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Ministerbesprechung in London.

Oer amtliche Bericht stellt fest: Bisherige Handlungen und künftige Politik voll gebilligt.

der Derhandlungsdeleaatton der SDP., Abgeord­neten Kundt, und das Mitglied des Führungs- rotes der SDP., Dr. S e b e k o w s k i, zu einer dreieinhalbstündigen ausführlichen Aussprache über die laufenden politischen Tagesfragen empfangen Hot.

Alle verbreiteten Gerüchte, als ob ein Abbruch der Gespräche zwischen der SDP. und der Regie­rung bereits feststehe, werden von amtlicher Stelle in Abrede gestellt.

Englischer Beobachter in Sadersdorf.

T r a u t e n a u, 30. August. (Europapreß.) Am Dienstagnachmittag weilte ein englischer Son­derbeauftragter in Gabersdorf, um sich über die Vorfälle in den Nächten zum Montag und Dienstag zu unterrichten. Hierauf besuchte er den Abgeordneten Dr. Adolf Kellner in Trautenau. Er hatte mit diesem und Senator Reil, Bürger­meister Streitenberger und den Amtswaltern der SDP. eine einstündige Unterredung, die sich auf die schweren Zwischenfälle in Gabersdorf bezog, deren Augenzeuge der Abgeordnete Kellner war.

Heuer deutscher Protest in Prag.

Oie Prager Regierung zum sofortigen Einschreiten aufgefordert.

Mnistmal in Paris.

Außenpolitik und Vorschläge zur Regelung der Ueberstundenfrage gebilligt.

Hetze gegen das Deutschtum unmöglich gemacht wird.

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Zum zweiten Male hat die Reichsregierung in Prag wegen der gehässigen Angriffe eines Tschechen­blattes auf die alte deutsche Armee energische Vor­stellungen erheben lassen. Es gereicht der Tschccho- Slowakei nicht zum Ruhm, daß sie sich wegen der­selben Sache zweimal ansprechen lassen muß, daß aber das Ansehen der Prager Regierung bei gewis­sen Hetzblättern offenbar so gering ist, daß sie, ihre üble Tätigkeit ruhig fortsetzen. Wie es scheint, hat man in Prag noch nicht gemerkt, daß derartige Zeichen vorhandener Ohnmacht und eingeschränk­ter Autorität nicht dem Prestige dieser Staats­führung dienlich sind. Don dem Verhältnis zum deutschen Nachbarstaat ganz zu schweigen. Dieses wird durch die Tschechen dauernd neuen Belastungen ausgesetzt, denen man natürlich bis zu einem ge­wissen Grade voller Ruhe Zusehen -kann. Schließlich sind wir es nicht, die diese Belastungsproben anstel­len, so daß uns, wenn derartige Proben Bruch- erscheinungen heraufbewören, kein Vorwurf trifft. Es gibt aber Grenzen, die nicht überschritten werden können. Und über diese Grenzen hat sich ein Hetzblatt mit seinen unerhörten Angriffen auf die Armee und Deutschlands Ehre glatt hinweggesetzt. Das sonst so hellhörige und empfindsame Ausland müßte eigentlich die Tatsache eines neuen Protest­schrittes als höchst peinlich registrieren. Aber aus- ländische Empfindlichkeiten scheinen uns zumeist künstlicher Natur zu sein. Wenn jedenfalls Deutsch­land der Geschmähte, Beleidigte und Angegriffene ist, vermag man sich nur schwer oder gar nicht auf die Grundregeln des i nternationalen Zusammen­lebens zu besinnen.

geringsten Zahlen an Arbeitsbuchpflichtigen entfal­len auf die beiden vorwiegend agrarischen Bezirke Pommern und Ostpreußen mit 568 000 bzw. 670 600 Arbeitern und Angestellten.

Ein gewisses Bild von der Verschiedenheit der wirtschaftlichen und der sozialen Struktur der ein­zelnen Bezirke ergibt sich, wenn man die Zahl der Arbeiter und Angestellten zu der Gesamtbevölkerung in Beziehung setzt, wobei allerdings für die Landes­arbeitsamtsbezirke nur die Zahlen der Volkszählung von 1933 zur Verfügung stehen.

Im Reichsdurchschnilt entfallen auf 100 Einwohner 33,8 Arbeitsbuchpflich­tige, d. h. also, ungefähr ein Drittel der gesamten Bevölkerung gehört zu dem Perso­nenkreis der arbeitsbuchpflichtigen Arbeiter und Angestellten. Gliedert man die Zahlen nach dem Geschlecht, so ergibt sich, daß auf 100 männliche Einwohner im Reichsdurchschnilt 46,7 männliche Arbeitsbuchpflichlige und auf 100 weibliche Einwohner 21,5 weibliche Arbeitsbuchpflichlige kommen.

Der Anteil der Arbeitsbuchpflichtigen an der Ge­samtbevölkerung ist in den einzelnen Landesarbeits­amtsbezirken sehr verschieden. Er hängt einmal von dem Grade der Industrialisierung ab, ferner auch von dem Umfang der Frauenarbeit, der von der Art der vorhandenen Industrien stark beeinflußt wird.

Die verhältnismäßig größte Zahl von Arbeits- buchpflichtigen weist Brandenburg auf mit 41 Ar­beitern und Angestellten auf 100 Einwohner; hier ist auch die Zahl der in unselbständiger Stellung berufstätigen Frauen weitaus am höchsten (zahl­reiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen in der Elektroindustrie, im Bekleidungsgewerbe, im Handel, im öffentlichen Dienst und in anderen Wirtschafts, zweigen).

Aehnlich liegen die Verhältnisse in Sachsen; dort haben besonders die großen Beschäftigungsmöglich, keilen für Frauen in der Textilindustrie zu einer weit überdurchschnittlichen Zahl von Arbeitern und Angestellten geführt.

Hingegen halten sich andere hochindustrialisierte Bezirke, wie Rheinland und Westfalen, nur eben im Rahmen des Reichsdurchschnitts, weil dort wegen der starken Bedeutung der Schwerindustrie nur we­nig Arbeitsmöglichkeiten für Frauen bestehen.

Am geringsten ist im Verhältnis zur Gesamt­bevölkerung die Zahl der Arbeitsbuchpflichtigen in den vorwiegend agrarischen Bezirken wie Ostpreu­ßen, Pommern und auch Nordbayern.

Untersucht man die seit 1933 in den einzelnen Landesarbeitsbezirken eingetretenen Veränderun­gen, so ergibt sich folgendes:

In sämtlichen Bezirken hat die Zahl der Ar­beiter und Angestellten zugenommen; allerdings ist das Ausmaß der Zunahme sehr unterschied­lich. Besonders stark ist die Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Rordmark, in Südwest­deutschland, Mitteldeutschland und in Rieder­sachsen (4- 12 bis 17 v. H.) gestiegen. Diese Tatsache findet bei den Bezirken Mitteldeutsch­land und Riedersachsen in der Errichtung zahl­reicher neuer Industriewerke ihre Erklärung. In der Rordmark und in Südwestdeutschland ist der starke Aufschwung weniger durch den Aufbau neuer Industrien, als durch die Er­weiterung der vorhandenen verursacht worden. Den Gegensatz hierzu bilden die drei Bezirke Sachsen, Hessen und Schlesien, in denen sich die Zahl der Arbeiter und Angestellten nur wenig ver­ändert hat. Sachsen und Hessen sind Gebiete mit einer ausgebreiteten Derbrauchsgüterindustrie, die aus bekannten Gründen an dem Wirtschaftsauf­schwung seit 1933 einen geringeren Anteil gehabt hat, als die übrigen Industrien.

Die geringe Zunahme der Arbeiter und Ange­stellten in Schlesien ist vor ollem darauf zurückzu­führen, daß dieser Bezirk wegen der schwächeren Aufnahmefähigkeit seiner eigenen Industrie in star­kem Umfange Arbeitskräfte an die Bedarfsgebiete abgegeben hat.

In den übrigen Landesarbeitsamtsbezirken hält sich die Zunahme der Arbeiter und Angestellten etwa im Rahmen des Reichsdurchschnitts (4-9v. H.).

Amerikas Aufrüstung.

Washington, 30. Aug. (DNB.) Nach seiner heutigen Besprechung mit Präsident Roosevelt erklärte der amerikanische Flottenchef, Admiral L e a h y, das Marineministerium beabsichtige, den nächsten Kongreß um Erhöhung der Bewilligungen für Marinezwecke um 200 Millionen Dollar zu ersuchen. Der Zuschuß werde gefordert wegen der zusätzlichen Kosten in Verbindung mit der Durchführung des in diesem Jahre vom Kon­greß gutgeheißenen Flottenprogramms, das eine Milliarde Dollar erfordert. Die diesjährige ordent­liche Bewilligung für Marinezwecke betrug 547 Mil­lionen Dollar ausschließlich einer Nachtragsbewil­ligung von 16 Millionen und einer Ueberweisung auf den Fonds für öffenlliche Bauarbeiten von 50 Millionen Dollar.

Admiral Leähy erklärte weiter, das nächstjährige Flottenbauprogramm sehe vor: zwei Schlachtschiffe, vier Kreuzer, acht Zerstörer und sechs oder acht Unterseeboote. Dem Präsidenten sei die Entschei­dung überlassen, ob die geplanten neuen Schlacht­schiffe die im Flottenausbaugesetz vorgesehene Höchstgrenze von 45 000 Tonnen haben sollen. Nach Durchführung des Ausbauprogramms, so betonte der Admiral, werde die Flotte der Vereinigten Staaten stark genug fein zum Schutze des Landes gegen jede ausländische Flotte.

Roosevelt berat mit Hüll.

Europa und der Ferne Osten.

Washington, 30. August. (DNB.) Präsident Roosevelt kehrte am Dienstag nach Washington zuruck und berief sofort Außenminister H u l l zu sich, der ihm Bericht erstattete über die neuesten Entwick- lungen der politischen Lage in Europa und im F e r n e n O st e n. Anschließend hatte Außenminister Hüll eine längere Konferenz mit seinen Sachbearbei­tern, im Verlaufe derer offenbar Richtlinien für An­weisungen an die Vertretungen der Vereinigten Staaten in den einzelnen Ländern ausgearbeitet wurden.

In der Pressekonferenz zeigte der Außenminister einen durchaus zuversichtlichen Eindruck und erklärte auf Befragen, er habe mit dem Präsidenten lediglich allgemein-politische Fragen besprochen. Der Außenminister gab jedoch zu, daß die internationale Lage eingehend erörtert wurde.

London, 30.Aug. (DRB.) Um 11 Uhr begann in Downing Street 10 eine IN i n i st e r b e s p re­ch u n g, bei der es sich, wie von amtlicher Seile betont wird, nicht um eine förmliche kabinetts- sihung handelt. An der Besprechung nehmen die in London weilenden Kabinettsmitglieder sowie der britische Botschafter in Berlin, Sir Reville Hen­derson, teil. Die Besprechung war um 13.40 Uhr beendet. Heber die Besprechung wurde folgen­der amtlicher Bericht ausgegeben:

In Rümmer 10, Downing Street, wurde heute morgen um 11 Uhr eine Minislerbesprechung ab- gehalten, bei der achtzehn A! inister an­wesend waren. Der britische Botschafter in Berlin, Sir Reville Henderson, war ebenfalls anwesend. Der Außenminister gab einen vollständigen Bericht über die internationale Lage, und bei Abschluß der Sitzung erklärten die Minister, daß sie die bisherigen Handlungen so­wie ferner die Politik, die in Zukunft verfolgt werden soll, voll billigten. Es ist keine weitere Zusammenkunft vorgesehen. Die Minister werden jedoch in erreich­barer Rähe Londons verbleiben."

weiter wurde amtlich bekannlgegeben, daß die Aerzte erklärt haben, mit dem Gesundheitszustand des Premierministers zufrieden zu fein. Der Pre­mierminister wird daher London Dienstagabend verlassen, um sich nach V a l m o r a l zum König zu begeben, bei dem er mehrere Tage verweilen wird.

Beträchtliche Beruhigung/

Henleins Haltung macht guten Eindruck. Appell an die Prager Regierung.

London, 30. Aug. (DNB.) Das Ergebnis der heutigen Ministerbesprechung in London wird in diplomatischen Kreisen als ein Zeichen für eine b e - trä'chtliche Beruhigung angesehen. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß das britische Ka­binett keinerleiSofortmaßnahmen" für erforder­lich gehalten hat.

Gut unterrichtete kreise wollen das darauf zu­rückführen, daß in den letzten 24 Stunden Be­richte Runcimans aus Prag vorliegen, auf den insbesondere Henleins Haltung Eindruck ge­macht habe.

Man setzt daher große Hoffnungen darauf, daß die letzten tschechischen Vorschläge (die bisher noch nicht bekannt sind. Die Schristleitung), doch noch einen Ansatzpunkt für eine Einigung ergeben werden. Das konkrete Ergebnis der heutigen Ministerbesprechung besteht vorläufig darin, daß in Aussicht genommen worden ist, Henderson bestimmte neue Instruktionen nach Berlin mitzugeben, mit denen dieser u. U. einen neuen Appell an Deutschland, an der praktischen Lösung mitzuarbei- ten, übermitteln soll. Offengeblieben ist die Frage, wann Chamberlain von Schloß Balmoral nach London zurückkehren wird. Inzwischen wartet man in London auf die Rückkehr des französi- schen Botschafters in London, dessen An­wesenheit in London erwünscht ist, um die englische und französische Politik auf die gleiche Linie abzu­stimmen. Starke Beachtung hat es ferner erregt, daß der tschechische Gesandte in London, Masaryk, heute nachmittag Außenminister Lord Halifax aufsuchte, um von diesem über die Ergeb­nisse der Ministerrbesprechung unterrichtet zu wer- den. Durch Empfang des amerikanischen B o t's ch a.f t e r s in London Kennedy durch Cham­berlain am Dienstag in Anwesenheit des britischen Botschafters in Berlin werden die Gerüchte von einem starken Interesse Roosevelts an der weiteren Entwicklung in Europa offensichtlich bestätigt.

Reuter berichtet:Das heutige Kommunique sprach von den früheren Handlungen der britischen Regierung und ihrer künfti­gen Politik, hierzu wird von autoritativer Seite zur Erläuterung erklärt, daß die britische Regierung nunmehr alle Anstrengungen darauf richtet, um den Bemühungen um die Herbei­führung einer friedlichen Lösung in der Tschecho-Slowakei zum Erfolg zu verhelfen, so lange, als in der Tschecho slowakei selbst sozusagen als britischer Beitrag Lord Runci- man fein Bestes als Vermittler tut, um beide Seiten in gleicher Weise zu beeinflussen. Rach der Rede Sir Iohn Simons am letzten Sams­tag und dem heutigen Kommunique wird die britische Regierung keinerlei weitere Erklärungen abzugeben haben, so lange auch nur irgendeine Chance für die Erzielung einer Regelung vorhanden ist."

Die britische Regierung, so heißt es weiter, glaube, daß eine solche Chance von zwei Faktoren abhänge. Und zwar seien dies Umfang und Reali­tät der Konzessionen, die die tschechische Regierung zu machen bereit ist, und Umfang und Natur des Einflusses, der von außerhalb auf die Sudetendeutschen ausgeübt werde, sowie von dem Geist, in dem die Sudetendeutschen auf die tschechischen Vorschläge eingechen.

Nach scharfer Ablehnung einer Steigerung der Spannung wird mit Befriedigung festgestellt, 'daß der Befehl zur Selbstverteidigung an die S u d e t e n d e u t s ch e n in keiner Weise ihre Disziplin beeinträchtigt habe. Was die tschechische Seite anbetrifft, wird zuver- sichtlich erwartet, daß

die Prager Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um Zwischenfälle zu ver­meiden,

und daß sie etwaigen Unruhen unparteiisch gegen­übertreten wird."

Mit dem fahrplanmäßigen Zuge begab sich Mi­nisterpräsident Chamberlain am Dienstag- abend nach Schottland, wo er dem K o- nigspaar auf Schloß Balmoral einen Besuch abstatten wird. Chamberlain wird sich mehrere

Tage auf Schloß Balmoral aufhalten, um dann wieder seinen eigentlichen Urlaub aufzunehmen.

Mmfierral in Prag.

Maßnahmen zur Eindämmung der Zwischenfälle?

Prag, 30. Aug. (DNB.) Heute vormittag fand eine Ministerratssitzung in Prag statt, in der jedoch nicht über die von der Regierung an­geblich beabsichtigte neue Vechandlungsgrundlage beraten wurde, sondern über die politische Lage im allgemeinen. Besonders standen Maßnahmen zur Eindämmung der in letzter Zeit häufiger gewordenen Zwischenfälle zur Aussprache. Der Ministerrat wird morgen fortgesetzt werden, wobei Ministerpräsident Dr. H o d z a einen ausführlichen Bericht erstatten wird.

Im Laufe des Nachmittags wurde eine Reihe von Ministern vom Staatspräsidenten emp­fangen. Es erregt in politischen Kreisen Aufmerk­samkeit, daß er, wie man hört, auch den Leiter

Prag, 30.Aug. (DRB.) Der deutsche Ge­schäftsträger in Prag hat wegen der erneu­ten unerhörten Beleidigungen des in Währifch-Ostrau erscheinenden HetzblattesTNorav- fkoflezfky Denik" über die alte deutsche Armee einen weiteren p r o t e ft s ch r i 11 bei der tschechi­schen Regierung unternommen. Der deutsche Ge­schäftsträger hat dabei zum Ausdruck gebracht, daß es sich bei den Veröffentlichungen der genannten Zeitung um eine planmäßige Hetzkam­pagne gegen das Deutsche Reich handele.

Die Tatsache, daß hier ein auf Lügen und Ge­hässigkeit aufgebautes System vorliegt, wird auch dadurch belegt, daß die in Olmütz erscheinende Zei­tungPozor" den Hetzartikel desMoravskoslezsky Denik" vom 13. d. M. wörtlich nachgedruckt hat. Weiterhin muß festgestellt werden, daß die tsche­chischen Zensurbehörden, deren Wirkungs­möglichkeiten überall bestens bekannt sind, auch den neuen Artikel vom 24. d. M. ohne B e a n st a n - düng erscheinen ließen. Dies ist um so er­staunlicher, als der deutsche Konsul in Brünn bereits am 17. August, also eine Woche vor dem Erscheinen des zweiten Artikels, die Aufmerksamkeit des höh e- ren Landesamtes in Brünn auf die hetze­rische Schreibweise der genannten Zeitung lenkte.

Der deutsche Geschäftsträger hat der Erwartung Ausdruck gegeben, daß feilens der Regie­rung gegen die ZeitungenWoravfkoflezfky Denik" undpozor" unverzüglich mit nachdrück­lichen Mitteln eingefchrilten und den verantwortlichen Persönlichkeiten eine Fort­setzung ihrer verleumderischen und vergiftenden

Paris, 30. Aug. (DNB.) Der M i n i st e r r a t ist am Dienstagvormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zu einer über dreistün­digen Sitzung zusammengetreten. Der am Schluß ausgegebenen amtlichen Mitteilung zufolge hat Außenminister Bonnet einen ausführlichen außenpolitischen Bericht gegeben, der sich auf die Ereignisse im Fernen Osten den Krieg in Spanien, die französisch-italienischer- Beziehungen und das tschecho-slowakische Problem bezog. Der Ministerrat hat die Ausführungen Bonnets und die von ihm formulierten Richtlinien der fran­zösischen Pokittk, wie die diesbezüglichen Weisungen an die französischen Derttetungen im Auslande gutgeheißen.

Nach einem Gesamtbericht des Ministerpräsidenten Daladier über die wirtschaftliche Lage, die sozialen Probleme und chre engen Wechselbeziehun­gen mit der Landesverteidigung, die dringende Maßnahmen zur Steigerung der Produftton er­heische, hat der A r b e i t s m i n i st e r dem Präsi­denten der Republik eine von allen Regierungs­mitgliedern gegengezeichnete Verordnung über die Möglichkeit von Ueberstunden im Rah­men der gesetzlich verankerten 40- StunHenwoche zur Unterzeichnung vorgelegt. In diesem Zusammenhang ist eine Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu 100 Stunden im Jahre vor­gesehen. Es ist jedoch festgelegt worden, daß die Ueberstunden nur in dem Maße ver­langt werden dürfen, wie die arbeitslosen Fach­arbeiter den Arbeiten nicht gerecht werden. Die Regierung verzichtet darum nicht auf das Recht, die Zahl der Ueberstunden für die Arbeiten fest­zulegen, die im Interesse der L a n d e s o e r t e i - d i g u n g verrichtet werden. Der Ministerrat, der die Vorschläge des Arbeitsministers einstimmig ge­billigt hat, hat beschlossen, der Kammer einen ent­sprechenden Gesetzesoorschlag zu unterbreiten.

Finanzminister Marchandeau berichtete über die finanzielle Laae und die notwendigen Maßnahmen für die Wiedergesundung der Finatt- zen, die im Laufe der kommenden Ministerbespre­chungen beraten werden sollen.

Vor pessimiemus gewarnt.

Paris, 30. Aug. (Europapreß.) Außenminister Bonnet hat in den Nachmittagsstunden den französischen Botschafter in London, (Sorbin, empfangen, der nach seinem Urlaub nunmehr wie­der nach London zurückkehrt. Bonnet hat dem fran­zösischen Botschafter die neuen Instruktio­nen nutgeteilt, die am Dienstagvormittag von dem französischen Ministerrat genehmigt worden sind. (Sorbin wird, wie in der Umgebung des Quai d'Or­say erklärt wird, bereits am Mittwoch eine Unter­redung mit dem englischen Außenminister Lord Halifax haben und ihm die Haltung Frankreichs auf Grund der Beschlüsse des französischen Minister­rats barlegen.

Der Eindruck der Entspannung, der am Dienstagabend in Paris herrschte, wurde nach An­sicht hiesiger politischer Kreise durch die Tatsache

bestärkt, daß die englischen Minister keinerlei neuen Zeitpunkt für einen demnächst stattfindenden Mi­nisterrat festgesetzt haben.

Der französische Außenmini st er habe, wie noch bekannt wird, hinsichtlich der europäischen Lage vor Pessimismus gewarnt. Er habe erneut die enge englisch-französische Zusammenarbeit hervorgehoben und in seinen über einstündigen Er­klärungen eingehend über die Bemühungen Bericht erstattet, die von englischer Seite im Hinblick auf eine friedliche Lösung der tschecho-slowakischen Frage unternommen würden.

In den politischen Kreisen erklärt man, der fran­zösische Außenminister habe in vollkommenem Ein­vernehmen mit der englischen Regierung betont, das tschecho-slowakische Problem könne durch gegen­seitige Zugeständnisse eine Lösung fin­den, und er habe entsprechende Anweisungen an den in enger Verbindung mit der Prager Regierung stehenden französischen Diplomaten in Prag ge­geben.

Henlein soll verhaftet werden!

Neuer Anschlag der Hetzer.

Auf der tschechischen Seite steht eine doppelte Front: die eine verhandelt, die andere treibt quer. Beide stimmen innerlich überein, beide ar­beiten, wo immer es geht, Hand in Hand. Bis­her hat sich die zweite Front als die stärkere erwie­sen. In ihren Reihen findet sich alles wieder, was sich in der Hetze gegen das Deutschtum und das Deutsche Reich überschlägt. Hier ent­decken wir auch die offiziöseL i d o v e N o v i n y", die der Prager Regierung nahesteht und oft von ihr benutzt wird. Der Herausgeber dieses Blattes hat jetzt, wenn auch auf Umwegen, den Erlaß eines Haftbefehls gegen den Führer der Sudeten­deutschen Konrad Henlein gefordert. Ob er kommt, wollen wir abwarten; der Ruf näch ihm wird aber bald aus dem Kreise derVolksvertreter" heraus klingen. Denn imLidove Nooiny" heißt es: Schon morgen könnte in der Kanzlei des Abgeord­netenhauses ein Ansuchen um Auslieferung der bei­den Abgeordneten (gemeint sind Frank und Zöll­ner, die den Ausruf zur Selbstverteidigung unter­zeichnet haben) liegen, und schon 'morgen müßte Herr Henlein eine gerichtliche Vorladung in Hän- den haben." Zwischen gerichtlicher Vorladung und Festnahme ist im tschechischenOrdnungsstaat" kein allzu großer Unterschied. Henlein soll wegen dieses Aufrufes zur Rechenschaft gezogen werden, d.h., er soll diskriminiert und als Verhandlungspartner mit Gewalt erledigt werden.

Sollte hier die erste Front der zweiten einen Wink gegeben haben, weil ihr die Sudetendeutschen am Verhandlungstisch immer unbequemer werden? Wünscht sie die Ausschaltung des Führers der Su­detendeutschen mit einerBegründung", die ihn zum Verbrecher an der Staatssicherheit stempelt, um sich überhaupt von diesem Verhandlungstisch zurückzu­ziehen? Wir halten das für wahrscheinlich, eben weil tür die Tschechen keine Lorbeeren mehr zu ernten