Freitag,2o.Ottober <957
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Nr. 253 Zweites Blatt
Tage die „T i m e s"
der
das heißt vor dem Einseifen. Nivea-Creme gibt geschmeidige, gut raslertähige Haut, die weder spannt noch aufspringt
germanischen Dölkerfamilie, wurde geklärt. Der Somatische Satz „ex Oriente lux“ (aus dem Osten kommt das Licht) ist erschüttert worden durch den Nachweis, daß die Schöpfer der südlichen Kulturen, die bildenden Meister der ägyptischen, der griechischen, der römischen Antike aus dem Norden Europas kamen und die Zeichen nordischer Rassen an der Stirn trugen. Eine große Gemeinschaft abendländischer Kulturen wurde sichtbar. An die Stelle selbständiger Kulturkreise, die auf kleine Räume beschränkt gewesen sein und, von ihren Trägern unabhängig, ein eigenes organisches Leben geführt haben sollen (Spengler), trat die Erkenntnis von der gemeinsamen rassischen Substanz
In der Auseinandersetzung über die Wiedergutmachung eines schweren Unrechts, über die Rückgabe der früheren deutschen Kolonien, sind zwei wichtige Ereignisse zu verzeichnen. Zunächst hat der- Duce sich bei der Jubelfeier des Marsches auf Rom mit äußerster Entschiedenheit dafür eingesetzt, daß Deutschland seinen Platz an der afrikanischen Sonne wieder emnehme, daß also die früheren deutschen Kolonien wieder zuruck-
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„In Italien sechshundertundvierzig, „ Ueberm Rheine dreihundertundeine...
Er klimpert das parlando der Achtelläufe auf Tischplatte"; das Kerzenlicht flackert.
An der Seine neunhundertundzehne, „ Aber in Spanien sind's tausendunddrei!
„Don G ovamn" in Prag Zur Erinnerung an die Uraufführung om 29 Oktober 1787
Sochschulnacbnchten
Don den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden die ordentlichen Professoren Dr. F. Arthur Schultze (Theoretische Physik) in Marburg: Dr. Georg S t e r tz (Nervenheilkunde) in Kiel (§6 BVG.); Dr. Clemens Bauer (Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde) in Münster (§ 6 BVG.).
Die deutsche Kolonialforderung in der öffentlichen Meinung Englands Ein zusammenfassender Aufsatz der Times.
wollen und der Entrepreneur (aus Forcht und Angst) sie nicht dazu anhalten will."
Prager Oberpostamtszeitung. „Montags, den 29. wurde von der italienischen Operngesellschaft die mit Sehnsucht erwartete Oper des Meisters Mozard Don Giovannis oder ,das steinerne Gastmahll auf- geführt. Kenner und Tonkünstler sagen, daß zu Prag ihres Gleichen noch nicht aufgeführt worden. Ar. Mozard dirigirte selbst (nach dem Brauch der Zeit vom Klavier aus) und als er in das Orchester trat, wurde ihm ein dreymaliger Jubel gegeben, welches auch bei seinem Austritt aus demselben geschah. Die Oper ist übrigens äußerst schwer zu erequiren, und jeder bewundert die gute Vorstellung nach so kurzer Studirzeit. Die außerordentliche Menge Zuschauer bürgen für den allgemeinen Beifall."
Mozart an Jacquin, 4. November. „Liebster, bester Freund! Den 29. Oct. ging meine Opera D. Giovanni in scena, und zwar mit dem lautesten Beifall. Gestern wurde sie zum viertenmal (und zwar zu meinem Benefice) aufgeführt. Ich gedenke den 12ten oder 13ten von hier abzureisen... Vielleicht wird sie doch in Wien aufgeführt? —"
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Wien. Die Stadt ewiger' Enttäuschung! Der Wagen rumpelt über böhmische Chausseen. Es ist die „ordinaire Postchaise" von Thurn und Taxis. Konstanze schläft, den Kopf in die Ecke gedrückt. Mozart sieht alt und verfallen aus. Nichts vom „Salzburger chanswurstgeist". Groß springt die Nase aus dem mager werdenden Gesicht vor. Er ist krank. Niemand weiß, wie ost er an den Tob oenft. Er hat keine Schrecken mehr für ihn. Erfüllung des Lebens ist er. Erhabene Mahnung, die im Andante aufklingt. Die beiden ck-moll-Akkorde aus Tonika und Dominante, mit den nachhallenden Bässen; leise steigt, in schwer betonten Rhythmen, die Harmonie in chromatischen Quarten auf steigert sich bis zu dem Forte, vor dem die Skalengange der Geigen und Flöten in Todeskälte erstarren.
Wien. Wenn der „Don Giovanni doch ausgeführt würde... Wenn man nicht immer Gesuche schreiben müßte und bleichsüchtige Baronessen lehren, auf dem Spinett zu klimpern! Em Jahr leben können... ohne das alles! Die Musik schreiben, die in ihm wogt und klingt.
Und wenn man den „Don Gldvanm auffuhrt in Wien .. Es bleibt doch alles dasselbe. Der Kaiser wird chm auf die Schulter klopfen, wie nach der „Entführung aus dem Serail , und sagen: Gewaltig viel Noten, mein lieber Momrt! Immer Noten- seit dem dritten Lebensjahr l angen sie ihm an. Nun jitzt er hier, in dieser Postkutsche in Boh-
Vorgeschichte - eine nationale Wissenschaft Raffen- und Raumpolitik im Lichte der Ausgrabungen.
Von Johannes Jacobi.
er vor sich hin, während er durch die gewundenen Gassen der Altstadt geht. Wird man es bald überall hören, wie im Vorjahr die Melodien aus dem Figaro?" Von den Musikanten aus den Ballen des böhmischen Adels und den Harfenisten m den Bierhäusern? „Reich mir die Hand, mein Leben! Die kleine Caterina B o n d i n i ... wie ihre Mandelaugen locken, wenn das verführerische A-dur aufglüht! Für sie, die Bäuerin Zerlma m der Oper, hat er es doch geschrieben, nicht für diesen Lassen von Tenor! Allerdings: im Gartenhäuschen der Bertramka hat er der Josefina 2) u f f e f oas Bella mia fiamma“ gewidmet; und im Gasthaus bei den drei Löwen am Kohlmarkt wartet die Stanzi-Marili aus ihn, Frau Constanza Mozart nee Weber. „Euer Gnaden, seht hier dies Register, zählt die Schönen, die er schon verführet. Ach nein, so lang wie in Leporellos Arie wird das Register seiner „Stubenmä^eleien", wie die Constanz sagt, nun doch nicht.
Am Fensterladen eines kleinen Kaffeehauses klopft Mozart den verschlafenen Wirt heraus, der ihm noch einen türkischen Kaffee brauen muß.
Hörner und Oboen kichern. „Ma in Ispagna son giä mille e tre!" Er schmettert es so hell m die verlassene Wirtsstube, daß ihn im Lachen der Husten überfällt.
Mozart an Gottfried von jacquin, 15. Oktober 1787- „Sie werden vermuthlich glauben, daß nun meine Oper schon vorbey ist - doch da irren Sie sich ein bischen. Erstens ist das hiesige theatralische Personal nicht so geschickt wie das zu Wien, um eine solche Oper in so kurzer Zelt emzustudiren. Zweytens fand ich bey meiner Ankunft so wenig Vorkehrungen und Anstalten, daß es eine bloße Unmöglichkeit gewesen seyn wurde, ste gestern zu geben... Don Giovanni... war auf den 24. bestimmt, aber eine Sängerin, die krank geworden verursacht eine neue Verzögerung; da dre Truppe klein ist, so muß der Jrnpressano seine ßeuhJo viel wie möglich schonen, damit er nicht durch °,n° unvermuthete Unpäßlichkeit in die Lage versetzt wird, gar kein Spektakel geben zu können! Desweg geht hier alles in dis lange Bank, weil dis Reciti- renden (aus Faulheit) an Operntagen nicht ftudrren
den brauchen.
Die Times sind auch der Ueberzeugung, daß die Versailler Verträge und die Versailler Politik e i n Verhängnis für Europa gewesen sind. Nun steht fest, daß, seitdem das neue Deutschland mit der Versailler Politik aufgeräumt hat, der Friede Europas zu keiyer Zeit wirklich gefährdet gewesen ist. Jedenfalls ist eine Gefährdung nicht voll Deutschland aus gegangen, ein Beweis dafür, daß der Stacheldraht der Versailler Verträge nicht den Frieden Europas geschützt haben kann. Immerhin gibt es noch Reste der Versailler Politik, gibt es noch
Unter den Wissenschaften gibt es eine Rangord- । nung. Sie ist nicht absolut, aber die weltanschau- i lichen Fragen und die Lebensnöte der Zeiten drängen bald die eine, bald die andere Wissenschaft in den Vordergrund des allgemeinen Interesses. In den Jahrhunderten, als die christliche Religion und Kirche das öffentliche Leben beherrschten, war die Theologie die Königin der Wissenschaft. Nachdem die menschliche Vernunft sich aus alten Bindungen gelöst hatte, wollte vor allem die Philosophie Antwort geben auf die Fragen des Lebens. Dem materiellen „Fortschritt" der technischen Erfindungen entsprach das Zeitalter der Naturwissenschaften, und eine Periode der Geisteswissenschaften versuchte, die Rätsel der Welt auf psychologische Weise zu klären.
Als das Hauptwerk Gustaf Kofsinnas „Die deutsche Vorgeschichte, eine hervorragend nationale Wissenschaft" (1912) erschien, meldete eine roemg beachtete Disziplin den Anspruch an, vor anderen gehört zu werden. Die Archäologie war auch damals schon angesehen. Aber ihre Tätigkeit richtete sich vor allem auf die Ausgrabungen der römischen, der griechischen und ägyptischen Antike. Pharaonen- gräber, Troja, Mykene, das alte Athen und Pompeji erstanden aus dem Schutt, und die geborgenen Trümmer belebten das Bild der schriftlichen Ueber- lieferung. Die deutsche Vorzeit stand damals ebenso im Schatten der „klassischen" Antike, wie die art- und werteigene bildende Kunst des deutschen Mittelalters häufig hinter der Verehrung für ausländische Kunstleistungen zurückstehen mußte. Dem unermüdlichen Forscherdrang, der genialen Methode und den schlüssigen Beweisen Kossinnas ist es vor allem zu danken, daß eine Besinnung auf die eigene, die germanische Vorzeit des deutschen Volkes mehr und mehr um sich griff, alte Legenden zerstört und das Licht der Wahrheit über die Herkunft unseres Volkes gebreitet wurde.
Inzwischen hat sich die deutsche Borge- schichtswissenschaft einen bevorzugten Platz erkämpft. Seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus steht sie auch kulturpolitisch in der vordersten Front. Zu den Grundpfeilern der nationalsozialistischen Weltanschauung gehört die R a s s e n k u n d e. Ihre Verlängerung in die Tiefe jahrtausendealter Vergangenheit ist die Vorgeschichte. Durch Funde im Erdboden, die unbestechlich, undoktrinär und nachprüfbar sind, konnten die Be- siedlungsverhältnisse des germanischen Raums und der Nachbargebiete festgestellt, Wanderungen belegt und Untersuchungen über die Kulturhöhe der alten Germanen und ihrer rassischen Merkmale unternommen werden. Alte Theorien sind dadurch gestürzt worden. Die Frage nach dem „Paradies der Menschheit", genauer: die Herkunft der mdo-
so zu befassen, daß die „Times" selbst zum Schluß die Formel gebrauchen, es sei notwendig, zu normalen kolonialen Gebräuchen zurückzukehren. In der Tat, es ist notwendig, notwendig vor allem, mit dem verhängnisvollen Begriff des kolonialen Mandats aufzuräumen. Verhängnisvoll deshalb, weil dieser ganze Mandatsbegriff auf einer groben Täuschung beruht, auf Voraussetzungen, die ebenso falsch waren und sind, daß auch die Schlußfolgerungen nicht richtig sein können.
nichts anfangen, denn es ist doch ohne weiteres klar, daß ein Volk von 70 Millionen, das technisch und geistig so hoch entwickelt ist, geradezu die Bestimmung und Fügung des Schicksals in sich trägt, kolonial tätig sein zu müssen. Der Platz an der afrikanischen Sonne, den Deutschland vor dem Unglück des großen Krieges eingenommen hatte, war doch immer so beschaffen, keinerlei Reibungen zwischen sich und England hervorzurufen. Die öffentliche Meinung in England sei hier einmal nachdrücklich daran erinnert, daß unmittelbar vor Ausbruch des Großen Krieges zwischen Deutschland und England grundsätzlich eine Verständigung darüber erfolgt war, wie künftig die Einflußzonen in Afrika abgegrenzt werden sollten. Vielleicht übernehmen die Times diese Erinnerung, zumal sie sich bisher schon so erfreulich für eine Verständigung zwischen Deutschland und England nicht nur in der kolonia-
und der Nachweis vorgeschichtlich-ursächlicher Zusammenhänge zwischen den Schöpfern dieser Kulturen.
Geopolitische Ausblicke von räumlicher Weite und überzeitlicher Bedeutung routöen von der Dorgeschichtswissenschaft eröffnet und durch die weltpolitische Lage der Gegenwart bestätigt. Ein Beispiel für viele: Wie indogermanische Völkerschaften einst von Norden nach dem Süden gezogen waren und durch ihre Entwicklung als schöpferische Herrenschicht unter dem Himmel Griechenlands und Italiens diese Länder auf die Höhe der Kultur führten — die rückwirkend über Jahrtausende ihre Kräfte wiederum nach dem Norden ausstrahlte und bis zur abendländischen Gegenwart reicht —, so gründeten später germanische Völker auch das russische Reich. Zunächst prägten die Goten den Stempel nordischen Wesens dem südlichen Rußland auf, dann gründeten Wikingerfürsten, die Waräger, im nördlichen Rußland das Reich, das zum Zarenreich werden sollte. Es wurde jahrhundertelang von Fürsten aus germanischem Blut geführt und ist dennoch ein pseudogermanischer Staat geworden. Er hat seine geschichtliche Aufgabe verkannt, die Mächte Asiens nicht gebannt, sondern sich mit ihnen vermischt und nach Europa geleitet. Das verantwortungsbewußte Deutschtum, das die Weltmission des Germanentums erfüllte, ist im großrussischen Reich immer auf eine unübersteigbare Mauer gestoßen.
Zwischen Rußland und Deutschland liegt Polen. Seine Lage hat es von Anfang als Prellbock be-
Auch die „Times" richten noch einmal den Drahtzaun des Mandatsbegriffs auf, um sich mit den Worten dahinter zu verstecken, daß England allein in der Sache nichts tun könne. Gerade weil hie „Times" über diese Sache so viele Worte machen, drängt sich von selbst der Schluß auf, daß es weder der „Times" noch dem besten Teil der öffentlichen Meinung in England bei dieser Selbsttäuschung behaglich ist. Wenn das Mandat vom Völkerbund erteilt worden ist, was in dieser Form indessen nicht zutrifft, so fragt sich, wer und was sollte der Völkerbund fein, als in den VersaillerDertrag nicht nur die Völkerbundssatzung, sondern auch die Sache' mit dem Mandat ausgenommen wurde? Dem Völkerbund gehören Japan nicht mehr an, wie ihm die Vereinigten Staaten niemals angehört haben, also jene beiden Staaten, die mit zu den fünf Hauptmächten im Sinne der Versailler Politik .gerechnet werden. Selbst wenn die Genfer Liga jemals das gewesen wäre, was sie hätte sein sollen oder müssen, so hat sie heute gar nichts mehr mit einem wirklichen Völkerbund zu tun. Um so weniger, als ausgerechnet Moskau dazu gehört, also der Polschewismus, gegen den sich doch der Abscheu der Versailler Vertreter und der Erzväter des Völkerbundes richtete. Diesem Völkerbund kann kein Mandat zurückgegeben werden, was die öffentliche Meinung in England ebenso gut weiß wie die in Frankreich.
Es liegt ja buch ein unlösbarer Widerspruch darin, wenn Engläder von Rang und politischer Einsicht, die also grundsätzlich für eine Verständigung mit Deutschland in der Kolonialfrage find, hinsichtlich der Rückgabe von Kolonien an Deutschland, die England heute als Mandat verwaltet, Vorbehalte machen. England legt doch so viel Wert auf die Heiligkeit der Verträge, England legt auch Wert darauf, aus seiner ganzen geistigen und seelischen Auffassung heraus, daß klares Recht nicht gebeugt werden darf. Wenn das aber so ist, dann verträgt sich nicht damit, daß aus irgendeinem Grunde, sei es militärischer oder politischer Natur, ein Bedenken geltend gemacht wird, afrikanisches Gebiet zurückzugeben. Handelt es sich wirklich um ein Mandat, nimmt England diese Fiktion, diese Selbsttäuschung ernst, dann kann und darf kein Engländer sagen: wir behalten Deutsch-Ostafrika, weil wir es aus militärischen und politischen Grün-
„Jm Herbst des Jahres 1787 unternahm Mozart - in Begleitung seiner Frau eine Reise nach präg, um Don Juan daselbst zur Aufführung zu bringen. Mit diesem Satz beginnt Mörikes klassische Novelle. Der Erfolg, den „Figaros Hochzeit" in Prag ge- , funden hatte — fast ununterbrochen war die Qper den ganzen Winter gespielt worden — hatte den Direktor der italienischen Operngesellschaft, Pas- quäle Rondini, bewogen, Mozart zu verpflichten, gegen das übliche Entgelt von hundert Dukaten eine Oper für die nächste Spielzeit zu komponieren. Lorenzo da Ponte hatte „Don Giovanni" für das Libretto vorgeschlagen, em bevorzugtes Thema der damaligen Buhne, wie Glucks Ballett und Gold in is und Mo- Heres Komödien zeigen. Juan T enori o ist die Urgestalt des triebhaften Verführers, der nach Sevillaner Ueberüeferung das Marmorstandbild eines von ihm im Zweikampf erschlagenen Komturs zur Tafel geladen hat und für diesen Frevel ^Da^ist die^Oper, die Mozart halb vollendet nach Prag bringt, ein ungeordnetes Bündel von dickem grünlichem Notenpapier, nur mit Öen Smgftimmen und beziffertem Baß bekritzelt Ein' .^ma gio- coso, ein heitres Spiel, ist aus der düstren Legend ' geworden, wenn auch mit der furchtbaren Erscheinung des steinernen Gastes barock-spanische Kirchen- moral in die Wiener Rokoko-Tändeleien wuch et. „Dein Lachen endet vor der Morgenröte! „W e von entlegenen Sternen fallen die Tone au- s bernen Posaunen, eiskalt, Mark und Seele durchschneidend, herunter durch die blaue Jtaa)!.
Die schöne Kastanienallee, die vom Herrschaft - hause des Weingutes Bertramka in die Dorftcwt Smichow führt, geht ein kleiner Mann m .geldlichen Nankinghosen und Schnallenschuhen. Sem Jr)aa - beutel stäubt grauen Puder auf den hochgeMage- nen Kragen des blauen Fracks. Er scheint die Kuhle des Herbstabends nicht zu spüren, obwohl er reinen Mantel trägt; denn während er durch das Auiezoer Tor nach der Moldau hinuntergeht, die trag und lehmig unter den dunklen Brückenbogen hindurchzieht, sind seine Gedankenmelodien in Andalusien. Ob der eitle Bassi, der den Part des Don Giovanni fingen soll, nun endlich mit dem kleinen Duett zufrieden ist? Das fünfte Mal hat er es setzt geändert. „La ci darem la mano..leise summt
men, ein ehemaliger Wunderknabe, weggejagter Domorganift und mittelmäßiger Opernkomponist. Zweiunddreißig ist er, und müde zum Sterben.
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Gewaltig viel Noten? Viel, viel zu wenig. Don den zahlreichen Opernpartituren der Salieri, Gretry und Paesiello, dem ganzen Jahrhundert, ist nichts geblieben, als vergilbte Notenblätter in den Archiven. Nur was er schrieb, ist heut noch und immer Musik. Walter Schwerdtfeger.
Versuche mit farbigen Scheinwerfern.
Die Frage, wie Unfälle zu vermeiden sind, die häufig in der Dunkelheit durch die Blendung von Kraftfahrern durch das Licht sich nähernder Scheinwerfer hergerufen werden, ist von amtlichen Stellen für wissenschaftliche und industrielle Untersuchungen in England eingehend geprüft worden. Besonders handelte es sich dabei um die Vorzüge, die farbiges Licht, vor allem gelbes, gegenüber dem weißen, das die Scheinwerfer gewöhnlich haben, bieten soll. Es wurden der Untersuchungskommission vier Fragen vorgelegt: Kann ein Wagenführer in der Nacht besser sehen, wenn er Scheinwerfer mit farbigem Licht benutzt? Ist die Blendung eines Wagen- sührers durch die Scheinwerfer anderer Wagen verringert, wenn diese farbige Lichter benutzen? Kann ein Wagenführer Gegenstände im Nebel bei der Benutzung farbiger Scheinwerfer auf eine große Entfernung hin sehen? Bieten farbige Gegenstände und Hintergründe bei der Benutzung farbiger Scheinwerfer einen Vorteil? Die Untersuchung ist zu dem Schluß gekommen, daß das farbige Licht gegenüber dem weißen in allen diesen Beziehungen keinen Vorteil bietet. Keine der Behauptungen zugunsten der Benutzung farbiger, besonders gelber Scheinwerfer statt der weißen von gleicher Leuchtkraft konnte nachgewiesen werden. Daß die Sicht im Nebel weiter reicht, ist endgültig widerlegt. Daß die farbigen Scheinwerfer weniger blenden und die Sicht für den Fahrer besser ist, war nicht zwingend zu beweisen, und es ist unwahrscheinlich, daß sie einen erheblichen Vorteil bieten.
Sache sichtlich sehr ernst nimmt, wird wohl auch ein Verständnis dafür ljaben, wie sie sich dazu stellen würde oder müßte, wenn das englische Volk auf einer Insel eingesperrt, ohne jede koloniale Möglichkeit und Betätigung wäre. Würde das eine unbedingte Gewähr für den Frieden Europas bedeuten? Würde die politische Energie, würde die geistige und wirtschaftliche Kraft des englischen Volkes, durch angeblich vertragliche Klauseln und Fesseln, an die doch kein vernünftiger Mensch mehr glaubt, gedrosselt und gehemmt?
Es gibt Engländer, die den Mut haben, diese Nutzanwendung für Deutschland zu stellen, die also offen und rund heraus sagen, daß es der Befriedung Europas nicht nur nützen, sondern auch daß es d i e wichtig st e Bürgschaft für diese Befriedung wäre und sein müßte, wenn Deutschland sich an der kolonialen Erschließung -
Afrikas wieder beteiligen könnte. Mit Einwänden, i len Frage eingesetzt haben, daß Deutschland keine Kolonien brauche, läßt sich I
London, 28. Okt. (DNB.) Die „Times", in \ deren Spaltey nun seit drei Wochen die deutsche i Kolonialfrage tagtäglich diskutiert wird, befaßt sich heute in einem Aussatz mit dem Ergebnis der , bisherigen Erörterungen. Das Blatt stellt zunächst fest, daß allgemein der Wunsch für ein friedliches Uebereinfommen mit Deutschland zum Ausdruck gekommen sei. Es sei aber gewiß, daß England nicht die Ansicht unterstütze, wonach der Weltfrieden durch einen völlig Umsturz der Kolonialbestjmmungen von Versailles gesichert werde. Die Verantwortung für die Mandate über die früheren deutschen Kolonien sei niemals allein britisches Interesse gewesen. Zwar sei der größte Teil dem britischen Imperium zugefallen, aber ein guter Teil davon gehe heute die sich selbst regierenden britischen Dominions an. Hier tadelt die „Times" einige Wortführer der Dominions, denen das Blatt vorwirft, eine „eigenartige Neigung" zu haben, für die Rückgabe von Mandaten einzutreten, „die nichtdie eigenen find". Aber auch andere Länder feien in das Spiel verwickelt. Man würde Deutschland die Fähigkeit zur Kolonisierung zusprechen können, wenn man ihm durch eine gemeinsame Aktion von drei oder vier Kolonialmächten, die gemeinsame Grenzen in Afrika hätten, ein Betätigungsfeld geben würde. Eine klare Verstän- d i g u n g mit Deutschland würde weitaus tiefere Folgen zeitigen und einen stabileren Frieden bringen, als irgendein anderes Ziel der britischen Außenpolitik. In England bestehe wenig Sympathie für jenen Gedanken, Deutschland mit einem Ring von Verbündeten zu umgeben, die sich manchmal hinter den Völkerbund versteckten und wie eine Herde von Elefanten den Tiger umzingelten, um auf diese Weise Deutschland zu hindern an einer Ausbreitung in irgendeiner Richtung über jene Grenzen hinaus, die vor 20 Jahren geschaffen wurden. Deutschland habe diese Grenzen hier und dort bereits durchbrochen. Staatsmännische Klugheit verlange. nun, daß diesem Vorgehen ein Ende gesetzt werde. Denn es würde sonst unweigerlich ein Krieg und damit der Niedergang der Zivilisation des Abendlandes folgen. Es müsse jetzt eine letzte 21 n ft r e n g u n g gemacht werden, um zu einer - Entspannung zu gelangen, bevor es zu spät sei.
Der deutsche Ausdehnungsdrang könne nicht durch eine Einzelgeste befriedigt werden. Wesentlich seh daß eine Diskussion darüber im Rahmen einer allgemeinen Abmachung stattfinde. Aber der spanische Konflikt müsse beendet sein, bevor ein anderes Problem in einer erträglichen Atmosphäre in Angriff genommen werden könnte. Deutschland habe sich klugerweise geweigert, sich in den Konflikt verwickeln zu lassen. Es bestehe kein Grund für die Annahme, daß Spanien ein dauerndes Hindernis auf dem Wege zu besseren Beziehungen zwischen England und Deutschland darstellen werde.
Orr platz
an der afrikanischen Sonne.


