereinigten sich die Pimpfe der Fähm lein 2, 6, 13, 22, 23 und 33.

3n Frankfurts Altstadt.

Die Fahrt des ersten Tages gestaltete sich nicht sonderlich erfreulich, denn es regnete. Die erste Etappe führte nur bis Frankfurt und des schlechten Wetters wegen wurde in der Jugendherberge über­nachtet. Nach einem kräftigen Abendessen wohnten zwei Fahrtgruppen einem Lichtbildervortag über "Alt- und Neu-Frankfurt" bei und so geschab also schon am ersten Tage etwas für die Bildung Die Fahrtgruppe 2 pirschte sich unter kundiger Leitung durch die Straßen der Altstadt, die sich im Scheine der schönen alten Laternen sehr romantisch aus­nahmen.

Besuch im Aschaffenburger Schloß.

2)er_ zweite Tag brachte als Ziel die Stadt Aschaffenburg. Eine schöne Stunde vermittelte da­bei die Besichtigung des Parkes Schönbrunn. Auch dem Schloß Johannisberg, das in mächtigen Aus­maßen am Main liegt, und vom anderen Main­ufer aus einen prächtigen Anblick bot, wurde ein Besuch abgestattet. Mit aller Aufmerksamkeit und Hingabe besichtigten die Pimpfe die Gemäldegalerie des Schlosses, in dem ihnen manches bedeutende Kunstwerk (Holbein, Dürer, Cranach, Grünewild) begegnete. Der Besuch des Schlosses wurde schon dadurch ein reicher Gewinn. Leider mußten aus Zeitmangel die Besichtigungen der Stiftskirche, des Pompejanums und des Wasser-Schlosses Mespel- brunn ausfallen.

Am Abend des zweiten Fahrttages nahmen die

Pimpfe die ersten Höhen des Spessarts und kehrten in Rohrbrunn in einem Massenguartier zur Nacht ein.

herrliches Würzburg.

Am anderen Morgen das Wetter hatte sich erheblich gebessert und damit stieg auch die allge­meine Stimmung ging es in sausender Fahrt die Spessartberge hinunter und über Marktheidenfeld in der Richtung nach Würzburg. Der Stadt Würz­burg galt dann ein eingehender Rundgang, der den oberhessischen Pimpfen eine reiche Fülle der Schön­heiten dieser Stadt offenbarte. Mancher und wohl die meisten der Pimpfe lernten hier zum ersten Male die hervorragenden architektonischen Werke eines Balthasar Neumann kennen. Auch die Alte Brücke und die Festung Marienberg hinterließen oei den Jungen einen starken Eindruck. Der Abend iah dann die Fahrtgruppen in Rottendorf unweit von Würzburg. Hier wurden sie überaus gastlich aufgenommen und dabei privat verpflegt. Als sich alle die Kameraden im Massenguartier und im Stroh einfanden, rühmten sie in hohen Tönen das prächtige Abendbrot, das ihnen in Rottendorf zuteil geworden war und es erhub sich ein fröhlicher Streit; jeder wollte am besten gegessen haben. Im Stroh und unter Zeltbahnen und übervoll der rei­chen Eindrücke des Tages schliefen die Pimpfe den Schlaf der Jugend. Die Fahrt auf dem Rade und die Besichtigung in Würzburg hatte an jeden, wenn auch erträgliche, so doch immerhin einige Anforde­rungen gestellt.

Ein heißer Tag. 3m Kloster Lbrach.

Der nächste Tag (Samstagmorgen) sah die Pimpfe und Führer des Jungbannes 116 auf der Fahrt nach Ebrach. Der Tag war heiß, und es rann mancher Schweißtropfen. Aber alle legten an diesem Tage auch etwas Farbe zu, denn die Sonne meinte es sehr gut. In Ebrach wurde mit Freude von dem Schwimmbad Gebrauch gemacht. Es wurde aber au cf) trotz der Annehmlichkeit des Bades nicht ver­säumt, das frühere Kloster (eine Schöpfung Dientzen-. Hofers und Balthasar Neumanns) zu besichtigen. Der Kaisersaal und das Treppenhaus machten einen besonders starken Eindruck. Mit Bewunderung sahen die Pimpfe auch die leuchtenden Fresken der ita­lienischen Maler.

Am Samstagabend wurde Burgwindheim erreicht und dort das Nachtlager aufgeschlagen. Eins besondere Freude wurde den Pimpfen dadurch zu­teil, daß die dortige NS.-Frauenschaft für ein aus­gezeichnetes Abendessen Kartoffelsalat mit Fleisch­wurst gesorgt hatte. Bei aller Begeisterung für die Schönheiten der Landschaft und der Kunst war den Pimpfen der gesunde Sinn für die Würdigung

Kurze Rast. (Aufnahmen {2]: Jungvolk.)

eines guten Abendbrotes nicht abhanden gekommen.

Dies wurde in Burgwindheim nachdrücklich bewiesen.

Der Sonntag sah dann die Pimpfe eine kurze Strecke weiter: in Bamberg, (lieber den weiteren Verlauf der Fahrt berichten wir noch.)

Festspiel- und Feierstätte Loreley.

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Hauptzufahrtsftraßen:

A. Ober lahnft ein - St. Goarehaufen Reichenberg - Retßenhain - Nieder­wallmenach - Bornich

6. Frankfurt -Wiesbaden -ßäderftr. - Holzhaufen - Naftirten - Bogel Nteder-Wallmenach - Bornich.

C. Taunuegcblet-Welfel-Bornich.

0. Rheinufcrftraße - Kaub -Welfel Bornich.

Äufmarfchftraße:

(für leOen AuroorrKthr gtlpcm)

St. Goarehaufen - Forftbach Feftfpicl» und Feierftitte

<$>Sanität6ftationen:

1. Kaub

£. Vihtorlafiollcn

Z. Welfel

4. Bornich

5. Loreley

6. Forftbach

7. St.Goarehaufen

(Rathaue)

Aufführungen desWilhelm Tell" Schiller mi°- V°rk-Hrsr°g°lung für die Äns-llrt in Kraft

NSG. Auf der Festspiel- und Feierstätte L o r e - l e y werden am 2. und 3. August die glanzvollen

derholt. Da auch zu diesen Aufführungen eine große Besucherzahl erwartet wird, tritt eine besondere

Assisi, heilig und profan.

Von Wilhelm Boeck.

Assisi hat seine entscheidenden Tage zur Zeit jenes erIeb!' bcr ein Nationalheld ist, vor dessen ! wher Menschlichkeit sich alle Bekenntnisse ehrfürchtig verneigen. Es ist nicht nur die Stadt, deren Zukunft I r7 ^ne Gründungen bestimmte, mindestens 'benso sehr auch noch die, in der er geboren wurde L -Mu seine weltlichen Jugendjahre verbrachte. Aber I 1in?e£!)a^ kfcfe alte Stadt hat nichts Antiquarisches J$Grftaubks an sich, ihre Bewohner nichts weltfernes und Zurückgebliebenes, obwohl man nicht cerabe behaupten kann, daß Assisi eng an den gro- f«n Verkehr angeschlossen sei. Festliche Reinlichkeit mb edle Natürlichkeit geben den Hellen Häusern mb dunkeläugigen, warmblickenden Menschen eine t 'stimmte Haltung.

'Me die meisten umbrischen Bergstädte besitzt r-sisl heute eine Autobusverbindung mit dem im int unweit der Portiuncula-Kirche gelegenen ^hnhof. Die Fremden, die dieses Fahrzeug auf- lQt und gleich m den engen Straßen hinter der 'Ptta S. Francesco wieder ausspeit, sind nicht bie- 'eben, denen man in den Museen von Florenz und Rom begegnet. Es sind Leute, die irgendwie genau ra ffen, warum sie herherkommen, und sei es nur für einen schmalen Tag. Das kleine Hotel ist von uaer Schlichtheit, die erfrischt wie kühles Wasser, >cs in derben Fayencekannen überall auf den Ti- fen steht. Hier wird man nicht gefragt, ob man in: Zimmer mit zwei Betten, sondern ob man eine camera matrimoniale wünsche. Zieht man klöster- icne Einsamkeit vor, so findet man über harte Trep­penstufen oben auf gleicher Höhe mit einem Herten, steinernen Hinterhöfchen die Ruhe, die n:n sucht, in einer sauber getünchten Zelle, deren W ausschließliches Mobiliar in der eisernen Bett- fiele besteht.

Oie gleiche asketische und dabei so freundlich an- tutige Note zeigt die ganze Stadt. Die Häuser sind lli-blank, obwohl ober gerabe weil sie alle nicht rerputzt, sonbern auch einem prachtvollen Gestein schichtet find, bas uns auf Befragen alsStein 13 Assisi" bezeichnet wirb, ein lichtgraues bis rosi- fL. kristallinisches Material, bas sogar vor Mar- rcr ben Vorzug hat, im Sonnenglanz weniger k zu blenben und dabei farbiger zu fein. Wir lttunbern ben festen und doch leichten Baustil von . ästen, die schon in den Fresken Giottos porträ- M find, und unfern von diesen die zierliche Kanzel

der Oberkirche von S. Francesco, die beweisen will, daß der heimische Stein auch ein tüchtiger Werkstoff für ben Bilbner ist. Ihm verbauten schließlich bie großen Kirchen ihre äußere, zarte Schönheit.

So seltsam es klingt, bie Bauart von S. Fran­cesco wirb einem am besten vor S. Chiara klar. Die breit megftrebenben, von großen Bogen burch- brochenen Stützpfeiler, sie sind in der Ünterkirche von S. Francesco zu Trennwänben ber seitlichen Kapellenreihen geworben. Gerabe in bem schmuck­losen, einschiffigen Inneren von S. Chiara wirb man sich ber engen Beziehung biefer Bauweise zur Freskomalerei bewußt, ber so bie langen, gut be­leuchteten Wände der Oberkirche bargeboten werben konnten. In diesem Sinne war es kein Zufall, daß sich in Assisi bie bebeutendsten Monumentalmaler Italiens, barunter Cimabue, Giotto unb Simone Martini, einfanben, um bas berühmte Gotteshaus mit bem überwältigenden Reichtum ihrer Werke zu schmücken. Es ist kaum zu viel gesagt: S. Fran­cesco ist das gewaltigste Denkmal der Wandmalerei überhaupt, und man könnte viele Wochen mit Optik und Scheinwerfer unter ben hohen Gewölben um- herwanbern, bis man glauben bürste, alles gesehen zu haben.

Aber S. Francesco ist kein Museum, sondern eine Kirche, unb zwar eine Kirche von befonberer Würbe bes Kultus. Auch hier im Heiligtum wirkt alles so einfach unb unmittelbar, baß ber Nichtkatholik nichts Befremdliches empfindet, wenn er vor bem Grab bes Mannes steht, ber bem Papst bie Kirche roieber aufbauen mußte. Eine tiefe Höhlung würbe für ben groben Sarg in ben Felsen getrieben und wieder zugeschüttet, um ben Leib vor ber Habgier bes mäch­tigen Perugia zu schützen. Erst vor hunbert Jahren würbe um ben nicht von ber Stelle bewegten Sarg herum eine Art Krypta gebaut, in ber unlängst auch bie bekanntesten Gefährten bes Heiligen bestattet würben. Ein paar Besucher, sichtlich von ber ernsten, milben Schönheit bes Bauwerks beeinbrueft, trenn­ten sich von uns, als bie Reliquien gezeigt werben sollten; sie taten unrecht baran. Die Andenken an Franziskus hauptsächlich Kleidungsstücke und an­dere Gegenstände bedürfen keiner anderen als der geschichtlichen Empfehlung.

Auf dem Rasenplatz vor der Fassade der Ober­kirche tummelt sich die Schuljugend. Wir gehen durch stille Straßen, an deren Wänden geschickte Schmiede ihre ansprechenden Kupfertreibarbeiten und Eisen- laternchen ausgehängt haben, über den zu müßigem Verweilen ladenden Marktplatz, wo sich die hübsche Giebelfassade eines antiken Minervatempels geschwi­sterlich an den mittelalterlichen Rathausturm an­

lehnt, und freuen uns an bem Brunnen, ber hier wie bei S. Chiara ben Tauben Labung gibt. Keine rauschenden, ftrömenben Anlagen, nur ein großes achteckiges Becken und darin wie ein Pilz eine runde Schale mit einem dünnen, kristallklaren Strahl; sie scheint der Tauben wegen da zu sein, denen sie ben lieblichsten unb sichersten Platz gewährt. Unter Bo­gen, über Treppen unb steile Gäßchen es bebarf einiger Hebung, sich zurechtzufinden führt ber Weg zur Rocca, ber für eine Ruine wahlerhaltenen trotzigen Burg auf ber Höhe.

Den letzten Teil bes Pfades springt uns emsig unb bozierend ein behendes, schwarzlockiges Mädchen voran, bem wir ben Wegzoll in Form einer rot- leuchtenben Orange erlegen, um ungestört bie Herr­lichkeit ber besonnten umbrischen Landschaft genießen zu können. Auf bem bebürftigen, felsigen Boben sprießen unzählige violette Sternchen, unb bie Stim­men ber Singvögel von allen Seiten erinnern an die nvrbische Heimat. Es sind die Vöglein des hl. Franz, die fleißige Frauenhänbe unten in ber Stabt Zu Tausenben auf feines Linnen stickten. Von bem weit vorgeschobenen, über einen langen Gang zu betretenben Wartturm ober ber sonnigen Steinbank über bem Steilhang schweift ber Blick zum heute burch einsichtige Derkehrsvereine eng verbundenen Perugia und umfaßt alle Orte ber Geschichte unb ßegenbe bes Heiligen, vor allem S. Francesco selbst mit seinem großen, von Arkaben gefaßten, im Lichte glühenben Vorplatz unb ben großen Zypressen, deren Spitzen aus ber Kreuzgangarchitektur bes einstigen Friedhofs herausragen.

Da oben steht die Zeit still. Der gütigen Sonne Umbriens, bie Berge und Hügel in hauchzarten Dunst hüllt, gesellt sich ein sanfter, würziger Winb unb bläst alle stickigen Gebauten fort, macht die Seele frei für die ewigen Geheimnisse. Und wieder taucht die riesige Hand auf, bie mit ihren ausbrucks- ftarEen ©liebem einen Dienst über jener Kanzel ber Oberkirche faßt unb deren sinnbildliche Bebeutung ber funbige Führer leugnete. Gewiß, ber Himmel ist hier zum Greifen nahe, näher als auf manchem Bergriefen. Assisi ist einer ber seltenen Orte, wo Gott zu ben Kindern der Welt in ihrer Sprache spricht, so wie Franziskus sich mit den Tieren unter­hielt.

Sochschulnachrichlen.

Professor Dr. Werner Jansen, Ordinarius für Hydrotherapie an der Universität Berlin, ist auf feinen Antrag in ben Ruhestand versetzt worden.

Vor 25 Zähren ...

Erinnerungen an ben Weltkrieg, ber vor 25 Jahren nad) einer langen europäischen Friebenszeit aus» brach, veröffentlicht der hervorragende Ge chichts- forscher Professor Dr. Karl Alexander von M ü l l e r im August-Heft von Velhagen & Klasings Monatsheften in einem Beitrag, der in mei­sterhafter Weise die große Zeitwende vor 25 Jahren,

Voraussetzung und ihre Folgen zufammenfaßt. In diesem Aufsatz des Historikers schwingt bei aller Klarheit und Wissenschaftlichkeit der Darstellung etwas von dem zum Heldenlied drängenden Pathos jener Zeit, unb gleich einem sinnvollen Abschluß unerhörter Taten unb Leiden wirkt es, wenn der Historiker in ber Erscheinung bes Führers ben Retter erblickt, ber bie Schande von Versailles tilgte. Niemand vermag", so endet Müller seine Ausfüh­rungen,mit Sicherheit zu sagen, welche Züge die Welt am Ende ber erdumspannenden Krise tragen wird, die mit bem Weltkrieg begann. Immer noch werben in ihr bie einzelnen Völker für biese neue Zukunft gewogen Immer noch ist jedes von ihnen aufgeboten, feine Kraft, wie feit einem Vierteljahr- bunbert ohne Unterlaß zu steigern unb täglich neu ZU erproben. Immer noch stehen bei uns gleich ben kastilischen Rittern währenb bes großen Befreiungs­kampfes gegen bie Mauren unsere Rosse allnächtlich gewappnet im Schlafgemach, bomit jebe Gefahr uns gerüstet finbet. Unser beutsches Volk aber mag biefen 25. Gebenktag bes großen Krieges 1939 mit Zuver­sicht unb in ruhiger Stille begehen: Es denkt an ihm seiner Toten, und es dankt feinem Führer."

Zeitschriffen.

Londoner Zeitungen berichteten in Schlagzeilen von einer sensationellen Erfindung: einer Drüsen- Vitamin-Pille, bie Englanbs Zivilbevölkerung im Kriegsfall angeblich vor Panik bewahren soll. Äerzte und Chemiker im Dienste des Gefunbheitsministe- riums wollen die Wirkung dieses neuartigenNer- ven-Beruhigungsmittels" genau studiert und in zahlreichen Experimenten beobachtet haben. Im spa­nischen Krieg soll bas Präparat schon mit Erfolg ausprobiert worben fein! Das neue Heft berS i - rene" bringt neben biefem Bericht einen inter­essanten Bilderartikel von einem Lehrgang auf ber Lanbesgruppen-Luftschutzschule Thüringen, außerbem weitere Aufsätze unb Mitteilungen bes Reichslus^ schutzbundes.