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also nur, welche beklagenswerten Folgen Ihr Lob haben konnte! Aber seien Sie nur ruhig: es ist eine Versuchung, die überwunden werden soll wie so viele andere. Ich liebe keine Ueberflüssigkeiten, und Totenmessen gibt es so viele ... unnötig, noch eine mehr zu komponieren." Und doch schon zwei Jahre später war der Plan reif. Am 22. Mai 1873 stirbt der italienische Dichter Manzoni. Die Nachricht ergreift Verdi so, daß er dem Leichenbegängnis nicht beizuwohnen vermag: dem Dahingegangenen aber hat er die größte persönliche Ehrung zugedacht, das große Requiem.
Als nach dem Bekanntwerden der Absicht, eine Totenmesse zu schreiben, der Bürgermeister von Mailand ihm seinen besonderen Dank dafür ausspricht, weist Verdi diesen in seiner bescheidenen Art zurück. „Es war einfach ein Impuls, besser gesagt, ein Herzensbedürfnis, was mich trieb, nach besten Kräften diesem Großen Ehre zu erweisen, einem Mann, den ich als Schriftsteller so sehr geschätzt, als Mensch verehrt habe, dem Musterbild patriotischer Tugend."
So wuchs die Totenmesse als ein persönliches Dokument heran. Am Jahrestage des Todes Manzo n i s (22. Mai 1874) wurde die Seelenmesse in der Marcuskirche zu Mailand uraufgeführt, aber sehr bald darauf in der Mailänder Scala wiederholt: ja, hier wurde das Werk Gegenstand begeisterter Beifallskundgebungen, und selbst die sonst nur bei Opernaufführungen üblichen Dacapos fehlten nicht. Unter Verdi selbst gelangte dann das Requiem in Paris zu Gehör, in London unter seiner Leitung mit einem Chor von 1200 Stimmen. Die Wiener Aufführung in Verdis Gegenwart wurde ein- besonderer Triumph. Das Berliner Opernhaus feierte den Karfreitag 1876 mit diesem Werk, und auf dem Deutschen Musikfest in Köln (im Mai 1877) stand das Requiem unter Verdis persönlicher Führung im Zentrum der Aufführungen. Es ist eigenartig, daß dieses italienische Werk in der Folgezeit gerade in Deutschland besondere Pflege erfuhr.
Um die Wesenseigenheit dieser Derdischen Totenmesse voll zu erfassen, muß man bedenken, daß hier der italienische, südländische Geist seinen vollendetsten Ausdruck in einem kirchlichen Werk gefunden hat. Im Gegensatz zum Nordischen ist das religiöse Erleben des Südländers leichter, froher und unbeschwerter. Schon allein die sakralen Bauten kennzeichnen die Gegensätzlichkeit und lassen erkennen, wie die äußere Haltung sich im Erleben des Heiligen, im Verhältnis zum Uebersinnlichen widerspiegelt: im Süden Aufgeschlossenheit, im Norden mystische Versunkenheit. Im Süden ein Unterordnen des Begrifflichen im Worte unter das Musika-
Kunst und Wissenschaft.
Neuerscheinungen im Verlag Engelhorn.
I. Engelhorns Nachf. Adolf Spemann, Verlag in Stuttgart, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Ell Wendt: Sommergäste in Sophien- l u st. Ein heiterer Roman. — Stijn S t r e u v e l s : DasheißeLeben. — Margarete Spemann: Stunden mit Hans Thoma. — Einsamkeit und Gemeinschaft. 10 Vorträge der 5. Arbeitstagung des Amtes Schrifttumspflege beim Beauftragten des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP. Herausgegeben von Hans Hagemeyer. — Unioersttätsprofesfor Dr. Norbert Krebs: Vorderindien und Ceylon. Eine Landeskunde.
Frühjahrsneuerscheinungen des Lolta-verlagrs.
Nche Versuche wurde festgestellk, daß etwa zehn 1 schiedene Aschenbestandteile für ein normales Wachs» tum notwendig, hingegen die meisten übrigen in der Asche enthaltenen und durch die chemische Analyse sestgestellten Mineralstoffe für das Wachstum der Pflanzen entbehrlich sind. Nach neuesten For- Ichungen gibt es jedoch noch Mineralstoffe, im ( Boden, denen besondere noch nicht vollkommen geklärte Aufgaben zukommen und welche nur in Spuren auftreten und in kleinsten Mengen wirksam sind, und welche man daher mit dem Sammelnamen „Spurenelemente" bezeichnet hat.
Der Aschegehalt der Pflanze wird beeinflußt durch die Art des Bodens, durch die Düngung, aber auch durch die Pflanzenzüchtung. Die Aschestoffe sind in den verschiedenen Pflanzengattungen in verschiedener Menge enthalten, aber auch in ein und derselben Pflanze sind diese Mineralstoffe in verschiedenen Mengen je nach der Wachstumszeit gefunden worden. Je nährstoffreicher ein Boden von Haus aus ist und je stärker er gedüngt wurde, desto höher ist auch der Ascheqehalt der Pflanzen. Für die Be- einflussung des Äschegehaltes durch die Pflanzen- Züchtung bietet die Zuckerrübe ein lehrreiches Beispiel. Während In den früheren Jahren der Aschegehalt der Zuckerrübe in der Trockensubstanz im Durchschnitt noch 3,8 v. H. betrug, ist derselbe durch sorfältige Auslese fast um 1,5 v. H. zurück - gegangen, so daß er etwa 2,3 v. H. beträgt. Für die Züchtung zuckerreicher Rüben muhten selbstverständlich Ruben mit einem hohen Zuckergehalt ausgewählt werden. Diese Rüben weisen jedoch stets einen niedrigeren Aschegehalt auf, wodurch ein langsames Zurückgehen des Aschegehaltes der Zuckerrübe ein- trat.
Von den in der Pflanzenasche enthaltenen Mine- ralstoffen ist der Stickstoff, die Phosphorsäure, das Kalium und der Kalk für ein normales Wachstum der Pflanzen besonders wichtig, und zwar deshalb, weil sie vielfach in zu geringer Menge im Boden vorhanden sind und deshalb künstlich dem Boden durch Düngung zugeführt werden müssen. Um diese vier wichtigen Nährstoffe, die man auch Haupt oder Kernnährstoffe heißt, dreht sich die ganze Düngerlehre, sie bilden das A und O der Düngung der Kulturpflanzen.
Wenn also mit Frühlingsanfang allüberall sich neues Leben in der Natur zeigt, dann wissen wir, daß die Natur bereits reichliche Arbeit geleistet hat, um all das hervorzubringen, was der Mensch als selbstverständlich hinnimmt. Dann vollziehen sich im Organismus der Pflanzen all die nur kurz angc-, deuteten vielseitigen Prozesse, dann erwacht unsere Heimat zu neuem Leben und bietet dem menschlichen Auge all die vielen schönen Bilder, welche wir im Frühling so schätzen und lieben gelernt haben.
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Der Verlag Cotta in Stuttgart kündigt folgende Neuerscheinungen an: Agnes Miegel: Frühe Gesichte. — Walter Pegel: Ohne Befehl, eine Novelle aus den napoleonischen Kriegen. — Hans Leip: Die Bergung, eine Erzählung. — Wanda Friese: Boote am Ufer, ein psychologischer und Landschafts-Roman aus Masuren. — Johannes Buchholtz: Gute kleine Stadt!, ein heiterer Familien- und Gesellschafts-Roman. — Der wissenschaftliche Verlag brachte den neuen Band von Johannes Hallers großem Werk „Das Papst-
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dämpften Deklamation des Chores zur Bestimmtheit des „Te decet Hymnus (a cappella). Im „Kyrie" einen sich Solostimmen in inniger Verknüpfung mit dem Chor. — Das „Dies irae“ mit seinem Schrecken und seiner furchtbaren Erregung wird zum dramatischen Höhepunkt mit der abgleitenden dissonanten Chromatik und den scharfen Chorakzenten: das jüngste Gericht wird in farbkräftigster Realität des Orchesterklanges (Trompeten!) zu erschütternder Unmittelbarkeit. In das „Liber scriptus“ (Mezzosopran solo) klingt das düstere, erschreckte Stammeln des Chors hinein (ursprünglich hatte Verdi diese Stelle als eine große Chorfuge entworfen). In dem „Quid sum miser“ finden sich die beiden Soprane mit dem Tenor zu schönstem Wohllaut zusammen. Das „Rex tremendae“ wird in seinem Verlauf durch ein markantes Baßmotiv bestimmt. Im stärksten Kontrast mischt sich das „Salva me“ dazu mit höchster Entfaltung des Soloquartetts in Verbindung mit dem Chor. Das „Recordare“ wird zu einem Duett der beiden Frauenstimmen. Der Solo- Tenor übernimmt in inniger Ergebenheit bas „Qui Mariam“. Das ausdrucksreiche „Confutatis“ ist dem Solobaß vorbehalten. Das „Lacrymosa"-Thema zieht sich durch die klangschönen Entwicklungen von Chor und Soloquartett, das im „pie Jesu“ Töne von verhaltener Feierlichkeit anschlägt.
Das „Offertorium“ wird sowohl durch den Anteil des Orchesters wie durch das Soloquartett zum ergreifenden Erleben; das „Sanctus“ führt Verdi mit einer machtvollen achtstimmigen Doppelfuge für den Chor durch, dabei Reinheit der Satztechnik mit Klanglichkeit des Ausdrucks verknüpfend. Das ..Agnus Dei“ leiten die in Oktaven gehenden Frauensolostimmen ein, das choralartige Thema nimmt der Chor im Unisono unter Hinzutreten des sich im Einklang bewegenden Orchesters auf. Das „Lux aeterna“ wächst aus der Verhaltenheit des Alt-Rezitativs zu verinnerlichtem Klangausdruck. Im „Li- bera me“ führt der rezitierende Solosopran, vom Chor beantwortet, hin zur Wiederaufnahme des „Dies "lrae“-Themas. Ein dramatisches Rezitativ des Soprans wird der Ausgangspunkt für die große Chorfuge, die als ein Meisterstück vokaler Satzkunst in ihrer mannigfachen Verarbeitung des Themas gelten kann. Mit einer Vergrößerung dieses Themas tritt der Solosopran dazu und in der Zusammenfassung des „Libera me“ schwingt er sich mit auf- steigender Linie bis zum hohen C empor. Der Ausklang: ein Rezitieren des Chores, das sich bis zum vierfachen Pianiffimo verliert in heiligem, ergriffenem Erschauern.
Dr. Hermann Hering.
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Da« Erwachen des Frühlings, landwirtschaftlich betrachtet.
Don Dr. K Schreiber, Agrikulturchemilches Institut der Universität Gießen.
Verdis „Requiem".
Zum bevorstehenden Konzert des Gietzener Konzertvereins.
Als Rossini am 13. November 1868 gestorben war, wandte sich der durch die Todesbotschaft innerlich stark bewegte Giuseppe Verdi wenige Tage darauf an seinen Verleger Ricordi mit folgendem Vorschläge: Um das Andenken des berühmten Toten zu ehren, sollten die angesehensten italienischen Komponisten aufgefordert werden, jeder zu seinem Teil ein Stück einer Totenmesse zu komponieren, die dann am Jahrestage des Todes aufzuführen wäre. Dieses Totengedenken für Rossini sollte nur durch die Künstler selbst ermöglicht werden. Die Hilfe fremder Hände, die mit Kunst nichts zu tun hatten, sollte grundsätzlich abgelehnt werden: die Messe sollte in S. Petronio zu Bologna aufgeführt werden als der Stadt, die die rechte Heimat Rossinis war. Diese Messe durfte durchaus nichts für Neugierige und Händler fein. Man mußte sie sogleich nach der Ausführung versiegelt im Archiv des Konservatoriums dieser Stadt hinterlegen, und sie dürfte von dort nie weggebracht werden. Vielleicht könnte man für Gedenktage des großen Mannes eine Ausnahme machen, wenn ein späteres Geschlecht sie noch feiern sollte."
Dreizehn führende musikalische Persönlichkeiten folgten der an sie ergangenen Aufforderung; Verdi selbst hatte den Schlußsatz „Libera me“ übernommen. Die Aufführung des geplanten Werkes ließ sich aus mancherlei Gründen nicht ermöglichen. In einem Briefe an Angelo Mariani rechnet Verdi mit denen ab, die dem Vorhaben hindernd im Wege stehen (die Freundschaft mit Mariani zerbrach übrigens auch bei dieser Angelegenheit). „Wenn aber unsere Persönlichkeit hinter einer Idee zu verschwinden hat, hinter einer edlen, schenkenden Tat, dann verziehen mir uns und schützen ich-süchtige Gleichgültigkeit vor, die die Geißel, das Verderben unseres Landes ist."
Mazzucato, Professor am Konservatorium in Mailand, hatte sich begeistert über das „Libera me“ Verdis ausgesprochen. Verdi ist durch dieses Urteil innerlich stark beeindruckt. Er antwortet dem Mailänder Professor (Februar 1871): „Diese Ihre Worte haben in mir fast den Wunsch rege gemacht, später einmal die ganze Messe zu schreiben; um so mehr, als sich bei weiterer Ausarbeitung ergebe, daß ich bas Requiem und das Dies irae eigentlich schon fertig hätte, dessen Wiederaufnahme in dem schon komponierten „Libera“ enthalten ist. Denken Sie
säure P erst ziemlich spät erkannt und aufgeklärt worden. Zahlreiche Forscher von Ruf und Namen haben sich mit diesem Problem beschäftigt, unter ihnen auch der Altmeister der Agrikulturchemle, der berühmte Gießener Professor Justus v o n ß i e b i g. Daß die Kohlensäure tatsächlich die einzige Kohlen- ftoffquelle der Pflanze darstellt, erkennt man aus Sand- und Wasserkulturoersuchen, welche vollkom- men frei von Kohlenstoffoerbindunaen durchgefuhrt wurden, so daß den Pflanzen tatsächlich nur der Kohlenstoff der Luft zur Verfügung steht, vorausgesetzt, daß die anderen zum Aufbau notwendigen Nährstoffe vorhanden sind. Es sei aber nochmals und nachdrücklichst betont, daß dieser Prozeß der Bildung organischer Substanz, der Stärke, aus Kohlensäure und Wasser, die sog Kohlensäure- Assimilation, nur unter der Mitwirkung der Sonnenstrahlen und eines eigentümlichen grünen, in der Pflanze enthaltenen Farbstoffes, des Chlorophylls, vor sich geht, so daß dem Sonnenlicht eine äußerst wichtige Funktion zukommt.
Die sich gebildete Stärke vermehrt sich, sie ver- wandelt sich in Zucker, der in löslicher Form durch alle Pflanzenzellen wandert und welcher wiederum zu Stärke bei Bedarf zurückgebildet werden kann. Die Stärke kann aber auch in Fett, in Zellstoff und noch in andere Verbindungen übergeführt werden. All die erwähnten stickstofffreien Substanzen sind in der Lage, sich mit den stickstoffhaltigen Stoffen, welche aus den Wurzeln durch die Stengel und Blätter zugeführt werden können, zu vereinigen und die so überaus wichtigen Eiweißstoffe zu bilden, die sich in jeder lebenden Pflanze vor- finden und ohne welche kein Pflanzenleben möglich ist. Der pflanzliche Organismus stellt also e i n großes chemisches Laboratorium dar, das die kompliziertesten Synthesen und Analysen auszuführen in der Lage ist. Wie weise es in der Natur eingerichtet ist, erhellt, nur um ein Beispiel zu nennen, aus der Tatsache, daß bas. erwähnte Chlorophyll, biefer grüne Farbstoff unserer Pflanzen, nicht in Wasser löslich ist, fonbern beispielsweise nur in Alkohol. Wäre dieser grüne Farbstoff wasserlöslich, so mürbe es ja grün von ben Bäumen regnen. .
Da burch bas Wachstum ber Pflanzen ber Atmosphäre bauernb Kohlensäure entzogen wird und die Mengen Kohlensäure in der Luft ohnedies als gering anzusprechen sind, so könnte immerhin der Fall eintreten, daß den Pflanzen zu ihrem Wachstum nicht genügend Kohlensäure aus der Luft zur Verfügung gestellt wirb. Doch die fürsorgliche Natur sorgt für einen entsprechenben Ersatz. Dieser erfolgt durch die Zersetzung organischer Substanz im Boden, durch ben Atmungsprozeß, bei dem Sauerstoff ausgenommen und Kohlensäure abgegeben wird, ferner durch die verschiedensten Verbrennungsprozesse, wodurch erreicht wird, daß sich der Kohlensäuregehalt der Luft stets nahezu konstant erhalten kann. Es war naheliegend, daß man versuchte, durch eine künstliche Kohlensäureanreicherung eine erhöhte Pflanzenmasseproduktion zu erzielen. Alle diese Versuche ergaben die Tatsache, daß es möglich ist, durch Steigerung der Kohlensäuremenge in der Luft auch mehr Pflanzenmasse zu erzeugen. Es entspringt also dieses Problem der Anreicherung von Kohlensäure und dadurch die Steige mg ber Erzeugung an Pflanzenmasse keineswegs bloß der menschlichen Phantasie, sondern es liegen diesem Problem bereits tatsächliche, wenn auch bescheidene Erfolge zugrunde, allein die rationelle Durchführung einer 'Kohlensäureanreicherung stößt noch auf verschiedene technische Schwierigkeiten. Vielleicht wird das höhere spezifische Gewicht ber Kohlensäure gegenüber ber atmosphärischen Luft dazu beitragen, dieses Problem einer entsprechenden Lösung zuzuführen.
Keimling gelangen kann. Da die Luftzirkulation in den oberen Schichten rascher vor sich geht, als in den tieferen, sind ber Aussaattiefe bereits Grenzen vor- gezeichnet. Die Aussaattiefe muß zwischen dem Was- er- und Luftbedürfnis der betreffenden Pflanze liegen. Man muß daher den Samen in schwerem Boden flacher als in leichtem Boden unterbringen. Liegt der Samen zu tief, so keimt er zwar, aber die Keimlinge sterben ab und verfaulen. Die Getreidekörner sind aus diesen Gründen bis auf höchstens 15 Zentimeter unterzubringen. Im allgemeinen liegen die günstigsten Tiefen der kleinen Samen bei 2 Zentimeter. Was den eigentlichen Anstoß zum Keimungsbeginn gibt, darüber wissen wir nichts. Die Natur hat dieses Geheimnis nicht preisgegeben.
Bei der Keimung selbst spielen sich verschiedene chemisch-physiologische Prozesse ab, welche alle ben Zweck haben, die aufgespeicherten Reservestoffe (Stärke, Fett, Eiweiß) in lösliche, für die Pflanzen aufnehmbare Formen zu überführen. Diese Löslichmachung geschieht durch besondere chemische Sub- tanzen, die vom Keimling bzw. auch von der grünen Pflanze ausgeschieden werden und welche die Fähigkeit haben, die verwickelt aufgebauten chemischen Verbindungen der Reservestoffe in einfachere chemische Verbindungen abzubauen. Die wichtigsten Reservestoffe sind die stickstofffreien Substanzen mit ihrem wichtigsten Vertreter, dem Stärkemehl, wel- ches mehr als die Hälfte des Gewichtes des Getreidekornes ausmacht. Die Stärke ist in kaltem Wasser unlöslich, sie wird aber durch chemische Substanzen, von denen bereits gesprochen wurde, und welche man Enzyme heißt, gelöst. Das Enzym, welches die Stärke löslich macht und schließlich in Zucker um» wandelt, heißt die Diastase. Es gibt ferner Enzyme, welche das Eiweiß und auch die Fette abbauen, so daß also alle Reservestoffe durch Enzyme zerleat werden können. Durch den Zerfall ber Eiweißstoffe entsteht ein Stickstofffreier und ein stickstoffhaltiaer Rest. Die stickstofffreien Stoffe werden durch die Atmung verbrannt, während die stickstoffhaltigen Reste zu einfachen Eiweihbausteinen abgebaut und diese dann zu arteigenem Eiweiß der betreffenden Pflanze aufgebaut werden.
Wenn der Keimling nun die Erde durchstößt und in die Wirkung des Sonnenlichtes gelangt, so nimmt das Pflänzchen unter normalen Wachstumsbedingungen stets an Gewicht zu. Dieses Wachstum und Gewichtszunahme ist bedingt durch die Tätigkeit der grünen Pflanze, wodurch Kohlenstoffverbindungen, in der Hauptsache Stärke, gebildet werden. Der hierfür notwendige Kohlenstoff wird ausschließlich der Luft entnommen. Es ist allgemein bekannt, daß die Luft, welche auch wir Menschen zur Atmung brauchten, aus 78 v. H. Stickstoff, 21 v. H. Sauerstoff und nur aus 0,03 bis 0,04 v. H. Kohlensäure besteht. Diese Menge an Kohlensäure ist gewiß als sehr gering zu bezeichnen, und dennoch genügt sie, um das Wachstum auf der ganzen Erde zu gewährleisten.
Das junge Pflänzchen, welches ben Erbboben durchbrochen hat und an das Licht der Sonne gelangt, hat die Fähigheit, mit Hilfe von Spaltöffnungen die gasförmige Kohlensäure aus der Luft aufzunehmen und weiterzuverarbeiten. Diese Spaltöffnungen finden sich in einer überaus großen Zahl vor und stellen die Atmungsorgane, also die Lungen der Pflanzen dar. Jede Spaltöffnung besteht aus zwei halbmondförmigen Schließzellen, die ihre Ge
stalt verändern können, indem sich der Spalt öffnet ober schließt unb baburd) in ber Lage ist, bie Lust- als auch bie Wasseraufnahme zu regeln. Im Sonnenlicht öffnen sich bie Spalte, und die kohlensäure- haltige Luft kann ungehindert eintreten und durchlüftet das ganze Blatt. Bei geöffneten Spaltöffnungen kann durch den Eintritt der Kohlensäure Stärke erzeugt werden. Mit Eintritt der Nacht verengen sich diese Schließzellen, da ja die Stärkebildung infolge Mangel an Sonnenlicht aufhört, und es tritt lediglich die geringe Luftmenge zur Unterhaltung der Atmung ein.
Diese interessante Nährstoffaufnahme der Kohlen-
lische, im Norden ein Durchstoßen auf den geistigen Hintergrund des Textes, ein Ringen um bie letzte Wahrheit bes wortbebingten Ausdrucks.
Und keinem andern in seinem Zeitalter wäre es möglich gewesen, so aus dem Wesen und Geist des italienischen Volkes heraus zu schaffen wie Verdi. Auf letzter Höhe seines Künstlerkönnens im ausgereiften Menschentum, voll tiefer Schicksalsgebundenheit und schwerstem Schicksalserleben, wurde das Requiem zum Ausdruck persönlichen Bekennens. In innerlicher Verbundenheit zu dem, dem das Andenken galt, wurde das Werk zum persönlichen Dokument, das nicht allein nur eine gottesdienstliche Feier ist, sondern sich über liturgische und dogmatische Bindungen zum ureigensten Ausdruck eines überragenden künstlerischen Geistes erhebt, zum Edelsten, Reinsten, Tiefsten und Schönsten, was der Mensch Verdi der Welt offenbaren konnte.
Verdi steht, ähnlich wie Hector Berlioz in seinem Requiem, auf einem anderen Fundament als unsere nordische Kirchenmusik. Er ist eben vom Grund seines Wesens her Dramatiker, ber von die- sem persönlichen Zentrum her erlebt unb kraftvoll gestaltet, in der Erregtheit des lebendig gesteigerten Affektes wie in dem feinfühligen Durchleben und Erschöpfen zarter lyrischer Stimmungsnachgiebigkeit. Was die langjährige Erfahrung an Durchgeftaltung unb Ausnutzung ber Mittel ihm in bie Hand gibt, baut er auch hier in feine Ausdruckswelt ein. Unü mag diese nicht immer dem traditionellen Kirchenstil entsprechen, so überzeugt er doch durcy bie Echtheit; seine kontrapunktische Kunst entscheidet sich für Die Klangnähe, Plastik, Durchsichtigkeit und Unmittelbarkeit, aus innerem Erfülltsein heraus. So werden auch in den Momenten des Deklamatorischen die Elemente des gregorianischen Chorals zum intensivsten Ausdrucksmittel. Das Orchester erhebt sich zu eindringlicher Eigensprache; besonders in der Gewinnung der Uebergänge zeigt Verdi eine nicht zu übertreffende Mannigfaltigkeit. Da aber, wo die menschliche Stimme zum bewußten Träger des Leitgedankens wirb, gewährt ihr Verbi durch die Zurückhaltung des Orchesters volle Entfaltung und weiß auch ben unbegleiteten Dokalklang zu besonderer Wirkung zu nutzen.
Wie Verdi in dem oben angeführten Briefe an Mazzucato schon andeutete, ist das „Libera me“ aus ber Rossini-Messe tatsächlich zur Keimzelle bes ganzen Werkes geworben, und zwar so, baß wir in bem jetzt Dorliegenben bie Zitate aus vorangegange- nen Sätzen im „Libera me“ als wirkliche rück- erinnernbe Zusammenfassung empfinben.
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Wenn in großen Umrissen über bas Erwachen bes Frühlings, ober, mit anderen Worten, ein Thema behandelt werden soll, welches das Wachstum und die Ernährung der Pflanzen zum Gegenstände hat, jo geschieht dies aus der Tatsache heraus, weil geraoe in dieser Hinsicht die unglaublichsten Anschauungen verbreitet sind. Und doch ist es die Umwelt, welche der Heimat das ihr eigentümliche Gepräae verleiht, die grünen Wiesen mit ihren farbenprächtigen Blumen, die rauschenden Wälder mit ihren stolzen Tannen und herrlichen Buchen, das gelbe Getreidefeld mit seinen wogen- ben Aehren, alles bies find Bilber, bie ein jeber von uns tagtäglich sieht unb immer wieder bewundern muß. Dieses wundersame Spiel der Natur birgt noch viele ungelöste Rätsel. Viele Faktoren und die mannigfachsten Bedingungen müssen Zusammenwirken, um das Wachstum einzuleiten, um die Pflanzen zu ihrer Pracht, zu ihrer Schönheit oder auch zu ihrer Nützlichkeit für den Menschen ersprießen zu lassen.
„Dem dunklen Schoß ber Mutter Erbe vertraut der Sämann seine Saat und hofft, daß sie entkeimen werde." Wer kennt nicht diese herrlichen Worte Schillers aus der „Glocke^? Der Landmann hofft also, daß bie Saat, welche unserer Mutter, ber (Erbe, anvertraut würbe, auch tatsächlich keimt. Es ist also nicht sicher, baß ber Samen immer aufgehen unb keimen muß.
. Unb in ber Tat — Schiller hat Recht. Denn nicht immer unb unbedingt entwickelt sich das Samenkorn zur Pflanze. Es sind verschiedene Bedingungen notwendig, die erfüllt sein müssen. Der Keim ist bie erste Entwicklungsperiobe ber Pflanze, welche sich aus bem Samenkorn im Boden vollzieht, und von ben im Keimling vorhanbenen Reseroestoffen, Fett, Eiweiß, Zucker, welcher aus ber Stärke umgeroan« beit wirb, unb aus den Mineralstoffen, zehrt das junge Pflänzchen, bis die Weiterentwicklung außerhalb des Bodens im Sonnenlichte durch die Pflanze selbst stattfinden kann. Jeder Samen bekommt von Haus aus eine gewisse Wegzehrung mit auf seinen Lebensweg, und diese Menge reicht selbst unter den schlechtesten Verhältnissen aus, den Keimling solange zu ernähren, bis er in der Lage ist, seine Nahrung selbst zu suchen.
Jedoch durch die Nährstoffe allein läßt sich eine Keimung noch nicht erzielen. Dor allem muß genügend Wasser vorhanden sein, welches die Nährstoffe lost, soweit sie natürlich im Wasser löslich sind. Dieses Wasser dient aber gleichzeitig dazu, die gelösten Stoffe überall dorthin zu befördern, wo sie zur Neubildung gebraucht werden. Das Wasser hat ferner den Zweck, den jungen noch wasserreichen Geweben durch ben Zellbruck bie äußere Form unb bie notwendige Gewebespannung zu geben. Die Wasseraufnahme geschieht durch Quellung, und diese wiederum ist bedingt durch Unterschöbe in ber Aufnahme von verschiebenen hohen Wassermengen burch die einzelnen Pflanzengattungen. In biefer Hinsicht sind bie stärkemehlhaltigen Samen ben eiweißhaltigen naturgemäß überlegen. Gequollene Oelsamen enthalten nur 50 bis 60 v. H. Wasser, hingegen bie stärkemehlhaltigen Samen burch Quellung bis zu 100 v. H. an Gewicht zunehmen. Die Nährstoffe und das aufgenommene Wasser allein würden noch keineswegs imstande sein, die Keimung hervorzurufen. Es ist als weiterer Faktor die Wärme notwendig, um die notwendigen chemischen Umsetzungen einzuleiten und zu erzielen. Die Keimung ist von der Temperatur in ber Weise abhängig, baß sie nur zwischen ganz bestimmten, genau ermittelten Temperaturgrenzen vor sich geht. Zwischen biesen beiben Zahlen liegt eine Temperatur, bei welcher die Keimung am raschesten verläuft, das ist das Temperatur-Optimum.
Zu den bis jetzt erwähnten Wachstumfaktoren kommt als weiterer, sehr wichtiger Faktor, ber Sauerstoff, also bie L u f t. Zu einer lebhaften Keimung ist daher Luftzutritt unbebingt notroenbig, d. h. ber Boden muß locker sein, damit die Luft zum
Durch die Pflanzenwurzeln und deren Tätigkeit werden den Pflanzen die im Bodenwasser gelösten Mineralstoffe zugesührt, denn aus Kohlensäure und Wasser allein bildet sich keine organische Substanz. Was nun diese Mineralstoffe der jungen Bflanze anbelangt, welche aus unverbrennlichen Stoffen bestehen (unverbrennlich deshalb, weil sie bei der Verbrennung als Asche, Pflanzenasche, zurückbleiben), so gilt als erwiesen, daß ein Teil dieser Pflanzenasche für ein normales Wachstum der Pflanzen unentbehrlich ist. Recht lange glaubte man, daß diese Aschenstoffe wegen des geringen prozentischen Gehaltes nur zu- ~ .....
fällig in der Pflanze sind. Durch exakte Wissenschaft- turn': „Die Vollendung (2. Band, 2 Hälfte).
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