Ehemalige Angehörige des Res.-Zns.-W«. 116!
Kameraden! Unser Traditionsregiment, das In- f a n t e r i e - R e g i m e n t 11 6 , rüst uns zu einem Regimentsappell für den 18. bis 2 0. Juni nach Gießen. Das Regiment 116 will uns in diesen Tagen zeigen, daß unsere Tradition bei ihm in guten Händen ist. Auch unser ehemaliger Regiments- kommandeur vom März 1915 bis September 1918, Oberstleutnant Ra Vermacher, hofft, daß wir alle in Gießen bei dem Traditionsregiment vollzählig erscheinen werden.
Am 18. Juni findet in der Gießener Volks- Halle ein großer Kameradschaftsabend mit Dar« bietungen von Angehörigen des Traditionsregiments statt.
Die Sonntagvormittagsstunden gelten der Ehrung unserer gefallenen 75 Offiziere und 3152 Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments am Ehrenmal unseres Regiments in Gießen. Nachmittags finden ein Wehrsportfest durch unser Traditionsregiment und militärische Vorführungen mit modernsten Waffen statt, abschließend unter Mitwirkung der Luftwaffe ein neuzeitliches Gefecht verbundener Waffen, dabei Erstürmung eines Dorfes. Abend gelangt in einer Freilichtveranstaltung auf dem Trieb in Gießen „Wallensteins Lager" zur Aufführung. Anschließend wird das Tanzbein geschwungen und alte Erinnerungen ausgetauscht werden.
Anmeldungen sind baldmöglichst an das Traditionsregiment JR. 116, Gießen, zu senden. Dieses erteilt auch nähere Auskunft über die Großveranstaltungen.
Schwerverbrecher vor dem Schwurgericht
hob Dachziegel ab, um in das Hausinnere zu gelangen. Im Entlüftungsschacht ließ er sich dann an einem Seil herunter. Vielfach drang er durch Kellerfenster in die Häuser, wo er stehlen wollte, öfter entwendete er Fährräder oder Krafträder, die er zur Weiterreise benutzte. In Friedberg stahl er aus dem Büro der Herberge zur Heimat 200 Mk., in Dortelweil aus einem Kaufhaus 500 Mark. Dort machte er sich ein Paket mit Ware zurecht, ließ es aber schließlich liegen, weil es ihm zu schwer war. In Düdelsheim fand er sich nachts in der Postagentur ein, versteckte sich, weil noch Leute im Haus waren, und trank eine Flasche Sekt aus, während er gemütlich eine Zigarette rauchte. Als er bemerkt worden war, floh er in den Wald, kletterte auf eine Tanne, schwang sich von Baum zu Baum und verbarg sich schließlich im nächsten Ort im Leichenhaus, wo er den Ofen anzündete, um seine durch den Regen durchnäßten Kleider zu trocknen. Einen Einbruch in Bad Soden leugnet er, aber er trug einen Zeitungsbericht über diese Tat bei seiner Verhaftung bei sich. In Gießen brach er Mitte Februar d.J. in ein Waffengeschäft ein und holte sich sechs Pistolen und Munition, die er in die Wohnung seiner Geliebten, einer Dirne, nach Frankfurt brachte. Gegen diese Person ist ein Verfahren wegen Hehlerei im Gange.
Am zweiten Tag der Schwurgerichtsverhandlung gegen Koscheike wurden die am schwersten gelagerten Fälle der Anklage besprochen. Zunächst kam der T o t s ch l a g s v e.r s u ch an einer Bäckersfrau in
Oie ersten deutschen Rundfunkteilnehmer gesucht.
Schulungsabend der Ortsgruppe Sietzen-Ost.
Die Ortsgruppe Gießen-Ost der NSDAP, beschloß unter Leitung von Ortsgruppenleiter Kreuder am gestrigen Mittwochabend ihre Winterschulungsarbeit mit einem letzten Vortrag im Zeichensaal der „Langemarckschule".
Pg. Dr. H o p f e n m ü l l e r sprach über bte Eingliederung der Ostmark. Er erinnerte daran, roie nach dem Abkommen von 1937, durch das die Beziehungen zu Oesterreich freundschaftlich und normal gestaltet werden sollten, und nach dem Besuch Schuschniggs auf dem Obersalzberg die Geschehnisse nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt überraschend kamen. Die Zurückweisung des freundschaftlichen Anerbietens des Führers durch Schuschnigg, die ganz dem unaufrichtigen Wesen dieses Regierungssystems entsprach, mußte die Entwicklung beschleunigen. ■
Der Redner ging dann auf die Geschichte des Landes ein und wies u. a. nach, daß iist 6. Jahrhundert, nach dem Verfall des römischen Reiches, Bayern dieses Land besiedelten und kultivierten und es im Kampfe gegen den Ansturm der Mongolen und Magyaren, später gegen die Türken als deutsches Stammesgebiet verteidigten. Er kennzeichnete die Haltung Frankreichs gegenüber Oesterreich und schilderte dann die traurigen Verhältnisse der Herrschaft der Habsburger, die im Weltkrieg ihren Verbündeten verrieten, nur um ihre Krone zu sichern, und deren letzte Sprößlinge nun als Fahnenflüchtige und Diebe steckbrieflich gesucht werden. Legitimismus, politischer Katholizismus und Judentum übten dort einen verheerenden Machteinfluß aus, der zwangsläufig zur-Aenderung der Verhältnisse führen mutzte.
Bei dem Ablauf der jüngsten Ereignisse offenbarte sich die Führerpersönlichkeit Adolf Hitlers, den das Schicksal ausersehen hatte, seine Heimat in das Reich einzugliedern, wie er es bereits in feinem Buche „Mein Kampf" angekündigt hatte. Die Vollzugsmeldung der Zurückführung der Heimat des Führers in'das Reich fei eine der größten feiner Taten gewesen und gab nicht nur den Deutschen, sondern -auch der Welt den Beweis dafür, daß der Führer fein zufällig emporgekommener Politiker, sondern der vom Schicksal ausersehene Führer der Deutschen ist.
Nach kurzem Eingehen auf den Besuch des Führers in Rom und auf die sudetendeutsche Frage ermunterte Dr. H o p f e n m Ü l l e r die Mitarbeiter zu weiterer gläubiger Hingabe an die Gemeinschaft der Deutschen, der sich weder im In- noch im Ausland ein Deutscher entziehen kann.
Zum Abschluß wurde den Politischen Leitern und Maltern und Warten für den regelmäßigen Besuch der Schulungsabende gedankt, die von der Ortsgruppe Ost in vorbildlicher Weise durchaeführt werden konnten und für die in Zukunft auch Lichtbilder verwendet werden sollen.
Äon her Universität Giessen.
Don der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gie-
Sprendlingen zur Sprache. Am 12. Februar fuhr der Angeklagte nach Sprendlingen und stieg gegen 21 Uhr über das Hostor in den Hof und von da in die Mehlkammer einer Bäckerei, wo er sich, Zigaretten rauchend, verborgen^ hielt. Dann brach er mit einem Stemmeisen die Tür zum Laden auf, fand die Kasse leer und schlich sich nun in die Küche und dann in das Wohnzimmer. Als er dort das Büffet auf seinen Inhalt durchsuchte, drangen aus dem angrenzenden Schlafzimmer, in dem das Licht eingeschaltet worden war, plötzlich Hllferufe der 57jährigen Bäckersffau, die sich allein in dem Schlafzimmer befand, da ihr Mann noch abwesend mar. Koscheike schlug mit dem Stemmeisen der Frau auf den Kopf. Als sie zu röcheln begann, verließ er das Zimmer. Aus einer Geldkassette nahm er etwa 120 Mark an sich, stahl vom Hof ein Fahrrad und begab sich in eine Sprendlinger Wirt- schuft, wo er zehy Kognaks trank. In einer Wirtschaft in Neu-Isenburg, in der er sich als Laborant ausgab, bestellte er abermals Kognak, lud Gäste ein und fuhr mit zwei von ihnen gegen 3.30 Uhr morgens in einem Mietauto nach Frankfurt, wo er noch ein Kaffeehaus besuchte. Der Angeklagte äußerte zu der schweren Tat, daß er geglaubt habe, die Frau sei tot, und daß er sie zum Schweigen habe bringen müssen. Die Zeugin wellte nach dem an ihr bgangenen Verbrechen neun Wochen im Krankenhaus und ist heute noch nicht wiedsrher- gestellt. Die ihr zugefügten Verletzungen waren sehr schwer: das Röntgenbild ergab einen Schädelbruch. Die Frau leidet jetzt unter Angstträumen, und ihre Erholung ist dadurch erschwert und unsicher.
Wenige Tage nach der Sprendlinger Tat verübte der Angeklagte das Verbrechen in der Brückhof- straße in Frankfurt. Durch den Einbruch in ein Gießener W a f f e n ges ch ä f t war er genügend mit Waffen ausgerüstet. Als er am 17. Februar seine Wohnung verließ, steckte er zwei Pistolen zu sich mit je einer Patrone im Lauf und fünf im Magazin. Er begab sich zunächst in Wirtschaften der Altstadt und des Bahnhofsviertels, bann kam er auch in eine Wirtschaft in der Brück- hofftraße, wo sich seine Geliebte, eine Dime, ein- fand. Unter den Gästen weilte der Bauarbeiter Robert Bender. Koscheike machte seiner Geliebten Vorhaltungen wegen des Abhandenkommens seiner Geldbörse. Bender mischte sich ein. Es kam schließlich so weit, daß Koscheike und die Dirne aus dem Lokal gewiesen wurden. Bender folgte mit erhobenem Stuhl, und als er auf der Straße bis auf zwei Meter an Koscheike herangekommen mar, gab dieser einen Schuß ab, durch den Bender in die Herzgegend getroffen wurde. Bender verstarb an Verblutung. Koscheike flüchtete jin dos Haus seiner Geliebten, wo er festgenommen wurde. Der Angeklagte gab zu, daß er die Waffen mitnahm, weil er mit seiner Verhaftung rechnete, wobei er sich hätte wehren müssen. Blutproben, die von Bender und dem Angeklagten genommen wurden, ergaben, daß beide angetrunken waren.
ßen wird uns mitgeteilt: .
Professor Dr. Dietz ist zum Prorektor der.Unt- versität Gießen und Professor Dr. Eger zum Dekan der Juristischen Fakultät der Unioersllat Gießen ernannt woroen.
Der Führer und Reichskanzler hat dem ordent- . lichen Professor Dr. Karl B ü r t e r, der die Ab tersgrenze erreicht hat und deshalb von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wird, für feine er- • folgreiche akademische Wirksamkeit und dem deutschen Volke geleisteten treuen Dienste seine Anerkennung und seinen besonderen Dank ausgesprochen.
Der Führer und Reichskanzler hat den nicht- beamteten außerordentlichen Professor Dr. Albrecht von Blumenthal, unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, zum ordentlichen Professor für Klassische Philologie und zum Direktor des Klassisch-philologischen Seminars und Proseminars der Universität Gießen ernannt.
Der Dozent Dr. Fritz Stroh von der Universität Gießen, der seit dem Sommer-Semester 1937 den freien Lehrstuhl für germanische Philologie an der Universität Erlangen vertretungsweise inne hatte, ist mit Wirkung vom 1. Februar 1938 zum planmäßigen außerordentlichen Professor und zum Vorstand des Seminars für Deutsche Philologie der Universität Erlangen ernannt worden.
Frankfurt a. M., 18. Mai. (Lpd.) Vor dem Schwurgericht begann am Dienstag die Verhandlung gegen den 25jährigen Oswald Koscheike, der des Totschlags an dem Bauarbeiter Robert Bender in der Brückenstraße in Frankfurt a. M., des Vergehens gegen das Schußwaffengesetz, des T ö t u n g s v e r s u ch s an der Frau eines Bäckermeisters in Sprendlingen und des Diebstahls in 4 5 Fällen angeklagt ist.
Der Angeklagte stammt aus Gelsenkirchen. Mit 15 Jahren wurde er zum ersten Male straffällig, hatte aber das Glück, verschiedentlich Bewährungs- rist zu erhalten. Schließlich kam er in Fürsorgeerziehung, aus der er zweimal entwich. Koscheike hat insgesamt acht Vorstrafen, als höchste eine mit einem Jahr und vier Wochen Gefängnis. Die Mehrzahl der Vorstrafen erhielt er wegen Diebereien, gelegentlich ist er auch wegen Nötigung und Bettelns bestraft.
Seit Januar 1936 führte der Angeklagte eine Serie von Diebstählen undEinbrü- ch e n aus, wobei er teilweise Waffen mit sich führte. In der Hauptsache drang er nachts in Wirtschaften, Lebensmittelgeschäfte und landwirtschaftliche Betriebe in Norddeutschland, Oberhessen und in der Frankfurter Gegend ein und erbeutete Lebensmittel, Kleidungsstücke und Bargeld. Häufig bestahl er seine früheren Arbeitgeber, mitunter -mar die Beute recht ansehnlich. Bei einem Vüroeinbruch in Lübeck kletterte er an einem Dachkandel empor und
m e r aus Großen-Linden zum Vikar in Frankfurt a. M. mit Wirkung vom 11. Mai 1938 ab: der Pfarrassistent F. Sturm zu Arheiligen, Dek. Darmstadt, zum Vikar für das Dek. Frankfurt a. M.» Ost, mit Wirkung vom 11. Mai 1938 ab; der Pfarrvikar F. Silß zu Okarben, Dek. Friedberg, zum Psakrverwalter der Pfarrei Petterweil, Dek. Friedberg, mit Wirkung vom 16. Mai 1938 ab; der Pfarrverwalter K. H. Stritter zu Kirtorf, Dek. Alsfeld, zum Pfarrvikar der Pfarrei Okarben, Dek. Friedberg, mit Wirkung vom 16. Mai 1938 ab.
Gießener 2Bod)enmarftprei|e.
* ® i e & e n, 19. Mai. Aus dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12/4, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 18 bis 20, Karotten 12 bis 15, gelbe Rüben, das Bündel 20 bis 25, rote Rüben, % kg 10 bis 12, Spinat 8 bis 12, Römischkohl 12 bis 15, Spargel, 1. Sorte 46 bis 50, 2. Sorte 45, 3. Sorte 38 bis 40, 4. Sorte 25, Erbsen 18 bis 20, Tomaten 60 bis 65, Zwiebeln 18 bis 20, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Rhabarber 18 bis 20, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg 20 Pf., Aepfel 20 bis 40, amerikanische Aepsel 50 bis 60 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 1 bis 1,05 Mark, Tauben, bas Stück 60 bis 65 Pf., Blumenkohl 60 bis 70, Salat 8 bis 25, Salatgurken 50 bis 70, Oberkohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 15, neue,.bas Bündel 20 bis 30, Radieschen, bas Bündel 8 bis 12 Pf.
** Dien ft jubiläum bei der Stadt G i e- ß e n. Die Stadtverwaltung Gießen teilt mit: Gestern konnte der Installateur Karl Lücke! auf eine ununterbrochene Dienstzeit von 35 Jahren zurückblicken. Der Jubilar, der als pflichttreuer und fleißiger Arbeiter beim Städt. Gas- und Wasserwerk tätig ist, wurde im Kreise seiner Arbeitskameraden geehrt und erhielt ein Glückwunschschreiben des Herrn Oberbürgermeisters.
** Freie L eh r e r st e l l e n. Erledigt sind: im Kreise Alsfeld: je eine Lehrerstelle für evangelische Lehrer an der Volksschule zu Alsfeld, Büßfeld, Deckenbach und Windhausen; im Kreise Darmstadt: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule zu Erzhausen.
ob während dieser Zeit die Wohnung gewechselt wurde und ob der Bewerber durch Vorlage der enffprechenden Bescheinigung den ersten Anmekde- tag und die ununterbrochene Teilnahme nachweisen kann. Anmeldeschluß ist der 15. Juni 1938.
Dienstnachrichten her Evangel.LanheS- kirche Nassau-Hessen.
NSG. Zur „15. Großen Deutschen Rundfunkausstellung", die vom 5. bis 21. August in Berlin ftattfinbet, werden die ersten Rundfunkteilnehmer aus allen deutschen Gauen Gäste des Reichsrundfunks sein. Teilnahmeberechtigt sind alle Hörer, die nach Einführung der Zweimark-Rundfunkgebühr ununterbrochen Rundfunkteilnehmer sind und dies durch Belege (Rundfunkteilnehmergenehmigung und Rundfunkgebührenquittungen) nachweisen können. Alle Anmeldungen sind an die Hauptstelle Rundfunk bei der (Bauleitung der NSDAP., Frankfurt am Main, Gutleutstraße 8 bis 14, zu richten. Die Meldung muß folgende Angaben enthalten: Name und Wohnort sowie Berus, jetzige Wohnung, poli- ttsche Ortsgruppe und Kreis, wann die erste Rundfunkteilnehmergenehmigung erteilt wurde, welche Nummer sie trug, bei welchem Postamt und auf welchen Namen sie ausgestellt wurde, ob die Rund- funtteilnahme vom ersten Tage der Anmeldung
EPNH. Ernannt wurden: Der Pfarrverwalter W. Hitzing zu Bernsburg, Dekanat Alsfeld, zum Pfarrer der Pfarrei Bernsburg mit Wirkung vom 1. Mai 1938 ab; der Pfarramtskandidat K.Traum aus Freienseen zum Pfarrvikar der Pfarrei der Luchergemeinde zu Gießen, Dek. Gießen, mit Wirkung vom 1. Mai 1938 ab; der Pfarroerwalter W. Wegener, zuletzt in Groß-Steinheim, Dek. Offenbach, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Eich, Dek. Oppenheim, mit Wirkung vom 11. Mai 1938 ab; der Pfarrassistent H. Boos zu Heppenheim, Dek. Zwingenberg, zum Pfarrverwalter der Pfar- ...» ....... —a. ... -........-•» rei Ossenheim, Dekanat Wg, mit Wirknna ->am
bis heute ununterbrochen aufrechterhalten wurde, 11. Mai ab; der Pfarramtskandidat Dr. H. Ger-
Fäden hin und her.
Zfioman von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Vielleicht langweile ich Sie, Fräulein Monika." Da legt Monika, die spröde Monika, mit einer herzlichen und kameradschaftlichen Geste die Hand auf seinen Arm und schaut ihn aus_ ihren blauen Augen lächelnd an und sagt leise: „Sie langweilen mich gar nicht, Herr von Kahl. Wann kommt denn auch schon mal einer und redet ein vernünftiges Wort. Also, fahren Sie nur fort."
Kahl nimmt den Hut ab und klemmt ihn erfreut unter den Arm. „Ja, es ist merkwürdig, wie selten man Menschen findet, denen gegenüber man gern von sich selbst spricht. Und daß ich nun ausgerechnet Ihnen gegenüber ..."
Monika lächelt seltsam: „Tut es Ihnen schon leid?"
„Leid? Aber- ich bitte Sie. Im Gegenteil. Sie haben eine so gute Art, zuzuhören. Und nichts ist hübscher an einer Frau, als wenn sie gut zuhören kann. Die wenigsten können das — glauben Sie es mir."
Monika lächelt noch immer. „Man bildet sich immer ein", sagt sie dann nachdenklich, „daß man selber ein, Gott weiß, was für unglückliches Dasein führt. Aber wenn man mal anderen zuhört und anderer Leute Wege mitgeht, dann merkt man erst, wie winzig klein das eigene Ungeschick ist. Vielleicht, wenn man sich eifriger um das Schicksal anderer bekümmern würde, schämte man sich eines Tages vor sich selbst, das eigene unerfreulich zu nennen."
Kahls tiefliegende Augen streifen sie flüchttg: „Und Sie nennen Ihres unerfreulich?"
Monikas Antwort bleibt eine Welle aus. Dann hebt sie den Kopf und schaut voll zu Kahl auf. „Es ist sonderbar", sagt sie leise, „noch vor zehn, ach, vor acht Tagen hätte ich erklären können, daß ich mit meinem Leben durchaus Aufrieten bin — obwohl ich keine Mutter mehr habe und Vater mir im letzten Grunde zu sehr der Vater und zu wenig ein Freund ist. Aber auf einmal, ohne daß etwas oorgefallen ist, auf einmal kommt mir alles schrecklich sinnlos 'vor. Man sitzt in Eigelstein und tut nichts und läßt die Zeit hingehen. Man hat ©e- sühlchen und weiß nicht, welche davon jemals große Gefühle werden könnten. Und man wird in zehn
Jahren noch ebenso in Eigelstein sitzen. Finden Sie das erfreulich?"
Sie ist unwillkürlich stehengeblieben, und auch Kahl bleibt jetzt stehen. Er schaut sie nicht an, obgleich er fühlt, daß sie ihn anschaut. „Ich dachte, Ihr Leben sei sehr bunt und froh durch Ihre — Ihre Zuneigung zu meinem Freund Lenzsch. Die doch letzten Eno es da ist, wenn ich das ■ mal frei heraussagen darf, nicht wahr? Ober .4.?"
Eine lange Pause entsteht. Monika hat sich wieder in Bewegung gesetzt und ihr Rad weilergeschoben. Es rollt nun zwischen ihr und Robert von Kahl. Das leise Summen seiner Räder füllt die Stille zwischen den beiden so hübsch aus, daß es gar nicht peinlich ist, so lange zu schweigen.
Da Monika aber gar keine Anstalten macht, Kahls Frage zu beantworten, sagt Kahl schließlich leise: „Ich wollte nicht aufdringlich sein.-Sie haben mich doch hoffentlich nicht mißverstanden. Ich bin zwar so ein bißchen 'berüchtigt, wegen meiner Neugierde, aber diesmal ...ich fragte wirklich nicht aus Neugierde, sondern aus ... ich weiß nicht, ich hatte plötzlich das Gefühl, als dürfte ich fragen. Weil — wir sind ja hier nicht in einem Salon, sondern im Wald, und Sie sind fein gnädiges Fräulein, sondern ein Mädchen und so mutterseelenallein unterwegs, weil Ihnen irgend etwas das Herz abdrückt, und überhaupt, ich weiß nicht ... wenn es das gibt, daß man plötzlich für einen Menschen, dem man noch vorgestern ziemlich fremd gegenüberstand, Kameradschaft fühlen kann und Freundschaft, bann ist bas soeben mit mir geschehen. Aber wenn es Ihnen unangenehm ist, so nehme ich meine Frage zurück."
Da schaut Monika mit Augen, in benen schon bie Tränen sitzen, auf und schüttelt heftig den Kopf: Nein, neip, er braucht seine Frage nicht zurückzunehmen. Er braucht sich überhaupt nicht zu entschuldigen, dafür, baß er gefragt hat. Es ist nur ... sie geht doch nun schon viele, viele Monate mit ihren Gedanken an Lenzsch umher, bie einmal so finb unb morgen roieber anbers. Aber nie bisher hat irgenb jemanb sie barüber gefragt. Sie hat bas alles immer ganz allein mit sich selbst abgemacht unb sich nur oft gewünscht, baß jemand da wäre, mit dem sie einmal darüber reden könnte. Und nun endlich fragt jemand, aber es geschieht gerade in einem Augenblick, da sie keine frohe und gar keine glückliche Antwort geben kann, sondern ganz im Gegenteil ...
Sie hält im Sprechen inne und wischt sich ein wenig an den Augen herum, wie ein Kind nach dem Weinen. Kahl sieht es, und es wird ihm ganz eigentümlich warm dabei; aber er geht still neben , ihr weiter unb wartet.
Nach einer Weile kommt denn auch Monikas Stimme wieder, ein bißchen belegt unb sehr hastig, als habe sie in sich allerhanb Widerstände zu über- roinben: „Tante Martha sagt, ich sei zu Lenzsch zu spröbe und launisch gewesen, unb so gehe man nicht um mit einem Mann, den man haben wolle. Aber so praktisch unb zielbewußt war ich gar nicht. Ich wollte Lenzsch nicht burchaus haben; ich hatte ihn gern, unb manchmal dachte ich sogar, ich könnte ihn — es könnte mal eine Liehe werden zwischen uris. Doch ich war nie ganz sicher, unb ben einen Tag glaubte ich es fest unb ben anberen roieber nicht. Je nachdem war ich eben zu ihm. Aber für dieses Wochenend«, da er zu uns zu Besuch kommen sollte, hatte ich mir fest vorgenommen, sehr nett zu ihm zu sein, unb ich bachte, wenn er bann auch sehr nett zu dir ist, dann wirst du wohl endlich genau in dir drinnen spüren können, ob du ihn liebst ober nicht. Unb bann kam er ..." ,
Eine Handbewegung vollendet den Satz.
„Fräulein Monika, haben Sie nicht gemerkt, daß er auch mit der Absicht kam, irgendeine entscheidende Wendung herbeizuführen?"
Monikas blaue Augen richten sich traurig auf den Frager. „So? Hatte er bie Absicht? Sehen Sie, bann ist bas, was er inzwischen getan, um so schlimmer."
„Wieso? Was hat er benn getan?"
Monika atmet tief- „Er ist mit fliegenten Fahnen umgeschwenkt."
Robert von Kahl bleibt stehen und stemmt beide Hände in bie Hüften. Umgeschwenkt, ja, um Gottes willen, wohin benn? Gibt es benn neuerbings im Hammerbacherschen Haus noch mehr hübsche junge Mädchen?
Er schaut Monika zweifelnd mit leicht zusammen- gezpgenen Brauen an. Dann fällt ihm plötzlich bie Dame ein, bie alte Dame, bie ebenfalls bei Ham- merbachers zu Besuch ist, und bie zur Zeit mit Lenzsch zusammen dort Kaffee trinkt. Sollte biefe alte Dame vielleicht boch nicht ganz so alt fein? Unb sollte Lenzsch am Ende ...?
„Fräulein Monika", jagt Kahl langsam und setzt sich wieder in Bewegung, „Fräulein Monika, wir sind boch jetzt gute Freunde, nicht wahr? Unb bas Thema, bas wir da angeschlagen haben, ist nicht eines, bei dem man mit halben Wahrheiten kommen darf. Erlauben Sie mir darum eine weitere Frage?"
Monika nickt mit rotem Kopf: Ja, bitte!
„Ist vielleicht", fährt Robert von Kohl fort, dabei Monika, nur sehr vorsichtig aus ben Augenwinkeln anschielend, „ist vielleicht die alte Dame, Ibie bei Ihnen zu Besuch ist, imd von der .Sie vor
hin sprachen, gar keine fo sehr alte Dame, sondern eine jüngere?'
Monika schluckt ein bißchen. Dann nickt sie tapfer: Ja, es ist eine jüngere.
„Aha!" macht Kahl befriedigt. „Nun kommen wir der Sache schon näher. Lenzsch flirtet also ziemlich ausgiebig mit dieser jüngeren, hm — jungen Dame?"
Erneutes Kopfnicken.
„Und Sie haben sich postwendend ins Bockshorn jagen lassen und reden sich ein, es sei ihm ernst mit dieser anderen? Ernster als mit Ihnen?"
Da hebt Monika mit einer ungezähmten Bewegung das Vorderrad bet der Lenkstange hoch und stößt es bann mit solcher Wucht auf den Bäten zurück, daß die Klingel leise zu klingeln an fängt. „Wenn er doch diese Marga Montwill schon tn seiner Jugend geliebt hat!"
„Wen, bitte? Wie war der Name?"
Monika schaut fragend unb verständnislos in Kahls gespanntes Gesicht. „Marga Montwill", wiederholt sie leise.
Da geschieht etwas sehr Merkwürdiges. Robert von Kahl bleibt stehen, schaut Monika an, schaut bann in ben Himmel hinauf und wieder zurück zu Monika, nimmt ben Hut ab, schüttelt mehrere Male den Kopf unb setzt den Hut wieder auf. Schließlich wiederholt er den Namen, als falle ihm dabei etwas ein, was er viele Jahre vergessen hatte: „Marga Montwill... Marga Montwill!" Dann lacht er kurz auf, schaut wieder auf Monika unb sagt in ganz fremdem Tonfall: „Ach so. Ja dann...
Monika ist es unter seinen Augen ganz heiß geworden. „Was benn: Ach so? Was benn: Ja bann? Kennen Sie sie auch? Oder...?"
Robert von Kahl geht um bas Rad herum auf Monikas andere Seite, hakt sich bet ihr ein unb beugt sich ein wenig zu ihr herunter. „Nein, ich kenne Sie nicht, Fräulein Monika. Aber ich weiß, baß Lenzsch sie früher einmal — baß er sie sehr gern gehabt hat, unb daß... Aber bas tut ja nichts zur Sache, nicht wahr Ob Lenzsch nun eine alte Liebe roieberfinbet ober eine neue Liebe ein fabelt — bas wichtigste ist, daß Sie sich barüber flarroerben, ob Sie ihn gern haben ober nicht und ob Sie ihn haben wollen ober nicht. Unb wenn Sie mich fragen, ich weiß nur das eine, baß Lenzsch Sie sehr gern gehabt unb gehofft hat, baß er Sie eines Tages heiraten kann. Ob bas nun inzwischen anders geworden ist... Das kann ich mir jedoch nicht denken. Es sind ja noch keine vierundzwanzig Stunden her, baß ich ihn sprach, unb bas ist eigentlich keine Zeit, um ..."
(Fortsetzung folgt.)


