llr.256 viertes Blaff
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag. 9. Oktober W37
WMWWMÜ!
Roman von Bernhard Lonzer.
Urheberrechtsschutz-.
Lrfhur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68.
Fortsetzung ♦ (Nachdruck verboten.)
13.
Brt dichten Wogen flutete es durch den mit künft- lenichem Wurf und erlesenem Geschmack ausgestatte- ieil Saal. Entzückende Masken, wundervolle Kostüme, btranter hier und da der feierliche Frack. Trotz rintr gewissen Gemessenheit in der Art des Sichens herrschte doch ausgelassene Fröhlichkeit. Man Milte fröhlich sein an diesem Abend und war es.
tauschende Farben, blitzende Lichter, Musik und Men überall — das mußte auch den Schwerblü- ligfien aus seiner Zurückhaltung herauslocken und ihn einfügen in den Strom des Lebens, den em iimvoller Gedanke an diesem Abend entfesselt hatte.
Stefan war noch weit davon entfernt, sich als Selle von diesem Strom forttragen zu lassen. Bis (liegt war er unschlüssig gewesen, ob er das tfeft Dir lief) besuchen sollte oder nicht. Es waren da zu- ml innere Hemmungen gewesen. Nur der Gedanke ir Annelore hatte ihn schließlich bewogen, doch zu • tijpen., Vielleicht fand man hier leichter Gelegen- :ieif, ihr näherzukommen, als es zu Hause möglich :dqt. Suse mochte der gleichen Ansicht sein, sonst : Dar* sie am Vortage nicht noch einmal gegen seine unentschlossene Haltung Sturm gelaufen.
Bekannte, gleichfalls im Frack, sprachen ihn an, Mn nach einigen flüchtigen Worten wieder zu ver- jhVnden. Ein paar Masken riefen ihm etwas zu. Cir Ijörte kaum hin. Eine Papierschlange fing ihn Mnselnd em. Gleichmütig löste er sich aus der Ihlen Schlinge.
Stimmung vorläufig noch unter dem Nullpunkt! ‘teile er sachlich bet sich fest Und er fand, daß Tittfe Feststellung recht unbefriedigend war. Man inuBte sich angleichen, und dazu verhalf am besten i>in Glas Sekt. Er sah von weitem das dicht be- Ime te Sektzelt und steuerte langsam darauf los. MMch wich er zur Seite. Er hatte ein paar liniier bemerkt, die seinerzeit zu dem Kreise um ffiblia gehört hallen. Er mochte ihnen nicht be-
Wer Einiopssoimiag des WSW. 1937/38.
Erinnerungen und Hoffnungen in Gießen.
in
Köche des WHW. teilten beim öffentlichen Eintopfessen aus.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
fä5ner Auftakt, daß der erste Kampstonntag Diifem neuen Einsatz aller Kräfte gegen Not und
§£te dem Eintopf gehört. Denn mit ihm sind weit- hi- in allen Schichten unserer Volksgemeinschaft töiirtDoIIe Richtpunkte verknüpft. Er spricht immer tumber mit eindrucksvoller Stimme zu uns und dabei in unserem Herzen Erinnerungen auf- leb?n, die nicht nur der Alltag uns gegeben hat, fordern die wir auch aus unvergeßlichem Erleben mit uns tragen.
Schauen wir an diesem ersten Cintopfsonntag^ des Wnterhilfswerks 1937/38 kurz zurück. • In den rieften Familien in Stadt und Land ist der Ein- toff seit vielen Jahren schon ein guter Bekannter. Dii meisten Deutschen haben den Eintopf schon von ßinbesbeinen an als getreuen Wegbegleiter, sie Wen ihn ganz besonders erlebt und schätzen gelernt in der Zeit des Heeresdienstes in Feindes- lait) oder in der damals mit schweren Nahrungs- smzen kämpfenden Heimat. Sie sind dieser engen @cneinfd)aff mit dem Eintopf auch nach dem Krege wieder verbunden gewesen, so wie sie heute nog mit ihm auf Du und Du stehen und sicherlich bis an ihr Lebensende von ihm begleitet werden. Ls ist also schon berechtigt, wenn der größte Teil innrer Volksgemeinschaft davon spricht, daß der Lirtopf im Heim der deutschen Familie keine un= Hinnte Erscheinung sei.
Es ist immer eine Freude, nach langer Zeit einen Uten Freund Wiedersehen und ihm in enger Ver- lundenheit die Hand drücken zu können. Jeder von uis hat das schon erlebt. Derartige Freundschasts- tenbe sind wertvolle Besitztümer für das Leben. Einem solchen guten Freund begegnen wir alle cm morgigen Sonntag wieder. Seine Beziehungen ti uns sind zwar erst vier Jahre alt, aber trotz die- tr kurzen Zeitspanne sind sie doch so innig und ief, daß sie zu einem bedeutsamen und wertvollen itück unseres Lebens geworden sind. Diesem guten freund können wir zwar keine Hand geben, weil er t ine Hände hat. Aber wir können ihm unsere herzliche Zuneigung barbringen und dabei das Bewußt- jün hegen, daß wir in seinem Jdeenkreis wertvolle Leistungen vollbringen. Dieser gute Freund ist — Le r Eintopfso n n t a g. Morgen wind er zum elften Male wieder bei uns sein, im Rahmen des fünften Kampfes gegen Hunger und Kälte, den der Führer am Dienstagabend eröffnet hat. Es ist ein
Aber neu und großartig zugleich ist der Ideengehalt, den der Eintopf zum ersten Male im Herbst und Winter 1933 durch den Führer Adolf Hitler erhalten hat. Da wurde der feit Jahren bekannte Eintopf sonntagsfähig in allen Familien gemacht, auch da, wo man ihn zwar werktags mehr oder minder ausgedehnt einen Platz gönnte, ihm jedoch für den Sonntag die Geltung absprach. Und mit dieser Einordnung in das Feierkleid des Sonntags erhielt der Eintopf den schonen Sinn und Zweck eines Opfer-Anlasses, damit durch ihn Not und Elend im deutschen Volke bekämpft und gemindert werde. Das war 1933, zu Beginn des Winters, eine gewaltige Neuerung. Aber sie fand rasch Anklang. Man begriff in Stadt und Land in den meisten Familien sehr schnell den hohen ideellen Gehalt dieses Tages, und man bekannte sich dazu, den Eintopfsonntag nicht nur als Opfertag, sondern auch als einen Tag des starken.Bekenntnisses zu der engen, einander helfenden und fordernden Gemeinschaft aller deutschen Menschen zu begehen.
Auch in unserer engeren Heimat gewann der Eintopf im Sonntagsgewand seinem neuen Zwecke rasch viele Freunde. Es wäre töricht, übersehen zu wollen, daß man in der ersten Zeit nicht überall sofort mit fliegenden Fahnen den neuen Weg mitgin$r Jedoch ist es dem Zeitchronisten eine angenehme Pflicht, die Feststellung zu verzeichnen, daß der Eintopfsonntag je länger je mehr aufrichtige Freunde fand, immer stärker in die Breite und in die Tiefe wirkte und heute in Wirklichkeit allenthalben in den Familien das ist, was man einen guten, alten Freund nennt, bei dessen Wiederkehr man sich freut und mit dessen Bestehen man sich immer wieder gern verbindet. Den praktischen Niederschlag dieser innigen Verflochtenheit des Eintopfsonntags mit allen Volksgenossen haben wir in unserer engeren Heimat vielfältig bemerken können. Da war es nicht nur der finanzielle Ertrag der Opferspenden an den Eintopfsonntagen, der die Bedeutung der Tage kennzeichnete, sondern noch bedeutsamer war die Betonung des Bekenntnisses zu der großen nationalsozialistischen Idee, die der Führer diesem Tag gegeben hatte.
Als weithin sichtbare Beispiele dafür sah man bei den gemeinschaftlichen öffentlichen Eintopfessen, die von Zeit zu Zeit veranstaltet wurden, die Männer, Frauen und Kinder aus allen Volksschichten in schönster Gemeinschaft ihren „Schlag" empfangen und mit prächtigem Appetit verzehren. Da stand — wie oft konnte man das beobachten! — in unserer Stadt der General neben dem einfachen Manne aus dem Volk, da ging der Leiter eines großen industriellen Betriebes neben dem kleinen Arbeits- manne zur Feldküche, der Universitätsprofessor reihte sich in die Schar seiner Studenten und in die „Schlange" an der „Gulaschkanone" ein, da fehlte der Gewerbetreibende oder der Handwerksmeister mit seinen Arbeitskameraden ebensowenig; ganz selbstverständlich auch, daß alle führenden Männer der Bewegung hier wieder in vorderster Front standen. Sie alle und mit ihnen ihre Familien- und Hausangehörigen nahmen den von der NSV. zur Verfügung gestellten Suppentopf zur Hand, ließen sich einen ordentlichen „Schlag" einfüllen, suchten sich an Tischen irgendwo zwischen den speisenden Volksgenossen einen Platz und „verdrückten" frohgemut ihren Eintopf, den die Feldküchen in prächtiger Weise zubereitet hatten.
Wie stark der Anklang dieses gemeinsamen Eintopfs war, konnte man u. a. auch darin bekundet sehen, daß bei einem gemeinsamen Eintopfessen, für dessen Zubereitung alle Feldküchen und Kochkessel unserer Gießener Garnison eingesetzt wurden und bei dem annähernd 4000 Liter Essen zubereitet waren, die Nachfrage der Hausfrauen an den durch die Straßen fahrenden Feldküchen bei weitem nicht befriedigt werden konnte. Wir erinnern uns jenes Sonntags genau, da die Hausfrauen ober -töchter, nicht selten auch der Hausherr selbst, beim Erscheinen der durch Trompetensignal angekündigten Feldküchen von allen Seiten mit Schüsseln und Töpfen herbeiströmten, um für die Familie den „Schlag"
gegnen. Das war ja der Hauptgrund für sein Zögern gewesen: die Wahrscheinlichkeit, hier mit bekannten Künstlern zusammenzutreffen. Man stand heute natürlich weit über dieser Sache, aber es war immerhin unangenehm, Leuten zu begegnen, die über die Ereignisse von damals Bescheid wußten. Zum mindesten konnte man es vermeiden.
Einer der Künstler, der Tenorbuffo Brendler, hatte ihn aber doch bemerkt. Ein kurzes Zögern und Prüfen, dann wand er sich geschickt durch die Menge hindurch und kam mit ausgestreckter Hand auf Stefan zu.
„Sind Sie es wirklich, Herr von Achenbach? Freut mich aufrichtig. Haben uns lange nicht gesehen, was?"
Er schüttelte Stefan die Hand.
„Ich freue mich wirklich. Sie waren schon damals ein famoser Kerl. Entschuldigen Sie den familiären Ausdruck, aber es ist wirklich gut gemeint. Und heute braucht man ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, nicht wahr?"
Stefan lächelte nachsichtig. Brendler war ein sehr sympathischer und gutherziger Mensch, der damals wirklich viel auf ihn gehalten hatte. Man durfte überzeugt fein, daß er es gut meinte.
„Gewiß, Herr Brendler", entgegnete Stefan. „Und ich freue mich ebenfalls. Wenn mich mein Gefühl nicht getäuscht hat, haben Sie mir schon damals viel Sympathie entgegengebracht, obwohl ich erheblich jünger war als Sie."
„Das darf ich mit gutem Gewissen bestätigen, Herr von Achenbach."
„War wohl auch ein gut Teil Bedauern dabei, wie?"
Brendler zögerte. Dann sagte er:
„Wenn Sie so ruhig davon sprechen, darf ich es ebenso ruhig bekennen: Jawohl, Herr von Achenbach. Und keiner hat sich mehr für Sie gefreut, daß die Sache glücklich in die Brüche ging."
„Bei mir hat es — begreiflicherweise — ein bißchen länger gedauert, bis ich dahintergekommen bin, daß es ein Glück für mich war Heute bin ich natürlich um so fester davon überzeugt. Wohlverstanden: ich sage Ihnen das zu Ihrer Orientierung, nicht etwa, um Gloria Rettner noch nachträglich herabzusetzen."
„Verstehe vollkommen, Herr von Achenbach. Aber darf ich mir da noch eine Frage erlauben? Ich
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Feldküchen der Soldaten halsen bei der Lieferung der Eintopf-„Schläge". (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Glieder der Volksgemeinschaft umspannende segensreiche Einrichtung nicht vorhanden sei.
Diese Anerkennung muß für uns alle stets ein Ansporn sein, auf dem bisherigen Wege dieser
Eintopf für den Sonntagsmittagstisch abzuholen. Und wir sehen im Geiste heute noch manche betrübte Hausfrau, die damals mit leerem Topfe wieder heimkehren mußte, weil der köstliche Inhalt der Feldküchen im Handumdrehen ausgegeben war. Dieses „Betriebsmalheur" an jenem Eintopfsonntag konnte allerdings nicht den liefernden Wehrmachtsküchen zur Last gelegt werden, sondern es hatte feinen Grund darin, daß die meisten jener Essenholer es nicht für notwendig gehalten hatten, ihren Bedarf rechtzeitig anzu- melden, und nun als Abholer überraschenderweise an den Feldküchen auftauchten. Immerhin bewies gerade jener Eintopfsonntag überaus ein
drucksvoll, wie stark in die Breite und in die Tiefe das Bekenntnis zum Eintopfsonntag Wurzel geschlagen hat, wie es zu einem unveräußerlichen, wichtigen Lebensfundament unserer Volksgenossen aller Schichren und Stände geworden ist.
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Von dieser Grundlage der letzten Jahre ausgehend, wird der Eintopf auch an den nach ihm genannten Spendetagen des fünften Winterhilfswerks wiederum in allen Familien volle Geltung haben. Das ist ganz natürlich, denn es steht unzweifelhaft fest, daß ein gut zubereitetes Eintopfessen auch für den Sonntagsmittagstisch eine köstliche Sache ist, die sich sehen lassen kann. Ebenso überzeugend ist die Tatsache, daß der Eintopf in allen deutschen Familien als Sonntagsspeise eine wuchtige Kraft des Bekenntnisses zum Gemein- schaftsgodanken darstellt, die ihre Wirkung nach außen aus die anderen Völker bisher schon nicht verfehlt hat und auch künftighin in der gleichen Weise ausüben wird. Vielfältig sind dem deutschen Volke ausländische Stimmen nach dieser Richtung hin bekannt geworden, die sämtlich mit staunender Bewunderung diese großartige Kundgebung der deutschen Bekenntnisgemeinschaft würoigten und dabei nicht selten Bedauern darüber äußerten, daß in ihrem eigenen Volkstum eine derartige, alle
gewaltigen Volkskundgebung einsatz- und opferbereit immer weiterzuschreiten. Unsere engere Heimat wird dabei wacker mitmarschieren. Wir wissen aus den Beobachtungen im Verlaufe der letzten Jahre, daß der Eintopf als Beherrscher eines Sonntags im Monat während des Winterhalbjahres in allen Familien seine feste Stellung errungen hat. Und es ist auch kein Geheimnis, daß unsere Volksgenossen in Stadt und Land unserer engeren Heimat das Opfern für das WHW. in Verbindung mit dem Eintopf als eine besondere freiwillige Verpflichtung erfüllen.
Daher sind wir denn auch überzeugt, daß dis Eintopfsonntage des Winterhilfswerks 1937/38 eine hervorragende Rolle im Gesamtrahmen dieses Kampfes gegen Hunger und Kälte spielen werden und der morgige erste Eintopfsonntag für seine Nachfolger und für das gesamte Hilfswerk einen guten Auftakt bilden wird. So wollen wir denn alle morgen wieder freudig unfern Eintopf-„Schlag" verzehren und dabei unsere Opfergabe gern in die Hände der Sammler legen, damit unsere Beisteuer zum WHW. reiche Früchte tragen kann im Kampf gegen Hunger und Kälte B.
Deutsche Familie beim Sonntags-Eintopf. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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möchte natürlich nicht indiskret fein, aber es interessiert einen doch —"
„Bitte?"
„Sie haben Gloria Rettner operiert?"
Stefans Augenbrauen schoben sich leicht zusammen.
„Ist das auch wieder bekanntgeworden?"
„Ich hörte neulich davon."
„Darf ich wisien, von wem?"
„Gewiß. Don Wolfersdorfs. Er ist ja wohl Inspektor bei Ihnen?"
Stefan zog hörbar die Luft durch die Nase.
„Ah, Wolfersdorfs ...! Ein Schwätzer, und nicht einmal ein gutmütiger."
„Allerdings. Mir persönlich sehr unsympathisch. Aber er gehörte damals zu den Freunden Brockmanns, des Rennreiters, ünd ist natürlich gut informiert."
„Ah, daher also! Das erklärt allerdings manches. Und Sie haben sich da natürlich Gedanken gemacht, werden sich zum mindesten gewundert haben, daß ich die Operation übernommen habe, nicht wahr?"
„Man kennt ja die Zusammenhänge nicht, Herr von Achenbach. Und ein Mann wie Wolfersdorfs kommt als Gewährsmann selbstverständlich nicht in Frage."
„Na, schön, um auch da keine Unklarheiten auf- kommen zu lassen: ich würde die Operation wahrscheinlich abgelehnt haben, wenn ich gewußt hätte, daß die Frau Konsul Bruckner die ehemalige Gloria Rettner war. Aber ich bin von dieser Tatsache überrascht worden. Das ärztliche Gewissen und das wissenschaftliche Interesse — der Fall war nämlich ebenso interessant wie schwierig — haben mich dann bestimmt, die Behandlung trotzdem zu übernehmen. Nicht zuletzt auch die Persönlichkeit des Konsuls selbst, der in schwerer Sorge war. Es wäre ja auch kleinlich gewesen, die längst vergessenen Dinge der Vergangenheit da mitsprechen zu lassen. Ich habe meine Schuldigkeit getan, und damit ist die Angelegenheit für mich erledigt."
„So ähnlich habe ich mir das auch vorgestellt. Und bas entspricht ganz dem Bilde, das ich mir immer von Ihnen gemacht habe. Wenn ich das sagen darf, Herr von Achenbach ... Und nun entschuldigen Sie mich, Brendlerchen wird nämlich gebraucht. Vielleicht sehen mir uns nachher noch; würde mich sehr freuen."
„Wollen sehen, Herr Brendler. Viel Vergnügen inzwischen!"
„Ebenfalls, Herr von Achenbach!"
Stefan sah ihm nach, bis er in der Menge untergetaucht war. So, nun wußten die Leutchen Bescheid, Brendler würde schon für Aufklärung sorgen. Schluß also damit!
Langsam bahnte Stefan sich den Weg nach dem Sektzelt, das dicht belagert war. Die Dame, die das Zelt betreute, war Dina Engler, die erste Soubrette des Stadttheaters. Stefan erkannte sie sofort. Da konnte man also wieder eine Frage erwarten! Ein vielversprechender Anfang!
In diesem Augenblick wurde er wieder angerufen.
„Ah, Kollege Achenbach ...! Das ist ja nett. Wollen Sie sich auch eine kleine Herzstärkung leisten?"
Stefan gab ihm die Hand.
„Versteht sich, Kollege. Man wird es heute notwendig haben, sich das Herz zu stärken, denke ich."
„Haben Sie so viel vor? Alle Achtung! Aber da passen Sie nur gut auf, daß besagtes Herz nicht irgendwo hängen bleibt. Wär' kein Wunder heute. Bei dieser Fülle von weiblicher Schönheit und Grazie!"
Dina Engler hatte flüchttg aufgesehen, als der Name Achenbach gefallen war. Jetzt lag ihr Blick forschend auf Stefans Gesicht. Ein kleines, helles Licht stand in ihren hübschen dunkelbraunen Augen.
Stefan trat mit leisem Lächeln heran.
„Jawohl, göttliche Dina, ich bin es! Und dis schone Gloria ist auch wieder da. Diese erschütternde Neuigkeit möchten Sie mir doch gern berichten, nicht wahr?"
Sie sah ihn verdutzt an.
„Ja, was ist denn das .. ? Von dieser Seite kennt man Sie ja gar nicht, Herr von Achenbach."
„Schon möglich. Es sind ja seit damals auch etliche Jahre vergangen. Die Welt verändert sich. Warum soll sich Stefan von Achenbach nicht auch verändert haben! Aber nun geben Sie mir erst mal gebührend das kleine Händchen und lassen Sie mich Ihnen sagen, daß ich mich freue. Sie wieder» zusehen. Blühend wie immer!"
Sie reichte ihm mit festem Druck die Hand.
Fortsetzung folgt


