Nr. 212 Erstes Matt
188. Jahrgang
Sotnstag, lü./5onntag,ll. September 1938
krjchettu rügltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monatS’BesngspreU:
Mit 4 Beilagen RM.1.96 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten? Anzeiger Gieße»
Postscheckkonto:
Kranksnrt am Main 11686
Gießener Anzeiger
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8»/,Uhr des Vormittags
Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.25°/<» mehr.
Ermäßigte Grundpreise:
General-Anzeiger für Oberhessen
Praift und Verlag: vrühlsche Univrrsilätrbruckerei R. Lange in Siehe». Schristleitvng «nd SeschSstsfttlle: Schulftrah« r
Stellen«, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B
Das Prager Protokoll veröffentlicht.
Die Vorschläge der Regierung.
Prag, 10. Sept. (DNB.) Der Vorschlag, den die Prager Regierung der Sudetendeutschen Partei übermittelt hat, trägt den Titel „Protokoll über den zwischen der tschecho-slowakischen Regierung und der Sudetendeutjchen Partei vereinbarten Verhandlungsmodus hinsichtlich der Regelung der nationalen Angelegenheiten". Der Vorschlag enthält im wesentlichen folgendes:
1. Zur Erzielung einer Einigung wird in der Weise vorgegangen, daß konkret uno praktisch die sofortige Erledigung der strittigen Hauptfragen in Angriff genommen wird. Für alle Fragen, welche hier nicht berührt oder konkreter formuliert sind, werden weitere eingehende Verhandlungen vorbehalten.
Hinsichtlich der Frage der öffentlichen Ange stellten und Arbeiter besteht Ueberem- stimmung in dem Sinne,' daß der Grundsatz zu gelten hat, daß alle Nationalitäten auf einen ihrem Hundertsatz unter den Staatsbürgern entsprechenden Anteil am Personal st an de in der Staatsangestelltenschaft in allen Rangstufen Anspruch haben. Dieser Grundsatz ist für jede künftige Anstelluna neuer Kräfte bindend und gilt für alle Ressorts. Um möglichst rasch einen derartigen Zustand zu erreichen, wird die nationale Proportionalität bei der Annahme neuer Kräfte deutscher Volkszugehörigkeit für die nächsten zehn Jahre in dem Maße günstiger gestaltet werden, daß am Ende dieser Frist der entsprechende Hundertsatz erreicht wird. Es können deutsche Staatsangehörige, die die erforderliche Qualifikation besitzen, aus dem Prioatdienst oder freien Berufen in den Staatsdienst ausgenommen werden. Auch vorzeitig pensionierte oder entlassene Kräfte können wiedereingestellt werden.
Ungeachtet der allgemeinen Aufrechterhaltung des Grundsatzes der Dersetzbarkeit der Staatsangestellten auf dem Gebiete der Republik hat jede Nationalität darauf Anspruch, daß in den einzelnen Verwaltungsgebieten die nationale Zusammensetzung der Staatsa-ngestellten und -arbeiterschast der nationalen. Zusammensetzung der Bevölkerung entspricht. Für die Zusammensetzung der Angestelltenschaft in den Zentralbehörden und in dem Obersten Gericht gilt der gesamtstaatliche Beoölkerungsschlüssel in allen Kategorien und Ranaklassen. Unbeschadet der den Nationalitäten zur Wahrung dieser Ansprüche zustehenden Rechte und Rechtsmittel wird beim Ministerptüsidium iur jede Nationalität eine aus Vertretern der Regierung und aus Vertretern der betreffenden Nationalität bestehende Paritätskommission unter Vorsitz eines Staatsbeamten der bezüglichen Volkszugehörigkeit errichtet. Die Vertrete- der Nationalität in der Kommission werden von den Parlamentsmitgliedern derselben Volkszugehörigkeit gewählt. Der Kommission obliegt
a) die Evidenzhaltung (Führung eines ständig auf dem Lausenden zu haltenden Verzeichnisses) der der betreffenden Nationalität zugehörigen staatlichen Angestellten, ■
b) die Überprüfung, ob die Neueinstellungen dem festgesetzten Verhältnis entsprechen,
c) die Prüfung, ob der festgesetzte Teil der Staatsangestellten und -arbeiterschast entsprechend den obigen Grundsätzen lokalisiert ist und verwendet wird. ,
Hinsichtlich der Proportionalität in der ösfent- l i ch e n Wirtschaft ist vereinbart worden, daß die im Staatsvoranschlag bestimmten Ausgaben und Kredite nach dem nationalen Schlüssel so ausgewiesen und verteilt werden, wie dies dem prozentualen Anteil der einzelnen Nationalitäten in der Staatsbevölkerung entspricht. Bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für den Staat wird der dafür gewidmete Gesamtbetrag auf die inländischen Unternehmungen nach dem nationalen Schlüssel verteilt werden. Beim Mmister- ratspräsidium wird für jede Nationalität eine aus Vertretern der Regierung und der betreffenden Nationalität zusammengesetzte paritätische K o m- Mission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Obersten Rechnungskontrollamtes errichtet. Der Kommission obliegt die Prüfung, ob der Grundsatz des Verhältnisses bei den Staatslieferungen und -arbeiten eingehalten wird.
Bezüglich der sofortigen wirtschaftlichen und finanziellen Hilfe für die von der Krise am meisten betroffenen Gebiete und Industriezweige wurde vereinbart, daß die Regierung bis längstens Ende dieses Jahres eine Anleihe in Höhe von einer Milliarde zur Hilfeleistung gewähren wird. Don dieser Anleihe werden 7 0 0 Millionen auf d i e deutsche Industrie entfallen. ,
Bezüglich der innerstaatlichen Sicherheitsorgane gilt der Grundsatz, daß die frühere Regelung wieder hergestellt wird, wonach sich in die Aufgabe der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit die st a a t l i ch e n Sicherheitsorgane (Gendarmerie) mit den lokalen Siche^ heitsorganen (Polizei) teilen. Es werden sogleich Maßnahmen dafür getroffen, daß ein entsprechender und normaler Zustand hergestellt und die Frage der wechselseitigen Zusammenarbeit und Verteilung der Kompetenz für die Zukunft abgegrenzt wird. Bei Benachteiligung wird die Behandlung konkreter Fälle nach ihrer Vorlage einem weiteren Verfahren mit der Regierung vorbehalten.
Das Sprachrecht wird in der Weise neu geregelt werden, daß das bisherige Gesetz zur Herstellung
der Gleichberechtigung der Sprachen mit der tschechischen Sprache novelliert wird.
Im Staate wird das Prinzip der nationalen Selbstverwaltung angenommen, während das G a u s y st e m verwirklicht wird. Die öffentliche Verwaltung wird von Staats- und Selbstverwaltuntzsorganen besorgt. Die t e r r i t o - rial'e Grundlage der Selbstverwaltung ist nach der nationalen Zugehörigkeit der Bevölkerung abzugrenzen. Die nationalen Minderheiten werden durch ein Kurial- s y st e rn gesichert werden, und es wird ihnen in den einzelnen Selbstverwaltungsgebieten der Schutz ihrer nationalen Rechte nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit sichergestellt. Die Angehörigen der einzelnen Nationalitäten werden unter den Schutz besonderer Gesetze gestellt. Die Nationalität eines jeden Staatsbürgers wird durch nationale Kataster sichergestellt.
Zur Verwirklichung und wirksamen Vertretung der Gleichberechtigung der Nationalitäten werden denselben m allen Selbstverwaltungskörpern wirksame Kurialrechte eingeräumt Zur wirksamen Geltendmachung der Ansprüche der Nationalitäten im Bereiche der Staats- und Selbstverwaltung wird das Gesetz über das Derfahrensgericht zweckentspre
chend novelliert werden. Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Organen der öffentlichen Verwaltung sind durch ein besonderes Gericht zu entscheiden. Die Gerichte höherer Instanz werden je nach Zweckmäßigkeit in nationalen Abteilungen organisiert. Die Vereinbarung bildet in allen ihren Teilen ein unteilbares Ganzes. Die Durchführung der erforderlichen Gesetzesvorlagen wird unter Mitwirkung von Vertretern der Sudetendeutschen Partei erfolgen.
Diesem Protokoll ist ein Ergänzungsprotokoll als Anlage beigefügt, das drei Punkte enthält: Im ersten verpflichtet sich die Regierung zwecks Durchführung der Neueinstellung bzw. Wiedereinstellungen dem Präsidenten der Republik einen Antrag auf Erteilung der A m n e st i e für gemaßregelte Staatsbeamte vorzulegen. Zweitens: Die Wahlen in die Sozialversicherung und Krankenkassen sowie ähnliche Einrichtungen werden in Kürze durchgeführt werden. Drittens: Die Regierung wird allen kompetenten Stellen Weisungen erteilen, daß die Zugehörigkeit zur Sudetendeutschen Partei oder einer ihrer Organisationen sowie zu einer deutschen völkischen Organisation überhaupt den Staatsbürgern i n keinem Falle zum Nachteil gereichen soll.
Die Stellungnahme der Sudetendeutfchen.
Don sudetendeutscher Seite erfahren wir zu diesem tschechischen Vorschlag das Folgende:
Es ist unschwer zu erkennen, daß die wesentlichsten Forderungen der Sudetendeutschen in diesem Papier in der einen oder anderen Art ihre Behandlung erfahren, wenn auch in mehr oder weniger auffallenden Abwandlungen. War eine der Hauptforderungen Henleins die Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit der deutschen Volksgruppe in dem gesetzgebenden Organ des tschecho-slowakischen Staates und damit die Sicherung eines gebührenden Einflusses auf die Staatsführung selbst, so ist von irgendeiner Zusicherung oder gar Festlegung auf diesem lebenswichtigen Gebiete wenig zu finden.
Eine weitere entscheidende grundsätzliche Forderung soll eine Regelung finden, die in der vorliegenden Form unmöglich hin- genommen werden kann. Es ist dies eine Frage der Abgrenzung des deutschen Siedlungsraumes. Gerade die hier vorgesehenen Einschränkungen erwecken das ernste Bedenken, ob durch eine künstliche Geometrie nicht deutsches Siedlungsgebiet tschechischem Gebiet zugeteilt werde. Inwieweit die Zuständigkeit der autonomen Behörden gegenüber den Ansprüchen und Begehrlichkeiten der tschechischen Zentralbehörden feftgelegt und gesichert werde, darüber ist ebenfalls keine eindeutige Garantie gegeben.
3m übrigen kommt es ja nicht allein auf die Grundsätze an, auf denen in Zukunft das
• Nebeneinanderleben der beiden Volksgruppen ausgestaltet werden soll, sondern angesichts 20jäf)riger bitterer Erfahrungen auf die pra f- tische Anwendung und die a n ff ä n - bige Durchführung dieser Leitsätze. Und
diese Seife des Problems ist letzten Endes das Entscheidende. Haben doch die Zwischenfälle der allerletzten Zeit unsere Forderung nur zu sehr unterstrichen, daß gerade auf dem Gebiete der behördlichen Arbeit die Homogenität zwischen der Volksgruppe und der Staatsexekut i v e mit größter Beschleunigung hergestellt werden muß. Nur das Bestehen und das Bewußtsein einer Volksgemeinschaft zwischen Bürger und Behörden wird das unumgänglich notwendige Vertrauensverhältnis Herstellen können. Bei der jetzigen, geradezu unüberbrückbar erscheinenden Kluft zwischen Deutschen und Tschechen erscheint es im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung erforderlich, daß keine Zeit verloren wird, um die von dieser Seife her drohende Gefahr an der Wurzel zu beseitigen, denn die Disziplin der sudefendeutschen Bevölkerung gibt die Gewähr dafür, daß sie mit ihren eigenen Organen in der Lage ist, Ruhe und Ordnung zu sichern.
Im übrigen bleibt entscheidend, daß ein sofortiges praktisches D u r ch f ü h ru n g s- Programm hergestellt und ungesäumt verwirklicht wird. Pon dieser Ueberzeugung ausgehend muß von süd elende utsch er Seite jedoch zunächst erwartet werden, daß eine Sühne der Zwischenfälle der letzten Zeit und namentlich von Mährisch-Ö st rau die atmosphärische Voraussetzung schafft, die unerläßlich ist, wenn mit Aussicht auf Erfolg weiterverhandelt werden soll.
Ruhige Beurteilung her Lage in London.
London, 9. Sept. (Europapreß.) Die Unterredungen zwischen Ministerpräsident Chamberlain und Außenminister Lord Halifax wurden am Freitag fortgesetzt. Nachmittags wurde auch Schatzkanzler Sir John Simon zu den Besprechungen zugezogen. Ferner nahmen der Staatssekretär des Foreign Office, Sir Alexander C a d o - g a n, sowie der Erste Diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert D a n s i t t a r t, daran teil. Lord Halifax erhielt außerdem einen- überraschenden Besuch des früheren Außenministers Eden, mit dem er eine halbstündige Unterredung hatte. Chamberlain hat den Oppositionsführer Ä t t l e e schriftlich zu sich gebeten, um mit ihm über die internationale Lage zu sprechen. Attlee wird am Samstagvormittag den Ministerpräsidenten aufsuchen.
Die Ministerbesprechungen nehmen erklärlicherweise in der Presse einen breiten Raum ein. Da bisher über die Beratungen strengstes Stillschweigen bewahrt wurde, ergehen sich die Blätter in allerlei Vermutungen. Es wird u. a. behauptet, zwischen London und den Regierungen der Dominions sei ein laufender Meinungsaustausch im Gange. Ueber- einstimmend berichten die Blätter, bei den Besprechungen habe die tschecho-slowakische Frage im Vordergrund gestanden. Es scheine jedoch festzustehen, daß der Gedanke einer neuen Regierungserklärung über die Haltung Englands fallengelassen worden sei. Die „Times" schreibt, an. maßgeblichen Stellen sei man zu der Ansicht gekommen, daß im jetzigen Zeitpunkt eine solche Erklärung unzweckmäßig sei. Die „Times", der „Daily Telegraph" und der „Daily Expreß" wollen wissen, daß der englische Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, mit der Berichterstattung an die deutsche Regierung beauftragt worden sei. Im übrigen legen sich die Blätter im allgemeinen große Zurückhaltung auf. Es macht sich deutlich das Bestreben bemerkbar, nicht durch Gerüchtemacherei zu einer Krisenstimmung beizutragen. Die „Times" stellt fest, es sei falsch, die Lage durch eine schwarze Brille zu sehen. „Daily Telegraph" betont, die englische Regierung habe nach wie vor das allerdringendste Interesse an
geordneten Verhandlungen über die tschecho-slowakische Frage. Die. Ministerbesprechungen vom Freitag hätten gezeigt, wie ernsthaft die englische Regierung die Lage beobachte.
Man gibt sich in London der Hoffnung hin, die Verhandlungen zwischen Prag und der Sudetendeutschen Partei würden bald wieder in Gang kommen. Jedermann in England müsse sich über seine Verantwortung klar sein und die Verbreitung von Gerüchten sowie allen gegenstandslosen Spekulationen auf jeden Fall vermeiden.
Parallel mit den Beratungen in der Downing- street läuft der Meinungsaustausch zwischen London und Paris, der sehr eng sein soll. In politischen Kreisen gibt man zu, daß Paris mit Nachdruck versucht, die englische Regierung in einem dem französischen Kabinett genehmen Sinn zu beeinflussen. So wird auch behauptet, daß der Gedanke einer neuen englischen Regierungserklärung von Paris an London herangetragen worden sei. Halbamtlich wird noch erklärt, daß die französische Regierung England auch über die „Vorsichtsmaßnahmen" unterrichtet habe, die Frankreich zu treffen für nötig befunden habe. Die Rede des Führers vor den Politischen Leitern findet in der englischen Presse starke Beachtung. Die Blätter unterstreichen besonders die Worte des Führers, daß Deutschland vor niemand kapitulieren werde.
Lord Runciman
zum Wochenende abgereist.
Prag, 9. Sept. (Europapreß.) Lord und Lady R u n c i m a n haben sich bereits am Freitagabend auf das dem Grafen Cerny gehörende Schloß Petersburg bei Poderfam zum Wochenende begeben. Daß Lord Runciman bereits so bald die Hauptstadt verlassen hat, läßt den Schluß zu, daß er in der politischen Lage eine Entspannung feststellen zu können glaubt, so daß er länger, als dies bisher der Fall war, von Prag abwesend sein wird. Vor seiner Abreise empfing Lord Runciman eine Abordnung des tschccho-slowakischen Nationalrates, die vom Fürsten Schwarzenberg geführt wurde.
Elemente des Friedens.
Mit dem deutschen Volk blickt die ganze Welt in diesen Tagen mit wachsender Spannung und größter Aufmerksamkeit nach Nürnberg, wo der erste nationalsozialistische Parteitag im neugeschmiedeten Großdeutschen Reich, der „Parteitag Großdeutschlands", mit einem weihevollen Akt von besonderer geschichtlicher Symbolik eröffnet worden ist: mit der Rückführung der ehrwürdigen Reichs- kleinodien von Wien, der alten Kaiserstadt an der Donau, nach Nürnberg, des Reiches Schatzkästlein. Dort in der Wiener Hofburg hatten einst Ende des 18. Jahrhunderts die hehren Insignien deutscher Kaiserherrlichkeit Zuflucht gefunden vor den Truppen der französischen Revolution, hier fanden sie nun wieder Aufstellung in der mit dem Wirken der Meistersinger eng verbundenen Nürnberger Katharinenkirche, einst „für Generationen nationaler Kämpfer in Oesterreich Sinnbild des größeren Reiches, Mahnung und Hoffnung zuAeich", heute „Unterpfand der zur Wirklichkeit gewordenen ewigen deutschen Gemeinschaft". Keine Stadt wäre würdiger, die leuchtenden Symbole der Erfüllung des Traumes vom einigen Großdeutschen Reich in Obhut zu nehmen als Nürnberg, nunmehr wieder wirklich und wahrhaftig „in des Reiches Mitte" zwischen Meer und Karawanken. Hier in der alten Reichsstadt schlägt aber auch einmal Jahr für Jahr das Herz der Nation, wenn Führer und Volk sich auf den nationalsozialistischen Parteitagen zu großartigen Bekundungen eines unerschütterlichen Lebens- willens vereinen. .Rückblick uckd Ausblick, Standpunkt und Zielsetzung, Generalappell und Paroleausgabe, das bedeuten die Tage von Nürnberg alljährlich für das deutsche Volk und seine Führung. Hier werden die großen Lebensaufgaben unseres Volkes klargestellt und auf die n a ti o n a l s o z i alistische Weltanschauung ausgerichtet. Hier marschiert unsere Jugend, hier huldigen die Aktivisten der Partei und ihrer Gliederungen dem Führer, hier tritt die Wehrmacht vor ihrem obersten Befehlshaber an. Hier durchleuchtet der Führer aus starkem eigenen Erleben heraus die ewigen, allgemeingültigen Gefetze jeder großen Kunst, die aus dem Volke wachsen und wieder zum Volke sprechen muß, will sie wahre Kunst und Ausdruck ihrer Zeit sein. Und hier sieht die Nation ihre besten Männer, hervorragende Philosophen und Forscher, Wissenschaftler und Techniker mit dem Nationalpreis ausgezeichnet, ein weithin sichtbares Zeichen dafür, mit welchem Ernst das Dritte Reich feine kulturelle Verpflichtung auffaßt und mit welcher Großzügigkeit und Tatkraft es ihr nachkommt.
Am Anfang des Parteikongresses stand wiederum die Proklamation des Führers, die sich zwar ausschließlich an das deutsche Volk wendet, aus der aber auch das Ausland, das so erwartungsvoll nach Nürnberg blickt, wie wir haften möchten, vernommen haben wird, daß das nationalsozialistische Großdeutsche Reich weniger denn je sich bereitfinden wird, unveräußerliche Lebensrechte des deutschen Volkes zum Gegenstand eines diplomatischen Schachergeschäfts zu machen. „Ich trete vor Sie hin", so sagte der Führer, „nicht mit einem Pakt, sondern mit den sieben neuen deutschen Gauen meiner eigenen Heimat." Der Nationalsozialismus schuf eine neue politische Führung, sicherte die sozialen Fundamente einer neuen Volks- gemeinschaft, stellte die Wirtschaft in den Dienst der Nation und richtete eine neue starke, zentrale Autorität auf. Die fortschreitende innere Einigung des deutschen Volkes schuf die Voraussetzungen für feine äußere Befreiung, deren einzelne Phasen noch in unser aller Gedächtnis sind, bis zu jenem kühnen, aus dem Bewußtsein wiedergewonnener Kraft geborenen Entschluß des Führers, die alte deutsche Ostmark in das Reich zurückzuführen. Heute nun konnte der Führer verkünden, daß die Fundamente zu unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit gelegt sind, eine Tat, die zur Wiedererlangung unserer Wehrfreiheit in Parallele gesetzt werden darf. Deutschland ist ein armes Land, gemessen an der Fruchtbarkeit des Bodens, an der Gunst des Klimas, die viele andere Läitder auszeichnet. Wir wissen es selber am besten und wissen auch, wie sehr sich mißgünstige Neider des Auslandes daran gewöhnt hatten, diese Armut des deutschen Bodens als wichtigen Faktor in ihre Spekulation einzustellen, wenn sie sich vor ihren leichtgläubigen und unkritischen Mitbüraern in lauten Propbezeihunaen über den in absehbarer Zeit zu erwartenden Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes ergingen oder in einem Krieg gegen die autoritären Machte den Hunger als wirksamste Waffe priesen. Erinnern wir uns der Lügenkampagne bemofrati- scher Zeitungen über das Ernteergebnis des faschistischen Italiens. So wie Mussolini diese zu früh frohlockenden Hetzer sehr schnell hatte ad absurdum führen können, so konnte nun der Führer in Nürnberg feststellen: „Es ist uns durch die Gnade des Herrgotts in diesem Jahre endlich eine überreiche Ernte gegeben worden." Wir wissen, sie ist uns nicht mühelos in den Schoß gefallen. Der karge Boden großer Teile deutschen Landes und die Launen des Klimas fordern gewaltige Anstrengungen, soll es dem deutschen Bauern gelingen, ein Höchstmaß von Erträgen dem ihm anvertrau- t°n Boden abzurinaen. Die nationalsozialistische Agrarpolitik hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß der. Bauer wieder feiner Aufgabe entsprechen kann. Nährstand der Nation zu fein. Aber alle Mühen sind vergeblich ohne den Segen des Himmels. Er ist in diesem Jahre nicht ausaeblieben. Eine überreiche Ernte kommt zu den beträchtlichen Vorräten, die wir dank der Energie des Generalfeldmarschalls Gorina in früheren Jahren einlagern konnten, so daß wir fetzt, wie der Führer fesfttellte, auf Jahre hinaus jeder Nahrungssorge enthoben find.


