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zahl wird diese Hebung mit der Ernennung zum überzähligen Sanitätsfeldwebel der Re­serve beenden können. Dann tritt das ungestörte zivile Studium in sein Recht, Vorprüfung und Staatsexamen müssen bestanden werden, und das Praktische Jahr ist als Medizinalpraktikant in der üblichen Weise in einem beliebigen Krankenhaus abzuleisten. Die Bestallung als Arzt schließt es ab. Jetzt kommt der Zeitpunkt, an dem der Mediziner das an seiner zweijährigen Wehrverpflichtung noch fehlende halbe Jahr abdienen muß. Unter

XI.

Costa Rica.

Nur wenige Tage sind es wieder, angefüllt mit Arbeit und dienstlicher Befriedigung, die uns von dem kleinen Hafen Port Limo n an derReichen Küste" Zentral-Amerikas trennen. Schon der erste Seetag ist wieder ein Tag von besonderer freudi­ger Feierlichkeit. Am 18. Januar, dem Reichs- gründungstag, feiern wir gesund und in kameradschaftlicher Verbundenheit, die das gemein­same Erleben und Wirken hier draußen besonders stark ausgeprägt hat, unser Bergfest. Am 12. Oktober 1936 liefen wir aus, und am 22. April sollen wir im heimatlichen Wilhelmshaven wieder in der Schleuse festmachen. Mählich neigt sich die Kurve unserer Reise wieder der Heimat zu, der uns jeder neue Hafen nun näher bringt. Zum erstenmal darf die Kapelle das traditionelle Samoa-Lied spielen:Holdrio! Jetzt gehts zur Heimat! Hol­drio! Jetzt gehts nach Haus!"

Ein erfrischender Tropenregen fällt des Nachts aus den schweren, von achtern aufkommenden Wol­kenmassen. Ueberall werden Baljen und Pützen aufgestellt und der Wasserregen mit mehr oder weni­ger Geschick im Sonnensegel aufgefangen. Als Waschwasser ein dankbar wahrgenommener Zusatz, denn unser Frischwasser ist knapp geworden und es heißt wieder überall sparen, da wir erst in Haiti wieder Wasser nehmen können. Unser braver Be­gleitdampferRudolf Albrecht" läuft mit uns ein, und geht am nächsten Morgen vor unserm JBug zu Anker zur Brennstoffübernahme. Das Längs- feitkommen ist bei der starken Dünung auf der Reede von Simon unmöglich.

Port Simon: Ein sauberes aufblühendes Hafenstädtchen, durch die ideale Sage an den Zu­fahrtswegen von Nordamerika und Westindien nach Panama und durch den blühenden Touristenverkehr aus den Staaten in steigender Entwicklung begrif­fen. Es ist eine junge Gründung, die erst seit dem Bau der Eisenbahn durch die hier alles beherrschende United-Fruit-Eompany entstanden ist. Daher breite ' saubere Straßen und schattige Plätze, obwohl die Bevölkerung hier fast ausschließlich aus Negern und Mischlingen besteht, die als Arbeiter auf den Plan­tagen oder in dem Betrieb der Company tätig sind. Man hat die Neger aus Jamaika herüber gesiedelt, da die Costaricenser selbst das feuchtheiße Küsten­klima nicht vertragen. Die Angestellten der Com­pany und die Europäer wohnen fast alle draußen vor der Stadt in derZone", einer parkartig an­gelegten in sich geschlossenen Siedlung, deren luftige, -meist einstöckige Häuser, von breiten moskitonetz- vewehrten Veranden umgeben, sich nahe am bran­denden Meeresstrand unter schattigen Palmen an­mutig um das Community-House gruppieren. Hier läßt es sich schon leben, ein Hospital, Tennisplätze und Badeanstalt sind vorhanden, alles Eigentum der Company. Ihr gehört auch die große hölzerne Lan- dungsbrücke^ wo täglich die fauchenden alten Soko­motiven Waggon auf Waggon mit Bananen, Kakao und Früchten von den Pachtfarmen rings in dem fruchtbaren Küstengebiet zum Umschlag auf die Frachtdampfer bringen. Nicht nur die Eifenbahn -nach der Hauptstadt, das von wenigen Jahren noch einzige Verkehrsmittel, sondern auch das größte Hotel dort oben in San Josä und vieles andere ist. mit amerikanischem Geld gebaut und gehört der H.-F.-C., die alle anderen Unternehmungen, die den Versuch wagten, Konkurrenz zu machen, rettungslos

! übergeschluckt oder ausmanövriert hat.

Geld regiert die Welt jedenfalls die neue Welt, das stellt man hier drüben immer wieder fest! Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb die unge­heuren schlummernden Bodenschätze all dieser rei­chen Sänder Satein-Amerikas erst in verschwinden­dem Umfange erschlossen und ausgebeutet werden. Wer erinnert sich nicht mehr daran, daß vor weni­gen Jahren brasilianischer Kaffee und andere wert- uolle Produkte tonnenweise ins Meer geschüttet

Ernennung zum überzähligen Unterarzt der Reserve wird er am 1. des auf die Bestallung folgenden Monats in seine Sanitätsabteilung wie­der eingestellt und darf beweisen, daß er zu seinen erworbenen soldatischen Fähigkeiten sich nunmehr auch ein gutes ärztliches Wissen angeeignet hat. Hat er in dieser Zeit bewiesen, daß er ärztliches Können mit soldatischer Art und Führereigenschaften verbinden kann, so besteht die Möglichkeit, ihn am Ende dieser Dienstzeit zum Offizier: zum Assi­stenzarzt der Reserve zur Wahl zu stellen.

wurden, um bei der katastrovhalen Weltmarktlage die erzeugenden Länder vor dem Ruin zu bewah­ren? Millionenwerte harren heute noch des Ka­pitals und der entschlossenen Unternehmer, die sie ihrem jahrhundertlangen Schlaf entreißen und in die ungeheure Mühle der Weltwirtschaft strömen lassen werden, morgen ober in Jahrzehnten erst? Zum Segen ober Fluch für die Menschheit?

Nur 550 000'Einwohner leben auf den 48 000 Quadratkilometer dieses reichen Landes; bas bedeu­tet kaum zwölf auf den Quabratkilometer. Zwei hohe Gebirgsketten durchziehen Costa Rica in südöst­licher Richtung, nördlichste Ausläufer der Kordille­ren, die Brücke zwischen ben Anden Südamerikas und den Rocky Mountains der Staaten. Im Hoch­land von San Jos6, wo die Hauptstadt in 1100 Meter Höhe und angenehm kühlem Klima gelegen ist, stoßen beide Hochgebirge zusammen. Zahlreich sind die zum Teil noch tätigen Vulkane, deren wich­tigste, der Jrazu und Turri-Alba sich im Norden bis zu 3500 Meter erheben. Die südliche Kordillere von Salamanca ist zum Teil noch unerforscht. Wäh­rend das Gebirge im Osten sich über Hochebenen, fruchtbare Talsenken mit zahlreichen Wäldern und Flüssen allmählich zum Meere hinsenkt, fällt es im Westen steil zur pazifischen Küste ab. Diese ist reich gegliedert und bildet mit der Halbinsel Nicoya den gleichnamigen Golf, der die Hafenstadt Punta- r e n a s schützt. Dieser einzige und wichtige Hafen am Stillen Ozean ist wie Port Limon durch eine Eisenbahn mit der Hauptstadt verbunden.

Die Bevölkerung des Landes besteht fast durchweg aus Kreolen, den Nachkommen der fpa- nischen Eroberer. Dies hat feinen Grund in der geschichtlichen Entwicklung. Einmal waren die Ur­einwohner (Indianer) nicht gewillt, sich mit den spanischen Eroberern zu vermischen, die sie auch hier in langen erbitterten Kämpfen verdrängt und fast völlig ausgerottet haben. Diese waren wiederum nicht in ber Sage, sich Negersklaven zu kaufen. Das so ziemlich rein erhaltene weiße Element wurde im Saufe der Zeit durch den Zuzug von europäischen Einwanderern weiter verstärkt. Nur in dem feucht­heißen Klima der Küstenzone leben zahlreiche, von den Inseln herübergeholte Neger und Mischlinge als Arbeiter auf den Plantagen.

Während wir uns in den wach- und dienstfreien Stunden mit Tennisspielen, Baden und Gesellig­keit die Zeit vertreiben, mit den Mitgliedern des uns bereitwillig geöffneten Miramar-Clubs, dem auch zahlreiche amerikanische Familien angehören, fährt eine große Abordnung von 125 Mann für vier Sage auf Einladung der Deutschen Kolonie von San Jose hinauf in die angenehme Kühle der Hauptstadt, wo sie unvergeßliche Sage als Gäste unserer Sandsleute in der Stadt und auf den um­liegenden Finkas (Farmen) verleben dürfen. Als besonderes Ereignis findet am Sonntag, dem 24. Januar, der Marsch einer eigens durch den Prä­sidenten eingeladenen und im Extrazug hinauf­beförderten Ehrenkompanie durch die Stadt mit Kranzniederlegung am Denkmal des Nationalhel­den Juan Santa-Maria und anschließendem Vor­beimarsch unter lebhafter Anteilnahme der Bevöl­kerung statt. Ein ganzes Hotel ist für unsere Sol­daten gemietet, und bis Montag mittag lassen es sich unsere Seeleute, die durch den vorzüglichen Ein­druck ihres Auftretens die beste Propaganda für Deutschland leisten dürfen, hier von Herzen wohl­sein. Am Abend findet auf dem Dachgarten des Hotels ein Tanzfest statt, das alle mit der deut­schen Kolonie und mit zahlreichen Vertretern be§ Gastlandes in Fröhlichkeit und Freundschaft bis in den frühen Morgen vereinigt. Am Montag­morgen weckt ein Ständchen unseren Kommandan­ten an seinem Geburtstag. Zahlreiche und herzliche Ehrungen ynd Glückwünsche werden ihm zuteil und machen den Aufenchalt in Costa Rica zu einem besonderen Höhepunkt der schönen und erfolgreichen Reise für unseren verehrten Kommandanten.

Auf seine Einladung zu einem Besuch des Schif­fes sagt der Präsident, Exz. Cortez, ein auf­

richtiger und überzeugter Freund und Verehrer Deutschlands, freudig zu und erscheint am vorletzten Sag, von seiner Familie und einem zahlreichen Stab begleitet, an Bord. Die Besatzung ist anaetre- ten und' auf einem Rundgang durch das Schiss wird Geschützexerzieren der schweren und Mittel­artillerie vorgeführt, was das lebhafte Interesse des hohen Gastes und feiner Begleitung findet. Nach einem Frühstück beim Kommandanten verläßt der Präsident, unter 21 Schuß unserer Salutbatterie, nach herzlichem Abschied dasSchiff. Das große An­sehen Deutschlands in diesem hochkultivierten mit­telamerikanischen Staat ist in erster Sinie ein Ver­dienst unserer starken und einflußreichen Kolonie in San Jose, deren hervorragendste Vertreter, die teilweise schon seit Jahrzehnten dort ansässig sind, im Wirtschaftsleben des Sandes eine große Rolle spielen und häufig mit den Söchtern alt ein­gesessener costarizensischer Familien verheiratet sind, ohne dadurch in ihrem Deutschtum und ihrer völ­kischen Eigenart Einbuße erlitten zu haben.

Während gerade auf dem sonnenheißen Fuß­ballplatz in Simon ein Wettspiel mit dem dortigen Sportklub ftattfinbet, welches trotz der gewaltigen Hitze mit einem ehrenvollen Sieg unserer Mann­schaft endet, läuft der Extra-Zug mit der zurück­kehrenden Kompanie im Hafen ein. Singen, Mützen- schwenken und luftiger Zuruf auf beiden Seiten begeistert berichten die Kameraden von den unver­gleichlichen Eindrücken dieser Reise nach der Haupt­stadt. Sechs Stunden lang windet sich der Zug hinauf durch die Kordillere, mit herrlichen Aus­blicken über fruchtbare Säler und Flüsse, über die reichen Pflanzungen hin zum Meer, bis er zu der Hochebene von San Jose durchbricht. Ein reiches, friedliches und gesegnetes Sand im Herzen der mit- telamerikanifchen Feftlandbrücke, an ihrer schmälsten Stelle zwischen Nicaragua im Norden und Panama im Süden gelegen, bietet Costa Rica alle erdenk­lichen Abwechslungen in Klima und Vegetation und eine Fülle von Naturschönheiten. Hier wächst der beste Kaffee der Welt, Kautschuk und Nutzhöl­zer liefern die ausgedehnten Wälder und in den riesigen Pflanzungen an der atlantischen Küste ge­deihen Kakao und zahlreiche tropische Früchte. Auch die Bodenschätze, die größtenteils noch der Erschlie­ßung harren, schieben sich bis dicht an die Küste heran.

Viel haben wir im Hafen Gebliebenen von der Schönheit und den Sehenswürdigkeiten des Sandes nicht zu sehen bekommen. Doch jeder geht gerne die Wache der Kameraden mit, die auf diese Weise das Glück haben, in die lockenden Geheimnisse des un­bekannten fremden Sandes einen kleinen Einblick zu tun.Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps" sagt ein altes Soldatenwort Nächstesmal find wir daran! Mit dem Auslaufen am 28. Januar verlassen wird endgültig den amerikanischen Konti­nent, der uns so viel interessante und nachhaltige Eindrücke vermittelt hat, um den kleinen Hafen Cap Haitien im Norden der Republik Haiti auf der gleichnamigen Insel als Ausbilbungshafen und Basis für das Artillerieschießen anzulaufen.

Aus aller Wett.

Dom Bau desLZ 130.

Aus Friedrichshafen wird gemeldet: Die Arbeiten an dem LuftschiffLZ 130" gehen rasch vor­wärts. Es sind bereits sämtliche Haupt- und Hilfs­ringe des Schiffskörpers montiert, und auch die Tragverfpannungen find gezogen. Die Bugfpitze und ein Teil des Gerippes sind verkleidet. Auf hohen fahrbaren Settern und auf schwebenden Plattfor­men, die sich an ebenfalls fahrbaren Kranen unter dem Dach der Halle entlang bewegen, geben die Maler dem Schiff seinen ersten silberglänzenden Anstrich. Im Innern des Gerippes sind viele Hände schon mit dem Ausbau der Fahrgasträume beschäf­tigt.LZ 130" wird 70 Ueberseefahrgästen Raum bieten. In der Führergondel ist der Einbau der Steuer- und Navigationsräume im Gange. Die vier Motorengondeln find montiert, die Brennstofftanks eingebaut. Zwischen den mit fobalblauem Safurlatf überzogenen Gerippteilen führt der sog. Achsiallauf- fteg mitten durch das Schiff. Es ist damit zu rech­nen, daß das Schiff im Herbst feine erste Werk­stättenprobefahrt unternehmen kann.

Dom Führer begnadigt.

Der Führer und Reichskanzler hat die vom Schwurgericht in Königsberg wegen Mord e s zum Tode verurteilte Erna Schröter aus Kö­nigsberg zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren begnadigt. Die Verurteilte hat in einer Per- zweiflungsstimmung ihren Ehemann, einen vielfach vorbestraften Trinker und Syphilitiker, der sie jahrelang in der brutalsten Weise mißhandelte, durch Eingeben einer zu starken Dosis Schlafmittel getötet.

Zahl der Rundfunkteilnehmer am 1. März.

Am 1. März betrug die Gesamtzahl der Rund­funkteilnehmer im Deutschen Reich 8 483 130 gegenüber 8 381 139 am 1. Februar. Im Saufe des Monats Februar ist mithin eine Zunahme von 101991 Teilnehmern (1,2 v. H.) eingetreten. Unter der Gesamtzahl vom 1. März befanden sich 621 589 gebührenfreie Anlagen.

Indischer Wärter von einem Elefanten getötet.

Der Inder S u k l a y , der seit einigen Jahren bei der Betreuung der Elefanten im Zoologischen Garten in Hannover half, wurde beim Reinigen des Geheges von einem Elefantenbullen angefallen, mit dem Rüffel umklammert und gegen einen eisernen Träger gedrückt. Als kurze Zeit später Hilfe eintraf, war der Wärter von dem Tier bereits fo zugerichtet worden, daß er bald darauf starb. Luklay, der feine Betreuungsarbeit zuverlässig und geschickt ausgeübt hatte, war schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht worden, den in der Brunstzeit befindlichen Bullen sorgfältig zu beobachten. Anscheinend hat er die Warnungen nicht genügend ernst genommen und sich auf seine große Vertrautheit mit dem Tier verlassen.

Iahrmarktsbefucher von auAbrechender Viehherde niedergetrampett.

Auf dem Viehmarkt von Niort (Westfrankreich) wurden 200 Rinder, die je zwei und zwei anein­andergebunden waren, aber frei umherstanden, durch ein hereinbrechendes Gewitter unruhig und rannten erschreckt auf das Jahrmarktgelände. Etwa 50 Personen, meist Frauen und Kinder, wurden niedergetrampelt. Nur mit vieler Mühe ge­lang es, die Tiere wieder zu beruhigen. 30 Per­sonen find verletzt worden, davon acht schwer.

Bedrohliche hochwasserlage in der Weichfel- niederung.

Die Lage in der Weichselniederung hat sich in­folge des Hochwassers außerordentlich ver­schärft. Die fast durchweg von deutschen Bauern bewohnten Dörfer sind auf das schwerste bedroht. Es ist das erstemal, daß die Weichsel durch eine Eisbarriere von 25 Kilometer Länge gestaut wird. Dazu kommt, daß auch aus Der Wojwodschaft Kielce eine Hochwasserwelle mit Eisgang gemeldet wird. Bssi einem weiteren Steigen des Brahe-Pegels rech­net man in Bromberg mit einer Hochwasserkata- strophe.

Der Verkehr in Schottland durch Streik tahmgelegt.

In Schottland ist es zu einem Streik der Autobusführer und Autobusschaffner gekom­men, an dem rund 10 000 Angestellte beteiligt sind, die gegen eine Lohnherabsetzung protestieren. Weite Gebiete Schottlands sind aller Verkehrsmöglich­keiten beraubt. Einige Städte sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten.

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des Reichswekkerdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Die Luftdruckverteilung über Europa zeigt noch immer große Unregelmäßigkeit. Eine rasch von Westen nach Holland vorgestoßene Tiefdruckstörung bringt uns von ihrer Westseite her eine lieber« Hutung mit Kaltluft, die sich vor allem in Der Höhe auswirkt unD Durch ihr Zusammensinken vorüber­gehend Die Witterung etwas freundlicher gestaltet. Im Laufe des Donnerstag kann jedoch schon wieder mit dem Eingreifen einer neuen Störung gerechnet werden.

Aussichten für Donnerstag: Zunächst zeitweise aufheiternd und nachts Frost, erneut ein« setzende Verschlechterung mit Niederschlägen, in Rich­tung veränderliche Winde.

Aussichten für Freitag: Wechselhaftes, doch im ganzen unbeständiges und zu Nieder­schlägen geneigtes Wetter.

Lufttemperaturen am 9. März: mittags 4,6 Grad Celsius, abends 4,3 Grad; am 10. März: morgens 0,9 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum heute nacht 0,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. März: abends 3,7 Grad; am 10. März: mor­gens 3,1 Grad. Niederschläge 0,5 mm.

Hauptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen­leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II 37: 10 933. Druck- und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags

15 Pf., mit der Jllufttierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Mi>erSchleswig-Solfiein"ausSchuWffsreise

Don Karl Friedrich Birnbaum, Kapiiänleuinant.

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3d> kaufe Rita.

Von Andre Baron Ioelckersam.

Ein ganzes Jahr lang hab ich gespart: ich will mir einen Hund kaufen, einen Airedale-Terrier! Mit einem Mal, ich weiß nicht wie, wußten alle Hundezüchter, daß ich einen Hund suche. Aus allen stabten schrieben mir Hunde täglich Briefe und priesen sich an, als: sehr gut im Kopf, temperament­voll, wachsam, mit vorzüglichem Gebäude, gesund, ffolgfam, geflügelfromm, gelehrig, scharf auf Raub­zeug, stubenrein, kinderlieb, mannfest, gut andressiert, tm besten Alter. Möpse schrieben mir, Doggen, Spaniels, Rehpintscher, afghanische Windhunde, Pu­del, Dobermänner, Vorstehhunde, Maltheser, Teckel, Dalmatiner, Spitze und Pekinesen. Die Airedales fchwiegen.

Ich aber will nur einen Airedale haben! Einen Airedale mit einem blonden Bart. Nur einen Aire- öale! Ich annonciere, telephoniere, fahre umher, fehe mir einen an, den anderen. Einer hat eine zu Helle Nase, der andere rachitische Beine, und Der dritte keinen Bart. Da erfahre ich zufällig (jetzl weiß ich, Daß es Schicksal war), Daß in einem Hundezwinger außerhalb der Stadt junge Airedales verkauft werden. Als ich anrufe, erweist sich, daß lchon Drei anDere Käufer am nächsten Tag hin- fahren.

7.15 Uhr fährt Der erste Zug. Die ganze Nacht kann ich keinen Augenblick schlafen. Ob Die anDeren Käufer auch mit Diesem Zuge fahren? Um vier stehe ch auf. BalD merke ich, Daß es ein Ungluckstag ist. Beim Aufstehen zerschlage ich mir Das Schienbein, werfe fast Die Lampe um, schneiDe mich fünfmal beim Rasieren. Meine Wirtin meint, ich sollte an solch einem Unglückstage lieber nichts unternehmen. 21m wenigsten einen HunD kaufen! Auf Dem Bahn­hof komme ich eine StunDe zu früh an unD bin glücklich, in Ruhe eine Taffe Kaffee zu trinken. Da »rroeift es sich, daß Der Zug natürlich nicht um 7.15, onDern um 6.15 fährt, ich habe noch gerade Zeit, in ben abführenden Zug zu springen. Hungrig, böse, müde. Mißtrauisch sehe ich mir bie Mit­

' reisenden an: ob vielleicht bie anberen brei Käufer darunter sind?

Dreimal umsteigen. Dann mit dem Autobus wei­ter. Natürlich setze ich mich in den falschen. Er­fahre es erst an Der Endstation. Steige aus, warte enDIos unD habe genug Zeit, um mir auszumalen, wie Die anDeren Käufer sich Den schönsten Hund aussuchen. Nie, nie werde ich zu meinem Airedale kommen!

Ich fahre zurück. Steige aus. Wo ist Der Zwin­ger? Kein Mensch hat eine Ahnung. Endlich sagt jemand: gehen Sie Die Straße zurück bis ans Ende, Dann am Turmplatz vorbei, Dann Durch ein Wäld- chen, Dort biegen Sie einen kleinen PfaD ein, nein, nicht Den ersten, Den Dritten von links, Dann kom­men Sie an Der Waldschule vorüber, lassen Sie die Waldschule rechts liegen und halten Sie sich nach Süd-Ost, dann müßten Sie auf den Zwinger hinauskommen.

Ich drehe mich im Wäldchen in Die RunDe, mal hierher, mal Dorthin. Ich bin schon fest entschlossen, zum Autobus zurückzukehren, da höre ich plötzlicy bellen. Einen herrlichen Hundegesang aus vielen Kehlen. Es klingt wie Sphärenmusik. Da ist auch schon die Pforte. Ein reizender Mann kommt mir entgegen, der Zwingerbesitzer.

Und die Airedales, alle noch da?" frage ich erschöpft.

Weshalb sollten sie nicht da sein?"

Und die anderen, sind sie noch nicht gekommen? stoße ich hervor.

Wer denn? Wir erwarten keine weiteren Aire- dales."

Gott sei Dank, ich bin der Erste.

Endlich stehen mir vor dem Zwinger.Das sind Bärbels Kinder", sagt der Zwingermann. Sie haben doch sicher von Bärbel vom Tannenhof ge­hört. Mehrfacher Champion."

Aber gewiß!", beeile ich mich zu sagen. Und ich betrachte mit gewisser Ehrfurcht Bärbels Kinder: drei bärtige, freche Welpen, die durchs Gitter hin­durch kläffen, aufgeregt über den Besuch. Und schon stehe -ch mitten drin. Die drei stürzen sich auf mich, binden mir die Schuhriemen auf, lecken meine Hände mit rauhen rosa Zungen. Ein jeder ver­

sucht, zu gefallen. Da ist Rose vom Tannenhof, mit sentimentalem Augenaufschlag. Sie setzt sich schnell in Positur wie bei einem Photographen. Und Stropp, ihr Bruder, springt an mir hoch. Nur ein Airedalefräulein mit einem herrlichen Bart uno dunklen Augen kümmert sich nicht um mich. Sie wirbt nicht, sie preist sich nicht an und macht sich nicht wichtig. Sie ist hochmütig. Sie sitzt in Der Ecke unD spielt mit einem alten Schuh. Sie Denkt nicht Daran, sich um mich zu bemühen. Ab unD zu guckt sie mich frech an.

Das ist Rita.

Während ich mit Den anderen spiele, sie bewun­dere und mich mit dem Zwingermann über Ge­bäude und Kopfform des Airedale-Terriers unter­halte, muß ich immer wieder zu Rita Hinsehen. Und schon weiß ich genau, daß niemand anderes in Frage kommt, als sie.

Plötzlich steht Rita auf, im Maul den alten Schuh. Sie kommt langsam unD wedelnd heran unD legt mir Den Schuh vor Die Füße. Dann springt sie zurück, sieht mich an unD bellt laut unD erregt. Der Zwingermann preist Rita an und spricht über ihre vorzügliche Hinterhand. Was geht mich Ritas formvollendete Hinterhand an? Und wenn sie noch fo herrlich ist oder noch fo miserabel! Auch wenn Rita überhaupt keinen Bart hätte, würde ich sie lieben. Rita zupft an meinem Schlips, legt ihren Kopf auf meine Schulter und schaukelt sich vor lauter Zufriedenheit in Den Hüften. Aber schon sind Die anDeren Da und versuchen mich zu betören. Rose setzt sich sentimental hin, mit einwärts gebreljten Beinen und sieht mich mit schiefem Kopf verführe­risch an. Stropp nagt an meiner Hand, als wäre sie ein Hundekuchen.Ich habe Rita gewählt", sage ich dem Zwingermann. Er mochte sich mit mir über den geschäftlichen Teil unterhalten, aber ich mache ihm Zeichen, nur ja nichts in Ritas Gegenwart zu sagen. Und ich führe ihn weit fort, damit sie nichts härt. Schlimm genug, daß man Rita kaufen kann, für Geld. Wenigstens soll sie nichts von diesen pein­lichen Dingen merken.

Dann sitzen wir beide wieder zusammen und spielen mit Dem alten Schuh. Ich kann mich nicht

von Rita trennen. Der Zwingermann roirD schließ­lich ungeDulDig.

Der AbschieD kommt. Als ich fortgehe, sieht mir Rita nach, sie steht mit ihren Geschwistern am Git­ter. Einen Monat noch, bis ich zaufs Land fahre, müssen wir getrennt bleiben. Meiner Wirtin in Der Stadt fehlt es am Ende noch an Nachsicht und Güte, wenn Rita in ihrer Jugend Parkett und Waldboden verwechselt.

Ein neues Leben beginnt jetzt, für Rita. Ge­schenke sind zu besorgen: ein Gummiball, ein alter Schuh, ein riesiger Kalbsknochen und ein kobalt­blaues Halsband. Nach vier Monaten führe ich Rita in die große Welt ein, auf ihre erste Aus­stellung. Sämtliche Airedales werden vor Neid er­blassen, wenn sie diesen Bart sehen! Und über Ritas Schlafkorb stehen auf einem Regal ihre Preise wie bei einem Tennis-Champion: silberne Becher und Kristallbowlen, und an den Wänden hängen die Medaillen:

Rita vom Tannenhof!

Mondschein und Vogel,ug.

Die Frage, ob der Mond Einfluß auf den Vo­gelzug hat, ist schon öfters Gegenstand Der Erörte­rungen gewesen. Die Behauptung ist oft ausgestellt, meistens jeDoch von wissenschaftlicher Seite bestrit­ten roorDen. Es ist Daher die Zusammenstellung in­teressant, die Werner Hagen, Lübeck, in derHim­melswelt" über die Frühlingsankunftsdaten der Zugvogel aus den Jahren 1899 bis 1936 bekannt gibt, Dabei konnte er feftfteUen, daß sich diese Da­ten auf alle vier Monphasen durchschnittlich gleich­mäßig verteilen. Auch wenn bei der Berechnung nicht die einzelnen Phasen, sondern die Zeiten grö­ßerer oder geringerer Mondhelligkeit zu Grunde gelegt weden, ergeben sich keine Unterschiede. Ob­wohl die Beobachtungen aus diesen 38 Jahren nicht ganz so vollzählig und vor allem nicht fo gleich­mäßig find, wie man wohl wünschen mochte, zeigt das Ergebnis doch eindeutig, daß der Mond kei­nerlei Einwirkung auf den Vogelzug ausübt.