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Nr. ZOO Zweites Matt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Mberheffen)

§amztag, ^8. August (957

Wehr und Waffen.

jedem Falle pioniertechnisch geschulte Helfer und erheblich Zeit und Munition, die nicht immer greif­bar ist. Minensperren gelten zur Zeit vielfach als Trumps. Sie räumen mit jedem Fahrzeug, das sie überschreiten will, aus. Es ist aber zu bedenken, daß ihr getarntes Verlegen aus Kunststraßen zeit­raubend und nicht ohne Schwierigkeiten ist Es gilt nicht nur, die Straßendecke aufzurerßen und die Minen kunstgerecht zu verdammen, sondern sie auch mit Mitteln der Straßendecke so zu tarnen, daß die Führer der feindlichen Kraftwagen keinen Verdacht schöpfen. Furten verseucht man durch fest- gepslockte Eggen, Stolperdrähte, verstreute Nägel und Glasscherben.

Vernebeln der Sperren kann den Gegner täu­schen. Scheinsperren können ihn zum Abbiegen aus nunmehr tatsächlich und unmerklich verseuchte Stra­ßen verführen. Eine Folge hintereinander errichteter Sperren wird ihn zermürben, wird ihm nicht nur Zeit, sondern auch Nerven kosten Elektrisches La­den der Sperren kommt nur bei reichlich bemessener Vorbereitung in Frage.

Bei jeder Anlage von Sperren ist zu überlegen: Schaden sie nicht auch mir, den Kameraden? Hemmen sie nicht die eigene Bewegungsfreiheit?

Stören sie nicht die späteren Pläne des Führers?" Brücken sind rascher gesprengt als aufgebaut, Tank­minen nicht ungefährlich aufzunehmen, Baum­sperren mühsam zu beseitigen. Unter allen Um­ständen müssen alle in der Wirkungszone der Sper­ren befindlichen eigenen Kommandobehörden und Truppen über Art und Lage der Sperren unter­richtet sein. Die Beseitigung von Sperren erfordert Ruhe und Umsicht, Zeit und Menschenkräfte Oft wird es vorteilhafter sein, sie unbeachtet beiseite liegen zu lassen und auf Umwegen das Ziel zu erreichen. Wenn es die Zeit erlaubt, ist mit wenigen Leuten in Abständen zu arbeiten.

Sperren! Wir haben im Anfang des Weltkrieges auffällig wenig von ihnen Gebrauch gemacht. Wir haben später, besonders auf dem Rückzug in Polen (Herbst 1914) und bei der Hindenburg-Bewegung (Frühjahr 1917) sie schätzen gelernt Wir werden in einem Zukunftskriege uns erst recht aus ihre Ver­wendung einstellen müssen. Eins aber dürfen wir dabei nicht vergessen: Jede mechanische Sperre ist nur ein unbeseeltes Abwehrmittel und kann nie den Wettbewerb aufnehmen mit der lebendigen Kraft des Geschosses.

Vor 130 Jahren.

Aus der Geschichte des alten Infanterie Regiments 116.

Die Belagerung her preußischen Festung Gründen; 1807.

Von JRuOolf Mohr, Generalmajor a. D.

Graudenz, heute Grudziad, die alte deutsche Ordensstadt an der Weichsel, war eine der beiden Festungen (Graudenz und Kolberg), die nach dem Zusammenbruch des preußischen Staates 1807 allein der französischen Ueberflutung Stand hielten und die Ehre der preußischen Armee retteten, als alles verloren schien. Seit 1920 ist sie polnisch geworden und uns entrissen. Nicht durch Waffengewalt, son­dern infolge des Versailler Diktats und der Schwäche der damaligen roten sogenannten Regierung, die die starken Freikorps, die sich im Osten gebildet hatten, nicht einzusetzen wagte. So griff das neu­entstandene Polen zu und behielt seine Beute.

Schon einmal, 1807, also vor 130 Jahren, wurde der Versuch unternommen, Graudenz dem preußi­schen Staate zu entreißen. Es trat damals die eigenartige Lage ein, daß die Festung durch einen preußischen General mit französischem Namen, L ' Homme de Courbiere, tapfer und um­sichtig verteidigt wurde, und daß die Angreifer auf französischen Befehl Deutsche, und zwar in der Hauptsache Hessen waren, die infolge der Be­stimmungen des Rhein-Bundes, dem der damalige von Vaterlandsliebe und echtem deutschen Sinn erfüllte Großherzog Ludwig I. von Hessen sehr gegen seinen Willen hatte beitreten müssen, dem Kaiser Napoleonzur Verfügung zu stellen waren, wenn dieser es verlangte". Es waren die Leib-Garde- Brigade und ihr Garde-Füsilier-Bataillon (das spätere 1/116), die Leib-Brigade mit I. Leib-Füsilier- Bataillon (das spätere 11/116) und die Brigade Groß- und Erbprinz" mit II. Füsilier-Bataillon, ferner das Garde-Ck>evaulegers-Regiment und das Großherzogliche Artillerie-Korps. Unter ihnen be­fanden sich also die beiden Stamm-Bataillone unse­res alten Regiments, die auch schon 1806 bei Jena auf französischer Seite mitgekämpft hatten

Die Festung Graudenz, die das hessische Kon­tingent mit einer kurzen Unterbrechung bis zum Frieden von Tilsit einschloß und belagerte (außer ihnen nahm zuerst nur noch eine Abteilung franzö­sischer Kavallerie teil), war im Jahre 1776 von Friedrich dem Großen erbaut worden. Sie sperrte einen großen Teil der Verbindungslinien der fran­zösischen Armee, ihr Besitz war daher für Napo­leon von Wichtigkeit. Die Festung lag, von der Stadt Graudenz getrennt, am rechten Ufer der Weichsel, auf einem vereinzelten Hügel, die Stadt selbst etwa 2 Kilometer südlich, letztere unbefestigt. Oestlich der Festung ziehen sich die Ellernitzer Höhen, nordöstlich die von Belchau hin. Das Gelände der nächsten Umgebung war frei und Übersichtlich, die

Wiesen der Ossa und Trinke sehr sumpfig (s. Skizze). Die Besatzung der Festung bestand aus etwa 3000 Mann, mit Geschützen und Munition war sie reich­lich versehen.

Bereits am 20. Januar 1807 war das hessische Truppenkorps von Süden her bis auf einige Stunden Entfernung von Graudenz herangerückt. Es stand unter dem Befehl des hessischen Generals von Schaeffer, die ganze Einschließungslinie war dem französischen Dioisionsgeneral R o u g e r unterstellt. Schon am 22. Jannar, 9 Uhr, unter­nahm General von Schaeffer einen Angriff auf die Stadt Graudenz mit den Schützen sämtlicher Bataillone, den drei Füsilier-Bataillonen und zwei Geschützen. Es herrschte an dem Tag sehr große Kälte und ein heftiger Schnee- und Eissturm, unter dessen Schutz die hessischen Schützen ungesehen bis auf 50 Schritt an die Thorner Vorstadt herankamen und das dort stehende schwache preußische Pikett (Feldwache) überrumpelten. Ohne weiteren Wider­stand zu finden, wurde die Stadt vom Garde- Füsilier-Bataillon und II. Leib-Füsilier-Bataillon besetzt und sofort zur Verteidigung eingerichtet. Das ganze Gefecht hatte nur einen Toten und einen Ver­wundeten gekostet. Aber bereits 12.30 Uhr mittags griff eine preußische Festungs-Abteilung von 400 Mann mit zwei Geschützen dasAlte Schloß" am Nordausgang an, besetzte es und beschoß von dort lebhaft die Stadt und das Garde-Füsilier-Bataillon, das zwei Tote und neun Verwundete verlor. 2 Uhr nachmittags zog sich die preußische Abteilung frei­willig zurück, und die Festung wurde nunmehr auf dem rechten Weichselufer eingeschlossen. Auf dem linken dagegen blieb sie frei. Die Kälte war so grimmig, daß viele Leute sich Nasen, Ohren und Füße erfroren. Schutzmittel waren kaum vorhanden, die Bekleidungsfrage war jammervoll, da ein Nach­schub aus der Heimat nur in sehr unzureichendem Maße stattfand. Am 30. Januar waren erst so viel Mäntel vorhanden, daß gerade die auf Posten stehenden Leute damit versehen werden konnten. Aehnlich stand es mit der Verpflegung. Der Kran­kenstand war deshalb auch ein sehr hoher, die Truppe zählte zu dieser Zeit kaum noch die Hälfte ihres Ausrückebestandes, so z. B. das Garde-Füsi- lier-Bataillon (1/116): 9 Offiziere, 241 Mann, das I. Leib-Füsilier-Bataillon (11/116): 10 Offiziere, 245 Mann.

Die Bewegungen der verbündeten preußisch- russischen Armee, die zu der unentschiedenen, furcht­bar blutigen Schlacht bei Preußisch-Eylau am 7. Februar 1807 führten, zwangen die Fran­zosen, die Belagerung von Graudenz kurze Zeit aufzuheben. Die hessischen Truppen gingen unbe­merkt auf Engelsburg und Rheden zurück. Nur die Leib-Kompanie des I. Bataillons Garde, die in Belchau die Bedeckung des französischen Generals Rouger bildete, wurde in der Nacht von preußischen

Sperren.

Von Oberstleutnant a. O. Benary.

(afp.) Der Knegsgott, froh, den Fesseln des Stel­lungskrieges entronnen zu sein, eilt leicht beschwing! über den Erdball! Flugzeuge Kampfkraftwagen sind die Gespanne seines Ruhms Räume, zu deren Durchfchreitung unsere Väter und Vorväter Wochen und Monate gebrauchten, sind in wenigen Stun­den durcheilt.Tempo! Tempo!" ist auch seine Pa­role. Und es hilft uns nichts: wir muffen mit, müssen uns einstellen auf den neuen Rhythmus des Krieges, müssen uns gewöhnen, zwei-, dreimal so schnell taktisch zu denken, zu handeln, wie man es uns in unserer Jugend lehrte. Denn blitzschnell wechseln im Zeichen des Motors die Lagen. Ehe wir es gedacht, ist der Gegner, der uns soeben noch auf Dutzende von Meilen entfernt gemeldet war, zur Stelle. Oft wird es uns an Zeit fehlen, Gegen­maßnahmen zu treffen, die eigene Kraft an die ent­scheidende Stelle zu führen. Den Gegner bis zu ihrem Eintreffen, bis zum Wirksamwerden unserer Gegenmaßnahmen aufzuhalten, wird häufig die Grundlage des Erfolges fein. Auf Zeitgewinn wird alles ankommen Sperren jeglicher Art, die des Feindes Bewegung aufhalten oder wenigstens er­schweren, werden davon von unschätzbarem Nutzen sein.

Es soll heute nicht gesprochen werden von jenen Sperren, die nach Art der Pser-Ueberflutung ganze Frontabschnitte sichern, von Minenfeldern, die sich als Tankschutz anbieten. Es sollen die Gedanken der Leser vielmehr auf jene Sperren geleitet wer­den, die den Verkehr auf Wegen und Straßen für motorisierte Verbände, für aufklärende Motorfahr­zeuge jeder Art, für Kampfwagen und Kolonnen zu unterbinden suchen.

Die Anlage von Sperren will gelernt fein. Eine Sperre auf schnurgerader Straße, die sich schon von weitem den^Herankommenden bemerkbar macht, die von ihm umgangen oder gar in kühnem Anlauf überrannt werden kann, hat ihren Zweck verfehlt. Sperren müssen überraschend hinter Wegbiegungen, an Engen auftauchen, wo der im Hundertkilometer­tempo Heranbrausende nicht abstoppen, der bedäch­tig sich Vorpirschende nicht wenden kann Sperren müssen so fest gebaut sein, daß der Wagen aus eigener Kraft sie nicht auseinanderreißen kann, daß es zum mindesten einer längeren Arbeit seiner Be­satzung zu ihrer Beseitigung bedarf. Sperren müssen gegen Luft- und Erdsicht getarnt sein Sperren ge­winnen an Wert, wenn sie unter eigenem Feuer liegen, zumal wenn dies Feuer in dem Augenblick einsetzt, in dem die Wagenbesatzung die Fahrzeuge verlassen hat, um sich an die Beseitigung des Hin­dernisses zu machen. Man vergegenwärtige sich, was es für die Besatzung eines Straßenpanzer­wagens oder Kleinkampfwagens bedeutet, wenn nur ein einziger Mann von ihr außer Gefecht ge­setzt wird. Sperren aber werden erst vollends heim­tückisch, wenn sie ihre Wirksamkeit nicht allein auf das tote Material, sondern auf die lebendige Kraft des Sprengstoffes richten, d. h. wenn man in ihnen versteckte Sprengladungen (Handgranaten, Spreng­körper, Zug- und Tretminen) anbringt, die, sobald der Gegner an der Sperre zu reißen und zu ziehen beainnt, wirksam werden.

Gleichgültiger ist es demgegenüber, aus welchem Material, in welcher Form man Sperren anlegt Dem Erfindungsgeist des Erbauers, des Pioniers, aber auch des Schützen und Reiters, ist dabei weiter Spielraum gelassen.Nimm, was du fin­de st!" wird die beste Regel sein. Oft wird einfacher Draht, über die Straße gespannt, an dem v-er- borgen ein Sprengkörper, eine Mine hängt, schon genügen. Ein andermal werden umgekippte ober ineinandergefahrene fest verankerte Wagen, von denen man die Räder abgezogen hat, Ackergeräte, mit Sand ober Schotter gefüllte Kisten ober Tonnen gute Dienste tun. Ein brittes Mal werben Art unb Säge Baumreihen umlegen (Stämme in Mannes­höhe nicht völlig abgeschnitten, Kronen mit Draht durchflochten, mit Sprenglabungen verseucht quer über bie Straße). Ein viertes Mal schreitet man zur Anfertigung von Drahtrollen ober spanischen Reitern.

Leicht spricht es sich aus, Straßen zu sperren, inbem man ihre Kunstbauten zerstört. Zum Spren­gen von Stein- unb Holzbrücken gehören aber in

Wehrhafte Schweiz.

Von unserem Or. S -Äerick-terstatter.

(Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Zürich, Juni 1937.

Der Wehrwille liegt den Eidgenossen im Blute. Siegreiche Entscheidungsschlachten, die Jahrhunderte zurückliegen (Sempach 1386) geben heute noch An­laß zu großen vaterländischen Kundgebungen. Die Tatsache, daß der ausgebildete Wehrpflichtige (vom 20. bis 48. Lebensjahr) feine militärischen Aus­rüstungsgegenstände einschließlich Waffen bei sich zu Hause hat, bringt die Wehrbereitschaft jedes Schwei- zerbürgers symbolisch zum Ausdruck, wenn auch militärische Zweckmäßigkeitsgründe dabei eine we­sentliche Rolle spielen. Denn das schweizerische M>- lizsystem mit einer drei- bis viermonatigen Grund­ausbildung (Rekrutenschule und Offizierskurse) und einige mehrtägige Wiederholungsübungen kennt kein stehendes Heer.

Lediglich die in den vergangenen Monaten aus­gestellten Grenzschutzkompanien bis Ende des Jahres sollen neun Kompanien zur Ver­fügung stehen bilden eine Ausnahme, da die ledigen, arbeitslosen Freiwilligen sich zu einer Dienstleistungsdauer von sechs Monaten verpflich­ten und mit der ständigen Bewachung und Ver­teidigung der neuen Befestiaunqsanlagen (Block­häuser, Jnfanteriewerke, Maschinengewehrnester, Unterstände, Tankfallen u. a m.) längs der Landes­grenze beauftragt find. Dieser ständige Grenzschutz durchbricht zum ersten Male den Grundsatz des Milizsystems, auch das geplante Fliegerkorps gehört in die Kategorie der länger dienenden Trup- peneircheiten. Im Ernstsalle begibt sich der Wehr­mann bereits in voller Ausrüstung an den Ver- ammlungsplatz, wobei die Raschheit der Mobili­sierung schon durch die streng regionale Rekrutie­rung der Truppen, insbesondere der Grenzschutz­formationen und der sogenannten leichten Bri­gaden" (Dragonerschwadronen, Panzerwagen-Ab­

teilungen, motorisierte Jnfanterie-Kanonen-Kom- panien, Radfahrer-Kompanien u. a. m.) als erste Grenzschutzreserve erleichtert wird. Die Hauptauf­gabe dieser Verbände besteht darin, einen auf schweizerisches Gebiet vvrstvßenden Gegner so­lange aufzuhalten, bis die Hauptstreitkräfte im Landesinnern aufmarschiert und zum Eingreifen bereit sind.

Die Hauptstreitkräfte bestehen nach der neuen, auf 1. Januar 1938 in Kraft tretenden Truppen­ordnung aus drei Armeekorps zu je drei Divisionen und je einer Gebirgsbrigade Die bisher äußerst schwerfälligen, geographisch weit verzweig­ten sechs Divisionen werden also durch eine grö­ßere Anzahl kleinerer, sehr beweglicher und kampf­kräftiger Divisionen mit je drei Infanterie-Regi­mentern, einem Feldartillerie-Regiment mit neun Batterien und einer Abteilung schwerer Motor­kanonen mit zwei Batterien 6,5-Zentimeter-Geschüt- zen ersetzt Zwei Gebirgsdivisionen verfügen außer­dem noch über eine Abteilung Gebirgsartillerie, so daß hier auf neun Infanterie-Bataillone 13 Bat­terien entfallen. Mit den 345 leichten und 144 schwe­ren Maschinengewehren, 36 Minenwerfern, 27 In­fanterie-Kanonen und 44 bis 52 Geschützen ist die Kampfstärke der Division sehr groß und zur Durch­führung selbständiger Aufgaben befähigt.

Die Luftwaffe setzt sich auf Grund der neuen Truppenordnung aus drei Regimentern rmt ins­gesamt 35 Staffeln zusammen Hiervon sollen sechs Jagdstaffeln aus 54 Flugzeugen bestehen und 29 Mehrzweckestaffeln 232 Maschinen umfassen, so daß in Zukunft insgesamt 286 Militärflugzeuge vorhan­den sein werden gegenüber bisher 150 einsatzbe­reiten Kampfflugzeugen. Mit einer weiteren Er­höhung des Flugzeugbestandes muß im Saure der nächsten Jahre gerechnet werden Die erstmalige und versuchsweise Einführung eines freiwilligen fliegerischen V v r u n t e r r i ch t s für geeia- nete Schweizerbürger im Alter von 18 bis 21 Jah­ren soll nicht nur dazu dienen, den erhöhten Per- jonalanforöerungen gerecht zu werden, sondern

auch in qualitativer Hinsicht die Fliegerausbildung fördern. Das Rüstungsprogramm sieht ferner die Aufstellung von vorläufig 10 0 Fliegerab­wehrbatterien vor; mit Geschützen der eng­lischen Firma Vickers a. Armstrong und der fran­zösischen Schneider-Creuzot-Werke werden noch Ver­suche gemacht, um dann festzustellen welche Geschütz­type zur Verwendung kommen soll.

Die Kriegsstärke der Schweizerarmee wird auf 400 000 Mann geschätzt. Ihr überwiegender Derteidigungszweck bestimmt Aufbau, Ausbau und Bewaffnung der Wehrmacht Bei aller Betonung des Defensivcharakters dieser Armee istLan­desverteidigung" doch letzthin ein poli­tischer. kein militärisch strategischer und noch we­niger ein taktischer Begriff.Er umschreibt den all­gemeinen und grundlegenden Auftrag an die Ar­mee. Die Form der Lösung des Auftrages ist da­mit nicht gegeben." Ein Gegenangriff tritt nicht aus dem Bereiche des Möglichen und darum bleibtim ganzen entscheidend der Angriffswille, der in einem Heere lebt, und der beinahe ausschließlich dessen Kampfwert bestimmt."

Die schweizerische Aufrüstung, die im Jahre 1937 nach Tempo und Umfang in der Geschichte des Lan­des ihresgleichen sucht, bedeutet die grundsätzliche Abkehr von Gedankengängen, die der weitverbrei­tetenMilitärmüdigkeit" und pazifistischen Strö­mungen nach Beendigung des Weltkrieges Rech- nun trugen, die Aussichtslosigkeit des Widerstandes gegen hochgerüstete Nachbarstaaten betonten und allzu sehr auf die Aktionsfähigkeit des Völkerbun­des vertrauten. Die Eidgenossenschaft will wieder so wehrhaft werden, daß der Respekt vor der Armee die kompromißlose Aufrechterhaltung der Neutralität bei Kriegen zwischen Nachbarvölkern gewährleistet. Seit Monaten erfaßt eine intensive WehrPro­paganda (in Versammlungen und in der Presse) das ganze Land. Irgendwelche zersetzende Einflüsse auf die Armee und auf die Wehrbereitschaft des Volkes werden durch neue gesetzgeberische Maßnah­men unterbunden. Ein Bundesratsbeschluß vom

Gardedukorps überfallen und mit ihren Offizieren größtenteils gefangengenommen. Von Rheden wurde der Marsch auf Thorn fortgesetzt, aber bereits am 8. Februar der Rückmarsch erneut zur Einschließung von Graudenz angetreten. Die drei Füsilier-Batail­lone, die auf dem linken Weichselufer marschierten, mußten, um den Anschluß an ihr Korps wiederzu­finden, hierbei die zugefrorene Weichsel Mann hinter Mann überschreiten. Es war Tauwetter ein­getreten, und das Wasser stand schon auf dem Eise, doch ging es ohne Unfall ab. Das Garde-Füsilier- Bataillon kam nach Rondsen, das I Leib-Füsilier- Bataillon nach Wangerau. Bereits am 11. Februar erfolgte der Sturm auf die inzwischen von den Preußen wiederbesetzte Stadt Graudenz. Fast ohne Widerstand zu finden, wurde sie im ersten Anlauf genommen, das schwache preußische Pikett verlor 12 Gefangene. Sein Führer, ein Leutnant v. Türck,

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wurde schwer verwundet und starb am 26. Februar in Gefangenschaft. Er wurde mit allen militärischen Ehren beerdigt, wie überhaupt das Verhältnis zwischen Preußen und Hessen ohne persönliche Schärfe war, was alle Berichte betonen. Die Hessen hatten nur zwei Verwundete.

Das I. Leib-Füsilier-Bataillon (11/116) bezog in der Thorner Dorstadt Quartier, das Garde-Füsilier- Bataillon (1/116) in der Stadt Graudenz selbst. Die Schützen aller Bataillone richteten den Nordrand der Stadt zur Verteidigung ein, die übrigen Batail­lone besetzten ihre alten Stellungen am rechten Weichselufer. Den Befehl über sämtliche hessischen Truppen übernahm General von S t o s ch . der bald darauf mit sechs Bataillonen, darunter auch das Garde-Füsilier-Bataillon, nach Thorn abrückte, aber bereits am 5. März von dort zurückkehrte. Das gesamte hessische Kontingent zählte am 7. März nur 100 Offiziere, 2861 Mann, war also viel zu schwach, um etwas Ernstliches gegen die Festung zu unternehmen. Aber auch die Belagerten waren durch ihre Schwäche und die Unzuverlässig­keit ihrer größtenteils polnischen Mannschaften an größeren Unternehmungen gehindert Es fanden nur unbedeutendePlänkereien" statt. Bei einer solchen Gelegenheit erhielt der Sergeant Mohr vom Garde-Füsilier-Bataillon für sein hervorragendes Verhalten den Orden der Ehrenlegion. Am 12. April trafen endlich Ersatz-Mannschaften ein, so daß sich bei unseren beiden Stamm-Bataillonen folgende Stärken ergaben (ohne Abkommandierte und Kranke): Garde-Füsilier-Bataillon: 13 Offiziere, 361 Mann, I. Leib-Füsilier-Bataillon: 12 Offiziere, 327 Mann.

Am 24. Mai kapitulierte Danzig, und nun konnte mit Hilfe des dort freiwerdenden Belagerungsparks gegen Graudenz ernstlich Dorgegangen werden. Die ' Infanterie wurde um zwei Bergische und zwei Würzburgische Bataillone vermehrt, so daß nunmehr im ganzen 12 Bataillone vor Graudenz lagen. Dazu kam reichliche Artillerie, die nach und nach auf der Weichsel herangeschafft wurde. Anfang

3. November 1936 verbietet ausdrücklich die Einfuhr antimilitaristischer" Presseorgane, Schriften und anderen Propagandamaterials. Nach dem dem Par­lament vorliegenden Gesetzentwurf zumSchutz der verfassungsmäßigen Ordnung und der Armee" wird derjenige mit Gefängnis bestraft, der öffentlich zum Ungehorsam gegen militärische Befehle, zu Dienstverletzung, Dienstverweigerung oder zum Ausreißen auffordert, und wer einen Dienstpflich­tigen zu einer solchen Tat verleitet. Für die neue Wehrpolitik bringt das Schweizervvlk auch große finanzielle Opfer. Bei Gesamtausgaben von rund 500 Millionen Franken im Bundesbudget für 1937 beansprucht der Haushalt des Militärdeparte­ments rund 106 Millionen, also 10 Millionen mehr als im Jahre 1936. Neben sonstigen Aufwendun­gen (für Arbeitsbeschaffung usw.) stehen aus der Mitte Oktober 1936 mit rund 100 Millionen Fran­ken überzeichneten Wehranleihe 335 Millionen zur Verfügung; umgerechnet auf die Bevölkerungszahl Deutschlands würde sich dieser Betrag auf das Sieb­zehnfache erhöhen.

Weiter ist das Eidgenössische Militärdepartement zur Einführung des obligatorischen Militäri­schen Dorunterrichts entschlossen, Danach ist jeder Jungmann vom 15. bis 20. Lebensjahr ver­pflichtet, am militärischen Vvrunterricht (Turnunter­richt, Jungschützenkurs und Waffenübungen in einem einjährigen Kadettenkurs) teilzunehmen Geeignete Jnfkrukttons- und Truppenoffiziere leiten die kan­tonsweise durch die Divisionskommandanten organi­sierten Kadettenkurse. Auch die wirtschaftliche Kriegsoorsorge wird von den militärischen Instanzen beschleunigt durchgeführt. Im Laufe der letzten Monate ist der Generalstabsabteilung eine Sektion für Kriegswirtschaft und dem Dolkswirt- schaftsdepartement eine Abteilung für wirtschaft­liche Kriegsbereitschaft angegliedert worden. Der vom Militardepartement vorbereitete Entwurf über die Kontrolle der Fabrikation und des Handels mit Waffen, Munition und Kriegsmaterial sieht ein Aufsichtsrecht mit Bewilligungszwang vor.