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Nr. 223 Zweites Blatt

Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zrettag, 24. September l()37

USSegelflugzeug-MdelleüberdemSalzbödetal

Der stattliche Berg, die Altenburg, 299 Meter hoch, die sich aus dem Lahntal zwischen Rutters­hausen und Odenhausen erhebt und über dem lieb­lichen Salzbödetal wie ein mächtiger Wächter die Landschaft beherrscht, war gestern der Schauplatz eines Ereignisses, das die ganze Schuljugend des Kreises in Atem hielt. Für viele Schulen unseres Kreises war gestern dieser Berg das Ziel eines Tagesausfluges und so blieb es nicht aus, daß auf der ziemlich flachen und langgestreckten Kuppe des Berges ein Leben herrschte, wie man es sonst nur bei heimischen Bergfesten zu sehen gewohnt ist.

Es war aber auch keine alltägliche Ursache, die den Berg plötzlich in den Mittelpunkt der Gedan­ken, der Wünsche und der Hoffnungen unserer hei­mischen Schuljugend stellte! Der gestrige Tag brachte das von vielen lang herbeigesehnte Segelflug­zeug - M o d e l l f l i e g e n der Schulendes Kreises Gießen! In zäher Arbeit waren in vielen Klassen Segelflugzeug-Modelle entstanden, die hier nun ihre Feuerprobe bestehen, ihre Lei­stung beweisen sollten. Auf vielen Fahrrädern kamen die Buben aller Altersklassen manche von weither zur Altenburg, die sorgfältig verpackten Modelle unter dem Arm. Andere machten einen weiten Weg zu Fuß, wieder andere kamen geschlos­sen mit der Klasse an erwartungsvoll und hoch­gespannt, wie sich ihr Modell im Wettbewerb be­haupten würde.

Als gegen 10 Uhr der Wettbewerb begann, war alles zur Stelle. Allgemein war die Freude über das herrliche Wetter. Am tiefblauen Himmel segelten schneeweiße Wolken dahin, die Sonne schien hell und klar. Wie Schiffe zogen die Wolkenschatten über die Landschaft, die den Kindern tief zu Füßen lag. Ein lebhafter Wind wehte aus dem Tal her­auf. In den wenigen Bäumen auf der Bergeshöhe raschelte das Laub, das schon begonnen hatte, sich herbstlich zu verfärben. Den Kindern und ihren Leh­rern bot sich gestern die Heimat in unvergleichlicher Schönheit dar. Oftmals konnte man beobachten, wie die Kinder sinnend weit hinausschauten in das Land. Der Schiffenberg stand silhouettenhaft vor dem Himmel und gegen das Licht der Sonne, Glei­berg und Vetzberg boten sich von feinen Dunst­schleiern umzogen dar, Burg und Dorf Staufenberg lagen spielzeughaft zu Füßen der Kinder, im Nordwesten ragte der Dünsberg auf, Marburg Stadt und Schloß waren deutlich zu sehen, rechts sah man den Frauenberg aufragen und noch weiter rechts war gar der mächtige Bergrücken, der die Amöneburg trägt, zu sehen. Tief zu Füßen breitete

sich das Lahntal, man konnte dem schlängelnden Lauf der Lahn mit den Augen folgen und sah viele Dörfer liegen. Das Ereignis des Modellflugwett­bewerbes war nicht zu trennen vom Erlebnis der Landschaft.

Letzte Hand wurde an die Modelle gelegt, Steuer wurden überprüft, die Bleigewichte, die dem Bug des Flugzeuges die Richtung zu halten haben, wur­den noch einmal nach Lage und Gewicht nachgesehen, und dann schickte mancher der Jungen sein Flugzeug zunächst einmal probeweise auf die Luftreise.

Der heftige Wind machte es den Buben nicht leicht, ihre leichten Vögel in den Aufwind zu brin­gen, Windpausen mußten abgewartet werden, in denen der Wind gelinder über die Kuppe des Ber­ges zog. Leicht lösten sich dann die seidig schimmern­den Vögel aus der Hand der Knaben, kreuzten elegant gegen den Wind auf, wurden spielerisch höher und höher gehoben und segelten bald weit in das Salzbödetal hinaus, immer ankämpfend gegen den Wind, der sie dann schließlich doch über­wältigte, den Bug herumriß, so daß sie nun mit dem Wind in seinem Tempo entführt wurden und schließlich im Windschatten des Berges landeten. Immer folgten viele Augen dem Spiel, das die Winde mit den Modellen trieben, und wenn sie dann mit dem Windeabhauten", dann galt es für den Besitzer des Flugzeuges rasch über die Kuppe zu flitzen, um sein Werk vieler Stunden der Kleinarbeit nicht aus dem Auge zu verlieren.

Den meisten gelang es immer bald, ihre Vögel wieder einzufangen und neu an den Start zu bringen. Richt allen den Knaben war es aber ver­gönnt, ihre Flugzeuge von vielen Augen auf langer Reife bewundert zu sehen, aber von einem großen Teil der beschwingten Apparate waren doch aus­gezeichnete Flugleistungen zu sehen. Von den kleine­ren Modellen bis zu einem Meter Spannweite sah man (da sie sich gegen den heftigen Wind infolge ihrer leichten Konstruktion nicht halten konnten) manchen harten Sturzflug. So blieb es nicht aus, daß es auch einige MaleKleinholz" gab. Aber trotz aller Schwierigkeiten waren immer ein oder mehrere der ungemein schnittigen Modelle in der Luft. Sonnenlicht schimmerte in den Tragflächen, wenn die Segler hoch vor dem blauen Himmel standen und ließ das Gerippe der Flügel wie Filigranwerk erkennen.

Gesamtbeteiligung: 115 Modelle aus 15 Schulen. Vertreten waren: Landgraf-Ludwig-Gymnasium, Realgymnasium (allein mit 25 Flugzeugen), Gewerb-

Zu unseren Bildern:

Nebenstehend: E. Ewald (Gymnasium Gießen) erreicht mit ins­gesamt 477 Sekunden bei drei Flügen seines Mo­dells die beste Gesamtzeit des Wettbewerbs.

Unten links: Eines der schnittigen Segelflug­zeugmodelle über dem lieblichen Salzbödetal.

Unten rechts: Die Flugleitung" war im­mer stark umlagert und viel nach den Zeiten gefragt.

(Aufnahmen s3j: Neuner, Gießener Anzeiger.)

liche Berufsschule, Goetheschule, Pestalozzischule (sämtlich Gießen); ferner die Volksschulen Grotzen- Buseck, Watzenborn-Steinberg, Wieseck, Staufen­berg, Münster, Rüddingshausen, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern und Reiskirchen. Gestartet wurde in drei Klassen. Klasse A erfaßte Flugzeuge bis zu 1 Meter Spannweite, B 1,50 Meter und C über 1,50 Meter Spannweite. Unterschieden wurde ferner nach dem Alter der Erbauer, ob unter oder über 14 Jahre alt. Ferner wurden in der Lehrer­sonderklasse 6 Flugzeuge gestartet. Es waren ver­schiedene Typen gebaut worden, meist npch vor­handenen Plänen. Das größte der Schüler-Modelle hatte eine Spannweite von 2,35 Meter. Man sah Modelle der KonstruktionStrolch",Winkler Ju­nior",Baby", dengroßen Winkler" u. a. m. Für den Wettbewerb wurden für jedes der Flugzeug­modelle drei Starts gezeitet. Für die Zeitnahme hatten sich Kameraden vom NSFK. zur Verfügung gestellt. Die Gesamtleitung hatte Lehrer Rein­heimer (Großen-Linden).

Den unerreicht besten und längsten Flug konnte der Schüler E. Biedenkopf von der Volksschule Münster verzeichnen, dessen Modell 267 Sekunden, also 4% Minuten in der Luft blieb. Allerdings schied das Modell aus dem weiteren Wettbewerb aus. Es flog weit fort über den Krofdorfer Forst und konnte nicht wieder gefunden werden. Eine

hervorragende Leistung erzielte dann der Schüler E. Ewald (Landgraf-Ludwig-Gymnasium) mit drei Flügen seines Modells mit insgesamt 477 Se­kunden Flugzeit. Er war damit als Sieger des ge­samten Wettbewerbs anzusprechen. Weitere Flug­leistungen sind aus der Ergebnisliste ersichtlich.

Nahezu drei Stunden nahm der Wettbewerb in Anspruch. Leider ging manches mühsam gebaute Flugzeug verloren, wenn es den Augen der Beob­achter entschwand. Für manchen der Jungen ein schmerzlicher Verlust! Es darf deshalb an dieser Stelle die Bitte ausgesprochen werden, von jeder eventuellen Aufsindung der Modelle dem Leiter des Wettbewerbs, Lehrer Reinheimer (Schule Großen-Linden), Nachricht zu geben.

Kreisschulrat Nebeling, der es sich nicht neh­men ließ, dabei zu sein, nahm zum Schluß die Sie­geroerkündigung vor. Er beglückwünschte die Sieger des Wettbewerbs und ermahnte die anderen Teil­nehmer, nicht müde zu werden, sondern zu gleichen Leistungen zu streben. Jenen, die ihre Modelle ver­loren, wußte er Worte des Trostes und erinnerte {ie an den Gründer der Fliegerei, Lilienthal, »er das Wort sprachOpfer müssen gebracht wer­den!" Den Schulen, denen die Sieger der einzelnen Klassen angehören, werden Geldpreise überwiesen, die zur Beschaffung von Modellbau-Material oder Werkzeug verwandt werden sollen.

Ergebnisse.

K l a s s e A I: 1. Volksschule Münster (B. Bieden- köpf), 117 Sek.; 2. Goetheschule Gießen (Köhler), 113 Sek.; 3. Volksschule Leihgestern (Dudenhöfer), 107 Sek.; 4. Volksschule Staufenberg (Wißner), 106 Sek.

Klasse A II: 1. Realgymnasium Gießen (Rohr­bach), 147 Sek.; 2. Realgymnasium Gießen (Sieg­fried), 54 Sek.

Klasse BI: 1. Volksschule Großen-Linden (Schaum), 279 Sek.; 2. Goetheschule Gießen (Her­gert), 183 Sek.; 3. Volksschule Großen-Linden (Schmidt), 136 Sek.; 4. Volksschule Großen-Linden (Velten), 108 Sek.

Klasse CI: 1. Volksschule Münster (E. Bieden­kopf), 267 Sek., ein Start, beste Zeit; 2. Volksschule Wieseck (Erb), 176 Sek.; 3. Volksschule Rüddings­hausen (Becker), 154 Sek.; 4. Volksschule Rüddings­hausen (Feldbuch), 114 Sek.

Klasse CII: 1. Gymnasium Gießen (Ewald), 477 Sek.; 2. Realgymnasium Gießen (Plümer), 190 Sek.; 3. Realgymnasium (Fuchs), 164 Sek.

Sonderklasse f ü r Lehrer: 1. Appel­mann (Gießen), 148 Sek.; 2. Conrad (Lang-Göns), 139 Sek.; 3. Rabenau (Staufenberg), 131 Sek.

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Ausflug ins Abenteuer.

Von Otto Gmelin.

Im Sommer spielte Dieter im Garten. Er baute im Sand Berge mit Höhlen und Tunnels und drang mit seinem Säbel bis zu den Büschen an der Mauer. Dort, wo das Dickicht am dichtesten war, stand das Gartenhaus aus Latten, um die sich die bunten Blüten der Kapuzinerkresse rankten. Dort war Amerika, und Dieter fühlte die Ferne dieses Landes und den Duft seiner Urwälder um sich, von denen Onkel Heinz erzählt hatte, und suchte die lauernden Augen der Indianer, die mit ihren Giftpfeilen schossen. Nachher lag er im Gras und sah den grüngoldenen Käfern zu und hob einen Stein auf, unter dem die grauen Asseln krochen, die sich zu kleinen Kugeln zusammenrollen konnten. Manchmal kam Andreas. Er war nicht viel älter, aber er war viel kühner; er wagte die Tausend­füßler anzufassen, und kein Dickicht war ihm zu düster; nicht einmal Spinngewebe hemmten sein Vordringen.

Er glaubte nicht, daß dort bei den Kapuziner­kressen Amerika war, und eines Tages sagte er, sie wollten jetzt wirklich noch Amerika gehen. Sie gingen vom Garten durch die Torfahrt auf die Straße und von der Straße hinüber in den Wald. Ein kleines Stück folgten sie dem Weg, bis zu der Bank, auf der sonst die Kindermädchen mit den weißen Häubchen und ihren Kinderwagen saßen. Von da an drangen sie vom Weg ab in das Busch­werk des Waldes. Die Zweige schlugen ihnen ins Gesicht und sperrten das Weiterkommen; sie hatten ihre Säbel bei sich und hieben sich durch. Die Sonne schien warm; durch das Blätterdach fiel ihr grün­goldenes Licht auf das weiche Moos, das den Boden bedeckte. Das dürre Laub, das überall her­umlag, raschelte geheimnisvoll. Oft war das Ge­zweig so dicht, daß sie umkehren und einen anderen Durchweg suchen mußten. Einmal lichtete sich das Gestrüpp, und sie standen an einem Weg. Aber sie gingen ihn nicht. Andreas war von einem tollen Unternehmungsgeist besessen. Seine Augen sahen wild aus. An seinen Händen hatte er sich mehrfach gerissen, daß sie voll kleiner Wunden waren. Als Dieter ihn darauf aufmerksam machte, schüttelte er überlegen den Kopf und sagte nur:Macht nichts!" Er war ein Held.

Sie kreuzten den Weg und durchschritten den hohen Mischwald mit viel Unterholz. Der Kuckuck rief. Manchmal blieben sie stehen und lauschten in die Stille. Es ging weiter und weiter. Einmal fragte Dieter, ob es wohl noch weit sei. Mit der Miene des Aelteren und Wissenden sagte Andreas: Amerika ist weit". Das wußte Dieter auch. Zuerst

hatte er deshalb auch Bedenken gehabt, aber je weiter sie kamen, je größer die Stille und Ferne sie umsing, desto mehr kam auch über ihn ein Rausch von Weite, von Entdeckerfreude und Lust. Die hohen Bäume rauschten ein wenig, der Kuckuck rief, die Sonne flimmerte. Es ging weiter und weiter.

Aber dann kam erst das Schwierigste: Sie kamen an ein Tannendickicht. Es war sehr dicht, und es schien darin völlige Nacht zu sein. Die dürren Zweige unten schienen jeden Durchgang zu sperren. Aber Andreas machte nur ein finsteres Gesicht, und schon Kroch er auf allen Vieren hinein. Dieter folgte. Das Herz bebte ein wenig, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie krochen hintereinander auf dem braunen glatten weichen Nadelboden. Es ging aber sehr langsam. Die Zweige stachen und kratzten ins Gesicht. Als links durch das Halbdunkel eine Helle schimmerte, kroch Andreas nach dieser Seite. Sie kamen aus der Tannenhöhle und richte­ten sich wieder auf. Da waren sie in einem Buchen­gestrüpp. Dieter sagte sich, daß jetzt Amerika nicht mehr weit sein könne. Aber er sprach nicht davon. Plötzlich begannen hohe Farnbüsche ringsum, und das Gestrüpp lichtete sich. Da standen sie unerwartet in einem Riesensaal mit vielen Säulen, lieber ihnen, sehr hoch, breiteten sich die dunklen Wipfel der Kiefern; vor ihnen lag die Farnwildnis un­übersehbar. In weiter Ferne glänzte das grün­goldene Laub einer Schonung. Dieters Herz klopfte, denn die Größe der Welt war unfaßbar. Das Elternhaus mit feinen Zimmern, seinen vielen Dingen schien unendlich fern. Er mußte immer wieder stehen bleiben und lauschen. Große Vögel flogen mit unruhigem Flügelschlag unter den Kronen hin und kreischten. Dieter dachte, es könnten wohl Papageien sein. Denn der große Saal mit seinen zahllosen Säulen war Amerika.

Dieter fragte Andreas, ob sie jetzt in Amerika seien, aber dieser sagte, nein, sie müßten erst an das Meer kommen, denn Amerika sei an der ande­ren Seite des Meeres. Dieter fragte, wie sie denn über das Meer kämen, und Andreas sagte, sie wollten sich ein Boot bauen. Nun begannen sie auch sogleich Holz zu suchen für das Boot und trugen es an einer Stelle zusammen. Dabei kamen sie auf einen freien Platz zwischen den Farnbüschen, wo in der Mitte alles verkohlt war. Dieter dachte, daß Indianer hier ein Feuer gehabt hätten; aber er sagte es nicht. Es war vielleicht doch Amerika. Sie fanden allerlei größere und kleinere Stecken und Aeste, die sie für das Boot zusammentrugen. Erst suchten sie gemeinsam, dann jeder einzeln. Dabei fand Dieter einen Ast, der aussah wie ein Gewehr. Er lief zu Andreas, der nicht weit war, zeigte es ihm und sagte, er habe jetzt ein Gewehr, das sei gut für Amerika. Andreas jagte, er werde sich auch

Hans Thyriot,

tüchtigen Porträtisten schätzen, überrascht diesmal mit einer Freilichtstudie (Lahnbrücke), die aus an- gemessener Entfernung ausgenommen sein will. Don Lotte D r o e s e finden wir außer dem Blumen­stückWeiße Rosen" ein sehr schlichtes farblich außerordentlich feines BildVor dem Bauernhaus", von Kröll neben einer ZeichnungDurchblick" ein risch koloriertes, lebendiges Selbstbildnis. Von Vieh mann nennen wir dieWaldlichtung", von Klingelhöfer dasAbziehende Gewitter", von Bender endlich eine zartlinige Westerwald-Land,

Oberhessische Künstler stellen im Gladttheater aus.

Mit Beginn der Winterspielzeit wird im Foyer? des Gießener Stadttheaters eine kleine Ausstellung Graphik und Gemälde oberhessischer Künstler eröffnet. Damit wird ein im vorigen Jahre begon­nenes Unternehmen aufgegriffen und fortgeführt; ^s handelt sich um Verkaufsausstellungen, die je­weils vier Wochen gezeigt werden. An die Eröff­nungsschau sollen sich später Kollektivausstellungen einzelner Künstler anschließen. Die gegenwärtige Ausstellung bringt, wie zu erwarten war, durch­weg bekannte Namen, aber, soweit wir sehen kön­nen, allenthalben neue Arbeiten. Wir nennen von Großhaus ein heimatlich getöntes Erntebild und eine gute LithographieHüttenberger Land­schaft", von Rohrbach eine zarte, empfindsam gemalte Vorfrühlingslandschaft, von Margret Kranz zwei liebevoll eingehende, neue Blumen« stücke: Wegwarte und wilde Möhren; Johannis­kraut und Glockenblumen. Stephan zeigt zwei malerische Ansichten vom Vetzberg in seiner be­kannten minutiösen Federstrichtechnik. Auch Karl Fries, dessen Jubiläumsausstellung wir vor nicht langer Zeit eingehend betrachtet haben, ist ver- treten. K l i p st e i n zeigt neben einer Radierung "Kloster Arnsburg" ein duftiges, sommerliches Blu- menstück. Hagenauer, den wir vor allem als

stolperte im Farngeschlinge und fiel. Noch ehe er wieder auf den Beinen war, stand die Frau vor ihm. Er zitterte und sah sie an. Man durfte nicht meinen. Er war verloren.

Daß es dann ganz anders kam, konnte er lange nicht begreifen. Zu Hause hatte man sie längst mit Sorge gesucht, als die Frauen die beiden kleinen Jungen anbrachten. Diese ganze Sache war nicht wichtig. Aber unvergeßlich blieb der große Wald­saal mit seinen hohen Säulen, feinen kreischenden Papageien, seiner flimmernden Sonne über den Farnen. Später hat er ihn noch manchmal gesucht, man kann sagen, sein ganzes Leben lang hat er ihn gesucht, aber er hat ihn nie mehr gefunden.

nur Andreas? Jetzt wußte er, daß er um fein Leben laufen mußte, denn die Frau kam ihm . _______y ..... ö

näher und näher. Aber da geschah ein Unglück: Er * schäft unter hohem Himmel.

ein Gewehr verschaffen, er kenne hier einen Mann, der viel bessere Gewehre mache. Dieter war er­staunt, daß Andreas hier in dem großen Saal, wo die Papageien flogen und kreischten, einen Mann kannte. Er fragte, wie der Mann heiße, und Andreas sagte, er heiße Wilhelm. Aber wo der Mann denn wohne? Andreas antwortete, dort, in einer verborgenen Hütte, wohne er; dabei deutete er in die Ferne. Dieter glaubte nun auch die Hütte zu sehen, aber sie war sehr weit. Andreas ging nun in dieser Richtung weg, und Dieter blieb zu­rück, um sich noch einen Revolver zu suchen. Indem er suchte, fand er viele verschiedene Waffen und andere Geräte, die man brauchen konnte, auch ein Stück Holz mit einem runden Guckloch. Es war ein Fernglas. Wenn er hindurch sah, erkannte er die bunten Federn der Papageien. Er suchte immer weiter. Als er schließlich um sich sah, war sein Freund nirgends mehr zu sehen. Er war nun ganz allein in dem endlosen hohen Saal. Er stand still und schaute über die Farne hinweg und zwischen ihnen hindurch; in der Ferne sah er einen Löwen durchs hohe Gras schleichen. Er hatte aber keine Angst. Die Sonne schien, und die Welt war un­ermeßlich. Er hielt den Atem an, und alle Herrlich­keiten fielen ihm ein, die es gab, und es wurde ihm ganz wunderbar au Mut, und ein großes Glück überkam ihn. Da begann er Lieder zu fingen, die er noch nie gehört hatte; er fang vom König und von den Zwergen, die Edelsteine suchten, von Amerika und den Löwen und den Papageien und noch von vielem anderen, was ihm gerade in den Sinn kam.

Aber plötzlich durchfuhr ihn ein namenloser Schreck, und der Gesang blieb ihm in der Kehle stecken. Dort vor ihm war ein Frau. Sie sah aus wie eine Hexe. Sie bückte sich fortwährend, und dabei kam sie immer näher. Vielleicht war es eine Indianerin oder eine Zigeunerin. Dieter hatte dies kaum begriffen, da begann er auch schon zu laufen, um ihr zu entfliehen. Aber es war nicht leicht, durch die hohen Farnkräuter hindurch zu laufen, überall war er behindert und konnte keinen geraden Weg einfchlaqen. Er war aber noch nicht weit ge­kommen, da !chlug ihn ein neuer Schreck: Jetzt war wenige Schritte vor ihm auch eine Frau, die sich bückte und einen dicken Stecken aufhob, als drohe sie ihm damit. In ratloser Angst lief er wieder nach der anderen Richtung und rief zugleich so laut er konnte nach Andreas. Aber es kam keine Ant­wort. Die Frau schien ihn jetzt bemerkt zu haben und kam ihm nach. Er faßte seine ganze Kraft zusammen und warf die Beine, so gut er konnte. Seinen Revolver hielt er krampfhaft fest. Wo war