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Drittes hessisches Gausängerfest in Vorbereitung

12000 Sänger singen im Maffenchor zur Großkundgebung.

Für das Dritte hessische 'Gausängerfest, das dem­nächst die Mauern unserer Stadt Gießen mit fest­lichem Leben, mit Gesang, Fröhlichkeit und Hoch­stimmung in völkischem Sinne erfüllen wird, sind die Vorbereitungsarbeiten nunmehr in ihr ab­schließendes Stadium getreten. Verständlich, daß das Fest, das viele tausend Gäste in unserer Stadt sehen wird, Vorarbeiten notwendig macht, die wert über ein alltägliches Maß hinausgehen. Die ersten Anfänge der Vorbereitung dieser großen Veranstal­tung liegen schon bald ein Jahr zurück. Nun ist alles schon so weit gediehen, daß man mit Ruhe und Sicherheit dem Feste entgegensetzen kann und glauben darf, daß der großen Sache der Erfolg nicht versagt bleibt. Viele Helfer haben sich un­eigennützig in den Dienst der edlen Sache gestellt und wenn in diesen Tagen letzte Hand angelegt wird, dann geschieht es in der Hoffnung, daß oller Mühe der Lohn in der Form eines starken Besuches des Sängerfestes aus weitem Umkreis nicht vor­enthalten wird.

Im engeren Festausschuß fand gestern abend eine Sitzung statt, die noch einmal in Erinnerung brachte, was das Fest zu geben haben wird. Dabei war es interessant, einiges über die zu erwartende Beteiligung zu hören.

Das Programm der Veranstaltungen sieht nicht weniger denn 1*1 Platzkonzerte in Gießen vor, die am Hauptfesttag stattfinden werden. Diese Platzkonzerte werden an den verschiedensten bevor­zugten Stellen der Stadt abgehalten, und zwar vor Dem Studentenheim^ der Universität, der Stadtpost, vor dem Finanzamt, vor der alten Klinik (Liebig- bau), im Hof der Medizinischen Klinik, auf dem Kreuzplatz/ dem Bahnhofsvorplatz, in der Anlage an der Ecke Plockstraße/Johannesstraße, vor dem Liebigdenkmal, auf Oswaldsgarten, am Selterstor, auf dem Brandplatz und auf dem Ludwigsplatz. 7000 bis 8000 Sänger, jeweils' aus den verschie­denen Sängerkreisen zusammengefaßt, werden sich aktiv an diesen Platzkonzerten beteiligen, so daß Gießen im wahrsten Sinne des Wortes zu einer singenden Stadt" werden wird.

Die Festste sieht außerdem 17 Sonderkon­zerte vor, in denen insgesamt 3000 Sänger in der Form des Dereinschores ihre Leistungen in der Pflege des deutschen Männergesangs beweisen 'wer­den. Sämtliche verfügbaren Säle werden für diese Konzerte in Anspruch genommen. Diese Konzerte sollen einen breiten Kreis auch der nicht unmittel­bar an der Sache der Sängerschaft beteiligten Volksgenossen die Schönheit des deutschen Liedes zum Bewußtsein kommen lassen. Das Gausänger­fest bringt darüber hinaus eine Anzahl festlicher Höhepunkte insbesondere musikalischer Art. Bestes

deutsches Liedgut, die besten Kompositionen deut­scher Meister, werden zu Gehör gebracht werden.

Neben dem Singen auf Straßen und Plätzen und neben den Sonderkonzerten werden Kirchen­konzerte stattfinden, die auch dem kirchlichen Chorgesang im Rahmen des Festes würdigen Raum geben. Ein besonderes musikalisches Erlebnis soll die Aufführung des Oratoriums für gemischten Chor, Soli und Orchester von HaydnDie Jah­reszeiten" darstellen.

Die Gaukundgebung, die auf Oswaldsgarten die gesamte Sängerschar, die Einwohnerschaft unserer Stadt und die vielen Gäste aus der nahen und wei­teren^ Umgebung vereinigen soll, wird als außer­ordentliches Ereignis Darbietungen eines Massen­chores bringen, der aus etwa 12000 Sängern be­stehen und von Universitäts-Musikdirektor Dr. T e - m e s v a r y geleitet wird. Der Massenchor wird das Danklied" von Ehr. Tücher in vierstimmigem und das LiedDer Gott, der Eisen wachsen ließ" in einstimmigem Satz fingen.

Die Festfolge sieht außerdem eine^ Gaufeier­st u n d e vor, die unter dem LeitworTS i n g e n Kolonnen, singendes Volk" stehen roirT

Neben den großen musikalischen Darbietungen des Festes wird auch noch eine Reihe anderer Ver­anstaltungen die Aufmerksamkeit an sich ziehen. Sitzungen des Gauführerrates, der Mu­si k b e'i r ä t e, der K r e i s ch o r m e i st e r und schließlich der Gausängertag 1 9 3 8 werden einen Teil der Festteilnehmer mit ernster Arbeit in Anspruch nehmen. Die Teilnehmer an der Kund­gebung werden sich in einem Sternmarsch nach Oswaldsgarten begeben. Eine volkstümliche Feier st unde, ein Volksfest und ein ab­schließendes Feuerwerk werden wiederum Tau­sende von Festgästen vereinigen, so daß allen, die das Gausängerfest besuchen können, eine Fülle der Erlebnisse und der starken Eindrücke beschieden sein wird.

In .feierlicher Form wird übrigens auch die Uebergabe des Gaubanners durch den Führer des Sängerkreises Darmstadt (Darmstadt war der Festort des letzten Sängerfestes) an den Oberbürgermeister unserer Stadt vor sich gehen. Oberbürgermeister Ritter wird das Gaubanner dann dem Sängerkreisführer Müller (Gießen), als den Leiter des festgebenden Sängerkreises über­geben. Das Banner wird dann bis zum nächsten Gausängerfest (in vier Jahren) in Gießen bleiben.

Kaum zehn Tage trennen uns noch von dem großen Fest, das den Namen der Stadt Gießen wieder weit hinaustragen wird, als den Namen einer Stadt der Gastlichkeit und der Festfreudig­keit.

nischer medizinischer Wanderkongreß statt, der 35 brasilianische Aerzte, die fast ausnahmslos Univer­sitätslehrer und Krankenhausle-iter sind, deren Na­men guten Klang haben, von Berlin nach Bad- Nauheim, Darmstadt, Marburg, Gießen, Frank­furt a. M., München, Jena und Königsberg führt, wo jeweils die mediziniscken Institute besucht und gemeinsam Fachfragen behandelt werden. Die Stu­dienreise wurde am Montag in Berlin mit einer feierlichen Begrüßung der ausländischen^ Gäste im Jberoamerikanischen Institut eröffnet.

40. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft e. B. in Gießen

Dorn 3. bis 6. Juli hält die Deutsche Zoo­logische Gesellschaft in Gießen ihre 4 0. Jahresversammlung ab. Dem um­fangreichen Programm für die Tagung ist u. a. folgendes zu entnehmen: Am Sonntag, 3. Juli, findet ein Empfangsabend im Studenten­haus statt. Die wissenschaftlichen Arbeiten beginnen am Montag, 4. Juli, mit der ersten Sitzung im Physiologischen Institut. Das erste Referat hält Professor W. E. A n k e l (Gießen), über Erwerb und Aufnahme der Nahrung Fei den Gastropoben. Nach Absolvierung der für den ersten Tag vorge­sehenen Vorträge findet gegen Abend eine Fahrt auf den Schiffenberg statt, wo Professor Dr. Rauch die Führung übernehmen wird. Für den 5. Juli sind vorgesehen: Besichtigungen des Gießener Zoo­logischen Instituts, des Oberhessischen Museums und des Botanischen Gartens, Berichte und Vorträge im Physiologischen Institut, nachmittags eine Fahrt- nach Bad-Nauheim mit Besichtigung der Kuran­lagen und des Kerckhoff-Jnstitutes.

Am 6. Juli findet die S ch l u ßs i tz u n g im Physiologischen Institut statt, welche die letzten Vor­träge bringen wird. Ferner sind vorgesehen Besich­tigungen des Liebig-Museums und der Leitz-Werke in Wetzlar, daselbst auch Vorträge über die neuere Entwicklung der Farben-Photographie und ihre An­wendung für wissenschaftliche Zwecke. Am 7. Juli ist ein Autoausflug in den Vogelsberg geplant. Pro­fessor Dr. Merker ladet zum Besuch des Forst- Instituts der Universität Gießen ein. Während der Tagung finden im Ausstellungsraum des Physiolo­gischen Institutes Vorführungen der neueren Er- zeuanisse der optischen Werke Leitz (Wetzlar) und Zeitz (Jena) statt. Bisher sind für Die Tagung ins­gesamt 21 wissenschaftliche Vorträge aus den verschiedensten zoologischen Spezialgebieten gemeldet.

Der Kreisfeuerwehrtag in Watzenborn-Steinberg.

Am 2. und 3. Juli findet der Kreisfeuerwehrtag des Kreises Gießen in Watzenborn-Steinberg statt. Der Samstagnachmittag bringt die Führertagung der Wehrleiter und Stellvertreter der freiwilligen Feuerwehren und der Pflichtfeuerwehren des Krei­ses Gießen. Diese Arbeitstagung bringt außer wich­tigen amtlichen Bestimmungen noch eine Fülle des Wissenswerten für die Feuerwehrführer des Krei­ses. Am Samstagabend findet ein Kameradschafts­abend mit der Feier des 10jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Watzenborn-Steinberg statt. Der Sonntagvormittag ist ausgefüllt mit Vorfüh­rungen der Feuerwehr von Watzenborn-Steinberg so­wie Schulübungen der motorisierten Einheiten von Lollar, Grünberg, Hungen und Lich. Ein größerer Brandangriff der Feuerlöschpolizei Watzenborn- Sleinberg unter Einsatz von motorisierten Halblösch- zügen von Lollar und Grünberg dürften den Ab­schluß des Vormittags bilden, während der Nach­mittag den Aufmarsch, die Kundgebung und die Frontabnahme der 48 freiwilligen Feuerwehren (Feuerlöschpolizei) vorsieht.

Weinbeffände dürfen nicht zurückgehalten werden.

NSG. Der Reichs st atthalter in Hessen Landesregierung Stelle für d i e Preis­bildung, sieht sich veranlaßt, folgende Pressenotiz zu veröffentlichen:

In der letzten Zeit häufen sich ständig die Klagen von Gaststätten und Schankwirten über die unzu­reichende Versorgung mit billigem Konsum-Wein

MiedeMMSMtt

Roman von Hans von Hülsen.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.

14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Er kann mehr als das", sagte Renata trotzig. Und in dem Wunsch, ihn herauszustreichen, erzählte sie von dem Werk, an dem er arbeitete, und je mehr Frau Armbruster lächelte, desto eifriger, desto wärmer wurden ihre Worte. Schließlich setzte sie hinzu, sie habe auch Fritz sch-on davon gesprochen, aber er habe ebenso ungläubig gelächelt.

Da hörte Frau Armbruster plötzlich auf, zu lächeln.

Ich sage ja immer, daß der Junge nicht fürs Geschäft taugt! Daß er kein Organ dafür hat. Kein Sterbenswörtchen hat er davon verraten. Und das wäre doch seine erste Pflicht, wenn ihm zu Ohren kam, daß eine Berühmtheit wie Ottenrieth an einer Sache arbeitet, die nicht unter den Vertrag mit feinen Agenten fällt. Es ist mir jedenfalls lieb, daß Sie mit Ottenrieth befreundet find, Kind", setzte sie hinzu, wie aus einem tiefen Sinnen heraus.

Renata verstand sie nicht. Sie dachte nur: off es i^m recht ist, daß ich zu den beiden davon gesprochen habe?

Sie hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen und lehnte ab, als Frau Armbruster sie nach dem Emp­fang noch irgendwohin zum Essen mitnehmen wollte. Es tat ihr leid um Fritz, aber sie fühlte, daß hinter dieser Einladung etwas steckte, dem man besser aus dem Weg ging.

*

Um das gelbe, würfelförmige Haus in den nun entlaubten Kastanienwäldern von San Bartolomeo ging der Wirbelsturm. Unwirtlich war es hier in den Bergen des Apennin um diese Jahreszeit. Erst wenn im Januar das junge Jahr zu steigen be­gann, wurde es besser. Der Wind riß an den Fen­stern, daß sie klapperten wie dürres Gebein. Im­mer wieder mußte man in der Nacht aufstehen, weil ein Laden sich losgerissen hatte und geaen die Mauer schlug.

Grazia Tudesco fröstelte, weil sie nun schon Zwanzig Winter lang in diesem Hause gefröstelt hatte.

Sie ging rastlos umher und schürte die uralten Oefen aus der Doriazeit, damit sie mehr Wärme

zum Genuß für einfache Volksgenossen. Die Ursache für diese Erscheinung liegt nach den bisherigen Er­fahrungen hauptsächlich daran, daß gewisse Erzeuger ihre noch vorhandenen Restbestände in Wein in un­verantwortlicher Weise zurückhalten, offenbar in der Absicht, damit noch höhere Preise zu erzielen. Ein solches Verhalten verstößt aufs gröbste gegen die bestehenden Preisvorschriften und läßt darüber hin­aus auch eine sehr verwerfliche Gesinnung erkennen, die verdient, aufs schärfste angeprangert zu werden. Wenn durch die Patenweinaktion in den vergangenen Jahren, durch den Einsatz aller dem Winzer bei dem damaligen Ueberfluß an Wein zu erforderlichem Ab­satz verhalfen wurde, so ist es heute unverständlich, wenn durch die Zurückhaltung gewisser Erzeuger nunmehr die Gefahr wachgerufen wird, daß der Wein seinen Ruf als Volksgetränk verliert. Das kann sich in Zeiten einer guten Ernte sehr leicht rächen. Sofern diese Erzeugerkreise weiterhin den Wein horten sollten, werde ich mit den schärfsten Strafen dagegen einschreiten. Ich hoffe, daß diese Anregung dazu bei­trägt, die Lieferungen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten wieder in Gang zu bringen.

*

** 25 Jahre treuer Mitarbeiter. Am heutigen Mittwoch kann Ludwig B i e r a u auf eine 25jährige Tätigkeit in der Wäscherei

gäben;* aber es war nutzlos, der Sturm riß die Glut durch die Kamine hinaus.

Sie ging ins Speisezimmer, wo ihr jetzt die alte Rosetta ihren einsamen Mahlzeiten auftischte.

Sie ging flüchtigen Fußes durch den großen Saal zu ebener Erde, wo es eisig war und der mit seinen auch tagsüber geschlossenen Läden tot und unwohnlich dalag.

Sie ging in ihren kleinen Salon, der unter Windschutz lag und wenigstens einigermaßen die Wärme hielt. /

Sie ging immer wieder hinauf in das große Gemach mit den drei maurischen Fensterbogen, wo der Oberst seit Wochen in dem frei in den Raum gerückten Bett lag.

Oberst Tudesco war krank, hatte sich seit den Hochsommertagen in Torbolo nie mehr auch nur des bescheidenen Grades von Gesundheit erfreut, bei dem er auf Fragen feiner seltenen Besucher zu sagen pflegte: es gehe ihm gut.

Im September war er noch manchmal an sei­nen beiden Krücken durch den Garten gehumpelt und hatte am großen, runden Bassin gestanden und den paar vernachlässigten Goldfischen zugesehen, die genau so darin vegetierten wie er selbst dahin­siechte. Aber gegen Ende des Monats hatte er sich hingelegt und war seitdem nicht mehr aufge­standen.

Der Arzt war gekommen, der alte Doktor Fa- biani aus Busalla, wie so oft, er hatte das Wrack dieses Körpers wieder einmal untersucht und et­welche Medizinen zur Stärkung verschrieben und der Signora ein Dutzend Ampullen mit Morphium für besonders schlimme Tage oder Nächte ausge- händigt; was hätte er auch weiter tun können?

Oberst Tudescw wußte, daß kein Arzt der Welt etwas tun konnte. Er wußte, was niemand sonst wußte, vor allem die Frau an feiner Seite nicht: warum er hier so reglos lag und die Augen unter den zottigen Brauen unablässig auf die buntbemal­ten Deckenbalken aus der Zeit der Doria gerichtet hielt und kaum je den Kopf llach dem Fenster wandte, durch das bleich der Wintertag herein« schien.

Daren es die Wunden, die ihn schmerzten? Die hundertfachen Gebresten, die ihm die Ervlosion einer österreichischen Mine vor seinem Bataillonsbefehls­stand Jsonzo verursacht hatte? Sie waren es auch, ja, wie sie es nun schon seit zwanzig Jahren waren? Sie hatten seinen Leib in ein Bündel von Leiden und Qualen verwandelt, denen nur eine so harte Natur wie die seine Widervart zu halten ver­wachte. Nur der Wille, zu leben, hatte all diesen Abgesandten widerstanden, die ihn immer wieder

Fuchs zurückblicken. Gleichzeitig kann der Jubilar seinen 65. Geburtstag feiern. Wir gratulieren!

Lpd. Herstellung von Milchsekt ge­nehmigungspflichtig. Durch eine Anord­nung der Hauptverejnigung der deutschen Milch­wirtschaft wird bestimmt, daß die Herstellung von Erfrischungsgetränken, die aus Vollmilch und ent­rahmter Frischmilch unter Zusatz von Kohlensäure oder Fruchtaroma zubereitet werden, sowie jede Erweiterung der Leistungsfähigkeit eines derarti­gen Herstellerbetriebes der Genehmigung der Haupt­vereinigung der deutschen Milchwirtschaft unterlie­gen. In den Anträgen auf Erteilung Der Genehmi­gung ist die Beschaffenheit der Anlagen darzulegen, ferner die Zusammensetzung des Getränks und die Preisbildung vom Erzeuger bis zum Verbraucher.

Rundfunkprogramm

Donnerstag, 30. Juni.

5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gym­nastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Volksliedsingen. 11.45: Wer sammelt was? 12: Mittagskonzert. 13: Nachrich­ten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Komponisten der Gegenwart unterhalten uns (VII):

in das dunkle, stille, quallose Reich des Todes locken wollten. Zwanzig Jahre lang hatte sein Wille trium­phiert! Aber nun nun mochte er nicht mehr. Nun war er Des Ganzen müde.

Er lag hier und wartete auf Den, Dem fein flügel­lahmer Wille erlaubt hatte, einzutreten.

Er lag in den Kissen, die ihm die Frau mittels einer Stütze hochgestellt, lag viele Stunden allein, die gelblichen Hände auf der Decke gefaltet, wie über einem Degenknauf, schaute unverwandt nach fcbem Gebälk empor, als müsse von dort ein Adler niederstoßen, und überdachte fein ganzes Leben. Dachte der Tage, da er unter den Augen der Eltern hier in Haus und Park von San Bartolomeo auf­gewachsen war, der Schulzeit in Bergamo, seiner jungen Leutnantsjahre, die so heiter angefangen hatten, alles das sah er wie ein schattenhaftes Schau­spiel jenseits des dunklen Stromes.

Er dachte, und seine Brauen über der Nasen­wurzel wuchsen dabei streng zusammen, an Wien, die vor dem Krieg so heitere Stadt, in der er zwei Jahre lang gelebt hatte, als junger Hauptmann-, zum Militärattache bei der Gesandtschaft fomman» diert diese zwei Jahre, in denen sich, man mochte es drehen und wenden, wie man wollte, sein Schicksal entschieden.

Sein Schicksal! Er dachte an die wunderschöne Teresa Seleseanu, die elegante, kapriziöse Rumänin, an die er sich mit allen durstigen Sinnen gehängt und die dann so urplötzlich vom Erdboden ver­schwunden war: daß sie heimlich der österreichi­schen Spionage gedient und in 'einem Graben der Festung Verona vor sieben Gewehrläufen aufrecht geendet, daß die Herren in Rom ihn, ihren Ge­liebten, geschont viel später erst hatte er das erfahren, Jahre sväter, in einer fürchterlichen Stunde, aus einem fürchterlichen Aktenstück.

Weiter sann er: Afrika, Lybien. Der türkische Krieg: harte Frontjahre, gut zum Vergessen der Dummheiten mit Teresa. Damals hatte er noch nicht geahnt, welche Saat aus diesen Dummheiten ausgehen wird. Kriegsjahre, die den in Wien eini­germaßen verweichlichten Körper und Willen wie­der stählten. Die blutige Eroberung der zHH ver­teidigten Oase Gargaresch, die ersten Wunden. Jahre, die ganz ausgefüllt sind vom Ehrgeiz, ein guter Troupier zu sein, die ihn den Krieg im Sand und die sengende Sonne Afrikas fast lieber ge­winnen lassen, als Europa und die Heimat, wo im­mer die Schatten der Dummheiten wie Erinnyen umgehen. Glückliche Jahre, alles in allem!

Und dann die römischen Urlaubstage, Sep­tember Vierzehn, der letzte Urlauber vor der italie-

Heute: Joe Rixner. 15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert: Tänzerische Weisen aus alter und neuer Zeit. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröh­liche Lautsprecher. 18.50: Allerlei vom Sport der Woche. 19: Nachrichten. 19.10:Mittsommer", eine Hörfolge. 20: Unser singendes, klingendes Franks furt. Zwei kunterbunte Stunden zu einem mufifa« lischen Strauß gebunden. 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien. Stimmen von draußen. 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 3: Nacht­konzert.

Schwurgericht Gießen.

Am Dienstag verhandelte das Schwurgericht über einen Fall der Kindestötung. Angeklagt war die L. B. aus Lauterbach, die das Kind braver Eltern ist und Der Durch ihren Arbeitgeber ynb ihren Leh­rer Das beste Zeugnis ausgestellt wurde. Die An­geklagte lernte im vorigen Sommer einen jungen Mann kennen, der die Unerfahrenheit des jungen Mädchens ausnutzte, sie überraschte und geschlecht­lich mit ihr verkehrte. Die Angeklagte behauptete zwar, von ihm vergewaltigt worden zu sein, doch ist diese Angabe wenig wahrscheinlich, da Die Ange­klagte keinerlei Strafanzeige gegen ihn stellte. Tat­sache ist aber, daß der junge Mann sich danach über»

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Haupt nicht mehr um das Mädchen kümmerte, auch nicht, nachdem sich zeigte, daß der Verkehr nicht ohne Folgen blieb. Die Angeklagte, die einen sehr zurückhaltenden und unaufgeschlossenen Eindruck machte, vertraute ihren Zustand weder ihrer Mut­ter, noch ihrer Dienstherrschaft an. Hinzu kam noch, daß sie um Weihnachten einen anderen Mann ken­nenlernte, der versprach, sie zu heiraten und sie be­furchten mußte, daß dieser nach Kenntnis der Schwangerschaft das Verhältnis zu ihr lösen würde. Im Februar leugnete sie aber auf Befragen ihrer Arbeitgeberin nicht, daß sie in anderen Umständen war, gab es aber auch nicht zu. Im April erfolgte bann die Geburt des Kindes, ohne daß es jemand merkte. Gleich nach der Geburt drückte die Ange­klagte dem Kind, das nicht schrie, aber sonstige Le­benszeichen gab, Die Kehle zu, bis es tot war. Da­nach versteckte sie es in ihrem Zimmer. Ihrer Ar­beitgeberin gegenüber sagte sie nur, daß es ihr nicht gut sei. Als diese daraufhin zum Arzt schickte, stellte dieser bei Der Untersuchung Den Sachverhalt- fest und veranlaßte Die Uebersührung in das Kranken­haus. Bei Der Dann erfolgenden Haussuchung wurde in kurzer Zeit das Kind gefunden,

Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Kindestötung unter weitgehendster Zubilligung von mildernden Umständen zu Der gesetzlichen Mindest­strafe von zwei Jahren Gefängnis. Bei Der Zumessung Der Strafe war maßgebend, daß es sich bei der Angeklagten um ein noch junges, ordentliches und anständiges Mädchen handelte, dem von allen Seiten gute Zeugnisse ausgestellt wurden, daß es nur durch unglückliche Zufälle zu dem Geschlechtsverkehr und der Schwangerschaft kam, und daß allein falsche Scham die Angeklagte abhielt, sich ihrer Mutter an­zuvertrauen, die ihr und dem Kinde sicherlich wei­tergeholfen hätte. Mit Rücksicht auf die Tragik die­ses Vergehens und mit Rücksicht auf die vielen Um­stünde, die zugunsten der Angeklagten sprachen, wurde ihr auch die erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet.

Vezirksschöffengerichl Wen.

Der G. K. aus Lauterbach, der schon dreimal wegen Diebstahls vorbestraft war, wurde wegen einfachen Diebstahls im Rückfall unter Zubilligung mildernder Umstände zu IJahr Ge­fängnis verurteilt. In seinem Hause wurden Fleisch- und Wurstwaren gefunden, sowie Wein, Zigarren und Zigaretten, die einwandfrei aus dem Laden des Zeugen R. stammten. Der Angeklagte leugnete zwar, diese Sachen gestohlen zu haben und behauptete, er habe die Waren in anderen Läden gekauft. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß der Angeklagte nur auf unrechtmäßige Art und Weise in den Besitz der Sachen gekommen sein konnte. Die Frau des Angeklagten gab an, daß

nischen Kriegserklärung an die Mittelmächte! Die Tage, in denen ein Schicksal sich entschied. Ein Schicksal? Zwei Menschenschicksale vielmehr.

Er denkt zurück. Sieht die Reitbahn in der Villa Borghese mit Den himmelhohen, einzelstehenden Pinien, wo er Den Grafen Monfalconi getroffen. Den ehemaligen Geschäftsträger in Wien, ihn und seine Tochter. Donnerwetter, ist das Mädchen schön geworden! Damals, in Wien, er innert sich gut, war es fast noch ein Kind, das bei den Diners des Gesandtschaftsratsehepaars nicht erschien, nur manchmal am Teetisch der Mutter sichtbar wurde. Monfalconi selber unverändert, höchstens ein wenig mehr Grau an den Schläfen, er erkennt ihn so­fort, winkt ihm zu, stellt ihn der Komtesse vor. Bildschön ist das Mädchen geworden! Perlblasse Haut, wundervolles schwarzes Haar, die Augen selt­sam verschleiert! Man tauscht, im eleganten Men- schengewühl des Septembersonntags umherwan- delnd, alte Wiener Erinnerungen der Graf ist nun auch schon jahrelang von Wien fort, arbeitet als Abteilungschef in der römischen Consulatä und wartet wohl auf irgendeinen Außenposten, aber das kann bei der Überalterung des diplomatischen Dienstes lange dauern.

Die Begegnung endet, überraschend fast, mit einer Einladung für morgen zum Frühstück, Villa Severini, Viale bei Parioli. Die Gräfin sei seit einem Jahre verstorben, hat Monfalconi wie neben­bei fallen lassen.

Erinnerungen wie das alles mit Gewalt auf­ersteht in dieser Stunde!

Als er, den Kops schwer vom Wein und guten Essen, die Villa Severini verläßt, weiß er, daß er bis über beide Ohren in die schöne Komtesse Grazia verliebt ist. Drei Tage später weiß er, daß er die Keckheit haben wird, um sie zu werben. Er, ein simpler Linien-Hauptmann ohne nennenswertes Vermögen, um die bildschöne, begehrte Tochter aus der römischen Aristokratie, die unter allen Aristo­kratien der Welt Die stolzeste ist! Er ist wie in einem Rausch, Der Schwierigkeiten nicht kennt.

Schwierigkeiten? Aber es gibt keine! Der Graf hört ihm mit einem Lächeln zu, als er feine Wer­bung vorbringt. Sein Auge ruht sichtlich .wohl­wollend auf dem Besucher es ist zum Erstau- nen! Er erklärt sich bereit, mit Der Komtesse zu sprechen, er sei, sagt er, ein viel zu verliebter Vater, um etwaigen Wünschen seines einzigen Kindes im Wege zu stehen, und lächelt dazu. Er verspricht, am-nächsten Tage Nachricht zu geben. Wer konnte etwas Aehnliches erwarten.

(Fortsetzung folgt!)