sch^n Volksgenossen eines der Wintervergnügen geworben. Jeder will sein Glück versuchen, und schwarz aus weiß kann er sofort erfahren, ob er eine gute Hand hatte. In diesem Jahre ist der Gewinnplan besonders erhöht und um so leichter ist zu gewinnen. Und doch nützt mancher Käufer feine Gewinnmöglichkeit nur unvollkommen aus. Prämien- gewinne von 20 000 Mark, 1000 Mark, 250 Mark und 100 Mark, wenn sie auch etwas später kommen, sind doch schönes Geld. Aber mancher verschenkt sie, indem er den Prämimschein achtlos behandelt. Erst mit der Auslosung der Prämien am 30. März ist die Lotterie abgeschlossen und viele, die sich vom Glück übergangen glaubten, haben erst am 30. März ihren großen Glückstag.
Beförderungen im ^-Abschnitt XXX.
Im Rahmen der Beförderungen am 30. Januar wurden im ^-Abschnitt XXX der Führer des Abschnitts ^-Standartenführer Brasack zum ih Oberführer, der Stabsführer des ff-Abschnittes XXX, Hauptsturmführer Perwitschky zum ff-Sturm- bannftibrer und der Führer des Gießener Sturmes 1/83 ff-Untersturmführer Behnke zum Ober« sturmführer befördert.
Beförderungen in der Standarte 116.
Anläßlich des 30. Januar 1938 sind innerhalb der SA.-Standarte 116 folgende Beförderungen vorgenommen worden:
Sturmführer Georg Heß (Sturmbann V/116) zum Obersturmführer;
Sturmführer Spehrer (2/116) zum Ob erstürm sichrer;
Obertruppführer Bruno Herrmann (M.Z. 116) zum Sturmführer;
Obertruppführer Adolf Fischer (R. 41/116) zum Sturmführer.
Zum Obertruppführer die Truppführer Hamm (Stab 116), Vogt (Stab 116), Haas (24/116), Blodt (R. 41/116), Linker (42/116).
Zum Verwaltungs-Obertruppführer der Derwaltungs-Truppfuhrer Herbst (25/116).
Zum Truppführer die Oberscharführer Cisenbach (Stab 116), Werner (Stab 116), Wißner (1/116), Krasthöser (11/116), Sommerkorn (11/116), Bausch (22/116), Neuß (24/116), Böcher (25/116), Fischer (V/116),Scharmann (V/116), Türck (R.41/116), Koch (Pi. 2/116), Haldenwang (Pi. 1/116), Henkel- mann (Pi. 1/116), Rothermel (42/116).
Zum Derroaltungs-Truppführer die Verwaltungs-Oberscharführer Geilfus (M.Z. 116), Ranft (5/116), Römer (45/116).
Zum Oberscharführer die Scharführer Günther (M.Z. 116), Schietzel (M.Z. 116), Schwarzlose (M.Z. 116), Kehrmann (M.Z. 116), Bastian (2/116), Töppler (2/116), Klinke! (5/116), Wahl (III/116), Kröü (22/116), Schreiber (22/116), Diehl (24/116), Mcrtezky (Ra. 116), Steinhauer (Na. 116), Schenk (Na. 116), Schad (Na. 116), Schmidt (Na. 116), Schmieder (R.41/116), Sahm (R.41/116), Valentin (R.41/116), Bartsch (R.41/116), Wiegand (R.41/116), Bergner (43/116), Steintz (43/116), Balser (43/116), Dehus (43/116), Schmitz (43/116), Zitzer (43/116), Jung (43/116), Philipp (43/116), Schenk (43/116), Feige (Pi. 2/116), Döbus (Pi. 1/116).
Zum Verwaltungs-Oberscharführer die Verwaltungs-Scharführer Rau (26/116), Haos (43/116).
Zum Scharführer die Rottenführer Sauer (Stab 116), Becker (M.Z. 116), Möhl (M.Z. 116), Rauscher (M.Z. 116), Volk (5/116), Kern (2/116), L. Hormann/ 9.11.35, (5/116), Herbst (22/116), Bickel (24/116), Gemeiner (24/116), Kruse (25/116), Klaus (25/116), Busack (Pi. 1/116), Weeg (Na. 116), Eidmann (Na. 116), Leinweber (Pi. 1/116), Runk (43/116), Müller (43/116), Butz (11/116), Ranft (6/116), Guppka (22/116), Nieren (Pi. 2/116).
Zum Verwaltungs - Scharführer der Verwaltungs-Rottenführer Reuter (22/116).
Zum Sanitäts-Scharführer die Sanitäts-Rottenführer Reinhardt (R. 22/116), Bahne (Pi. 2/116).
Dorfverschönerung - eine Avfgabe für Gegenwart und Zukunst. Bürgermeister-Versammlung des Kreises Gießen.
Auf Veranlassung der Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages fanden sich gestern die Bürgermeister des Kreises Gießen zu einer Versammlung im Sitzungssaal des Kreisamtsgebäudes am Lant^raf-Philipp-Platz ein.
Der Vorsitzende der Kreisabteilung, Bürgermeister Euler (Wieseck), teilte zunächst einige kurze Bekanntmachungen mit.
Dann sprach der Vorstand des Hess. Hochbauamtes Gießen, Regierungsbaurat Kuhlmann über die Aktion „D o r f v e r s ch ö n e r u n g". Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: Dorfverschöne- runa sei eine Notwendigkeit. In dem Worte „bas Dorf muß verschönert werden", liege eine Anklage. Es gelte deshalb, vorhandene unerfreuliche Erscheinungen zu beseitigen. Dabei müsse versucht werden, eine glückliche Verbindung mit dem Neuen des Dritten Reiches und mit dem guten Alten herzustellen. Sodann sprach der Vortragende über den Begriff Schönheit in der Ableitung von der Aesthetik. Nicht jedermann sei berufen, über Schönheit Urteile abzugeben. Schönheit des Dorfbildes liege begründet für unsere hessische Heimat in der Geschlossenheit der Dorfstraße, in der Einheit des Dorfes mit der darüber hinaus ragenden Kirche. Harmonisch müsse sich das Dorfbild in die Landschaft einfügen. Die neuzeitliche Fabrik am Dorfrande, mit einem hohen Schornstein, fei nun einmal für das Dorfbild als disharmonisch anzusehen.
In seinen weiteren Darlegungen wandte sich der Redner praktischen Vorschlägen zur Dorfverschöne- rung zu. Möglichkeiten der Dorfverschönerung lägen in der Erhaltung des guten Alten und Hergebrachten, in der Entfernung des Häßlichen, in der Abweisung fremder, dem Dorfbild sich nicht einfügenber Neubauten, wie in der Entfernung alles Fremdartigen aus dem Dorfbilde überhaupt. Das städtische Haus im Dorfe fei abzulehnen, der Zigarrenkistenstil mit dem flachen Dach sei für das Dorfbild überhaupt nicht tragbar, Häuser aus unverputzten Betonquadern durchaus unerwünscht, die Dackdeckung müsse sich den bestehenden Verhältnissen anpassen, vor allem aber gelte es auch die Harmonie der Farbe der Häuser zu wahren. Der Redner ging dann in dem Bemühen, Richtlinien im einzelnen zu geben, auf die Elemente des Hauses ein und gab hier eine Fülle beachtenswerter Anregungen. Das Fenster des Bauernhauses könne nicht das moderne einglafige Fenster -bes Stadtneubaues fein, das große Eckfenster passe auch nicht zum Bauernhaus. Das Zinkdach aus großen Platten fei höchst unerfreulich. Das vielgestaltig gegliederte und profilierte Hoftor fei nach wie vor das Ideal für den bäuerlichen Hof; das glatte Hoftor aus Nut- und Federbrett fei nicht erwünscht. Für das Bauernhaus fei der alte Sand putz das beste und schönste. Zu Haus und Garten gehöre auch die schöne Einfriedigung. Das Schönste fei hier der naturgewachsene Zaun, die Hecke. Der gute Holzzaun sei jedem Drahtgeflecht zwischen Betonpfosten vorzuziehen.
Dann wandte sich der Vortragende dem Fachwerk zu und betonte, daß es neben dem Fachwerk überhaupt, vor allem die schönen alten Sinnzeichen an den Häusern, die Schnitzereien zu erhalten gelte. Mit der bunten Farbe an der Hausfront fei man sparsgm. Die bunte Farbe solle nur dem Schmucke dienen.
Einige besondere Darlegungen widmete Regie- rungsbaurat Kuhlmann dem Gräberschmuck. Hier werde noch viel gesündigt. Der Basalt- und Silberkies gehörten nicht auf den Dorffriedhof. Der Friedhof solle ein Garten fein.
Auf dem Gebiete der Reklamebefchilderung innerhalb des Dorfes müsse eine allen Teilen gerecht werdende Lösung angestrebt werden. Abschließend
forderte der Dorttagende die Bürgermeister auf, offenen Auges durch ihre Dörfer zu gehen. Wenn es auch nicht möglich sei, auf einmal grundsätzlich Wandel zu schaffen, so sei es doch in zäher Arbeit zu erreichen.
Kreisdirektor Dr. Lotz bekräftigte die Ausführungen des Redners und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Anregungen allen Widerhall finden möchten. Er gab ferner bekannt, daß demnächst Kreis- und Ortsarbeitsgemeinschaften berufen werden, die sich unter maßgeblicher Mitarbeit der NSG. ,Kraft durch Freuoe" eingehend mit den Fragen der Dorfverschönerung beschäfttgen sollen.
Für die NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" sprach Kreiswart Müller, der die Aktion „Dorf- oerschönerung" in ihrem bisherigen Ausmaß erläuterte. 5000 deutsche Dörfer stünden bereits im Wettbewerb um den Titel des Kreismusterdorfes. Das Ziel fei, das Dorf außen und, innen, wirtschaftlich und sozial vorbildlich zu gestalten. In kurzen Zügen gab auch Kreiswart Müller Anregungen und erörterte hierbei besonders die Entrümpelung und Säuberung des Dorfes, den Baum-, Strauch- und Blumenschmuck, die Anpflanzung von Spalierobst, die Verschönerung von Gasthäusern und Schulen, die Schaffung von Schwimmbädern und Sportplätzen und schließlich die Schaffung von Gemeinschaftshäusern für das Dorf.
Kreisleiter Backhaus sprach über die Schön-
Das Amt für Beamte der NSDAP, hiell am Montag für die Kreisabschnitte Gießen, Hungen, Erünberg, Allendorf (Lumda) und Lollar im (Safe Leib einen Gemeinschaftsabend ab, der durch ausgezeichnete Darbietungen des Musikzuges der SA.- Standarte 116 einen schönen Rahmen erhiett.
Der neue Kreisamtsleiter, Zollinspektor Ulrich, hieß die Teilnehmer willkommen und widmete dem aus unserem Kreis geschiedenen bisherigen Leiter des Amtes für Beamte, Heß, herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung. So sehr mir, so führte er u. a. aus, uns über feine Versetzung nach Dresden, die mit einer Beförderung verbunden ist, gefreut haben, so sehr bedauern wir seinen Weggang von Gießen. Wir verlieren in ihm einen treuen Kameraden, einen prächtigen Menschen, mit dem meine Mitarbeiter und ich fast 5 Jahre lang in Freundschaft und enger Verbundenheit zusammenarbeiten durften. Gerechtigkeitssinn verband Hich bei ihm mit einem tiefen Verständnis für die Note und all die großen und kleinen Sorgen seiner Mitarbeiter und Kameraden. Seine Tür stand für jedermann offen und keiner, der zu ihm kam, ist ohne Rat und HUfe von ihm gegangen, so ferne es in seiner Macht stand. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles ©ute.
Nachdem der Musikzug Griegs „Sigurd Josalfar" ausgezeichnet zu Gehör gebracht und Kamerad Dr- n in g einen Vorfpruch vorgetragen hatte, hielt Kreisamtsleiter Ulrich einen Vorttag über „D i e germanischen Grundlagen des nationalsozialistischen Staates und seines Beamtentum s". Einleitend fetzte er sich mit den verschiedenen Vorwürfen früherer Zeit gegen das Beamtentum auseinander und legte dar, daß das Beamtentum, wie alle anderen deutschen Stände, ein Kind seiner Entwicklung war und heute bestrebt fei, die neuen politischen Forderungen zu erfüllen. Dann ging der Redner auf die neuen Hochziele und Lebensmaßstäbe des Nationalsozialismus ein, die der Ausdruck des germanischen Erbes feien, dessen Lebens- und Seelenhaltung unsere Geschichte
heit des Dorfes in seiner norddeutschen Heimat und schilderte dann seine Eindrücke von den Dörfern unserer Gegend. Er betonte, daß es hier viel Schönes gebe und vorhandene Schäden oft ohne sonderliche Mühe behoben werden könnten. Mit besonderem Nachdruck wies der Kreisleiter auf die Schaffung von Hitler-Jugendheimen hin und regte an, bei der Gestaltung dieser Heime nicht kleinlich zu verfahren. Außerdem sei allenthalben die Einrichtung von NSV.-Kindergärten zu erwägen.
Im weiteren Verlaufe der Versammlung hielt der Vertreter des Wehrbezirkskommandos, Herr Becker, einen Vortrag über die Wehrüberwachung und gab den Bürgermeistern einen Ueberblick über ihre Verpflichtungen.
Kreisdirektor Dr. Lotz erinnerte bann an die Einsetzung von Beträgen für die Schaffung von Hitler-Jugendheimen in die Haushalte und forderte außerdem auf, die deutsche koloniale Sache nach Kräften zu unterstützen. Er konnte dabei mitteilen, daß sämtliche Gemeinden des Kreises dem Reichskolonialbund angehören.
Negierungsrat Weber gab Anregungen für zweckmäßige Sperlingsbekämpfung im kommenden Sommer und wies auf die Notwendigkeit der Förderung der Seidenraupenzucht hin.
Regierungsrat Dr. Krüger beschäftigte sich mit Fragen des Luftschutzes und forderte die Bürgermeister auf, dafür zu fargen, daß die Feuerwehr in bester Ordnung, die Löschwasserversorgung sicher- gestellt sei und zweckmäßige Alarmierungsgeräte vorhanden seien. Er erinnerte ferner an eine Reihe ausgezeichnet durchgeführter Luftschutzübungen und sprach den Bürgermeistern, die sich dabei vorbildlich eingesetzt hatten, Lob und Anerkennung aus.
Mit dem Gruß an den Führer beschloß der Leiter der Kreisabteilung, Bürgermeister Eule-r, die anregende Versammlung.
bestimme. In einer Uebersicht gab er zu erkennen, wie das deutsche Volk durch die nüttelalterliche Weltanschauung, den Liberalismus, den Sozialismus und den Bolschewismus, seelisch beeinflußt und verbildet worden sei. Erst durch den NatioNal- sozialismus sei aus der Tiefe des deutschen Volkes nneder eine Kraft aufgebrochen, die ihm nach jahrhundertealtem Zwiespalt endlich die politische Ein- hett geben werde.
In seinen weiteren Darlegungen gab der Redner aus reichem geschichtlichen Wissen einen Ueberblick über die Entwicklungen und Grundsätze der Volks- sührung im Römischen Reich der Vergangenheit in der Gegenüberstellung zu den Grundsätzen der Dolksführung bei den Germanen. Wie einst in Germanien der Hervorragendste, der Fähigste vom Thing, der Versammlung des Volkes, zum Führer erhoben wurde, so sei heute Adolf Hitler von feinem Volke gewählt, weil er der Erste und der Tüchtigste sei. Wie einst der Thing zur großen Versammlung des Volkes geworben sei, so gebe heute der Reichsparteitag ein Bild der kommenden Entwicklung. Hier legten der Führer unb feine Mitarbeiter wie einst der Fürst Rechenschaft ab, und das Volk bestätige ihm feine Führung und seine Arbeit. Die gleiche Wandlung zeigte der Redner in der Drga« nrfation des Staates, im Beamtentum auf, das sich in Treue mit Führer und Volk verbunden sichle und Hüter des Volkswohles, der Volksehre geworden fei. Diese Einstellung gebe auch feiner Lebensführung und Haltung das Gepräge. So fei die Beamtenschaft Mittlerin zwischen Volk und Führung, und in Adolf Hitter sehe sie das Beispiel von edlem Führertum, Charakter und vornehmer Gesinnung. Nach dem mit anhaltendem Beifall ausgenommen en Dorttag füllte der SA.-Musikzug mit Opern- und Konzertweisen den Kameradschaftsabend aus. Kamerad Schw arzlose erfreute mit einem Trompetensolo.
Kreisamtsleiter Ulrich brachte anschließend das Treuegelöbnis zum Führer aus.
Beamten-Gemeinschastsaben- in Gießen.
Die Mädchen ans der Bnrgflraße.
Vornan von Hilde K Lest.
5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie war gar nicht erstaunt, als Mansfeld fein Sprüchlein hersagte. Er habe gestern erfahren, daß Carla eine lange Reise vorhätte. Angesichts dieser drohenden Trennung fei ihm so recht bewußt geworden, welche Gefühle er für Carla hege. Nein, man möge ihn nicht mißverstehen. Er habe sich über diese Gefühle immer schon, eigentlich vom ersten Augenblick an, Rechenschaft abgelegt, aber er habe einen sicherlich großen Fehler begangen, den, nie zu Carla davon zu sprechen. Er habe die Worte nie gefunden und vielleicht auch nicht den Mut gehabt. Carla sei eine stolze, selbstbewußte, selbstsichere Natur ... hier stotterte er ein wenig und fiel ofiensichttich aus dem Konzept. „Ick weiß nicht, wie ich mit Carla über solche Dinge reden solll"
„Sie haben ihr also niemals etwas gesagt?" hals ihm Mutter Lenz.
„Nein — nier
„Sie weiß also auch jetzt noch nichts ..."
„.. .auch jetzt noch nichts", wiederholte der Assessor, hob den Rosenstock empor, den er bisher zwischen den Knien geborgen hatte, schloß beide Hände bittend darum und fuhr fort: ,... und da wollte ich Sie bitten, liebe Frau Lenz, Sie kennen mich doch ganz genau, ich wollte Sie bitten —"
Der guten Frau Lenz, der die Tränen immer so locker in den Augen saßen, rollten zwei dicke Tropfen über die rosigen Wänglein, aber sie bezwang sich schnell, ehe der Assessor fortfahren konnte, und legte mit einer unendlich rührenden Bewegung ihre Hände um die des Assessors, so daß sie nun beide den Rosenstrauß festhielten, und da er sich anschickte, ihr die Blumen zu überreichen, drückte sie nur noch fester und zwang ihn, stille zu halten. Dann sagte sie:
„Lieber Doktor Mansfeld! Sie dürfen jetzt nicht weitersprechen, jetzt nicht. Denn ich kann Ihnen keine Antwort geben, solange Sie Carla nicht befragt haben. Gewiß, ich konnte Carla in Ihrem Namen fragen, aber —" sie drückte jetzt noch fester, als wollte sie dem Assessor etwas abgeben von ihrer großen Kraft, „— ich kann Carla jetzt und in der nächsten Zeit nicht fragen, denn sie ist schon heute ganz frich am Morgen verreist und nicht erst mittags, wie mir annahmen. Sie hat mir aber aufgezogen. Sie recht herzlich zu grüßen."
„Recht herzlich —" sagte der Assessor tonlos, senkte den Blick und legte den Rosenstrauß behüt- fam unter feinen Sessel. Mutter Lenz trocknete schnell die Tränen, dann faßte sie nach seiner Hand und zwang seinen Blick zu sich empor. „Wenn ich
Ihre Werbung auch nicht annehmen konnte", sagte sie, „weil mein Wille nichts ist neben dem Willen meiner Tochter, so mochte ich Ihnen doch einen ganz kleinen Trost geben. Meine Töchter mögen wie immer entscheiden und mich dabei fragen Ober nicht — in meinem Herzen, ganz für mich allein, muß ich doch Ja ober Nein sagen zu den Männern, die meine Schwiegersöhne werben sollen. Nun — zu Ihnen sage ich Ja. Bedingungslos Ja! Ich weiß, daß bas nur ein kleiner Trost ist ..."
„Es ist mehr als ein Trost", sagte der Assessor hoffnungsvoll, „ober ist es etwa Nichts, wenn man eine Mutter erringt?"
„Sagen wir: eine zweite Mutter", verbesserte Frau Lenz.
Der Assessor schüttelte den Kopf. „Ich habe heute eine Mutter gewonnen, nachdem ich gestern eine verloren hatte." Und als er den erschrockenen Blick aus sich ruhen sah, fuhr er fort: ,Hch mußte ja eine Aussprache mit meinen Eltern herbeiführen, ehe ich biefen Schritt tat, den ich vorhatte. Ich habe mich wirklich sehr bemüht, meinen Eltern alles Der» stündlich zu machen, aber es war alles vergebens. Ich habe noch gestern abend das Haus meiner Eltern verlassen und bin hierhergezogen — in Ihre Nähe."
Mutter Lenz streichelte begütigend feinen Arm. „Die Zeit heilt alles, sie wird auch diesen Riß heilen. Es wird uns gewiß gelingen, Ihren Eltern zu zeigen, daß eine Mutter, die für ihre Kinder arbeiten muß, nicht schlechter ist als eine, zu der das Schicksal gnädiger war. Bleiben Sie jetzt in unserer Nähe als einer, der zu uns gehört. Gehören Sie nun vielleicht weniger zu uns, weil ich Ihnen keine Antwort auf Ihre Frage geben konnte? Ich wollte immer einen Sohn haben. Nun habe ich ihn."
III.
LiObeth hatte eine gerade Art, die Dinge beim Namen zu nennen. Als die Mutter ihr Erlebnis mit dem Assessor erzählt hatte, sagte die Aelteste: „Du hast ihn auf die rechte Art getröstet, wie es eben nur unser Muttchen zustandebringt. Aber das Ergebnis ist doch recht seltsam: Du hast einen Schwiegersohn — ohne Braut. Es ist, als ob er verlobt wäre —, wir wissen nur nicht mit wem!"
„Das ist eine Ungewißheit, die wir leichter ertragen können als er , sagte die Mutter. „Schließlich können nach Carlas Rückkehr nur einigt Tage vergehen, ehe —"
„— ehe sie sich entschieden hat, willst du sagen; bas stimmt. Aber —" Lisbeth hob die Brauen und sah die Mutter mit einem jener Blicke an, bie in ber Familie Lenz und barüber hinaus gefürchtet waren, „— ich warne dich vor allzu großem Optimismus. Ich will nicht sagen, daß sich Carlo unbedingt seiner Werbung verschließen wirb, aber bas Spiel ist ganz und gar offen. Carla ist die letzte, die sich von vollzogenen Tatsachen überraschen läßt."
„Ach was!" platzte Ursel heraus, die sich bisher
tapfer bemüht hatte, die gewichtige Unterhaltung der „Großen" Nicht zu stören, „verlobt ist verlobt! So lange wir Nicht wissen, mit wem Walter verlobt ist, ist er eben mit uns allen verlobt!"
Sie erntete einen grimmigen Blick der Schwester. „Quatsck nicht solchen Unsinn! Was mich betrifft, so danke ich für diese Verlobung wie für jede andere. Was dich angeht, so bist du viel zu grün, um das Wort Verlobung überhaupt nur in den Mund zu nehmen."
„Ich wollte doch nur sagen, daß wir uns feiner annehmen müssen. Er ist bisher zu Hause immer an Mutters Schürze gehangen, wenn seine Wäsche verbraucht ist, steht er am Ende seiner Weisheit. Das meine ich..."
Die Mutter zog ihr Jüngstes lachend an sich. „Du hast ganz recht, Ursel. Jawohl, wir müssen auch an das Praktische denken, du darfit getrost nach ihm sehen, und Lisbeth würde es auch Nichts schaden..."
„Danke für Obst", sagte Lisbeth ärgerlich, „wen soll ich denn sonst noch an meine Rockschöße hängen? Ich bin, weiß Gott, versorgt!" Sie stand auf und ging aus dem Zimmer.
„Was sie wohl haben mag?" meinte die Mutter.
„Eifersucht?"
Frau Lenz forschte in den lustigen Augen ihrer Tochter, ob sie das ernst meine. Da sie keine Antwort fand, sagte sie: „Das ist unmöglich. Aber vielleicht —"
Sie brach ab, denn es war nicht üblich, mit dem „Kind" derartige Probleme zu erörtern. Und das Kind schien auch längst anderen Gedanken nachzuhängen.
Das „Kind" hätte dieser Frage allerdings eine schlaflose Nacht gewidmet, wenn es zur selben Stunde Zeuge einer Szene hätte fein können, die sich im Büro des Herrn Macher abwickelte. Da saß Herr Stelling ziemlich ratlos auf dem einzigen Sessel, vor ihm marschierte Herr Macher auf und ab und hatte die Arme auf dem Rücken verschränkt, und im Türrahmen lehnte Frau Hedwig Macher, die rundliche und resolute Dame, und schwieg ebenfalls.
Als ihr das Schweigen zu lange währte, sagte sie: „Ich verstehe euch nicht. Lisbeth ist ja ein rührender Kerl und geht mit uns durch dick und dünn. Daß aber Herr Stelling nicht für uns arbeiten soll, nur weil es unserer Prinzessin Lisbeth nicht in den Kram paßt, nee — bet jefällt mir nich! Wenn sie sachliche Gründe hat für ihre Weigerung — gut. Aber private Gründe und Launen haben mit unferm Geschäft nichts zu tun."
Da hob Stelling den Kopf. „Nach diesem Grundsatz müßten Sie selbst die Zusammenarbeit mit mir ablehnen, denn ich habe Herrn Macher gestern bereits gestanden, daß mich gleichfalls private Gründe zu ihm geführt haben."
„Hm, ja", betätigte Macher, „Herr Stelling ist
ehrlich und fagt's, wie es ist. Also können wir der Lisbeth die privaten Gründe auch nicht verwehren."
„Habt euch man nicht mit euren privaten Gründen!" fuhr ihm Frau Hedwig dazwischen, „wir werden uns nächstens noch aus privaten Gründen begraben lasten! Ich will nicht ewig aus deinen privaten Gründen Hering mit Pellkartoffeln cffen. Herr Stelling will für uns arbeiten, warum — ist mir wurstegal, wenn es nur ehrlich gemeint ist. Und danach sieht er ja wohl aus."
„Danke!" sagte Stelling.
„Alles andere — das mit ber kleinen Lenz — soll er mit ben Lenzens ober auch mit Lisbeth ab- machen, bas geht uns nichts an."
„Aber versteh' boch", sagte Macher verzweifelt unb nahm seinen Marsch durchs Zimmer wieder auf, „es handelt sich hier um ein Mißverständnis. Herr Stelling, ist gestern abend von Lisbeth habet ertappt worben, wie er Steinchen an ein Fenster im Lenzschen Hause warf. Sie hat bas natürlich auf sich bezogen, benn sie weiß ja nicht, baß Herr Stelling noch ein anberes Lenzmädel kennt, dem bie Steinchen gegolten haben. Also hat sie annehmen müssen, baß Herr Stelling, kaum baß er sie gestern kennenlernte, schon mit plumpen An- bieberungsversuchen hinter ihr her war."
„Sie hat sogar annehmen müssen", bekannte Stelling, „baß ich überhaupt nur aus diesem Grunde hierher kam, daß mein ganzes Interesse an Ihrem Dampfkessel nur geheuchelt war."
„Unb banach hat sie Sie bann behanbelt, als Sie heute hierher kamen ..."
„Das kann ich wohl sagen!"
,Zch kann es mir vorstellen", ergänzte Macher, „benn ich kenne unsere Lisbeth. Was nutzt es uns, daß mir alles so schon aufgeklärt haben? Wir finb so klug wie zuvor!"
„Nun jeht man, trollt euch", sagte Frau Hedwig, „daß sie euch hier nicht erwischt! Die Machern wird das für euch erledigen ..."
Und sie erledigte es. Sie hielt sich verborgen bis Lisbeth wieder in ihrer Arbeit steckte, bann schlich sie auf leisen Sohlen herein, stellte eine Taste Kaffee neben Lisbeths Schreibmaschine unb sagte so von ungefähr: „Na, Lisbeth, bem Stelling müssen Sie's ja heute ordentlich gegeben haben? Er ist ganz zu Tode betrübt abgezogen." Sie hatte frrilich nicht erwartet, daß Lisbeth ihr mit solchem Ernst unb einem so flammenden Blick erwidern würbe.
„Frau Macher, ich bitte Sie, sparen Sie mir die Gründe, bie ich für mein Verhalten anfuhren müßte. Ich kann mit biesem Menschen nicht zusammen arbeiten. Entweber er — ober ich!"
,Nanu<, bachte Frau Macher, fit bas unsere Lisbeth?, ließ sich aber ihr Erstaunen nicht anmerken. „Mir brauchen Sie nichts zu erzählen", sagte sie, „benn erstens interessiert es mich nicht, -weitens weiß ich alles."
(Fortsetzung folgt)


