besonderer Bedeutung, als wir hier im Konzert- verein zum' ersten Male hervorragende italienische Künstler begrüßen können, das Quartette di Roma. Das Quartett, dessen Mitglieder über ausgezeichnete Instrumente verfügen, bringt ein kleines, nach alter Weise aufgebautes Streichquartett von Respighi, eines neueren, in Deutschland neuerdings sehr geschätzten Komponisten, sodann das einzige Streichquartett des größten Komponisten Italiens, des 1901 verstorbenen Verdi, und schließlich das a-moll-Quartett von Johannes Brahms. Daß die Künstler ihre italienische Musik besonders beherrschen, ist an sich verstäAlich, aber gerade die Interpretation von Brahms wurde in den Berichten aus zahlreichen deutschen Großstädten (Berlin, München, Köln, Frankfurt a. M. u. a.) als meisterhaft gerühmt. Wir möchten Musikfreurtee, insbesondere Freunde guter Kammermusik, gerade aus diesen Abend noch einmal besonders aufmerksam machen.
Vortrag von Prälat Diehl in Gießen.
Der Kirchenvorstand der Matthäusgemeinde lädt zum morgigen Sonntagabend zu einem Vortrag von Prälat a. D. D. Dr. Dr. Diehl (Darmstadt) in der Stadtkirche ein, der dort über das Thema: „Die evangelische Bewegung und die Einführung der Reformation in Gießen und Umgebung" sprechen wird.
Franenschast der Ortsgruppe Süd.
Der Ortsgruppen-Pflichtabend am 28. Februar im Studentenheim fällt aus.
KinderausNorden, Süden und Westen.
NSG. In wenigen Wochen beginnt die NSV. wieder mit der Kinderlandverschickung. Der Gau Hessen- Nassau nimmt in diesem Jahre Kinder aus den Gauen Berlin, Baden, Düsseldorf, Hamburg, Kob- lenz-Trier, Schleswig-Holstein und Westfalen-Nord auf, während aus unserem Gau die Kinder in die Gaue Baden, Kurmark, Schleswig-Holstein, Westfalen-Nord verschickt werden. Eine Reche von Kindern wird auch im eigenen Gau untergebracht. Wie in den vergangenen Jahren, werden die Kinder während chres Landaufenthaltes betreut. Ausflüge, Besichtigunaen und Kindernachmittage lassen sie chren Erholungsaufenthalt ausgiebig genießen. Entsprechend dem Grundsatz der Selbschilfe werden die Eltern der zu verschickenden Kinder, soweit es möglich ist, mit einem kleinen Beitrag an den Kosten beteiligt. Die Kinder sind gegen Unfallschäden versichert.
Es ist in diesem Jahre auch möglich, daß die Pflegeeltern die Kinder wieder einladen, die bereits früher bei ihnen Aufnahme gefunden hatten. Allerdings ist dies nur für Kinder aus den Gauen möglich, für die der Gau Hessen-Nassau Aufnahmegebiet ist. Es sind für das Jahr 1938 fünf Aufnahmezeiten vorgesehen, von denen die erste am 27. April beginnt und bis zum 31. Mai dauert. Die nächsten Belegungszeiten sind 10. Juni bis 15. Juli, 20. Juli bis 22. August, 26. August bis 26. September, 30. September bis 31. Oktober. Die Spender von Gaft- und Pflegestesten erhalten eine Türplakette, die jedem zeigt, daß die betreffende Familie sich tatkräftig in den Dienst der Kinderlandverschickung der NSV. gestellt hat.
Dom Bauen in ließen. ,
Die Ecke Curtmann- und Fröbelstraße vor Jahresfrist begonnene Wohnhausgruppe für neun Wohnungen ist jetzt nahezu im Rohbau vollendet; ebenso rasch schreiten die Bauarbeiten der sechs Wohnhäuser entlang der oberen Fröbelstraße vorwärts so daß auch hier demnächst mit dem Richten der Dachstühle begonnen werden kann. Neben der Liebigshöhe, stadtseits, hat man mit den Bau- orbeiten für den Neubau eines Instituts begonnen.
Ferner ist man dabei, die Vorarbeiten für weitere Wohnungsbauten am Tannenweg — Eichgärten- gebiet — in die Wege zu leiten, ebenso sind die Vorbereitungen, Ausschreibungen usw. für die Kleinwohnungsbauten in der Schwarzlach in Angriff genommen. Der Aufbau am Geschäftshaus Schwarz in der oberen Bahnhofstraße ist fertiggestellt und wird alsbald feinem Bestimmungszweck übergeben.
Sobald es die Witterung gestattet, dürfte mit dem Beginn weiterer Wohnungsbauten im Ost- marfenmertel, Günthersgraben und in anderen Straßen zu rechnen fein.
Gießener Dochenmarktpreife.
* G i e ß e n , 26. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische, Klasse A 12, Wirsing, % kg 12, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vto 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 45, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln- % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,25 bis 3,75 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 25 Pf., Dirnen 20 bis 25, Hähne 1,15 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, bas Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 50 bis 60, Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 10 Pf.
* Neuer Ober-Spielleiter der Operette am Stadttheater. Für die Spielzeit 1938/39 wurde Gert Buchheim von der Landesbühne München als Oberspielleiter der Operette und Spielleiter der Oper an das Gießener Stadttheater verpflichtet.
** Der Abbruch am Kirchenplatz. Nach- dem man zwecks Lagerung von Abbruchmaterial zuerst die Hintergebäude beseitigt hat, ist man jetzt dabei, die Häuser Kirchenplatz 9 und 10 abzubrechen. Man stellte hier fest, daß beide Häuser als Doppelhäuser gebaut waren. Wenn das Arbeitstempo nicht unterbrochen wird, dürfte bis Ende nächster Woche von den Häusern am Kirchenplatz nicht mehr viel zu sehen fein.
♦* ** Brennholzverkäufe b er Stabt Gießen finben am Mittwoch unb Freitag nächster Woche in verschiedenen Abteilungen des' Stabt- waldes statt.
** Arbeitsvergebung. Das Hoch- und Tiefbauamt schreibt heute die Vergebung von Bau- arbeiten für die Errichtung eines Sechs-Familien- Wohnhauses des Elektrizitätswerkes aus.
** Schweine.Zwischenzählung am 3 März. Der Oberbürgermeister hat heute in einer Bekanntmachung auf die am 3. März statt- findende Schweine-Zwischenzählung aufmerksam und betont dabei, daß die Schweinebesitzer den Zählern die notwendigen Angaben über ihre Schweinebestände zu erteilen haben. Unrichtiae Angaben oder die Verweigerung der Auskunft ist mit erheblichen Strafen bedroht. Die Zählung dient statistischen und volkswirtschafllichen Zwecken.
Der -euische Osten
Vortrag im Nationalsozialistischen
Der NS.-Rechtswahrerbund vereinigte am gestrigen Freitagabend im „Hotel Hindenburg" zahlreiche Mitglieder zur Monatsoersammlung. Oberstaatsanwalt K n a u ß hieß die Kameraden herzlich willkommen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vorttag des
Sauhauptstellenleiters Dr. Kraus
von der Gaufchulungsburg in Kronberg, der über das Thema „Der deutsche Osten in seiner Bedeutung für das nationalsozialiftische Reich" sprach. Der Redner ging in einigen grundsätzlichen Erwägungen davon aus, wie unser ganzes Handeln von Volksgesamtheiten, als den treibenden Kräften, beftimmt werde. Dann ging er auf die jahrhundertealte Auseinandersetzung zwischen Ost unb West ein und legte bar, wie durch eineinhalb Jahrtausende hindurch immer wieder das slawische Element gegen den Westen anstürmte unb in vielen Schlachten zurückgeworfen werden mußte. Don den Hunnenzügen bis zur Schlacht von Tannenberg sei bas Erscheinungsbild das gleiche. Die Bemühungen der Völker des Ostens seien dabei nicht so sehr darauf gerichtet gewesen, nur eben Land zu gewinnen, sondern kultiviertes Land zu gewinnen, weil es nun einmal leichter sei, kultiviertes Land aus- zubeuten, als Land erst urbar zu machen.
An Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials, von aufschlußreichen Geburtenziffern in der Gegenüberstellung der slawischen Völker zu den germanischen und romanischen Völkern, wies der Redner nach, wie sich das Verhältnis einseitig zugunsten der slawischen Völker verschoben hat. Er wies ferner darauf hin, wie dieser Ansturm der Völker des Ostens immer nach den Punkten des geringsten Widerstandes gerichtet gewesen sei, und umriß hier besonders die Lage Deutschlands, wie sie sich aus der unmittelbaren Angrenzung an die Völker in Osteuropa ergab. Während manches Land in Europa überhaupt nur mittelbar bedroht sei ober durch natürliche Grenzen (Gebirge, Meere usw.) wertvollen Schutz genieße, sei Deutschland immer
Bechtswahrerbund.
wieder vor die Notwendigkeit gestellt gewesen, sich mit allen Kräften des slawischen Völkerdruckes zu erwehren.
In weiteren Darlegungen sprach der Redner von der gegenwärtigen Lage im deutschen Osten, insbesondere von Ostpreußen, und von der Gefahr, die für Ostdeutschland, wie für Deutschland überhaupt, aus der in den letzten Jahrzehnten anhaltenden Landflucht entstanden ist. Er ging den Ursachen dieser Landflucht nach und stellte dabei heraus, daß die Vorherrschaft des Großgrundbesitzes einem mittleren oder Kleinbauerntum keine Entwicklung ermöglichte. Andererseits habe sich die Abwanderung in die Industrie des Westens so ausgewirkt, daß heute der deutsche industrielle Westen eine Menschenüberhäufung aufzuweisen habe, während das ostdeutsche Land zum Teil ein Raum ohne Volk sei. Die Erfahrungen der Geschichte lehrten aber eindeutig, daß leere Räume zwischen Völkern nicht möglich seien. Immer stelle sich das zahlenmäßig stärkere Volk aus Lebensnotwendigkeit in den leeren Raum.
Für das Dritte Reich gelte es, aus den gegenwärtigen Verhältnissen im deutschen Osten Folgerungen zu ziehen, denn im Osten entscheide sich deutsches Schicksal. Es gelte eine zielbewußte Boden- und Siedlungsvolitik zu betreiben, einen lebendigen Menschenwall aufzurichten, dem ostdeutschen Lande allen Schutz und allen Ausbau zu vermitteln und damit das deutsche Anrecht, wie es sich aus der Geschichte ergibt, zu sichern. In feinen abschließen- den Darlegungen beschäftigte sich der Redner noch mit den Verhältnissen von Volkstum und Staat in Polen und in der Tschechoslowakei und gab hier wertvolle Aufschlüsse. Der Vorttag wurde mit ungeteilter Aufmerksamkeit verfolgt.
Nachdem Oberstaatsanwalt K n a u ß dem Redner den Dank der Versammlung zum Ausdruck gebracht und ferner einige geschäftliche Mitteilungen gemacht hatte, zeigte Rechtsanwalt Spohr eine stattliche Reihe von Bildern, in denen er die Schönheiten des ostdeutschen Landes vor Augen führte.
Ehrung für Kreiskolonnenführer Kräh.
Kameradschastsabend der Ganitcitskolonne Gießen.
Anläßlich der 30jährigen Zugehörigkeit des Kreiskolonnenführers Louis Kratz in Gießen zur hiesigen Sanitätskolonne des Deutschen Roten Kreuzes versammelten sich die Angehörigen der Kolonne am Donnerstag im Saale des „Burghof" zu einem in allen Teilen wohlgelungenen Kameradschaftsabend, den die Kreisstelle (früherer Kreismänneroerein) des Deutschen Roten Kreuzes angeregt hatte.
Kolonnenführer Luch konnte in feiner Begrüßungsansprache u. a. auch den seitherigen Prooin- zial-Kolonnenführer Prof. Dr. Eger begrüßen. Dann überbrachte er dem Jubilar Louis Kratz die Glückwünsche der Sanitätskolonne Gießen, wobei er in längeren Ausführungen schilderte, unter welch' großen Schwierigkeiten Kamerad Kratz nach dem Kriege die Sanitätskolonne wieder auf- gebaut hat. Nur feiner großen Mühe und unermüdlichen Arbeit und den von ihm gebrachten Opfern verdanke es die Kolonne Gießen, daß sie heute auf beachtlicher Höhe stehe.
Der kommissarische Kreisführer des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisdirektor Dr. Lotz, würdigte gleichfalls die außerordentlich großen Verdienste des Kameraden Kratz um die Sanitätskolonne Gießen. Mit Freude überreichte er dem Jubilar, der jetzt das Amt des Kreiskolonnenführers bekleidet, ein Aner- kennungs- und Glückwunschschreiben des Landesführers des Deutfrfien Roten Kreuzes, ^-Brigadeführer Staatssekretär O r t l e p p (Weimar), der darin dem Jubilar für die langjährigen treuen Dienste herzlichen Dank und besondere Anerkennung ausspricht, und es zugleich dankbar begrüßt, daß Kamerad Kratz sich auch weiterhin nach der Neuordnung in den Dienst des RotenKreuzes stellt. Kreisdirektor Dr. Lotz wünschte dem Jubilar noch ein langes und segensreiches Wirken im Dienste des Roten Kreuzes, und er überreichte ihm als äußeres Zeichen der Anerkennung namens der Kreisstelle des Roten Kreuzes eine wertvolle Führer-Plakette, um da
durch die von Kamerad Kratz in uneigennütziger Weise geleistete wertvolle und erfolgreiche Arbeit zu ehren. Mit dem Appell an alle Kameraden und Kameradinnen zur weiteren treuen Mitarbeit für das Rote Kreuz und mit dem „Sieg-Heil!" auf Führer, Vaterland und Rotes Kreuz schloß der Redner seine Ansprache.
Namens der Sanitätskolonne Gießen überreichte Kolonnenführer Luch mit herzlichen Dank- und Glückwunschworten dem Jubilar ein in künstlerischer Form gefertigtes Schreiben, in dem Dankbarkeit, Treue und' Verehrung der Sanitätskolonne zum Ausdruck gebracht werden, während der Kolonnengeschäftsführer Pfeiffer dem Jubilar mit herzlichen Worten eine Statuette überreichte. Abteilungsführer Ley überbrachte namens der Sani- täts-Werkgruppe der Firma Poppe dem Jubilar ein Dank- und Anerkennungsschreiben mit einem Blumengruß, wobei er die gute Zusammenarbeit rühmte. Die Vorsitzende des Alice-Frouenoereins, Frau Giese, beglückwünschte Herrn Kratz namens der Gießener Rot-Kreuz-Frauen mit herzlichen Worten. Die Sanitätskolonne Worms ließ gleichfalls herzliche Glückwünsche übermitteln.
Kreiskolonnenführer Kratz dankte herzlich für die ihm in so reichem Maße dargebrachten Glückwünsche und Anerkennungen, weiterhin für die bisherige gute und treue Mitarbeit aller Kameraden unb Kameradinnen. Ferner versicherte er, daß er feine Kräfte stets gerne in den Dienst des Roten Kreuzes stelle. Mit einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Kolonne und mit herzlichem Dank an die Stadtverwaltung für ihr jederzeit der Kolonne bewiesenes verständnisvolles Entgegenkommen schloß er seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache.
Die weiteren Stunden des Beisammenseins waren der frohen Geselligkeit gewidmet.
Schwurgericht in Gießen.
Am geftrigen letzten Tage der lausenden Schwurgerichtsperiode hatte sich die A. F. aus Helsa unter der Anklage der Kindestötung zu verantworten. Die Angeklagte hatte eine sehr traurige Jugend hinter sich. Die Mutter starb ziemlich früh, während der Vater wegen einer an der Angeklagten begangenen strafbaren Handlung zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Die ging daher schon frühzeitig von Hause weg und brach auch die Verbindung zum Elternhaus ab. Im Herbst vorigen Jahres lernte sie in Gießen einen jungen Mann kennen, mit dem sie in nähere Beziehungen trat, die nicht ohne Folgen blieben. In der Nacht zum 11. November 1937 brachte sie in ihrem Zimmer ein Kind zur Welt. In ihrer Verzweiflung darüber, daß sich ihr Freund von ihr zurückgezogen hatte, unb da sie für ihre Stellung fürchtete, faßte sie den Entschluß, bas Kind zu beseitigen, und sie führte diesen Entschluß aus der Stelle aus. Die Tat wurde jedoch entdeckt. Das Mädchen war nach feiner Verhaftung in vollem Umfange geständig. Dieses Geständnis hielt sie auch in der gestrigen Hauptverhandlung in vollem Umfange aufrecht. Sie führte zu ihrer Entschuldigung an, sie habe Muttergefühle für ihr Kind gehegt, nur in ihrer Ratlosigkeit und Verzweiflung über ihre hoffnungslose Lage habe sie sich zu der Tat hinreißen lassen, besonders des- halb, weil ihr Freund sich von ihr inzwischen losgesagt hatte und sie nicht mehr ein und aus gewußt habe, sei sie zu dem verwerflichen Verbrechen geschritten.
Der Vertreter der Anklagebehörde würdigte in vollem Umfange die verzweifelte Lage der Ange- klagten und beantragte eine Gefängnisstrafe von 2V$ Jahren.
Der Verteidiger wies nochmals auf die Notlage ber Angeklagten hin und bat, auf die gesetzliche Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis zu erkennen.
Das Gericht schloß sich im wesentlichen den von der Verteidigung vorgebrachten Gründen an und verurteilte die Angeklagte zu der M i n d e st st r a f e von zwei Jahren Gefängnis. Drei Mo- nate her Untersuchungshaft gelten als verbüßt. Die Angeklagte erkannte das Urteil sofort an. Da auch von der Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel Der- Achtet wurde, wurde es sofort rechtskräftig.
Am Nachmittag wurde der Prozeß gegen den Karl W i ck aus Köppern und den Hermann Preis aus Rodheim v. d. Höhe wegen Meineides zu Ende geführt. Den Angeklagten wurde bekanntlich zur Last gelegt, in einem Prozeß, der zwischen zwei in Streit geratenen Brüdern aus Rodheim vor dem Amtsgericht Friedberg und sodann vor dem Landgericht Gießen schwebte, eine in mehreren Punkten unwahre Aussage beschworen zu haben.
Die gestern neu geladenen Zeugen bekundeten in einigen Punkten das Gegenteil von dem, was der Zugezogene Bruder als Hauptbelastungszeuge unter Eid ausgesagt hatte. Sie wurden auch auf ihre Aussagen hin vereidigt. Die Anklage, die sich ursprünglich nur auf die zwei letzten Punkte be- schränkte, wurde in der gestrigen Hauptverhandlung von dem Staatsanwalt auch auf den ersten Punkt ausgedehnt, der in dem damaligen Zivilprozeß der Hauptstroitgegenstand war.
Der Vertreter der Anklagebehörde «führte aus, baß der Bruder aus Westfalen nur deshalb nach Rodheim gekommen sei, um in der stark herunter- gekommenen Wirtschaft seines Bruders nach dem Rechten zu sehen. Dies habe dem Angeklagten Wick, der bis zu dieser Zeit dort das Kommando geführt habe, nicht gepaßt. Er habe daraufhin versucht, die beiden Brüder auseinander zu bringen, um dann aus diesen Streitigkeiten für sich im Trüben zu fischen, was ihm schließlich auch gelungen sei. Er bezeichnete den Angeklagten als einen ganz gefährlichen Verbrecher, der es in jeglicher Hinsicht an der nötigen Achtung vor der Rechtspflege fehlen lasse. Dabei bezog er sich insbesondere auf das nicht lange zurückliegende Verfahren gegen Wick, in dem dieser wegen Verleitung zum Meineid zu 2 Jahren und 10 Monaten Zuchthaus verurteilt worden war. Er beantragte gegen Wick eine Einsatzstrafe von drei Jahren Zuchthaus, aus der mit der in dem Dorprozeß erkannten Strafe eine Gesamtzuchthaus st r a f e von viereinhalb Jahren zu bilden sei. Gegen den Angeklagten Preis beantragte er die Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus, da dieser an sich nicht als Verbrecher anzusprechen, sondern nur durch den verderblichen Einfluß des Wick in die Angelegenheit hineingezogen worden fei.
Der Verteidiger befaßt« sich tn längeren Aus
führungen mit dem Hauptbelastungszeugen. Er vertrat die Auffassung, daß die Hauptverhandlung zum mindesten nicht bewiesen habe, daß die von den Angeklagten angegebene Reihenfolge sowie ihre weitere Behauptung, das Vieh sei geschenkt worden, sachlich nicht den Tatsachen entspreche. Jedoch selbst unter der Voraussetzung, daß die Aussagen objektiv unrichtig seien, könnte erst recht von einer wissend lich falschen Aussage der beiden Angeklagten nicht die Rede jein, so daß eine Bestrafung zumindest aus subjektiven Gründen entfallen müsse. Lediglich in dem Punkte, wonach die Aeußerung des „Schädeleinschlagens" gefallen sei, stellte er die Frage in das Ermessen des Gerichtes; er gab jedoch habet zu bedenken, daß der Angeklagte Wick in der damaligen Vernehmung durchaus zugegeben habe, sich in scharfen Worten gegen den einen Bruder gewandt zu haben, und nur diese eine Redewendung in Abrede gestellt habe. Es bestehe daher die Möglichkeit, daß der Angeklagte diese Aeußerung nicht mehr gewußt habe.
Nach mehr als zweistündiger Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: Der Angeklagte W i ck wird wegen Meineides unter Zusammenziehung mit der bereits erkannten Zuchthausstrafe von zwei Jahren zehn Monaten zu insgesamt drei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt.
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Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von zehn Jahren und die Eidesfähigkeit auf Lebenszeit aberkannt. Der Angeklagte Preis wird freiges? rocken.
Das Gericht folgte bei dem Urteil trotz gewisser Bedenken im wesentlichen der Darstellung des Hauptbelastungszeugen. Es ging also davon aus, daß die Aussagen der Angeklagten mit Ausnahme ihrer Angabe über die Reihenfolge der Anschaffungen sachlich unrichtig und daß auch der fragliche Ausdruck von dem Angeklagten Wick gebraucht worden fei. Bei dem Angeklagten Wick verttat es die Ueberzeugung, daß dieser gerade mit Rücksicht auf seine besondere Kenntnis in Rechtsangelegenheiten auch mit vollstem Bewußtsein und in genauer Kenntnis ihrer Unrichtigkeit seine Aussagen beschworen habe. Umgekehrt bestand nach Ansicht des Gerichtes bei dem Angeklagten Preis, der dem Angeklagten Wick in allen Belangen geistig unterlegen sei, die Wahrscheinlichkeit, daß er diese immerhin recht komplizierten Vorgänge durcheinandergeworfen und daher auch seine Aussage im guten Glauben an ihre Richtigkeit beschworen habe.
Sodann schloß der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Speckhardt, mit Worten des Dankes an die Geschworenen die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode.
Faschingsfeiern in den Nachbarstädten.
Am heuttgen Samstagabend findet im Kurhaus zu Bad-Nauheim der seit Jahren traditionelle Kurhausmaskenball statt, der sicherlich seine Anziehungskraft auch diesmal nicht verfehlen wird. Selbstverständlich wurde wieder alles getan, um der Veranstaltung den richtigen Rahmen zu geben.
Unter das Wort „Alles für's Herz" hat die Stadt Marburg die Faschingsveranstaltungen gestellt. So steigt am heutigen Samstagabend ein Büttenabend mit dem Einzug des Elferrates und der Prinzengarde. Der Rosenmontag bringt nachmittags einen Kinderumzug und abends ein großes Rosenmontagsfest, bei dem die drei schönsten Masken prämiiert werden. Der Fastnachtdienstag wird im Zeichen eines großen Fastnachtsumzuges stehen, an dem sich über 40 Gruppen beteiligen.
Kirche und Schule.
Oorfkirchentagung in N'dda.
X Nidda, 25. Febr. Nach vierjähriger Pause hatte die Dorfkirchenvereinigung für das südliche Oberhessen wieder zu einer Dorfkirchenvorstehertagung Ungeladen. Sie wurde in unserer Kirche mit einem Gottesdienst eröffnet, in dem Pfarrer Geißler (Stumpertenrod) die Predigt hielt. Die Tagung wurde durch Pfarrer S c r i b a (Nidda), den langjährigen und verdienstvollen Vorsitzenden der Dorfkirchenvereinigung für das südliche Oberhessen, geleitet. Er konnte eine stattliche Zahl von Kirchenvorstehern begrüßen. Den Hauptvortrag hielt der in der Dorfkirchenbewegung Deutschlands bekannte Pfarrer Henneberger (Braunschweig) über das Thema „Das deutsche Dorf und die evangelische Kirche". Mit Lied, Gebet und Segen wurde die Tagung geschlossen.
Rundfunkprogramm
Sonntag. 27. Februar.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.15: Gymnastik. 8.30: Christliche Morgenfeier. 9.10: Dichter im Dritten Reich. Werner Deubel: „Das Mädchen vom Berge". 9.30: Chorgesang. 10: Versuche, deine Pflicht zu tun — und du weißt gleich, was an dir ist. 10.30: Ewiges Deutschland. 11.15: Wir fanden einen Pfad. Eine Hörfolge um den Dichter Christian Morgenstern. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder: Unsere große Kinderkappensitzung. 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. (Schallplatten.) 15.15: Alle Gassen sind voll Jubel. Ein bunter Zug durch kurhessische Heimatfeste. 16; Sonntagnachmittag aus Saarbrücken. Musik zur Unterhaltung. Als Einlage: 17 bis 17.15: Sportereignisse des Sonntags. 18: ,^Ich nuschle nicht", — sagt Hans Moser! (Schallplatten.) 18.30: Karneval. Von Robert Schumann. 19: Nachrichten. 19.10: Heimat und Volkstum. Sonderlinge in der Jnsttumentenfamilie. 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 20 aus Mainz: Fremdensitzung des MCV. 22: Nachrichten.
IHonfag. 28. Februar.
6 Uhr: Morgenlied. Morgenspruch. Gymnasttk. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Kleine Rat- schlüge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Feuer! Feuer! Kinderspiel für den Rundfunk. 11.40: Volk und Wirtschaft: Freizeit zur Stellungssuche. 12: Schloßkonzert aus Hannover. 13: Nachrichten. 13.15: 100 Jahre Mainzer Karneval. Ausschnitte aus dem Rosenmontagszug. 15: Nachrichten. 15.05: Musik auf Zwei Klavieren. 15.35: Für unsere Kinder: Jetzt basteln wir ... 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. (Schall- platten.) 19: Nachrichten. 19.10: Unterhaltungskonzert Zum Rosenmontag. 21: Simmelsammelsurium. Eine lustige Kurzweilstunde. 22: Nachrichten. 22.30: Denn einmal nur im Jahr ist Karneval! Großer Rosenmontagsball. Uebertragung aus dem Rheinhotel Dreesen in Bad-Godesberg. 24 bis 2; Nachtmusik. Hofkonzert bei Prinz Karneval.


