Hr.28 Erstes Blatt
188. Zahrgang
Donnerstag. 3.5ebruar 1938
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Oer neue Zwischenfall im Mittelmeer.
Oer Ltntergang des britischen Dampfers „Cndymion" in der Nähe des sowjetspanischen Kriegshafens Cartagena.
Die Versenkung des kleinen englischen Dampfers „E ndymion" in der Nähe des bolschewistischen Kriegshafens von Cartagena hat die britische Regierung veranlaßt, sofort eine Konferenz der drei Nyon-Mächte Großbritannien, Frankreich und Italien einzuberufen. Der Tatbestand ist völlig undurchsichtig. Der englische Dampfer hat, wie der britische Marineminister im Unterhaufe zugab, nicht die Route eingehalten, die den nach Spanien fahrenden Schiffen vorgeschrieben und durch die Ueberwachungsschiffe gesichert ist. Das ist schon merkwürdig. Noch eigentümlicher aber sind die Dinge, die sich nach dem Untergang des britischen Schiffes abspielten. Der englische Kriegsminister hat zugegeben, daß die „Endymion" kein Radiogerät an Bord hatte. Sonst wäre der nur 38 Seemeilen entfernte nächste britische Zerstörer sofort zur Hilfeleistung herbeigeeilt.
Die Nationalspanier weisen noch auf folgendes hin: noch bevor die Schiffbrüchigen an der spanischen Küste gelandet seien, habe der bolschewistische Sender Valencia bereits von der Verse nkung gewußt und die Meldung in alle Welt hinausgefunkt, ein U-Boot, entweder ein nationalspanisches oder ein italienisches, habe die Versenkung vorgenommen. Im britischen Außenministerium wird demgegenüber erklärt, Valencia wolle den „Endymion"-Zwischenfall lediglich für Propagandazwecke ausnutzen. Das ist sehr bezeichnend. Denn die Frage, wer ein Interesse an der Zuspitzung der Verhältnisse im Mittelmeer hat, ist eindeutig zu beantworten, und die Antwort ist -bereits von den ausländischen Freunden der Valencia-Bolschewisten erteilt worden. Valencia und die internationalen Konsorten haben im Gegensatz zu Nationalspattien die Abgründe zwischen der Regierung von Salamanca und den westlichen Demokratien immer verbreitern wollen, und der „Endymion"-Zwischenfall soll neuerdings die Handgabe zu diesem Versuch bieten, Europas Frieden zu stören.
Als im Vorjahre auf der Konferenz von Nyon ein Ueberwachungsdienft eingerichtet wurde, hatte Litwinow-Finkelstein, ohne Italien zu nennen, behauptet, jeder kenne die Nation, von der die Seeräuberei ausgehe. „Ein gewisser europäischer Staat", so sagte dieser Kriegsdiplomat wörtlich, habe die Seeräuberei im Mittelmeer organisiert. Dem englischen Außenminister Eden bliebt nichts anderes übrig, als gegenüber dieser Provokation festzustellen, daß England nicht willens sei, Nie Nyoner Konferenz in einen Gegensatz zu Italien und zu Deutschland bringen zu lassen. Das Ergebnis der Konferenz war zunächst unbefriedigend, England und Frankreich wurden beauftragt, die Schiffahrtswege nach Spanien unter den Schutz ihrer Flotten zu stellen. Aber Sowjetrußland blieb — und das war eine schwere Niederlage
der bolschewistischen Kriegshetzer — von der Ueber- wachung ausgeschlossen, und Italien trat dem Abkommen von Nyon bei. Die drei Flotten übernahmen den Schutz der Seewege, und die Piraterie im Mittelmeer hörte bis zur Versenkung der „Endy- mion" auf.
Wir haben die simple Feststellung zu machen, daß, ohne nachzuprüfen, wie der Sachverhalt liegt, die englische und die französische Presse nicht nur der äußersten Linken ohne weiteres die Propagandalügen Valencias übernahmen und die schärfsten Angriffe gegen Italien bzw. gegen die Nationalspanier richteten, die angeblich U-Boote von der italienischen Regierung erhalten hätten. Ohne die Frage zu untersuchen, ob nicht ein rotspanisches Unterseeboot oder eine Mine den Untergang veranlaßt haben könnte, wofür alles spricht, wird Italien bezichtigt, das Abkommen von Nyon gewissermaßen torpediert zu haben. Als Mittelmeermacht, die sich mit England und Frankreich in den Sicherheitsdienst im Mittelmeer teilte, soll Italien die Piraterie begangen haben und vertragsbrüchig geworden fein. Das ist ein derartig ungeheuerlicher Vorwurf, daß man sich nicht zu wundern braucht, wenn die Antwort aus Rom äußerst schroff ausfiel. Valencia und Moskau spielen das alte Spiel. Demgegenüber ist die Einberufung einer Konferenz der drei Mächte des Abkommens von Nyon der einzige Weg, um die roten Propagandalügen zu entlarven und Europa vom spanischen Kriegsbrand zu isolieren. D. S.
Gegen Zwecklügen Valencias.
Feststellungen Francos.
Salamanca, 2. Febr. (DNB.) Von national- spanischer Seite wird mit Empörung darauf hmge- wicsen, daß, obwohl bis heute noch mcht einmal fest- aestellt sei, ob von der Besatzung des torpedierten Schiffes ein U-Boot gesehen worden sei oder das Schiff auf eine Mine gelaufen sei, schon wenige Stunden nach dem Untergang des Dampfers von Valencia eine Meldung m die gesamte Welt gegeben worden se,i, daß ein natio- n aispanisch es U-Boot, in einer weiteren Meldung hieß es sogar ein 11 a 11 e n t J d) e s U-Boot, den englischen Dampfer torpediert habe. Das fei wieder eines der üblichen rotspanischen Manöver, Zwischenfälle, an denen man auf national- spanischer Seite gar kein Interesse habe, herdeizu- sühren und Feindschaft zwischen den Mächten unb der nationalspanischen Regierung zu säen, die sich wenigstens Mühe gäben, auch der Regierung Fran
cos objektiv gegenüberzutreten. Bedauerlicherweise hätte die englische Presse kritiklos und unkontrolliert die aus Valencia kommenden Meldungen zum Abdruck gebracht. Die nationalfpanischen Behörden stellen demgegenüber fest, daß die spanischen Bolschewisten in Cartagena eine U - Bootbasis haben, die von ausländischen K o m m un i st e n befehligt wird. Sie
weisen ferner darauf hin, daß die Bolschewisten von der Versenkung des Schiffes noch vor der Landung der geretteten Matrosen wußten, obwohl das englische Schiff keine Radio st ation an Bord hatte. Die Bolschewisten haben daher die Nachricht von der Versenkung bereits verbreitet, als wahrscheinlich die Zeit abgelaufen war, die für die Torpedierung des Schiffes vorgesehen war.
Konferenz her Ayon-Mchie.
England wünscht Verstärkung der Mttelmeerpatrouillen.
London, 2. Febr. (DNB.) Am Spätnachmittag des 31. Januar wurde, wie der britische Marineminister gestern im Unterhaus mitteilte, der englische Dampfer „E n d y m i o n" 16 Meilen südlich von Kap Captinoso durch ein Torpedo versenkt. Z e h n Mann der Besatzung, so erklärte der Minister, seien ertrunken, vier Ueberlebende hätten Cartagena erreicht. Die Stelle der Versenkung des Schiffes liege 20 Meilen von der Route entfernt, die im Abkommen von Nyon empfohlen worden fei. Er nehme an, daß das gesamte Haus ihm zustimme, wenn er diesen Akt der Piraterie verurteile.
Die Vertreter der Mächte des Abkommens von Nyon find im englischen Außenamt zu einer halbstündigen Sitzung zusammengetreten. Wie verlautet, hat Eden den Botschaftern Italiens und Frankreichs Vorschläge auf eine Verstärkung der Mittelmeerpatrouillen vorgelegt. Die Vorschläge sind an die Regierungen Frankreichs und Italiens weitergeleitet worden.
Wie Reuter meldet, haben vier britische Zerstörer, die auf der Höhe von Cartagena die Kontrolle ausüben, die Suche nach dem U- B o o t ausgenommen. Die Kreuzer „Southamp - t o n" und „N e w c a st 1 e" befinden sich auf b e m Wege nach Valencia.
Die spanischen Bolschewisten lausen Kriegsmaterial in Paris.
R o m , 2. Februar. (DNB.) Unter der Ueberschrift „Chautemps verfügt Ueberroeifung von Zehntausenden von Tonnen Benzin und Explosivstoffen nach
Sowjetspanien" veröffentlicht „M e f f a g g e r o" eine Wiener Meldung, in der die Verhanlun - gen des rotspanischen „Botschafters" in Paris mit der französischen Regierung über Waffen- und Munitionslieferungen geschildert werden. So habe der sowjetspamsche „Botschafter" am 2. Januar direkt bei Chautemps um die Freigabe von 36 000 Hektolitern Benzin für Flugzeugmotore aus Bordeaux ersucht, deren Lieferung von Mini st er Cot bereits z u g e s i ch e r t, aber von seinem Nachfolger verweigert worden war. Chautemps habe nicht nur die Freigabe dieses Benzins angeordnet, sondern er habe den rotspanischen „Botschafter" darüber hinaus ermächtigt, zum Kauf von weiteren 250 00 0 Hektolitern Benzin unmittelbar Verhandlungen mit den Raffinerien aufzunehmen. Außerdem habe der rotspanische Botschafter mit Chautemps über die Lieferung von 1000 Tonnen Explosivstoffen aus den pyrotechnischen Laboratorien der französischen Marine verhandelt. Chautemps habe die 93erpflid)tung übernommen, die Lieferung beim zuständigen Minister anzuordnen. Am 2. Januar seien überdies von Hotchkiß der rotspanischen Botschaft 260 leichte und 50 schwere Maschinengewehre geliefert worden, in der Zeit vom 31. Januar bis 4. Februar werde von Schneider eine 15,2-Zentimeter- Flakbatterie neuester Bauart folgen. Am 10. Februar würden 10 der neuesten Bloch-Bomber mit großem Aktionsradius vom Flughafen Orly nach Barcelona abgehen. Im Februar werden Renault ein Dutzend schwerer Kampfwagen liefern, die ebenso wie weitere Waffen- und Munitionslieferungen für eine große sowjetspanische Offensive Ende Februar vorgesehen seien.
Japan stellt Mißbrauch fremder Flaggen fest.
Abwartende Haltung gegenüber den Mstungsplänen Englands und Amerikas.
Tokio, 3. Febr. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des Marineministeriums, Admiral Noda, erklärte der Presse, an der südchinesischen Küste hielten nun die japanischen Blockadeschiffe alle chinesischen Dampfer und Dschunken an, die Flaggens re m- ber Länder tragen, um die Nationalität fest- zustellen. Dabei beschränke sich die japanische Flotte lediglich auf diese Feststellung und benachrich - tige die Regierung der Länder, deren Flagge anscheinend mttßbraucht sei. Bisher wurde ein Mißbrauch der Flaggen Italiens, Amerikas, Norwegens, Griechenlands, Deutschlands und Englands festgestellt. Noda erklärte ausdrücklich, daß keine Verschärfung der Blockade beabsichtigt fei. *
Auf die Frage, ob Japan beabsichtige, angesichts der geplanten'Aufrüstung der Vereinigten Staaten und Englands ebenfalls auszurüsten, erklärte Nado: 1. gebe der gegenwärtige chinesische Konflikt den anderen Staaten kein Recht der Aufrüstung, 2. warte Japan dieweitereEntwicklungdes 6 lot - tenbaues der anderen ab. Wenn aoer m der Nähe der japanischen Inseln die Flotten ver
stärkt ober militärische Einrichtungen geschaffen würben und Japan dadurch seine Landesverteidigung gefährdet sehe, werde es dies als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit betrachten und gezwungen fein, entsprechende Rüstungsmaßnahmen zu treffen. Gegenwärtig jedoch fei Japan stark genug unb auf die künftige Entwicklung vorbereitet.
Japan fordert Kennzeichnung ausländischen Eigentums. x
Schanghai, 3. Febr. (DNB. Funkfpruch.) Die japanische Botschaft in Peking übersandte den dortigen ausländischen diplomatischen Vertretern eine Note. Sie fordert darin auf, im Hinblick auf bevorstehende japanische Operativ- n en in einem Gebiet, das im Süden vorn Jangtse und im Norden der Linie Tsingtau—Tarning— Paiyuan begrenzt wird, bas ausländische Eigentum deutlich zu machen. Auch wird die Fortschaffung der Ausländer aus diesem Gebiet empfohlen.
Das ägyptische Abgeordnetenhaus aufgelöst.
Neuwahlen verfassungsmäßig ausgeschrieben.
Kairo, 2. Febr. (DNB.) Das ä g Y p ti,ch° Abgeordnetenhaus ist am Msttwochnachmit- tag — drei Stunden vor Sitzungsbeginn — durch königliches Dekret aufgelöst worden. Nach Bekanntwerden des Auflosungsdekrets zog Nahas Pascha mit sämtlichen Wafdabgeordneten vor das Varlamentsaebäude, fand jedoch verschlossene Türen. Er hielt sich in der Wandelhalle au, und weigerte sich zunächst der polizeilichen Aussorde- rung, das Gebäude zu Verlusten, nachzukommen. Nach einiger Zeit zogen die Wafd-Parlumentan-r iedock aeschlossen zum Saadi-Klub, um keineswegs d-n Anschein einer Murto,nung gegen den Beschluß des Königs zu erwecken. Das Parla- mentsoiertel hat starken P«
Schutz erhalten. Trotzdem anden K u n d g e b u n - gen sür Nahas Pascha statt.
Die N e u w a h l e n erfolgen innerhalb der ver- sasiungsmäßigen Frist von z-°°- Monaten. D.e erste Sitzung des neuen Hauses ist auf Den 12. April festgesetzt. *
Die Auflösung der ägyptischen Kammer war täglich zu erwarten, seitdem am 30. Dezember 193
das Kabinett Nahas Pascha kurzerhand abgefe^t und die Kammer gleichzeitig vertagt worden war. Das letzte Parlament ging aus den Wahlen vom 2. Mai 1936 hervor, bei denen die später oppositionelle Wafd-Partei 163 Sitze von insgesamt 232, also eine starke Mehrheit, erhalten hatte. Nun hat zwar der König sich und seinem neuen Ministerpräsidenten Mohammed Mahmud Pascha mit der Beseitigung der Regierung Nahas bis zum Zusammentritt des Parlamentes freie Hand geschaffen. Da aber dieses Parlament in seiner großen Mehrheit die Regierung Nahas gestützt hatte, mußte es für den autoritären Kurs des jungen Königs als ungeeignet erscheinen, um so mehr, als das Parlament und die von ihm getragene Regierung Nahas ja auch den in Aegypten stark umstrittenen englisch-ägyptischen Vertrag durchgebracht hatten. Während England im Anschluß an die Unterzeichnung des Vertrages eine eifrige Werbung für die höchst an- zweifelbare These veranstaltete, daß Aegypten nunmehr völlig „unabhängig" sei, wuchs in Aegypten selbst die Erkenntnis darüber, welche Bindungen, vor allem militärpolitischer Art, die Engländer den
Aegyptern in jenem Vertrage aufzuerlegen gewußt hatten.
Der englisch-ägyptische Vertrag aber, der eben wegen jener Bindungen weite Kreise der nationalen Bevölkerung Aegyptens enttäuschen mußte, hängt mit der soeben erfolgten Auslösung der Kammer zusammen. Denn seit dem Abschluß des Vertrages, feit der zunehmenden Spannung in Palästina unb vor allem feit ber scharfen Zuspitzung der Lage in Fernost hat die Südostecke des Mittelmeerbeckens mit ihren Anliegergebieten für England einen noch wesentlich höheren strategischen Wert bekommen als vorher; eine Illustration zu dieser Tatsache liegt ja in der starken Vermehrung englischer Truppen in der Zone des Suez-Kanals sowie in der Anlage einer neuen Garnison- und eines Flugzeugstützpunktes. Wie' auf ägyptischer Seite, so betrachtete man nun auch von englischer jenes Abkommen mit zunehmend revisionistischem Blick. Daher schon bei der Vertagung der Kammer i.n Dezember die Mahnung in der englischen Presse, es müßten neue Wählerlisten angelegt werden, bei denen die Ergebnisse der Volkszählung von 1937 berücksichtigt werden sollten; der Sinn dieser Forderung besteht darin, die Bevölkerung des unteren Nilgebietes von etwa 6^/- Millionen, die teilweise englandfreundlich ist, für die britische Aegyp- tenvolitik nutzbringend als Wähler zu verwerten.
Neben diesem außenpolitischen Thema beherrscht die Abgrenzung der Machtverhält- niffe zwischen dem König und der Wafd- Partei die Lage nach wie vor. Die Versuche des Führers der Wafd-Partei, Nahas Pascha, den jungen König Faruk in seinen verfassungsmäßigen Rechten zu beschränken, sind am Hofe auf unerwarteten Widerstand gestoßen, ber sich schließlich in ber Entlassung des Kabinetts Nahas Pascha im Dezember 1937 äußerte. Sein Nachfolger wurde Mohamed Mahmud Pascha, ein einflußreicher oberägyptischer Großgrundbesitzer. Während ber Krise hat sich gezeigt, daß die WJifd-Partei nicht in allen ihren Teilen bereit war, ihrem Führer Nahas Pascha in feiner Politik gegen den König zu folgen. Unter dem bisherigen Präsidenten der Kammer, Achmed Mäher, einem Bruder A l i Mäher Paschas, des sehr einflußreichen Hofministers König Faruks, hat sich ein Teil ber Wafd-Abgeordneten von Nahas Pascha gelöst. Diese neue Gruppe Achmed Mähers hofft nun, bei den Neuwahlen die parlamentarische Mehrheit zu erringen, was jedoch ohne die Unterstützung ber Regierung kaum möglich sein wird, da die Nahas-Truppe ber Wafd-Partei immer noch über einen sehr großen Anhang im Volke verfügt. B- R-
parlamenfanscheSelbstversorßer
Die Deputierten der französischen Kammer haben sich soeben eine „kleine" Freude bereitet: sie haben in der Form eines anonymen Kammerbeschlusses bie eigenen Tagegelder, die monatlich als Gehälter zur Auszahlung gelangen, um nicht weniger als 35 0. H. i n d i e Höhe gesetzt. Aus den 60000 Franken, bie sie bisher bezogen, find fomit 82 500 Franken aeroorben. Da strahlt der Deputierte, da freut sich feine Familie, wenn er aus Paris mit einer gut gefüllten Brief- lasche zurückkehrt. Nun ist man wieder etwas sorgloser, hat sich doch auch der Herr Deputierte den höheren Preisen und der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung angepaßt. Immerhin auf Kosten der Allgemeinheit. Aber was will das schon angesichts der enormen Rüstungsausgaben, bie das französische Volk aufzubringen hat, befugen. Der Herr Deputierte hat aber mit feinen 35 v. H. gleich gründlich vorgesorgt und sich selbst versorgt. Schwer war es nicht: die Kammerfraktionen beschlossen, er selbst ist natürlich grundsätzlich gegen Einkommensaufbesserungen, die wieder wie ein Signal für andere wirken müssen, nun mit gleichen Forderungen zu kommen. Aber der Diatengötze gilt in der Kammer mehr als die Notwendigkeit, nun endlich einmal den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen unb damit auf einen Schlag allen Erscheinungen inflationistischer Natur den Boden zu entziehen. An diese Notwendigkeit dürfte der französische Arbeiter beim Lesen des Diätenbeschlusses mit einiger Bitterkeit gedacht haben. Möglich, daß er sich bis dahin seine Abgeordneten noch als Menschen vorstellte, die nur an die Interessen von Volk und Staat denken, selbst um den Preis, einmal eine Mahlzeit im Restaurant der Kammer selbst bezahlen zu müssen. Nach ber 35prozentigen Gehaltserhöhung, die sich die Herren Abgeordneten gewährten, dürfte wohl nirgends mehr diese Vorstellung herrschen. D. S.
Das Aufbauprogramm des Kabinetts Franco.
Burgos, 3. Febr. (DNB. Funkspruch.) D>e spanische Nationalregierung wendet sich an alle Frontkämpfer, denen die größte Fürsorge ber Regierung gehöre, sowie an alle verwundeten und kriegshinterbliebenen Patrioten, die in R 0 tspanien leben müssen oder gar von den Bolschewisten gezwungen werden, in deren Reihen gegen bie Nationalen zu kämpfen. Die Regierung werde bie Gemeindeverwaltung neu regeln unb den Wieberaufbau ber von den Bolschewisten zerstörten Ortschaften durchführen. Das von den Bolschewisten gestohlene Gold werde durch doppelte Arbeitsleistung ersetzt. Das Kennzeichen der neuen Finanzwirtschaft fei ein fest- verankerter Sparsamkeitssinn. Die auswärtige Politik werde vom Friedenswillen eines Volkes diktiert, bas bie Schrecken bes Krieges fentien^ gelernt habe, aber vom Auslanb eine absolute Achtung feiner selbständigen Stellung


