Nr. 242 vierter Vlatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
I5./I6. Ottober 1938
Gießener Mädchen in ländlichem Dienst.
Auf dem Wege zur Arbeit in der schönen oberhessischen Landschaft.
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Das schöne Heim der Landdienstmädchen in Schlitz.
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Beim Kartofselsortieren in weiter Landschaft.
(Aufnahmen |5]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Bunte und lustige Gesellschaft, die sich zusammengefunden hat, um bäuerliche Arbeit zu leisten im großen Hofgut Hallenburg der Gräflich Görtzischen Gutsoerwaltung in Schlitz!
Unproblematische und sinnvolle Sache, blutjunge Mädchen von 14 bis 17 Jahren, und frisch von der Schulbank, wissen zu lassen, wie das eigentlich ist mit der Getreideernte, mit dem vielen Bucken bei der Kartoffelernte und mancher anderen ländlichen Arbeit.
Wer es ganz begreifen will, was es mit der bäuerlichen Arbeit auf sich hat, der muß in seiner Jugend nachgraben, vorausgesetzt, daß er Wochen auf dem Lande zugebracht, bei Verwandten vielleicht, und mitgeholfen hat bei all den Arbeiten, die ein halbwüchsiger Junge oder so ein schrmppiges Ding von 10 bis 15 Jahren zu leisten vermag. Es gibt da viele Möglichkeiten, die Zeit der Ferien her- umzubringen, sich nicht zu langweilen, sondern sich nützlich zu machen.
Also, man muß auf dem Bauernwagen gesessen haben und auf holprigen Feldwegen durchgeschüttelt worden, sein, muß die Kühe gehütet haben, daß sie sich nicht in des Nachbars Kleeacker verlaufen, muß dabei gewesen sein bei der Ernte und jene große Anstrengungen und Eile miterlebt haben, wenn der Bauer noch drei Fuhren Getreide einbringen wollte.
wahrend im Westen schon die weißen Sturmwolken der drohenden Gewitterwand oorauseilten. Und dann muß man auch einmal allein hinausgeschicki worden sein auf den weit entfernt gelegenen, abgeernteten Acker, mit jenem großen Sammelrechen mit dem die letzten Halme und Aehren zusammengerecht wurden Wie schön war es da, das Feld in schweren Stiefeln auf und ab zu gehen! Wer hätte nicht noch das Rascheln der Halmstoppeln m den Ohren und das Tirilieren der Lerche die dabei Gesellschaft leistet. Und während man fo hin- und her- ging, den Rechen hinter sich Herzog, da kamen immer noch zwei oder drei Garben zusammen, so daß sich's lohnte.
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Das alles erleben nun auch jene 15 Mädchen im Hofgut Hallenburg. Sie erleben noch viel mehr, weil sie den Ablauf bäuerlicher Arbeit über ein ganzes Jahr kennenlernen und so gut erfahren, was Arbeit am deutschen Boden bedeutet. Manchmal mag der Rücken schmerzen, oft werden die Hände schmutzig, morgens heißt es früh aufstehen (um 5 Uhr schon), und der Tag ist lang. Manchem dieser Mädchen kam es in den ersten Wochen sauer an, aber in Gemeinschaft der Gleichgesinnten wurden und werden sie täglich stärker Das gilt nicht nur für die Leistungsfähigkeit, sondern auch für das Körpergewicht. Monatlich werden sie gewogen! Gewichtszunahmen sind an der Tagesordnung! Gewichtszunahmen bis zu 10 Pfund! Die körperliche Arbeit bringt gesunden Appetit mit sich Manche, wenn auch nicht alle, sind sehr geschickt, und gerne erzählt der Inspektor davon, wie z. B eines der Mädchen Getreidefuhren lud wie der erfahrenste Großknecht Die Gutsverwaltung entschloß sich deshalb auch zu einer Sonderbelohnung.
Täglich sind die Mädchen zusammen mit bewährten und treuen Landarbeiterinnen und Landarbeitern, mit Männern und Frauen aus Schlitz, die auf dem Höfgut Dienst tun Die Mädchen verrichten mit ihnen alle Arbeit, für die ihre Körperkraft ausreicht. Sie erhalten den gleichen Stundenlohn' Sie sitzen mit ihnen zur Frühstücks- oder Desperpause am Feldrain zusammen und essen das gleiche kräftige Brot, trinken den mitgebrachten Kaffee. Wer von den Mädchen städtisch-zimperlich gewesen sein solUe, hat das rasch verlernt. Vielmehr: die etwas und selbstverständlich derbere bäuerliche Art färbte bald auf die Mädchen ab, und nachdem nun ein halbes Jahr ihrer Landdienstarbeit um ist, passen sie längst in den Streifen.
Uebrigens ist auch eine junge Italienerin dabei! Maria heißt sie! Und „Du" sagt man zu ihr. Ein kraftvolles Mädchen und nicht häßlich! Sie arbeitet, ißt und schläft mit den jungen deutschen Kameradinnen, die ihr schon die notwendigsten deutschen Worte beigebracht haben. Gerne lacht und scherzt man mit ihr, wenn auch hinüber und herüber meist nur die Hälfte des gesprochenen Wortes verstanden wird. Es gefällt ihr ausgezeichnet in der Schar der blonden jungen ^Deutschen.
Fast täglich fahren die Mädchen hinaus auf das
Feld. Sie taten es während der arbeitsreichen Zeit der Getreideernte, und gegenwärtig sind sie auf den weitläufigen Kartoffeläckern beschäftigt. Wir fanden sie an einem herrlichen Herbsttag hoch über dem Talgrund, als die Sonne in fast sommerlichem Glanze über der Landschaft log. Der Inspektor hatte uns den Weg gewiesen, aber seine Erläuterungen waren bald überflüssig geworden,denn das frohe Lachen der Mädchen klang bis zum Tal und ließ den Weg nicht verfehlen Hoch über der weiten Landschaft waren sie dabei, zusammen mit Frauen und Männern des Hofgutes große Haufen Kartoffeln mit einer einfachen und sinnreich konstruierten Maschine der Größe nach zu sortieren, in Körbe aufzufangen, in Säcke oder gleich auf den Wagen zu schütten.
Und immer wieder schweifte der Blick in das Tal ab, wo das türme« und burgenreiche Schlitz lag, das im Kranz von Feldern und Wäldern sich darbot wie ein romantisches Gemälde. Man möchte zugunsten der Mädchen, die aus Gießen, Wiesbaden, Frankfurt am Main, Hachenburg, Trebur usw stammen, an- nehmen, daß sie diese schöne oberhessische Landschaft nie vergessen werden. Man möchte sie beneiden um diese Jugendeindrücke, um dies Land- schafts-, Volks- und Arbeitserlebnis, das erst dann
noch an Wert gewinnen wird, wenn sie aus größerer zeitlicher Ferne erinnernd darauf zurückblicken können.
Was den Mädchen außerdem diese Zeit des Landdienstjahres, trotz aller manchmal harten und ungewohnten Arbeit, zu einer schönen Erinnerung werden lassen wird, ist die Tatsache, daß sie dank der Bemühungen der Gutsoerwaltung aanz ausgezeichnet untergebracht sind. Die Mädchen leben in einer geschlossenen Tagesgemeinschaft. Sie haben ihr „Zuhause" in einem idyllisch in Gärten gelegenen sauberen Fachwerkhaus, dessen obere Räume ausschließlich für sie ausgestattet sind. Da ist ein schöner Gemein- schafts- und Eßraum eingerichtet, da sind zwei große
luftige Schlafräume mit etwa 15 schneeweiß bezogenen Betten, da ist das Arbeitszimmer der Lagerleiterin mit einer Lesenische usw. Selbstverständlich fehlt auch der Volksempfänger nicht. Frühsport, Moraenwäsche (in dem mit den kippbaren Emaille-Waschschüsseln ausgestatteten Waschraum) und gemeinschaftliches Kaffeetrinken, Bettenbau, Auszug zur Arbeit und Rückkehr zum Mittagessen in dem eigenen Heim, das ist der Vormittag! Und nach reichlichem, gutem Mittagessen geht es trällernd und unter Lachen und Scherzen das kurze Stück Wegs vom Haus zum Gut. Nach der Rückkehr vom Feld, vom Getreideboden ober von der Arbeit in der Scheuer, wohin die Pflicht sie immer rufen mag — nach dem gemeinsamen Abendbrot wird noch eine Stunde in kameradschaftlicher Unterhaltung, beim Lesen oder bei kleiner Handarbeit verbracht, bis dann der allgemeine Aufbruch in die Schlafstuben den Tag beschließt. — Ueberall in den Zimmern stehen große Blumensträuße, bunte Pracht aus der Schloßgärtnerei.
Die Lagerleiterin — übrigens ein Gießener Mädel von netter, fraulicher Art — ist allen eine gute Kameradin. Das geht schon daraus hervor, daß man sich mit Titeln „keine Verzierungen abbricht", vielmehr heißt es, wenn der Lagerleiterin etwas gesagt werden muß: „Sag's doch, Irene!" Irene ist übrigens Ausländsdeutsche aus Deutsch-Ostafrika. In Swakopmund erblickte sie das Licht der Welt. In jugendlichem Alter kam sie nach Gießen und wohnt seitdem hier.
Noch bis April nächsten Jahres bleiben die Mädchen in Schlitz. Dann ist ihr Landdienstjahr um. Wenn sie wieder nach Hause in die gewohnte Umgebung zurückkehren, bann werben sie, gestärkt an Leib unb Seele, anderen Gleichalterigen einiges voraus haben, und sie werden mitreden können, wenn einmal von Landarbeit gesprochen wird, denn sie waren dabei und können es an harten unb kraftvollen Hänben beweisen. N.
Bei ber Frühstückspause im Park bes Hofgutes Hallenour^ öm freunoiid) ausgestaneren Heim. Ruhige abendliche Lesestunde.
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Roman von Kurl Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
7. Fortsetzung (Nachdruck verboten!,
Karola ist heftig aufgesprungen. Nein, sie kann das nicht mehr ertragen! Das ist ja entsetzlich! Asio Irene — Irene war damals schon Meßdorffs Geliebte — Nun ist ihr mit einemmal auch alles klar!
Während er angeblich in Radevormwald saß und für sie und ihre gemeinsame Zukunft arbeitete, benützte er jede Gelegenheit, in Berlin mit jener ihr unbekannten Irene zusammenzujein, seine neuen Fäden heimlich zu knüpfen, ohne daß sie eine Ahnung hatte Sie war damals noch notig für Herrn Dr. Meßdorffs Pläne — er brauchte ja die Erfindung und mußte deshalb die Herrm des Wer- fes xu seiner Verfügung haben, mußte ihr schöne Briefe nach Dresden schreiben und ihr den Glauben lassen, er habe sie allein lieb. Als es dann entschieden war — da konnte er einfach lächelnd mitteilen, daß er gedenke, eine gewisse Irene Didriksen zu heiraten und damit in die „Union AG überzu- wechseln •
Unb sie saß friedlich in Dresden bei ihrer Musik hatte geglaubt, sie bedeute Herrn Meßdorff alles —!
Närrin, die sie war! Nun schleppte sie ein Leben lang bas Bewußtsein mit sich herum, Karajans Erfindung mit gestohlen zu haben
..Fräulein Karola — ich habe ja gleich gesagt Sie sind nicht ganz auf dem Posten heute — lassen Sie uns gehen!"
Besorgt legt Karajan seinen Arm um ihre Schulter.
Ein Schauer läuft ihr über die Haut, als sie seine Mabe spürt. Es muß gut sein, so in diesem Arm geborgen zu liegen — geborgen für immer!
"Sehen Sie! Nun beginnt auch der Schüttelfrost! Kommen Sie! Ich bringe Sie sicher nach Hause!"
Langsam dreht sie sich herum zu ihm. Er blickt in ein tränenüberströmtes Gesicht
„Aber Karola — liebe Karola — Sie meinen ja? Warum denn nur?"
„Ja, Karajan, ich meine. Nehmen Sie an, ich meine über ein vertanes Leben "
„Kleine Karola —!" Er streicht ihr leise übers Haar unb denkt: Wie sehr empfindsam sie doch ist? Weinen über mein vertanes Leben! Ach nein, Karola, ganz vertan ist es noch nicht! Noch kann alles gut roerben! Du weißt noch nicht alles! —
„Karola, könnten Sie sich entschließen — biesem vertanen Leben einen neuen Inhalt zu geben?"
Sie blickt ihn mit entsetzten Augen an.
„Was so bas heißen? Wie kann ich — Ihrem Leben etwas bebeuten?"
„Das soll heißen: Ich stehe vor einem neuen Auftrag. Das gelbe Kuvert, bas Sie so sorgfältig neben mein Krankenbett legten, enthält bie Pläne, die fertigen Klänge einer neuen Erfinbung Ich habe meine Zeit brüben jenseits ber Grenze gut benutzt. Aber ich wollte nicht, baß ein anberes Land die Vorteile genießt, die meinem Vaterland zukommen. Drum stahl ich mich übet die Grenze, weil man mich freiwillig nie herausgelassen hätte Das ist ber einzige Grunb für mein fonberbares Verhalten Daß mich eine Zöllnerkugel erwischte, war nicht in Rechnung gesetzt Diese Erfinbung wirb meine ganze Kraft beanspruchen — so sehr, baß ich einen Menschen brauche, bei bem ich mir neue boten kann — Karola —!"
„Ja —?" haucht sie schwach — unb weiß, daß es nun keinen Widerstand mehr gibt, daß sie jetzt nur noch ja sagen kann unb in seinen Arm flüchten, ganz gleich, was einmal daraus werben soll.
.Larola, glaubst bu baran, baß es mir gelingen wirb, uns ein neues Leben aufzubauen?"
„Ja — es roirb bir gelingen —
„Willst bu mir dabei Helsen?"
In ihren Augen schimmern Tränen und die harten Konturen feines Antlitzes werden weich in ihrem Blick. Nun kann er in ihrem Antlitz lesen wie in einem Buch, und Augen und Wangen unb bebenbe Lippen singen ihm nur eine einzige Melobie:
,^Jch will — ich will — ich hab dich lieb!"
Er sieht bas schmale, braune Gesicht — bie Hellen blonben Haare barüber — sie glänzen wie Dünensand, auf den die abendliche Sommersonne scheint — die kleine Falte über der Nasenwurzel — groß und hingegeben die Augen, die jede Linie seines
Geficktes zu erforschen suchen — die Hände, fest und doch schlank, gute feste Mädchenhände, hält sie über der Brust gekreuzt — es ist alles gesund an ihr und doch nichts plump und derb —
„Wie ich dich liebe —" flüsterte er, „wie ich dich liebe." Und sie schließt die Augen und fühlt ihre Knie schwach werden, als er sie küßt
„Dereingte Chemische Werke, vom. E. A. Batten- feldt" steht auf dem kleinen Glasschild, das in ber Mitte schon einen zaghaften Sprung zeigt. Ader der Besucher wird das übersehen, denn dieser kleine Schönheitsfehler ist bereits Tradition. Er stammt aus der gleichen Zeit, in der der alte Ernst Alfred Battenfelbt hier drei kleine Firmen zu einer großen vereinigte unb sich sagte: „Nun werbe ich einmal bie Welt nach Herzenslust mit allem, was nach Chemie riecht, beliefern!"
Er hat seinen Vorsatz auch ausgeführt, ber alte Battenfelbt. Unb weil er eine gute Nase besaß unb überbies bie Zeit bamals bie beutsche Jnbustrie auf einen hohen Berg trug, ba gelang es ihm auch. Die kleine Firma mit bem langen Namen gab in Rabevormwalb über zweihunbert Menschen Arbeit unb Brot
Durch bie ersten Knegsjahre steuerte ber alte Battenfelbt noch bas Schiff ber Firma, unb es war ganz natürlich, baß sein Sohn ber Nachfolger seines Vaters sein sollte Er kehrte von einem nächtlichen Patrouillengang in Rußlanb nicht mehr zurück. Der alte Battenfelbt nahm sich diese Nachricht so zu Herzen, daß er das Ende des Krieges nicht mehr abwartete, unb bie einzige Tochter würbe bie alleinige Erbin.
öie hatte in ihrem Leben nicht viel Glück gehabt. Um ihre Erziehung kümmerten sich fast nur frembe Leute, ihre Heirat mit Felix Westner, einem bekannten Klaviervirtuosen, würbe allgemein mißbilligt, aber nicht verhinbert. Nach ber Geburt ber einzigen Tochter Karola packte ben Künstler bie Schwinbsucht unb ließ ihn nicht wieder los. Zwei Jahre nach seinem Tobe heiratete bie Witwe von neuem, einen Professor Paarmann, ber die Geschäfte in Radevormwald nicht ohne Geschick leitete. Aber auch er starb vor feiner Frau, zur gleichen Zeit etwa, als Karajans Prozeß zugunsten des Werkes entschieden wurde. Als bann auch bie Mutter starb, stand Karola ganz allein.
Aber ba aus bem kleinen, vergessenen Mäbel nun im Laufe ber Jahrzehnte ein großes, erwachsenes geworben war, so antwortete es auf bie bange Frage seiner Verwanbten „Was soll benn nur aus bem Geschäft werben?" mit größter Selbstoerstänb- lichkeit: „Das werbe ich nun allein übernehmen! Schließlich ist's ja mein Erbe."
Man schlug bie Hände über bem Kopf zusammen: „So jung! So unerfahren! Keinerlei Kenntnis bes Geschäftslebens! Unb bie schlechten Zeiten! Außer- bem schickt sich bas nicht! Dahin gehört ein Mann. Die Karola soll heiraten! Ober Onkel Theobor soll die Leitung —*
„Nichts da!" hatte Karola gesagt „Ich bin mündig. Ich kann tun, was ich will, nicht was ihr denkt. Ich werde die Sache gleich klarstellen! In meiner Fabrik werde ich regieren, ganz allein! Hägebarth hat als Lehrling noch bei Großvater angefangen. Auf den verlasse ich mich — und einen tüchtigen Betriebsleiter habe ich ja in Doktor Meßdorfs. Wahrscheinlich werden wir bald heiraten. Auf keinen Fall aber nehme ich den Mann, den Tante Cilly für mich bereits in Erwägung gezogen hat.
Der Vorschlag, Onkel Theodor ins Geschäft zu nehmen, widerspricht allen menschlichen Erfahrungen Geld verdirbt bie beste Freundschaft und viel mehr natürlich noch bie Derwanbtschaft. Man müßte versuchen, einen gutbezahlten Posten für ihn bei irgenbeiner Firma ausfinbig zu machen, benn ich sehe ein, baß bu, Tante Finny, mit beinern knappen Wirtschaftsgelb kaum beine brei jährlichen Badereisen finanzieren kannst. Ich bin ja kein Direktor, sonbern nur ber Besitzer, ich fahre barum auch nur zur Tante Therese, aber bei dir ist das natürlich etwas anderes.
Und nun lade ich euch herzlich ein, bei der kleinen, stillen Feier, die ich aus Anlaß meines Eintritts ins Geschäft gebe, meine Gäste zu sein!"
Das war die längste, aber auch bie wirksamste Rebe, die Karola je gehalten hat. Seit dieser Zeit arbeitet sie in ihrer Fabrik, und wenn Hägebarth sagt, daß er sehr zufrieden sei mit seinem Chef, dann ist etwas daran; er läßt sonst selten einen guten Faden an einem Menschen, mit Ausnahme von Tante Therese. Die Verwandten erinnern sich Karolas jetzt nur zu Weihnachten unb zu Neujahr,
(Fortsetzung foljt!)


