gen, dieses Hin- und Herwogens zwischen den Mächten der Beharrung und den Nationen des Durchbruchs zu einem neuen politischen Zusammenleben der Völker stehen die Diplomaten- reisen, die an diesem Wochenende geradezu eine Rekordziffer erreicht haben.
Die außenpolitische Frühjahrssaison begann mit dem Osterbesuch des italienischen Außenministers Grafen Ciano in Belgrad und der Unterzeichnung des italienisch-jugoslawischen Adriapakts, der nach dem Ausgleich mit Bulgarien Jugoslawiens zweiter Erfolg ist, seine außenpolitische Stellung durch direkte Verständigung mit seinen Nachbarn zu sichern. Die Konferenz der Kleinen Entente und der Besuch des tschechoslowakischen Staatspräsidenten Dr. B e n e s ch in Belgrad dienten der Unterrichtung — und man muß auch sagen der Beruhigung — der jugoslawischen Bundesgenossen von der Kleinen Entente. Nach der anderen Seite hin läßt es sich natürlich auch Italien angelegen sein, seine Mitunterzeichner der Römischen Protokolle über den Adriapakt und feine möglichen allgemeinpolitischen Auswirkungen zu informieren. Dem dient zweifellos das Zusammenkommen des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg mit dem italienischen Regierungschef in Venedig. Es kann wohl auch gesagt werden, daß wie die Achse Berlin—Rom das deutsch-österreichische Abkommen vom 11. Juli 1936 erleichtert hat, der Adriapakt das Verhältnis Oesterreichs und vielleicht auch Ungarns zu Jugoslawien und gegebenenfalls auch zu den anderen Staaten des Südostens unter eine neue Perspektive rückt. Dabei darf nicht übersehen werden, daß auch Gegenkräfte am Werke sind, die in Wien im Sinne einer tschechisch-französischen Orientierung wirken. Darüber ist in Venedig zweifellos auch Klarheit geschaffen worden. Das über die Besprechungen herausgegebene Kommunique stellt ausdrücklich fest, daß eine Neuordnung im Donauraum „ohne die aktive Teilnahme Deutschlands undenkbar und undurchführbar" ist. Damit wird den Bestrebungen, die Wirkungen der Achse Berlin—Rom im Südosten durch einen Querriegel aufzuheben, eine erfreulich eindeutige Absage erteilt. In gleicher Richtung der Verstärkung der Achse Berlin—Rom liegen die Besuche des österreichischen Bundesministers für innere Angelegenheiten Glaise-Horstenau und des ungarischen Honvedministers Röder in Berlin. In beiden konnte Deutschland zwei alte Waffengefährten aus dem Weltkriege begrüßen, deren Interesse naturgemäß vorwiegend dem Aufbau des neuen deutschen Heeres galt, für dessen Leistungen sie Worte hohen Lobes fanden, die aus sachverständigem Munde doppelt schwer wiegen.
Eine andere diplomatische Initiative dreht sich um den durch Deutschlands Aufkündigung erledigten Locarnopakt und den Wunsch Belgiens, sich vor Abschluß eines neuen Westpaktes aus seinen Bündnisverpflichtungen gelöst zu sehen. Diesem Zweck galt der kürzliche Besuch König Leopolds in London, dem nun Edens Gegenbesuch in Brussel folgen soll, nachdem England mit den Franzosen Fühlung genommen hat, wozu auch wohl der Besuch des französischen Kriegsministers Da lädier in London Gelegenheit gegeben haben dürfte. Belgien sieht in der weltpolitischen Konstellation, deren wesentlichste Ursache das französisch-sowjetrussische Militärbündnis war, in seinen Locarnoverpflichtungen eine nationale Gefahr, die es dadurch abwenden möchte, daß es für die Zukunst einseitige Bindungen, die gefährliche Verstrickungen mit sich bringen können, meidet und seine Politik einzig und allein nach den Geboten seiner nationalen Sicherheit gestaltet England und Frankreich indessen, in fast übertriebener Sorge um Belgiens Unabhängigkeit, die von keiner anderen Seite her bedroht oder auch nur in Frage gestellt wird, möchten am liebsten an dem Locarnopakt nichts ändern, und wenn schon Belgien seiner Locarnoverpflichtungen los und ledig sein möchte, sollen wenigstens die Ergebnisse der zwischen den drei Mächten geführten Generalstabsbespre- ch u n g e n erhalten bleiben, alles natürlich nur um Belgiens Sicherheit willen, die man in schöner Selbstlosigkeit mit den eigenen Wünschen nach Erhaltung des belgischen Festungsglacis für einen englisch-französischen Aufmarsch, der ja nur gegen Deutschland' gedacht sein kann, gleichstellt. Der französische Kriegsminister D a l a d i e r hat bei seinen Besprechungen mit den britischen Staatsmännern und Militärs zweifellos darauf hingewirkt, daß die französisch-britischen Generalstabsabmachungen durch ein etwaiges Ausscheiden Belgiens, das beide Mächte gerne verhindern möchten, keine Lücke erfahren. Die in den nächsten Tagen zu erwartende französisch-englische Erklärung über das neue Verhältnis zu Belgien wird vielleicht über manches Klarheit bringen, zumal Belgien den größten Wert darauf legen muß, seine tatsächliche Unabhängigkeit und die Freiheit in der Wahl der Mittel zu ihrer Verteidigung auch von denen resvektiert zu sehen, die sich als seine uneigennützigen Freunde ausgeben. Man muß sich in Brüssel darüber klar werden, daß die wichtigste Voraussetzung einer echten Unabhängigkeit die ist, daß man sich künftighin von Generalstabsbesprechungen fernhält, die trotz oller Bemäntelungsoersuche nichts anderes darstellen als Vorbereitungen eines gemeinsamen Aufmarschplans für die drei Westmächte gegen Deutschland, das man sich zu diesem Zweck ohne Skrupel von vornherein als „Angreifer" vorzustellen beliebt. Generalstabsbesprechungen bleiben niemals ohne bindende militärische Vereinbarungen und diese müßten zwangsläufig Belgien, das sich aus allen Konflikten heraushalten möchte, zum willenlosen Objekt der Politik der Generalstäbe Frankreichs und Englands machen.
Die Liste der Diplomatenreisen wäre nicht vollständig, blieben die Konferenz der nordischen Mächte in Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, und der Besuch des polnischen Außenministers Beck in Bukarest unerwähnt. Die Konferenz von Helsinki ist eine der regelmäßigen Zusammenkünfte der Außenminister der vier nordischen Staaten Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, die ja in mancherlei politischen und wirtschaftlichen Fragen gleichlaufende Interessen zu verteidigen haben. Mit Aufmerksamkeit wird man ihren Entschluß zur Kenntnis nehmen, mit anderen kleineren Mächten über eine gegenseitige Rüstungskontrolle zu verhandeln, falls die Arbeit des im Mai zusammentretenden Büros der mühsam wieder zum Leben erweckten Abrüstungskonferenz, wie zu erwarten ist, keine Aussicht auf ein allgemeines Abkommen läßt. Da England — von Frankreich ganz zu schweigen — vor Abwicklung seines Aufrüstungsprogramms für dies Thema kaum zu sprechen sein dürfte, könnte die Initiative der nordischen Mächte für die kleineren Staaten eine gewisse Bedeutung bekommen. Wirtschaftspolitisch verdient der Entschluß verstärkter Aktivität der Staaten der Oslokonvention, der außer den nordischen Mächten Holland, Belgien und Luxemburg beigetreten sind, deshalb Beachtung, weil er" zusammenfällt mit dem Auftrag, den der belgische Ministervräsident van Zeeland übernommen hat, die Möglichkeiten und Aussichten einer
Tatsache, die auch innerhalb der Radikalsozialen Partei immer deutlicher zum Ausdruck kommt. Der Minister verteidigte das Volksfrontregime mit der Behauptung, daß die öffentliche Ordnung in keiner Weise bedroht sei und niemand sie ernstlich bedrohen könne. Weite Kreise Frankreichs würden allerdings diese Ansicht nicht teilen und sich dabei auf sehr eindeutige Erfahrungen auf diesem Gebiete berufen.
Daladier war am Freitagabend in Manchester Gast bei einem Bankett des britischen Verbandes Alliance Francaise. Er hab wiederum die Bedeutung der englisch-französischen Freundschaft hervor. Frankreich wünsche aber nicht nur Frieden und Freundschaft mit England, sondern auch Freundschaft mit allen Völkern der Welt. Der Friede müsse durch Zusammenarbeit erzielt werd"n. Frankreich sei bereit, allen Ländern, die es wünschten, feine Mitarbeit anzubieten.
Nie Vadikalsozialisten warnen 3!um.
Der Druck der Gewerkschaften auf eine verkappte Inflation hin.
Paris, 24. April. (DNB. Funkspruch.) Die radikalsoziale „E r e N o u v e l l e" zeigt sich stark beunruhigt über den Druck, der von Gewerk- schaftskreisen auf die Regierung aus- geübt wird, um einen 10-Milliarden-Kre- d i t für die Durchführung großer N o t st a n d s - arbeiten zu erreichen. Die Drohungen der Gewerkschaften seien unzweideutig. Die Frage sei jetzt, was die Regierung und die parlamentarische Mehrheit dagegen unternehmen würden. Der Finanzminister habe kürzlich feierlich erklärt, die R ü - st u n g s a n l e i h e sei die letzte Anleihe. Man erwarte jetzt von ihm das Versprechen, keine verkappte Inflation durchzuführen, um dadurch eine Anleihe zu ersetzen. Die Frage fei, ob die Regierung dies Versprechen auch halten könne. Es fei Pflicht der Radikalsozialisten, an diesem Werke mitzuarbeiten. Es gebe nicht, sich noch länger in Schweigen zu hüllen, weil dieses Schweigen einer Zustimmung ähnele. Das Programm der Volksstont sei seit langem überschritten.
Herzlicher Empfang iialienischer Journalisten.
Besuch in Konstanz, Jriedrichshafen und Stuttgart.
Friedrichshafen, 23. April. (DNB.) 20 Männer der italienischen Presse, die unter Führung von Ministerialdirektor Dr. Comm. Gherardo C a - s i n i in Konstanz eintrafen, wurde ein herzlicher Empfang zuteil. Fähnchen der deutschen und der italienischen Nation wurden geschwenkt, und von der begeisterten Jugend wurden den Gästen Blumen zugeworfen. Der /stellvertretende Pressechef der Reichsregierung, Ministerialrat Berndt, überbrachte die Grüße des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda und wies auf die gemeinsamen Aufgaben und gemeinsamen Ideale der deutschen und der italienischen Presse hin. In beiden Ländern sei wieder das Wohl des Volkes allein der Maßstab für die Gestaltung der Presse. In beiden Ländern drücke die Wiederbesinnung auf die ewigen Werte der Nation auch der Presse ihren Stempel auf. In der jahrtausendelangen gemeinsamen deutsch-italienischen Geschichte habe es vielfältige Beziehungen zwischen den beiden Nationen gegeben, die in Deutschland wie in Italien ihre Spuren zurückließen. Vielleicht sei es auch aus dieser Gemeinsamkeit heraus zu verstehen, daß beide Nationen zu gleicher Zeit Männer hervorgebracht hätten, die nicht nur ihrem Jahrhundert, sondern vielleicht einem Jahrtausend ihren Namen geben würden.
Ministerialdirektor Dr. Comm. C a s i n i dankte für den herzlichen Empfang. Die italienischen Journalisten seien gekommen in vollem Verständnis für die heutige politische Lage und die großen gemeinsamen Aufgaben, die sie für beide Länder mit sich bringe. Sie wollten das neue Deutschland kennenlernen und der faschistischen Presse seinen tiefen Sinn vermitteln.
In Friedrichshafen besichtigten die italienischen Journalisten dann den Maybach-Motorenbau mit seinen Lehrwerkstätten und seinem Getriebebau. Auch dem Luftschiffbau Zeppelin statteten sie einen Besuch ab. Das im Bau befindliche Luftschaff „LZ 130" befindet sich in
einem besonders interessanten Baustadium, da das Gerüst fertiggestellt ist und die Kabinen eingebaut und z. T. sichtbar sind. Dr. Eckener gab den Besuchern einen knappen Aufriß über das Werden des Werkes des Grafen Zeppelin und die Pläne des Zeppelin-Luftschiffbaues. Er wies darauf hin, daß nach Fertigstellung von „LZ 130" und „LZ 131" an jedem fünften Tage ein Luftschiff von Deutschland nach den Vereinigten Staaten und von den Vereinigten Staaten nach Deutschland fahren werde und daß man künftig in einer Woche nach den Vereinigten Staaten und zurück fahren könne.
Bei dem Essen im Kurgartenhotel richtete Reichshauptamtsleiter Dr. D r e s l e r herzliche Begrüßungsworte an die Gäste und erinnerte an den Besuch von Hauptschriftleitern der NS.-Presse in Italien. Dr. Eckener gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie in den Werken des Zeppelinbaues und der Maybach-Motorenwerke Gelegenheit gehabt hätten, den schöpferischen Geist des deutschen Volkes kennenzulernen. Ministerialdirektor Dr. Comm Gherardo Casini dankte herzlich für die Begrüßung. In wenigen Stunden hätten die italienischen Gäste drei Feststellungen machen können, daß das deutsche Volk geschlossen hinter seinem Führer Adolf Hitler stehe, daß ein ungeheuerer Arbeitswille die deutsche Nation erfülle und daß ein Geist der Jugend diese beiden Nationen beseele, der ihn von anderen Völkern wesentlich unterscheide.
In Stuttgart wurden die italienischen Journalisten auf dem Bahnhof vom Kreisleiter Mauer sowie von der Stuttgarter Ortsgruppe der faschistischen Organisation empfangen. Die Stadt der Ausländsdeutschen hatte Flaggenschmuck angelegt. Vor dem Bahnhof hatten Ehrenformationen Aufstellung genommen. Auch eine Abteilung Jung- faschisten war angetreten. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritt Ministerialdirektor C a - f i n i zusammen mit Ministerialrat Berndt die Front ab.
Partei und Bierjahresplan.
Oie Kreisleiter auf der Ordensburg Vogelsang.
Burg Vogelsang, 23. April. (DNB.) Am Freitag hat die Kreisleiterschulungstagung auf Burg Vogelsang ihre Arbeit aufgenommen. Als erstes Thema der hier vor den Kreisleitern behandelten Aufgaben des Vierjqhresplanes sprach Präsident Dr. S y r u p über das Problem des Arbeitseinsatzes. Es komme auf jedem Einzelgebiet — bei der Ueberwindung der Landflucht, bei der Heranziehung von Landarbeitern, bei der Ausbildung von Facharbeitern und Verstärkung des ländlichen Handwerks, sowie bei der Aufgabe, die Frauen in die Hauswirtschaft hineinzuführen — darauf an, für lange Dauer und mit gesunder Stetigkeit die Volksmassen in Arbeit und Brot zu bringen. Alle Aufgaben ließen sich nicht durch Gesetze regeln, sondern nur durch eine klare Unterrichtung und Erziehung der Bevölkerung. Wenn es so z. B. darum gehe, die Landarbeiterfrage zu lösen, dann müsse aus der neugewonnenen Einstellung aller Beteiligten heraus die Voraussetzung des Erfolges geschaffen sein, die sich zusammensetze aus den Forderungen nach einer Bodenverwurzelung, der Schaffung ausreichender und einwandfreier Wohnstätten, der Erzielung von Dauerverträgen und der Formung einer selbstverständlichen ländlichen Betriebsgemein- fchaft. Die Ermittlungen über die Lehrlingsausbildung in der Eisen- und Bauindustrie und über den Einsatz der älteren Angestellten haben befriedigende Ergebnisse gezeitigt. Aber dort, wo man den Forderungen des Nationalsozialismus Nicht gerecht werde, würden sie zum Wohle des Volkes durchgesetzt werden.
Ministerpräsident Köhler als Beauftragter für die Rohstoffverteilung zeigte, daß das Mi- nus des deutschen Lebensraumes an Bodenqualität und Rohstoffen ersetzt werden müsse durch das Plus der deutschen Arbeiterkraft und Intelligenz, sowie durch den geschlossenen politischen Einsatz.
Pflicht der Partei fei es, das Verständnis für die Forderungen, die der Plan an den letzten Volksgenossen stelle, zu wecken. Vornehmstes Ziel sei, die Lebenshaltung jedes Einzelnen zu verbessern und zu heben. Die Partei sei aber der treibende Motor.
Gauleiter Joseph Wagner gab anschließend einen Ueberblick über seine Tätigkeit als Reichskommissar für Preisbildung im Vierjahresplan. Er behandelte das Problem, das durch die verstärkte Nachfrage einerseits — zurückzuführen auf die Intensivierung der Wirtschaft in Deutschland — und durch die Schwierigkeiten der Einfuhr anderseits hervorgerufen worden fei. Eine der vordringlichsten Aufgaben der Preisgestaltung sei es, den durch ein etwaiges Steigen der Preise lebenswichtigster Dinge gefährdeten Lebens st andard der breiten Schichten unter allen Umständen vor einem Ab sinken zu bewahren. Es gehöre somit zu den wichtigsten Ausgaben der Kreisleiter, ständig so erzieherisch auf die Menschen innerhalb der deutschen Wirtschaft einzuwirken, daß sich die Wirtschaft stets als Dienerin des Volkes betrachte und aus diesen nationalsozialistischen Grundsätzen heraus ihre unbedingte Abhängigkeit vom Leben des Volkes erblicke.
2lm Nachmittag nahm dann Reichsminister Dr. Goebbels das Wort zu fast zweistündigen Ausführungen. Es scheine ihm wichtig, so führte der Minister aus, bedeutsame Fragen, die den politischen Leiter interessieren im Rahmen einer Aussprache zu klären. Er begrüße daher die Gelegenheit, sich mit den Kreisleitern der Bewegung, die als Verbindungsmänner der Partei zum Volk fungierten, über aktuelle politische Fragen unterhalten zu können. Im Rahmen einer von Frage und Antwort getragenen Aussprache behandelte Dr. Goebbels erschöpfend eine Reihe politischer Themen, die aus dem Kreise seiner Zuhörer angeschnitten wurden.
Weltwirtschaftskonferenz zu sondieren. Einer feiner engsten Mitarbeiter, der Finanzsachverständige F r d r e , der im Augenblick in Paris weilt, um dann auch Berlin und Rom aufzusuchen, hat die mancherorts voreilig hochgeschraubten Erwartungen auf das notwendige Maß zurückgeschraubt. Es handelt sich sowohl bei seinen Reisen wie bei dem für Juni in Aussicht stehenden Besuch van Zee - lands in Washington um den Versuch, Material zusammenzubekommen über die Lage der Weltwirtschaft und die Frage zu prüfen, ob es Sinn hat, eine Konferenz mit der Erörterung dieser Fragen zu betrauen. Erwähnen wir zum Schluß noch kurz den Besuch des polnischen Außenministers B e ck in Bukarest, der der Festigung des alten zu Zeiten Titulescus etwas in den Hintergrund getretenen, aus den gemeinsamen Interessen des ähnlichen Verhältnisses zum sowjetrussischen Nachbarn entstandenen polnisch-rumänischen Bündnisses dienen soll, so schließt sich der Ring der Diplomatenreisen, die im ganzen erkennen lassen, wie sehr die alten Formen des internationalen Zusammenlebens sich gewandelt haben und wie stark den Machten der Beharrung das Streben nach einer neuen, sinnvolleren und aufrichtigeren Friedensordnung entgegentritt. Fr. W. L.
Daladier
verteidigt das Volksfrontregime
London, 23. April. (DNB.) Der französische Kriegsminister Daladier sprach am Freitag zum zweiten Mal in Manchester auf einem Essen der beiden französischen Vereinigungen in England. „Wir hegen, so erklärte er, keinen Haß.gegen irgendein Volk, unter welchem politischen System es auch leben möge. Wir wünschen im Gegenteil, allen Nationen die Freundschaftshand zuzustrecken." Daladier trat dann für eine Zusammenarbeit der sogenannten demokratischen Länder ein und bezeichnete es als notwendig, daß sich diese Länder „durch eine eigene Verteidigung sichern". Der Minister bemühte sich, der Befürchtung entgegenzutreten, daß Frankreich dem Kommunismus zutreibe. In Frankreich hätten die Mittelschichten von jeher einen großen wirtschaftlichen und sozialen Einfluß gehabt. Er erwähnte nicht, daß gerade die Mittelschichten vom Volksfrontregime an d i e Wand gedrückt werden und deshalb nun verzweifelt zum Widerstand gegen den Marxismus rufen, eine
Für die kommende GeneiMon.
Die vor einigen Tagen in Berlin abgehaltene Jahresversammlung der zur NSV. gehö- renden Fürsorge „Mutter und Kind" hat dem Reichspropagandaminister Dr. Goebbels Gelegenheit zu grundlegenden Ausführungen über die Heranbildung und Erhaltung der kommenden Gene- ration gegeben. Auseinandersetzungen, die noch in letzter Zeit in fremden Ländern zu verzeichnen sind, zeigen, daß durchaus noch nicht überall die lieber- zeugung verbreitet ist, wie wichtig für die Zukunft eines Volkes die Schaffung einer ausreichend großen, körperlich und geistig gesunden Nachkommenschaft ist. Besonders in England und in Frankreich begegnet man immer wieder der Meinung, daß es die lebende Generation besser habe, wenn sie sich in der Nachkommenschaft beschränke, und daß es em Kind oder höchstens zwei Kinder im Leben bes- fer haben als drei ober vier Kinder, wenn die Erb- schäft ihrer Eltern in weniger Teile geht. Dabei lehrt die Geschichte, daß kein Volk seine gewonnene Stellung unter den übrigen Völkern behaupten konnte, wenn es dem Zwei- oder gar dem Ein-Kinder-System verfiel. Im nationalsozialistischen Deutschland ist es nicht das Ziel der politischen und sozialen Führung, dem Einzelnen einen möglichst großen materiellen Lebensgenuß zu verschaffen, sondern für eine kopfreichere und glücklichere Generation mit Fleiß und Hingabe die erforderlichen Voraussetzungen geschaffen zu haben.
Der Nationalsozialismus lehrt, daß die Nation höher steht als der Einzelne. Er unterscheidet sich dadurch von früheren Regierungen, daß er die lebende Generation nicht ängstlich schont, sondern alle ihre Kräfte anspannt und keinen vorzeitigen, nicht endgültig verdienten Lebensgenuß duldet. Auch das nationalsozialistische Deutschland ist gezwungen, zur Aufrechterhaltung der Lebens- und Leistungsfähigkeit Vorgriffe auf künftige Wirtschaftserträge zu machen. Aber das, was mit diesen Dorroeggenomme« nen Kapitalbeträgen geschaffen wird, wird der kommenden Generation das Leben erleichtern und verschönern.
Es ist eigentümlich, wie wenig klar sich viele Völker noch über die Mittel sind, die der Schaffung einer kopfreichen, gesunden kommenden Generation dienen. Meist wird nur die Hebung der Geburtenzahl ins Auge gefaßt. Soweit in England bevölkerungspolitische Erwägungen überhaupt in das Bewußtsein breiter Volksschichten eingedrungen sind, spricht man darüber, wie die Geburtenzahl gehoben werden könne. Auch die Regierung des nationalsozialistischen Deutschlands hat sich mit dieser Frage beschäftigen müssen. Die erfolgreichste unter den ergriffenen Maßnahmen war die im Sommer 1933 verwirklichte Idee der „Ehestandsdarlehen". Diese Einrichtung hat dafür gesorgt, daß die aus verschiedenen materiellen und psychologischen Gründen in den letzten Jahren unterbliebenen Eheschließungen nachgeholt wurden. Aus der vergrößerten Zahl junger Ehen gingen naturgemäß in den folgenden Jahren mehr Kinder hervor.
Wenn aber auch noch im Jahre 1936 gegenüber dem Vorjahr eine erhöhte Geburtenziffer (19,1 gegenüber 18,9 vom Tausend) zu verzeichnen war, so bedeutet das, daß auch die unter dem Nationalsozialismus aufblühende Zuversicht zur politischen und wirtschaftlichen Zukunft des deutschen Volkes ihre Folgen auf bevölkerungspolitischem Gebiet zu zeigen beginnt. Reichsminister Dr. Goebbels hat auf der erwähnten Jahresversammlung der Fürsorge „Mutter und Kind" Adolf Hitler als den Schirmherrn der Kinder bezeichnet. In der Tat muß ein Volk wieder zur Zukunftsgewißheit bekehrt und non der Massenarbeitslosigkeit erlöst fein, wenn es einer ausreichenden Zabl von Kindern das Leben schenken soll. Eine Reihe weiterer Maßnahmen, die der Geburtenfcheu entaegenwirken soll, bezieht sich auf Erleichterung der Ausbildung der Kinder teils durch unmittelbare Unterstützungen in der Schule und in der Berufsausbildung, teils durch Gewährung von Steuernachlässen für die Familienväter.
Bereits einige Wochen vor der Jahresversammlung der Fürsorge „Mutter und Kind" hat Hauptamtsleiter Hilgenfeldt, der verdienstvolle Leiter des Winterhilfswerks, die kommende Aufgabe der NSV. dahin Umrissen, daß sie sich in noch stärkerem Maße als bisher der Pflege der geborenen Kinder, also der Säuglinge und Kleinkinder sowie selbstverständlich auch ihrer Mütter annehmen müsse. Die bei der Berichterstattung über das abgelaufene Jahr vorgetragenen Zahlen beweisen, daß auf diesem Gebiet große Fortschritte erzielt wurden. Hilgenfeldt teilte mit, daß die Säuglingssterblichkeit von 1933 bis 1936 eine beträchtliche Rückbildung von 7,9 auf 6,6 erfahren habe, und daß Deutschland alle Aussicht habe, sehr bald das Land mit der niedrigsten Säualings- sterblichkeit zu sein. Verschickung von Müttern und Kindern zu Erholungsaufenthalten sowie eine ständige gewissenhafte Gesundheitskontrolle sind wich- tige Hilfsmittel gegen die Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit und gegen die Ausbreitung von Krankheiten unter der Heranwachsenden Generation. Der Erfolg auf dem Gebiet der Arbeitslosigkeitsbekämpfung hat die Bedeutung einer weiteren Aufgabe gesteigert, nämlich die Schaffung von Kindergärten und Kinderhorten für solche Kinder, deren Eltern aus beruflichen Gründen von Hause abwesend fein müssen. Eine besondere Rolle wird auch in Zukunft die Fürsorge für die Kinder der Bauern und Landarbeiter in der Erntezeit spielen.
Mit ungleich größerer Energie als ihre Vorgängerinnen hat die nationalsozialistifche Regierung sich der Pflege der Gesunden anaenommen. Die beste Fürsorge ist die, die eine Beschränkung d-r Fälle non Krankheit und Siechtum erzielt. Im Sommer 1935 hohen die ausländischen Besucher des in Berlin abgehaltenen bevölkerungswissenschaft- lichen Kongresses einen starken Eindruck davon erhalten,, wie sich das neue Deutschland bemüht, es aar nicht erst zur Geburt lebensunfähiger Kinder kommen zu lassen. Die iünafte Debatte im briti^n Unterhaus üb"r teeimiöige Sterilisierung war hier- ttir charakterist^-b. Cr.
Das MHW.
als W rt^chasisuntepnebmen.
Eindrucksvolle Zahlen.
Berlin, 23. April. (DNB.) Das Winterhisis- werk des deutschen Volkes ist, was über seine großen sozialen Auswirkungen meist nicht hinreichend beachtet wird, selbst eines der größten deutschen Wirts chaftsunternehmen. lieber diese Seite macht Hauvtamtsleiter H i l g e n f e l dt einige aufschlußreiche Mitteilungen in der Gesellschaft der Berliner Freunde der Deutschen Akademie. Das WHW. kauft im Durchschnitt jährlich für 75 Millionen Mark Kohlen, es nimmt 35 v. H. der ge* samten deutschen Seefischfänge ab, es hat im letzten Jahre rund 7 Millionen Zentner Kartoffeln


