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Nr.U5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch. 18. Mai M8

Hilfe für ein trauriges Hochzeitspaar.

Staatsschauspieler Eugen Klöpfer erzählt.

Staatsschauspieler Eugen Klöpfer er­zählte unserem Mitarbeiter Walter Schim­mel-Falkenau die folgende reizende Ge­schichte aus seinem Leben als Schauspieler.

Die traurigen Hochzeitsreisenden waren Herr und Frau Palleske, die es sich vor ihrem Gange zum Standesamt als Fräulein Dorn Schmidt und Felix Palleske auch nicht hätten träumen lassen, daß ihnen auf ihrer traurigen Hochzeitsreise durch den Schwarzwald ausgerechnet eines Abends der Schau­spieler Eugen Klöpfer so zum Lachen aufspielen würde, daß Frau Dora buchstäblich vor Lachen vom Stuhle fiel.

lieber die Gründe der auffallend traurigen Stim­mung dieses jungen Paares sind uns keine zuver­lässigen Nachrichten übermittelt worden. Jeden Mor­gen gegen neun Uhr schon erschienen sie schweigend im großen Speisezimmer des HotelsZur Post", dessen Fenster zu den nebeloerhangenen, dichtbewaldeten Bergen hinaufsahen, an dessen Scheiben die Spritzer des nächtlichen Regens noch wie kleine Perlenschnüre hingen. Sie nahmen das Frühstück fast wortlos ein, sahen sich an, faßten fick an den Händen und starr­ten gedankenverloren in Die verregnete Landschaft hin­aus. Sie. saßen dann bis elf Uhr zusammen an ihrem Fensterplatz, um dann auch noch bis zwei Uhr zu warten, zu welcher Stunde sie auch das Essen einzunehmen pflegten, obwohl sich auch um zwei Uhr die Wetterlage bekanntlich noch einmal grundsätzlich verändern kann.

Ja, so und ähnlich sahen Palleskes aus. Glücklich und trotzdem traurig, wie Menschen, die seelisch schwer darunter leiden, daß sie die Hochzeitsreise doch nicht vier Wochen später angetreten haben.

als für die beiden Hochzeitsreisenden zum Erlebnis wurde. Auf einen kaum merklichen Wink von mir ging einer nach dem anderen aus meinem Ensemble hinaus und wartete vor der Tür. Als letzter stand ich auf, warf noch einen bekümmerten Blick auf die jungen traurigen Leute und hatte dann im Vor- raüm mit meiner Spielschar eine lange Aussprache, zu der schließlich auch der Wirt und der Ober hinzu- gezogen wurden. Das Ergebnis dieser kriegsratähn­lichen Unterhaltung war, daß der Ober mit dem Pikkolo und zwei vorhandenen Küchenmädchen einen Teil des großen Eßraumes auszuräumen begann, indessen wir alle uns auf unseren Zimmer genau so sorgfältig fertig schminkten und ankleideten wie zu jeder der oorhergegangenen Abendvorstellungen in den Theatern.

Dem einen der Küchenmädchen hatte der Wirt, der spielfreudigste von allen, eine große Kuhglocke in die Hand gedrückt. Dann schwang das Küchen­mädchen die Glocke, der Pikkolo stieß die Tür zum Eßraum weit auf, und die beiden traurigen Hoch­zeitsreisenden, die voll fassungslosen Erstaunens die bisherigen seltsamen Vorbereitungen mit verfolgt hatten, sahen uns geradezu entgeistert, an, als wir nach Art der altenSchauspielertruppen, ich als der Schauspielerprinzipal voran, den Eßraum betraten, uns im Gänsemarsch auf die von Tischen und Stüh­len freigemachte Stelle, die natürlich die Bühne für uns darstellte, begaben und mit einer sehr höflichen und tiefen Verbeugung unsere beiden Zuschauer be=. grüßten. Eine Seitentür bildete die Kulisse, durch die die augenblicklich nicht beschäftigten Mitglieder des Ensembles abtraten, während wir also, es ging eben los. Wir spielten unser vergnügliches Lustspiel,

das an mehr als hundert Abenden bereits überall von den Bühnen Deutschlands herunter die über­vollen Zuschauerräume zu Lachstürmen hingerissen hatte, nun vor diesen zwei traurigen Hochzeitsreisen­den. Wir spielten mit einer Hingabe sondergleichen. Ich selbst weiß, daß ich-das letzte aus meiner Rolle herausholte und mitten im Spiel immer wieder einen prüfenden Blick auf unsere beiden traurigen Zuschauer warf.

Zuerst, glaube ich, wollten sie aufstehen und flucht­artig den Raum verlassen, denn es hatte bestimmt etwas Gespenstisches an sich, so plötzlich aus dem Nichts ein Spiel aufwachsen zu sehen, an Stelle von nüchternen weißgedeckten Tischen ein Theater­stück zu erleben. Aber die junge Frau war es, die zuerst Tritt faßte, und ihre anfängliche schreckhafte Verwunderung Überwand und uns den ersten Bei­fall in die offene Szene hineinschickte, das erste laute, herzliche Lachen^ hinterher. Und dieser Beifall und dieses Lachen, Sie glauben gar nicht, wie das bei uns einschlug. Wir spürten den Kontakt mit dem Publikum", mit einem Publikum, wie es bestimmt noch niemand vor uns gehabt hat: mit zwei un­glaublich traurigen Menschen. Und wir gaben unser Bestes. Die junge Frau lachte Tränen, und wie sie lachte. Und ihr Mann verzog den -Mund und platzte dann mit los! Der Zählkellner, der Pikkolo, die bei­den Küchenmädchen, der Wirt natürlich auch mitsamt Frau Gemahlin, und noch einige andere Angestellte, die sich in der Tür drängten und zuhörten, hielten sich die Seiten vor Lachen. Wir haben so ausgelas­sene Zuschauer selten gesehen. Und dann geschah das Allertollste: Frau Palleskes Stuhl kippte und mit ihm sie, und lachend saß sie am Boden. Und-da war es natürlich auch um unsere Fassung geschehen. Da nützte alle schauspielerische Routine nichts mehr. In einer mordsmäßigen Freude gingen bisherige Trau­rigkeit, Lustspiel und sogenannte' gespenstische Stim­mung glatt unter.

Walter Schimmel-Falkenau.

wie Menschen, die dieses ausgesprochene Aprilwetter als eine persönliche Beleidigung auffassen, aber ein­sehen, daß es lächerlich wäre, darauf zu reagieren.

Am elften Tage geschah dann das Unerwartete:

Vom kleinen Bahnhof des Bades her flutete es geradezu von Reisenden. Sieben Leute und mehr, Damen und Herren. Der Hausdiener des Hotels zur Post, der seit mehr als vierzehn Tagen keinen Gast mehr gesehen hatte, schleppte mit einer Begeisterung an den Koffern, die kaum mehr als eine gewöhn­liche zu bezeichnen war. Der Ober nahte sich den neuen Gästen und legte behutsam die Anmeld°- formulare vor die Damen und Herren hin. Da lachte der große, stattliche Mann zu ihm hin und tagte:

Schreiben Sie nur, Eugen Klöpfer ist mit seiner Truppe für eine Nacht hier abgestiegen ... und dann geben Sie mir mal einen Portwein ..."

Erst nach einer geraumen Weile entdeckte Eugen Klöpfer, daß außer ihnen noch zwei andere Gäste anwesend waren, eben die Palleskes. Er sah sich die beiden an, grüßte höflich an ihren Tisch hinüber und sah noch einmal in die traurigen Gesichter der jun­gen Paares, dann fragte er im Hinausgehen den Zählkellner:

Ne Frage, wer oder was sind denn das für zwei traurige Leute da drinnen?" Der Zählkellner lächelte schmerzlich:Hochzeitsreisende, Herr Klöpfer."

Aber nun lasse ich Eugen Klöpfer lieber selbst weiter erzählen.

Es ist kein riesengroßes Erlebnis, aber es hat mir innerlich so viel Freude bereitet und baute sich so plötzlich auf, daß ich es tatsächlich aus der Fülle der Episoden und Erlebnisse mit zu meinen persön­lichsten rechne. Sie müssen sich vorstellen, wir kom­men aus einer Erfolgsserie, aus beifalldurchrausch- ten Abenden ganz unverhofft und programmlos in dieses Schwarzwaldbad, um dort mal einen ober zwei Tage auszuruhen. Da fitzen zwei traurige junge Leute am Fenster, und der Ober verrät mir, daß es sich um Hochzeitsreisende handelt. Weit und breit kein Gast außer diesen beiden Menschen. Was lag da für uns näher als die Frage:

Wie kann man die beiden fröhlich machen?

Und da hatte ich diesen plötzlichen Einfall, der in feiner Ausführung dann vielleicht viel mehr für uns

Die neue Gauschule des ASLB.

Einweihung durch den Gauleiter.

NSG. Am Dienstagnachmittag übergab Gauleiter Sprenger in Bensheim an der Bergstraße die neue Gauschule des Nationalsozialistischen Lehrerbundes ihrer Bestimmung.

Nachdem der Nattonalsozialistische Lehrerbund seine erste Gauschule in der GFZ.-Kaserne in Mainz durch die Wiederherstellung der Wehrhoheit im Rheinland verloren hatte, hat er sich jetzt in Bens­heim an der Bergstraße eine neu Gauschule, die den NamenEulenhorst" trägt eingerichtet. Im Rahmen einer Feier wurde sie am Dietistag ihrer Bestimmung übergeben.

Der Gauwalter des 7!SLB.,

Ministerialrat Hingshausen,

sprach zu Beginn der Feier über die nationalsozia­listischen Erziehungsgrundlagen, die im 'Blut und Boden, in Scholle und Heimat bestehen. Er umriß die Aufaabe des nationalsozialistischen Erziehers dahingehend, daß er ein starkes Herrenvolk zu er­ziehen habe. Auch diese Schule soll zur Durchsetzung der Idee beitragen, wobei es nicht auf das Aeußere, sondern auf das Herz ankomme. Er wies weiter auf die bedeutenden Werke und großen geschicht­lichen Zeugen hin, die unser Gau sein Eigen nennt, und die täglich die Sehnsucht und Schaffenskraft des deutschen Volkes uns vor Augen führen. Seine Rede endete mit der Feststellung, daß nicht der Stand und der Beruf als Primäres gelten sollen, sondern nur eine einheitliche Ausrichtung, die Deutschland heißt.

Gauleiter Sprenger

führte dann etwa folgendes aus:Es ist ein weiter Weg von der Kampfzeit zum Sieg und zu unserem heutigen Aufbau. Es war in der Kampfzeit uner­

hört schwer, in der Lehrerschaft Gehör zu finden. Wir müssen es immer wiederholen, daß zunächst das Herz des einfachen deutschen Menschen für die Mission des Führers aufnahmebereit war. Die Intelligenz hatte das Herz durch den Verstand ab­geschlossen, und so kamen zunächst nur wenige von ihnen zum Führer. Dies soll heute kein Vorwurf sein, sondern es ist nur eine Folge der Erziehung des einzelnen, den man einst gelehrt hatte, jeder Mensch sei das Produkt seiner Umgebung. Aber der Führer hat eine so große, ich möchte sagen pädagogische Fähigkeit entwickelt, der sich niemand entziehen konnte. Er hat die Herzen gefunden und für seine Idee geöffnet. Er hat in seiner Bewegung die Kameradschaft werden lassen und so in seiner Partei eine große Erzieherschaft für das Volk ge­schaffen. Dieser Erzieherschaft, das heißt der Partei, konnte er dann die große Aufgabe anvertrauen, das Volk zum Nationalsozialismus zu erziehen. Um aber schon den jungen Menschen für den National­sozialismus zu erfassen, muß auch die Erzieher­schaft nationalsozialistisch ausgerichtet sein. Dieser Erkenntnis ist die Schaffung des Nationalsozialisti­schen Lehrerbundes entsprungen, der sich schon in der Kampfzeit erprobt hat.

Im Gau Hessen-Nassau wurde als einem der ersten Gaue im Reich die Lehrerschaft 'n Schu­lungslagern zusammengefaßt. Sie sollten nicht Vor­träge hören, sondern im Lager die nationalsozia­listische Gemeinschaft selbst erleben. Auch in diesem Heim, das durch seine herrliche Lage ausgezeichnet ist, wird das Werk gelingen. Jeder, der dieses Lager betritt, muß den Willen zur Gemeinschaft haben. Er muß selbst mit der Jugend mitfühlen und sein Leben so gestalten, daß er ein Vorbild der Jugend sein kann. Wir haben die aus der Ver­gangenheit bestehende Vielzahl der Lehrerbünde überwunden, die schon in sich den Kern einer Auf­

Zm spanischen Cafe.

Äon £)r. Fritz Zessel, Malaga.

Jedes Land hat eine bestimmte Art, sich nach der Arbeit Zerstreuung und Unterhaltung zu suchen. Man könnte glauben, Daß in Spanien, dem Land des Weines, der Genuß des edlen Traubensaftes an erster Stelle steht. Gewiß, man trinkt hier viel Wein und kann ihn vor allem sehr billig erhalten in den zahlreichen kleinen Schankstätten. Neben diesen bodegas ist aber vielleicht das Cafe der typischste Ausdruck der spanischen Lebensform. Eines fei im voraus bemerkt: Man sieht niemals Frauen allein in einem Cafä, wie es doch in der deutschen Heimat häufig vorkommt. Die jungen Mädchen oder gar die verheirateten Frauen sind in dieser Be­ziehung übel dran.^-Das hängt mit der strengen Erziehung zusammen. Es widerspricht den Sitten des Landes, daß sie ohneBewachung" ein Lokal betreten. Wie selten kommt es sogar vor, daß eine Chefrau an der Seite ihres Mannes eine Weile im Cafe fitzt. Nein, die spanische Frau hat die Aufgabe, in der Häuslichkeit zu wirtschaften und die Kinder zu erziehen ober noch nebenher Geld zu verdienen. Im Cafä findet man fast ausschließlich Männer. Für sie allerdings ist es der liebste Aufent­haltsort.

Ich sitze gerade in so einem typischen Cafe und lasse das Leben und Treiben an meinen Augen vorüberziehen. Es ist nicht etwa ein wohlgepflegter Raum, wie wir ihn in Deutschland kennen. Ganz schlicht und einfach sind diese Lokale eingerichtet. An den Wänden stehen Sofas, die mit Leder ge­polstert sind. Davor befinden sich kleine viereckige Tische, die mit einer Glas- oder Marmorplatte be­deckt sind, damit man sie leicht und schnell reinigen kann. In der Mitte der meist langgestreckten Räume steht wieder eine Reihe Tische mit Stühlen; Kleider­haken oder Ständer sind eine Ausnahme. Im all­gemeinen befinden sich an den Wänden Borte, wie in einem Eisenbahnabteil, auf die man seinen Man­tel zusammengefaltet legt. Musikkapellen sind un­bekannt. Sie würden sich nicht halten, da kein Be­dürfnis dafür vorhanden ist. Da selten ein weib­liches Wesen eintritt, braucht man auch nicht so sehr Kavalier zu sein, eine Eigenschaft, die dem Spanier sonst nachgerühmt wird.

Fortwährend strömt es ein und aus. Männer, die wenig Zeit haben, treten an den Schanktisch, um schnell im Stehen ein Glas Kaffee zu sich zu nehmen. Die Sitte, den Kaffee in Tassen auszuschenken, kennt man nur in sehr wenigen besseren Lokalen. An

dieserTheke" stehen oft «Reich und Arm neben­einander. Der eine schlürft den Kaffee noch lauter als der andere. Neben mir nehmen gerade ein paar alte Männer Platz. Sie nehmen den Hut nicht ab. Schaut man sich um, so kann man dies an zahl­reichen Tischen beobachten. Es ist wahrscheinlich bequemer und trägt zu der hiesigen Gemütlichkeit bei. Die beiden bestellen sich Kaffee. Der Kellner bringt nur ein Glas und die unentbehrliche Wasser­flasche. Ein anderer, niedriger im Rang, hat zwei Kannen in der Hand, in denen Milch und Kaffee sind. Bevor meine Nachbarn in den Genuß des edlen Getränkes treten, spucken sie erst noch einmal kräftig aus, eine Sitte, die hier überall landesüblich ist. Kein Spanier wird dadurch in seiner Behaglich­keit gestört. Selbst im Theater ist man auf Rängen nicht sicher davor, daß plötzlich neben einem etwas auf den Boden fällt. Man sagt, daß dieses Bedürf­nis hervorgerufen wird durch den starken Tabak, den der Spanier raucht. Uebrigens dreht sich jeder feine Zigaretten selber. Auch Aschenbecher kennt man im allgemeinen nicht. Die Not zwingt mich, die Bräuche des Landes mitzumachen und gebrauchte Streichhölzer sowie die Asche auf den Erdboden wandern zu lassen. So bietet der Fußboden er ist -fast immer mit Steinen gepflastert ein sehr buntes Bild. Da liegen Zigarettenreste, Streich­hölzer, Asche und Papier in großer Menge fried­lich nebeneinander. Im ersten Moment stoßen diese Dinge'jeden Ausländer, der es von seiner Heimat her anders gewohnt ist, ab. Später gewöhnt man sich daran und beginnt, sich auf diese Weise wohl­zufühlen. Zum mindesten bleibt einem nichts anderes übrig. Nur das Spucken gefällt mir nicht.

Was macht man nun im Cafä? Einige Männer sehe ich beim Zeitunglesen. Andere sitzen und star­ren in die Gegend, ohne während einer halben Stunde auch nur eine Miene zu verziehen. Ob sie über schwere Probleme nachsinnen? Ich glaube es kaum. Wieder andere befinden sich in eifriger Unter­haltung. Alle politischen und das öffentliche Leben betreffenden Dinge werden bei einem Glas Kaffee in mehr oder minder lebhafter Weise besprochen. Es treten gerade ein paar Blinde ein. Sie ver­kaufen Lotterielose, um dadurch eine Beschäftigung in ihrem trostlosen Dasein zu haben. Sie gehen von Tisch zu Tisch und haben wenig Erfolg. Im Staate Francos hat sich ihr Schicksal aber schon wesentlich gebessert. Sie haben wenigstens zu essen und zu trinken. Plötzlich wird der Radioapparat eingestellt, der sich fast in jedem Cafe befindet. In schrillen Tönen hört man die Musik, so daß sich kaum jemand dabei unterhalten kann. Allmählich wird es immer voller. Es naht die Stunde, wo der

offizielle Kriegsbericht bekanntgegeben wird. Diese Art des Gemeinschaftsempfangs kann man jeden Tag erleben. An der Wand hängt das Bild des Generalissimus. Am Schluß wird immer die Natio­nalhymne gespielt, die alle stehend und mit er­hobenem Arm anhören.

Ein Mann, der zu jedem fcafe gehört, muß noch erwähnt werden: der Schuhputzer. Er ist eine typische Figur ebenso wie der Zeitungsausrufer, ohne die das öffentliche Leden in Spanien nicht zu denken ist. Man hat hier eine Flüssigkeit, die dem Schuh einen ganz besonderen Glanz verleiht. Inzwischen ist es spät geworden. Viele haben stun­denlang auf einem Platz gehockt. Morgens schon sind die Cafes häufig gefüllt. Gerade höre ich, wie an einem Nebentisch zwei Kaufleute miteinander verhandeln, um ein Geschäft abzuschließen. Alles das wird im Caf6 gemacht. Hier ist es nicht so steif, und jedes Unternehmen verspricht eine erfolg­reiche Wirkung. Wer zahlen will, ruft nicht etwa den Ober mit Worten, sondern gibt einen Zischlaut von sich oder klatscht in die Hände. Das ist eine sehr verbreitete Art, sich bemerkbar zu machen.

Sv spielt sich jeden Tag das gleiche Leben im Cafe ab. Ohne auf diese Art einige Stunden des Tages zu verbringen es ist übrigens in allen romanischen Ländern ähnlich könnte man sich den Spanier einfach nicht vorstellen. Ihm würde ungeheuer viel an feiner täglichen Behaglichkeit fehlen, zumal er wenig "dazu neigt, Spaziergänge ober Wanderungen zu unternehmen.

Kinder als Künstler.

In London werden in einer Ausstellung der New Burlington Galleries etwa 400 Oelbilder, Aquarelle und Zeichnungen, die von Roswitha Bitterlich im Alter von drei bis siebzehn Jah­ren ausgesiihrt sind, als etwas wirklich Wunder­bares angestaunt, und zwar sowohl wegen der Stärke ihrer künstlerischen Phantasie als auch wegen der Geschicklichkeit der ausführenden Hand. Die junge Malerin ist 1920 am Bodensee geboren und hat seit 1928 in Innsbruck gelebt. Schon mit drei Jahren zeichnete sie sich selbst zwischen zwei Engeln als Beschützerin, als sechsjähriges Kind stellte sie Kühe dar, die tränenreich das Schicksal eines ge­schlachteten Schweines beklagen, und als Dreizehn­jährige malte sie ein großes BildDas Bankett des Todes", bei dem Hungersnot, Pest, Krieg und Gier als Gäste neben den Rittern, den Verschwen­dern, der Königin und dem Schurken sitzen. Mit vierzehn Jahren malt sie ein großes Bild, das die

spaltung der Jugend trugen. Heute haben wir nur einen Grundsatz der Erziehung, indem wir die Jugend zu Deutschen erziehen in einer Einheit des Glaubens, der Auffassung und der Tat. Wir wollen die Jugend üicht zunächst mit Wissenschaft voll­pfropfen, sondern sie erst gesund und stark machen. So soll auch diese Schule ein Haus der national- sozialistischen Weltanschauung werden für die deutsche Erziehung der deutschen Jugend für alle Zukunft und ewig im Geist Adolf Hitlers."

Nach dem Gauleiter sprachen noch ein Vertreter des NSLB., ein Mitarbeiter aus der Gauwattung Hessen-Nassau und der Schulleiter, Parteigenosse Schulz. An die erste feierliche Flaggenhissung schloß sich ein Rundgang durch die Gauschule an.

Werde Mitglied der NSV.!

NSG. Angesichts der Leistungen, die die NS» Volkswohlfahrt Tag für Tag an der Gesundheits­führung unseres Volkes vollbringt, ist es selbstver­ständliche Pflicht für jeden Volksgenossen, der NS- Volkswohlfahrt als Mitglied anzugehören und ihr den Betrag zur Verfügung zu stellen, der dem Ein­kommen entspricht. Große Aufgaben sind noch zu lösen. Jeder muß stolz darauf sein, durch seine Mit­gliedschaft zur NSV. mithelfen zu dürfen auf den mannigfachen Arbeitsgebieten der NS.-Volkswohl­fahrt. Keiner wird mehr abseitsftehen wollen, und auch du, Volksgenosse, der du noch nicht Mitglied bist, hast Gelegenheit, dich in die Opfergemeinschaft unseres Volkes einzureihen und damit deine Einsatz­bereitschaft für das Volksganze auch hier unter Le­weis zu stellen. Werde Mitglied der NS.-Volkswohl­fahrt!

Wiedersehensfeier 2R32R. 116.

Zum zweiten Male treffen sich die Kameraden vom R. I. R. 116 und III. Bataillon L. I. R. 85 in Fried­berg, um Stunden echter Kameradschaft zu verleben und die in schwerster Zeit geschlossene Freundschaft zu bestätigen. Die Vorarbeiten für dieses Kamerad­schaftsfest sind abgeschlossen. Den Kameraden werden Stunden geboten, die ihnen wohl unvergeßlich sind, und die Zeugnis ablegen von der Freude, mit der die Stadt Friedberg und ihre Einwohner ihre alten Soldaten empfangen. Aus allen Teilen Deutschlands sind bereits Anmeldungen eingegangen, und noch wird eine ganze Anzahl Kameraden bei den Anmeldungen vermißt, die auch heute nochmals zur Teilnahme aufgerufen werden.

An alle, die noch nicht gemeldet haben, ergeht der letzte Appell: Kommt zur Wiedersehensfeier nach Friedberg! Die bereits gemeldeten Kameraden war­ten auf euch! Anmeldungen an Kamerad PH. Bauch, Griesheim bei Darmstadt.

Obermusikmeister Hauske t-

LPD. Darmstadt, 16. Mai. Am Freitag ist im Alter von 71 Jahren der in ganz Hessen be­kannte langjährige Regiments-Kapellmeister, Ober* musikmeister Hugo Hauske gestorben. Mit 19 Jahren trat er in die Kapelle des 1. Großh. Hess. Infanterie-Regiments (Leibgarde) 115 ein. Im Jahre 1900 übernahm er die Kapelle des 4. Magdeb. Infanterie-Regiments in Metz, um nach dem Tode des berühmten Musikmeisters Hilge, seines ersten Lehrmeisters, im Herbst 1907 die Kapelle des In­fanterie-Regiments 115 zu übernehmen. 1914 zog er mit den 115ern ins Feld. Don 1919 bis 1922 übernahm er eine Reichswehrkapelle in Dessau, um dann seinen Ruhestand in seiner alten Garnison- . stadt Darmstadt zu verbringen. Einige Jahre wirkte , er hier noch an der Städtischen Akademie für Ton- * fünft. Auch als Komponist ist Hauske mehrfach hervorgetteten.

lieber 48000 Mark Steuerstrafe.

LPD. Frankfurt a. M., 17. Mai. Wegen fort­gesetzter Hinterziehung der Umsatz-, Einkommen-, Vermögen- und Gewerbesteuer wurde der 60jährige Emil Odenheimer in Frankfurt a. M., Schu- mannstraße 49, vom Finanzamt mit insgesamt 4 8 6 7 3 Mark Geld st rase belegt.

Flucht der heiligen Statuen aus einer Kirche dar­stellt, nachdem die Dorfbewohner den Glauben ver­loren haben. Von einer süßen Zartheit ist eine Madonna von 1937, eine ätherische blonde junge Frau, die Kinderkleidchen näht und dabei auf die noch leere Wiege neben ihr blickt. Für ein Buch mit Zwergengeschichten hat sie Aquarelle geschaffen, deren Phantastik an Walt Disneys Zeichnungen in den bekannten Trickfilmen erinnert auf einer hocken die Zwerge neben den kleinen Vögeln auf den Telegraphendrähten. Das Mädchen scheint außerordentlich eindrucksfähig, und die Ideen strömen ihm in überreichem Maße zu. Dabei geht sie noch zur Schule und bereitet sich zum Abitur vor. Die Besucher der Ausstellung aber stehen stau­nend vor diesem Phänomen.

*

In einer Kunstausstellung, die kürzlich in Szege- din veranstaltet wurde, fiel allgemein ein Aquarell auf, das den TitelAm Ende des Dorfes" führte. Die Besucher blieben bewundernd davor stehen, da die Arbeit ein ungewöhnlich künstlerisches Feingefühl und eine hervorragende Technik verriet. Mit größter Ueberraschung aber erfuhren sie dann, daß der Maler dieses Bildes ein siebenjähriger Knabe war, der Sohn des bekannten ungarischen Malers Julius Kurucz. Der Junge geht jetzt in die zweite Klasse der Vorschule, aber, wie sein Vater berichtet, zeigte er bereits im Alter von fünf Jahren eine überraschende Vorliebe für die Malerei. Er begann in der ersten Zeit damit, sich heimlich der Farben und Pinsel seines Vaters zu bemächtigen und von überallher Stücke Papier zu nehmen, um sie zu bemalen. Da der Vater befürchtete, daß feine male­rische Neigung ihn vom ordentlichen Lernen ab­halten konnte, hatte er ihm ausdrücklich verboten, weiterzumalen, aber der Kleine tat es doch heim­lich, und eines Tages fand der Vater in seinem Zimmer eine Anzahl Schulhefte, in die der Knabe so meisterhaft kleine Bilder gemalt hatte, daß der Vater nicht mehr zweifelte, ein außerordentliches Talent vor sich zu haben. Er schickte das beste Bild an die Ausstellung von Szegedin, ohne jedoch der Jury den Namen des Malers zu verraten. Es wurde ein großer Erfolg. C. K.

Hochschutuackrichten.

Der Direktor der Würzburger Augenklinik und Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Würzburg, Geheimrat Professor Dr. Franz S ch i e ck , wurde von der Königlichen Gesellschaft der Aerzte in Budapest zum Korrespondierenden Mitglied ernannt