Einzelbild herunterladen

9./I0.M 1958

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

r.158 Zweites Blatt

aller, Sommerfrischen,

Der Weißensee in Kärnten. (Aufnahme: Dr. G. Roßmanith.)

haftliche Werke

aebiet der Geister Viertelbergers behutsame Junstlerhand

'sehen Druckerei >r kahlen Tünche späterer Zeiten gelost, scheint scnenwr__ an schlichter Innigkeit der Zeichnung

un-

he Anzeigen.

Herrn trägt.

strotzenden Waffenkleide in den Ehrensaal seines

Ferienbild vom Wörther See in Kärnten. (Llusnahme: Dr. 21. Stratberger.)

Unterkärntner Landschaft, (Aufnahme: Dr. A. Stratberger.)

dem dem

wdigkelt und Krampf- eiden kann man mit iistrümpfen vermeiden

Das Maltatal in Kärnten. (Aufnahme: Dr. A. Stratberger.)

das breittürmig und bodenfest einen behaglichen Ianuskopf weist: mit der bis ans Dach von Efeu umsponnenen Parkseite, mit dem lässigen Spring­quell unter hohen Lindenkronen und den gepflegten Laubengängen. Und vor der altösterreichisch-gelben Schloßfront der schimmernde See. Dieser köstliche Wörthersee, dies Sonntagsgeschenk des Kärnt­nerlandes, der so weithin und randvoll den Berg­rahmen füllt im flirrenden Wechselspiel seiner Far­ben aus Himmelsbläue und Waldesgrün, über­lächelt vom Silberlicht der Abendsonne. Den wir vor -uns wissen .auch beim Umgang landeinwärts, der vom Waldpfade aufschimmert aus zarten Nebel­schleiern, der stets bereit liegt, uns zu weiterer Bil­derfahrt zu führen, etwa nach Maria Wörth, wo vielleicht vor einem Jahrtausend schon der Mönch vom Einbaum aus den Saibling holte; Maria Wörth, dessen lindenumflüsterte Gotik wie eine In­sel des Friedens auf dem Seespiegel ruht.

Nicht nur räumlich gegenüberliegend schautPört- schach nach seinen mondänen Seefesten heute wie schuldbewußt unter niedergeschlagenen Bootshütten­lidern nach seinen alten Bergen. Und endlich das stadtnahe Seeufer, die neue Strandpromenade mit einer Badeanlage großzügister Art, aus freigebiger Hand mit froher Zuversicht geschaffen als Beispiel,

wie sicher dieses Land seinem weiteren AuMege als Fremdenziel entgegensieht.

Und nun K l a g e n f u r t, das sich seit den schlä­fernden Sonntagnachmittagen unserer Militärzeit zum frohbewegten Stadtbilde von heute gewandelt hat. Sein reiches Museum schenkt uns noch einmal eine farbige klare Rückschau über das Jahrtausend alte Land Kärnten, wo immer wieder sich römische Bildwerke in die Mauern einfacher Wirtschaftshöfe fügen und unter weiß überkalkten Kapellenwänden noch manch gotische Madonnen ihrer Auferstehung harren.

V i r u n u m ! Seit Jahren wird an seiner Bloß­legung gearbeitet. Freilich muß aus wirtschaftlichen Gründen das Gelände, wenn man ihm erst seine Rätsel abgefragt, wieder eingeebnet werden. Unter jener Bodenwelle ruhen die Mauern des Forums, und heute gehen wieder stillzufrieden die Rinder des Torfbauern über den grünen Rasen.

Keine Stunde ist es hinüber nach dem mächtigen Maria-Saal, der wehrwaften Domburgstatt, darin jeder Torbogen von Kraft und Glauben pre­digt. Und wieder bringt uns das Steinbild eines römischen Postwagens, eines Planwagens, nicht viel anders als heute, das Leben vor anderhalb Jahr­tausenden so nahe, daß wir auf der Heimfahrt durch den verglimmernden Abend in jedem Bildstock einen römischen Meilenstein sehen wollen.

So war die Scheidestunde gekommen. An einem farbenklaren Nachmittage sahen wir vom schwin­delnd hohen Söller der mächtigen Hollenburg hin-

ikenkassen zugelassen

LE6NER

l Fachgeschäft

traBe 9 Telephon 3707

,efe Pban Mhw

bald standen wir nach spielendem Auslauf vor Auto und bald darauf, entthronte Könige, auf . vielumstrittenen Grazer Jakominiplatz, der seinen Nacken auch nach einem Kärntner Berg-

' Union nkfurtamMain -andstraße 1% »ruf 73251

unter auf den vielverschlungenen Draulauf mit seinen Erlenauen und hinüber nach den steinfahlen Wänden der Koschutta. Aus berufenem Munde und tiefernst erfuhren wir wieder an Ort und Stelle vom ruhmvollen Abwehrkampf des Kärntnervolkes, neid­los, aber in würgendem Schweigen beim Gedanken an die Schicksale der Steiermark in jenen Tagen, an versäumte Gelegenheit, an ängstliche Hemmnis bei tiefer Bereitwilligkeit. Und diese Stunde im Kreise von Freunden, die bestimmend dabei gewe­sen, diesen kleinen Ausschnitt aus der großen Welt­geschichte zu schaffen, sie war wie ein fester treuer Rahmen zum goldsonnigen Bilde der verflossenen Wochen. ,

Nun mußte es heimwärts gehen. Und ging wirk­lich im Fluge dahin; unmerklich sanft im Aufstieg Und Landung, eine Märchenfahrt wie in Andersens Galoschen des Glückes, nur weit bequemer, dreitau­sendachthundert Meter hoch über ziehenden Wolken, darunter immer vertrauter Bilder der Heimat schwanden. In drei Viertelstunden ging es mit hun­dertfünfzig Kilometer Geschwindigkeit über die Sau­alpe, übers Lavanttal, über die Koralpe mit ihren unendlichen Weiten und Gräben, hin über den Berg­fried von Hohenlandsberg und die grünen und braunen Schachbrettfelder des Grazer Feldes. Und

Ferienlage in Konstanz.

Von E Höll.

Wir hatten an einem schönen Sommernachmittag in Friedrichshafen das Schiff nach Konstanz ge­nommen und wollten am nächsten Tage nachdem wir uns die alte Bodenseestadt in Ruhe besehen hätten weiter, in irgendeinen kleinen Ort am See, um einmal gründlich Ferien zu machen und auszuspannen. Auf dem obersten Aussichtsdeck hatten wir uns niedergelassen und atmeten tief den kühlen reinen Wind und den würzigen Ruch des Wassers; sahen den Rauch dick und schwarz aus dem weißgemalten Schornstein quillen und die Möven unser Schiff umschwärmen, und je weiter die breite Wegspur des Kielwassers sich hinter uns in die Ferne streckte, desto freier und wohler wurde uns ums Herz. Ueber die Dörfer am Ufer, über die Obstgärten und Weinberge stieg schattig der Abend herab. Die Spiegelbilder der Pappeln und Büsche am Strand standen klar und dunkel im stillen grünen Wasser der Buchten, die Landschaft war 'in ein schräges gelbes Licht getaucht und wie selbstleuchtend geworden, ein solches Strahlen ging von ihr aus.

Es wurde schon dämmerig, als unser Schift um eine Landzunge bdg und sich vor uns die weite Bucht von Konstanz auseinanderfaltete. Die park- arttgen Ufer waren wie schwarze Kulissen, und der See schimmerte in goldenen, manchmal in zartes Rosa und warmes Braun hinüberspiegelnden Tönen bis an den Rand der schwarzen Silhouette der Stadt, die wie aus dem gelben Abendhimmel her­ausgeschnitten war.

Dieser Abend wird uns noch lange zu denken geben: wie uns die Freude, unterwegs zu fein, unrastig machte und uns nach einer flüchtigen Mahl­zeit wieder hinaustrieb in die dämmernden Gassen; wie wir hinüberschlenderten zum alten Kaufhaus am See, quer durch den stillen, schon entschlum­mernden Stadtpark, und dann eindrangen in die enge, verwinkelte Altstadt; wie wir dort aus dem Düster der Gassen die Münsterfassade gewaltig emporwuchten sahen und wie die stattlichen Prä­latenhöfe und reichen Bürgerhäuser unh die schmalen hohen Häuser der Handwerker lebendig wurden von einem vergangenen wie auferstandenen Leben. Noch nie hatte sich uns eine Stadt so zauberhaft auf­getan.

lendmahl.) o, wesen. Siegesstolzer Barock rauscht auf im himmel-

mtag, den 1p-W Uen Hochaltar und seinen im Goldprunk starren- .qirchenfonietiö^y' Standbildern, deren Köpfe in den Farben na- tirlichen Lebens so seltsam eindrucksvoll auf uns nederschauen. Nur Hemmas Gemahl, Graf Wilhelm, "ÄL HG.9.80, 0Bn der strengeren Liturgik späterer Zeit nur mit r, leiser Mißbilligung an so hochseliger Stelle gedul-

l- SG. 9.30, Lic. hMt etwas allzufrieden lächelnd im qold- ft-nhpnhpn Waffenfleibe in den Ehrensaal seines

Und dann der Morgen: In aller Herrgottsfrühe waren wir drüben am Stadtgartenufer, ließen uns den frischen Seewind um die Ohren wehen und ver­suchten, in die silberblau funkelnde Landschaft der Bucht hinauszuschauen. Die kühle, reine, in blitzen­dem Licht fast ertrinkende Morgenstunde gab allem um uns her einen eigenen Klang. Uns war, als fingen wir eben erst die köstlichen kleinen Begeben­heiten des rührigen und doch gemütvollen Alltags dieser alten Stadt richttg zu sehen an, den gemäch­lichen Werktagmorgen am Hafen, der ganz echt und ohne Aufmachung und dabei doch wieder wie ein wunderbares Schauspiel ist. Das Kommen und Gehen der Schiffe, das Läuten der Schiffsglocken, das Schreien und Kreisen der Möven, die los- schmetternde Kapelle am Ufer und die frohen Ge­sichter der aus den Schiffen strömenden Ankömm­linge. <

Draußen im Strandbad versuchten wir' spater- herauszufinden, was diese Stadt so liebenswürdig, ansprechend und wohltuend macht, was dieses Et­was, diese Atmosphäre eigentlich ist, die einen nicht mehr losläßt. Aber die gute Sonne hüllte uns heiß in ihr strahlendes Flammen und brannte bald jede Neigung zu tieftchlürfendem Grübeln aus unfern Köpfen. Die glückselige Faulheit kam über uns, die einem der See an schönen Sommertagen auf­zwingt. Der Tag zerrann uns im klaren Wasser und reinen Sonnenfeuer wie geträumt, und als drüben im Süden die hohen Berge sich deutlicher formten im transparenten Himmel und Kühle aus dem See herüberwehte, da waren wir uns einig, daß die Weiterreise noch einmal aufgeschoben wer­den mußte. Und wir ließen der Einfachheit halber uns die Koffer gleich herausbringen auf unsere Halbinsel, die wir morgen zu erkunden gedachten.

Das (Streifen durch die lichtgrünen feuchtduftenden Buchenwälder am Strand führte uns zu den Fischern nach Staad und zur Insel Mainau. Em andermal entdeckten wir tief in den Wäldern den Mindelsee und sahen vom Frauenberg hinunter auf den blaudunklen lleberlingerfee zwischen den steilen Waldhängen. Dem Seewein sind wir nachgegangen, zuerst hinüber nach Meersburg und dann zur Rei­chenau, wo er um die alten schönen Kirchen her auf ben Hügeln wächst. Und so gerieten wir in die lichtblaue Welt des Untersees und fanden Are­nenberg und Stein. Wir haben uns eine Gondel gemietet und sind einen ganzen Tag lang draußen zwischen Sonne und Wasser gewesen; müde und heiß und glücklich kamen wir heim. Einmal hat uns ein Seehase mitgenommen auf seinem Segel­kahn, und ganz zum Schluß haben wir uns an den Säntis herangewagt allerdings mit der Berg­bahn nur. Aber vor allem hatten es uns doch die Sonne und das Wasser angetan.

Die Magie des Lichts über diesem Riesenspiegel wirkte ihr Wunder an uns. Bald war es uns eine Wonne, uns reinglühen zu lassen in der silber­blauen Lohe. Und wir fanden, es sei vielleicht das höchste Glück, diese langsame Verwandlung in einen gesünderen kraftvolleren Menschen, dieses Rein- und Einfachwerden der Sinne und das Erwachen aller guten Instinkte an sich selbst zu erleben.

So sind wir denn in Konstanz hängen geblieben und haben es nicht bereut. Denn wir kamen bald dahinter, daß die Badenseestadt ihren guten Namen vielleicht ein wenig zu sehr ihren schönen Baudenk­mälern verdankt und von vielen deshalb mißver­standen wird. Ihre größte Stärke liegt in etwas anderem. Die 400 Meter Höhenlage, die südliche Sonne und der gewaltige Wasserspiegel brauen zu­sammen eine Luft, die eine stürmische Attacke auf alles Morsche und Mürbe im Menschen ist. Wir jedenfalls nahmen die Ueberzeugung m die Heimat mit, daß ein hoffnungsloser Fall der wäre, der nach wundervollen Konstanzer Erholungswochen nicht braungebrannt als neuer Menfch nach Haufe fährt.

Hauses. ~ e

Nach solch stillem Gottesdienst im Dom zu Gurk war die Rast am Ossiachersee ein freundliches »erklingen schwingender Stimmungen. Und der Blick tj[»n der Kanzelhöhe, auf die wir sicher an schwan­ker Seilbahn über sinkende Tannwipfel gleiten, ^ur feier unbegrenzten Schau übers südwestliche Karnt- ivrlanb, im gedämpften Blau und Grün der Walder unb Talweiten, ber Seen und Sieblungen Bis bas Auge mübe wird, zu trinken und der sinkende Abend bas nahe Villach mit flimmernden Lichterrechen 11 Unb nun Velden mit feinem frohen Bekennt- iT5 zur sorglosen Gegenwart! Mit seinem Schlosse,

Reisewinke.

Kärnien, billiges Reiseland.

Das ßanbesamt für Fremdenverkehr in Klagen­furt schreibt uns: Der Besuch ber Sommerfrischen unb Kurorte ist noch recht ungleichmäßig. Wirklich zufriebenstellenb besucht sind nur bie bekannten Orte unb hier nur bie besseren und baher auch im Preise höheren Häuser. Es ist offenbar noch viel zu wenig bekannt, baß Kärnten zahlreiche Mittel­standssommerfrischen mit niederen Preisen besitzt und daß es dort mindestens eben­so schön ist wie in den bekannten Orten. Man braucht nur die Preise im Kärtner Landesprospekt oder sonst einer Kärntner Werbeschrift durchzusehen (man frage bei den Reisebüros oder beim Landes­verkehrsamt Kärnten), um sich davon zu überzeu­gen, daß Kärnten ein billiges Reiseland ist Es ist gar nicht erklärlich, wieso da und dort von einer Ueberfüllung oder gar Teuerung gespro­chen werden kann. Eine Verteuerung kommt wegen der tadellos sunktionierenden Preiskontrolle gar nicht in Frage.

' ilgotischer, farbenglutenber Inbrunst.

Bild folgt auf Bild: An Friesach vorbei, dem t rgengefrönten, an Althofen auf der Höh', bis ins flCfe Wiesental der Gurk, das auf rasenüberwachse- Iim Schienenweg zu neuen Wundern führt. Im feinen Wiesental der Dom zu Gurk!dank Mustergültiger Denkmalpflege immer weiter berühmt, ir.imer höher verehrt als kirchliches Nationalheilig- hm Kärntens. Unterm hundertfchäftigen Säulen- nlbe der Unterkirche das Grabmal der seligen Gra­fe Hemma von Friesach-Zeltschach, dem Herzen des Lpenländers vertraut als sagenumwobene Berg- h-rrin, die hier/seit 1465, dem Jahre ihrer Kano- njierung, bis auf heute gelassen ihrer Heiligspre- dpng harrt. In den sechs gotischenHemma-Re- li.fs"- Holzbildnerwerken von ursprünglicher Farbig- kt, mit den schmerzbewegten Zügen der Frauen, nit der packenden Realistik, ja Satire der Kriegs- k: echte, Bürger und Bettler, findet ihr leidgeprüftes Srdenwallen eine überaus lebensvolle Darstellung. Go wandern wir durch den Dom wie durch einen hohen Bildersaal kirchlicher Kunst, zu dem alle mftübung ihrer Zeiten ihr Bestes aufgeboten. Was

Geister Viertelbergers behutsame Künstlerhand von

Triolet!

S***Mfc ^LimoDsine ^Kabriolett

Jagern, em Zustand.

ischöpflich an schlichter Innigkeit der Zeichnung, an Neiz der treuherzigen Farbe. Und wenn wir am lande des sicheren Linienstriches noch die R md- mte des Pinsels spüren, so sinnen wir in Gedanken uch der Persönlichkeit des Meisters aus dem 12. )ihrhundert nach; wie er gefleibet, wie er gelebt ,n stillen Tale und was etwa sein eigenes Schicksal o. wesen. Siegesstolzer Barock rauscht auf im himmel- fehen Hochaltar und seinem im Goldprunk ftarren-

dienst,KG.-Kinder. ' HH,- HauvtzotteS- .-Abendm. - HE*'

mit Beichte

Mel«

©tftlittBe) Mehlt ÜlldWvdM - 30, Femwr.3571.

8.

ff 10.15,1Si** tWS ;0, Kahn,

«gu**'* n u qu den

pv* 12- *' , -L W

l0- ..eiufch^ 'i2.

Hommersahrt ins Karniner Land

Von Hans Kloepfer.

;Acht Tage Kärntner Luft, oder märens drei Höchen? So weit lag der Alltag dahinter in Staub Md Dunst, waren unsere Stunden umflossen von 4 eminb und Sonnenglanz und umstanden von i alfarbenen Felszinnen im Süden, deren feinen llift ins Wort zu schmiegen die Seele sich wehrt. 1 Ls ob man die blaue Luft mit Ziegelsteinen um» tniuern wollte. Donoben" herab erfolgte der Em- iiud), durchs einzige Tor, das dem Steirer ins Kärnt- n-rlanö geblieben, von der freien Rampe der wei- cad Kronprinz-Rudolf-Bahn, die mit dem weiten (hnblicf ins oberste Murtal ein Stück Mittelalter «i chließt. Ein Stück Mittelalter, das sich wie von tJbft wieder aufbaut mit Markt und Mauern und ! mr und Brunnen, mit steingrauer Wehrkraft und

n.