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Nr. 73 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Dienstag, 3st. März 1937

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Die deutsche Lugend wird zur Leistung erzogen.

Zugendführung im nationalsozialistischen Staat.

Berlin, 27. März. (DNB.) In einem Gespräch mit einem Schriftleiter derNachtausgabe" äußert sich der Jugendführer des Deutschen Reiches, Bal­dur von Schi rach, aus Anlaß des Eintritts von Hunderttausenden von Pimpfen und Jung­mädeln in die HI. über die Aufgaben der Jugendführung im nationalsozialistischen Staat.

Ich habe ein Gesetz zu meiner Verfügung", sagte er,aber ich möchte es möglichst wenig an­wenden, vor allem da, wo es ohne Zwang geht. Der Grundsatz der Freiwilligkeit bleibt solange wie irgend möglich gewahrt. In manchen Gebieten haben wir 100 v. H. der Jugend erfaßt. Unter Berücksichtigung des natürlichen Ausfalles durch Krankheit und körperliche Schwäche ist der Durchschnitt über 90 v. H. Wenn irgendwo etwa nur 70 'v. H. erfaßt werden, dann weiß ich, daß dort das Vertrauensverhältnis der Führer­schaft zu den Eltern und der Jugend nicht in Ord­nung ist. Dann kann ich eingreifen.

Ich werde Akademien für die Ausbildung meiner Führerschaft gründen und die geistige Er­ziehung durch einen längeren Aufenthalt im Ausland für jeden einzelnen vollenden. Aber vor dem Frühjahr 1939 werden die Akademien nicht vollendet jein. Unsere Führerschaft wird das, was sie als wesentlichen Bestandteil ihrer Ausbil­dung und Erfahrung auf dem Gebiete des poli­tischen Soldaten gelernt hat, niemals im Le­ben vergessen. Die Pflicht junger Menschen, andere junge Menschen in' die Gemeinschaft einzuglieüern, schafft von selbst jenen Typ des politischen Solda­ten, den wir in der Tat notwendig haben.

Die Familie bleibt die Keimzelle des national­sozialistischen Staates. Die Erziehung des Kindes zum charakterlich, geistig und körperlich gesunden Einzelwesen wird immer die Sache der Fa­milie sein. Aber wir brauchen nicht nur den guten Einzelmenschen, unser Kampf verlangt die Ge­meinschaft, die die Sicherheit für die Nation und damit die Sicherheit für die Familie garan- tert. Die jungen Menschen zu dieser Gemeinschaft erziehen, heißt der Familie eine sichere Grundlage geben. Wer Gemeinschaft gelernt hat, weiß, was er den Eltern und der Familie schuldig ist.

In der gewaltigen Ausgestaltung des Reichs­berufswettkampfes sehe ich ein Zeichen für eine revolutionäre Umwandlung des deutschen Men­schen. In den demokratischen Ländern gilt die »Zivi­lisation^ oder die »Prosperität^ als das höchste Glück. Im Gegensatz zu dieser Lehre vom materiel­len Glück, die selbstverständlich im Bolschewismus endet, gestaltet der Nationalsozialismus die Lehre von der Leistung. Wir erziehen heute im Reichsberufs-Wettkampf Leistungsmenschen nicht durch Zwang, sondern in freiwilliger Mit­arbeit der Jugend an diesem Wettbewerb. Das ist die vollendete Harmonie zwischen dem Führer und der deutschen Jugend."

Wir brauchen Kerle!"

Gauleiter Sprenger ruft zum Eintritt in das Jungvolk auf.

NSG. Gauleiter Sprenger sprach am Oster- samstag auf einer Kundgebung des Jungvolks in Darmstadt vor über 3000 Pimpfen und Jung­mädeln und einer großen, den weiten Marktplatz füllenden Menschenmenge. Gauleiter Sprenger dankte dem Gebietsjungvolkführer Paul Wagner, der als Jugendlicher schon der Partei die ersten Dienste geleistet hat, für seinen Einsatz, seine Kraft, seinen Mut und Opferwillen bis heute, da er zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht geht. Die Pimpfe haben heute die Vorbilder, die die ältere Generation suchte. Der heutigen Jugend wird der Weg vom Führer vorgezeichnet, und sie erfährt die höchste Ehre, seinen Namen zu tragen, den Namen des größten Staatsmannes, den die Welt kennt. Es gilt nun noch, die anderen, die heute noch fehlen, zu wecken, daß auch sie freiwillig kommen. Denn ob­wohl alle Jugend dem Führer gehören muß, hat der Reichsjugendführer an dem Prinzip der Frei­willigkeit festgehalten. Wer aber nicht zur Hit­ler-Jugend gehört, steht bewußt abseits! Jungen und Mädel müssen und wollen frühzeitig eingereiht wer­den, die Eltern aber tragen die Verantwortung, sie müssen den Weg freigeben und den Willen zur Gemeinschaft zeigen.

Beispielgebend für die Jugend ist die Arbeit der Bewegung als Gesamtheit: dem Sumpf wird Boden abgerungen, schlechter Boden wird ver­bessert, so entsteht neuer Boden und neue Dörfer, Straßen entstehen für das Volk, die Zu­kunft ist gesichert. Aus all diesen Arbeiten er­wachsen auch der Jugend neue Aufgaben, und darum mußte für sie auch eine neue Ausbil­dung geschaffen werden. Das neue Schulsystem stellt das Können und die Fähigkeiten in den Vor­dergrund. Mit dem neuen Schulaufbau und beson­ders mit den Adolf-Hitler-Schulen erreichen wir die Erziehungslenkung nach den Anlagen und die Schu­lung für die Führerschaft. Aus der letzten Dorfhütte und der kleinsten Arbeiterwohnung holen wir die Guten und Mutigen heraus. Denn wir brau­chen Kerle! Der Gauleiter forderte die Pimpfe auf, weiter zu arbeiten wie bisher und sich trotzig zu bemühen, ein ganzer Kerl zu werden.Wenn es einmal schwer wird, steht ein Kamerad zur Seite oder der Unterführer, jeder hilft mit, alle hel­fen, die Eltern und wir! Formt euch in Zukunft an dem Vorbild unseres Führers Adolf Hitler!"

Anschließend besuchte der Gauleiter die Leistungs­schau des Jungbannes 115 Darmstadt und nahm dann auf dem Paxadeplatz den Vorbeimarsch des Fackelzuges der Pimpfe ab.

Bekenntnis zu Weimar.

Zusammenarbeit von Deutschem Tchiller- bund und Hitlerjugend.

Weimar, 29. März. (DNB.) Die diesjährige Hauptversammlung des Deutschen Schiller- b u n d e s in Weimar steht im Zeichen der engen Zusammenarbeit mit der Hitlerjugend.

Obergebietsführer Cer ff brachte zum Ausdruck, daß die Staatsjugend bereit fei, freudigen Herzens sich für die Ziele des Schillerbundes einzusetzen, um die Idee des Bundes in allen Herzen lebendig zu machen. Praktisch gesehen wird sich die Mitarbeit der Hitlerjugend zunächst dahin auswirken, daß die Sieger des abgeschlossenen Reichsberuf s- wettkam<pfes in einer Stärke von 1000 Mann auf Kosten der Hitlerjugend an den diesjährigen Festspielen teilnehmen werden. Außerdem hat der Reichsjugendführer in Aussicht genommen, die

Einem Schriftleiter desVölkischen Beobachters" erklärte Reichsarbeitsminister Seldte u. a.:Zu­nächst möchte ich betonen, daß die Reichsregierung keineswegs der Auffassung ist, daß das gegenwärtige Verhältnis zwischen Preis un.d Lohn vollkommen ist, und daß darin niemals eine Aenderung eintreten dürfe. Aber die Reichsregierung muß daran festhalten, daß, so­lange noch große Aufgaben zur Erringung und Sicherung unserer nationalen und wirtschaftlichen Freiheit zu erfüllen sind, Wünsche auf eine Ver­besserung der noch zurückgebliebenen Löhne z u - cf treten müssen. Die durch den großzügigen Einsatz des Staatskredits eingelegte wirtschaft­liche Belebung und der Aufbau der deutschen Wehr­macht konnten unter der Bedingung kleinster Preis- oeränberungen und damit unter Aufrechterhaltung der deutschen Währung durchgesetzt werden. Die gro­ßen Aufgaben des zweiten Vierjahresplanes fordern das Gleiche. Die Reichsregierung verlangt daher im Interesse einer zielsicheren Durchführung dieses Planes auf sozialpolitischem Gebiet Verzichte. Die tariflichen Mindestsätze sind demgemäß in den ersten vier Jahren des Dritten Reiches bis auf wenige notwendige Verbesserungen nahezu unverändert ge­blieben. Die Verbesserungen betrafen hauptsächlich die Landarbeiter sowie die niedrigsten Sätze in einigen kleineren Gewerben und im Baugewer b e. So sind beispielsweise die tarif­lichen Stundenlöhne der Tiefbauarbeiter vuf einen sozial besseren Stand erhöht worden. Ebenso haben die Entgelte der Heimarbeiter, die auf einen unvorstellbar niedrigen Stand zurückgegangen waren, eine Aufbesserung erfahren. Ferner darf nicht übersehen werden, daß durch die A u s d e h -

Glückwünsche des Führers.

Berlin, 29. März. (DNB.) Aus Anlaß des Ab­schlusses des Belgrader Abkommens hat der Füh­rer und Reichskanzler sowohl dem Prinz­regenten Paul von Jugoslawien als auch dem ita­lienischen Regierungschef Mussolini seine Glück­wünsche durch die deutschen diplomatischen Vertreter aussprechen und dabei zum Ausdruck bringen lassen, daß der Führer in diesem Abkommen einen b e - beutfamen Beitrag zur Festigung des europäischen Friedens erblickt.

*

Diese Stellungnahme des Führers, so bemerkt der Berliner Vertreter desP o p o l o di Rom a", bekräftigt in vollem Umfange die Einstellung der deutschen Oeffentlichkeit, die ohne jeden Vorbehalt das Zustandekommen der italienisch-jugoslawischen Verständigung aufgenommen und darin den Abschluß einer Periode des Mißtrauens und der gegenseitigen Mißverständnisse begrüßt habe, der nicht nur den beiden Staaten, sondern auch der Beruhigung und Festigung Europas zustatten kommen werde. Auch die norditalienische Presse verzeichnet die Glück­wünsche des Führers mit großer Genugtuung und betrachtet sie als neuen Beweis für die Wirksamkeit der deutsch-italienischen Zusammenarbeit und der Festigkeit der Achse Rom-Berlin.

Das Echo in Prag.

Prag, 29. März. (DNB.) Einem Pressevertreter erklärte Ministerpräsident Hodza: Wir wollen eine Kooperation mit Deutschland, die schon in der geographischen Lage und in der Länge un­serer Grenzen begründet ist. Mitteleuropa soll nicht zum Objekt der Großen werden. Deshalb müssen wir hier in Mitteleuropa unsere Angelegenheiten selbst in Ordnung bringen, sonst werden andere das besorgen, was wir versäumen. Das italie­nisch-jugoslawische Abkommen kann uns

diesjährigen Spiele selb st zu eröffnen, indem er zu Beginn der ersten Wochenreihe in einer grundsätzlichen Ansprache das Bekenntnis der Ju­gend zur klassischen Vergangenheit und insbeson­dere zu Goethe ablegen wird. Diese Rede wird voraussichtlich durch den Rundfunk übertragen wer­den. Auch in den übrigen Wochenreihen werden namhafte Führer aus der Hitlerjugend sprachen und die Festspiele werden auch äußerlich den Gemein­schaftswillen dokumentieren, indem die Jugend in Uniform an den Spielen teilnimmt. Auf dem S p i e l p l a n stehen ShakespearesDie Zähmung der Widerspenstigen", GoethesGötz" mit Heinrich George als Gast, ferner SchillersMaria Stuart" und WagnersMeistersinger". Für 1938 ist die Ausführung der Wallenstein-Trilogie geplant.

In den nationalen Ausschuß wurden neu­gewählt Obergebietsführer C e r f f, der Kulturamts­leiter des Gebiets Thüringen der Hitler-Jugend, Scharführer Ziegler-Weimar, und Frau Ober­studiendirektor Plate-Bremen. Der Hauptver­sammlung ging ein Vortrag von Oberstudiendirek­tor Dr. Binder- Stuttgart über Schillers Schick­salsweg nach Weimar voraus.

n u n g b e r Arbeitszeit, die seit 1933 durch­schnittlich fast eine Stunde täglich beträgt, eine ge­wichtige Verbesserung des tatsächlichen Arbeitsver­dienstes eingetreten ist. Endlich möchte ich darauf Hinweisen, daß durch die Tarifordnungen eine Reihe von weiteren Verbesserungen der Ar­beitsbedingungen erfolgt ist, die zwar keine Hebung der Reallöhne bedeuten, aber dennoch für die Le­benshaltung des deutschen Arbeiters wichtig sind. Ich will hier nur die Verlängerung des be­zahlten Jahresurlaubs, die Ausdehnung der Kündigungsfristen, die Sicherstellung bezahlter Krankheitstage ufw. erwähnen. Gegen früher wird diese Besserstellung des Arbeiters nicht gering zu veranschlagen sein. Endlich dürfte noch sehr wichtig sein, daß das Risiko des Verlustes des Arbeitsplatzes erheblich vermindert, ja in einer Reihe von großen Gewerben überhaupt nicht mehr vorhanden ist.

Die deutsche Arbeiterschaft darf sicher sein, daß die Reichsregierung, insbesondere der Beauftragte des Führers für den Vierjahresplan, Ministerprä­sident Generaloberst Göring, wie bisher der Frage der Preisbildung ihre besondere Aufmerksam­keit schenkt und keine Preissteigerungen zuläßt, die nicht unbedingt im Jnteresje des Wiederaufbaues und der Unabhängigkeit vom Ausland notwendig sind. Wie ich bereits sagte, kann zur Zeit eine Erhöhung des Lohnniveaus aus den überragenden Ideen des Gesamtaufbaues nicht zugelassen werden. Sobald aber einmal unsere großen natio­nalen Aufgaben erfüllt fein werden, wird die Reichsregierung sofort bereit sein, die Löhne nach- z u p r ü f e n."

nur sehr angenehm sein. Wir waren durch manche Gegensätze, die sich zwischen Jugoslawien und Italien ergeben hatten, belastet, und freuen uns, wenn durch diese Entspannung die Zusammen­arbeit im Donauraum erleichtert wird. Die R e - ftauration der Habsburger wäre nicht die Rettung, sondern die Katastrophe.Gewisse geschichtliche Prozesse sind nun einmal abgeschlossen und kehren nicht wieder."

Günstige Auswirkungen . für die jugoslawische Minderheit.

Belgrad, 29. März. (DNB.) Der jugoslawisch- italienische Vertrag wird über die von Graf Ciano bekanntgegebenen Zugeständnisse an die jugoslawische Minderheit in Italien hinaus noch ein weiteres Entgegenkommen in ihren Wünschen zur Folge haben. Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, wird der jugoslawischen Minder­heit in Italien wieder eine eigene Presse ge­stattet werden, der Gebrauch der jugosla­wischen Sprache soll bei Gottesdiensten und religiösen Handlungen unbehindert bleiben, Pri­vatunterricht und kulturelle Vereini­gungen sollen wieder gestattet werden. Die jugo­slawische Presse begrüßt die zu erwartende Besse- rung der Lage der jugoslawischen Minderheit als eine der zahlreichen positiven Auswirkungen der jugoslawisch-italienischen Verständigung.

Italiens Rassenpolitik.

Rom, 29. März. (DNB.) DerTeuere" wendet sich äußerst scharf gegen gewisse intellektuelle Kreise in Italien. Das Blatt bezeichnet diese alsträn k- haft maßvoll" und erklärt, die Gegner einer positiven Rassenpolitik Italiens seien entweder Juden, Halbjuden oder Judenmisch­linge, die ihr eigenes Interesse in dieser Sache durch eine rein rhetorische ober literarische wurzelloseR o m a n i t ä t" zu bemänteln such­

ten. Diese schöngeistigen Machenschaften wollten den klaren Begriff der Rasse durch verschwommene Bezeichnungen wieGeschlecht", ,geistiger Imperia­lismus" usw. zersetzen. Diese Versuche seien auf die verkappte Tätigkeit von Juden oder Mischlingen zurückzuführen, die Angst haben, man könne sich auch in Italien endlich zu einer Politik der Rassen­reinigung bekennen. Bejonders aus imperialistischen Gründen sei für Italien eine positive Rassenpolitik notwendig, die auf jede Schwäche verzichte.

Vor dem Nichts.

Von unserem V -Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Moskau, März 1937.

Seit den ersten Märztagen feiert die kommu­nistische Parteidemagogie neue Triumphe. Unbe­merkt für den Sowjetbürger und völlig unvorbe­reitet für die sogenannte öffentliche Meinung hat zu diesem Zeitpunkt hinter jchalldicht verschlossenen Türen eine Tagungdes Zentralkomitees der kommuni st ischen Partei stattgefunden. Die Einberufung findet in dem Beschluß ihre Recht­fertigung,alles zu tun, um innerhalb der Partei die bevorstehenden Wahlen zu den in der neuen Verfassung vorgesehenen Körperschaften vorzuberei­ten". Wie dieseVorbereitung" 'vor sich gehen soll, hat der Leningrader Parteisekretär Schdanow er­läutert. Er ging mit derbei uns herrschenden Par­teibürokratie" auf das schärfste ins Gericht und kündigte nicht mehr und nicht weniger an als einen völligen Umbau der Reihen unserer Par­tei". Nach Schdanow haben sich die Parteifunktio­näre den ihrer harrenden Aufaben nicht entfernt gewachsen gezeigt. Anstatt aufzubauen, zerstör­ten sie, anstatt die Massen zu führen, ließen sie sich selbst die gröbsten Ungehörigkeiten und Ver­gehen, ja Verbrechen zuschulden kommen. In der ganzen Parteiwirtschaft herrsche eine Fluktuation, Die überall ihre zerstörende Wirkung zeige, es sei ein zum Himmel schreiender Schlendrian aufgedeckt worden usw. Kurz: Es sei an der Zeit, daßend­lich einmal Ordnung im Parteihause geschaffen werde".

Wir können es uns versagen, darauf einzugehen, unter welchem Firmenschild und in welcher Form die neue Auseinandersetzung Stalins mit seinen Bolschewisten vor sich gehen wird. Tatsache ist, daß damit die Säuberung, die feit zwei Jahren beinahe ununterbrochen anhält, in Permanenz erklärt wird und Tatsache ift ferner, daß heute bereits zehntausend Parteisekretäre um ihre Pöst­chen zittern. Daß diese ganze Komödie heute unter anderem Vorzeichen in Szene geht, als etwa noch vor Jahresfrist oder zu Zeiten des Trotzkistenpro­zesses, daß sie aber unter allen Umständen fort­gesetzt wird, beweist nur, daß der Zustand der ner­vösen Unruhe, in dem sich das Land befindet, an­dauert und daß die schweren Erschütterungen, denen die Partei ausgesetzt ist, sich in Zukunft womöglich noch vermehren werden. Daß der Trotzkistenprozeß dem bolschewistischen Staat eine schwere Schädigung in seinem Ansehen eingebracht, in der Partei aber höchstens das Gegenteil der beabsichtig­ten Wirkung erzielt hat, ist für Stalin zwar eine harte, aber heute nicht mehr zu leugnende Tat­sache. Der Diktator hat seinerseits auch die Lehre daraus gezogen und offenbar darauf verzichtet, auch gegen Rykvw und Bucharin mit einem Monstreprozeß vorzugehen. Die Partei hat den ein- sachen Ausschluß der beiden aus der Partei zur Kenntnis genommen und sich beruhigt. Niemand spricht mehr heute von diesenFeinden der Partei", derenphysische Vernichtung" man noch vor drei Wochen überall forderte.

Denn anderes steht jetzt auf dem Spiele. Der Bergbau ist in seinen Förderungsziffern weit hinter dem Vorjahr zurückgeblieben, die O e l i n d u - ftrie kann von der abschüssigen Bahn, auf der sie sich seit Monaten befindet, nicht mehr herab, die t oindustrie -hat versagt, haarsträubende Mißstände werden jeden Tag aufgedeckt und das Land hungert! Mehr als alle rückläufigen Pro- dultionsziffern in der Industrie und mehr als die Vorgänge in der Partei beunruhigt heute schon die ganze Sowjetöffentlichkeit das Problem: Wie wird das Land über die nächsten fünf Monate bis zur Ernte hinwegkommen? Wie wird sich der Bauer gegen den neuen Hungertod schützen, der überall und in allen Ecken des Riesenreichs auf ihn lauert? Unb wie wird der Kolchosnik arbeiten, wie wird er fene sonstigen Feldarbeiten verrichten, um bie Wiederholung der Katastrophe des oeraangenen Fohres zu verhindern? Die Landwirtschaft' und sie ist nach einem alten Wort Lenins noch immer ,öie wichtigste Industrie" des Landes wird die Landwirtschaft auch in diesem Jahr wieder versagen^

Sowjets haben bis zuletzt versucht, nach der alten Methode zu verfahren und das Vorlieqen eines Notstandes einfach zu leugnen. Man hat Vor- tebruiYgen getroffen, daß die eigene Presse nichts bringt, was dem Ausland den Umfang der Kata­strophe veranschaulichen könnte: mandementiert" wütend jede Nachricht, die von der großen Not auf Dem stachen Lande handelt: man hindert Ausländer Daran, sich die Lage selbst anzusehen: man mar- cbiert mit Der alten Statistik auf, inDcm man Ver- haltmszahlen herausgibt, die nichts gegen, aber aUes Dafür beweisen. Man straft sich aber selbst laugen! Denn man ist gezwungen, Geständnisse ob- zulegen^ die eine einzige furchtbare Anklage gegen Diejes System der Auspowerung und Ausze^rüna des Bauern find. '

Es genügt, den in Rostow erscheinendenMolot", dieNachrichten" Der Wolgadeutschen, DieKirows- faja Prawda" oder ein anderes Provinzblatt zur Hand zu mHmen, um Darin die Tatsache bestätigt zu finden, daß der Hunger, der nackte Hunger auf

Nationalsozialistische Sozialpolitik.

Der Heichsarbertsminister über Lohn und preis.

Die italienisch-jugoslawische Verständigung.