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Ur. 2(5 Erstes Blatt

(88. Jahrgang

Mittwoch, (4. September (958

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Henlein entbindet die sudetendeutsche Delegation von ihrem Auftrag.

Voraussetzungen für Fortsetzung der Verhandlungen nicht mehr gegeben". Henleins Forderung auf Aufhebung des Standrechts und Zurückziehung des Militärs nicht erfüllt.

Die Sudetendeutschen vogelfrei unter tschechischem Terror.

Zahlreiche Todesopfer wilder Lchietzereien tschechischer Polizei.

Eger, 13. Sept. (DNB.) Wie im gesamtsudeten­deutschen Gebiet, so wurde auch in der rein deutschen Stadt Eger die Rede des Führers von vielen tau­send Menschen auf der Straße in voller Ruhe ange­hört. Nach Schluß der Rede zog ein viele tausend Personen umfassender Demonstrationszug durch die Stadt mit dem Ruf:W i r wollen Volksabstimmung! Gebtuns frei!" Aus dem sozialdemokratischen Volkshaus wurde, als der Zug noch etwa 100 Meter entfernt war, eine Reihe von Schüssen auf den Zug abgegeben, die glücklicherweise nicht trafen. Die empörte Menge schlug daraufhin am Haus der Marxisten die Fenster ein.^Nach Mitternacht zerstreute sich die Menschen­menge.

Am Dienstag früh war ganz Eger mit hakenkreuzfahnen beflaggt. Als kurz vor 8 Uhr die Arbeiter in die Betriebe fluteten und sich große Mengen von Schulkindern auf dem Schulwege befanden, wurden plötzlich am Marktplatz, wo gerade Jahrmarkt abgehalten wird, von mehreren Staatspolizi- ft e n ohne jeden Grund eine Reihe von S ch ü f - - f e n in die Menschenmenge abgegeben. Dabei wurde der 40jährige verheiratete Haus­meister Miklas G i b n e r durch einen Kopfschuß getötet. Sechs andere völlig unbeteiligte Straßenpassanten erlitte schwere Verletzungen. Der augenblicklich in Eger weilende Mitarbeiter Lord Runcimans, Major Sutton-Pratt, hatte selbst Gelegenheit, sich von der Disziplin der Massen zu überzeugen, die ihm eine begeisterte Kundgebung gebracht hatten. Major Sutton-Pratt hatte bei dieser Gelegenheit erklärt:Ich habe mit großem Interesse die Vorfälle im sudetendeutschen Gebiet beobachtet. Ich bin davon überzeugt, daß den Sudetendeutschen ihrRechtwerden muß." Auf Grund der Feuer­überfälle der tschechischen Staa spolizei begab sich Major Sutton-Pratt sofort zum Ringplatz. Er besichtigte die Leiche des erschossenen Glbner. Ebenso besuchte er die Verletzten.

3n Eger wurden als Protest gegen den neuen Terrorüberfall der tschechischen Blutscher­gen sofort sämtliche Geschäfte und Schulen geschlossen. Um 9 Uhr wurde die Stadt von tschechischem Militär mit Ma­schinengewehren beseht. Die Bevölkerung wagt sich nicht auf die Straßen. Sämtliche Stadtaus­gänge sind g e s p e r r t. Der Zugverkehr ist fast völlig eingestellt. Auch die Post- und Tele­phonverbindungen sind völlig unterbrochen, so daß jeder Gerüchtebildung Tor und Tür ge­öffnet sind. Panzerwagen durchfahren in rasendem Tempo die Straßen und schießen blindlings in d i e Gegend.

Auf der Straße Wassersuppen Rei- nelmühle begegneten Angehörige der sichetem deutschen Ortsgruppen, die mit Kraftwagen nach Hause fuhren, einigen tschechischen Gendarmen und drei Finanzwachleuten. Ohne irgendeinen Grund gaben die Finanzwachleute auf die Sudetendeutschen mehrere Schüsse ab, durch die der Partei- angehörige Josef Var tödlich verletz t wurde. Var ist 32 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Als der Ronsperger Bezirksleiter Stange die Prä­ger Behörde von dieser neuen feigen Mordtat tele­phonisch verständigen wollte, wurde ihm der Anruf von Gendarmen, die das Postgebäude besetzt hatten, verdatens!). In Pür stein an *t>er Eger hatte stch die Bevölkerung friedlich,zu einer Kundgebung ver­sammelt, als aus Kaaden plötzlich mit Kraftwagen tschechische Gendarmen erschienen, die blindlings in die Menge schossen. Dabei wurde das Mitglied der SDP., Rudolf Klein, g e - tötef.

3n lad) au sammelte sich eine Menschen­menge an, die eine Kundgebung für das Selb st verwaltungsrecht veranstaltete. Als bald darauf Militär im Stahlhelm mit entsichertem Gewehr erschien, ge­riet die Bevölkerung in große Erregung und verlangte den Abzug der Solda­ten. Daraufhin besetzte eine starke Militär­patrouille das Tor der Bezirksbehörde und ver­weigerte einer Deputation von Sudetendeut­schen den Zutritt zu der Bezirksbehörde. Mild mit ihren Waffen herumfuchtelnd, setzten die Soldaten den Mitgliedern der Abordnung d i e Bajonette a u f die Brust, doch drängte stch dessenungeachtet die Abordnung schließlich durch die Bajonette hindurch. 3n diesem Augen­blick verlor die tschechische Soldateska den letzten Rest von Verstand und schlug mit Bajo­

netten und Kolben auf die Abord­nung ein, schließlich schoß sie sinnlos in die Menge. Ohne im geringsten auf den Gegenbefehl eines Kommissars der Staatspolizei zu achten, schoß die entmenschte Soldateska auch dann noch weiter, als die Menge den Platz be­reits in vollkommener Ruhe geräumt hatte.

2l ch t Sudetendeutsche waren die Opfer dieser sinnlosen und feigen Schießerei, von denen einet tot und sieben schwerverletzt in ihrem Blute auf dem Platz liegen blieben.

In R o n s p e r g , wo am Dienstag ein Sudeten­deutscher von Gendarmen feige niedergeschossen wurde, hält Gendarmerie und Militär die Straßen und Plätze besetzt. Berittenes Militär patrouilliert durch die Straßen. Die Gendarmerie ist in ständi­gem hin und her begriffen. In Autobussen wird sie immer wieder nach irgendeiner anderen Gegend ver­frachtet. Ebenso ist in Karlsbad zahlreiche Po­lizei, Gendarmerie und Militär zusammengezogen. Der Aufenthalt in den Straßen nach 21 Uhr ist "nur Personen gestattet, die im Besitz eines von der Po­lizei ausgestellten Passagierscheines sind. Die Be­völkerung ist über diese Maßnahmen mit Recht

außerordentlich erregt. In Tep-l durchfuhren tsche­chische Panzerwagen die Stadt und schossen auf die aus den Fenstern hängenden Hakenkreuzfah­nen. Wie durch ein Wunder wurde bei dieser sinn­losen Schießerei niemand verletzt. Auch in Alt­wasser bei ^Marienbad durchrasten Militärkraft­wagen, wild um sich schießend, die Straßen.

3n Habersbirk bei Falkenau an der Eger hat die tschechische Gendarmerie das Feuer auf die Bevölkerung eröffnet. Drei Todes­opfer und zahlreiche Schwerverletzte find' die grausige Bilanz des hussitischen Blutrausches, hinzu kommt noch ein weiterer Toter im benachbarten Haselbach, wo tschechische F i - nanzbeamte einen Kraftwagen mit Ange­hörigen der SDP. beschossen, ohne den Ver­such gemacht zu haben, ihn anzuhalten. Bezeich­nend für denHeldenmut" der tschechischen Zöll­ner ist es, daß die übrigen 3nsassen des Wa­gens, die auf das freie Feld geflüchtet, waren, um Deckung zu gewinnen, noch eine halbe Stunde von den Tschechen beschossen wurden, bis sie sich in den Ort retten konnten.

Henlein fordert Herstellung normaler Zustande.

Anordnung binnen sechs Stunden verlangt.

Prag verhängt das Standrecht.

Prag, 13. Sept. (DRB.) Das Tschecho-Slowa­kische Preßbüro gibt bekannt:3n einigen Bezirken kam es heute nacht zu bedauernswerten Gewalt­tätigkeiten und Zusammenstößen mit Sicherheitsorganen. 3nfolgedessen hat die Regierung beschlossen, in allen Gebieten, in denen die öffent­liche Ordnung und Ruhe gestört wird, das Stand- recht zu proklamieren. Zu derartigen Maßnahmen ist einstweilen in den Bezirken Eger, Reudeck, Preß- nih, Ellbogen und Kaaden gegriffen worden. Die Regierung fordert die gesamte Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Sicherheitsorgane reichen zur Aufrecht­erhaltung der gesetzlichen Ruhe vollkommen aus."

3n den Mittagsstunden wurden noch die Bezirke Karlsbad, Falkenau und Krumau einbezogen. Auf Grund eines Regierungsbeschlusses sind im ganzen Staatsbereich sämtliche Versamm­lungen politischen und unpolitischen Charakters sowie Umzüge und ähnliche Veranstaltungen verboten worden.

DEUTSCHES REICH

e PI AUEN

ELB06EN

F6ER

KAADEN

NEUDEK

Ueber acht sudetendeutsche Bezirke wurde von der Ptager Regierung das Standrecht verhängt.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Henleins Forderung.

Prag, 13. Sept. (DRB.) Die Hauptstelle der Sudetendeutschen Partei in Eger teilt mit: 3n einer heute in Eger ftattgefunbenen gemeinsamen Sitzung prüfte der Politische Ausschuß und die Verhandlungsdelegation der SDP. die durch die Zwischenfälle des gestrigen und heutigen Tages und die Maßnahmen der Re­gierung geschaffene politische Lage. Die Ver- Handlungsdelegation der Sudetendeutschen Partei verwies hierbei darauf, daß seit Februar 1938 der tschecho-slowakische Ministerpräsident wiederholt er­klärt hat, daß die Regierung nichts von Bedeutung ohne vorhergehendes Einvernehmen mit der SDP. unternehmen werde. Obwohl vier Delegationsmitglieder heute bis 10.30 Uhr in Prag weilten und sogar in telephonischer Vertun- düng mit dem Ministerratpräsidium standen, hat die Regierung ohne Fühlungnahme mit der Führung der SDP. außerordentlich weit­gehende Maßnahmen ungeordnet und durch­geführt. Sie legte verstärkte Gendarmerie und Militärabteilungen in deutsche Bezirke, verhängte über große deutsche Gebiete

durch den Rundfunk das Standrecht. Rach durchgeführter Beratung richtete der Stellvertreter Konrad Henleins, Abgeordneter Karl Hermann Frank, an den Ministerpräsidenten Dr. hodza folgende Forderung Konrad Hen­leins :

Die Führung der Sudetendeutschen Partei stellt fest, daß eine große Zahl Sudetendeutscher durch Staatsorgane und tschechische Grenzler getötet und verletzt worden ist. Bei dieser Lage sieht sich die Führung der SDP. außerstande, frei und unbeeinflußt über Recht und Schicksal des Sudetendeutschtums mit bet Re­gierung z u verhandeln, wenn die Re­gierung nicht folgende Maßnahmen trifft:

1. Die Erklärung des Standrechts wird sofort zurückgenommen;

2, Aus allen Bezirken mit deutscher Vevöl- kerungsrnehrheit wird die Staatspolizei zurückgezogen. Die Ausübung der Polizei­gewalt wird den Bürgermeistern und Ge­meindevorstehern übertragen, die auch für die Einrichtung der entsprechenden Ersatzorgane für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen haben;

3. Die Gendarmerie und alle übrigen Organe der SOS. sind auf ihre normalen Funktionen und ihren normalen Stand zu beschränken. Sie haben gleichzeitig mit der Zu­rückziehung der Staatspolizei das Einvernehmen mit den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern herzustellen, um weiteres Blutvergießen zu ver­meiden;

4. Sämtliche militärischen Formatio­nen sind in ihren Ubikationen und in rein mili­tärischen Objekten zu kasernieren. Sie sind von der Zivilbevölkerung fernzu­halten.

Falls diese Forderungen des SLidetendeutschtums zur Herstellung eines normalen Zustandes, unter dem allein verhandelt werden kann, nicht binnen sechs Stunden angenommen, angeordnet, veröffentlicht und insbeson­dere durch den Rundfunk verbreitet werden, lehnt die Führung der Sudetendeutschen Partei jede Ver­antwortung für die weitere Entwicklung ab.

Forderungen bleiben unerfüllt.

Berhandlungsdelegation ihres Auftrags entbunden.

A f ch, 14. Sept. (DRB.) Konrad Henlein hat am Dienstag mit der Verhandlungsdelegation d i e Lage geprüft. Es wurde feftgesiellt, daß mit Rücksicht auf die Vorfälle der letzten 48 Stun­den, und da die Forderungen, die die SDP. stellte, nicht erfüllt wurden, die Voraussetzun­gen für eine weitere Fortführung der Verhandlungen im Sinne des bisherigen Auftrages nicht mehr gegeben feien. Konrad Henlein hat deshalb die Delegation ihres Auf­trages entbunden und den Abgeordneten Kundt, Abg. Dr. Peters, Abg. Dr. Rosche, Dr. Sebe- kovsky und Dr. Schicketanz für ihre aufopferungs­volle Tätigkeit gedankt.

Verdrehung der Wahrheit.

Von unserer Berliner Schristleiiung.

Ueberblickt man die Spalten der Auslandspresse, soweit sie die Rede des Führers zum Thema haben, jo sieht man viel ungereimtes Zeug und entdeckt nur wenige vernünftige Gedankengänge. Aber eine Feststellung gibt es, die in mehr oder weniger ab= gewandelter Form in fast allen Blättern wieder- kehrt: daß es ttämlich recht und billig sei, wenn nunmehr die Sudetendeutschen über ihr. Schick - fal selbst bestimmen sollten. Es wäre ja auch in der Tat eine der größten Tragikomödien der Weltgeschichte, wenn jene demokratischen Mächte, die angeblich für das Selbstbestimmungsrecht der Völker einst in den Krieg zogen und unter diesem Vorwand namenloses Leib über die Menschheit brachten, heute sich der Verwirklichung dieses Grundsatzes in der Tschecho-Slowakei gewalttätig widersetzen wollten. Kein Mensch und am- wenig­sten das nationalsozialistische Deutschland nimmt Anstoß daran, daß zahlenmäßig so kleine Völker wie etwa die Dänen, die Norweger,, die Litauer, die Letten, die Esten usw., die allesamt nicht die Stärke und Volkszahl der Sudetendeutschen errei­chen, einen eigenen Staat bilden. Um so weniger aber kann es geduldet werden, daß man dem hoch­kultivierten und politisch gereiften deutschen Bevöl­kerungsteil im tschechischen Willkürstaat dieses Recht noch weiter verweigern will. Wer unter den Aus­landspolitikern und demokratischen Staatsmännern das nicht einsehen will, der macht sich nicht nur lächerlich in den Augen der Welt, sondern auch mitschuldig an dem Blut, das Tag für Tag in Böh­men vergossen wird und das wohl nach dem Willen des tschechischen Pöbels solange fließen soll, bis das Deutschtum in diesem Lande ausgerottet ist.

Freilich genügt es auch nicht", das Prinzip der Selbstbestimmung mit wohlgesetzten Worten als bloßdemokratisch und erörterungsfähig" hinzustel­len, wie es die LondonerTime s" tut, sondern es muß nun endlich nach diesem Prinzip auch gehan­delt werden. Akademische Erörterungen sind zwei Jahrzehnte lang ohiw den geringsten Erfolg ge­pflogen worden, was allerdings dieTimes" als Wortführerin derernstzunehmenden" Demokraten- presse anscheinend gern bestreiten möchte. Dieses Blatf hat sich nämlich erlaubt, die Feststellung des Führers, daß 3,5 Millionen Deutsche von 7"Mil­lionen Tschechen gequält und unterdrückt werden, als eineabsurde Perversion der Wahrheit" zu be­zeichnen und darüber hinaus zu behaupten, der Führer habe sich die an den Haaren herbeigezoge- nen Beschwerden der deutschen Presse wegen der Unterdrückung der Sudetendeutschen zu eigen ge­macht. In der Tat, eine Perversion, eine Umkeh­rung der Wahrheit liegt hier vor. Aber diese Geschichtsfälschung ist nicht von deutscher Seite, son­dern von derTimes" versucht worden. Hat dieses Blatt, das über eigene Berichterstatter in allen Län­dern der Erde, über ein ausgezeichnetes Archiv und über ein umfassendes politisches Wissen verfügt, noch nie davon gehört, daß die sudetendeutschen Bauern zu Zehntausenden von ihrem angestammten Hof verjagt, daß die sudetendeutschen Beamten und Angestellten zu Zehntausenden aus den öffent­lichen Aemtern vertrieben, daß die sudeten­deutschen Kinder zu Zehntausenden aus ihren Schulen entfernt und mit Gewalt in die tschechischen Lehranstalten überführt wurden? Weiß dieTimes" nicht, daß hunderte Sudetendeutsche seit 1918 ermordet und ungezählte Tausende verwundet oder grundlos eingekerkert wurden? Ist es derTimes" nicht bekannt, daß im sudetendeut- fcfjen Gebiet die höchste Selbstmordziffer Europas amtlich festgestellt wurde, daß die Prager Regierung planmäßig das wirtschaftliche Leben in diesem Lande vernichtete und so eine Arbeitslosen-Armee fchuf, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr als doppelt so hoch war und ist als die Arbeitslosen- Ziffer in den tschechischen Gebieten?

Nein,, wir können nicht annehmen, daß die Times" um den zwanzigjährigen Ausrottungs- und Ausplünderungsfeldzug der Tschechen gegen das Sudetendeutschtum nicht Bescheid wüßte. "Es ist vielmehr eine bewußteUmkehrung der Wahr- heit" gewesen, wenn dieTimes" ihre Leser glauben machen wollte, die Beschwerden her deutschen Presse seien an den Haaren herbeigezogen und die Su­detendeutschen niemals unterdrückt worden. Daß wir in diesem Falle das erste Blatt Londons in den Kreis der Hetzorgane stellen müssen, ist schmerzlich, aber man soll sich jenseits des Kanals nicht der trügerischen Hoffnung hingeben, als ob wir wie 1914 der Vergiftung der Weltmeinung tatenlos Zusehen würden. Im übrigen brauchen wir uns wohl mit geschichtlichen Erinnerungen an die Schreckensherr­schaft der Tschechen nicht aufzuhalten. Die G e - genwart felbft straft dieTimes" Lügen. Denn im gleichen Augenblick, da man in der Lon­doner Redaktion die Sanftmut und den Versöh- nungswillen der Tschechen rühmte, tobte sich die Mordwut der tschechischen Banditen erneut an der wehrlosen sudetendeutschen Bevölkerung aus, ver- hing die Prager Regierung das Standrecht über die sudetendeutschen Bezirke und verbot ausnahms­los alle Versammlungen. Ist das keine Bedrückung? Die Toten von Aussig, Eger und Taschau klagen an, ihre Stimme wird das Gewissen der Welt auf­rütteln, auch wenn es den Zeitungsschreibern in London nicht paßt.

Daß die vernichtende Abrechnung, die der Führer mit den Tschechen vornahm, den Prager Macht­habern auf die Nerven gefallen ist, können wir uns wohl vorstellen. Auch erwarteten wir nicht, daß die Prager Regierung sofort eine totale Schwenkung ihrer Politik vornehmen und den Sudetendeutschen mit liebenswürdigen Worten ein fertiges Autono­miestatut überreichen würde. Aber wir glaubten