den
Aus den (Siegener Gerichtssälen
Kreissängertag in Gießen
Amtsgericht Gießen
Der W. $). aus Großen-Bufeck, von Beruf Schäfer,
igertätigtet erhielten die ! hatte zwei Schafhämmet ohne Wissen und Erlaubnis Kehr IV., Liederkranz der Eigentümer verkauft und das Geld in Alkohol
Kreissängertag.
Gießener wochenmorktpreffe
umgesetzt. Außerdem hatte er zweimal seine Herde an Orten weiden lassen, wo es wegen der Maul- und Kläuenseuchegefahr untersagt war. Der Angeklagte erhielt eine Gefängnis st rafe vonvier
Gesangverein Mainzlar, und Ernst Schwarz, Gesangverein Ruttershausen, ausgezeichnet werden; für 46jährige aktive Säm
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
h. in L. Der Dichter Paul Keller, geboren 1873, ist 1932 gestorben.
Hessen, Land und £eu<e".
Heimatabend des Landschaftsbundes.
Sangesbrüder Heinrich
Treis, Karl Schmidt und Wilhelm Hofmann, beide vom Gesangverein Frohsinn Lang-Göns, die Ehrennadel des Bundes.
Der 'Kreisführer konnte auch diesmal wieder Deutschen Sängerbund zurückgeführt worden feien, nigen Vereinen zu ihrem 100jährigen Bestehen Dies bedeute für die gesamte Sängerschaft höhere
einigen Vereinen zu ihrem v n ~
gratulieren und fünf Sangesveteranen mit den Einsatz- und Opferbereitschast. Am besten könne Ehrennadeln auszeichnen. Für 25jährige Vorstands- diese bewiesen werden durch eifrige Mithilfe bei tätigtet konnten die Sangesbrüder Ludw. Fuchs, dem Winterhilfswerk.
Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsrina Gießen, setzte am gestrigen Montagabend seine Winterarbeit mit einem Hermatabend in der Reuen Aula der Universität fort. Zahlreiche Mitglieder und Freunde der Sache fanden sich dazu ein.
Kreis- und Ortsringleiter Dr. Michel wies einleitend auf die Bestrebungen des Landschaftsbundes im Dienste der Heimatpflege hin, kennzeichnete den Begriff der Heimat als die Summe alles dessen, von dem die Menschen einer Landschaft umgeben sind Richt nur in den Menschen selbst, son- dern in allen Dingen, die diesen Menschen zugehörig sind, erleben wir die Heimat. Er schloß mit dem Worte, daß ohne Heimatliebe die Liebe zum
Rach der Chormeister-vorbesprechung eröffnete Kreisführer Muller die allgemeine Tagung des VI. Kreissängertages. Bei Beginn gedachte er derer, die durch Tod aus den Reihen oer Sängerschaft schieden. Dabei sang der Gesangverein „Germania" Watzenborn-Steinberg zu Ehren der Toten „Heber allen Wipfeln ist Ruh .
Sodann verlas Kreisschriftführer Geldmacher (Gießen) den Geschäftsbericht Der Bericht zeigte, daß die Mitgliederzahl in stetem Steigen begriffen ist. Der Sängerkreis Gießen kann heute aus die stattliche Zahl von 6 540 Mitglieder blicken.
Der VI Kreissängertag des Sängerkreises 3 im Gau XII des Deutschen Sängerbundes fand am Sonntag im Saale des Katholischen Deretnshauses zu Gießen statt. *
Dor Beginn der Tagung waren der Mustkausschuß und alle Chormeister des Sängerkreises zu einer Besprechung erschienen. Rach kurzen Begrüßungsworten des Kreisfuhrers Müller (Gießen) verlas Kreischormeister Blaß (Gießen) einen Brief des Sängeraauführers Ringshausen (Darmstadt), in dem dieser dem Sängerkreis Gießen seinen Dank für die hingebenden und aufopfernden Leistungen bei den Vorbereitungen und der Durchführung des Gausängerfestes aussprach.
Die Arbeit der Ehormeister im kommenden Arbeitsjahr wurde eingehend besprochen. Besonders hervorzuheben ist hier die Neueinführung eines Leistungssingens innerhalb des Hessischen Sängerbundes. Es unterscheidet sich von dem bereits seit Jahren bestehenden Wertungssingen dadurch, daß das Leistungssingen ein Singen mit abschließendem Prädikat ist. Dies ist eine Errungenschaft, die den Bedürfnisien der hessischen Sänger gerecht wird. Die Teilnahme der Vereine an diesem Äistungssingen ist kein Zwang, sondern erfolgt durch Anmeldung, ähnlich wie bei den früheren Wettstreiten. An die Einführung dieser neuen Richtung ist eine Bedingung geknüpft, nämlich die besondere Pflege des Heimatlredes, das durch Die neuen Kompositionen in Vergessenheit zu geraten drohte. Schon hierin liegt ein wesentlicher Fortschritt zur Erhaltung des alten deutschen Liedgutes.
Monaten.
Große Strafkammer Gießen.
Wie wir bereits berichteten, wurde nach mehrtägiger Unterbrechung die Verhandlung gegen Die Eheleute D. aus Frieoberg, die sich wegen Konkurs- verbrechens und Konkursvergehens zu verantworten Haven, fortgesetzt.
Die Vernehmung der Zeugin K. aus Eschborn zog sich besonders in die Länge. Es bestand nämlich die Möglichkeit, daß der inzwischen verstorbene Mann der Zeugin, der als sehr hilfsbereit bekannt war, von Den Angeklagten vielleicht als Strohmann benutzt worden war. Der Ehemann war nämlich in bedeutender Höhe Grundschuldgläubiger der Angeklagten. Das Gericht hatte sich nun mit der Frage zu beschäftigen, ob die Grundschuldbestellung nicht lediglich eine Fingierung mar. Wie sich aus der Aussage der Zeugin ergab, hatte sie einmal in der Rocktasche ihres Mannes einen Schuldschein der an- aeklagten Ehefrau gefunden. Ihr. inzwischen Der» ftorbener Ehemann habe ihr auf ihre Frage geantwortet, daß er der Ehefrau D. Geld geliehen habe. Die Zeugin will sich nicht weiter um die Angelegenheit gekümmert haben. Später will sie dann im Notizbuch ihres Mannes einen Vermerk gelesen haben, der besngte, daß der Pachtzins für-einen von den Eheleuten D. gepachteten Acker gegen Zinsen verrechnet sei. Auf die Frage des Vorsitzenden erklärte die Zeugin, daß die Jahrespacht des Ackers ungefähr 100 Mark betrug Noch zu Lebzeiten ihres Mannes hatte die Zeugin erfahren, daß ihr Ehemann Den Angeklagten mehrmals Geld geliehen hatte. Ob damals für diese Forderungen schon Grundschulden bestellt wurden, konnte die Zeugin nicht mit Bestimmtheit sagen. Sie gab. aber die Möglichkeit zu, daß sie ihrem Manne einmal Vorstellungen wegen der verliehenen Gelder machte. Ihr Mann habe sie aber vertröstet. Nach dem Tode der Schwiegermutter war die Familie K , da sie deren Schulden begleichen und die übrigen Geschwister teilweise auszahlen mußte, in eine vorübergehende Notlage gekommen. Wie sich aus der Aussage eines
Der letzte Punkt der Tagesordnung behandelte im wesentlichen interne Fragen der Sängerschaft.
Der Gesangverein „Germania" Watzenborn- Steinberg umrahmte mit mehreren Liedern in schönster Form die Tagung.
Der Kreissührer schloß in der üblichen Weise
bäuerlichen Reichtum aufkommen ließ und das, was man besaß, um so sorgfältiger bewahrt wurde. An Hand von schönen Lichtbildern ging der Redner dann dazu über, die sinnfälligsten Erscheinungen heimallicher Eigenart, die Wohnstätten, die Dörfer und Häuser Im weiten Hessenlande einer eingehenden und liebevollen Betrachtung zu unterziehen. Im Bild und im gesprochenen Wort lernte man eine Reihe schöner Dorf- und Strahenbllder kennen, wurde auf manche schöne Eigenart des einen oder anderen Fachwerkbaues in »en Orten unserer näheren und weiteren Umgebung hingewiesen, und schließlich auch mit den verschiedenen an- gewandten Schmuckformen an Häusern vertraut gemacht. Eine Reihe von Bildern zeigte außerdem die vielfältigen und hübschen Möglichkeiten der Verwendung von Kratzputzmustern. Bilder mit Wiedergaben von Gemälden der besten hessischen Maler (Bantzer, Ubbelohde, Clausen. Thielemann, Pitz usw.) beschlossen in feinsinniger Weise den gehaltvollen Vortrag, dem man mit großer Aufmerksamkeit folgte. Lebhafter Beifall dankte Dem Redner.
Nachdem der Großsche Männerchor noch zwei weitere Volkslieder gesungen hatte und sich noch zu einer Zugabe entschließen mußte, beendete Kreis- und Ortsringleiter Dr. Michel mit Worten des Dankes an den Vortragenden und an den Chor, sowie mit dem Gruß an den Führer den stimmungs- ' nnllen Abend.
* Gießen , 26. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Yi kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, % kg 9, Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 9, gelbe Rüben 10, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 12 bis 15, Rosen- kohl 15 bis 35, Feldsalat, l/w 8 bis 10, Tomaten, % kg 30, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Kartoffeln, S kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aevfel, % kg 28 bis 45 Pf., Birnen 25 bis 35, Nüsse 45 bis 50 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Gänse 1,10 bis 1,20 Mark, Blumenkohl, das Stück 20 bis 60 Pf., Salat 5 bis 10, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
Zeugen H. ergeben hatte, mußten damals sogar wegen unbedeutender Steuerrückstände Pfändungen bei K. vorgenommen werden. Der Ehemann K. ging damals gegen verschiedene Schuldner vor; er hatte aber nicht versucht, Die Außenstände bei Den Am geklagten hereinzubringen. Die Zeugin K., Die wäh- renD ihrer Vernehmung öfters erklärt hatte, Daß ihr Mann geschäftliche Dinge nicht mit ihr besprochen habe, konnte auf Die Frage des Vorsitzenden, warum ihr Mann nicht gegen Die Angeklagten vorgegangen sei, keine Antwort geben. Nach kurzer Beratung beschloß Das Gericht die Vereidigung der Zeugin. Die Zeugin beeidete dann chre Aussage.
In der Sitzung vom Samstagvormittag wurde als Zeuge ein Beamter vom Finanzamt Friedberg über die Steuer- und Einkommensverhältnisse der Angeklagten gehört. Er sagte aus, daß die hohe Forderung des K. in den Steuererklärungen der Angeklagten jahrelang bis zur (Eintragung der Grundschuld nicht erschienen fei. Uber diesen eigentümlichen Umstand befragt, konnte der Angeklagte nur eine unbefriedigende Antwort geben. Arischste- ßend wurden die einzelnen Geschäftsvorgänge der Angeklagten noch einmal eingehend mit diesen durchgesprochen.
Die Sitzung am Samstagnachmittag brachte das mehrstündige Plädoyer des Staatsanwaltes. In feiner Anklagerede kam der Staatsanwalt auch auf den Brand des Anwesens der Angeklagten in Fncd- berg zu sprechen. Er hob hervor, daß nach d^m Wiederaufbau das Anwesen zu einem rentablen Mietgrundstück wurde. Damals versuchte der Gläubiger F. Befriedigung aus Den Mietforderungen der Angeklagten zu erhalten. Gegen die Pfändung ,ig* ten die Angeklagten Erinnerung ein mit der Behauptung, die Meten seien bereits abgetreten Die Angeklagte machte sich aber Gedanken, ob es rt cht zu einer Zwangsverwaltung des Grundstückes kommen könne und befragte sich deshalb bei ein m Sachkundigen. Am 28. Juni wurde damals die Erinnerung zurückgenommen, und schon am 30. ^uni wurden die Grundstücke auf den Sohn der Angeklagten zu einem Anschlagspreis übertragen, Der Durch Die Gewährung Der Einsitzrechte und durch Zahlung einer lebenslänglichen monatlichen Rente von 150 Mark an die Angeklagten als getilgt angesehen wurde. Charakteristisch sei die Eile gewesen, mit der alles vorgenommen wurde. Der Erfolg Der Uebertragung Der GrunDstücke sei gewesen, Daß nun eine Befriedigung Der Gläubiger unmöglich war. Dies habe Die Große Strafkammer in ihrem ersten Urteil bereits hervorgehoben. Die DerteiDi-
großen Vaterland nicht denkbar sei.
Zur Verschönerung des Abends sang sodann der Großsche Männerchor unter Leitung von Ehrenchormeister Groß zwei schöne Volkslieder, die in glücklicher Weise zu Dem Vortrag des Redners Des Abends, Amtsgerichtsrats v. Baumbach (Fron- Hausen bei Marburg), überleiteten. Der Vortragende sprach zunächst davon, wie es möglich wurde, daß sich gerade in Hesien so viel ursprüngliches heimatliches Kulturgut erhalten konnte. Er führte dies Darauf zurück, daß Hesien immer Durchgangs- land gewesen sei unD viele Täler, in sich abgeschlossen. von fremden Einflüssen wenig berührt gewesen seien. Ferner habe dazu beigetragen, daß Der in weiten Teilen des Landes karge Boden keinen' vollen Abend.
Phot. Ufa-Hämmerer Scherl-Ma
Marika Rökk die Hauptdarstellerin in dem Film „Eine Nacht im Mai" weilt am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch im Gloria-Palast in Gießen zu Besuch.
Kreisfchatzmeister Latsch erstattete Den Rechnungsbericht, der einen guten Stand zeigte. Nachdem die Rechnungsprüfer die vorbildlich geführten Bücher geprüft haben, wurde dem Kreisschatzmeister von dem Kreisführer Enttastung erteilt
Kreischormeister Blaß gab bann den 260 Chormeistern und Vereinsführern die Richtlimen des DSB. für das kommende Arbeitsjcchr bekannt und wies besonders auf das neueingefiüjrte Leistungssingen hin. Er betonte, daß nun für Die Gesangvereine Die Pflicht bestehe, durch erhöhte tätigtet zu beweisen, ob sie diesem Leistungskampf gewachsen sind, der darin gipfele, die Leistungen Der einzelnen Vereine zu fördern. Wie alle anderen Gliederungen und Organisattonen, so muffe auch der deutsche Sänger stets einsatzbereit sein, wenn es gilt, mit Dem L-ied anderen Volksgenossen zu helfen. Dies könne er u. a. auch im Dienste Des Winter- hilfswerkes, das in diesem Winter mehr denn je Aufmerksamkeit verdiene.
Gauchormeister Professor Dr. Temesvary dankte allen Vereinsführern im Namen des Gau- Vorstandes für Die Einsatzbereitschaft gelegentlich Des großen Oaufängerfeftes in Gießen, das Die hohe Stufe des Könnens der hessischen Vereine bei der Gaufeierstunde in der Volkshalle unter Beweis gestellt habe.
Der Kreisführer gab noch Die Richtlinien der Innsbrucker Tagung bekannt, nach denen sich auch alle noch bestehenden Werkschöre dem DSB. anzuschließen haben.
Provinzführer Wendler (Bad-Nauheim) sprach dann über Sängerfragen und die Arbeit, die im kommenden Jahre zu leisten fft Weiterhin ermahnte er die Chorleiter und die Dereinsfuhrer, auch ferner ihre Pflicht in gleichem Maße wie bisher zu tun. Er wies weiter darauf hin, daß mit der Heimkehr Des Sudetenlandes 38 000 deutsche Sänger in den
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Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
43 itottlefcung (Nachdruck verboten!»
,Hch soll... Karajans Pläne stehlen? Lieber können Sie mich auf der Stelle niederschießen!"
„Daran bin ich gar nicht interessiert!" winkt Meßdorfs ab. „Aber... ich weiß doch, daß Sie bei Karajan ein- und ausgehen, daß Sie fast jeden Abend bei ihm im L-aooratorium sind. Da kann es für Sie doch nur eine Kleinigkeit sein, mir die Pläne für einige Stunden zu beschaffen!"
„Weiter nichts?"
Heberrascht blickt Meßdorff auf, er weiß einen Augenblick lang nicht, ob das Ernst ist oder Spott. Aber dann erkennt er die höhnende Ablehnung in Karolas Gesicht, und in wilder Entschlossenheit werden seine Augen klein und döse.
„Sie scheinen wirklich nicht begriffen zu haben, was hier gefpielt wird. Verwechseln Sie gefälligst meinen Auftrag nicht mit einer Art Kinoszene, sondern beachten Sie, oah hinter jedem meiner Worte eine Entscheidung brol)L eine unwiderrufliche Entscheidung: Leden oder Tod."
„Und das soll ich 3l)nen glauben?" schüttelt Karola den Kopf. „Ich sitze mit Ihnen hier unter Hunderten von Menschen in einem Lokal, das jeder kennt, es ist alles scheinbar ganz alltäglich um mich her..."
„So ungefähr!"
„Ich konnte rnir's denken. Aber es ist zweckmäßiger, wir lassen die Philosophie und bleiben bei der Sache. Ob Sie mir glauben oder nicht, ist jetzt nicht wichttg. Wichtig ist nur, daß Sie Bescheid wissen, was zu geschehen hat. Ich lasie Ihnen eine Frist von vier Tagen. Heute ist Dienstag. Wenn ich bis zum Samstagmittag von Ihnen keine enffprechende Mitteilung habe, nehme ich mir meine Handlungsfreiheit. Und was das bedeutet, wissen Sie!"
Starren Blicks tut Karola Zucker in den Kaffee, den der Kellner ihnen vorgesetzt hat. Sie sieht nicht, was sie tut, sie denkt nur immer: Er ist tatsächlich in Gefahr., wie kann ich ihn retten?! Denn es ist ihr nunmehr klar geworden, daß Meßdorff nicht scherzt, daß er es bitter ernst meint
„Ich bin selbst nur ein Mann, Der gesagt wird", fährt er jetzt fort, als hätte er ihre Gedanken gelten, „ein Mann, den man mit erbarmungsloser Härte hetzt. Gewitz... ich habe kein remes Ge
wissen, Das weiß ich, aber daß man aus dem Hinterhalt so gegen mich vorgeht, selbst unangreifbar bleibt und dabei die Schlinge so unmenschlich geschickt knüpft... na, lassen wir's! Es wird Sie auch kaum interessieren!" bricht er erschöpft ab und fährt sich mit dem Taschentuch über Die Stirn.
„Ich sage Ihnen das nur, Karola, damit Sie wissen, wie ernst es ist. Ich wehre mich meiner Haut. Das ist alles. Dazu kommt allerdings, daß ich Diesen Karajan hasse. Ja, ich gebe es zu, daß es mir nicht schwer fallen wird, ihn nieDerzuknallen. So... ober so! Seine Erfindung hätte mich wirtschaftlich ruiniert, hätte Den Erfolg eines Lebens ausgewischt."
Eine Welle ist es sttll, mit zitternden Fingern zündet sich Meßdorff eine neue Zigarette an. Er raucht fast ununterbrochen, selbst während der Mahlzeit unterließ er es nicht. Mit Schaudern erkennt Karola, wie dieser Mann von Der Angst gejagt wird, von einer geheimen unterirdischen Angst vor etwas Furchtbarem.
Und wenn ich Sie jetzt der Kriminalpolizei übergebe, Meßdorfs?"
Langsam steht er auf, sieht sie lange und durch- dringend an, dann lächelt er ein wenig, ein Zeichen, daß er sich wieder in Der Gewalt hat.
„Einmal können Sie mir nichts nachweifen. Zum andern, was ändert das an Der Sache? Dann werden Ihre Freunde in diesem Jahr noch Ihre Todesanzeige und die des Doktor Karajan lesen. Darauf dürfen Sie sich verlassen. Man kann keinen Menschen schützen, den ein überlegener und zum letzten entschlossener Mann jagt. Ich warte also bis zum Samstagmittag. Hier... meine Anschrift. Es fft ein kleiner Neubau Drüben auf Der Losch- witzer Höhe. Sie haben es also gar nicht weit. Sie erreichen mich dort unter allen Umständen in Der Zeit von elf Uhr bis zum Mittag. Aber vergessen Sie bitte die Frist nicht!" Er verbeugt sich kurz und geht.
Karola sieht ihm nach, wie er mit dem Kellner abrechnet, ohne zu begreifen, was geschehen fft Sie bemerkt den Kellner kaum, der ihr in den Mantel hilft... sie erwacht erst wieder, als sie vor Der Tür die Frische Des Herbsttages spürt.
,.O du allmächtiger Gott!"
Sie taumelt und hält sich zitternD an der blanken Klaue des bronzenen Löwen, der auf dem Treppenpfeiler ruht.
„3ft Ihnen nicht gut, junge Frau?" erkundigt sich besorgt ein älterer Herr.
Da reißt sie sich zusammen, flüstert ein kurzes. „Danke" und eilt wie gehetzt davon, daß der Alte ihr kopfschüttelnd nachschaut.
Daheim sinkt sie in einen endlosen, bleiernen Schlaf der Erschöpfung.
Seit zwei Tagen durchstreift Karajan die Berge des Riesengebirges. Sell zwei Tagen bat er kaum irgendeinen Bitzen zu sich genommen. Die Nacht hat er in einer Schutzhülle verbracht und tagsüber meidet er alle Wege, auf denen er Menschen begegnen könnte.
Nur allein fein! Keinen Menschen jetzt sehen, mll keinem Menschen sprechen müssen!" Das ist sein einziger Wunsch.
Dabei ist er gar nicht allein, denn seine Gedanken hetzen ihn, treiben ihn ruhelos umher.
Ach, Karola, warum hast du mir das getan? Warum nur? Warum hast du geschwiegen? .
Ach, zuerst war es entsetzlich. Da wußte er nicht aus noch ein. Da saß ein ekelhafter, widerlicher Verdacht in ihm fest und ftaß den Rest feines gesunden Menschenverstandes.
Sie hat Dir einmal eine Erfindung entrissen. Warum soll sie es jetzt nicht wieder tun? Alle Zärtlichkeit, alle törichte Verliebtheit, jeder Blick voll Zuneigung, jedes Uebers-Haar-Streicken... alles, alles nur Mittel zum Zweck. Alles nur darauf angelegt, ihn einzulullen, ihn gefügig zu machen, um desto sicherer ihm sein Geheimnis entreißen zu können...
Ach, er hat Die Last dieses Verdachtes wie einen Felsblock mit sich geschleppt.
Aber Dann rourDe Karola und ihr ruhig gelasienes Wesen wieder lebendig, wachte die Erinnerung auf und fragte verstohlen: Kann das Lüge sein? Muß Das geheuchelt sein? Nein, Du täuschst dich, es ist Wahrheit. Du tust ihr Unrecht!...
Ja, aber wie ist Das möglich? Warum muß ich unter Millionen gerade die eine treffen — und lieben?
Ach, Karajan, du kannst der Natur vielleicht noch manches Geheimnis ablisten, aber du kannst das Schicksal nicht zwingen, dir zu antworten. Es lächelt und schweigt und wirft Dir Dein „Warum" unbeantwortet zurück wie ein Kind beim Spiel Den Ball.
UnD Dann beginnt allgemach der Verstand zu sprechen.
Sie hat dich damals nicht gekannt. Du warst für sie ein Mann unter Hunderten. Sie hat die Tragweite ihrer Handlungen gar nicht überblicken können. Sie hat einfach getan, was Meßdorfs von ihr verlangte. So ists. Man kann sie eigentlich gar nicht verantwortlich machen für das, was sie getan hat..
Schon beginnt er rascher zu schreiten. Die Vögel fingen heller, das Rauschen der Tannen klingt freundlicher, und am blauen Himmel ziehen weiße, lockere Wolken in regellosen Haufen,
Warum aber hat sie nicht sofort gesagt, wer sie fft? _ Warum hat sie nicht schon damals in Niederau gesprochen? — Wäre nicht alles hell und heiter gewesen von Anfang an? ...
Wieder stocken die Schritte. Er hockt sich auf eine Kiefer, die, vom Sturm gefällt, sich quer über den Graben neben der Straße gelegt hat.
Ja, warum haft Du nicht gesprochen, Karola? DDer hattest Du Furcht, mir Die Wahrheit zu sagen? Hattest Du Angst, mir offen zu gestehen, Daß du die Frau bist, die mir meine erste Arbeit aus Den Händen zwang, die mich von Gericht zu Gericht trieb, bis ich nicht mehr konnte, bis ich mürbe war und ja und amen sagte, bis ich zähneknirschend meine Arbeit eine „Werkserfindung" nennen mußte? ...
Nun ja, es gehörte wohl viel Mut dazu. Denn wahrscheinlich hätte er sich kurz herumgedreht und wäre seiner Wege gegangen. Und womöglich hat sie sich davor am allermeisten gefürchtet, vor diesem Avwenden? ...
Mensch, Karajan, das heißt doch aber: sie liebt Dich... sie liebt Dich und hat Furcht, dich zu verlieren! ...
Ach, es ist ein wirres Durcheinander der Stimmen und Gedanken in ihm, unD als nach Der zweiten Ncicht Der Morgen durch die Fenster Der Brotbaude graut, zerreißt er das Netz der Ueberlegungen und Vermutungen mit kühnem Entschluß.
Von Schreiberhau aus fährt er nach Dresden. Es gibt nur zwei Menschen, die wahrscheinlich genau Bescheid wisien. Der eine ist Meßdorfs. Ihn kann er nicht fragen. Der andere fft Irene. Sie muß ihm Auskunft geben. Sie hat das alles miterlebt, ist selbst in jenem vergangenen Komödienfpiel in einer Hauptrolle beschäftigt gewesen. Sie allein kann ihm klipp und klar sagen: „Karajan, du bist ein Narr Karola Westner ist in Die Geschichte hineingeraten, ohne eine blasse Ahnung zu haben. Sie ist unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Geh zu ihr und vertrag dich wieder. Eine Frau, die liebt, macht auch mal eine Dummheit und verpaßt Die richtige Gelegenheit, alles zu sagen, was sie eigentlich sagen sollte."
..Sagte sie's Doch!' Sagte sie's Doch!" fingen Die Räder unter ihm. VerwunDert betrachten Die Fahr- gälte Den seltsamen Mann, Der unrasiert in einem sehr modernen, aber unordentlichen Aniuq herumläuft und so aussieht, als habe er seine Sinne nicht beifammen.
Nein, er hat sie auch nicht alle beieinander... fein Herz ist in Dresden und flüstert einer weinenden Karola zu: „Es ist ja alles nur dummes Zeug! Es ist ja alles wieder gut! Komm, meine nicht mehr! Da bin ich ia wieder und bleibe bei dir...!"
(Fortsetzung folgt!)


