m. 280 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dezember (038
Mutierfchoß der deutschen Kunst.
Zur Eröffnung der Zweiten Architektur- und Kunsthandwerk-Ausstettung in München.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
München, Dezember 1938.
Hoch in den Himmel hinein schlägt das Licht, das gigenwärtig das Haus der Deutschen Kun st in München Tag und Nacht erhellt. Bis in die Gast- riume hinein hört man von fern das Klopfen, Sägen unb Hämmern: die Vorbereitungen für die Z w e i t e Deutsche Architektur - und Kunsthand- we r k a u s st e l l u n g, die am 10. Dezember eröffnet wird, sind in vollem Gange. Immer wieder rollen die Lastfuhrwerke reihenweise heran, die ihre schwankende Last, gewaltige Modelle künftiger Großbauten oder Teilstücke davon, die erst im Hause zusammengesetzt werden, abladen.
Was wird in der neuen Ausstellung zu sehen sein? Noch ist ihr Inhalt vom Dunkel des strengsten Ge- hümnisses umhüllt: selbst Vermutungen haben noch nicht in die Oeffentlichkeit dringen können. Solange nur das eine Hous zu Gebote steht, werden darin zvei Ausstellungen einander ablösen: im Sommer njirb Malerei und Plastik, im Winter Architektur unb Kunsthandwerk gezeigt. Diese beiden Ausstel- lmge naher, die auf den ersten Blick wie parallel «richtete Unternehmungen erscheinen könnten, sind in Wahrheit ganz verschieden gerichtet Während der Amsttempel im Sommer die Saat empfängt, die als bester Ertrag des neuen Schaffensjahres deutfch- stcmmiger Künstler gewertet wird, streut er im Winter die Ideen aus, die in künftigen Jahren als Rohbauten der Partei und ihrer Gliederungen, des Staates, der Wehrmacht und drr L ä n d e r in Deutschland aufwachsen sollen. Das
Haus an der Prinzregentenstraße ist vom Führer zum ,Haus der Deutschen Kunst" erhoben worden, und das ist kein leeres Wort: nichts wird in Deutschland Kunst des Staatswillens heißen, was nicht durch dieses Haus ging. Es ist der Mutterschoß der deutschen Kunst.
Als die erste Architektur- und Kunsthandwerkausstellung eröffnet wurde, gab es noch kein Großdeutschland. Weder Oesterreich noch Sudetenland gehörten zu uns. Während noch über die gefallenen Grenzen hinweg das überwältigende Bekenntnis der heimgekehrten Volksgenossen in unsrer Erinnerung nachklingt, öffnen sich die Tore des Hauses der Deutschen Kunst, und eine neue Ausstellung zeigt uns, was der Führer im ungeheuren Raum des erweiterten Reiches an künftigen Großbauten plant. Diese Tatsache allein verleiht der Zweiten Deutschen Architektur- und Kunsthandwerkousstellung eine Bedeutung, die sie weit über das Tagesgeschehen hinaushebt und von allen bisherigen Ausstellungen unterscheidet
Die meisten der Großbauten, welche die vorige Ausstellung dem Besucher im Modell darbot, sind inzwischen entweder längst in Angriff genommen, im Werden begriffen oder gar schon fertiggestellt. Berlin, München, Nürnberg und die vielen anderen Städte, die heute der heiße Atem des großen Aufbauwerkes durchweht, die Ord-msburgen. die Reichsautobahnen und ihre Angebäude, die Brücken und Türme, die gigantische Elbbrücke in Hamburg, die KdF.-Bäder an der Ostsee und am Chiemsee .es ist nicht auf
zuzählen, was da alles in der Erinnerung auftaucht. Und indessen alle diese Bauten das Antlitz Deutschlands veränderten, wuchs schon ein neues Reich, Großdeutschland heraus, und auch die heimgekehrten Lande werden nun von dem rastlos unermüdlichen Aufbauwillen erfaßt. Die Frage nach dem, was die Ausstellung an neuen Plänen und Vorhaben zeigen wird, ist daher bei allen, welche die verhängten Modelle in das Haus der Deutschen Kunst tragen sehen, brennend.
Noch eins aber ist beim Vergleich mit der vorigen Ausstellung zu erwähnen. Die bevorstehende Ausstellung wird sechs Wochen früher als jene eröffnet (die erst im Januar begann) und zwei Wochen vor Weihnachten. Darin bekundet sich der Wunsch und Wille, denjenigen Teil der Ausstellung, ber dem Kun st Handwerk gewidmet ist, den Bedürfnissen des Festes anzunähern. Wie mancher Freund aus der Ferne, der norm ober zum Weihnachtsfest nach München kommt, wirb sich freuen, ein ebles Stück beutschen Kunsthanbwerks erwerben zu können, bas ihn ober Beschenkte an bie Reise zur Hauptstabt ber Bewegung erinnert’ Was aber bas Beste baran ist: bie Absicht, irgenbeine Kleinigkeit zu erwerben, wirb manchen in bas Haus an ber Prinzregentenstraße locken, ber sonst vielleicht noch keine Ausstellung biefer Art besucht hat — unb er wirb meh^ mit3 nehmen, als bas kleine Angebinbe Er wirb mit- nehmen bas große Staunen, bie große Bewunberung vor bem Aufbauwerk ber neuen Zeit
Dr H. A. Thies.
Heute: Eröffnung des Deutschen Ledermuseums.
Für die Stadt Offenbach ist der heutige. Samstag | tin großer Tag. Die Stadt der deutschen Lederindustrie kann in festlicher Form die E i n • oeihung des Deutschen Leder-Mu- ! |e u m s begehen, bas durch Gauleiter Reichsstatt- bolter Sprenger seiner Bestimmung übergeben wirb. Das Museum selbst, in ber Frankfurter Straße
Ein prächtiger ungarischer Hirtenmantel
gelegen, ein repräsentadler Bau von stattlichem Ausmaß, bietet sich im schönsten Festkleid bar. Die riraße selbst ist mit Fahnen geschmückt, bie gärtne- nld)e Anlage vor bem Museum prangt in schmuckem ®rün, bie Front bes Hauses ist auf sehr geschmack- ödle Art mit golbenen Lorbeerzweigen unb frischem ®rün geschmückt worben
Aus Anlaß dieser Einweihung wurde am gestrigen Freitag der Presse bes Rhein-Maingebiets Gelegenheit gegeben, bas Museum, bas in seiner Art einzigartig unb einmalig in ber Welt bezeichnet Mtrben bart kennenzulernen. Im schönen Fest- und Jhrtragsjaal des Museums hieß ber Oberbürger- Mter ber Stabt Offenbach die Gäste herzlich will- [ommen unb zeichnete in kurzen Zügen ein Bilb ber «abt Offenbach nach ihrer wirtschaftlichen unb kul- lurellen Struktur.
Anfchließenb sprach ber Schöpfer bes Museums, i btr Direktor bes Kunstgewerbeschule in Offenbach, Fof Dr -Jng e h Hugo Eberharbt über bie ,i lkutwicklungsgeschichte bes Museums, unb er tat es in so launiger Weise, daß sich bie Zuhörer nicht nur l| bereichert, sondern auch gut unterhalten fühlten Er II schilderte, wie ihn die Entdeckung einer herrlichen
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Das neue repräfentable Haus des Deutschen Ledermuseums in Offenbach.
alten Lederarbeit in Italien dazu angeregt habe, solche kulturhistorisch wertvolle Dinge auf bem Gebiete ber Leberbearbeitung zusammenzutragen In Offenbach, ber Stabt ber ßeberinbuftrie, bie zu vier Fünfteln den Qualitätsleberwarenbebarf ber Welt Mtreite, habe ber Gebanke an ein Lebermuseum alles Derstänbnis gefunben Er habe in ber Folge manche tatkräftige Förderung erfahren, insbesonbere burch Gelbmittel, burch bie unb burch manches eigene persönliche Opfer es ihm möglich geworben fei, viele Ankäufe zu tätigen. Er habe mit Leidenschaft gesammelt unb halb eine stattliche Fülle von Dingen Zusammentragen können Das Museum fei im Marz 1917 gegrünbet worben unb bamals in ber Kunstgewerbeschule untergebracht gewesen. 1922 sei bann bas Museum in eine Villa übergesiebelt. Im Herbst 1936 sei burch ben Oberbürgermeister der Stadt das ehemals zu Messe-Zwecken erbaute Lagerhaus ber Sache zur Verfüguna gestellt worben Bis bahm habe es manches Bittganges bedurft In ben Jahren nach ber Machtergreifung durch den Führer sei dies anbers geworden Partei, Staat und Stadt wie auch die Wirtschaft, sei durch erhebliche G.eldzuwendungen .in..großzügiger Weise für die edle Sache eingetreten Der Führer Adolf Hitler selbst habe durch großzügige Zuwendungen den Ausbau des Asten Lagerhauses zu seiner jetzigen Form ermöglicht Weitere tatkräftige Unterstützung sei dem Museum durch Reichsorganisations- leiter Dr L e y und durch ben Gauleiter unb Reichs- statthalter Snrenger zuteil geworben. Der Schöpfer des Museums wies bann auf bie günstige Lage bes Hauses hin, bas inmitten ber lederverar- beitenben Betriebe lieae unb — baburch sicher jcben ausländischen Aufkäufer veranlassen werbe, bei seinen geschäftlichen Besuchen in ber Stadt auch bas Museum zu betuchen unb zu roürbiacn Darüber hinaus unb vor allen D ngen sei bas Museum auch für ben Offenbacher Leberarbeiter geschaffen, der hier ein inniges und tieferes Verhältnis zu feiner Sache gewinnen solle und gewinnen werde. Das
Museum führe ben Namen „Deutsches Lebermuseum" beshalb, weil es eben in Deutschland geschaffen worden fei. Seine Bedeutung sei aber für alle Volker der Erde offensichtlich. Das Museum könne internationale Geltung für sich in Anspruch nehmen. Der Redner schloß mit dem Hinweis darauf, daß die reichen Schätze des Mu^ums schon jetzt die Räume bis unter das Dach füllten und ein großer Anbau schon ins Auge gefaßt sei.
Aus der Schuhjammlung: Schuhe, aus Ostasien,
pananierika -1938.
Bon Otto Eorbach.
Es hak nicht ben Anschein, als werbe bie in diesen Tagen in Lima, der Hauptstadt Perus, beginnende „internationale Konferenz der Nationen Amerikas", ebenso stimmungsvoll verlaufen, wie die voraufgegangene „panamerikanische" Konferenz, die im Jahre 1936 in Buenos Aires abgehalten wurde. Gewiß gab es auch damals manche Hühnchen miteinander zu rupfen, und wenigstens hinter den Kulissen platzten die Geister zuweilen heftig aufeinander. Aber Präsident Roosevelt begab sich vor zwei Jahren persönlich in die Höhle bes argentinischen Löwen, dessen Gebrüll über ben „Koloß bes Norbens" immer am meisten bie panamerikanische Harmonie gestört hatte, um ben versammelten lateinamerikanischen Schwestern seine Botschaft von ber „Politik der guten Nachbarschaft" zu überbringen. Onkel Sam sollte banach ein für alle Mal auf bie Rolle bes alleinigen Beschützers ber Unabhängigkeit ber Volker ber Neuen Welt unb aus jebe vorrnund- schaftliche Anmaßung verzichten. Er sollte sich hinfort nur als Gleicher unter Gleichen mit ihnen beraten bürfen, wenn ernsthaft bie Gefahr einer (Störung panamerikanischer Eintracht von einem anberen Kontinent aus drohe. Roosevelt 'and um so mehr Glauben, weil er bei verschobenen Gelegenheiten burch Taten bewiesen hatte, daß es 'hm mit seiner unimperialistischen Haltung selbst gegenüber kleinen iberoamerikanischen Republiken vorläufig ernst sei. Die nordamerikanische Delegation kargte auch im Verlaufe der Tagung nicht mit neuen Beweisen guten Willens. Auf Grund der getroffenen Vereinbarungen konnten in'einem neuen Geiste Handelsabkommen zwischen der nordamerikanischen Union und Salvador, Costa Rica, Guatemala, Nicaragua, Honduras, Columbien, Brasilien, Kuba und Ecuador Zustandekommen, bei denen Zugeständnisse und Gegenzugeständnisse so wohl gegeneinander abgewogen wurden, daß unverbesserliche nordamerikanische Protektionisten darüber wahre Wutanfälle bekamen
Was denjenigen iberoamerikanischen Ländern, bie früher am meisten unter Mißbräuchen ber Washingtoner „Dollar-Diplomatie" zu leiben hatten ein vertrauensvolles Eingehen auf Roosevelts „Politik guter Nachbarschaft" erleichterte, waren vor allem bie mit bem Genfer Völkerbünde gemachten üblen Erfahrungen. Venezuela folgte seit bem Tressen in Buenos Aires bem Beispiel acht anberer ibero- amerikanischer Republiken, indem es sich von jener unglückseligen und kostspieligen Einrichtung z u r n ck- zog, deren führende Kopfe mehr und mehr Den mephistophelischen Rat befolgten: „Such nur die Geister zu verwirren: sie zu befriedigen ist schwer!" Unb hatten bie Volker ber Neuen Welt nicht schon immer besser als bie ber Alten sich vertragen unb Kriegsbrände, wenn sie dennoch ausbrechen, durch gemeinsame Anstrengungen loschen können? Inzwischen konnten ja tatsächlich selbst die alten Kampf- hähne Bolivien unb Paraguay bazu gebracht werben, auf Grunb eines von ben Vereinigten Staaten unb Argentinien gefällten Schiedsspruches zu beteuern, daß sie sich nie wieder einander in den Federn liegen würden.
Auch sonst hat sich seit ben schonen Tagen ber Zusammenkunft in Buenos Aires manches begenen, was in ber Linie fortfchreitenber Entwicklung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen ben Volkern ber Neuen Welt liegt. Dazu gehört auch Roose- veltsBesuch inKanaba. Kanaba ist britisches Imperium, unb ben maßgebenben Kreisen in d"r Union liegt es heute ferner als je, bie Treuegeiühle ber Kanabier gegenüber bem Mutterlanbe auflockern zu wollen. Sie haben Ottawa nicht zugemutet, eine panamerikanische Konferenz zu beschicken, unb wenn Roosevelt erklärte, baß es bie Vereinigten Staaten „nicht gleichgültig" lassen würbe, wenn Kanaba von einer außeramerikanischen Macht angegriffen würde, so hat er sich wohl gehütet, auch nur den Anfch'in zu erwecken, als erwarte er, Ottawa brauche sich deswegen irgendwie im Sinne panamerikanischer Solidarität verpflichtet zu fühlen. Kanada liegt in Amerika, aber was ihm heute für bie Union einen befonberen Wert verleiht, ist gerabe seine Eigenschaft als fBinbeglieb zum britischen Empire. Die jahrelangen schwierigen Hanbels- DertragsDerhanblungen zwischen Washington unb Lonbon konnten jüngst nur beswegen zu einem glücklichen Enbe geführt werben, weil bie Union auf eine gesamtangelsächsische Solidarität mindestens soviel Gewicht legt wie auf eine gesamt- amerikanische.
Erwägt man, daß schon auf der Konferenz non Buenos Aires eine gemeinsame Erklärung zustande-
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Im Anschluß daran wurde den Gästen in einer mehrstündigen Führung all das gezeigt, was das Museum an Sehenswertem birgt. Wohl jedermann war dabei von der Fülle der Dinge und von der Pracht vieler einzelner Stücke überrascht, die hier im idealen Rahmen der nach modernsten Grundsätzen ausgestatteten Museumsräume vereinigt waren. In einem längeren Aussatz berichteten wir bereits am Mittwoch über die schönen und interessanten Dinge, die das Museum birgt
Der Sammlungsbesitz ist in 28 großen Räumen und in 500 Schränken untergebracht. In den meiften Räumen herrschen ausgezeichnete Lichtverhältnisse. Die Räume, die insbesondere die ostasiatisch'n Schattenspiele bergen, können auf seine direkte unb inbgirefte Art erhellt werben unb gestatten die Schattenbilder allenthalben auch tatsächlich 'm Schattenriß zu zeigen. Interessant ist. daß die ganzen kulttir- unb kunsthistorischen. Schätze auf eine befonbers sinnreiche Art gegen Feuersgefahr geschützt finb. Wenn sich ein einem Raume durch Feuer eine Temperatur non nur 60 Grad entwickelt, schmilzt in einem unauffällig an ber Decke an gebrachten Kontaktstück ein barür vorgesehener Be- ftanbteil ein unb baburch wirb ein elektrischer Impuls ausgelöst, der sofort zur Zentrale ber Feuerwehr geleitet wirb und diese automatisch alarmiert.
Mit der Schaffung dieses großartigen MMeums ist das rhein-mainische Wirtschaftsgebiet ber rheirv mainische Kulturraum um ein bedeutendes Institut bereichert worben, das dazu angetan fein wird, weit über den Rahmen des Gebiets und die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus werbend yx wirken.


