Freilassung aller im übrigen Lande inhaftierten Reichsdeutschen zu verfügen.
Die acht Kliniken der Deutschen Universität i n P r a g sind seit einigen Tagen g e - schlossen und versiegelt. Die Aerzte und die auch bei den tschechischen Patienten sehr beliebten Krankenschwestern sind zum Teil verhaftet und befinden sich im P o l i z e i g e f ä n a n i s in Prag in denkbar unhygienischen Verhältnissen. Die in den Krankenzimmern verbliebenen Patienten werden von den minder ausgebildeten tschechischen Aerzten der tschechischen Universitätsklinik versorgt. Das tschechische Schulministerium weigert sich, obwohl genügend deutsche Schwestern und Aerzte vorhanden sind und trotz wiederholter Vorstellung der deutschen Universitätsbehörden, die Kliniken der Deutschen Universität freizugeben. Man fragt sich in den durch diese Maßnahmen des tschechischen Ministeriums betroffenen Kreisen mit Besorgnis, ob diese Haltung der Absicht entspringt, sämtliche deutschen Universitätskliniken einzuverleiben.
Oer internationale Ausschuß
Berlin, 1. Okt. (DNB.) Der Internationale Ausschuß hielt am ^Oktober zwei Sitzungen ab. Er genehmigte das von der militärischen Unterkommission ausgearbeitete Programm für die Durchführung der Räu- mung und Besetzung der Zonen II, III und IV. Er setzte ferner eine Unterkommission ein, die sich mit den wirtschaftlichen und finanziellen Problemen befassen wird, und eine weitere Unterkommission, die beauftragt ist, die Organisation der Volksabstimmung und Festlegung der Grenze zu studieren. Die Kommission vertagte sich auf Montag.
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Die Kommission besteht aus dem Staatssekretär Frhrn. von Weizsäcker aus dem Auswärtigen Amt, den Berliner Botschaftern Italiens, Englands und Frankreichs und einem tschechischen Diplomaten, der wahrscheinlich der Berliner tschechische Gesandte
Mastny ist. Es geht schon aus dem Gesagten hervor, daß aus dem sofortigen Arbeitsbeginn der Kommission eine radikale Abkehr von den bisherigen internationalen Arbeitsmethoden liegt, deren unendliche Schwerfälligkeit ja hinreichend bekannt ist. Das, was die Vertreter der Westmächte während der Münchener Besprechungen an Tatsachen über den wirklichen Zustand in der Tscheche! und im Sudetengebiet erfuhren, sowie die Nachwirkung der unmittelbaren Kriegsgefahr in den letzten Tagen hat also anscheinend auch die beiden verantwortlichen Staatsmänner Englands und Frankreichs zu der Ueberzeugung bekehrt, daß Arbeitsmethoden im Genfer Stil angesichts des bolschewistischen Schreckensregimentes in der Tschechei keinesfalls zu verantworten gewesen wären.
Man darf natürlich nicht übersehen, daß die ganze Materie eine Reihe schwieriger Einzelheiten mit sich bringt. Die Internationale Kommission hat also nickt nur die Modalitäten der Räumung und der Besetzung des sudetendeutschen Gebietes sowie die Einzelheiten der Volksabstimmung und der späteren Grenzziehung zu regeln, sondern sie wird auch jene Einzelfragen zu bearbeiten haben. Es ist selbstverständlich, daß dazu eine ganze Reihe von Sachverständigen der einschlägigen Spezial- aebiete durch die Mitglieder des fünfköpfigen Ausschusses herangezogen werden.
In jedem Fall wird die Gesamtarbeit des Internationalen Ausschusses bei aller Sorgfalt m i t größter Beschleunigung durchgeführt werden. Das liegt einmal im logischen Sinn der gesamten Münchner Abmachungen, zweitens im unmittelbarsten Interesse der Sudetendeutschen, von denen ein beträchtlicher Teil zu dieser Stunde ja bereits für immer von dem bolschewistisch-tschechischen Terror befreit ist. Darüber hinaus aber deuten die Münchner Besprechungen sowie die gemeinsame Erklärung Adolf Hitlers und Chamberlains über den Wunsch der Ausschaltung des Krieges zwischen Deutschland und England für alle Zeiten auf das große Ziel der endgültigen Befriedung Europas hin, dessen Verwirklichung ebenso energisch wie rasch angestrebt werden muß. B. R.
Die Verwaltung der sudetendeuischen Gebiete.
Konrad Henlein vom Führer zum Keichskommiffar ernannt.
Berlin, 1. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat über die Verwaltung der sudetendeutschen Gebiete am 1. Oktober einen Erlaß unterzeichnet, der folgenden Wortlaut hat:
§ 1.
Mit der Besetzung der sudetendeutschen Gebiete durch deutsche Truppen übernimmt das Deutsche Reich die Verwaltung dieser Gebiete.
§ 2.
An die Spitze der Verwaltung dieser Gebiete tritt der „Reichskommissar für d i e sudeten- deutschen Gebiete", sobald und soweit ich den dem Oberbefehlshaber des Heeres erteilten Auftrag zur vorläufigen Ausübuna der Verwaltung zurückziehe. Dem Reichskommifsar werden sämtliche
Konrad Henlein.
I.
Verwaltungszweige zugewiesen. Der Reichsminister des Innern bestimmt im Einvernehmen mit dem zuständigen Reichsminister den lieber» gang einzelner Verwaltungszweige auf die bestehenden Reichssonderverwaltungen.
§ 3.
Der Reichskommissar untersteht mir un° mittelbar. Gr l)at nach meinen allgemeinen Weisungen für den politischen Aufbau sowie nach den besonderen Weisungen der Reicksminister für den staatlichen, wirtschaftlichen und kul- turellen Aufbau der sudetendeuischen Gebiete zu sorgen.
§ 4.
Der Reichskommissar ist befugt, den Dienststellen des Staates, der Gemeinden und der sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie im Rahmen allgemeiner Weisungen des Stellvertreters des Führers den Dienststellen der Sudetendeutschen Partei, ihren Gliederungen und den ihr angeschlossenen Verbänden in den sudetendeutschen Gebieten Weisungen zu erteilen. Er übt die unmittelbare Aufsicht über die öffentlich-rechtlichen Körperschaften in den sudetendeutschen Gebieten aus.
§ 5.
Das zur Zeit in den sudetendeutschen Gebieten geltende Recht bleibt bis auf weiteres in Kraft, soweit es nicht demSinnederUeber- nähme dieser Gebiete durch das Deutsche Reich widerspricht. Der Reichskommissar kann mit Zustimmung des zuständigen Reichsministers und des Reichsministers des Inneren durchDerordnung das bestehende Recht ändern. Die Verordnungen werden im Verordnungsblatt für die sudetendeutschen Gebiete verkündet. Sie treten, soweit sie nichts anderes bestimmen, mit dem auf die Verkündung folgenden Tag in Kraft.
§ 6.
Zum Reichs kommiff ar für die sudetendeutschen Gebiete bestelle ich den Führer der Sudeten- deutschen Konrad Henlein.
§ 7.
Die Einführung des Reichsrechtes in den fudeten- deutschen Gebieten erfolgt durch mich oder durch den zuständigen Reichsminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren.
§ 8.
Zentralstelle für die Ueberleitung der sudetendeutschen Gebiete ist der Reichsminister des Inneren.
§ 9.
Der Reichsminister des Inneren erläßt die zur
Durchführung und Ergänzung dieses Erlasses erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
Berlin, den 1. Oktober 1938.
Der Führer und Reichskanzler. Gez.: Adolf Hitler.
Der Reichsminister des Inneren. Gez.: Dr. F r i cf. Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei.
Gez.: Dr. Lammers. ♦
Der Erlaß des Führers und Reichskanzlers vom 1. Oktober bildet den Abschluß der 20jährigen Not-, Kampf- und Leidenszeit des sudetendeutschen Volkes. Mit diesem Tage treten diejenigen sudetendeutschen Gebiete, die bis zum 10. Oktober von den deutschen Truppen besetzt werden, endgültig in den Verband des Reiches über, lieber sie hält von nun an das Reich feine schützende Hand. Mit dem gleichen Tage zieht die deutsche Verwaltung in diesem Lande ein. Der Führer und Reichskanzler hat weiterhin bestimmt, daß der „Reichskommissar für die sudetendeutsche Gebiete" d i e Verwaltung des neu dem Reiche gewonnenen Landes übernimmt. Für die Zeit des Einmarsches übt der Befehlshaber der Besatzungstruppen diese Funktion aus. Er wird, wenn seine Ausgaben erfüllt sind, durch den Führer von diesem Auftraa entbunden werden und seine Dienstgeschäfte an Konrad Henlein abtreten. Der Auftrag, der dem Führer der Sudetendeutschen damit zuteil aeworden ist, bildet die Krönung seiner bisherigen Arbeit. Ihm die Eingliederung und die Verwaltung des sudetendeutschen Landes übertragen zu haben, ist der Dank, den Adolf Hitler dem treuen Vorkämpfer des sudetendeutschen Volkes da- mit abstattet.
Die nächste Ausgabe.
Ein Aufruf Henleins zur Bolsabstimmung.
Berlin, 2. Okt. (DNB.) Konrad Henlein wendet sich nach seiner Bestellung zum Reickskommissar für die sudetendeutschen Gebiete an feine Lands le ute mit folgendem Aufruf:
Sudetendeutsche! Der Führer und Reichskanzler hat mich am heutigen Tage zum Reickskommissar für die sudetendeutsche Gebiete bestellt. Am 1. Oktober 1933 habe ich euch in schicksalsschweren Tagen zur Einheit aufgerufen. Fünf Jahre hindurch haben wir um die Freiheit unserer Heimat gekämpft. Durch die Tat des Führers wurde unser Kampf siegreich beendet. Durch meine Bestellung zum Reichskommifsar hat der Führer unsere Arbeit und unseren Kampf gewürdigt und uns gleichzeitig die Gestaltung unserer weiteren Zukunft im großen deutschen Daterlande vertrauensvoll überantwortet.
Aus übervollem Herzen danken wir dem Führer. Getragen und erfüllt von feinem Vertrauen petzen wir nun mit neuer Kraft an di e Arbeit und versprechen, uns dieses Vertrauens würdig zu erweisen durch treuesten Dienst an der nationalsozialistischen Idee und der Größe des Vaterlandes. Wir gedenken in dieser Stunde in tiefster Dankbarkeit der Blutzeugenunserer Heimat. Sie starben, damit wir und unsere Kinder in Freiheit leben können.
Dor uns Lebenden aber steht die nächste Aufgabe, der wir in gewohnter Pflichterfüllung und mit vollem Einsatz unserer Kräfte dienen wollen: durch das Ergebnis der Volksabstimmung die Freiheit der ganzen sudetendeutschen Heimat zu sichern. Wir wollen der Welt noch einmal den Nachweis bringen, daß das Sudetendeutschtum geschlossen und in treuester Gefolgschaft hinter Adolf Hitler, dem Führer aller Deutschen, steht.
Herl Hitler!
1. Oktober 1938. Konrad Henlein.
Ein Prager Ministerausschuß für Fragen der neuen Grenzziehung. Prag, 2. Okt. (DNB.) In einer gemeinsamen Beratung mit Vertretern der Koalitivnsparteien hat die Regierung beschlossen, ein besonderes Mini- ftertomitee einzusetzen, das für die Fragen der neuen Grenzziehung und alle damit zusammenhängenden Probleme zuständig sein soll. Vorsitzender dieses Komitees ist Ministerpräsident General S y r o v y , fein Stellvertreter Vizepräsident Innenminister Czerny. Dem Komitee gehört auch Außenminister Dr. K r o f t a an. Es soll alle fian- ziellen, juristischen, wirtschaftlichen und prioatrecht-
lichen Fragen behandeln, die sich mit der Festsetzung der neuen Grenizen, mit der Umsiedlung der Bevölkerung und mit allen übrigen Angelegenheiten befassen, die von dem internationalen Aus- schuß für die Grenzziehung beschlossen werden.
Ungarn fordert sofort Verhandlungen
Budapest, 2. Okt. (DNB.) Die ungarische Regierung hat der tschecho-slowakifchen Regierung eine Note überreichen lassen, worin sie die tschecho-slowa- kische Regierung auffordert, im Sinne der Münchener Beschlüsse sofort die Ver- Handlungen mit Ungarn aufzuneh- I m e n , damit das Nationalitäten-Selbstbestlm- mungsrecht identisch mit der Lösuna der s u d e t e n d e u t s ch e n Frage verwirklicht werde. Der tschecho-slowakische Außenminister K r o f t a machte zur Note vorläufig lediglich Bemerkungen persönlicher Natur, die jedoch darauf schließen lassen, daß die tschecho-slowakische Regie
rung sich der Notwendigkeit des raschen Handelns auch ihrerseits bewußt ist.
Tschechen sprengen Bahnstation an der ungarischen Grenze.
Budapest, 2. Okt. (DNB.) Die auf tschechoslowakischen Staatsgebiet liegende Eisenbahnstation Tornala (nördlich von Banreoe) wurde von den Tschechen Sonntagoormittag i n d i e L u s t gesprengt. Die Explosion forderte 19 Tote. Das tschechische Militär hat die aus Tornala in das Innere des Landes führende Eisenbahnlinie eiligst auf- gerissen. Der tschechische und kommunistische Terror wütet weiter gegen die ungarische Bevölkerung. Un- der dem Vorwand von Haussuchungen werden die Wohnungen regelrecht geplündert. In der Gegend von Dobsina leben zahlreiche deutsche Siedler, die unter der Willkür der Tschechen und der bewaffneten Kommunisten ebenfalls viel zu leiden haben.
Rückgabe des Olsa-Gebieis
Prag fügt sich auch den polnischen
Warschau, 2. Okt. (DNB.) Auch die drohende Kriegsgefahr, die sich aus dem polnisch-tschechischen Konflikt ergab, ist endgültig beseitigt. Die polnische Note vom 3 0. September, die die Forderungen der polnischen Regierung in der Frage der Rückgabe des Olsagebietes an Polen festlegte, wurde heute von der Regierung der Tschecho-SIo- wakischen Republik in vollem Umfange angenommen. Gemäß dem Wortlaut der polnischen Note wurde der Teschener Bezirk den polnischen militärischen Stellen bis zum 2. Oktober, 14 Uhr, übergeben. Die übrigen Teile des Kreises Teschen und des Kreises Freistadt werden innerhalb von zehn Tagen von den Tschechen geräumt. Die übrigen Fragen, wie die Festlegung der übrigen Gebiete, die Prozedur der Durchführung der Volksabstimmung in diesen Gebieten, die Frage der Verrechnungen, die sich aus der Uebergabe der Gebiete ergeben, werden auf dem Wege einer Verständigung mit der tschecho-slowakifchen Regierung geregelt. Die tschecho-slowakische Regierung muß weiter dafür Sorge tragen, daß unverzüglich die Polen aus der tschecho-slowakifchen Armee entlassen werden und daß auch sämtliche politischen Gefangenen polnischer Nationalität auf freien Fuß gesetzt werden.
Die Polen haben am Sonntag um 14 Uhr das von der Tschecho-Slowakei abgetretene Gebiet an der Olsa auf der historischen Olsa-Brücke, durch die die Stadt vor 20 Jahren in zwei Teile durchschnitten worden war, übernommen. Der tschechische General Krapezyk übergab auf der Brücke das Gebiet in die militärische Obhut des polnischen Generals B r o t n o s k i. Jubelnd begrüßt von der polnischen Bevölkerung rückten danach als erste die polnischen Freikorps ein, die in den letzten Tagen den Abwehrkampf gegen die Rote Wehr und
Forderungen.
die tschechische Gendarmerie geführt hatten. Sodann zog die polnische Zivilverwaltung mit dem schlesischen Wojewooen G r a s z y n s k i an der Spitze in die Stadt Teschen ein. Die Begeisterung der befreiten Polen im bisherigen tschechischen Staatsgebiet an der Olsa wollte bei dem darauffolgenden Einmarsch der polnischen Truppen, insbesondere der Panzer- und Tankabteilungen, fein Ende nehmen. Ein Geschwader polnischer Flugzeuge überflog die Grenze und kreiste über dem jetzt zu Polen gehörenden Gebiet.
Die Rückgliederung des Teschener Gebiets an Polen ist im ganzen Lande mit einer unbeschreiblichen Begeisterung ausgenommen worden. In Warschau versammelten sich Tausende von Menschen auf dem Pilsudskiplatz. Darauf zog die Menge vor das Außenministerium, um Außenminister Beck ihren Dank abzustatten und zum General- Inspektorat, um Marschall Rydz-Smigly zu huldigen. Aus Teschen wird gemeldet, daß sofort nach Bekanntwerden der Befreiung des Teschener Gebiets Kundgeber zur großen Brücke über die Olsa zogen, wo die Grenzpfähle herausgerissen und im Triumphzug nach Polnisch- Teschen geführt wurden, um im dortigen städtifchen Museum ausgestellt zu werden.
Die Ausdehnung des an Polen zurückgegebenen Gebiets von Teschen, dessen militärische Besetzung am Sonntag begann, beträgt 800 Quadratkilometer mit einer Beoölkerungsziffer von 240 000 Menschen. Dieses Gebiet ist reich an Naturschätzen und Naturschönheiten. Es gibt dort Kohlengruben mit einer Jahresproduktion von etwa einer Million Tonnen. Auf dem abgetretenen Gebiet befindet sich der Kurort Darkow, der die stärksten Jodquellen Europas besitzt.
Zusammenarbeit für die Festigung des Friedens. Eine Botschaft Ehamberlains an Daladier.
Paris, 2.Oft, (DRV.) Der englische TUiniffer- präfibent Chamberlain Hal an Daladier eine Botschaft gerichtet, in der Chamberlain dem französischen Ministerpräsidenten für die Hilfe und loyale Zusammenarbeit in den kürzlichen Tagen der Sorge seine dankbare Anerkennung sowie für den Mut und die Wärme, mit der Daladier sein großes Land vertreten habe, seine Bewunderung ausspricht.
„In der Erklärung, die der deutsche Kanzler und ich selbst unterzeichnet haben", so lautet das Schreiben weiter, „haben wir übereinstimmend festgestellt, daß unsere beiden Völker einig seien in ihrem Wunsche nach Frieden und freundschaftlicher Befragung für alle Streitfälle, die auftauchen können. Die Herzen unserer beiden Völker sind so eng verbunden, daß ich weiß, daß diese Gefühle ebenso diejenigen Ihres Landes wie des meinigen sind. Ich sehe in der Zukunft eine erneute unb fortgesetzte Zusammenarbeit mit Ihnen, die sich durch neue Bemühungen für die Festigung des europäischen Friedens ausdrückt, dank der Entwicklung des guten Willens und des Vertrauens, die die zwischen unseren beiden Ländern bestehenden Beziehungen in so glücklicher Weise beseelen.
Eine Solschafi König Georgs.
London, 2. Okt. (DNB.) König Georg hat folgende Botschaft an die britische Nation gerichtet: „Die Zeit der Beunruhigung ist vorbei und wir waren heute in der Lage, d c m Allmächtigen für d i e Barmherzigkeit zu danken, daß er uns vor dem Kriegsschrecken bewahrt hat. Ich möchte jetzt den Männern und Frauen dieses Landes für ihre ruhige Entschlossenheit während dieser kritischen Tage danken sowie für ihre Bereitschaft, mit der sie den verschiedenen an sie ergangenen Aufforderungen Folge geleistet haben. Meine glühende Hoffnung ist es, daß nach den herrlichen Bemühungen des Premierministers in der Sache des Friedens eine neue Aera der Freundschaft und des Wohlergehens über den Völkern der Welt zu dämmern beginnen möge."
Oaladier am Grabe
des Unbekannten Soldaten.
Paris, 1. Okt. (Europapreß.) Die Dämmerung eines milden Herbstabends senkte sich schon auf Paris hernieder, während Tausende von Menschen sich auf den Champs Elysöes sowie auf den zum Etoile-Platz führenden Straßen ansammelten, um der symbolischen Handlung beizuwohnen, mit der Ministerpräsident Daladier die Flamme am Grabmal des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen erneuerte. Republikanische Garde bildete Spalier. Auf dem Grabmal, das mit Blumen übersät war, hatte schon vorher eine Abordnung der französischen Landbewohner vier Aeh- ren als Zeichen der friedlichen Aufbauarbeit niedergelegt. Um 8.30 Uhr zogen Frontkämpferabordnungen mit über 100 Fahnen die Champs Glysses entlang nach Dem Triumphbogen. Der Minister
präsident begab sich in Begleitung der Führer der Frontkämpfer zum Grabmal des Unbekannten Soldaten, wo ihn Mitglieder der Generalität erwarteten. Es folgte dann die symbolische Erneuerung der Flamme durch Daladier und eine Minute dcs Schweigens. Zum Schluß ertönte die Marseillaise, in die die Menge begeistert einstimmte.
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Die Bevölkerung der 12 000 Einwohner zählenden südfranzösischen Stadt Carpentras, der Heimatstadt des Ministerpräsidenten Daladier, hat ihrem Landsmann eine eindrucksvolle Ehrung bereitet. Am Samstagabend begaben sich mehrere tausend Einwohner mit dem Bürgermeister und den Kriegsteilnehmern auf den Friedas und legten am Kriegerdenkmal unter dem Geläut der Glocken der Stadt einen Kranz nieder. Zur gleichen Zeit, als in Paris der Ministerpräsident die Flamme am Grabe des Unbekannten Soldaten erneuerte, begaben sich dann die Bewohner der Stadt Carpentras zum Grabe der Eltern Daladiers, wo sie ebenfalls Blumen niederlegten. Am Sonntagvormittag fand eine Ehrung Daladiers vor feinem Geburtshause statt. Die Menge fang die Marseillaise und rief: „Es lebe Daladier! E s lebe der Friede!"
Duff Eooper zurückgetreten.
London, 1. Okt. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt, daß der Erste Lord der Admiralität, Duff Cooper, am Samstagnachmittag feinen Austritt aus der Regierung erklärt hat. Premierminister Chamberlain hat den Rücktritt angenommen.
Ruhiges Wochenende in London.
London, 1. Okt. (Europapreß.) Ministerpräsident Chamberlain hat London nach einer kurzen Unterredung mit Außenminister Lord Halifax verlassen, um in Chequers das Wochenende zu verbringen. Während des ganzen Vormittags beförderte die Poft Säcke von Glückwunschschreiben und Blumen in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten. Man erinnert sich bei der Postverwaltung nicht, jemals derartige umfangreiche .Aufträge" für die Downing- ftreet erhalten zu haben.
Das K ö n i g s p a a r hat sich nach Schloß Bal- moral in Schottland zurückbegeben, um dort den Rest der Ferien zu verbringen. Die am 26. September einberufepen Mannschaften des Bevbachter- Korps der territorialen Reserve-Armee sind am Samstag wieder entlassen worden.
Vor der Sitzung des Merhauses.
Neue Aufgaben für Chamberlain.
London, 3. Okt. (DNB. Funtspruch.) Die englischen Blätter bringen spaltenlange Berichte über das Einrücken der deutschen Truppen ins Sudeten- land. Die Korrespondenten schildern die begeisterten Begrüßungskundgebungen, die den tinmarid)ierent)en Truppen von der sudetendeutschen Bevölkerung bereitet wurden. — Weiter bildet der heutige Zu- sammentrittdesUnterhausesden Gegen- stand langer Betrachtungen. Aus den Kommentaren wird ersichtlich, daß die Kritik, die sich seit dem Wochenende trotz aller Anerkennung und allen Dankes für die Arbeit Chamberlains neben der Genug-


