Heute Lteberreichung des englischen Vorschlages.
Boischasterbesuche bei Eden.
London. 13. Juli. (DNB.) Der englische Auhenminister empfing im Laufe des Dienstagnachmiltag den deutschen, den italienischen, den französischen und den s o w j e t - russischen Botschafter, und zwar in Abständen von je einer halben Stunde. Auhenminister Eden hat den Botschaftern mitgeteilt, dah er ihnen im Laufe des Mittwoch die englischen k o m p r o m i h v o r s ch l ä g e übermitteln werde.
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Mit jener Pünktlichkeit, die in der englischen Außenpolitik gegenüber Freunden ungeschriebenes Gesetz ist, erfolgte der neueste Umfall Herrn Edens in der spanischen Frage. Zuerst hatte man sich in London auf die französische ultimative Drohung mit der Oeffnung der Grenze, die man in italienischen Blättern durchaus treffend als Erpres- sungsversuch charakterisiert finden konnte, in sehr besorgter Geschäftigkeit gezeigt. Dann gab man sich den Anschein, als werde Frankreich seine Drohung angesichts der englischen Arbeit an einem Kompromißvorschlag wenigstens bis zur VeröffenUichung des englischen „Vermittlungsoorschlages" nicht verwirklichen. Keinesfalls aber wollte man in London offiziell an den Ernst des französischen Vorgehens glauben oder gar die Pariser Ankündigung billigen. Kaum aber hat Frankreich alle Maßnahmen zur Beseitigung der internationalen Kontrolle an der Südgrenze getroffen und England vor eine vollendete Tatsache gestellt, da findet plötzlich Herr Eden vor der Oeffentlichkeit des Unterhauses das französische Vorgehen (wörtlich!) „vernünftig in Anbetracht dessen, was sich an der portugiesischen Grenze ereignet hat". Was sich dort ereignet haben soll, darüber verliert Herr Eden freilich kein einziges Wort, was sich ja schließlich wohl angesichts jener Serie von Sympathiekundgebungen für Rotspanien in Gestalt der Anfragen von der Linken des Hauses auch erübrigt. Eine Minute später bestätigt der englische Außenminister der französischen Regierung, ihre Grenze sei „immer noch geschlossen". So arbeiten sich London und Paris in die Hände. Entsprechend dürfte wohl der Londoner Vorschlag aussehen.
Bonden spanischen Kampffronten
Salamanca, 14. Juli. (DRV.) Im nationalen Heeresbericht vom Dienstag heißt es:
Front von B i s c a y a : Ein feindlicher Angriffsversuch auf Castro Allen wurde gleich bei Beginn zurückgewiesen.
Front von Madrid: Der Druck des Feindes, dessen Stoßkraft durch die Niederlagen der vergangenen Taae stark erschüttert scheint, hat wesentlich nachgelassen. Unsere Truppen haben mehrere Schützengräben erobert, wo der Feind eine große Anzahl Gefallener zurückließ.
Front von Aragon: Mehrer feindliche Stellungen im Abschnitt von Albarracin wurden eingenommen.
Tätigkeit der Fliegerei: Unsere Flieger und die Luftabwehr haben acht bolschewistische Flugzeuge abgeschossen. Mehrere sowjetrussische Piloten wurden gefangen genommen.
Den Bolschewisten stehen die pariser Türen offen.
Paris, 13. Juli. (DNB.) Chautemps hat am Dienstagnachmittag den Pariser Vertreter der spanischen Bolschewisten empfangen.
Die „Liberte" teilt im Zusammenhang mit den Forderungen der Sowjetrussen und der französischen Kommunisten auf völlige Oeffnung der Pyrenäengrenze mit, daß in Kürze der ehemalige Außen- minister Valencias del V a j o, jetziger Volker- bundsdelegierter, nach seinem Besuch in London auch in Paris eintreffen werde. Das Blatt fragt, ob man del Dajo das Ohr leihen werde, wenn er erneut in Paris den gleichen Druck ausüben wolle, den schon kürzlich der „Chef" der spanischen Bolschewisten, N e g r i n, ausgeübt hat.
„Petit Journal" Tageszeitung der französischen Gozialpartei.
Paris, 14. Juli. (DNB. Funkspruch.) Anläßlich des französischen Nationalfeiertages erscheint das „Petit Journal" zum ersten Male unter der politischen Leitung des Obersten b e ja 0 c- q u e als Tageszeitung der französischen Sozialpartei des la Rocques. De la Rocque ergreift selbst in einem Leitartikel das Wort.
Es komme ihm darauf an, die Krankheiten zu heilen, an denen heute Frankreich leide, das Gleichgewicht des wirtschaftlichen und sozialen Lebens wiederherzustellen und die innerpolitischen Mißverständnisse zu klären.
Die Pflicht einer großen Partei sei es, offen und frei zu sagen, was sie fürchte und was sie erho.fe. Sie müsse eine Panik vermeiden, auf der anderen Seite waren und versuchen, die nützlichen Bestrebungen einander näherzubringen.
Kontrolle in die Etappe geschickt.
Oie ausländischen Kontrolleure brauchen sich nicht mehr zu vergewissern."
Paris, 13.Juli. (DNB.) Entsprechend der Note, die der französische Botschafter in London dem Vorsitzenden des Nichteinmischungsausschusses überreicht hat, ist die internationale Kontrolle an der spanisch-französischen Grenze heute mittag suspendiert worden.
Die ausländischen Kontrolleure haben sich auf Anweisung von Oberst Lunn nach Perpignan begeben, wo sie neue Anweisungen abwarten werden. Ihre Kontrolle ist aufgehoben, aber die Nichteinmischungsverpflichtungen, die Frankreich übernommen hat, werden geachtet, und die Ueber- wachung der Grenze bleibt, wie es heißt, dieselbe. Die ausländischen Kontrolleure brauchen sich jedoch nicht mehr zu vergewissern, daß alle Maßnahmen zum Zwecke einer wirksamen Kontrolle getroffen sind.
Portugal bleibt Rechtsstaat.
Lissabon, 13. Juli. (DNB.) Das portugiesische Blatt „D i a r i o de M a n h a" schreibt zu dem französischen Beschluß auf Aussetzung der internationalen Kontrolle an der Pyrenäengrenze, während sich Frankreich gemäß seinen eigenen Pressestimmen auf die Seite der Valencia-Bolschewisten schlage und ihnen moralische und materielle Unterstützung jeder Art gewähre, halte sich Portugal gewissenhaft an alle eingegangenen Verpflichtungen bezüglich der Nichteinmischung. Der portugiesische Staat lege Wert darauf, ein R e ch t s st a a t zu sein, und sehe seine Ehre im Halten eingegangener Verpflichtungen. Für Portugal gehe die Nichteinmischung weiter, ob mit oder ohne Kontrolle, und so lange nicht zwingende
Gründe des Staatswohles eine Aenderung der einmal gefaßten Haltung erforderlich machten.
Bomben statt poflbeutel.
So wird den Valencia-Bolschewisten geholfen!
Berlin, 13. Juli. (DNB.) Dem „Führer" in Karlsruhe wird gemeldet, daß die französische Luftfahrtgesellschaft Air France den Kauf einer beträchtlichen Anzahl neuester amerikanischer Flugzeuge an die Spanienbolschewisten vermittelt habe. Wie das Blatt aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat die Air France vor wenigen Tagen eine Lieferung von 20 einmotorigen amerikanischen Bellanca-Apparaten erhalten. Die Apparate stellen den Typ des modernsten mittleren Bombers dar und entwickeln die außerordentliche Geschwindigkeit von 450 Stundenkilometer. Gekauft wurden die Apparate als „Postflugzeuge", obgleich es eine bekannte Tatsache ist, daß die halbamtliche französische Luftfahrtgesellschaft nach ihren Statuten nur die Erlaubnis hat, Flugzeuge französischer Produktion zu fliegen. Mit dem Ankauf der 2 0 amerikanischen Bomber, die inzwischen schon in Valencia eingetroffen find, ist, wie der „Führer" schreibt, nicht nur eine vollkommen sichere und schon in der Praxis hinlänglich erprobte lieber« führung von Kriegsflugzeugen in das spanische Kriegsgebiet vorgenommen worden, sondern auf dem Umwege über Frankreich konnte überhaupt erst auch das amerikanische Waf- fenausfuhroerbot für Spanien umgangen werden.
Offerte Moskaus au den Vatikan.
Kommunistischer Lobgesang für pacelli. — Frankreichs Moskowiter möchten ein politisches Gchachergeschäst.
Paris, 13. Juli. (DNB.) Das kommunistische Zentralorgan „H u m a n i t e" benutzt die Ausführungen des Kardinalstaatssekretärs Pacelli bei der feierlichen Weihe in Lisieux zu einem Leitartikel, der allgemeine Verwunderung erregt hat. Der Chefredakteur Peri fühlt sich in höchsteigener Person bemüßigt, die Wichtigkeit des Besuches des päpstlichen Legaten in Frankreich zu unterstreichen.
Er hebt insbesondere hervor, daß der Besuch des päpstlichen Legaten schon unter dem Volksfrontkabinett Blum beschlossen worden sei. Das Kommunistenblatt hebt weiter hervor, dah Pacelli betont habe, der Papst wäre selbst nach Paris gekommen, falls seine Gesundheit ihm das gestattet haben würde. Es sei ein großes Ereignis, daß der päpstliche Legat gerade in dieser Stunde Frankreich und feiner Volksfrontregierung seinen Gruß entbiete.
Der Besuch stelle auch eine Art Warnung an die französischen Katholiken dar, sich auf die Seite des Faschismus zu stellen.
Das Blatt fühlt sich bann weiter bemüßigt, auf den Artikel 124 der Sowjetverfassung hinzuweisen, der allen Bürgern alle Freiheit des Glaubens gebe. Es verschweigt allerdings, daß in S o w- jetrußland Kirche und Christentum mit (Stumpf und Stiel in der gleichen Form ausgerottet worden sind, wie das heute in Spanien geschieht. Die plumpdeutliche Art und Weise, in Der das Kommunistenblatt für Vatikan und Kirche eintritt, hat allgemein Aufsehen erregt.
Es kommt hinzu, daß die gleiche Zeitung bekanntlich bei jeder Gelegenheit den spanischen Bolschewisten Beifall geklatscht hat, die Tausende von Kirchen verbrannt, Tausende von Nonnen geschändet, neun Erzbischöfe auf den Scheiterhaufen gestellt und Tausende von Priestern unter grausamsten Umständen umgebracht haben.
Der Besuch des Kardinalstaatssekretärs P a c e l l i in Frankreich wird von den dortigen bürgerlichen Politikern mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet, denn sie befürchten eine Durchbrechung der „laizistischen" Tendenz der französischen Innenpolitik, wenn der Vertreter des Papstes allzu freundlich begrüßt wird. Um so auffallender und für den Abgesandten der Kurie kompromittierender wirkt der Umstand, daß das Organ der Kommunisten, die „H u m a n i 16", dem Besuch aus dem Vatikan einen besonderen Begrüßungsarti- k e l widmet. Was mag sich der'Kardinalstaatssekre- tär bei den „Begrüßungen" des roten Blattes denken ober was werben bie spanischen Katholiken unb ihre Bischöfe (soweit sie noch leben) dazu sagen? Dort hat man Kirchen und Klöster geschändet, die Toten aus den Gräbern gerissen, die Priester ermordet, Bischöfe auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Nonnen vergewaltigt und getötet. Die Zahl der ermordeten Geistlichen in Spanien wäh
rend dieses einen Jahres geht in die Zehntausende. Und die gleichen Leute, die solche Greuel auf dem Gewissen haben, erdreisten sich, in Paris den Abgesandten des Papstes mit heuchlerischer Freundlichkeit zu begrüßen! Vielleicht erklärt sich des Rätsels Lösung daraus, daß damit der Vatikan für eine deutschfeindliche Politik gewonnen werden söll. In Deutschland gibt es zwar keine Greuel, wie in Spanien und in Sowjetrußland, aber einen Staat, der auf Ordnung hält, und den der Bolschewismus haßt. Gegen dieses nationalsozialistische Deutschland sind den Kommunisten alle Verbündeten willkommen, und wenn es der Staatssekretär des Vatikans selbst ist.
Daß es diesem und dem von ihm vertretenen Staat bzw. dem Papst nur im höchsten Grade peinlich sein kann, wie ein guter Freund von der Pariser Filiale desselben sowjetrussischen Bolschewismus angesprochen zu werden, der in Spanien die größten Massengreuel der Neuzeit verursacht und die römisch-katholischen Priester in Sowjetrußland selbst bis auf einen ausgerottet hat —
Berlin, 13. Juli. (DNB.) Der Lobgesang, den der Häuptling des kommunistischen Zentralorgans „Humanite" auf die Ausführungen des Kardinalftaatssekretärs Pacelli bei den Einweihungsfeierlichkeiten in Lisieux angestimmt hat, hat in j)er Berliner Presse ein lebhaftes Echo erweckt.
So schreibt unter obiger Überschrift der „A n - griff": Man merkt die Absicht, die die kommunistische „Hurnanitö" hat, wenn sie sich jetzt bemüßigt fühlt, Herrn Pacelli Loblieder zu fingen. Aber es verwundert nicht, denn treu den Moskauer Methoden ist den französischen Bolschewisten jedes Mittel recht, das auf das Ziel hinführt.
Zweifellos wird Chefredakteur Peri mit der gleichen Bereitwilligkeit im gegebenen Moment den Erzbischof aufgeben unb auf den Scheiterhaufen schicken, wie er ihn heule als Schrittmacher der kommunistischen Wünsche auf den Schild erhebt.
Das ganze ist eine Stimmungsmache gegen Deutschland,-und zweifellos hat bei der Geburt dieses Artikels der Wunsch Pate gestanden, den Vatikan für die Volksfrontregierung zu gewinnen.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt u. a.: Es ist allmählich geradezu psychologisch interessant, wie viel an irreführenden Redensarten die Kommunisten heute der katholischen Kirche vorzusetzen wagen. Schätzt man im Lager der Priestermörder die Vergeßlichkeit des Heiligen Stuhls wirklich so hoch ein? Das Schauspiel
das können wir dem Kardinalstaatssekretär freilich nachfühlen. Aber vielleicht fragt er sich nach jenem unerbetenen Freundschaftserguß der Moskowiter doch, ob die von ihm, P a c e l l i, geleitete Poli - t i k nicht doch mit falscher Front kämpft, wenn sie sich zwar zu einem entschiedenen Auftreten im Fall Spanien nicht entschließen kann, sich aber um so mehr mit der angeblichen Einengung der Religionsfreiheit durch den Nationalsozialismus und mit der indirekten Inschutznahme gewisser Sittlichkeitsverbrecher beschäftigt. Wir erinnern in diesem Zusammenhang auch an das Versagen heg Vatikans gegenüber den Ausfällen des Kardinals Mundelein. Es ist klar, daß dergleichen Dinge den Bolschewismus nur dazu ermutigen können, auch den Vatikan in feine Spekulationen einzubeziehen.
Vielleicht fragt sich Pacelli gelegentlich auch einmal, was ihm wohl von den Moskowitern widerfahren wäre, wenn es das Unglück gehabt hätte, Bischof in Rotspanien statt Kardinalstaatssekretär zu sein. Li.
das diejenigen, die Tausende von Geistlichen, darunter Kardinäle, viehisch hingeschlachtet haben, nun so tun, als jubelten sie den Vertretern des Papstes zu, ist eine Grimasse b e r Heuchelei, die schon diabolische Züge aufweist. Was man da in Frankreich vorhat, läuft mehr oder weniger auf summarisches Kompromiß, ja Bündnis zwischen den Radikalsozialisten und Freimaurern einerseits und dem französischen politischen Katholizismus andererseits hinaus.
Ob die Kirche mit der Billigung dieser Politik nicht dem Todfeind der christlichen Kultur und Religion, ja jeder Religion überhaupt, dem Bolschewismus, Handlangerdienste leistet, wird früher oder später grausame Wirklichkeit lehren. Die spanische Lehre hätte eigentlich genügen müssen.
Die „Berliner Nachtausgabe" schließt ihren Kommentar mit der Feststellung: Man kann wohl erwarten, daß das offizielle Organ des Vatikans, der „Osfervatore Romano", der Welt mit aller Entschiedenheit die offizielle Erklärung abgibt, ■JL Chefredakteur der kommunistischen „Humanste ' seine vom Blutder spanischen Geist- l i ch e n b efleckte Hand nicht in die Hand eines hoben Vertreters der katholischen Kirche legen darf. Sollte allerdings der „Osfervatore Romano" den Artikel der „Hurnanitö" ohne solche Antwort vorübergehen lassen, so müßte man befürchten, daß die Manner, die für die Polittk der katholischen Kirche
„Französische Kommune empfiehlt flch für schwarzrote Koalition."
Wie die Priestermörder und Kirchenstürmer heucheln!
verantwortlich sind, sich auf einem bösen Irrweg befinden.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Der Widersinn der europäischen «Situation kann nicht stärker beleuchtet werden, als durch die Tatsache, daß das Blatt der Bolschewisten, der Kirchen« stürrner, der Gottlosenpropaganda, der P r i e st e r rn ö r d e r sich dem Vertreter des Heiligen Stuhls zu nähern versucht. Hätte Kardinal Pacelli das Unglück gehabt, vor einem Jahr in Madrid ober Barcelona zu fein, so würbe er vorausgesetzt, baß er überhaupt ben damaligen Massenschlächtereien entgangen wäre — mit Abscheu Anbieberungsversuche von biefer Seite her ab» schütteln.
Die Politik des Vatikans ist auf einer irrtümlichen, objektiv falschen Grundeln- st e l l u n g zu ben europäischen Orbnungsmäch- ten in vielfach bedenklich engen Kontakt mit Mächten geraten, deren erklärte Mission oder faktische Bindungen sie zu grundsätzlichen Gegnern jeglicher christlichen Aufgabe stempeln.
Es wäre völlig unvereinbar mit dem üblichen Urteil über bie Qualitäten vatikanischer Politik, wenn man sich beim Heiligen Stuhl nicht über bie irre= parabelen Schöben klar sein sollte, bie ein auch nur flüchtiger freunbschaftlicher Kontakt mit ber Sphäre ber „Humanitö" in ben Seelen zahlloser wirklich Gläubiger anrichten müßte. Die „Humanite" jeben- falls scheint sich ber Hoffnuna hinzugeben, bie Gottlosenpolitik b es Kreml vernebeln, wenn nicht gar vergessen machen zu können. Oder ist es offener Hohn, wenn sie in ihrem Artikel ben Starb in al an bie Sowjetoersassunger- innert, bie allen Bürgern alle Freiheiten des Glaubens gebe?
SozialdemokratenfürLhantemps.
Paris, 14. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Nachtsitzung bes Marseiller Kongresses ber sozialbernokratischen Partei- bie ben Abschluß ber biesjährigen Tagung bilbete, stand wieberum im Zeichen zahlreicher Meinungsoerschiebenheiten. Zunächst würbe burch Hanbaufheben über ben Wiebereintritt einer Reihe von Freunben bes Führers ber Linksextremisten, Marceau Piver t, in bie sozialbemokratische Partei abgestimmt. Hierbei kam es im Kongreßsaal wieber zu Tumulten. In einigen Ecken begannen sich bie Kongreßteilnehmer mit Föusten unb Schimpfreben zu traktieren. Blum versuchte immer wieber burch Orbnungsrufe bie Ruhe im Saal wieberherzustellen. Aus einigen Ecken ertönte jeboch bie Internationale, unb halb würbe bieses Lieb von allen Anwesenden mit erhobener Faust weiter gesungen. Erst als es verklungen war, gelang es Blum, sich von der Tribüne herab Gehör zu verschaffen. Er forderte bie Anwesenden auf, nach „außen hin" (!) zu zeigen.
Nach der Ansprache Blums schritt dann die Versammlung zur Abstimmung. Nachdem bereits am Dienstagnachmittag der Entschließungsentwurf mit 19 gegen 13 bie Teilnahme sozialdemokratischer Minister an einem Kabinett unter radikalsozialer Führung gebilligt hatte, nahm der Kongreß mit 3484 gegen 1866 Stimmen diesen Beschluß des Ausschusses an. E inst i m m i g wurde vom Kongreß eine Entschließung zum Krieg in Spanien angenommen, die sich, wie zu erwarten, für die volle Anter st ühung der Valencia-Bol- s ch e w i st e n ausspricht und volle Freiheit für die Versorgung mit Waffen und Munition fordert.
Die dritte Entschließung legt die Kampfmittel der Partei für bie Zukunft fest. Sie würbe von Marceau Pivert heftig angegriffen, ber sich gegen bie Finanzmaßnahmen unb gegen bie „reaktionäre" Haltung bes «Senats aussprach. Sie fanb schließlich mit einer Mehrheit von 2949 Stimmen Annahme.
Kommunisten stürmen ein nationales Parteilokal.
Paris, 14. Juli. (DNB. Funkspruch.) In dem Pariser Vorort B o u l o g n e griffen am Dienstag um 21.30 Uhr 1500 Kommunisten bas Parteilokal ber französischen Sozialpartei be la Rocque an unb belagern es bis zum Augenblick noch. Die Polizei wurde alarmiert und hat sich in das betreffende Viertel begeben. Nähere Einzelheiten wurden bis 6 Uhr nicht bekannt.
Nach der Auflösung des großen Vorbeimarsches auf dem Place de la concorde kam es auf den großen Boulevards bis in die Gegend des Re- publique-Platzes zu parteipolitischen Kundgebungen. Ernstere Zwischenfälle wurden jedoch nicht gemeldet.
Katholischer Pfarrer leistete Beihilfe mrRaffenschande
Die kirchlichen Anfsichtsstellen versagten wieder.
Berlin, 12. Juli. (DNB.) Mit welcher Willkür sich gewisse Kreise ber römisch-katholischen Kirche über bie Bestrebungen bes nationalsozialistischen Staates Hinwegsetzen, bewies eine Verhanblung, bie vor bem Moabiter Einzelrichter am Montag gegen ben 57 Jahre alten katholischen Pater Ulrich Kaiser von ber St. Paul-Kirche in Berlin-Moabit burchgeführt würbe.
Der Angeklagte hatte am 31. März 1935 bie kirchliche Ehe zwischen einem evangelisch getauften Iuben unb einer beutschblütt 6 e n F r a u geschlossen, ohne baß zuvyr die standesamtliche Trauung erfolgt war. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die nationalsozialistische Anschauung in Rassefragen bereits Allgemeingut bes gesamten beutschen Volkes geworben war. Dem Angeklagten war burchaus bekannt, baß von feiten ber Standesämter bamals in Fällen wie bem vorlie- genben schon mehrfach bie Genehmigung zur Eheschließung verweigert worben war. Auch in bem zur Anklage stehenben Falle hatten bas zu- ftänbige Stanbesamt unb auch bas preußische Justizministerium bie Genehmigung versagt. Es mußte K. also banach bekannt sein, daß staatlicher- seits ein Interesse bestaub, baß biese Ehe nicht ge- schlossen würbe. Er wußte weiter, baß ein anb e- rer katholischer Pfarrer biese Eheschließung ab gelehnt hatte. Trotzdem glaubte er sich Darüber Hinwegsetzen zu können und begründete sein Verhalten vor Gericht mit der Ausrede, daß in diesem Falle ein „sittlicher Notstand" im «Sinne bes § 26 des Konkordats vorgelegen habe unb be- rief sich barauf, baß bas Paar schon jahrelang in


