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Nr. 295 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (hberhefien)

17 /irr. Dezember 1058

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weihnachtlichen Figuren stellen kann, wird damit nicht nur den Kindern eine große Freude bereiten.

In manchem Geschäft, findet man auch den aus Nürnberg und aus dem Frankenland stammenden Rauschgvldenael, der ob seiner Eigenartigkeit man­chen Blick auf sich zieht.

*

So kann es also keine Verlegenheit geben um die Frage, wie man den Weihnachtsbaum schmücken soll. Der Duft der frischen Tannen, der uns setzt bei einem Gang durch die Straßen aus Höfen her­aus anweht, wird nun bald die Weihnachts'tu 'en füllen und wird sich mischen mit dem feinen Ruch, der von den brennenden Kerzen ausgeht Dann ist das Weihnachtsfest da, das wir uns nicht ohne den geschmückten Weihnachtsbaum denken können.

Wie schön ist dabei das Bewußtsein, daß freier und freudiger als in den letzten 20 fahren auch im Sudetenland gefeiert und dort nun auch w'eder das deutsche Weihnachtslied gesungen werden kann. N.

(Aufnahmen |6J: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Wir schmücken unfern Weihnachtsbanm'

mußte ein ges Neues gekauft werden Und Lametta, auch! Dann verschwand die ganze Pracht wieder für

zu schmücken, sondern es auch zu tun im Geiste un­serer Zeit.

daß sich auch die Glas­bläser im Böhmerwald sehr darüber freuen,'roenn am Weihnachtsbaum die Glaskugeln blitzen, denen sie immer andere Schön­heit zu geben bemüht sind. Und dann, gibt es auch sonst noch allerlei, womit sich der Weihnachtsbanm schmücken läßt. Da ge­bührt zunächst einmal em Wort der blauen Kerze, die den Auslandsdeut­

feine und sinnvolle Weiie gut aus. Sie erinnert je­dermann daran, daß deutsche Volksgenossen ir­gendwo in fernen Erd­teilen auch Weihnacht feiern, im gleichen Geiste wie wir, und sich viel­leicht danach sehnen, ein­mal keine Palmen, keine Steppe, sondern tiefverschneiten, winterlichen, mär­chenhaften Tannenwald der Heimat zu sehen.

Und außerdem läßt sich für den Schmuck des deutschen Weihnachtsbaumes nichts Schöneres decken als die Abzeichen, die heute und morgen die Hitler-Jugend mit ollem Eifer zum Kaufe anbietet und damit dem Winterhilfswerk wieder eine Schlacht gewinnen helfen will So besteht also mancherlei Möglichkeit, den Weihnachtsbaum nicht nur mit Flitter, mit Aepseln und Nüssen, mit

uuli,KH uvl uus ucii jschen gewidmet ist. Jn-

einzelnen Kartons die Kugeln zureichen, die Mutter I mitten der weißen Ker- tntfrflfp mit moirham Q n h m w Xah dntth nfi itnh nimmt fiC f^Cf) OUf

stellen. Sie fingen und musizieren und haben sich dabei als Sitzgelegenheit Sonne, Mond, Sterne und Kometen ausgesucht, die in hellem Gelb aus dem dunklen Grün des Tannenbaumes leuchten.

Und ebenfalls aus Künstlerhand sind die man­cherlei Kerzenhalter hervorgegangen, die sich unter dem Weihnachtsbaum sehr i'fimmungsDOÜ ausneh­men. Einen weißen Schmuck stellen die aus dünnem Metall aeschnittenen Darstellungen aus der Wech- iiachtsgeschichte dar, die im Lichte der Kerzen zu

wischte mit weichem Lappen den Staub ab und der älteste Bruder mußte die Wachstropfen zu be­seitigen versuchen. Dabei gab es dann manchmal Bruch und im Chor ein bedauerndesOh". Dann

Wer mit aufmerksamen Augen durch die Stadt geht, wird feststellen, daß es auch noch manche Dinge gibt, die dem Weihnachtsbaum im Beson­deren zur Zierde verhelfen! Hier ist jener Baum­schmuck gemeint, der in liebevoller Arbeit aus der Hand des Künstlers oder des Kunsthandwerkers hervorgegangen ist. Da find vor allem jene bunt­bemalten Figuren aus flachem Holz, in denen die deutschen Märchengestalten wiederzuerkennen sind. Da sieht man das schlanke Schneewittchen im wei­ßen Kleide, den Rattenfänger von Hameln im hellroten Umhang, da gibt es das allerliebste Stern­talerkind, dann die hübschen Zwergefiguren.Frau Holle",Hans im Glück" mit der Gans unter dem Arm und noch andere mehr. In manchem Hause wird man diese bunte Gesellschaft mehr oder we­niger vollzählig noch von der Weihnachts-Winter­hilfesammlung des Vorjahres her be'm Weihnachts­baumschmuck finden. Diese Figuren kann man aber auch in etwas größerer Form haben

Ein ganzes Engelsvrchelter, lebhaft, plastisch und bunt bemalt kann man sich ebenfalls zusammen-

kurze Zeit. Bis der Heilige Abend herankam. Davon soll aber jetzt nicht die Rede sein!

*

Sicherlich gibt es viele Menschen, die der Auf­fassung sind, daß die weiße oder die bunte Glas­kugelKitsch" ist, daß der Baum, ledialich mit Ker­zen besteckt, am Schönsten sei! Eine solche persön­liche Auffassung braucht nicht bestritten zu werden. Gewissermaßen: jeder nach seiner Fasson!

Wo aber Kinder find, wird man den bunten Schmuck nicht fehlen lassen. Ganz abgesehen davon,

Schokolade-Tannenzapfen, mit Zuckerkringeln usw. j feiner Wirkung kommen. Wer,gar noch unter den ... rx...«j... f...v .... , ... ----- Weihnachtsbaum eine der Spieluhren mit den

Wenn, so wie jetzt, neben den mancherlei schönen Sorgen, die das Weihnachtsfest bringt, auch einige Gedanken dem Schmuck des Weihnachtsbaumes gel­ten müssen, dann sind es wohl zunächst Gedanken und (Erinnerungen an die Jugendzeit, die im er­wachsenen Menschen wach werden. Wenn gerade in diesen Tagen die leichten Kartons, in denen 3- B. die Glaskugeln untergebracht sind, von ihrem Aufbewahrungsort geholt werden, dann muß nach­gesehen werden, ob Neues binzugekauft werden muß, ob es noch reicht, ob nicht Schöneres anzu­schaffen ist, ob nicht einmal einige besonders schöne Figürchen dazu kommen sollen. Und wahrscheinlich müssen die blitzenden Kugeln erst geputzt und von den Wachstropfen befreit werden,' die noch vom letzten Weihnachtsfest her an den Kugeln haften und den Glanz beeinträchtigen wollen. In der stets auf eine merkwürdige Weise trübseligen Stimmung in den Tagen nach Neujahr war es versäumt worden, den Schmuck, als er vom Baum genommen wurde, ZU reinigen. Nun geschieht es mit doppelter Freude, denn das Fest liegt ja v o r uns!

Aus eigener Jugendzeit erinnere ich mich dessen gut, daß schon dieses Putzen des Christbaum­schmuckes zur Vorfreude gehörte. Da faßen wir Kinder im Kreis um die Mutter, die an einem dieser Abende vor Weibnachten den bunten Flitter hervorholte Tagelang vorher beschäftigte uns schon die Frage:Wann putzen wir den Christbaum-

tfjmurf?!" Und war es bann so weit, so wurde mU all den bunten Zerbrechlichkeiten Wiedersehen gefeiert, Wiedersehen mit der hübschen, winzigen Trompete die tatsächlich auch einen Ton von sich gab, mit der silbrig-schimmernden Glocke, die so zart klingelte, und mit dem kleinen Wachsengel, dem zwar eines der Händchen fehlte, der aber trotzdem aUe unsere Liebe genoß. Da waren dann auch die großen Glaskugeln glatt und glänzend, in denen man sich auf so luftige Weise wie im Spiegel sah. Die jüngeren Brüder durften d-er Mutter aus den

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Kommt von Hubert Nausse.

Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.

8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Auch sie ist Schauspielerin."

Gewiß, aber anders als ich, ganz anders. Ich sagte dir schon, ich bin nur Schauspielerin, ich bin in allen Verwandlungen gleich glücklich und mein Letztes und Bestes und Innerstes geht heil und hell durch alles äußere (Erlebeh. Elisabeth ist mehr: sie ist ein Mensch, sie ist eine Frau, die so beschenkt ist von der Natur und so reich an innerer Fülle, daß sie auch eine gute Schauspielerin sein kann. Ich bin es nur, sie ist es auch!"

Jtes Hände spielten mit dem Weinglas. Sie rafj da, neben dem breitschultrigen Jago Schmid, und sie verschwand fast neben ihm. Aber ihr kluger weib­licher Verstand sagte ihr, daß in ihren schmalen Frauenhänden die' Zügel seines Schicksals sicherer lagen als in seinen eigenen mächtigen Pranken.

Deshalb ist Elisabeth viel empfindlicher als ich. Auch viel verwundbarer. Ich weiß nicht, ob ihre Flucht sie auf die richtigen Wege führt."

Warum?" fragte Jago.

Das weiß ich nickt. Alle Frauen sind schließlich unberechenbar. Die Blonden sind es meistens aus Gefühlsüberschwang oder aus Güte!"

Jago trank aus und schenkte sich wieder ein.

Du hast von Brasky viel gelernt", sagte er kühl.

0 nein, ich habe nicht die geringste Achtung vor seiner Philosophie und feiner Geistreichelei. Was ich hier sage, stammt alles aus mir selbst. Ich halte nicht viel von der sogenannten Klugheit. Man muß fühlen, wie die Menschen sind ..

3a, schön. Und du meinst, daß Elisabeth und ich .. ."

»Glänzend zusammenpasien, aber schwer zuein­ander kommen werden!"

Jago lachte schon wieder sieghaft und sieges­gewiß.

Wetten, daß nicht?" sagte er.

Er hatte seinen Humor wieder gefunden, und Jte verjagte ihre Befürchtung, ihn mißtrauisch ge­macht zu haben. Denn sie wollte ihn als Freund be­halten, ihrer selbst wegen und auch um Elisabeths willen. ,

Sie empfand die überlegene und reife Freundin cis eine Ergänzung ihres eigenen Menschen, und sie liebte diese Ergänzung wie ein fehlendes Stück ihrer selbst. Aber Jte wußte auch, daß ganz innen ihr Herz das Stärkere und Härtere war. Diese Blonden, dachte Jte, haben es leichter auf der Welt, aber fie müssen es mit ihrem Herzblut bezahlen.

Als sie wieder im Wagen saßen und nun am Starnberger See entlang den Weg nach Hause such­ten, holte Jte aus Jago die letzten Geheimnisse heraus.

Erinnerst du dich unseres Mittagessens, oder besser, meines Mittagessens im Franziskaner?"

Jago zeigte nach rechts.

Das Schloß von Garatshausen!"

Durch Baumgruppen ging der Blick auf eine sonnenhelle Mauerwand, ein Stück Park mit weiten, grünen Flächen, dahinter der See.

Gewiß", sagte Jago.Der Blick eben erinnert übrigens stark an die' Landschaft am Schweriner See. Ohne das Gebirge selbstverständlich, das wir ja im Rücken haben. Aber die wellige Landschaft und der Blick über das Wasser weg das ist fast zum Verwechseln ähnlich!"

So, gibt es da oben auch Seen?"

Auch, Jte? Mehr als hier. Es gibt eine so­genannte Mecklenburgische Seenplatte. Uebrigens Platte: Du sprachst von deinem Mittagessen im Franziskaner. Was ifts damit?"

Du erinnerst dich?" fragte Jte.

Nieren mit Omeletten."

Das meine ich nicht!" ,

Auch jedes Wort, Jte!"

Schön, du sagtest damals, du würdest Elisabeth einfangen wie ein edles Wild das scheint also eine (Erinnerung aus deinen Stierkampfjahren zu sein, wie mir mittlerweile klar geworden ist. Und eben sprichst du von den Mecklenburgischen Seen, die ich in meiner Schule nicht gelernt habe und du wahrscheinlich in Barcelona auch nicht, mit einer Sachkenntnis ..

Jago lachte.

Du merkst auch alles, Jte!"

Also beichte, wie weit bist du mit deinen Jäger­künsten und Elisabeth?"

3a, du denkst an Fallenstellen und Schlingen­legen ..."

Aber du doch auch, Jago: du hast noch eine Reihe von Instinkten aus der Zeit, wo man die Frau sich zu stehlen pflegte, siehe Raub der Sabinye- rinnenl"

Sabinerinnen, Jte!" _

Aus der Bühne spricht man Sabinyerinnen^ Aber doch nur ber alte Schmierendirektor." Und der wird es schon wissen. Aber lenk mich nicht von deinen Sünden ab Was weißt du vom Schweriner See? Warst du etwa dort?"

Jago sah geradeaus und nickte.

Wirklich? Und hast sie etwa besucht?"

Warum sollte ich das nicht tun?"

»Hast du es etwa getan?"

Nein."

Das war gut, Jago! Ich habe dir schon einmal gesagt, du mußt ihr Zeit lassen. Du hast so eine Art, daß du manche Frauen erschrecken kannst Du brauchst nicht zu lachen, Jago. Du stellst dir das Leben und die Herzen der Menschen einfacher vor, 1 als sie sind. Was ist denn, willst du halten?"

Jago fuhr in einen Sandweg hinein und stoppte den Wagen.

Ich will dir ein wenig Achtung beibringen vor mir", grollte er.

Jte lachte.

Aber Jago, du wiegst wahrscheinlich doppelt so viel wie ich, aber deshalb wickle ich dich doch um meinen kleinen Finger!"

Er suchte in seiner Brieftasche und holte ein paar Bilder und Briefe hervor. Indem er sie auswickelte, sagte er seufzend:Schade, Jte, wir beide wären doch eiaentüd) auch ein fabelhaftes Liebespaar ge­wesen!'

Falsch", sagte Jte.Gerade so als Freundschaft ist es richtig. Und nun zeig mal her."

Jago erklärte. Da gab es eine Reihe von An­sichten vom Schweriner See, darunter auch ein Blick auf Losnitz und Trebbin.

Da lebt sie also!" Er war selig wie ein Pri­maner.

Er zeigte auf die weinumrankte Terrasse und den Balkon. Dann fuhr er mit dem Finger auf den unteren Bildrand zu.

Und hier, Jte, also am anderen Ufer des Sees etwa drei Kilometer Luftlinie von Trebbin hier ist ein kleines Gut zu verkaufen. Es ist Wald und Heide, und im wesentlichen Jagdgebiet. Gehört einem Berliner Fabrikanten, ist also nicht schade drum, wen es seinen Besitzer wechselt!"

Und das willst du?"

(Er fallet die Pläne auseinander und wollte einen Vortrag beginnen.

Jte sah ihn ziemlich fassungslos an. War das Naivität, oder war er doch ein törichter Geldprotz?

Jago, zuwellen verstehe ich dich einfach nicht. Du kommst mir In diesem Fall wirklich spanisch vor, das heißt unverständlich. Kennst du deine geliebte Elisabeth so wenig, daß du glaubst, auf diese Weise Eindruck bei ihr zu machen?"

Nun war die Reihe zu staunen bei Jago. Und sein Staunen ging in Aerger über. , Eindruck ma­cken? Ich will in Ihrer Nähe fein oder doch fein können! Das hat doch wohl noch immer als ein Beweis von Liebe gegolten. In Deutschland so gut wie in Spanien."

Also Hero und Leander!" sagte Jte.Und abends schwimmst du dann über den See nach Trebbin!"

Sie schüttelte den Kopf.

Also du meinst nicht?" fragte Jago.

Unter keinen Umständen!" sagte Jte.

Er steuerte seinen Wagen wieder auf die Haupt­straße zurück und versank ins Nachdenken. Jte ließ ihn in feinem Grübeln allein.

Du weißt noch nicht alles", begann er nach eini­ger Zeit.Es steht nicht gut um Trebbin."

Was heißt das?" fragte Jte. ,Lch denke, der Landwirtschaft geht es glänzend!"

IGeht es auch. Wer Geld in Felder und Wälder steckt, ist immer gescheiter als eine noch so begabte Schauspie.lerin."

(Er machte zufrieden eine Pause.

Aber Elisabeths Bruder, der Trebbin verwaltet, hat schulden. Und zwar Schulden, die er in Gold­wert wieder zurückzahlen muß."

Jte sah ihn an.

Ich verstehe nicht allzuviel von diesen Dingen. Aber da könntest du doch leicht mit deinen Peseten aushelfen, denn Peseten das ist doch noch so viel wie Gold?"

Ganz recht! Aber wie soll der Jago Schmid aus Madrid, der in München ansässig ist, an den Gutsbesitzer Hellfahr auf Trebbin kommen? Wenn ich aber erst zur Nachdarscha't gehöre, wenn ich auch am Schweriner See begütert bin Ver­stehst du jetzt, Jte?"

Sie verstand.

Der Wagen ließ eben den Fvrstenrieder Park hinter sich. Im Dunst der Dämmerung lagen die Frauentürme.

(Fortjetzung folgt!)