Die Wiederbelebung der Wirtfchast im Spiegel des Reiseverkehrs.
Interessante Zahlen aus dem Bezirk der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.
Italienischer Künstler gibt in der Aula ein Konzert.
Der Beauftragte des Musikwesens sämtlicher faschistischer Unioersitätsgruppen und Mitglied des nationalen Direktoriums der italienischen Musikkammer Ugo A j e l l o gibt am morgigen Freitagabend in der Aula ein Konzert. Zwei deutsche Künstler werden dabei mitwirken. Eintritt ist frei.
Gefechtsschießen
bei Krofdorf und Wißmar.
In der Zeit vom 26. bis 28. April, und zwar jeweils von 8 bis 17 Uhr, findet in dem Raume nordwestlich Krofdorf—Wißmar und Ruttershausen ein Schulgefechtsschießen statt. Während der Schießzeiten ist das Betreten des gefährdeten Gebietes verboten. Die Zugangswege werden durch Wachposten besetzt. Den Anordnungen der Posten ist unbedingt Folge zu leisten. Die Straße Ruttershausen—Wißmar, soweit sie auf hessischem Gebiet liegt, wird während der Schießzeiten gesperrt. Umleitung erfolgt über Lollar—Gießen.
Gießener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 22. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten» Deutsche feine Molkereibutter, XA kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,44- Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10V2, Klasse B 10, Klasse C 9V2, Klasse D 9, unaez. inländische 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, V2 kg, 12, grün 20 bis 22. Weißkraut 10, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 12 bis 18, Rote 8 bis 10, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 8, Feldsalat, 50 Gramm, 10 bis 12, V2 kg, 90 bis 100, Tomaten 60 bis 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 15 bis 18 Pf., Pilze 1,50 Mk., Kärtof- feln, alte, 5 kg, 44 Pf., V2 kg 5, neue 25 Pf., 50 kg 3,65 bis 3,80 Mk., Aepfel, V- kg, 20 bis 45 Pf., Suppenhühner 90 bis 100, Blumenkohl 30 bis 40, Salat 20 bis 22, Salatgurken, das Stück, 60 bis 70, Lauch 5 bis 10, Rettich, neue, Bündel 20 bis 30, alte, Stück 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30. Radieschen, Bund, 10 bis 15 Pf.
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** Bulgarische Auszeichnung eines deutschen Gelehrten. Der Vorstand der Medizinischen Universitäts-Tierklinik München, Professor Dr. I. N ö r r (von 1927 bis 1930 Ordinarius an der Gießener Universität), ist unter Uebermitt- lung einer wertvollen, von dem bekannten bulgarischen Künstler Glinsky auf Pergament gemalten Er-
LPD. Frankfurt a. M., 21. April. Die Aufwärtsbewegung des Wirtschaftslebens feit der Machtübernahme spiegelt sich am deutlichsten in der Z u - nähme des Reiseverkehrs bei der Reichsbahn wieder. Von den 54000 Kilometer des Gesamtstreckennetzes liegen im Reichsbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. 2100,91 Kilometer mit 544 Bahnhöfen und Haltestellen für den Personenverkehr. Rund 21000 Volksgenossen sind bei der Reichsbahn im Direktionsbezirk Frankfurt beschäftigt. Im Jahre 1932 war die Lage im Reichsbahndirektionsbezirk so, daß die Verkehrsziffern gegen 1931 ganz erheblich sanken. Immerhin betrug die Zahl der abgefahrenes Personen noch 31 095 499.
Den größten Tiefstand brachte das Jahr 1933 mit 28 984 147 abgefahrenen Personen. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der abgefahrenen Personen um 25 v. H. vermehrt. 1936 wurden insgesamt 35 842 410 abgefahrene Personen im Frankfurter Direktionsbezirk gezählt.
Im Frankfurter Hauptbahnhof wurden 1933 3 364 946 Fahrkarten verkauft. Abgefahren sind 3 241 490 Personen. 1936 betrug die Zahl der verkauften Fahrkarten 4 220 806 Stück, die der abgefahrenen Reisenden 4 164 978. Auf sämtlichen frankfurter Bahnhöfen sind 1936 9 740 680 Personen abgefahren. Auf H ö ch st entfallen davon 579 653 Personen.
Aehnlich verhaft es sich auch mit dem Reisegepäck. Während im Jahre 1932 jeder sein Reisegepäck auf das Mindestmaß beschränkte, so daß nur 5899 Tonnen im ganzen Reichsbahndirektionsbezirk versandt wurden, waren es 1936 bereits wieder 6995 Tonnen.
Im Frankfurter Hauptbahnhof ist die Steigerung im Reisegepäckverkehr noch viel deutlicher. Betrug im Jahre 1932 das Gewicht des verschickten Reisegepäcks nur noch 1874 Tonnen, so ist es 1936 auf 2354 Tonnen emporgeschnellt. — Im Jahre 1932 wurden 10 727 Fahrräder zur Aufbewahrung abgegeben, 1935 dagegen 53 558 und 1936 sogar 69 990.
Im Bahnhof Bad Ems wurden 1935 insgesamt 111718 Fahrkarten verkauft, abgefahren sind 103 316 Personen. 1936 betrug die Zahl der ver
kauften Fahrkarten 115 064, die der abgefahrenen Personen 106 501. Der Versand von Reisegepäck stieg von 137 Tonnen im Jahre 1935 auf 150 Tonnen im Vorjahre.
Bad Homburg v. d. H.: 1935 verkaufte Fahrkarten 150 749, abgefahrene Personen 252 417; 1936 verkaufte Fahrkarten 158 882, abgefahrene Personen 276 144. Zunahme 23 727 Fahrgäste.
Bad-Nauheim: 1935 verkaufte Fahrkarten 262 098, abgefahrene Personen 233 046; 1936 verkaufte Fahrkarten 260 248, abgefahrene Personen 255 457. Zunahme: 22 411 Fahrgäste.
Dillenburg: 1935 verkaufte Fahrkarten 169 526, abgefahrene Personen 260 430; 1936 verkaufte Fahrkarten 167 991, abgefahrene Personen 272 554. Zunahme: 12 244 Fahrgäste.
Friedberg: 1935 verkaufte Fahrkarten 324951, abgefahrene Personen 406 624; 1936 verkaufte Fahrkarten 334 454, abgefahrene Personen 433 576. Zunahme: 26 952 Fahrgäste.
Fulda: 1935 verkaufte Fahrkarten 477 731, abgefahrene Personen 451 573; 1936 verkaufte Fahrkarten 495 222, abgefahrene Personen 464 929. Zunahme: 13 356 Fahrgäste.
Gießen: 1935 verkaufte Fahrkarten 855 913, abgefahrene Personen 953 938; 1936 verkaufte Fahrkarten 852 907, abgefahrene Personen 963 703. Zunahme: 9765 Fahrgäste. Reisegepäck, 1935: 307 Tonnen; 1936: 336 Tonnen.
Hanau (Hauptbahnhof): 1935 verkaufte Fahrkarten 314 022, abgefahrene Personen 432 084; 1936 verkaufte Fahrkarten 319 869, abgefahrene Personen 453 778. Zunahme: 21694 Fahrgäste. Auf den vier Hanauer Bahnhöfen fuhren 1935 = 819 450 Personen ab. Im Jahre 1936 stieg die Zahl auf 854 796 Personen. Die Zunahme beträgt also 35 316 Fahrgäste.
Offenbach: 1935 verkaufte Fahrkarten 289 315, abgefahrene Personen 299 045; 1936 verkaufte Fahrkarten 305 596, abgefahrene Personen 333 358. Zunahme: 34 313 Fahrgäste.
Wetzlar: 1935 verkaufte Fahrkarten 364 947, abgefahrene Personen 549 630; 1936: verkaufte Fahrkarten 394 914, abgefahrene Personen 588 356. Zunahme: 38 726 Fahrgäste.
Ehrenzeichen für freue Arbeit.
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Der Reichskriegsminister hat für Angestellte und Arbeiter des Heeres und der Kriegsmarine ein Abzeichen genehmigt, das nach 25jährigerArbeitim Reichsdienst verliehen wird. Die erstmalige Verleihung erfolgt am 1. Mai. Das Abzeichen ist in silberner und vergoldeter Ausführung geschaffen worden. (Scherl-M.)
gangenen Jahr aus dem Zuchthaus entlassen worden war, wo er eine Strgfe von 21/2 Jahren wegen Falschmünzerei verbüßt hatte. Nach langem Leugnen gab Heuser schließlich zu, mit seinem Freund Robert Ruetz falsche Zweimarkstücke hergestellt und vertrieben zu haben. Die beiden haben zunächst in der Wohnung des Heuser gearbeitet, dessen Frau tagsüber abwesend war. Als dann Frau Heuser erkrankte und von ihrer Arbeit zu Hause blieb, verlegten sie ihre Tätigkeit in die Wohnung des 30jährigen Friedrich Schellert, der zunächst einmal neues Betriebskapital beschaffte, worauf dann die Herstellung von falschen Fünfmark stücken in Angriff genommen wurde. Auch die Frau des Schellert war beruflich tätig und tagsüber nicht zu Hause. In allen Fällen ist einwandfrei festgestellt, daß die Frauen der Falschmünzer von deren Treiben keine Ahnung hatten. Heuser, Ruetz und Schellert haben nun gemeinsam das Falschgeld im Gießverfahren hergestellt, wobei Heuser die notwendigen Formen anfertigte. Von dem Falschgeld erwarb der 34jährige D 0 d e l zahlreiche Stücke, die er zum Teil wieder an Rieder absetzte. Den Erlös haben die Fälscher unter sich geteilt. Später hat Dodel selbst Falschstücke mit den von Heuser gelieferten Formen hergestellt und auch Heuser hat in Dodels Wohnung gegossen.
So wurde seil dem Sommer 1936 laufend
nennungsurkunde von der bulgarischen „Tierärztlichen Gesellschaft für Wissenschaft und Kultur" zum Ehrenmitglied ernannt worden.
** Ausbruch der Rotlaufseuche. Die Polizeidirektion Gießen teilt mit, daß in dem Schweinebestand des Theodor Carl in Gießen, Rodheimer Straße 50, Schweinerotlauf festgestellt worden ist. Gehöftsperre ist angeordnet.
** Di e Herstellung und der Verkauf von Grünschmuck am 1. Mai sind in La dengeschäften und im Straßenhandel während den Morgenstunden zugelassen. Gleichzeitig ist die Beschäftigung von Arbeitnehmern bei Herstellung, Anbringung und Verkauf von Grünschmuck in gewerblichen Betrieben für den 1. Mai 1937 während der Morgenstunden gestattet.
Amtsgericht Gießen.
Die M. P. aus Atzbach war durch Strafbefehl des Amtsgerichts Gießen wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung zu einer Geldstrafe von 3 Mark und 5 Mark verurteilt worden. Sie wat: am 19. 11. 36, um 7 Uhr, mit einem unbeleuchteten Fahrrad durch Heuchelheim gefahren und hatte den Weisungen des Wachtmeisters, anzuhalten, nicht Folge geleistet. Gegen diesen Strafbefehl hatte sie Einspruch eingelegt mit der Begründung, sie habe den Anruf des Wachtmeisters nicht gehört. In der gestrigen Hauptoerhandlung konnte sie einwandfrei im Sinne der Anklage überführt werden. In Anbetracht dessen, daß sie auch jetzt noch glaubte, das Gericht belügen zu können, wurde die' Strafe von 5 auf 10 Mark erhöht. Die ausgesprochene Strafe von 3 Mark blieb ebenfalls bestehen. Außerdem wurden ihr die Kosten des Verfahrens auferlegt.
Eine Mchmünzerbande unschädlich gemacht.
In ganz Hessen und von Kassel bis Würzburg falsche Zwei- und Fünfmarkstücke vertrieben. —Auch in Gießen fanden die Fälscher Abnehmer für ihr Falschgeld.
Lpd. Frankfurt a. 2H., 21. April. Am Wontag wurde die Fe st nähme eines Mannes, der in dem Speffartort Brücken ein falsches Fünfmar stück in Zahlung gegeben hatte, gemeldet. In Verfolg dieser Straftat verhaftete die Frankfurter Krimi- nalpolizei eine Bande von sechs Falschmünzern, die in ganz Hessen und darüber hinaus bis Kassel und Würzburg Falschgeld vertrieben hatte. In kagelanger Arbeit ist es der Frankfurter Kriminalpolizei gelungen, trotz anfänglich hartnäckigen Leugnens det Täter völlige Klarheit in das verbrecherische Treiben dieser Bande zu bringen.
Der Polizei war schon längere Zeit bekannt, daß sich in Frankfurt eine Falschmünzerwerkstätte befand, in der vor allem falsche Z w e i - und Fünfmarkstücke hergestellt wurden. Die Falschmünzer waren aber so gerissen, daß es einige Zeit dauerte, bis man sie alle fassen und ihr volksschädigendes Treiben lahmlegen konnte.
Am Dienstag voriger Woche kaufte sich ein junger Mann in einem Laden in Brücken in Unterfranken für 20 Pfennige Zigaretten und gab ein F ü n f m a r k st ü ck in Zahlung. Als die Geschäftsfrau das Geldstück näher betrachtete, kamen ihr wegen der Echtheit Bedenken. Sie verglich es mit einem anderen und stellte fest, daß es sich um eine Fälschung handelte. Der Käufer, zur Rede ge
stellt, gab der Frau das Wechselgeld in Höhe von 4,80 RM. zurück und wollte dafür sein Fünfmark- slück wiederhaben.
Auf diesen Vorschlag ging die Frau vernünftigerweise nicht ein, sondern veranlaßte die F e st - nähme des Mannes. Gleichzeitig bemerkte man in der Nähe des Geschäfts einen anderen Mann mit einem Motorrad, der
in verdächtiger Weise plötzlich davonfuhr.
Die Gendarmerie tonnte aber das polizeiliche Kennzeichen des Motorrades feststellen und benachrichtigte, da es sich um eine H-Nummer handelte, sofort die Frankfurter Kriminalpolizei. Diese hatte, noch ehe der Motorradfahrer zu Hause war, dessen Wohnung besetzt. Es handelte sich um den ^jährigen Georg Rieder, der zunächst leugnete, irgendetwas mit der Falschgeldgeschichte zu tun zu haben. Wie die Polizei feststellte, war er mit dem bereits in Brücken festgenommenen 34jährigen A^g. Kolb auf dem Motorrrad in der Kahlgegend gewesen, um Falschgeld abzusetzen, denn am gleichen Tag waren auch in Alzenau und anderen Orten Falschstücke in Zahlung gegeben worden. Kolb hatte von der Existenz der Falschmünzerwerkstätte keine Ahnung und kannte auch die Hersteller nicht persönlich; vielmehr war Rieder derjenige, der das Falschgeld von den -Herstellern kaufte. Im Verlauf ihrer weiteren Ermittlungen stieß die Kriminalpolizei auf den Goldschmied Jean Heuser, der erst im ver-
Falschgeld fabriziert und vertrieben. Zuerst waren es 50-Pfennigstücke, dann Zwei- und Fünfmarkstücke alter Prägung und von Mitte November v. I. ab Fünfmarkstücke neuer Prägung. Vom Februar dieses Jahres ab wurden auch die neuen Zweimarkstücke nachgeahmt.
Bei den Fälschungen handelt es sich durchweg um schlechte Stücke, so daß es erstaunlich ist, wie es möglich war, derartige plumpe Fälschungen an den Mann zu bringen. Während in Frankfurt verhältnismäßig wenig Falschstücke abgesetzt wurden (außer an den Silöestertagen), gibt es kaum einen Ort der näheren und weiteren Umgebung, wo die Fälscher ihre Erzeugnisse nicht losgewokden wären. Insbesondere sind es die Städte Mainz (hauptsächlich an Fastnacht), Wiesbaden, Aschaffenburg, Darmstadt, Neu-Isenburg, Gießen, Hanau, die Orte des Taunus. Darüber hinaus wurden die Falsifikate in ganz Hessen, in den Regierungsbezirken Wiesbaden und Kassel und in Unterfranken bis Würzburg abgesetzt.
Bei den Fälschern und ihren Helfern handelt es sich durchweg um erheblich vorbestrafte Leute, die — mit Ausnahme von Heuser — mit Falschgeld bisher nichts zu tun hatten.
Heuser selbst nannte sich bezeichnenderweise auch „Juwelen-Monteur"; er ist Trinker und das Haupt der Bande gewesen. Die Verbrecher haben alle gestanden. Von der ganzen Gesellschaft war nicht einer bei seiner Festnahme im Besitz von Geld. Die Falschmünzerei erwies sich also auch hier wieder als ein wenig lukratives Geschäft.
An die Bevölkerung — insbesondere die Geschäftsleute — ergeht von neuem die Mahnung, sorgfältig auf Falschgeld zu achten. Nachahmungen erkennt man in vielen Fällen an der fehlenden Riffelung der Umrandung. In Zwei-
Skandal um Dr. Vandergruen Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S.
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dann erzählt Vandergruen von Gisch Amelung, wie er sie im Regen gefunden und wie seine Schwester dem Mädchen Obdach gewährt habe. „Es ist mehr als auffallend, daß genau vierundzwanzig Stunden später der Einbruch verübt wurde. Ich bin überzeugt, daß diese Amelung eine Art Patrouille war, die das Gelände auszukundschaften hatte."
Dr. Michaels notiert sich den Namen. „Ich werde feststellen lassen, wo sie wohnt, und sie mir dann einmal vornehmen."
„Die Wohnung kann ich Ihnen sagen. Meine Schwester hat sich bei ihrer Arbeitsstätte erkundigt, weil sie die junge Dame mit einem Besuch überraschen wollte. Fräulein Amelung wohnt in Char- lottenburg, Olbersstraße 4."
„Können Sie mir eine ungefähre Beschreibung dieses Mädchens geben?"
Während Dr. Vandergruen der Aufforderung Folge leistet, glaubt er Gisch wieder vor sich zu sehen, mit ihren jungen Augen und ihrem' herben Mädchenmund.
„Und wie war das dann mit dem Einbruch?"
Der Doktor berichtet, wie sich die Dinge abgespielt haben.
Es folgen noch einige ergänzende Fragen, dann ist das Verhör für diesen Tag beendet.
„Sie können sich natürlich alles, was Sie wünschen, von draußen besorgen lassen!" ruft Dr. Michaels dem Hinausgehenden nach.
Dann weckt er den schlafenden Referendar. „Sie haben wieder die ganze Nacht durchgebüffelt. Gestehen Sie's ein!"
Der junge Mann stottert eine Entschuldigung.
„Schon recht! Hoffentlich haben Sie einigermaßen ausschlafen können. Hier haben Sie das Protokoll. Uebertragen Sie es in die Maschine und geben Sie es zu den Akten!""
16.
Gisch bekommt einen ordentlichen Schreck, als plötzlich Fräulein Maria Vandergruen im Zimmer
Sie ist sehr verwirrt, bringt stotternd ein paar Höflichkeitsformeln zuwege und bietet schließlich einen Stuhl an.
Maria dankt zurückhaltend und nimmt vorsichtig Platz. „Leider ist es keine sehr erfreuliche Angelegenheit, die mich zu Ihnen führt. — Mein Bruder ist heute nachmittag verhaftet worden."
„Nein!!" Es ist ein Schrei, eine Beschwörung, Ausdruck völligen Nichtbegreifens.
Maria hat mit großer Entschlossenheit und mit tiefer Erbitterung die Fahrt nach Charlottenburg angetreten. Sie hat sich oorgenommen, jede Gefühlsregung auszuschalten, unerbittlich die Wahrheit zu erforschen.
Da sagt jedoch Gisch: „Das kann es ja nicht geben. Der Herr Doktor kann doch gar nichts Böses getan haben!" Und in ihrer Stimme liegt ein so selfensester Glaube, eine so wahrhaftige Ahnungslosigkeit, daß Marias Vorsätze und Absichten in ein Nichts zerrinnen.
Und auf einmal hat sie Gisch umschlungen, hat das Gesicht an das ihre gelegt, in einem hemmungslosen Schluchzen löst sich die Spannung der letzten Stunden.
Gisch hält ganz still, gern möchte sie der Weinenden übers Haar streichen, vielleicht würde sie es beruhigen, aber sie wagt es nicht. Sie muß sich zusammennehmen, um nicht selber mit loszuheulen.
„Nicht wahr, das wissen Sie doch selber, daß er nichts Unrechtes getan hat. Bei der Polizei werden Sie das auch bald merken. Wer weiß, ob er nicht heute abend oder morgen schon wieder heimkommt! Nicht?"
Diese hilflosen Worte, von etlichen unterdrückten Schluchzern begleitet, klingen so rührend, daß Maria, gleichsam angesteckt von der Zuversicht des jungen Mädchens, sich seltsam getröstet fühlt.
„Es ist sehr schön, daß Sie soviel Glauben haben. Sie kennen doch meinen Bruder kaunz?"
„Ach, man braucht ihn bloß einmal anzusehen, das genügt schön. Der Herr Doktor gehört zu den Menschen, die nie etwas Schlechtes tun können."
Mein Gott, denkt Maria, wenn sie wüßte, welch
furchtbaren Verdacht er gegen sie hegt! Sie darf es nie erfahren.
„Wollen Sie mit mir spazierengehen? — Ich muß mich ein bißchen auslaufen und werde Ihnen dann unterwegs alles erzählen."
„Gerne!" sagt Gisch und holt sofort ihre Mütze aus dem Schrank. Man merkt es ihr an, daß die Einladung sie mit einer stillen Freude erfüllt.
In den Straßen werden gerade die Abendblätter verkauft. Maria wirft im Vorbeigehen einen Blick auf die Schlagzeilen — und der Herzschlag droht ihr vor Schrecken auszusetzen.
Da steht über die ganze Breite hinweg: „Skandal um Dr. Vandergruen!"
Sie kauft sich eine Nummer und hält sie ihrer Begleiterin vor die Augen.
Gisch erlaßt. „Mein Gott!" flüstert sie, dann nimmt sie Maria die Zeitung weg und beginnt zu lesen.
Heute mittag wurde in seiner Wohnung in der Breiten Straße der bekannte Sinologe Privat- dozent Dr. Stefan Vandergruen überraschend festgenommen, nachdem eine vorangegangen Haussuchung belastendes Material zutage gefördert hatte. Dr. Vandergruen wird beschuldigt, leitendes Mitglied eines Konsortiums von Rauschgifthändlern zu sein. Die Anschuldigung stützt sich auf einen in einem Geheimtext abgefatzten Brief, der bei Dr. Vandergruen vorgefunden und beschlagnahmt wurde. Aus diesem Schriftstück, dessen Uebersetzung inzwischen gelungen ist, geht einwandfrei hervor, daß der Festgenommene mit japanischen Opiumlieferanten in Verbindung stand. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß Dr. Vandergruen in regelmäßigen Abständen Pakete mit Büchern und wissenschaftlichen Zeitschriften aus Tokio sowohl rote aus Schanghai erhielt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß mit diesen Sendungen das furchtbare Rauschgift nach Deutschland gelangte, um von Dr. Vandergruen, der ja als Wissenschaftler von Ruf kaum eine Verdächtigung zu befürchten hatte, in die fein verzweigten Kanäle des Schleichhandels weitergeleitet zu werden. — Uebrigens beteuert Dr. Vandergruen auf das entschiedenste, daß er das Opfer eines peinlichen Irrtums fei. Inwieweit diese Behauptung zu Recht besteht, wird die sofort eingeleitete Untersuchung ergeben.1 —
Von unterrichteter Seite erfahren wir noch folgendes: Für den gestrigen Zwischenfall mit dem Vertrag zwischen der „Maschinen-A.-G." in Berlin und der „Nippon Steel Corporation" in Tokio, dessen vorzeitiges Bekanntwerden einigen ausländischen Blättern willkommener Anlaß zu einer Presse- Kampagne gegen Deutschland bot, ist ebenfalls Dr. Vandergruen verantwortlich zu machen. Ob es sich dabei lediglich um eine Unachtsamkeit oder um einen bewußten Verkauf handelt, bedarf noch der Klarstellung."
Gisch reicht die Zeitung zurück. In ihrem Gesicht spiegelt sich der Ausdruck tiefsten Entsetzens.
„Das ist doch alles gelogen!"
Sie haben den Charlottenburger Park erreicht. Die sinkende Sonne liegt wie ein goldener Tau auf den Wiesen und Wegen, flammt im schimmernden Laub der Bäume und verfängt sich im Haar der beiden Frauen.
Im Weiterschreiten erfährt Gisch, was eigentlich geschehen ist. Als sie von dem Einbruch hört, faßt sie krampfhaft nach Marias Arm.
„Also doch!" sagt sie halblaut. „Ach, Fräulein Vandergruen, nur ich, ich allein bin an allem schuld. Mein Gott, hätte ich doch gesprochen!"
Maria bleibt stehen und starrt die Sprechende an. „Wie — meinen Sie das?" Ihre Stimme ist jäh verwandelt. Mißtrauen liegt darin, etwas Feindseliges fast.
Gisch strebt auf eine leere Bank zu, die hinter dichtem Weidengebüsch sichtbar wird. Sie zieht Maria mit sich und drückt sie auf die Bank nieder.
Sie läßt Marias Hände nicht mehr los. Fliegenden Atems erzählt sie der Aufhorchenden, was ihr in jener Nacht widerfuhr, wie sie bedroht wurde und wie dann statt der beiden Kerle plötzlich Dr. Vandergruen vor ihr gestanden hat.
„In jener Nacht haben sie ihre Pläne aufgeben müssen, in der darauffolgenden Nacht haben sie dann das Versäumte nachgeholt."
„Kind, Kind, warum haben Sie nichts davon gesagt?" ’ . |
„Ich hatte Angst, ich war so erbärmlich felge. Dieser Japaner —!"
„Und Sie sind sicher, daß der Name KoltscheM von den Männern erwähnt wurde?"
(Fortsetzung folgt!)


