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Nr.132 Erster Blatt

187. Jahrgang

Donnerrtag, 10. Juni 1957

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Reichsaußenminister Freiherr von Neurath in Sofia.

deutschen und bulgarischen Flaggen reich geschmückten Flughafen hatten sich zum Empfang eingefunden: Als Vertreter des Königs Hofrat G r u e f f und der Chef des königlichen Zivilkabinetts General a. D. P a n o f f, der Ministerpräsident und Außenminister Ke o s s e i w a n o f f mit dem Abteilungsdirektor des Außenministeriums und der Präsidialkanzlei, der Oberbürgermeister von Sofia Iwanof, Landes- polizeiüirektor G a l a b o f f, die Gesandten Südsla- wiens, Ungarns, Oesterreichs und Italiens, der bul­garische Gesandte in Berlin Kar ad jo ff, der deutsche Gesandte R u e m e l i n, der Landesgruppen­leiter Bulgariens der NSDAP. Herold sowie zahlreiche bulgarische Persönlichkeiten und in Sofia lebende Deutsche. Nach überaus herzlicher Be­grüßung zwischen dem Ministerpräsidenten Keosseiwanoff und dem Reichsaußenminister schritt dieser in Begleitung des Direktors des bul­garischen Hofwesens Fliegeroberst B o i d o f f unter den Klängen der Nationalhymnen beider Länder die Front der von der Fliegertruppe gestellten Ehrenkompanie ab. Auf der Fahrt nach dem Hotel, in dem der Reichsaußenminister während des drei­tägigen Aufenthaltes in der bulgarischen Hauptstadt Wohnung nimmt, wurde dem Gast von der Bevöl­kerung, die die Anfahrtsstraßen dicht umsäumte, immer wieder herzliche Sympathiekundge­bungen bereitet. Ganz Sofia trug reichen Flag­genschmuck. Nach der Ankunft im Hotel verweilte der bulgarische Ministerpräsident und Außenminister noch kurze Zeit im Gespräch mit Freiherrn von Neurath, worauf sich dieser in das königliche Schloß begab und sich in die Besucherliste eintrug.

*

Sofia, 9. Ium. (DNV.) Zu Ehren des Reicks- außenminifters veranstaltete der deutsche Gesandte

Herzlich willkommen!"

Oie Sofioter presse begrüßt den Reichsaußenminister.

Sofia, 9. Juni. (DNB.) Die Sofioter Presse widmet dem Reichsaußenminister von Neurath überaus herzlich gehaltene Begrüßungsarti- k e l. Sie hebt hervor, daß der Besuch des deutschen Ministers die traditionell guten Bezie­hungen zwischen Deutschland und Bul­garien noch mehr vertiefen werde. Das Regie­rungsblattDnes", das sich in Leitartikeln schon seit drei Tagen mit dem deutsch-bulgari­schen Freundschaftsverhältnis befaßt, schreibt, dieser Besuch sei vom ganzen bulgarischen Volk mit großer und herzlicher Freude und tiefer Dankbarkeit erwartet worden. Das kleine geschwächte Bulgarien, dem lange Jahre niemand Aufmerksam­keit geschenkt habe und dessen Teilnahme am inter­nationalen Leben geradezu bedeutungslos gewesen sei, danke jetzt der Reichsregierung, daß sie den Lei­ter der Außenpolitik nach Sofia entsandt höbe, um so mehr als Freiherr vonNeurath der e r- ste Vertreter einer Großmacht sei, der Bulgarien nach Jahrzehnten einen friev- l i ch e n Besuch abstatte. Gegenüber dieser Geste könne das bulgarische Volk nicht gleichgültig bleiben.

Das Blatt Slowo führt u. a. aus: Freiherr von Neurath ist ein Sohn jener großen Nation, mit der wir während des Weltkrieges un­ser Schicksal verbunden hatten. Die tradi-

Sicherheitsabkommen in aller Kürze erwartet.

OieLondonerpreffe sehr zuversichtlich /Beginn der diplomatischen Besprechungen

Dr. R u e m u l i n Mittwoch abend in den Räumen der deutschen Gesandtschaft einen großen Empfang, zu dem der Bruder des Königs, Prinz Kyrill mit dem Militär- und Zivilgefolge des Königs er­schienen war. An dem Empfang nahmen ferner teil: Sämtliche Mitglieder der Regierung mit dem Ministerpräsidenten Keosseiwanoff an der Spitze, der Oberbürgermeister von Sofia Jwa- noff, der Chef der Garnison General Slata- n o f f, der Chef des Generalstäbes General P e e f f, der Rektor der Universität Prof. M a n e f f, die frü­heren Ministerpräsidenten Muschanoff, Zan- koff, Malinoff und D a n e f f, der Berliner bulgarische Gesandte K a r a d j o f f, der bulgarische Oberst I e k o f f, der Landesgruppenleiter Bulga­riens der NSDAP. Herold und viele andere Persönlichkeiten^

Kranzniederlegungen.

Sofia, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) Reichs­außenminister Freiherr von Neurath legte am Donnerstagvormittag auf dem bulgarischen und dem deutschen Heldenfriedhof mit dem Hakenkreuz ge­schmückte Lorbeerkränze nieder. Die Kranz­niederlegung am Grabe des Unbekannten Soldaten war mit einer militärischen Feier verbunden. Beim Betreten des Heldenfriedhofes wurde Freiherr von Neurath von Kriegsminister Lu ko ff, dem Chef der Garnison Z a t a n o f f, dem Chef des Generalstabes General Peeff herzlich begrüßt. Seit den frühen Morgenstunden waren die An- sahrtstraßen bis zum Friedhof von einer dichten Menschenmenge umsäumt, die dem Reichsaußen- minister wie bei seiner Ankunft immer wieder leb­hafte und herzliche Kundgebungen dar­brachte.

tionelle Freundschaft zwischen Deutschland und Bul­garien ist auch nach dem Kriege bestehen geblieben. Sie wurde niemals getrübt, obwohl beide Völker schwere Jähre durchgemacht haben. Niemand könne dem großen Führer des deutschen Volkes das Verdienst absprechen, daß er der erste war, der die Frage der Gleichberechtigung der Völker aufgerollt hat und der es vermochte, die Fesseln des Friedens­diktates zu sprengen. Dies ist auch den kleinen Staaten zugutegekommen, wie z. B. Bulgarien, das weder Mittel noch Möglichkeiten besaß, sich allein richtig zu verteidigen. Insbesondere freuen wir uns, daß Reichsaußenminister von Neurath Bulga­rien in dem Augenblick besucht, in dem das inter- natioale Ansehen Deutschlands stark gewachsen ist und die Außenpolitik des Dritten Reiches Erfolg auf Erfolg aufweist. Der Besuch Herrn von Neu­raths entspricht den Anstrengungen der Reichs­regierung um die Wahrung des Weltfrie­dens, wenn auch Bulgarien dem erbitterten Kampf nicht gleichgültig gegenübersteht, den das heutige Deutschland mit dem Bolschewismus führt, unter dessen Zersetzungs- und Wühlarbeit Bulgarien von allen Völkern wohl am meisten gelitten hat. Das Blatt schließt seinen Leitartikel mit den deutschen WortenHerzlich willkommen!"

Vorkämpfer des Friedens.

Zum Abschluß von Neuraths Besuch in Belgrad.

Belgrad, 9. Juni. (DNB.) Das halbamtliche Vreme" stellt aus Anlaß des Abschlusses der Be­sprechungen zwischen dem Reichsaußenminister von Neurath und dem Ministerpräsidenten Stoja- d i n o w i t s ch im Leitartikel fest, daß Herr von Neurath in Belgrad herzlich und mit Achtung emp­fangen und als Vorkämpfer des Friedens begrüßt worden sei. Das Wehen der Hakenkreuz­flaggen in den Hauptstraßen von Belgrad aus An­laß seines Besuches sei von der Bevölkerung sym­bolisch als bedeutsames Ereignis empfunden worden. Der Besuch des Herrn von Neurath bedeute keinerlei Umbruch, sondern nur die B e s e st i g u n g einer Politik, die den Frieden der Welt ver­teidige und Europa vor Erschütterungen bewahren wolle. Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit Deutschlands und Jugoslawiens habe durch die Unterredungen zwischen Herrn von Neurath und Dr. Stojadinowitsch nur die endgültige Formulierung ihrer Methode und ihres Planes gefunden. Die politische Einstellung Jugo­slawiens gegenüber Deutschland habe schon bisher glückliche Ergebnisse gezeitigt und es sei zu hoffen, daß das auch in der Zukunft der Fall sein werde. Diese jugoslawische Haltung habe ihre feste Grund­lage auch in dem Verständnis, das Deutschland für das jugoslawische Volk immer in der Vergangenheit bewiesen habe.

Am Grabe König Alexanders I.

Belgrad, 9. Jüni. (DNB.) Dem Reichsaußen­minister Freiherrn von Neurath wurde auf der Fahrt zur Grabstätte König Alexanders I. von der Bevölkerung der Stadt Mladenowatz ein überaus herzlicher Empfang bereitet. Am Bahnhof begrüßte ihn der Bürgermeister der Stadt mit einer Gruppe serbischer Mädchen in Nationaltracht, von denen eines ihm einen Blumenstrauß über­reichte. Am Mausoleum der Dynastie Karageorgi- wirsch in Topola wurde der Reichsaußenminister von mehreren höheren Offizieren empfangen. Frei­herr vonNeurath begab sich darauf zum Grabe König Alexanders I., wo er einen großen Kranz mit H a k e n k r e u z s ch l e i f e nie b erlegte. In Topola fuhr der Reichsaußenminister mit seinen Begleitern' auf den Avala-Berg bei Belgrad, wo er am Grabe des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegte. Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch gab dann zu Ehren des Reichsministers ein Abschiedsfrühstück.

Von Belgrad nach Sofia.

Angenehme Eindrücke und Erinnerungen.

Belgrad, 9. Juni. (DNB.) Reichsaußenminister Frhr. v. Neurath ist mit seinen Begleitern am Mittwoch gegen 17 Uhr von Belgrad nach Sofia weitergeflogen. Zur Verabschiedung des Reichsaußenministers auf dem Flugplatz waren u. a. erschienen der Ministerpräsident und Außen­minister Dr. Stojadinowitsch mit den höhe­ren Beamten des Außenministeriums, Platzkom­mandant General Tomitsch, Divisionskomman­dant General Aratschitsch, die Gesandten Oe­sterreichs, Ungarns und Bulgariens, der deutsche Gesandte von Heeren, alle Herren der deutschen Gesandtschaft, der Landesgruppenleiter der NSDAP., Generalkonsul Neuhausen, und die reichsdeutsche Kolonie Belgrads. Eine Militärkapelle spielte, als Freiherr von Neurath den Flugplatz be­trat, das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied sowie die jugoslawische Hymne. Der Reichsaußen­minister schritt darauf in Begleitung Dr. Stoja- d i n o w i t s ch s die Ehrenkompanie des 18. Jnf.- Reglments ab. Der Abschied des Reichsaußenmini­sters von Dr. Stojadinowitsch und den anderen Persönlichkeiten war überaus herzlich.

Belgrad, 9. Juni. (DNB.) Die hiesige haupt­amtliche Agentur Avala veröffentlicht folgende E r - flärung des Reichsaußenministers Freiherrn von Neurath, die dieser der Agentur vor der Abreise gegeben hat:

Zum Abschluß meines Besuches möchte ich noch einmal aussprechen, mit wie angenehmen Eindrücken und Erinnerungen ich von Belgrad scheide. Ihre so rasch aufblühende schöne Hauptstadt mit ihrer fühlbar starken Dynamik hat auf mich wie ein lebendiges Zeichen der schöpfe­rischen Kraft des jugoslawischen Vol- k e s gewirkt. Die Fahrt zum Oplenatz, wo ich in der Abgeschlossenheit eines nationalen Heiligtums ihres großen verstorbenen Königs gedachte, gab mir Gelegenheit, auch einen Teil der landschaftlich so reizvollen Schumadija und deren prächtigen Menschenschlag zu sehen. Ich kann nur noch beto­nen, daß mich die freundschaftliche Atmosphäre, die ich überall vorfand, auf das Angenehm st e berührte, und daß mir mein Belgrader Auf­enthalt eine dauernd schöne Erinnerung bleiben wird.

Sympathiekundgebungen beim Empfang in Sofia.

Sofia, 9. Juni. (DNB.) Reichsaußenminister Freiherr von Neurath traf am Mittwoch um 17.15 Uhr im Sonderflugzeug zum Besuch der bul­garischen Regierung in Sofia ein. Auf dem mit

London, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Frühpresse verzeichnet allgemein, daß die englischen Vorschläge zur Sicherheit der Ueberwachungsschisfe von den übri­gen konlrollmächlen angenommen seien und daß diese Vorschläge nur noch ihrer endgültigen Fassung bedürften, um dann dem Richteinmischungs- ausschuh vorgelegt zu werden.

Der diplomatische Korrespondent derTimes" schreibt, die britischen Vorschläge würden in unmit­telbaren Besprechungen in London fertiggestellt. Es bestehe Anlaß zu der Hoffnung, daß der endgül­tige Wortlaut des Abkommensentwurfes i n K ü r z e ausgearbeitet fein mürbe.

Der diplomatische Berichterstatter derMorning Post" berichtet, die diplomatischen Besprechungen in London begännen am heutigen Donnerstag. Es sei zu hoffen, daß ein endgültiges Abkommen zu- ftandekomme, um eine Wiederholung des Deutschland" - Zwischenfalles zu ver­meiden.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" spricht gleichfalls die Hoffnung aus, daß im Anschluß an die in London beginnenden diploma­tischen Besprechungen in Kürze ein Abkommen zu­stande käme. Es sei zu hoffen, daß bestimmte G e - dankengänge Frankreichs im Hinblick auf eine Engergestaltung der Überwachung im neuen Entwurf ausgenommen würden, darunter die An­regung vonneutralen" Beobachtern auf den lieber- wachungsschiffen. Vermutlich werde man außerdem die Möglichkeit einer Beteiligung anderer Mächte offenlassen. Das werde man tun, um im voraus Sowjetrußlands Einwänden zu begegnen, denn Sowjetrußland stehe jedem Plan feindlich gegenüber, der einem Abkommen der vier Mächte gleichkomme, die sich das Recht oorbehielten, gewisse Aktionen selbst zu entscheiden.

Der diplomatische Korrespondent desDaily He­rold" meint, daß neue Abkommen zwischen den Uebrwachungsmächten sei bereits sichergestellt. In amtlichen Londoner Kreisen zeige man große Z u- o erficht; allerdings sei es möglich, daß sich die Bolschewisten von Valencia ablehnend verhielten. Allem Anschein nach habe Valencia eine entspre­chende Anweisung von Moskau bekommen oder den Befehl, jeden Vorschlag, der nicht vom Nichtein­mischungsausschuß, also den vier Ueberwachungs- mächten, komme, rundweg abzulehnen.

Italien ehrt seine gefallenen Marineoffiziere.

Rom, 9. Juni. (DNB.) Zur feierlichen Ueber = führung der sechs italienischen Marineoffiziere, die dem feigen Angriff bolschewistischer Flugzeuge auf das italienische FlottenhilfsschiffBarletta" zum Opfer gefallen find, ist aus Neapel ein aus dem KreuzerBolzano" und vier Torpedojägern beste­hendes Geschwader nach Palma de Mallorca ausge­laufen. Die gefallenen Offiziere werden auf dem KreuzerBolzano eingeschifft. Am Samstagvor­mittag wird das faschistische Italien seine Gefallenen mit allen militärischen Ehren in Neapel empfangen und als Helden, die im Dienst am internationalen Frieden unter bolschewistischen Bomben ihr Leben ließen, in die Heimat zur Ruhe geleiten.

Lc</l von sowjetspanischen Kriegsschiffen beschossen.

London, 9. Juni. Nach einer Reutermeldung aus Gibraltar beschossen in der Nacht zum Mittwoch zwei sowjetspanische Kriegsschiffe, die ab­geblendet fuhren, die nationalspanische Hafenstadt Ceuta in Marokko. Die Küstenbatterien von Ceuta erwiderten das Feuer und vertrieben die Schiffe.

Deutschland im Südoffen.

Wenn im Auslande die Reise des Reichsaußen­ministers Freiherrn von Neurath nach Budapest, Belgrad und Sofia Beachtung findet, so ist das gut und nützlich, wenn darüber hinaus aber auch fest- gestellt wird, daß das Verhältnis Deutschlands zu den Staaten im Südosten auch erheblich zur Be­friedung Europas beigetragen hat, so ent­spricht das den Tatsachen. Gerade Ungarn, Südsla- roien und Bulgarien geben einen Anschauungs­unterricht von den gefährlichen Ränken und Schli­chen der Versailler Politik, um durch Gegensätze aller Art so etwas wie eine Vorherrschaft über Südosteuropa aufrechtzuerhalten. Die Politik des neuen Deutschland hat diese Gefahren nicht nur rechtzeitig erkannt, sondern von sich aus alles getan, um Gegensätze zu überbrücken und Reibungsflächen auszuschalten. Das war und ist nicht einfach, denn im Südoften war nicht nur der Gegensatz zwischen Italien und Jugoslawien vorhanden, sondern auch der Gegensatz zwischen Jugoslawien auf der einen und Bulgarien und Ungarn auf der anderen Seite. Dieser Gegensatz war besonders gefährlich, denn er war geschaffen dadurch, daß in den Versailler Por­zellanverträgen von Bulgarien und Ungarn Volks­teile abgetrennt wurden, um sie mit Jugoslawien aber auch mit Griechenland und Rumänien zusam- menzufchweißen. Abgesehen davon, daß es sich bei diesen Volksteilen auch um die Gebiete handelte, die von ihnen besiedelt waren und sind, Gebiete aber, die wirtschaftlich und verkehrstechnisch von großer Bedeutung für Bulgarien und Ungarn wa­ren, schufen sie den Begriff von Minderheiten nur zu dem Zweck, immer neue Verwicklun­gen hervorzurufen. Es wurde dafür gesorgt, daß die Minderheiten nicht zur Ruhe kamen, denn es ist kennzeichnend für diesen Wirrwarr, daß die Min­derheiten in diesem oder jenem Lande sehr oft Weisungen' aus dem Auslande erhielten. Diese Po­litik wurde getragen und unterstützt von dem Klei­nen Verband, wurde noch verschärft durch den Bal­kanvertrag, der sich unter Umständen gegen Bul­garien richten konnte, so daß nach menschlichem Er­messen eine Befriedung des Südostens kaum zu er­reichen war.

Es ist das Verdienst des neuen Deutschland, daß seine Politik im Südosten von Anfang an darauf gerichtet war, ein gutes Verhältnis mit den Nachfolgestaaten im Donauraum sicherzustellen, was in der Hauptsache heute wohl als erreicht bezeichnet werden kann. Diese Politik der Befriedung hat aber noch andere Früchte getragen, die sich darin aus­gewirkt haben, daß auch die Staaten im Südosten, die aus Gegensätzen nicht herauskommen sollten, sich trotz dieser Gegensätze zurechtfanden. Es steht außer Frage, daß die Politik Deutschlands im Siid- often auch Ungarn, Südslawien und Bulgarien gut bekommen ist, also den Ländern, denen zunächst die Reise des Reichsaußenministers gilt. Dies Gutbe­kommen ist in mehrfacher Hinsicht zu verstehen, zu­nächst wirtschaftlich, sodann politisch. Wirtschaftlich insofern, als der gegenseitige Warenaustausch mit Deutschland sich so günstig entwickelte, daß das auch auf die politische Freiheit und Unabhängigkeit dieser Länder vorteilhaft eingewirkt hat. Jedenfalls hat Bulgarien im Verhältnis zu 1932 wirt­schaftlich und sozial kräftige Fortschritte gemacht, wie auf der anderen Seite Jugoslawiens Wirtschaft und Außenhandel wieder beträchtlich zu erstarken beginnt, seitdem sich das Land das Verhältnis zu seinen unmittelbaren Nachbarn neu geordnet hat. Wenn heute sogar das Verhältnis zwischen Jugo­slawien und Ungarn zum mindesten als entspannt bezeichnet werden muß, so liegt darin ein Verdienst um die Befriedung Europas, an der das neue Deutschland einen erheblichen Anteil genom­men hat. Das zeigt auch wieder, daß das neue Deutschland ehrlich und aufrichtig bemüht ist, über die gefährlichen Gegensätze und Klippen hinwegzu­kommen, die die Versailler Politik besonders im Südosten geschaffen hat. Diese ehrliche Politik der Befriedung wird im Südosten besser erkannt und gewürdigt als etwa in Prag oder in Genf. Dieser Politik dient auch die Reise des deutschen Außen­ministers, denn es kommt darauf an, nicht nur das Verhältnis zu Deutschland fester zu gestalten, son­dern auch die Beziehungen der Staaten im Süd­osten im Sinne gegenseitiger Befriedung zu beein­flussen. Das neue Deutschland hat diese Politik aus der Ueberzeugung heraus ausgenommen, daß nur ein Abbau der Gegensätze Ausgleich und Befriedung schaffen kann. Alle Quertreibereien, wo­her sie immer auch kommen mögen, werden daran um so weniger andern, als auch die Länder im Südosten die Erfahrung gemacht haben, daß ihnen die wirkliche Befriedung wirtschaftlich und sozial, politisch und national doch mehr nützt als etwa die Taktik des Kleinen Verbandes. SS.

Geburtstagsparade

zu Ehren König Georgs VI.

London, 9. Juni. (DNB.) Am Mittwoch wurde in London offiziell der Geburtstag des Kö­nigs gefeiert, obwohl das eigentliche Geburtstags­datum der 14. Dezember ist. Man hat den offiziellen Geburtstag auf den 9. Juni verlegt, weil Georg VI. kurz vor feinem eigentlichen Geburtstag den Thron bestiegen hatte. Am Vormittag nahm der König in Gegenwart der königlichen Familie eine Trup­penparade auf dem Paradeplatz der Garde­kavallerie ab. Als der König in Begleitung feiner Brüder an der Spitze einer Abteilung königlicher Gardekavallerie auf dem Paradeplatz erschien, wurde er von einer dichten Menschenmenge jubelnd begrüßt. An dem glänzenden Schauspiel der Fah­nenparade nahmen auch die ausländischen Militär­attaches teil.