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mutzk hungern, denn es sindzwanzig Millionen juniel" in deinen Grenzen...

Heute ist ein solches Wort kaum mehr möglich. Denn das deutsche Volk hat den neuen Gedanken von der Würde eines lebendigen Volksganzen, als eines fruchtbaren Organismus tief in die Herzen und Gedanken der aufhorchenden Welt geprägt. Die neue Lebenswürde des deutschen Volkes ist bereits zu fest und zu klar zutage getreten, als das; man sie noch zerreden oder zerjchreiben könnte. Und zu dieser neuen Würde gehört die Würde und Ehre des deutschen Bauern, der in Deutschlands Grenzen wohl eine Würde gewonnen hat, die viele andere Völker noch nicht kennen. Aber sie ahnen sie, und zwar dank des deutschen Schrittes voraus auch auf diesem Felde... Das zu wissen, mutz für jeden Deutschen an diesem Tage ein stolzes Gefühl und ein dankbares Gelöbnis zum Führer bedeuten!

C. Hotzel.

nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe in die­sen ersten, unruhigen Nachkriegsjahren. Kürzere Zeit Befehlshaber der leichten Seestreitkräfte der Nord­see, wurde er 1925 als Vizeadmiral zum Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel ernannt. Aus die­ser Stellung heraus wurde Raeder im Herbst 1928, damals noch unter der DienstbezeichnungChef der Marineleitung" an die Spitze der Kriegsmarine berufen.

Jedem, der sich mit wehrpolitischen Fragen be­schäftigte, ist sein unermüdliches Eintreten für den neuen Schiffsbauersatzplan und sein mannhafter Kampf gegen die wehrfeindlichen Parteien des Reichstages noch in Erinnerung. Gegen alle Wider­stände den Wiederaufbau der Marine durchgesetzt

und so dem Führer eine kleine, aber kampfkräftige und dienstfreudige Flotte zur Verfügung gestellt zu haben, ist ein Verdienst, das seinen Namen mit der Geschichte der deutschen Kriegsmarine für immer verknüpfen wird. Nach Wiederherstellung der deut­schen Wehrhoheit ist Generaladmiral Raeder vom Führer mit dem Ausbau einer starken Wehrmacht zur See im Rahmen der inzwischen abgeschlossenen Flottenverträge betraut worden. Mit zäher Energie ist der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine an diese Aufgabe herangegangen. Die große Flottenparade im August dieses Jahres zeigte der Welt, datz Deutschland auch zur See wieder stark und frei ge­worden ist.

Bauerntum und Technik.

Generaladmiral Dr. h. c. Raeder

Zehn Jahre Oberbefehlshaber der Kriegsmarine.

Am 1. Oktober 1938 steht Generaladmiral Dr.h.c. Raeder zehn Jahre als Oberbefehlshaber an der Spitze der deutschen Kriegsmarine, der er in den entscheidenden Jahren nach dem Kriege aus reicher Fronterfahrung heraus feinen Stempel aufprägen

W

konnte. 1894 trat Erich Raeder, aus Wandsbeck ge­bürtig, als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein, wgr als Unterleutnant z. S. 1897 bis 1899 zum Kreuzergeschwader in den ostasiatischen Gewässern kommandiert und später nach Absolvierung der Marineakademie mehrere Jahre Referent im Reichs­marineamt, wo er unter dem damaligen Staats­sekretär des Reichsmarineamtes Großadmiral v. Tir- pitz Dienst tat. Diese Lehrjahre unter dem Groß­admiral waren richtunggebend für seine spätere Lauf­bahn. Zum Korvettenkapitän befördert wurde Rae­der 1912 1. Admiralstabsoffizier und anschließend Chef des Stabes des Befehlshabers der Aufklä­rungsstreitkräfte, des Konteradmirals Hipper. Bis Ende 1917 verblieb er in dieser verantwortungs­vollen Dienststellung und war so der maßgebende Berater des untergebenen Admirals bei allen Kreu- zeroorstötzen und -Unternehmungen des Weltkrieges. Die Krönung war der Erfolg unserer Aufklärungs­streitkräfte in der Skagerrakschlacht, die den Ruf von der Unbesiegbarkeit der britischen Flotte zerstörte.

Bis Kriegsende war Raeder dann Kommandant des neuen KreuzersCöln", um nach dem Zusam­menbruch die Zentralabteilung des Reichsmarine­amtes zu übernehmen. 1920 bis 1922 zum Marine- Archiv kommandiert, verfaßte er hier die beiden BändeKreuzerkrieg in den ausländischen Gewäs­sern" des amtlichen Seekriegswerkes, die in ihrer Lebendigkeit und zwingenden Beherrschung der Sprache Meisterwerke der wissenschaftlichen Kriegs­literatur sind. Die philosophische Fakultät der Kieler Universität verlieh ihm hierfür die Würde eines Ehrendoktors. Inzwischen zum Konteradmiral be­fördert, war er in den darauffolgenden Jahren bis 1924 Inspekteur des Bildungswesens der Marine. Hier hatte er entscheidenden Einfluß auf Auswahl, Ausbildung und Erziehung des Offiziersnachwuchses der damaligen Reichsmarine, eine schwierige und

Am Vorabend des Erntedankfestes kann das deut­sche Bauerntum mit Stolz feststellen: eine reiche Ernte ist eingebracht und die deutsche Ernährungs­freiheit gesiä)ert. Gleichwohl lastet eine schwere Sorge auf dem deutschen Bauerntum. Es ist der wachsende Mangel an landwirtschaft­lichen Arbeitskräften und am bäuer­lichen Nachwuchs. Diese bedrohliche Lage des deutschen Bauerntums macht es verständlich, daß die Augen aller mehr denn je auf die Technik als Retterin in der Not gerichtet sind. Wie steht es nun zur Zeit mit der Technik auf dem Lande? Ist der deutsche Bauer bereit und imstand^, die Technik weitgehend zu Hilfe zu nehmen? Kann die Technik dem deutschen Bauern in dem erforderlichen Maße helfen? Und ist, wenn beides zutvisft, das deutsche Bauerntum in der Zukunft gerettet?

Die erste Frage, ob der deutsche Baller bereit und imstande ist, seinen Betrieb zu mechanisieren, kann an Hand von zwei Zahlen, die der Reichsminister Darr 6 auf dem Nürnberger Parteitag gab, schnell bejahend beantwortet werden. Die beiden Zahlen, die über den Maschinenkauf auf dem Lande Auskunft geben, besagen, daß dieser Kauf seit dem Jahre 1933 von 138 Millionen Mark im Jahre 1937/38 auf 450 Millionen Mark gestiegen ist. Der deutsche Bauer ist also gewillt und auch wirtschaftlich in der Lage, sich die Technik zunutze zu «machen.

Vielleicht hatte der deutsche Bauer die Technik noch mehr genutzt, wenn sie ihm in größerem Um­fange hätten entgegenkommen können. Dies ist aber erst der Fall, seitdem es der Technik im Rahmen des Vierjahresplanes neue landwirtschaft­liche Maschinen herzustellen, um deren Kon­struktion sich andere Länder bisher vergeblich be­mühten. So gelang es der deutschen Technik, einen Ba ue r n tre cker mit etwa 20 PS Leistung zu bauen, der auch auf schwierigem Boden haftfähig, wendig und verschleißfest ist. Ferner ist es der deut­schen Technik gelungen, diesen «motorischen Klein­schlepper in Reihen 'herzustellen, so daß jetzt täglich mehrere hundert Bauemtrecker geliefert werden

können. Und da endlich auch ein Vielfachgerät konstruiert wurde, dessen leicht auswechselbares Zu­behör dem Pflanzlochen, Zustreichen, Häufeln und Hacken dient, so sind die Wege zur Bauerntrecker­wirtschaft geebnet, womit auch die zweite Frage bejahend beantwortet ist, ob die Technik heute dem deutschen Bauerntum in dem erforderlichen Matze helfen kann.

Leicht mag es daher den Anschein haben, als ob auch die dritte Frage zu bejahen sei, daß mit der fortschreitenden Maschinisierung des landwirtschaft­lichen Betriebes des deutsche Bauerntum gerettet ist. Allein hier kann ein Trugschluß zur großen Gefahr werden! So erfreulich es nämlich ist, zu wissen, daß die deutsche Technik derLeutenot" auf dem Lande abzuhelfen imstande ist, so sehr müssen wir nach wie vor besorgt fein, daß das deutsche Land nicht durch den Zustrom nach den Städten menschenleer wird, weil niemals den Städten die biologische Kraft innewohnt, deren ein Volk bedarf, um sich zu er­halten. Nicht die Städterschaft, sondern das Bauern­tum ist der Lebensquell eines starken, mkunfts- frohen, ewigen Volkes! Das Ziel nationalsozialisti­scher Agrarpolitik wird daher niemals der motori­sierteFarmbetrieb" sein, wie ihn sich das ver­flossene liberalistische Zeitalter erträumte. Die Sorge des deutschen Bauerntums beruht ja auch nicht allein auf dem Mangel an landwirtschaftlichen Ar­beitskräften, sondern, wie anfangs aufgezeigt, auch auf dem Mangel an bäuerlichem Nach­wuchs! So darf also selbst die vollkommenste Technik auf dem Lande nicht als Ersatz des lebendigen, boden­ständigen Menschen in die Erscheinung treten, viel­mehr muß die Technik die Voraussetzung dafür wer­den, daß die Landflucht endlich gehemmt, ja ins Gegen­teil gewendet wird, will sagen: daß ein von mühselig­ster körperlicher Arbeit befreites, nunmehr schöpfe­risches deutsches Bauerntum erwächst, das auch seiner Zahl nach wahrhaftiger Lebensquell eines starken und großen Deutschlands sein kann. So nur und nicht anders haben Bauerntum und Technik zueinander zu stehen!

Unbekanntes Hinterindien.

Don unserem W-st.-Sonderberichierstatter

iv.

Von Angkor nach Sangkog und Singapur.

Singapur, Sommer 1938.

Die Könige von Angkor haben vom 9. bis 14. Jahrhundert ganz Hinterindien beherrscht, von der chinesischen Südprovinz $ünnan bis hinunter zur Malakkastraße. Nachdem ihre Hauptstadt, die goldene, geplündert und entvölkert wurde, reißt der Faden der großen Geschichte der Khmer ab. Wir wissen, das halbe Jahrtausend, das dazwischen liegt, nicht zu deuten. Dutzende gewaltiger, vcm Stein­quadern getürmter Gebäude, Tausende von Quadrat­metern beredter Reliefdarstellungen, Statuen von klassischer Schönheit, groteske und naturalistische Skulpturen von Göttern, Dämonen, Höllenhunden, Drachen, der vielköpfigen Schlange Naga, Elefan­ten und Pferden zeugen heute, da sie mit ungeheu­ren Mühen von den gelehrten Forschern der Ecole fran^aise de 1extreme Orient dem Dornröschenzau­ber des Urwalds entrissen sind, ebenso eindringlich von der Größe wie der Vergänglichkeit menschlichen Schaffens.

Als kunstgeschichtliche Sehenswürdigkeit steht diese im hinterindischen Urwald versunkene Stadt auf der Stufe der Pyramiden, der gotischen Dome, der Akropolis. Die geistesgeschichtliche Wertung jener Epoche harrt noch der Deutung. In Angkor scheint die Lehre Buddahs mit dem indischen Brahmaismus vermählt, die Anbetung des Erlauchten auf dem Lotos mit der Verehrung der Dreiheit Shiwas, Brahmus und Vischnus in eigenartiger Ausprägung eines phallischen Kults zu einer Einheit gestaltet worden zu fein. Erst vor einem Menschenalter sind die cambodgeanischen Provinzen Siams in den Besitz der französischen Kolonialmacht (1907) über­gegangen. Die Wunder sind heute auf vorzüglichen Autostraßen zu erreichen. In den hohen Bäumen um die Ruinen spielen lustige Affen, und keine Tiger und Leoparden gefährden mehr den Reisen­den. Die Schlangen, die sich auf den Pfad des Wanderers mit Eintrittskarte verirren mögen, werden von vorsorglichen Wächtern allmorgendlich beseitigt, und wenn es nicht die dunklen Vamp­augen der schicken Wirtin in dem originellen kleinen Hotel hinter dem Lamakloster von Siemreap, dem nahen Kreisverwaltungsort, sind, so drohen dem Reisenden keinerlei besondere Gefahren. Wer will, kann auch dieser letzten sich entziehen, indem er im

Grand-Hotel" internationalen nüchternen Typs Wohnung nimmt.

Bei genügender Beteiligung von zahlenden Zu­schauern werden auf der Terrasse vor dem Haupt- portal des Tempels der Hauptstadt Angkor Tänze des ehemaligen königlichen Balletts unter Leitung einer richtigen Prinzessinsvufgeführt. Hun­derte von Fackeln strahlen über den Gesimsen und Balustraden der alten Gemäuer, in den Lotosteichen sich spiegelnd. Die Stufen herab steigen auf den Vorplatz zarte Mädchen in goldschimmernder Tracht, goldgetürmte Helme über den feingezeichneten jun­gen Gesichtern, Spangen an Händen und Füßen. Die Bewegungen, die sie mit Händen und Beinen zu einer nicht unmelodischen Musik vollführen, sind dynamische Rekonsttuktionen der vielen tausend Tanzszenen auf den Reliefs in den Säulenhallen um die alten Tempel. Die Einzelbilder eines steiner­nen Films gewinnen Fleisch und Blut, neues Leben. Mag fein, daß das Ganze Kitsch ist, Unterhaltung für gelangweilte Reisende. Der Rahmen dieser Bühne und der Liebreiz der Bewegungen der fremdartigen Geschöpfe, mehr noch aber das Wech­selspiel, das sich aus der Dreiheit der Akteure er­gibt: Tänzerinnen, Ausländer im Reisedreß und das bunte Gewimmel von nackten Kindern, halb­nackten Eingeborenen, die als Zaungäste einen köft-

Wie steht es mit Ihren Augen?--Sehschärfe

und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern. Sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber:

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lichen Rahmen bilden, wobei immer zwei Gruppen neugierig interessiert die dritte betrachten, dies alles unter dem tiefdunklen tropischen Sternenhim­mel, an dem der Mond wie eine silberne Schale waagrecht schwebt, erfüllt von dem Weihrauchduft der Fackeln und der Nachtblüten des Urwalds ist phantastisch genug, um unvergeßlich zu werden.

Siam hat feit ein paar Jahren ein Parlament, mehr eine parlamentarische Vorschule, welches in der Thronhalle tagt, einem marmornen Renaissance- dorn aus der Zeit der Jahrhundertwende. In sei­nem Bestreben, eine solide moderne Entwicklung zu fördern, hat Siam viel von erotischer Romantik verloren. Gute Eisenbahnen, stramme Soldaten, Radioübertragung aus dem Sitzungssaal der Volks- oertretung, neue Zucker- und Textilfabriken, Ko­operation der Bauern, um sie aus der Verschuldung gegenüber den chinesischen Händlern zu retten, sind dort leichter zu finden, als etwa eine Stunde der angstvollen Verzückung im Hof der von einer glühenden Sonne durchflutete Porzellanpagode, deren Farbenpracht Tamerlans Wunderwerke in Samarkand übertrifft, indische und chinesische Bizarr­heit vermählt sich hier mit Zeichen des Verfalls, im Detail reichlich plump, zu einem traumhaft über­ladenen orientalischen Barock, der originell ist, aber mehr erdrückend als erhebend wirkt. Im krossen Gegensatz zu B a n g k o k, das mit seinenKlongs (Kanälen), feinem Lärm und feiner geringen Sauberkeit trotz aller westlichen Einflüsse eine durch­aus orientalische Hauptstadt ist, stehen die eng- lifdjen Mustersiedlungen in den förbe- rierten und nichtförderierten Malayenstaaten. Die Insel Penang vor allem ist ein einziger ge­pflegter Kurpark, wo so scheint es auf jedes Insekt systematisch Jagd gemacht wurde. Die wirt- schaftliche Nutzbarmachung des Kolonialbodens mit Gummiplantagen, Ausbeutung der Zinnvorkommen, Bereitstellung aller moderner Einrichtungen für den gewaltigen Warenumschlag zwischen Asien und Europa in Singapur, wozu schließlich auch der Ausbau militärischer Positionen, Flotten- und Flug­zeugbasis, gehört, ist zu einem raffinierten Mecha­nismus gediehen, dessen Gang allerdings von der Atmosphäre der Weltmärkte für Zinn und Gummi völlig abhängig ist. Brttisch-Malcma ist ein Groß­betrieb und die Romantik beschränkt sich darauf, daß ab und zu selbst in der Stadt eine Kobra gefunden, auf den Plantagen ein Mann von einem Tiger zer­rissen oder ein Haremsskandal eines der Sultans publik wird.

fünf Johtt NSV. - fünf Joljw ftilfe öurdi Me vows-emelaws- für Vas tDohlereehen oon .Metier * t«nv".

Der Busch brennt

Don Heinrich Hauser.

Ich schrak hoch vor Tau und Tag: Im Hof schien plötzlich die Hölle losgelassen, Schatten jagten hin und her, Männer brüllten, Motoren wurden ange­worfen, grelle Lichtbündel der Scheinwerfer tanzten über die Mauern. Ich fuhr in die Kleider und sprang durchs Fenster. Die Tore des großen Well­blechmagazins glitten rasselnd in ihren Schienen, Stallaternen schwankten, Pferde schnoben, Vieh­treiber fluchten, große Blechkannen wurden in jagen­der Hast oon Hand zu Hand geworfen. Herr Lewis schleppte Bündel oon langen Stöcken herbei, die breite Lederstücke an den Enden trugen.

Was ist los?"

Feuer, Feuer! Unten im trockenen Flußbett ist eine Herde eingekreist.

Das große Lastauto rasselte heran, mit andern sprang ich hinauf, wir fingen die Blechkanister auf, die uns zugeworfen wurden, schwere Brocken, 20 kg jeder. Sie waren mit Wasser gefüllt, dem Notwasser­vorrat der Station für eine Feuersbrunst. Mit einem Ruck, daß wir bald vom Wagenkasten flogen, brauste das Lastauto los. Im Osten stand der erste Glutstreifen der Dämmerung, es wurde sehr schnell Tag. Der große Personenwagen des Herrn Lewis überholte uns, schwankend wie ein Schiff im tiefen Sand, der hatte kein Wasser an Bord, nur Feuer­klatschen. Unser Fahrer hing über dem Steuerrad, als ob es ums Leben ginge, er preßte den Fuß mit aller Kraft aufs Gaspedal, der Motor dröhnte, die Blechkannen schepperten, wir klammerten uns an den Wagenrungen fest. Als zweiter Wagen über­holte uns der alte Ford; fünf Mgnner auf dem nackten Fahrgestell umklammerten ein Wasserfaß und fluchten, datz es nicht schneller ging in dem furchtbaren Gelände. In unserm Kielwasser folgten Pferdegespanne im Galopp. Die Lust war dick von Staub, und wir spürten schon die braunen Rauch­schleier beizend in den Augen. Ein alter Viehtreiber meinte:Wenn der Wind die Richtung beibehält, bann ist die Station verloren!"

Nach halbstündiger, wilder Fahrt erreichten mir den Weidezaun, in den die Mannschaft der Perso­nenwagen schon ein großes Loch geschnitten hatte.

Jede Spur von Weg hörte auf, der Grund lag voller Geröll, die von den Rädern hochgeworfenen Steine schlugen krachend gegen den Wagenkasten, es war ein Wunder, daß die Federn hielten.

Am Rand des ttockenen Flußbettes sahen mir das Feuer, es war wie ein kirschrot glühender Eisen- balten, der zwischen den Walzen eines Stahlwerkes hervorschießt, der Balken kroch über den Horizont, so weit man sehen konnte. Das trodene Gras pras­selte wie Maschinengewehrfeuer. Drunten im Fluß­bett hatte sich eine Herde von etwa fünftausend Schafen zusammengedrängt. Wir rannten, mehr stürzend als laufend, den Steilhang hinab, erkletter­ten die andere Seite und kamen vor die Feuerfront.

Wabernde Hitze nahm uns fast den Atem, mit einem Arm schützten wir die Augen, während die Feuerklatschen niedersausten. Kaum waren die Flam­men niedergeschlagen, da sprangen hinter uns schon wieder neue Funken auf. Die Front des Feuers wanderte mit einer Geschwindigkeit von fast zehn Kilometer die Stunde. Hinter uns drängten Vieh- treiber mit Gebrüll und Peitschenknall die einge­schlossene Herde im Flußbett zurück. Aexte klirrten, die Böden der Blechkanister wurden eingeschlagen, wir tränkten unsere Kleider mit Wasser, immer mehr Wagen fuhren auf, auch die Feuerspritze. Ich sah Männer an den Pumpenschwengeln tanzen, und wie der erste Wasserstrahl in der wabernden Luft versprühte, ehe noch ein Tropfen auf die Erde fiel. Die Männer standen jetzt auf die Länge der Feuer­front verteilt, sie hackten die Grasnarbe los, spran­gen mit den Blechkanistern in die Flammen, und sausend schlugen die Klatschen nieder. Trotzdem wichen wir langsam zurück. Plötzlich drang aus der Tiefe der Schlucht ein Triumphgeschrei: die Treiber hatten den Zaun niedergelegt, der den Schafen den Rückzug versperrte. Unsichtbar im Staub galoppierte die Herde von bannen, man hörte nur das Ge­trappel der zehntausend kleinen Hufe.

Plötzlich rief jemand neben mir:Der Wind! Der Wind dreht!" .

Durcfi die Tränen hindurch, die unaufhörlich aus den brennenden Augen liefen, sah ich, wie die Flam­men vor mir zusammensanken: der Morgenwind hatte fick; aufgemacht, blies in entgegengesetzter Rich­tung, und die Flammen fanden keine Nahrung mehr. Zwei Stunden hatte der Kampf gedauert, un­sere Hemden waren zerrissen, voll voy großen ein­

gebrannten Löchern, wir waren schwarz von Rauch, wie ausgedörrt von Glut und halbohnmächtig vor Dürft.

Bis Mittag hielten mir noch Feuerwache, bann fuhren einer nach bem andern die Wagen ab, und wir fangen wie Soldaten nach einer siegreichen Schlacht. Hätte der Wind nicht nach Osten gedreht, so wäre das Gut verloren gewesen.

Die letzten deutschenSpinnstuben.

Bon Hans Bethge.

In vielen Gegenden Deutschlands und Oesterreich« gehört die Poesie der Spinnstuben bereits der Ver­gangenheit an. Es geht mit den Spinnstuben wie mit den Volkstrachten: der nivellierende Geist des Rationalismus war den alten Sitten und Bräuchen der ländlichen Bezirke nicht günstig. Poesie und Idylle erliegen der Nüchternheit des von sentimen­talen Regungen nicht beseelten industriellen Fort­schritts.

Aber ganz erloschen ist der Zauber der Spinn- stuben noch nicht. Es gibt Gegenden in Deutschland, wo man im Frühling Felder sich dehnen sieht, die in einem wunderbaren, duftigen Blau erblühen. Es sind Flachsfelder. Man sieht sie noch besonders häu­fig im Hannoverschen, wo der beste Flachs Deutsch­lands wächst, aber auch in Schlesien, in Hessen, in der Oberpfalz, und in all diesen Flachsgegenden gibt es auf den Dörfern auch heute noch Spinn- ftuben, in denen an Winterabenden die Mädchen den Flachs an den Wocken herab zu jenen dünnen Fäden spinnen, aus denen später das Leinen gewebt wird. Das Mädchen, das mit geschickten Händen die feinsten Fäden zu spinnen versteht, ist stolz darauf, denn es weiß (und die anderen wissen es auch), baß es später das feinste Leinen für ihre Ausstat- .tung im Kasten haben wird.

Die jungen Mädchen, welche die Schule hinter sich und die Ehe noch vor sich haben, treffen sich ein paarmal in der Woche am Abend. Meist ist es so, daß die Spinnstuben wechseln, einmal findet die Zu- fammentunft in diesem, einmal in jenem Dauern- hause statt, die jungen Mädchen bringen nicht nur ihre Spinnräder mit, sondern sie müssen auch für gute Laune sorgen, denn es wird ja nicht nur ge­

sponnen an diesen Abenden, es wird auch geplau­dert und gescherzt, vor allen Dingen: die jungen Burschen des Dorfes stellen sich ein, und das ist nicht die geringste Anziehungskraft, die diese Spinn- abenbe für die Dorfschönen haben.

Die abendliche Spinnstube ist für die jungen Leute der eigentliche Gemeinschaftsabend des Dor­fes. Hier können sich Witz und wahre Heiterkeit entfalten, es gibt scherzhafte Rede und Gegenrede, Rätsel werden aufgegeben und gelöst, die alten Lieder des Landes werden gepflegt und klingen durch die kleinen Fenster hell hinaus über die abendlichen Felder.

Hier in der Spinnstube lernen sich die jungen Leute näher kennen, und manche Herzen finden sich fürs Dasein. Ist am Abend genug gesponnen, so werden die Räder in die Ecke gestellt und man vertreibt sich die Zeit mit Spielen und Kurzweil. Die Pfänderspiele stehen natürlich im Vorder- qrunö. In den niedersächsischen Geoenden ist beson­ders beliebt das kleine SpielLutje Funke lebet noch!" Ein Streichholz, dessen Flamme erloschen ist, das aber noch glimmt, wird im Kreise von Hand zu Hand weiter gereicht, und derjenige, m besten Hand der Funke endlich erlischt, muß etn Pfand geben. Eine beliebte Unterhaltung ist auch ein dörfliches Orakelspiel: jeder der Anwesenden pflückt ein Blättchen oon dem in Topfen gezoge­nenWintergrün" und wirft es in eine mit Was­ser gefüllte Schüssel, und die beiden Menschen, deren Blättchen sich auf dem Wasser vereinigen und zusammen weiterschwimmen, werden natürlich ein Paar... Mitunter beendet ein Tanz den Spinnabend, irgendein Bursche spielt die Harmo­nika dazu. Es gibt noch Gegenden, m denen man an den Spinna'benden die alten Volkstänze pflegt.

Die unvermählte Jugend ist in den Spinnstuben unter sich, das ist die Hauptsache, sonst hatten sich diese Abende kaum fo lange erhalten können. Nur zuweilen schaut einmal jemand von den Alten herein, um nachzusehen, ob alles ordentlich zugeh: bann heißt es stillsitzen, die Zunge rm Zaum hal- ten und brave Gesichter aufsetzen. In manchen Geaenden, wo das Spinnrad bereits verschwunden ist hat die Jugend die abendliche Unterhaltung nicht aufgeben wollen und nun stricken die Mäd­chen, statt zu spinnen. Auch beim Stricken kann man plaudern, scherzen und sein Herz verlieren.