Nr.209 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 7. September $958
Die Kuliuriagung im Opernhaus.
Ser Führer spricht.
Nach Dr. Goebbels tritt der Führer vor. Es dauert lange, bis sich der Sturm der Verehrung und Begeisterung,der ihm entgegenschlägt, gelegt hat. Unter atemloser Stille nimmt er dann das Wort zu seiner großen kulturpolitischen Rede, in der er u. a. folgendes ausführt:
Es ist auch für den unbelehrbarsten Gegner der nationalsozialistischen Bewegung nunmehr schwer möglich, die Erfolge des neuen Regimes wenigstens auf gewissen Gebieten, so wie dies nöch vor einigen Jahren geschah, auch heute noch übersehen zu können oder glatt abzustre-tten. Die Taten sprechen zu sehr für sich. Die Herstellung einer innerlich verbundenen deutschen Volksgemeinschaft, die Wiederaufrichtung des deutschen Selbstbewußtseins, die Stärkung der deutschen Macht, die Ausweitung des Reichsgebietes sind weder wegzureden noch wegzuleugnen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch blieb trotz aller Prophezeiungen aus. Die Versorgung des deutschen Volkes mit Lebens- mitteln und Gebrauchsgütern darf trotz der bekannten ungenügenden räumlichen Voraussetzungen als gesichert gelten. Der grandiose Kampf gegen die
Erwerbslosigkeit endete mit einem Erfolge, der für die demokratischen Länder um so verblüffender ist, als ihnen selbst die Losung dieses Problems zum großen Teil versagt blieb. Der Vierjahresplan versetzt in den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung sowohl als in der anlaufenden oder schon sichergestellten Produktion die übrige Welt teils in bewundernde Anerkennung, teils in verbissenes Schweigen. Die schroffste Ablehnung, die der nationalsozialistische Staat innen und außen trotz alledem auch heute noch erfährt, stammt aus den Kreisen jener, die weder mit dem deutschen Volke noch mit seinem Leben, noch mit den Interessen anderer Völker etwas zu tun haben: aus dem Lager des internationalen Judentums!
Wenn ich diese Feststellungen treffe, dann lasse ich diese mehr dumm als gemein zu nennende Lügenhaftigkeit gewisser internationaler Presseorgane außer acht, die in ihrem krankhaften jüdischen Haß gegen das deutsche Volk zu so witzlosen Behauptungen oder Verleumdungen greifen, daß sie zumeist schon wenige Wochen später auch für den Einfältigsten ihre Widerlegung zu erfahren pflegen. Das einzige Mebiet, auf dem man heute noch glaubt, mit Erfolg gegen das neue Reich ankämpfen zu können, ist das kulturelle.
Die unvergängliche kullurleistung
-des Dritten Reiches.
Nachdem es sich hier im wesentlichen um I u - den handelt, die ja unserem deutschen Volke auf keinem Fall näherstehen als den Engländern, Franzosen usw., ja, im Gegenteil, infolge ihrer weltbürgerlichen Veredelung von vornherein mehr in das Lager der Demokratien passen mühten, sollte man eigentlich annehmen, daß der unbesonnene Ausstoß dieser gottbegnadeten kulturträchtigen Elemente aus dem Dritten Reich gerade von den kulturbeflissenen, parlamentarisch-demokratischen Staaten als erfreulicher eigener Gewinn angesehen werden würde. Allein dem ist nicht so. So hitzia sie in Wehklagen über die Verarmung des deutschen Kulturlebens sind, so kühl bedächtig sind sie in der lieber« und Aufnahme der dadurch endlich freigewordenen Repräsentanten eines wahrhaft höheren kulturellen und zivilisatorischen Menschentums. Daraus geht wohl auch wieder hervor, daß der ganze aufgeregte Jammer der internationalen demokratischen Gazetten über den deutschen Kulturzerfall ein genau so aufgelegter Schwindel ist wie so viele andere Offenbarungen auf dieser Welt. Im übrigen aber sprechen glücklicherweise trotz der für kulturelle Arbeiten so kurz bemessenen Frist der nationalsozialistischen Staatsführung, auch hier die positiven Taten schwerer als jede negative Krick i k. Wir Deutsche können heute mit Recht von einem neuerwachenden ^kulturellen Leben sprechen, und zwar findet dieses kulturelle Erwachen seine Bestätigung, nicht durch gegenseitige Komplimente und literarische Phrasen als vielmehr durch die positiven Dokumente kultureller Schöpferkraft. Die deutsche Baukunst, Bildhauerei, Malerei, unsere Theater Usw., sie erbringen heute den dokumentarischen Nachweis für eine künstlerische Schaffensperiode, wie sie nur in wenigen Zeitläuften der Geschichte ähnlich reich und stürmisch vorhanden war. Und wenn die jüdisch-demokratischenPressemacher auch heute noch mit eiserner Stirn die Tatsachen von unten nach oben umzukehren versuchen, so wissen wir doch, daß sich die deutschen kulturellen Leistungen in wenigen Jahren ihr" Selbstbeachtung und -bewertung noch viel une ageschränk- ter errungen haben werden, als dies bei unseren Arbeiten auf den materiellen Gebieten schon jetzt der Fall ist. Die Bauwerke, die im heutigen Reich entstehen, werden eine dauerhafte und vor allem ein
dringlichere Sprache führen als das Gemauschel unserer demokratisch-internationalen Kulturbegutachter. Was sich diese armseligen Wichte von ihren Fingern abschrieben und abschreiben, wird — vielleicht sogar leider — die Welt wie so vieles andere vergessen haben.
Die gigantischen Werke im Zeichen der kulturellen Wiederaufrichtung des Dritten Reiches werden aber einst zum unvergänglichen Kulturgut der abendländischen Welk gehören, genau so, wie es die großen Kulturleistungen dieser Welt in der Vergangenheit heute für uns sind.
Wir wissen, daß, wenn je ein Jude eine innere Stellung zu dieser unserer deutsch-arischen Kultur gefunden hat oder in der Zukunft finden würde, dies nur dem Umstand zuzu'schreiben sein könnte, daß in den Stammbaum dieses Ahasver durch Zufall oder Mißgeschick einmal ein Tropfen fremden Blutes kam, das nun gegen den Juden selbst zu zeugen beginnt. Die große Masse des Judentums aber ist als Rasse selbst kulturell gänzlich, unproduktiv, sie wird sich daher auch verständlicherweise zu den Lebensäußerungen primitiver Negerstämme mehr hingezogen fühlen als zu den kulturell hochstehenden Arbeiten und Werken wahrhaft schöpferischer Rassen. Es ist daher — wie schon betont — die Zusttmmung oder Ablehnung aus diesen jüdisch- marxistisch-demokratisch-internatioüalen Kreisen zu unserer Kulturpolitik für die Richtigkeit oder Un- richtigkeit unseres Handelns, den Wert oder Unwert unserer Leistungen nicht nur nicht entscheidend, sondern vollständig belanglos. Viel wichtiger bleibt demgegenüber die Stellungnahme unseres eigenen Volkes. Denn seine Anteilnahme oder Ablehnung ist die allein für uns als gültig anzusehende Beurteilung der Richtigkeit, unseres kulturellen Schaffens. Und ich will dabei einen Unterschied machen zwischen dem Volk, d.h. der gesunden, blutvollen und volkstreuen Masse der Deutschen, und einer unzuverlässigen, weil nur bedingt blutgebundenen dekadenten sogenannten „Gesellschaft". Sie wird manchesmal gedankenlos als „Oberschicht" bezeichnet, während sie in Wirklichkeit nur das Auswurfergebnis einer blutmäßig und gedanklich kos- mopolittsch infizierten und damit haltlos gewordenen gesellschaftlichen Fehlzüchtung ist.
Innige Verbundenheit von Kunst und Volk.
Soweit ich aber nun vom wirklichen Volke rede, wird niemand bestreiten, daß es uns gelungen ist, in wenigen Jahren zwischen der deutschen Kunst und dem deutschen Volke wieder eine innige Verbundenheit herzustellen.
3n unseren Theatern sitzen Millionen und Millionen deutsche Menschen und erfreuen sich an der Sprache unserer Dichter und am klingen einer ewig schönen Musik. Vor unseren Bauwerken stehen diese selben Millionen in bewundernder Aufgeschlossenheit und sind glück- tich, ihrem Stolz über diese großen und erhabenen nationalen Leistungen Ausdruck geben zu können. Unsere neuen Denkmäler werden von diesem Volke bejaht. Durch die Säle unserer Kunstausstellungen drängen sich hunderttausende und hunderttausende und begleiten so das Schaffen unserer Maler in ebenso gewandter wie zustimmender Aufmerksamkeit. Darin aber können wir den Beweis für die Richtigkeit der eingeschlagenen deutschen Kulturpolitik sehen.
Es ist, als ob Millionen Menschen gewartet hätten auf diese Verkündung einer ihnen im Unterbewußtsein von jeher vorschwebenden künstlerischen Offenbarung. So groß ist die Uebereinsftmmung zwischen dem Gefühl und Empfindung des Volkes und der sich vollziehenden und enthüllenden künstlerischen Tat, daß das Volk manchesmal nur zu leicht die Taten behält und die Schöpfer vergißt. Die größten Bauwerke der Völker sind laute Ruhmestitel für sie, aber nur zu oft stumme Zeugen für ihre vergessenen unbekannten Meister. Man sieht in diesen Werken etwas nahezu gottgewollt Selbstverständliches. So lebt der einzelne schöpferische Künstler in der gleich gestimmten Veranlagung aller. Freilich, wenn eine dekadente Ge- sellschaftsschicht den höchsten Nachweis ihres Wertes darin sieht, mit dem Volke nichts zu tun zu haben, mag dies für diese Art von Kunstbetrieb zumindest solange nützlich sein, als diese Gesellschaftsschicht sich im Besitz der materiellen Mittel befindet. Denn letzten Endes kommt es ja bei diesem Betrieb ohnehin auf etwas anderes nicht an. Nur dort, wo man au* das Volk auf die Dauer doch nicht Verzicht leisten konnte, weil in ihm allein auch der Träger
der finanziellen Erhaltung zu sehen war, mußte man sich wohl oder übel zu Konzessionen bequemen. Denn dieses Volk begann ansonsten zu streiken. Die verrückten Bilder hatte es ohnehin nie gekauft. Die konnte man nur einer finanziell reichen, aber kulturell blödseligen Schicht von Emporkömmlingen, Spießern oder dekadenten Hohlköpfen ausschwatzen. Die Theater aber z. B., die mußte das Volk füllen, und diese wurden allmählich leer. Die Ausstellungen verloren die Besucher. Von den an sich ja sehr unbedeutenden öffentlichen Bauten nahm die breite Masse keine Notiz. Aber nicht etwa, weil sie an sich keine Stellung zur Kunst hatte und daher kein Interesse daran vorhanden war, sondern im Gegenteil, weil sie der einzige gesunde Kern unseres Volkes war, der dazu überhaupt noch eine unverdorbene Einstellung besaß.
Wie sehr das Volk an den künstlerischen Leistungen einer Zeit Anteil nehmen kann, wissen wir aus zahlreichen Beispielen der Vergangenheit und erleben es aus ebenso vielen beglückenden Anzeichen der Gegenwart. Die größten Meisterwerke der antiken Baukunst, die Leistungen ihrer" Bildhauerei und Malerei galten als Nationaleigentum, ja als Nationalheiligtümer, aber nicht infolge irgendeines kaufmännischen Wertes, der etwa den von den heutigen Händlern gemachten Marktpreisen entsprochen haben könnte, nein, sondern infolge der inneren Anteilnahme, in der ein ganzes Volk ja damals ein ganzer Staat, die Geburt und das Werden eines solchen Werkes erlebt hatten. Und dies war in den großen Epochen der mittelalterlichen Kunst nicht anders. Die großen Künstler aber waren in solchen Zeiten die Lieblinge des Volkes, die einzigen wirklichen Könige von Gottes Gnaden, weil in ihnen die sonst so stumme Seele eines Volkes die Kraft einer durch Gott begnadeten Aeußerung erhielt.
Es ist daher aber auch nur zu verständlich, daß nicht nur das Volk eine innere Anteilnahme an seiner wirklichen Kunst zu allen Zeiten besessen hat, sondern daß umgekehrt auch die Künstler in innerster Anteilnahme all dem gegenüberstanden, was die Völker erlebten, d. h. was die Menschen in Fühlen, Denken und Handeln beherrschte. Die Kunst war stets im Gesamten ihrer Zeit verpflichtet. Sie mußte dem Geist ihre'' Zeit dienen und beherrschen oder es gab keine Kunst.
Ja, noch mehr: sie stand darüber hinaus überhaupt im Dienste der Aufgaben ihrer Zeit und half damit selbst an ihrer Gestaltung und Ausprägung mit. Das Wesen ihres Wirkens liegt nicht in der rein beschaulichen Wiedergabe des Inhalts und Ablaufs als vielmehr in der eindrucksvollsten Demonstration der Kräfte und Ideale, eines Zeitalters, wögen diese nun religiöser, kultureller, politischer Herkunft sein, oder mögen sie aus einer neugewordenen Gesamtschau stammen, die ihre Wurzel in der Erkenntnis eines ewigen Gesetzes hat, das dem Menschen bisher als Theorie vielleicht verborgen geblieben war, als unbewußte oder geahnte Kräfte ihn aber in seinem ganzen Dasein und seinem Lebenskämpfe stets beherrschte.
So ist die Kunst des Griechentums nicht nur eine formelle Wiedergabe griechischer Lebensgestaltung oder griechischer Landschaften und ihrer Menschen, nein, sie ist eine Proklamation des griechischen Körpers und Geistes an sich. Durch sie wird nicht Propaganda geleistet für ein einzelnes Werk, für das Sujet oder den Künstler, sondern Propaganda geleistet für die im Griechentum uns gegenüber« stehende griechische Welt als solche. Ein Kulturideal steht vor uns auf, das uns dank feiner Kunst und unserer eigenen blutmäßig verwandten Herkunft auch heute noch eine zwingende Vorstellung vermittelt von einer der schönsten Epochen der menschlichen Entwicklung und deren lichtvollsten Trägern. Und genau so zeugt die römische Kunst für die imperiale Macht der römischen Welt.
Der artfremd werdende Charakter derselben römischen Kunst fällt nicht durch Zufall zusammen mit der gesellschaftlichen Entartung ukd dem daraus resultierenden allmählichen staatlichen Zusammenbruch des antiken Weltreiches. Ebenso aber sehen wir in der christlichen Kunst den Herold eines Zeitalters, das 'in seinem gesamten Wesen, seinen Vorstellungen, seinem Denken und Handeln einen wahrhaft schlagenden Ausdruck findet in seinen Kirchen, seinen Skulpturen, seinen Bildwerken, seiner Musik usw., und darüber hinaus in der sonstigen gesamten künstlerischen Behandlung des aUaemeinen Lebens.
Es wird daher heule die Kunst, aber ebenso der Herold und Künder jener gesamten Geistes-
Haltung und Lebensauffassung sein, die die jetzige Zeil beherrschen. Und dies nicht nur deshalb, weil diese Zeil den Künstlern die Aufträge erteilt, sondern weil die Ausführung dieser Aufträge nur dann auf Verständnis stoßen kann, wenn sich in ihr das Wesen des Geistes dieser Zeil offenbart
Der Mystizismus des Christentums fordert in seiner verinnerlichsten Periode eine architektonische Gestaltung der gestellten Bauaufgaben, die dem Zeitgeist nicht nur nicht widersprach, sondern im Gegenteil mithalf, jenes geheimnisvolle Dunkel zu erzielen, das die Menschen bereiter fein ließ, der Selbvernei- nung zu gehorchen. Der aufsteigende Protest gegen die jahrhundertelange Vergewaltigung der Freiheit der Seele und des Willens findet sofort den Weg zu neuen Ausdrucksformen des künstlerischen Gestaltens. Die mystische Enge und Düsterkeit dek Dome begann zu weichen, und entsprechend dem freien Geistesleben öffnen sich die Räume zu lichten Weiten. Das mystische Halbdunkel wich einer zunehmenden Helle. Der unsicher tastende llebergang des 19. Jahrhunderts führte endlich in unserer Zeit zu jener Krise, die, so oder so, ihre Lösung finden mußte. Entweder das Judentum konnte mit seinem bolschewistischen Ansturm die arischen Staaten zerschlagen und die blutbedingten führenden eigenen Volksschichten ausrotten, dann mußte die aus diesen Wurzeln bisher erwachsende Kultur der gleichen Vernichtung entgegengeführt werden. Diesen Kampf um die Macht hat das Judentum auch in unserem Staat über 100 Jahre gekämpft. Dafür hat es gerungen, sich zahlreicher Einrichtungen bemächtigt, andere Institutionen zerstört oder wenigstens ange- fressen und nicht zuletzt auch das kulturelle Leben nach feinen Bedürfnissen auszurichten versucht. Die Kunst dieser Periode war der schlagende Ausdruck der politischen Tendenz dieser Zeit und so, wie diese dekompositiv war, wirkte auch die Kunst im gleichen Sinne. Ihre Erscheinungsformen entsprachen der politischen Weltauffassung, das heißt der uns bekannten Zielsetzung des Ferments der De« kom Position der Völker und Rassen, wie Mommsen baä1 Judentum bezeichnete.
Me gesamtMmelle Erbmasse.
Da der Sinn dieser nationalsozialistischen Revolution nun aber keineswegs' eine Zerstörung der übernommenen Werte unseres bisherigen geschichtlichen Lebens ist, kann es auch nicht die Aufgabe der heutigen deutschen Kunst sein, in erster Linie die negative Einstellung zur Vergangenheit zu betonen, als vielmehr dem Gesamtkulturgut unseres Volkes das als künstlerisches Erbe das gesammelte Kulturvermögen unserer blutbedingten Erbmasse ist, einen eigenen neuen Beitrag anzufügen. Die Größe eines kulturellen Zeitalters kann nicht gemessen werden an dem Umfang der Ablehnung früherer kultureller Leistungen als vielmehr am Umfang eines eigenen kulturellen Beitrages, von dem sich erwarten läßt, daß er von den Nachkommen als genügend wertvoll angesehen wird, dem gesamten Kulturschatz endgültig eingegliedert und damit weiter vererbt zu werden. Dieser aus volklich eigener Schöpferkraft und verwandten Kulturschaffens auf- gespeicherten gesamtkulturellen Erbmasse einen eigenen Beitrag anzusügen,
muß der Stolz und der Ehrgeiz jedes anständigen Zeitalters und damit jedes Zeitgenossen fein, wobei wir uns keinen Augenblick darüber einer Täuschung hingeben, daß genau so wie in der Vergangenheit aus einer Vielzahl kultureller Arbeiten mir ein Bruchteil erhalten wurde, auch von unseren Leistungen nur ein Bruchteil von der Zukunst übernommen werden wird. Entscheidend ist nur, daß dieser Bruchteil einer zahlenmäßig umfangreichen Produktion einen H ö ch st w e r t im einzelnen dar- stellt. Die gesamte kulturelle Arbeit eines Volkes hat nicht nur nach einem Auftrag zu erfolgen, sondern in „einem" G e i st stattzufinden. Und die Genies sollen dayer nicht als das Abnormale gelten, sondern müssen nur die überragende Ausnahme sein, d. h. ihre Werke haben durch die ihnen eine zwingende Ueberlegenheit so sehr an Helligkeit zu gewinnen, daß sie die anderen gleichgearteten Leistungen überstrahlen und so die gesunde Masse eines Volkes in kurzer Zeit wie selbstverständlich in den Bann ihrer Leuchtkraft ziehend
Der Rationalsozialisms als Kirklichleilslehre.
Es ist stets der Beweis für innere Begnadung des wahrhaften Künstlers, diesen auch ihn erfassenden Gesamtwillen einer Zeit in seinem Kunstwerk auszudrücken. Vielleicht mag dies für alle am leichtesten sichtbar bei den Werken der B a u f u n ft gelingen. Hier ift unmittelbar zu erkennen, wie sehr schon der Auftrag die innere Haltung und äußere Form einer Lösung bedingt. Die religiöse, innerlich zugewandte mystische Welt des christlichen Mittelalters hat Ausdrucksformen gefunden, die nur für diese Welt allein möglich, ja nützlich sind. Ein gotisches Stadion ist genau so undenkbar wie ein romanischer Bahnhof oder eine byzantinische Markthalle. Sie spricht nicht für das absolut richtige oder unrichtige des Lebensgehaltes dieser Zeit an sich, sondern sie spricht nur für die richtige Wiedergabe des einmal gewesenen inneren Zustandes dieser Zeit in den künstlerischen Werken. Nie kann zugegeben werden, daß Bauwerke, die ein Produkt und Wahrzeichen des nationalsozialistischen Zeitalters sein sollen, einen Auftrag erhalten oder eine Erfüllung finden von und in außerhalb des Wesens, der Haltung und der Zielsetzung unserer Zeit liegenden Erscheinungen, und es ist hier die hohe Aufgabe der öffentlichen Auftraggeber eines Zeitalters, nicht durch die Art der Stellung ihrer Aufträge die Anleitung für eine Fälschung des Geistes ihrer eigenen Zeit zu geben und damit die Grundlage ihrer eigenen weltanschaulichen Existenz in Frage zu stellen.
Der Nationalsozialismus ist eine kühle Wirklichkeilslehre schärfster wissenschaftlicher Erkenntnisse und ihrer gedanklichen Ausprägung. Indem wir für diese Lehre das Herz unseres Volkes erschlossen haben und erschließen, wünschen wir nicht, es mit einem Mystizismus zu erfüllen, der außerhalb des Zweckes und des Zieles unserer Lehre liegt. Vor allem ist der Nationalsozialismus in seiner Organisation wohl eine Volksbewegung, aber unter keinen Umständen eine kulturelle Bewegung.
Insoweit sich die Aufklärung und Erfassung unseres Volkes bestimmter, nunmehr schon traditionell gewordener Methoden bedient, sind diese Ergebnisse einer Erkenntnis aus Erfahrungen, die im Zweckmäßigen liegen. Es ist daher auch zweckmäßig, sie später als Brauchtum zu erhalten. Sie haben aber nichts zu tun mit aus anderen Gesichtspunkten etwa entliehenen ober entnommenen Methoden oder Ausdrucks formen, die bisher die Bezeichnung „Kult" für sich in Anspruch genommen haben; denn der Nationalsozialismus ist eben
keine kultische Bewegung, sondern eine aus- schließlich aus rassischen Erkenntnissen erwachsene völkisch-politische Lehre.
Wir haben keine Kultheime, sondern Sportarenen
und Spielwiesen, und das Charakteristikum unserer Versammlungsräume ist nicht das mystische Dunkel einer Kultstätte, sondern die Helligkeit und das Licht eines ebenso schonen wir zweckmäßigen Saaloder Hallenbaues. Cs finden daher in ihnen auch keine kultischen Handlungen statt, sondern ausschließlich Volkskundgebungen in der Art, in der wir im Laufe langer Kämpfe dies erlernten und damit es gewohnt sind und es uns so bewahren wollen. Das Einschleichen mystisch veranlagter, okkulter Jenseitsforscher darf daher in der Bewegung nicht geduldet werden. An der Spitze unseres Programms steht nicht das geheimnisvolle Ahnen, sondern das klare Erkennen und damit das offene Bekenntnis. Indem wir aber in den Mittelpunkt dieser Erkenntnis und dieses Bekenntnisses die Erhaltung und damit Fortsicherung eines von Gott geschaffenen Wesens stellen, bieften wir damit der Erhaltung eines göttlichen Werkes und damit der Erfüllung eines göttlichen Willens, und zwar nicht im geheimnisoolen Dämmerschein einer neuen Kuttftätte, sondern vor dem offenen Antlitz des Herrn.
Unser Kult heißt ausschließlich Pflege des Natürlichen und damit auch des göttlich Gewollten. Unsere Demut ist die bedingungslose Verbeugung vor den uns Menschen bekannt werdenden göttlichen Gesetzen des Daseins und ihre Respektierung. Unser Gebet heißt: Tapfere Erfüllung der sich daraus ergebenden Pflichten. Für kultische Handlungen aber sind nicht wir zuständig, sondern die Kirchen! Keinesfalls können der Nationalsozialismus und der nationalsozialistische Staat der deutschen Kunst andere Aufaaben stellen, als sie in unserer Weltanschauung begründet liegen.
Sie dürfen aber auch keine Aufgabe stellen, die der Kunst an sich zu erfüllen unmöglich ist. Und die Künstler selbst dürfen nicht versuchen, Aufgaben zu losen, die außerhalb des Vermögens der künstlerischen Gestaltungskraft liegen. Ich erwähne dies als unendlich wichtig, weil ein einmal eingeschlagener Irrweg unter Umständen ein ganzes Jahrhundert künstlerisch unfruchtbar machen kann. Und es ist dabei gleich gefährlich, ob nun der öffentliche Auftraggeber in seinen Aufträgen an sich schon versagt hat, ober ob die Künstler, von einer falschen Auffassung beherrscht, an der einzig möglichen richtigen Lösung vorbeigehen Aus einer falschen Zielsetzung, die von einem öffentlichen Auftraggeber in einer Zeit ausgegeben wird, kann nur zu leicht ein falscher Ehrgei,^erwachsen, Probleme zu gestalten, die nicht gestaltbar sind. Es ist daher von vornherein unmöglich, der deutschen Bau« k u n st einen Auftrag zu erteilen, der gerade vom nationalsozialistischen Künstler nicht ausgeführt werden kann, weil er außerhalb der ihn befruchtenden nationalsozialistischen Erkenntnis und Haltung liegt. Die Diskrepanz zwischen einer solchen Auf-


