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kommen haben. Mit anderen Worten: der franzö­sische M i t t e l st a n d wird zerrieben, während das Schwerkapital nach wie vor unerschüttert ist.

Auf der Hauptversammlung der Bezirksgruppe Schlesien der Wirtschaftsgruppe Zuckerindustrie teilte ihr Leiter, Generaldirektor Köhler, mit, daß die diesjährige Zuckerrübenernte wahrscheinlich 3 Millionen Doppelzentner mehr erbringen werde als die respektable Ernte des Vorjahres. Dank der kostbaren Erfindung des Rübenzuckers durch zwei preußische Chemiker ist Deutschland mit Zucker so reichlich versorgt, daß Ernteüberschüsse für die Er­zeugung von Kraftfuttermitteln verwandt werden können. Aus dem erwähnten Bericht geht hervor, daß die Hälfte aller schlesischen Zuckerfabriken er­hebliche Neuanschaffungen durchgeführt haben, um Trocknungsanlagen für Rübenschnitzel und Rüben­blätter entweder neu zu erstellen oder zu erweitern. Für diesen Zweck haben 15 Zuckerfabriken in Schlesien den erheblichen Kostenaufwand von 5 Mil­lionen Mark übernommen, so daß auf die einzelne Fabrik eine Neuanlage von über 300 000 Mark im Durchschnitt entfällt. Für eine gerechte Würdigung der Leistungen unserer Landwirtschaft und ihrer Nebengewerbe muß immer sestgehalten werden, daß die außerordentliche Erzeugungs- und Leistungs­fähigkeit sowohl den Einsatz einer qualifizierten Arbeit als auch erheblicher Sachaufwendungen, wie Dünger, Maschinen usw., bedingt. Das Ergebnis

ist allerdings erstaunlich groß. In vierjährigem Durchschnitt 1927/31 erzielte Deutschland einen Ernteertrag an Weizen von 20,5 Meterzentner (Doppelzentner) auf den Hektar, Frankreich 14,2 Doppelzentner, Südslawien 11,7 Doppelzentner und Rumänien 10,1 Doppelzentner. Bei anderen Ge­treide- und Hackfruchtarten ist dos Verhältnis durch­aus entsprechend.

Durch eine Verordnung des Reichsfinanzmini­sters wird ab 1. Oktober die Spritquote von 10 auf 8,5 v. H. herabgesetzt. Die Spritquote wurde im Sommer 1930 eingeführt, sie betrug zunächst 21/2 v. H., wurde aber dann auf 10 v. H. erhöht. Dieser Beimischungszwang für Treibstoffe hatte den Zweck, dem Branntwein­monopol und den Kartoffelbrennereien die Absatz­sorgen abzunehmen, die sich infolge des Rückganges des Trinkweinverbrauches gesteigert hatten. Die Einführung der Spritquote hat sich für gewisse Teile der Landwirtschaft günstig ausgewirkt. Wei­ter wurde aber ein industrielles Produkt der synthetische Methyl-Alkohol, den Treibstof­fen beigemischt, und zwar wurde die Spritquote geteilt in zwei Drittel Sprit und einem Drittel Methanol. Die Herabsetzung der Spritquote ist eine Folge der schrittweisen Einschränkung der Kartoffel­brennereien und der Tatsache, daß der Absatz an Sprit infolge des gestiegenen Treibstofoerbrauches alle Erwortungen überstieg.

An der Schanghai-Front.

Hinter Siacheldraht und Bretterzäunen.

Von unserem H-Berichterstatier.

Nachdruck verboten.

Schanghai, Ende August 1937.

Heute spielen wir Skat. Dor 15 Tagen war der große Bombenfall über Schanghai 600 Tote, 900 Verwundete. Dazwischen liegen Schrapnells, Maschinengewehr-, Minenwerferein- schläae, liegt die ganz moderne Kriegführung zu Wasser und in der Luft, liegen Haß und Leiden­schaft bis zu unlöslicher Verbitterung. Das ist der Krieg, ohne Kriegserklärung. Was wissen wir heute noch vom Hungjao-Zwischenfall, was wissen wir heute noch, wie dieser krieglose Krieg zum Ausbruch kam? Wir legen uns zu Bett, wenn die Bomben einschlagen, wenn die Schrapnell­splitter der Abwehrgeschütze unseren Nebenmann er­schlagen. Wir wachen auf, wenn der nächste Luft­angriff vorgetragen wird, wenn die Häuser in ihren Fundamenten zittern. Wochen scheint uns das so zu gehen, Monate möchte man fast sagen.Haben Sie schon gehört, die Fabrik der deutschen Schlach­terei ist gestern abgebrannt?"Steht der Schup­pen von Melchers noch? Gestern abend um elf Uhr schien er noch nicht vom Feuer ergriffen zu sein ... aber die Nanyang-Zigaretten-Fabrik, restlos aus­gebrannt."Was war am Bund?"Neben der Signalstation hat es eingeschlagen, Stunden hat das Feuer gedauert."

In Pangtsepu, jenem Stadtteil, der von den Ja­panern gehalten wird, glühte gestern der ganze Himmel, so weit das Auge reicht. Jemand hat ge­sagt, das sei ein schauerlich-schönes Schauspiel. Doch wer will behaupten, daß es schauerlich sei? Hier, angesichts dieser Lage, in der die Nerven gespannt sind, daß man nachts keinen Schlaf findet, ist alles so verkrampft, daß man Gefühle nicht mehr kennt. Man wartet. Es ist alles Schicksal. Es kommt alles wie es kommen muß. Wir wissen nicht, wie es mit uns wird. Wir wissen nicht, was mit unseren Frauen und Kindern ist, die irgendwo in der Som­merfrische sind, weil sie das sommerliche Klima in Schanghai nicht vertragen konnten. Vierhundert oder mehr andere Frauen und Kinder, auch Män­ner, die keine Tätigkeit hier mehr haben, werden

mit dem deutschen DampferGneisenau" fahren, nach Hongkong, Manila, Singapore, weiter nicht. Dort werden sie warten, was wird, was kommt. Aber wiederkommen werden sie, sobald der letzte Schuß gefallen ist. Was werden sie finden? Diele wissen schon heute, daß alles verloren ist, daß sie neu anfangen müssen. Diesem ist die ganze Firma, sind seine Warenbestände zusammenge­schossen, jener hat seinen festen Posten, doch seine Wohnung mußte er räumen und weiß, daß sie jetzt bereits nicht mehr ist. Und wir, die wir noch etwas haben? Schön, heute steht es noch, morgen ist es nicht mehr, dann werden auch wir neu bauen, in Monaten, in einem halben Jahr, in Jah­ren wann fangen wir an?

Es ist eine deutsche, es ist auch eine euro­päische Schicksalsgemeinschaft gewor­den. Wir Deutsche haben keine Anteilrechte an die­ser internationalen Niederlassung und an der Französischen Niederlassung. Doch die Aufbauar­beit, die wir geleistet haben, war groß. Darüber hinaus Gefahr verbindet, Not verbindet eben­falls. Wir kämpfen alle um unser bißchen Le­bensunterhalt. Wir wissen alle, daß wir Reserven sammeln müssen, und wir sagen uns, wo wir die Reserven noch finden. Wir kochen alle auf den wenigen elektrischen Kochplatten und auf den vie­len chinesischen Holzkohleherden, weil wir seit Ta­gen kein Gas mehr haben. Wir freuen uns wie die Kinder, daß wir endlich wieder zwei Auto­buslinien haben. Und wissen genau, daß der Wa­gen vielleicht in der nächsten Minute wieder um­kehren muß, weil er im Schrapnellfeuer liegt. Wenn uns ein Freund besucht, wenn er geht, und eine halbe Minute später schlagen die Schrap­nells, dann find wir nicht eher ruhig, bevor wir nicht seinen nächsten Anruf haben.

Uns drohen von innen die gleichen Gefahren wie von außen. Wir wissen, daß Seuchen aus­brechen können, weil die Flüchtlinge die Sttaßen und Toreingänge, die Nebenstraßen und Häuser­eingänge füllen. Wir wissen, daß der Hunger zu Untaten führen kann und geführt hat, wenn auch heute alles getan wird, um seiner Herr zu

werden, wenn auch überall Reisausgabestellen, für die Aermften der Armen eingerichtet find.Ge­stern haben sie wieder einen zusammengeschlagen", das ist ein Tatsachenbericht, den wir täglich vernehmen. Die chinesische Lynchjustiz hat so über­hand genommen, daß die Stadtverwaltungen der Niederlassungen standrechtliche sofortige Erschie­ßung verfügt haben.

Daran zweifelt heute kein Mensch, daß dies je­doch die leichtesten Tage waren, die wir hinter uns haben. Die schwersten werden erst kommen. Noch ist die Lage so, daß die Chine­sen Fortschritte in den Kämpfen gemacht haben, die die Japaner bestreiten oder umgekehrt. Die Japaner haben erklärt, daß sie die Niederlassun­gen aus dem Luftkrieg auslassen werden. Die Chi­nesen haben den fremden Kriegs- und Handels­schiffen ein Ultimatum gegeben, daß sie ihre Posi­tionen vor der Niederlassung räumen sollen, da sie sonst keine Garantie für Schaden durch ihr Ar­tilleriefeuer übernehmen können. Das amerika­nische Flaggschiff hat die ersten Verluste, ein Mann tot, 18 Verwundete. Darauf gab es das Signal: Eröffne Feuer. Es war der erste Hinweis auf die großen Verwicklungsmöglichkeiten, die in diesem Krieg um die Range Road und Ward Road, wo das große Gefängnis schon beschädigt ist, um die Haining Road, wo gestern 400 Chinesen plünder­ten, um die Wayside Wharf, von der kein Mensch mehr weiß, ob sie noch besteht, sich ergeben mö­gen.

Es hat neulich einer gesagt, daß es doch erstaun­lich sei, wie schnell der Krieg einen Organismus auseinanderbringe. Er meinte das von den Fir­men, und er hatte recht. Es liegen die Buchhal­tungen still, es fehlen die Orders, es haben die Banken geschloffen und wieder geöffnet und wieder geschlossen. Es gab keine großen Auszahlungen, es gab kein kleines Wechselgeld. Firmen haben das erste Notgeld herausgebracht. Es werden keine Rechnungen mehr beglichen. Es wird nur noch mit Schecks bezahlt. Doch wie die Firmen aus dem Ge­füge kamen, so die Stadtverwaltung, die Internationale jedenfalls. Die Französische genießt bereits den Ruf, sich auch in früheren Zeiten von Schanghai-Unruhen besser bewährt zu haben. Es hat lange gedauert, bis eine Regelung der dring­lichsten Lebensverhältnisse getroffen war. Es hat auch lange gedauert, daß man sich englischerseits entschloß, Truppenverstärkungen von Hongkong zu rufen. Auf die Amerikaner wartet man im größe­ren Maßstab jedenfalls heute noch. Heute sind die Grenzen des Settlement auch schwer befestigt mit Barrikaden, mit ^nschinengewehrnestern usw. Alles in allem, Sck' li sitzt hinter Stachel- draht und ii i Straßen sind die Fensterfron­ten mit Brettern vernagelt.

Erfreulich ist in diesem allem nur, wie fest das deutsche Element zusammengeschmiedet ist. Wie man in Eile ein Flüchtlingslager geschaffen hat, wie da­neben in der großen deutschen Schule ein kleines Lazarett für dringlichste Fälle Platz fand, ein Jmpf- raum, wo die Seuchengefahr gebannt wird, wie Ausschüsse gebildet wurden, die für die dringlichsten Fragen Sorge tragen, Vorräte besorgen, Benzin sicherstellen. Mit Worten nicht zu beschreiben d i e Einsatzbereitschaft jedes einzelnen. Kein Landsmann, der nicht irgendwo zu jeder Stunde ein Quartier findet, das ihn der gegenwärtigen Sorge enthebt. Kein Appell der SA., Des NSKK., bei dem nicht auch die Aeltesten, ohne Rang­unterschied, in Minutenfrist in die Reihe des Alarms eintreten. Ein ganzer Stadtteil Schanghais mußte kürzlich geräumt werden, es war das Geschäfts­viertel. Die Büros hatten ihre Sachen herauszu­nehmen, die wichtigsten jedenfalls, die Privaten wurden alle entfernt. In vierzig Minuten standen alle aufgerufenen Männer und die Wagen bereit, in wenig mehr als zwei Stunden war die Sache durchgeführt. Trotz der Schwierigkeit der Polizei­stunde von zehn Uhr abends bis morgens. Viel­leicht ist es das auch, was uns allen ein Ge­fühl der Sicherheit gibt, was es bewirkt,

daß die Aufregung kaum sichtbar oder fühlbar unter uns wird: weil wir uns alle aufeinander verlassen können, weil wir wissen, daß jeder für den anderen da ist. Und damit werden wir uns durchschlagen, einer Zeit des Neuaufbaues entgegen.

Die japanische Offensive in Aordchina.

Neue chinesische Widerstandslinie bei Paotingsu.

Nanking, 17. Sept. (DNB. Funkspruch. Ost. asiendienst des DNB.) Um dem japanischen Vor- marsch an der nordchinesischen Front wirksam ent­gegentreten zu können, haben die Chinesen zwi­schen Paotingfu und Tschangtschou eine Verteidigungslinie vorbereitet, wo sie

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(Scherl-Bilderdienst-M.)

starken Widerstand leisten können. Paottngfu selbst ist inzwischen befestigt worden, und 350 000 Mann Nanking-Truppen sind hier zusammenge- zogen.

Die japanischen Truppen standen am Donnerstag­abend im Zentrum der Angriffsfront bereits bei Tschukoutschen, 50 Kilometer südlich von Lianghsiang, dem Hauptquartier der angreifenden japanischen Stteitkräfte. Der rechte Flügel der japa­nischen Armee ist über Kuangling, 510 Kilo­meter südwestlich von Kalgan hinaus oorgedrungen, während sich der linke Flügel etwa 30 Kilometer südlich von Matschang befindet. Es verstärkt sich der Eindruck, daß der japanische Oberbefehlshaber General Ter autsch i mit großer Energie alle vorhandenen Kampfmittel einsetzt und dem weichen­den Gegner hart auf den Fersen bleibt, um in kürzester Zeit den Gelben Fluß zu erreichen. Dabei kommt den Japanern das Ende der Regenzeit zugute, wodurch die Verwendung aller motorisierten Einheiten möglich ist. Don der japanischen Marine wurde der Seeverkehr mit dem Hafen H a i t s ch o u, dem Endpunkt der Lungwai- Eisenbahn, gesperrt. Gleichzeitig erfolgte eine Bombardierung des Hafens und eine Ansammlung von japanischen Zerstörern um die Inselgruppe vor dem Hafen. Politische Kreise sehen darin den Be­ginn militärischer Aktionen an der Küste von Sch an tun g, die bisher aus den Kriegshand­lungen ausgeschlossen war.

Wan hält an den Olympischen Spielen fest.

Tokio, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das Or­gan i s a t i o n s k o m i t e e für die XII. Olympischen Spiele in Tokio 1940 beschloß, an der Durchführung der Spiele 1940 festzuhalten und d i e Vorberei­tungen fortzusetzen. Angesichts der augen­blicklichen ernsten Lage im Fernen Osten soll ledig­lich der Aufbau des Tokioter Olympia-Sta­dions und der Wintersportanlagen in

An der Schwelle des Herbstes.

Von Heinrich Zillich

Zum Tage des deutschen Volks­tums bringen wir heute den folgenden, zwiefach zeitgemäßen Beitrag des fiebern bürgischen Dichters Heinrich Zill ich; Zillich, der im vorigen Jahre beim Gießener Goethe- Bund zu Gast war, hat sich um die Stärkung und Ausbreitung des volksdeutschen Gedan­kens große Verdienste erworben. Die Krö­nung seines dichterischen Werkes bildet der vor kurzem erschienene RomanZwischen Grenzen und Zeiten", für den er mit dem Literaturpreise der Stadt Berlin ausgezeich­net wurde.

Unser ganzes Fühlen ankert in den Jugendein­drücken. Es braucht uns nur ein Duft zu berühren, der nach Jahren plötzlich in uns quillt, und wir verspüren ein verschüttetes Erlebnis erwachen, so deutlich und greifbar nahe, daß wir uns umdrehen möchten, um zu sehen, wohin wir denn geraten sind. Wir gerieten nur in den ernsten und leben­digen Raum, wo wir eine Wahrheit zum ersten Male erfuhren.

Ich kann das Bellen der Hunde in der Ferne nicht hören, ohne zugleich die breite Fläche der Landschaft meiner Kindheit zu sehen, bebämmert schon vom Abend, in allen Farben mit Grau ver­mischt, aus dem das Band der Straße matt leuch­tet und von einigen Staubwolken überschwellt ist. Und ist das Bellen sehr ferne, fast wie ein Klang, der nicht unbedingt zu einem Hunde gehört, sondern ein Ton von der ganzen großen Natur zu sein scheint, der die Runde macht wie der Wind, dann fühle ich das umhüllende Blau des Landes in der ersten von Fülle lauttrunkenen Nacht unter einem klaren Himmel, aus dem unter den Sternen rings­um die Umrisse der Berge in die Horizontlinie treten.

Solches erlebt jeder. Jeder weiß auch, wie zau­berhaft manches Wort uns anrührt. Wir treten vor den Kalender und lesen1. März", und damit ' schießt schon der Inhalt der Jahreszeit in uns ein. Ach nein, aus uns selbst tritt die neue Zeit her­vor. Wir öffnen uns ihr, es öffnet jemand unser Inneres, und da strömen wir selbst der Umgebung zu, die uns gleicht.

Wir sind immer" Antwort. Der Vergleich, so alt er ist, stimmt: es spielt jemand auf uns, als wären wir ein Instrument.

Doch nur einige Zeiten des Jahres schlagen die tiefen, langhallenden Töne, die großen Akkorde in uns an. Jene Akkorde, wo wir im Erklingen noch Muße finden, uns selbst zu lauschen, weil der Klang nicht aufpeitscht, uns nicht fortweht.

Der Herbst beginnt schon im späten Sommer, wenn die Sonne sich selbst zu vergolden scheint, ihre Wucht auf Baum und Busch sich so schwer legt, daß alles still wird, einem Geschehen hinge­

geben, das langsamer wirkt als der Frühling, aber niemand ausschließt.

Zu dieser Zeit strömt der letzte Saft, die Süße selbst in die Frucht. Die Farbe wird reif für die langen Wochen, deren Geräusch kein Rauschen ist wie der Frühlingswind, kein frischer Duft, keine Betäubung wie im Mai, nur ein Knistern um Baurn, ein Wetzen am Ast und das trockene Räu-s- pern der ersten gelben Blätter.

An der Schwelle des Herbstes steht die Glut. In den späten Augustnächten meinen wir viele Sternschnuppen zu sehen, als fiele im All zuerst das Gewordene aus den Sitzen herunter, ehe bei uns der Fall der Früchte beginnt und der Regen des Laubes.

Alles wird lockerer und bunter, aber nicht lau­ter. Das ist, wenn der Morgennebel vor dem Blau des spät erwachenden Tages liegt, wo jeder Vor­mittag erst allmählich aus einem leichten Dunst absinken muß und dann dasteht, beinahe noch som­merlich vergoldet, sehr klar bis in die letzten Ecken der Landschaft. Und das Land selbst wird weit und geräumiger, in den Farben zuerst, die überall die Dinge umreißen, vermannigfaltigen, den Raum in seiner Fülle deutlicher, verschiedener und reicher hervortreten lassen als die hellgrüne Gleichung, auf die der Frühling gestimmt ist oder das matte Er­fülltsein des Sommers.

Immer ist es die Kühle, die selbst in den warmen Tagen wartet und schon hinter den Bäumen hervor­lugt, die kein Versteck möhr umgeben können. Sie sind farbiger, aber undichter. Sie lassen die Kühle sich entfalten. Sie geben an Farbe, was ihnen an Leben gebricht, und an Augenlust, was ihnen an geheimnisvoller Versponnenheit langsam abgenom­men wird. Bis dann die trockene Musik des Oktobers zu klingen beginnt, dieses Monats, der irgendwie altfränkisch ist, ein Spinett der Natur, sanft und verhalten, melancholisch und gebrechlich in Strauch und Wald, aber gewölbt und grenzenlos in der freien Landschaft. Ein Baum ist es, der vor allen jetzt zu bestimmen beginnt, der sich hinauslodert ins Sterben und den sicheren Ernst seines Monats­wandels an eine dunkle, rote Erregung verliert, die doch nur Verwesung bedeutet. In der Buche erfüllt sich der reife Herbst, in ihr klingt auch das Blät­terspinett oft wie ein Chor von brüchigen Stimm- chen.

Wir haben recht, wenn wir zu dieser Natur, die ihre Türen aus den Angeln gehoben hat, den Wi­derhall von Schüssen als zugehörig lieben. Hörner- ruf und Treiberlärm. Und selbst wer im Blätter­rauschen nie ein Tier jagte, träumt den fernen Ab­schuß zu dem großen Bild hinzu, das ihn um- aibt, nicht weil um ihn rings Sterbenszeit ist, sondern weil er selbst angeklungen ist und weil er die Blätter seiner Seele sinken läßt in den eigenen weiten Raum, der sich inmitten des nur scheinbar größeren der Natur bewegt. Denn es ist kein Be­deutungsunterschied darin, daß ein Baum sein Blattwerk fallen läßt, um seine Wurzeln zu dün­

gen, und wir in der verhaltenen schwingenden Schwermut unseres Wesens, das sich im Herbst in eine kühlere besinnliche Vollendung bettet, den Lock­ruf des Frühlings oorbereiten, der unser Blut aufs neue röten soll. Diese Frist des Todes ist wie jedes Sterben nur eine Brücke. Sie setzt in einem mild- anfteigenben schonen Bogen über das stille Wasser der Sammlung, das ein Naß des Vergehens scheint, auf das feste Ufer, wo der Acker die auf- gespeicherte Kraft ausdampft.

Wenn wir das WortHerbst" hören, steigt aus dem bunten Sinken des Laubes und der roten Decke der Wälder aus jenes fast winterliche Bild, wo der Nooemberwind im kahlen Geäst die nackte schwarze Rinde allein umspülen kann. Es ist der Tod des Herbstes selbst, wenn alles in seinem Raum zu zittern beginnt, als wehte es hin, als bebte der bloßgelegte letzte Funken des Lebens um feinen Bestand, ein Irrwisch, ein Lichtlein, das denn auch zum innigen Symbol der Zeit und des Lebens am Allerseelentag auf den Friedhöfen verbrennt und versinkt in das Schwarze der Nacht, die, noch ehe der Winter sie dämmernd erhellt, schon an das tiefe Dunkel der immer aus aller Verwandlung tauchen­den ewigen Ackerscholle erinnert.

Spielscharfahrt durch Siebenbürgen.

Eine Sing- und Spielschar der Frankfurter Hitler- Jugend führte kürzlich eine vierwöchige Fahrt nach Siebenbürgen durch. Volkslied und Kantate, Laien­spiel und Dichterwort berichteten vom deutschen Volkstum. Josefa Behrens-Totenohl, Dr. Karl Richard Ganzer und Wolf Justin Hart- m a n n , die an der Fahrt teilnahmen, sprachen und lasen vor der Bevölkerung aus ihren Werken. Im folgenden berichtet ein Teilnehmer von der Fahrt:

Quer durch Oesterreich und Ungarn führte uns der Weg nach Rumänien. In Birthelm, einem der ersten siebenbürgischen Städtchen, drängen sich zwei Zigeunerjungen an die Fenster unseres Omnibusses heran. Sie bieten einen uns schon gewohnten An­blick: Barfuß, nur mit einer schmierigen Hose und mit einem zerrissenen Hemd bekleidet. Bittend hal­ten sie die Hände auf:Zigaretten!" Während un­ser Fifo noch beschäftigt ist, die beiden auf die Platte zu bannen, sind zwei Sachsenkinder an un­seren Wagen herangetreten. Man erkennt sie sofort: Frische, saubere Gesichter, aus denen blanke Augen in die Welt schauen.

Eine Woche lang fingen und spielen wir Abend sür Abend in siebenbürgischen Städten und Dör­fern. Einmal ist auf unserem Wege durch anhal­tende Regenfälle eine Brücke gebrochen und mit großer Verspätung treffen wir in Hermannstadt ein. Fünfhundert Menschen haben in einem über» füUten Saal lange geduldig auf uns gewartet. Als mir in unseren regennassen Hemden auf die Bühne springen und unser erstes Lied in den Saal hin­einhämmern, bricht ein Sturm des Beifalls über uns los. Und wir fingen, gläubig und mit heißem

Herzen:Wir tragen und bauen das Reich, nie wollen wir es verraten! Arbeiter, Bauern, Sol­daten!"

Ein andermal lieft Josefa Behrens-Toten- o h l aus ihrem BucheDer Femhof". Es ist ganz still, nur die dunkle Stimme dieser Frau ist im Raum. Westfalen wird vor uns lebendig, feine weiten Ebenen und einsamen Bauernhöfe.

In Rode hat man keinen Saal bekommen kön­nen. Einige hundert Burschen und Mädchen erwar­ten uns auf einer Waldlichtung. Es ist ein reiz­volles Bild. Die Mädchen in ihren bunten Trachten und die Burschen mit runden Hüten und engan­liegenden schwarzen Stiefelhosen. Schnell ist eine Zeltbahn aufgespannt, vor der nach einigen luftigen Liedern unser SpielDer deutsche Schalk kuriert die sieben Laster" steigt. Das ist eine tiefe Freude in Den Augen unserer Zuschauer und oft klingt ein kräftiges Lachen aus ihren Reihen auf. Erst als die Abendglocken zur Heimkehr rufen, trennen wir uns. R. F.

Lichtspielhaus:

Heiratsinstitut Ida & 60/

Wenn die Leute auf der Bühne oder vor der Kamera so tun, als ob sie den unsinnigsten Unsinn blutig ernst nähmen, wenn sie sich gegenseitig mit grimmigen Mienen die Hucke voll lügen, wenn sie jeden Neuankömmling für jemand anders ausgeben, und wenn somit möglichst viele, wenn nicht alle Anwesenden miteinander vertauscht und verwechselt werden, dann ist es richtig, dann steht der Schwank in Blüte. In diesem Heiratsinstitut geht es ähnlich zu wie in der unseligen Pension Schöller: man kann sich denken, was da für Verlobungen Zustandekommen, wenn jeweils das falsche Paar der Heiratslustigen an einen Teetisch komplimen­tiert wird; das ist noch längst nicht alles, nur wird niemand von diesem Bericht eine erschöpfende Inhaltsangabe erwarten. Da sehe jeder zu, wie er sich durchfindet. Der Regisseur Viktor Jansen hat einen gewaltigen Trubel veranstaltet. Ida (mit dem Institut) heißt mit Zunamen Wüst; süß lächelnd wandelt sie durch ihr Paradies, schrecklich windet sie sich in Angst und Schuldgefühlen. Se­henswert ist das Terzett der Komiker: R. A. Ro­berts mit Rübezahlbart als racheschnaubender Weiberfeind; Theo Lingen, sehr gedämpft und geniert, gibt feine unglaublichsten Gesichter zum Besten; Rudolf Platte, ein wildgewordener Poet in dithyrambischer Verzückung. Von den andern seien noch die niedliche Carsta Lock, Tine Schnei­der, Karl Etlinger und I. E. Hermann genannt. (Tobis.)

Aus dem Vorprogramm find die sehr schonen Aufnahmen von Dresden hervorzuheben: eine er­freuliche Bereicherung der Sammlung deutscher Städtesilme. Hier gibt es noch manche dankbare Ausgabe zu losen. Hans Th^riot.