haben, er hat so gütige Augen, und ist mir auch sonst sehr sympathisch, aber er ist zu schade, um sich mit einem bißchen Gernhaben begnügen zu sollen. Er kann unter den besten Mädchen wählen und wird Liebe finden."
Frau Radix lächelte: „Glauben Sie, Kind, ich habe ihm schon Aehnliches gesagt, aber genützt hat es nichts. Er behauptet, wenn Sie ihn nicht gerade hassen, wenn Ihnen nicht gerade vor ihm graut, würde er sehr glücklich mit Ihnen werden. Besonders liegt ihm daran, den albernen Klatsch zu unterbinden. Morgen vormittag will ihn die Komtesse Mönchsgut im Büro aufsuchen, um sich zu erkundigen, ob es ihm gelungen ist. Sie zu einem Entgegenkommen zu bewegen. Er möchte der Dame dann gleich erklären, er hätte sich mit Ihnen verlobt. Man fall dann denken, er selbst sei Ihr Tänzer auf dem Maskenball gewesen."
Franziskas Augen wurden feucht. „Er will so energisch für mich eintreten? Wie gut er ist! Aber ich darf seine Güte nicht mißbrauchen, nein, ich darf es nicht."
Frau Radix wurde ein wenig erregt.
„Berthold liebt Sie, liebt Sie mit einer ganz plötzlich erwachten, aber deshalb vielleicht um so leidenschaftlicheren Liebe. Ueberlegen Sie es sich gründlich, ehe Sie ihn abweisen! Ich glaube. Sie sind seine erste große Liebe, und nun er das erkannt, hat er sich jäh in seinen Wunsch verbissen. Sie zu seiner Frau zu machen. Er würde sehr, sehr leiden, wenn Sie ihm eine Absage gäben."
In Franziskas Kopf wirbelte alles durcheinander. Wie lockend es war, Berthold Radix' Frau zu werden, von Liebe umgeben zu sein, aus aller Lebenssorge für immer herauszukommen! Sie dachte an seine Augen, an seinen warmen gütigen Blick und antwortete leise: „Ich glaube, ich könnte ihn sehr gern haben."
Frau Radix nickte zufrieden.
„Wie froh bin ich für meinen Sohn, daß Sie sich nun entschlossen haben, seinen Wunsch zu erfüllen! Als Mutter bin ich natürlich weniger zufrieden, weil ich einem einzigen Jungen viel, unendlich viel Liebe gewünscht hätte." Sie nahm Franziskas Hand. „Ich hoffe aber. Sie werden ihn allmählich lieben lernen. Er ist sehr liebenswert. Sie werden das noch erkennen."
Franziska wäre jetzt gern zu Hause gewesen, ganz allein in ihrem Zimmer, um gründlich nachzudenken. Aber Frau Radix meinte: „Heute bleiben Sie recht lange bei mir, wir müssen uns schnell anfreunden, weil Berthold sicher bald heiraten will."
Eine Autohupe ertönte ungeduldig, und bald darauf klopfte es an. Berthold Radix trat ein; fein fragendes Lächeln glitt von der Mutter zu Franziska Karsten und wieder zurück.
Seine Mutter nickte ihm zu. Da war er schon an
Franziskas Seite, küßte ihre Hand, während die Mutter still zur Tür hinausging.
Der Mann fragte erregt: „Ist es wahr, willst du meine Frau werden, Mädel, du süßes, du einziges?"
Sie spürte ein seltsames Empfinden — es war, als löse sich in ihr etwas Bedrückendes in wohltuendes Aufatmen.
Es war gar nicht so schwer, ihm das Ja selbst zu sagen, wie sie gefürchtet, und sie lächelte ihn an: „Ich bin doch aber nur ein armes Bing, und niemand wird Ihre Handlungsweise verstehen, Herr Direktor."
Er lachte jungenhaft froh: „Wenn du mich nur verstehst, du geliebtes Mädel! Im übrigen ist mein Vorname nicht »Herr Direktors sondern Berthold. Ich werde von allen, die mich gern haben, Berthel genannt. Und die mich Berthel nennen, sagen natürlich du zu mir. Bitte, tue das auch, ich möchte es von deinen Lippen hören."
Ihre schönen klugen Augen sahen ihn an, und leise sagte sie: „Lieber Berthel!"
Er lächelte glücklich.
„Gelt, das mit dem Gernhaben geht schon? Und später, wenn das andere ganz und gar vergessen sein wird, du weißt schon, wen ich meine, dann gibst du dir Mühe, mich liebzuhaben, nicht wahr? Bis dahin will ich so gut zu dir sein, daß dir Überhaupt nichts anderes übrigbleibt."
Er küßte sie, und sie schlang die Arme um seinen Hals, dachte, wie herrlich es war, einen Menschen gefunden zu haben, der sie über alles liebte.
Er flüsterte: „Ich weiß ja selbst nicht, wie das eigentlich über mich gekommen ist. Habe dich doch so oft vor jenem Tage gesehen, an dem du mit Wüst den Zusammenstoß hattest, du gefielst mir nur als Mädel — dein Haar hatte es mir ganz besonders angetan — aber nie hätte ich daran gedacht, mich in dich zu verlieben oder dich zur Frau zu begehen. Doch seit dem bewußten Tage waren allerlei unbestimmte Wünsche da, die gestern aber so überzeugend klar wurden, daß mir fein Zweifel blieb. Ich wußte nun, ich liebe dich, wie man nur einmal im Leben Heben kann, und da machte ich meine Mutter, die mir eine gute Kameradin ist, zu meiner Vertrauten. Ich wäre tiefsinnig geworden, wenn du mich zurückgewiesen hättest, mein liebes, einziges Mädel du!"
Franziska glaubte eine hohe Männergestalt vor sich zu sehen mit dunklem Haar und dunklen Augen. Der Mann küßte sie, und all ihr Denken schwand, er sprach zärtliche Worte zu ihr, und ihr Herz füllte sich mit ungeahnter Seligkeit.
Weg damit, weg damit? Ein schattenhaftes Ro- mankapitsl war das alles, ein Spuk, ein Traum.
Sie hob die Arme und nahm Bertholds Kopf in beide Hände, sah chm tief in die Augen.
„Ich habe dich sehr gern, Berthel, und ich glaube bestimmt, es dauert nicht lange, dann werde ich dich liebhaben. Ader ich richte eine Bitte an dich: Laß mich als deine Frau nicht müßig gehen! Ich arbeite gern, und wenn ich erst deine Frau bin, dann schaffe ich doch für uns beide mit, da macht mir alles doppelt und dreifach Freude. Ich habe mich, seit ich vor drei Jahren bei der Radio-Radix eintrat, überall im Betrieb umgeschaut, weil mir jedes Ding interessant schien. Ich bestaunte anfangs immer, wie so ein Apparat entstehen konnte, der Musik und Gespräche von weither ins Haus lockt. Ich stand Rätseln gegenüber, und es ließ mir keine Ruhe, sie zu ergründen. Da kaufte ich mir Bücher, die möglichst volkstümlich die Dinge erklärten, die mir tiefste Geheimnisse waren. Und jetzt kam ich allem näher. Rätsel um Rätsel löste sich mir, soweit sich das Wunder des Radio lösen läßt. Ich begriff die Zusammensetzung der Apparate und wurde unterrichtet über alles das, was die Radio-Radix fabriziert. Von da an bereitete mir jeder Geschäftsbrief, den ich schrieb, Freude, von da an hörte ich mit Verstänonis zu, wenn in meiner Gegenwart über Fachdinge gesprochen wurde — ja, von dieser Zeit an war ich selbst ein Stückchen des Radio- Radix. Du kannst glauben, Berthel, es wäre mir sehr schwer geworden, von meinem Arbeitsplatz fortzugehen, aber nun, da du so grenzenlos gut zu mir bist, bitte ich dich: Laß mich auch als deine Frau in der Radio-Radix bleiben! Ich möchte so ein ganz klein bißchen deine Mitarbeiterin werden. Bis jetzt hatte ich kein Recht, mich in geschäftliche Dinge einzumischen, und ich will's auch fortan nur in dem Sinne tun, als es dir recht ist, meine Ansicht zu hören. Aber ich möchte auch weiterhin deine Sekretärin fein, und an deiner Seite als deine Gehilfin arbeiten."
Er löste ihre Hände von feinem Gesicht, behielt sie aber in den feinen.
„Was bist du für ein kluges und tüchtiges Mädel, kleine Fränze! Ich hörte einmal, wie Eva Zoll dich .Fränze' rief, und ich will dich ebenso nennen, es klingt sehr lieb." Er küßte ihre Augen. „Ich wäre ein Narr, wenn ich dein Angebot nicht annähme. Da brauche ich wenigstens die Mausler nicht wie- der beim Diktat anzusehen. Ich werde dich fortan überhaupt gar nicht genug in meiner Nähe haben können." Er lachte. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, daß man so verliebt fein kann!"
Es klopfte. Frau Radix trat ein, lächelte: „Nun, seid ihr einig, habt ihr euch ausgesprochen und aus- geküßt? Ich meine natürlich nur so fürs erste!"
Ihr Sohn kam ihr, Hand in Hand mit Franziska, mit so überaus strahlendem Gesicht entgegen, daß sie sich vornahm, nun nicht mehr darüber nachzugrübeln, daß sie kurz zuvor, im tiefsten Herzen eigentlich gewünscht hatte, ihr Einziger hätte anders gewählt. (Fortsetzung folgt.)
flr.49 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, 27.$ebruor 1937
Aus der Provinzialhauptstadt
Lachen!
Der
Wü-
Oberhessischer Schäfertag in Hungen
Witter,
e-
titter.
G. R.
!as
15 Fortsetzung
(Nachdruck verboten.)
>hlsahrtsamt.) leister.
bung.
tsanües im Rech» s 31. März 1938) iger soll im Wegs geben werden: hen für Männer. ;rer und leichterer
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitaetealt: Infolge anhaltender Erkrankung von Ernst August Waltz übernimmt die Rolle des Don Jose in der Oper „Carmen" von G. Bizet in den Vorstellungen am Samstag, 27. Februar, und Sonntag, 28. Fr bruar, Heinz Janssen vom Landestheater Darmstadt.
Schäfer Lenz-Ehringshausen. (Aufnahme: Kostorz.)
Am morgigen Sonntag, 28. Februar, findet in Hungen der Ober hessische Schäfertag statt. Nachdem in den letzten Jahren die Schäfertage in verschiedenen oberhessischen Städten veranstaltet worden waren, ist nunmehr Hungen als ständiger Ort für die jährliche Zusammenkunft der oberhessischen Schäfer bestimmt worden. Der morgige Schäfertag wird also die Eröffnung einer alljährlich wiederkehrenden Veranstaltung sein. Die Tagungen beginnen um 9.30 Uhr. Um 14 Uhr wird der übliche Schäferfestzug durch Hungen ziehen. Die Wagengruppen werden u. a. boden-
1 (zugelassen wer- chermeister), ilsanzügen, DJoll-
lädt die Hochschulgesellschaft jedermann ein. Eintritt ist frei. Näheres in der Anzeige.
Eigenheim-TNodellschau.
Die Bausparkasse Gemeinschaft der Freunde
ter Beischluß w ns Samstag, bei n DohlfahrlsWt. einzureichen. Dorh rungsbedingungei n der EinreichiU 1320D- gewiesen, daß m linb: WarenhäM' b von Gießen an-
in Sorau, über das Thema „Im Kampf um die deutsche Faserstoffversorgung" sprechen. Professor Schilling ist anerkannter Fachmann auf dem Gebiete der Rohstoffversorgung für unsere Textilindustrie. Ihm steht ein großes Institut mit entsprechendem Zucht- und Versuchsfeld zur Verfügung, in dem die zu erprobenden Rohstoffe von der Pflanze bis zum fertigen Gewebe auf ihre Brauchbarkeit untersucht und geprüft werden. Der Vortrag verspricht nicht nur durch zahlreiche Lichtbilder, sondern auch durch Vorweisungen neuester Rohstoffe und daraus erzeugter Wedwaren von allgemeinstem Interesse zu werden. Zum Besuch des Vortrages
Das Mädchen mit dem Silberhaar Roman von Anny von panhuys.
Lachen können ohne jede Ursache, das kann nur 2ie Jugend, das bringen junge Mädchen fertig. Und wer hätte sich da nicht schon mitgefreut! Lachende Gesichter helfen so oft über schwere Stunden hinweg. Wenn nur in jedem Hause, in jeder Familie em Mensch wäre, der von Zeit zu Zeit einmal herzlich auflachte und die andern ansteckte! Denn bas frohe Lachen ist so ansteckend wie das lang- weiliche Gähnen.
Auf Jahrmärkten und Messen erscheinen manchmal Zelte, die sich stolz „Lachkabinette" nennen. Sie sind immer gut besucht. Noch mehr Besucher hat freilich der „wahre Jakob", der mit seinen derben Späßen die Lachmuskeln der Zuhörer in Bewegung setzt und dabei ganz gute Geschäfte macht. Er steht nicht nur lächelnd hinter seinem Ladentisch, sondern er weiß, wie man die Leute fängt. Man soll also ruhig mitlachen. Es hat noch niemand geschadet.
Die Menschen sollen lachen! Und wenn in einer Gesellschaft irgend etwas sehr Komisches erzählt wird und sich alle nur so biegen und die Schultern auf- und niederzucken vor innerer Freude, wenn die Damen die Taschentücher in den Mund stecken und die Tränen ihnen über die Wangen laufen (vor Vergnügen!), dann sage man ruhig: Nur heraus damit! Nur recht laut lachen! Man wird staunen, welche Wirkung ein solches erlösende Wort hat!
Lachen ist nicht nur seelisch gesund, sondern auch körperlich. Eine Stunde herzlich gelacht, ist so gut wie Morgengymnastik!
Also, meine Herrschaften, nicht nur lächeln, son
dern oft und tüchtig lachen!
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
stenroth veranstaltet am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag im Hotel „Hindenburg" eine Eigenheim-Modellschau. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
NSDAP. Ortsgruppe Gießeu-Ost.
Am Dienstag, 2. März, findet ein Schulungsabend der Ortsgruppe Gießen-Ost für sämtliche Politische Leiter, Führer und Führerinnen der Formationen, Amtswalter und Amtswalterinnen der Gliederungen und angeschlossenen Verbände im Schützenhaus statt. Beginn pünktlich 20.30 Uhr.
Konzert des Bauerschen Gesangvereins am 7.März.
Man schreibt uns: Wie aus der heutigen Anzeige ersichtlich ist, bringt der Verein Chöre der bedeutendsten Tondichter älterer und neuerer Zeit. Franz Schubert, Konradin Kreutzer, Robert Dolk- mann bedeuten Höhepunkte im Chorschaffen für Männerstimmen. Zu ihnen gesellt sich Heinrich Neeb, der, 1807 in Lieh geboren. Bedeutendes für den Männergesang leistete. Sein „Nachtwächterlied" gibt Zeugnis von nicht alltäglichem Können. Von neueren Meistern kommen Trunk und Rinkens zu Wort. „Deutschland" des ersten ist ein schöner und anspruchsvolles Chorstück, während Rinkens „Nachtwandler" voll Serben Humors ist und auch so verstanden sein will. Der Solist, Herr Sabel, gilt jetzt schon als einer der besten Tenöre Deutschlands, der gewiß die Besucher durch seine Leistungen begeistern wird.
Gießener Hochschulgesellschaft.
Am Mittwoch, 3. März, wird auf Einladung der Gießener Hochschulgesellschaft Prof. Dr. Schilling, Direktor des Instituts für Bastfaserforschung
Das restlose Erscheinen aller oben angeführten Mitarbeiter wird erwartet.
Betr.: £ebensmittel-Opferrrmg der Ortsgruppe
Die Sammlung wird Dienstag, 2. und Mittwoch, 3. März, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vor- legen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.
Es wird gebeten, daß sich außer den Mitgliedern auch diejenigen Volksgenossen beteiligen, die in der Lage sind, das WHW. zu fördern
Betr.: Kohlenversorgung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine bis zum 5. März täglich in der Zeit von 17 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52 gegen eine Wertquittung umzutauschen. Später eingereichte Kohlengutscheine können nicht mehr in Zahlung genommen werden.
NSDAP , Kreis Wetterau.
Amt für Beamte.
Am Montag, 1. März, 20 Uhr, findet im CafE Leib, Gießen, für die Kreisabschnitte des RDB. Allendorf a. d. Lda., Gießen, Grünberg, Hungen und Lollar ein Gerneinschastsabend der Berufs» fameraben statt.
Familienangehörige und Gäste sind willkommen.
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ständiges Schäferbrauchtum darstellen. Die Wahl des neuen Schäferkönigs und der Schäferkönigin, sowie der traditionelle S ch ä f e r I a u f bilden den Abschluß der Darbietungen des Nachmittags, denen ein Kameradschaftsabend mit Musik und Tanz folgen wird. Landesbauernführer Dr. Wagner hat fein Er- scheinen in Aussicht gestellt.
Um dem Landvolk Gelegenheit zu geben, den Schäfertag zu besuchen, wird die Reichsbahn auf den Bahnhöfen der Strecken Friedberg—Hungen- Mücke und Gießen—Nidda—Schotten Sonntagsrückfahrkarten mit tarifmäßiger Geltungsdauer ausgeben. Von Mücke nach Hungen wird am morgigen Sonntag ein Sonderzug gefahren werden, der in Mücke um 7.38 Uhr, in Stockhausen um 7.43 Uhr, in Weickartshain um 7.46 Uhr, in Freienseen um 7.51 Uhr, in Laubach 8.03 Uhr und fahrplanmäßig weiter nach Hungen abfahren wird. Auch dieser Zug kann mit Sonntagsrückfahrkarten benutzt werden.
Als eine der führenden Personen der oberhessischen Schäfer wird der Kreisfachgruppenwalter für die Schafzucht und Schäferlehrmeister des Landesverbandes der Schafzüchter, Schäfer Lenz aus Ehringshausen (Kreis Wetzlar), der als „Schäfer- Philosoph" unter den Schäfern der Landesbauern- fchaft bestens bekannt ist, auch beim morgigen Schäfertag mit in vorderster Front stehen. Das Interesse der Schäfer wird ihm morgen um fo mehr zugewandt sein, als er morgen 65 Jahre alt wird; er ist nämlich vor 65 Jahren am 2 9. F e - bruar, geboren, und wenn er demnach morgen eigentlich auch keinen Geburtstag begehen könnte, weil wir in diesem Jahre keinen 29. Februar haben, so wird er aber doch in aller Frische bei der Vollendung seines 65. Lebensjahres auf dem Schäfertag erscheinen.
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in to lu* ' Weißednesch^ 26b, S-aE Mlivaldes W he 44, Kieses 85, Eiche Anbruchholz 1*
HainE Buche 254, e A 61, E'che 1A >rn fommen rs
Jahres ianb sind,
’ Es gab Zeiten, in denen es als unfein galt, wenn man laut lachte. Man durfte nur lächeln, auch rnenn man sich noch, so sehr freute. Und dieses Lächeln wurde so gleichmäßig eingedrillt, daß man bei manchen Menschen nur noch eine lächelnde Maske sah: immer freundlich, immer liebenswürdig. Meyr aber auch nicht!
Ach, wie verschieden ist ein gesundes Lachen, das aus dem innersten Herzen herauskommt, von dem ixwig gleichmäßigen Lächeln! Und alle Menschen haben doch solche Sehnsucht nach dem Lachen. Darum auch nicht? Lachen ist gesund, lebensbejahend und ansteckend! Man schaue doch einmal nach den Kindern! Wie unbekümmert und froh lönnen sie die ganze Welt anlachen! Wie schallt ihr Lachen, wenn die Freude groß ist! Ja, lächeln kön-
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19 bis 22.15 Uhr „Carmen." — Gloria-Palast (Seltersweg) „IA in Oberbayern." —- Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) „Sein bester Freund." — Gießener Konzertverein 17 Uhr in per Universitätsaula „Wendling-Quartett." — Oef- sentliche Vorträge über Physiologie. 11.30 Uhr Vor- trag im Physiologischen Institut, „Nahrung und Ernährung." — Oberhessischer Kunstverein, Turmbaus am Brand, 11 bis 13 Uhr, Ausstellung „Forscher als Künstler". — Sportplatz der Spielvereinigung 1900: 15 Uhr Fußball-Meisterschaftsspiel 1900 — Naunheim.
Der Spielplan des Stadttheaters vom 28. Februar bis 7. März.
Am Sonntagabend findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Carmen", Oper von G. Bizet, statt. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Kapellmeisters Paul Walter. Spielleitung führt der Intendant. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr. Ende 22.15 Uhr.
Dienstag, 2. März. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr „Kupferne Hochzeit" Komödie von Rindom. Spielleitung: Hans Geißler. Dienstag-Miete, 21. Vorstellung.
Mittwoch, 3. März, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.15 Uhr „Die verkaufte Braut", Komische Oper von Smetana. Musikalische Leitung: Hans H. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. —Mittwoch-Miete, 21. Vorstellung.
Freitag, 5. März, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr Erstaufführung „Die vier Gesellen" Lustspiel von Jochen Huth. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Freitag-Miete, 23. Vorstellung.
Samstag, 6. März, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr Theaterring der NS.-Kulturgemeinde „Kupferne Hochzeit" Komödie von Rindom. Spielleitung Hans Geißler. — Freier Kartenverkauf. —
Sonntag, 7. März, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr, 11. Morgenveranftaltung „Klassische Kammermusik". Für Platzmieter ist der Eintritt frei. — Anfang 19 Uhr, Ende 22.15 Uhr, „Carmen" Oper von G. Bizet. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: der Intendant. Außer Miete. —
Umbesetzung in der Oper „Carmen".
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NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 23.15 Uhr „Carmen." — Gloria-Palast (Seltersweg) „I A in Oberbayern " — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) „Sein bester Freund." — Oberhessischer Kunstoer- ein, Turmhaus am Brand, 17 bis 18 Uhr, Ausstellung „Forscher als Künstler." — Reichsoerband Deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer Berlin, Ortsgruppe Gießen: 20.15 Uhr im Cafe Leib „Deutsche Gymnastik, Bodenturnen, Boxen.
ganze Welt anlachen! Wie schallt ihr . die Freude groß ist! Ja, lächeln können sie auch, aber nicht lange. Das Lächeln ist bei ihnen nur der Anfang vom Lachen. Und wenn sie enttäuscht werden, verzieht sich das Gesichtchen vom Lächeln zum Weinen. Wie schnell geschieht das oft! Aber lachen können, richtig lachen können, das ist eine Gabe, die man sich erhalten sollte. Noch herrlicher ist die Gabe, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Freude in eine Gesellschaft zu tragen. Jeder Mensch, der tief innerlich mit sich selber Frieden hat, kann auch Lachen, denn das rechte iLachen quillt nur aus der Tiefe, aus einem frohen Herzen. Es darf nicht gekünstelt oder gemacht fein. -Es muß hervorrauschen wie der sprudelnde Bach Draußen zwischen den Felsen.
«ng.
m 3-März 1937.
!r eine Schweine» ngen Gießen uiÄ 'esitzer haben bei bezüglich ihrer erteilen.
em Landesstatisti» >en. Das Einsehen veigerung oon An. gen wird mii er- uskunftspslichtigei laben hiermit aus» 13280
Franziska saß einen Augenblick ganz atemlos und still da. Ihr war es mit einem Male, als Hütt* sie gleich geahnt, daß etwas Aehnliches hätte kommen müssen. Sie dachte an den angefangenen Satz der Nähkathrin: Weißt du, man kann nie so dumm denken, wie es wirklich mal kommt, schließlich —
Sie fühlte, wie ihr Herz klopfte, als sie antwortete: „Der Herr Direktor kennt mich ja kaum, und ich kenne ihn wohl noch weniger."
Frau Radix zuckte die Achseln.
„Lassen wir den »Herrn Direktor' jetzt einmal ganz beiseite und reden wir nur von meinem Sohn. Ich gestehe Ihnen ganz ehrlich, liebes Kind, daß ich bis vor kurzem glaubte, er interessiere sich für eine junge Dame, die ich auch sehr gut kenne, und rechnete ziemlich bestimmt mit ihr als Schwiegertochter. Aber seit Sie ihm so offenherzig die Meinung gesagt haben, ist er erst richtig auf Sie aufmerksam geworden, und seit man Sie mit einer dummen Klatschgeschichte quält, hat er erkannt, daß er Sie liebt. Ich war etwas verblüfft über feine Neuigkeit, aber ich bin der Meinung, er soll das Mädel heiraten, das er liebt. Die Hauptsache ist, daß es ein anständiges Menschenkind ist. Und das sind Sie, davon verlieren Sie in meinen Augen nicht das geringste, wenn Sie auch so ein kleines romantisches Abenteuer erlebten. Es war nicht nötig, aber Sie blieben deswegen doch die gleiche. Sie gefallen mir, und darum bitte ich Sie, machen Sie meinen Jungen glücklich, wenn Sie glauben, daß Sie ihn gern haben könnten."
Franziska hatte Wort für Wort gehört, und sie dachte, nun hielt sie das große Glück in ihren Händen. Sie brauchte nur einen kurzen Satz zu antworten, und alles, was sie sich nur wünschen konnte, war ihr Eigentum. Schöne Kleider, Schmuck, ein vornehmes Heim und ein Mann, der sie liebte. Ein Mann, der sie liebte — den sie aber nicht wiederliebte Doch wer verlangte denn das von ihr? Sie brauchte nur zu fühlen, daß sie ihn gern haben könnte.
So bescheiden war Berthold Radix, und so bescheiden war auch seine Mutter.
Sie antwortete, sich ein wenig aufrichtend: „Die Versuchung war eben sehr groß, aber ich habe widerstanden. Wohl könnte ich Ähren Sohn gern
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