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Donnerstag, 19. Mai 19Z8

r 188. Jahrgang

Nr. N6 Erstes Blatt

Minister Krosta über das AaüonalMenstatut

langt seien, hat diese Nachricht größtes Aufsehen erregt. In Rechtskreisen klagt man ganz offen die unter Moskaus Einfluß stehenden Kreise an, durch ihr Verhalten die französisch-italienischen Verhand­lungen gestört zu haben. Im Auswärtigen Amt betont man, daß es sich um keinen Abbruch der Ver­handlungen, sondern höchstens um eine zeitweilige Unterbrechung handeln könne. Man setzt seine Hoff­nung auf eine neue Vermittlung Groß­britanniens in Rom. Die Blätter melden, daß England vielleicht noch vor der prakti­schen Prüfung des Problems der Rückbeförderung der Freiwilligen aus Spanien das italienische Im­perium anerkennen werde, um Mussolini ent­gegenzukommen. Die italienische Regierung werde sich vielleicht angesichts dieser Haltung in der Spa­nienfrage zugänglicher zeigen.

Heber den von Italien aufgezeigten Wafsen- und Munitionsjchmuggel an der ftanzö-

Von unserem ff.-Äerichterstaiier.

Regierung Hodscha dem Parlament das sogenannte Nationalitäten st atut vorlegen will, das die Antwort der Regierung auf die Forderungen des Sudetendeutschtums darstellen würde, wie sie von Konrad Henlein als seinem anerkannten Füh­rer in Karlsbad formuliert wurden. Stehen die Wahlen vom 22. und 29. Mai völlig im Zeichen des Kampfes des Sudetendeutschtums um seine völkische Freiheit, so wird die Abstimmung des 12. Juni diesen Charakter doppelt und dreifach haben. Mag sein, daß die Regierung in dem Ge­setzeswerk, das sie seit Wochen in unausgesetzten Beratungen bearbeitet hat, eine so grundlegende Wandlung des Nationalitätenrechts zugunsten auch des Sudetendeutschtums sieht, daß sie in der Hoff­nung lebt, feine Vorlage vor dem Hauptwahl­termin werde dem minimalen Rest regierungstreuer Schützlinge, den es im sudetendeutschen Volk noch gibt, Hilfe bringen. Man braucht nicht zu fürchten, ein falscher Prophet zu sein, wenn man voraussagt, daß diese Rechnung nicht aufgehen wird. Das

Am 26. Mai Grundsteinlegung zum Bolkswagen-Werk.

Berlin, 18. Mai. (BBB.) 3n feiner großen Rede bei der Eröffnung der 3nlernafionalcn Auto­mobil-Ausstellung kündigte der Führer den Bau eines gewaltigen deutschen Volks­wagen-Werkes an. Die Grundsteinlegung zu diesem großen Werk, das in Fallersleben, 25 Kilometer nordöstlich von Braunschweig, ersteht, wird in Anwesenheit führender Wanner von Par­tei, Staat und Wirtschaft am himmelfahrls- t a g, dem 26. Wai, um 13 Uhr vollzogen werden. 3n zahlreichen KdF.-Sonderzügen werden 50 000 Volksgenossen nach Fallersleben kommen, um an diesem bedeutungsvollen Ereignis leilzunehmm.

sudetendeutsche Volk hat in zwanzig bitteren Jahren so hartes Lehrgeld gezahlt, daß es für immer­währende Zeiten davor bewahrt bleibt, feine teuer erkaufte Einheit, und damit seine Macht, preis­zugeben.

Prag kündigt Besprechungen mit den Volksgruppen an.

Prag, 18. Wai. (DRV.) Wie amtlich verlaut­bart wurde, ist das Rationalitäten st atut, das die Prager Regierung den Rationalitäten zur weiteren Behandlung vorlegen will, fertig ge­stellt. Die Prager Regierung wird daher in der nächsten Zeit die Vertreter sämtlicher Rationalitäten einladen, um in Be­sprechungen darüber einzutreten. Wie ver­lautet, sollen die Einladungen für Anfang der nächsten Woche erfolgen.

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Paris, 18. Mai. (Europapreß.) Der tschecho­slowakische Außenminister Dr. K r o f t a gewährte einem Vertreter desIntransigeant" eine Unter­redung über die künftige Politik der Prager Regie­rung gegenüber den Volksgruppen in der Tschecho­slowakei und versuchte in dieser Aussprache die Weltöffentlichkeit für das Nationalitäten- ftatut zu gewinnen. Der Minister erklärte, das Statut werde alle Fragen der Volksgruppen-Politik der Tschechoslowakei durch parlamentarische Mittel und in einem äußerst liberalen Geiste lösen, aberes lasse in keiner Weise eine Störung der Integrität des Staates und eine Schwächung der internationalen Garantien für die Sicherheit der tschechoslowakischen Republik zu". Der Minister gab ferner seiner Ueberzeugung Aus­druck, daß die Lösung der sudetendeutschen Frage die friedliche Entwicklung der innenpolitischen Ver­hältnisse der Tschechoslowakei sichern und die Be­ziehungen der Prager Regierung zu den Nachbar­staaten bessern werde.

In seinen weiteren Ausführungen behauptete der Minister, daß es keinenslowakischen Separatismus" gäbe unddie ungeheure Mehrheit des slowakischen Volkes sogar für eine Zusammenarbeit mit der Prager Regierung ein­trete". Der Minister erklärte ferner, die Tschecho­slowakei erstrebe gegenüber Ungarn die Herstellung gutnachbarlicher Beziehungen. Auch im Verhältnis zu Polen erhoffe die Prager Regierung eine Besserung der Beziehungen. Sollten sich die polnischen Vorwürfe einer antipol - nischen kommunistischen Wühlarbeit auf tschechoslowakischem Gebiete als begründet er­weisen, dann würde die tschechoslowakische Regie­rung diese Tätigkeit unterbinden. Wenngleich die polnische Volksgruppe nur 81 000 Köpfe zähle und dadurch die kleinste Volksgruppe auf dem Gebiete des tschechoslowakischen Staates darstelle, werde sie trotzdem in den Genuß der gleichen Vergünstigungen kommen, die das Natio- mMätenstatut den übrigen Volksgruppen gewähre.

Die Slowakei im Wahlkampf.

P r e ß b u r g , 18. Mai. (Europapreß.) Die tschechischen Koalitionsparteien haben den Beschluß gefaßt, für die zumeist am 12. Juni stattfindenden Gemeindewahlen in der Slowakei gemeinsame Listen unter der BezeichnungSlowa­kische Einheit für die tschechoslowakische Republik und die Demokratie" aufzustellen. In einem Auf­ruf führen sie zur Begründung an, daß sowohl die Deutschen der Slowakei unter Führung Konrad Henleins als auch die Ungarn geschlossen in den Wahlkampf gingen. Die slowakischen Autono­

misten haben bereits vor einiger Zeit den Be­schluß gefaßt, g es o n d e r t in die Wahl zu gehen, da sie den Wahlkampf nach ihrer stark autonome stischen Parole führen wollen.

Die Aulonomieforderung der polen.

Gegen Absichten

des tschechischen Schulvereins.

Warschau, 18. Mai. (DNB.) Die Polnische Telegraphenagentur berichtet von den Absichten der tschechischen Schulorganisation, eine Reihe neuer tschechischer Schulen in den haupt­sächlich von Polen bewohnten Gebieten der Tschechoslowakei zu errichten. Diese Absicht sei eine Provokation der polnischen Bevölkerung. Der Tschechische Schulverein wolle in dem polnischen Siedlungsgebiet allein drei Mittelschulen und dazu achtzehn neue Volksschuley errichten. Der Bau dieser Schulen solle zur Tschechi- fierung der Bevölkerung beitragen.

In einer Wahlversammlung des Verbandes der Polen in der Tschechoslowakei in Karwin wurde nochmals die Autonomie auf der Grundlage des polnischen nationalen Besitzstandes aus der Zeit vor der Angliederung dieser Gebiete in die Tschecho­slowakei gefordert. Die Versammelten gelobten, für die polnische Volksgruppe die volle Gleich­berechtigung, volles Lebens- und Entwick- lungsrecht und eine Garantie ihrer Rechte für alle Zeiten durch eine autonome Gesetzgebung auf ethnographischem, sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet zu erreichen.

Die Forderungen

der ungarischen Volksgruppe.

Pr e ß b u r g, 17. Mai. (Europapreß.) Der Führer der Vereinigten Ungarischen Opposi­tion gab in Galanta die Forderungen der Ma­gyaren an die tschechoslowakische Regierung bekannt. Die Hauptforderung sei die Wiedergutmachung ber erlittenen <5d)äben, was so zu verstehen sei, daß das von Ungarn bewohnte Gebiet der Tschechoslowakei wieder seinen früheren magyarischen Charakter zurückerhalten müsse. Für die Slowakei und Karpatho-Rußland fordern die Magyaren die territoriale Auto­nomie, für sich selbst in diesem Rahmen die un­eingeschränkte nationale Selb st Verwal­tung.

Paris, 19. Mai. (Eurovapreß.) Die franzö­sisch-italienischen Verhandlungen sind, wie das Journal" bisher als einziges französisches Morgen­blatt am Donnerstag zu melden weiß, bis auf wei­teres unterbrochen worden. Der franzosyche Geschäftsträger in Rom, Blondel, sollte am Mittwoch oom italienischen Außenminister Gr a s C i a n o empfangen werden. Auf die tyrage des französischen Diplomaten, ob die Besprechung viel­leicht am Donnerstagmittag ftattfinöen konnte, wurde ihm geantwortet, Italien wünsche die Ver­handlungen mit Frankreich erst wieder aufzuneh­men, wenn der Waffen- und Munrtlons- s chmuggel an der französtsch-sowietspanlschen Grenze aufgehört habe. Nach italienischer An­sicht sei nur unter b i ef er Bedin g u n g eine Einigung zwischen ben beiben ßänbern möglich.

In französischen Kreisen, wo man bereits ahnte, baß die Verhandlungen auf dem toten Punkt ange-

Konrad Henleins Kampf mit dem Stimmzettel

Die Sudetendeutschen und die Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei.

Die Zusammensetzung der deutschen Ge­meinden steht zum allergrößten Teil in einem schreienden Gegensatz zum Dolkswil- 1 e n. Die Gemeindevertretungen werden nach dem Gesetz alle sechs Jahre erneuert. Kurz nach den letz­ten allgemeinen Wahlen in die Gemeindevertretun­gen hat die Regierung die damals sehr erfolgreich auf den Plan getretene Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei a u f g e 1 ö ft und die Tätigkeit der Deutschen Nationalpartei eingestellt. Alle Funktio­näre dieser Parteien, die in ben meisten deutschen Gemeinden die stärksten Fraktionen stellten, wurden nach dem Parteienauflösungsgesetz ihrer Stellen, die sie kraft des Willens der Wähler einnahmen, enthoben. Das Tollste aber war, daß die sol­cherart unbesetzten Mandate in den Gemeindever­tretungen durch Personen besetzt wurden, die von Len staatlichen Behörden ernannt mürben. Ernannt aber würben ausnahmslos Per­sonen aus Parteilagern, bie ben ausgeschiedenen Parteien schroff gegensätzlich gegenüberstanden, zu einem großen Teil sogar Sozialdemokraten, es tra­ten auch an die Stelle abgesetzter Bürgermeister häufig genug Sozialdemokraten.

Der Dolkswille war dadurch ins gerade Ge­genteil verkehrt, groteskerweise unter Be­rufung auf die Demokratie, die sich rühmt, dein Dolkswillen ungehemmten Ausdruck zu geben. Es war einer der schwersten psychologischen Fehler, ben bie Prager Regierung ben deutschen Staatsbürgern gegenüber jemals begangen hat. Von 1933 bis -heute haben diese Gemeindevertretungen aber im Namen des Volkes die Gemeinwesen geleitet! Nichts ist verständlicher, als daß der Ruf des Volkes nach Beseitigung dieser willkürlich zusammengesetz­tenVertretungen des Volkes" immer dringender und schließlich unwiderstehlich wurde, zumal ihre Wirksamkeit auch nach dem Wahlgesetz nicht mehr zulässig war. . ,. , . .

Inzwischen war bie nationale Einheits­bewegung b e s Sudetendeutschtu ms unter ben Fahnen Konrab Henleins immer mäch­tiger geworden und hatte schon 1935 bei den Par­lamentswahlen drei Viertel des Volkes vereint. Ge­rade bas sprungartige Anwachsen biefer Bewegung nach ben Märztagen dieses Jahres, in denen sich auch der Bund der Landwirte und die Deutsche christlichsoziale Volkspartei Konrad Henlein unter­stellten, war es aber, was die Nutznießer des ge­genwärtigen Zustandes bewog, allen Einfluß bei , den ihnen freundlich gesinnten tschechischen Regie- , rungsparteien aufzubieten, um in den Gemeinden an der Macht bleiben zu können. Wie die I ursprünglichen Wahlausschreibungn bewiesen haben, versuchte bie Regierung, ben Sozialdemokra- t e n , die allein noch als kümmerlicher Rest neben .ber völkischen Einheitsbewegung im Sudetendeutsch­tum dem Namen nach vorhanden sind, zu Willen zu sein. Die hinterhältige Absicht konnte nicht mehr ^ur Tat reifen, der unbeugsame Wille des Volkes hat sich durchgesetzt, wobei freilich auch der Hm- ftand mitgespielt haben mag, daß man sich gerade je^t dem Ausland gegenüber möglichst wenig Bla­sien geben möchte.

Eine interessante Nebenerscheinung bietet sich aber dadurch, daß die Wahlen in der großen Mehrzahl ber Gemeinden nun am 12. Juni vor sich gehen sollen, um bie Monatswende Mai-Juni aber bie

nischen Bolschewisten einzusetzen. Die französische Regierung möge bie Erlaubnis zur Durchfüh­rung russischer Munition, Waffen unb Flugzeuge geben. Der Botschafter habe gewisse Aenderungen der sowjetrussischen Außenpolitik auf allgemeineuropäischem Gebiet angekündigt, falls Frankreich der Forderung nicht stattgebe. Dies unb bie Nachricht über die Waffenlieferungen von Frankreich nach Sowjetspanien hätten dann Mus­solini zu seiner Rede von Genua veranlaßt.

Kampf gegen das Mißtrauen.

Der britische Außenminister

über das Verhältnis zu Deutschland.

London, 19. Mai. (DNB.) Lord Halifax er­klärte im Oberhaus zur abessinischen Frage, die Genfer Aktion sei im Juni 1936 beendet wor­den. Daraufhin seien 20 Staaten zu der Schluß­folgerung gekommen, daß ihre kollektiven Verpflich­tungen zu Ende seien und sie die Eroberung Abes­siniens durch Italien anerkennen konnten. In Genf sei man zu dem Ergebnis gelangt, daß es keine abessinische Behörde gebe, die auch nur die geringste Aussicht auf eine Wieder-in-Besitznahme des Landes habe. Das Abkommen mit Italien besage, daß ein Anfang mit dem Frieden gemacht sei.

Großbritannien sehe feine Freundschaften in keiner Weise als exklusiv an unb werde ver­suchen, deren Zahl und Umfang zu vergrößern. Es würbe es gerne sehen, wenn alle Ur­sachen b es Mißtrauens unb Ver­buchtes zwischen Großbritannien unb Deutschland beseitigt würben, eine Ansicht, bie von ber großen Masse ber bei­ben Völker, bie ber Sprache unb ber Abstam­mung nach so eng miteinanber verwanbt seien, geteilt würbe. Das Gerebe von ber Unver- Weiblichkeit eines Konfliktes sei ge­fährlich unb gänzlich unberechtigt.

Der Bischof von Durham wandte sich gegen jedes Paktieren mit den autoritären Staa­ten. Lord Cecil lehnte die Außenpolitik der Re­gierung ab. Der frühere Labour-Abgeordnete Lord Arnold vertrat den Standpunkt, daß die Regie­rung nicht einen Zoll weiter gehen dürfe in der Unterstützung der Tschechei, als man schon gegan­gen sei. Das Ausscheiden Deutschlands aus der Gen­fer Liga sei begreiflich, da man Deutschland die all­gemeine Abrüstung versprochen^, aber nie gehalten habe. Eines der ernstesten Hindernisse für den euro­päischen Frieden sei die provozierende Sprache, deren sich Engländer gegenüber frem­den Nationen bedienten, deren Regierungen sie nicht schätzten. Lord Allan of Hurtwood wandte sich gegen die umstürzlerischen Machenschaften Sow- fttrußlands, das über die Grenzen hinweg eine revolutionäre Tätigkeit entwickele, die den Frieden der Nationen störe. Niemand könne bestreiten, daß Sowjetrußland zuerst mit der Einmischung in Spa­nien begonnen habe. Der Konservative Lord Mansfield erklärte, es sei nicht wünschenswert, daß die rotspanische Regierung gewinne, weil sie eine Filiale Moskaus fei, die von der Komintern kontrolliert werde. Lord Addington (kons.l setzte sich für eine Erfüllung der kolonialen An­sprüche ein, weil damit Konfliktsursachen besei­tigt würden. Lord Glasgow erklärte, Deutschland und Italien seien Bollwerke gegen den Bolschewismus in Europa.

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Die französisch-italienischen Verhandlungen unterbrochen.

KeinEmpfangBlondelsinHom.-OerWaffenschmuggel anderPyrenäengrenze

sisch-katalanischen Grenze bringt derJour" einen aufschlußreichen Bericht. Der Waffenschmuggel habe noch nie einen solchen Umfang angenommen, wie seit zwei Monaten. Vierzig bis fünfzig Lastwagen erreichten täglich bei Le Perthus die französifch-fowjetspanische Grenze. Die ftanzö- sische Gendarmerie und die Zollbeamten hätten von Paris Befehl erhalten, den Inhalt der Lastwagen nicht nachzuprüfen. Auf den Lastwagen sei die In­schrift angebracht:Achtung, Trockenge­müse! Nicht a n st o ß e n !" Die Bürgermeister der französischen Grenzstädte Cerbere und Perthus wetteiferten miteinander, wer von ihnen das meiste 1 Geld an diesem Schmuggel verdienen könne. Auch mit der Eisenbahn würde Kriegsmaterial herbei­geschafft,-manchmal sei durch diese Zügo der Bahn­hof von Cerbere vollkommen verstopft, so daß die Züge auf spanisches Gebiet weiterfahren müßten.

Die Waffen- und Munitionslieferungen sollen noch von der Regierung Blum auf dem Verord­nungswege in aller Stille erlaubt worden sein. Epoque" schreibt, vor etwa vierzehn Tagen Habs der sowjetrussische Botschafter in Paris, Suritz, bei der französischen Regierung einen neuen, dring­lichen Schritt unternommen, sich aktiv für die spa-

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Teplitz-Schönau, Mai 1938.

Der geeinte Wille eines Volkes ist eine mächtiger wirkende Kraft als ausgeklügelte Maximen der Staatsraifon, auch wenn sie von den Herrschenden felbft verteidigt werden. Die tschechoslowakische Re­gierung konnte dem Verlangen des Sudetendeutsch­tums, die nach dem Gesetze längst fälligen Wah­len zu den Gemeindevertretungen ^uszuschreiben, auf die Dauer nicht widerstehen, wollte sie sich nicht vor aller Welt in ein wenig günstiges Licht setzen. Sie wollte sich mit einer hal­ben Geste aus der Affäre ziehen. Für den 22. Mai wurden in etwa 300, für den 29. Mai in etwa 600 Gemeinden in der ganzen Republik Wahlen aus­geschrieben, am 12. Juni sollten dann noch eine grö­ßere Zahl von Gemeinden in der Slowakei zur Erneuerung der Gemeindevertretungen ausge- lufen werden

Da es rund 15 000 Gemeinden in der Tschecho- flowakei gibt und in mehr als 10 000 Gemeinden die Funktionsperiode nach dem Gesetz abgelaufen ist, sollte die Wahlausschreibung in dem ursprüng­lich gedachten Umfang nicht mehr als ein prinzi­pielles Anerkenntnis der Berechtigung zur Forde­rung nach Neuwahlen fein, praktisch aber das Ver­langen nur zu einem lächerlich geringen Teil er­füllen. Hunderten von deutschen Gemeinden würde nach diesem Plan die Erfüllung eines gesetzlichen Rechtes unmöglich geworden sein. Vor einigen Ta­gen hat nun die Regierung völlig überraschend be­schlossen, nach den schüchternen Wahlversuchen für die zwei letzten Maisonntage, zum 12. Juni alle G e - meinten zu den Urnen zu rufen, deren Ge­meindevertretungen rechtlich zu erneuern sind; es sind dies nun an allen drei Wahltagen etwa zehn­tausend, darunter rund dreitausend deutsche Ge­meinden. Aus einer kümmerlichen Geste wird nun ein ernsthafter Schritt, das Volk zu Wort kom­men zu lassen. Die Kraft der unaufhaltsam drängen­den Volksbewegung erwies sich als' stärker und be­siegte die Sorge um das Ergebnis der Wahlen im fudetendeutschen Gebiet der Republik.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dnitft und Verlag: Vrühlsche Univerfitälrdruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitvng und Geschäftsstelle: Schulstratze 7